Profil für Seidler Till > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Seidler Till
Top-Rezensenten Rang: 113.672
Hilfreiche Bewertungen: 921

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Seidler Till "toseidler" (regensburg)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9
pixel
Alles ist erleuchtet: Gelesen von Boris Aljinovic und Florian Lukas
Alles ist erleuchtet: Gelesen von Boris Aljinovic und Florian Lukas
von Jonathan Safran Foer
  Audio CD
Preis: EUR 25,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen zu verspielt, unrealistisch, überheblich, 29. August 2011
Ich bin der Spielverderber und äußere mich eindeutig gegen das Werk. Hier sind die Gründe:
1. Foer legt schon in diesem Buch die Fäden zu seinem Buch "Tiere essen". Gefühlte 100 Mal betont er, dass er Vegetarier ist und die Ukrainer reagieren mit Unverständnis. "Frag ihn ob er Leber ißt. Oder Wurst". Ganz nett, aber pure Selbstdarstellung und mit Verlaub billiger Verweis auf weitere Bücher in der Pipeline.
2. Foer stellt die Ukrainische Familie, mit der er herumreist, als sehr einfach gestrickt dar. Ich möchte hier das Wort "Deppen" vermeiden, aber dafür hält der Autor (der sich von Alex als "der Held" bezeichnen lässt) die Ukrainer. Eine nicht selten bemerkte Ansicht anglophoner Personen, u. a. bei US Amerikanern ist eben, dass Menschen, die mit Akzent sprechen auch mit Akzent denken.
3. Briefe von Alex werden in einem Jargon (seine Sprachkenntnisse sind nicht perfekt) präsentiert, der am Anfang amüsant ist.Diese Sprache mit Akzent wird übertrieben. Dutzende Male liest man Phrasen wie: "Das und das machte mich zu einem glücklichen/traurigen/fröhlichen Menschen". "Mein Großvater sagte ich solle den Helden informieren, dass die Ukraine viel Landwirtschaft besitzt. Ich informierte ihn". Eigentlich billig, sich so ausgiebig über die Sprache eines Menschen zu belustigen. Sage ich.
4.Die vielen Briefe, die Alex schreibt sind natürlich rein fiktiv, aber die immense Zahl zeugt doch von der in den USA verbreiteten Ansicht, dass der Idiot aus der dritten Welt schon schreiben wird, egal ob man reagiert oder nicht. Gut, führt etwas weit, aber das war mein Gedanke.
Der Rahmen für die interessante Handlung hat mir nicht zugesagt. Wer interessante Bücher über den 2. Weltkrieg lesen will, der greife zu Herta Müllers Atemsschaukel oder dem Höllentor von Anja Lundholm
5. Phasenweise völlig unrealistische Schilderungen. Beispiel: Der Man von Foers Ur-Ur....Großmutter wird von einem Sägeblatt an der Stirn getroffen. Das Sägeblatt bleibt stecken und er läuft den Rest seines Lebens damit rum. Da er ja einen Schaden am Frontalhirn hat wird er aggressiv, gewalttätig und sexuell hyperaktiv. Entschuldigung: die Episode ist dämlich. 2. Beispiel: Der Großvater von Foer musste als Jugendlicher auf Betreiben irgendeines jüdischen Kommitees die Witwen am Ort begatten, weil er so viel Stehvermögen hat. Er kam auf etwa 150 Frauen. Alex beschwert sich in einem Brief beim Autor, dass ihm der Großvater doch leid tue, weil er mit seinem Genitale so viele schlaffe "Zauberdosen" (ja so nennt er das weibliche Genitale) erkunden muss.

Meine ehrliche Meinung: wäre dieses Buch von einem Schriftsteller aus Polen oder der Ukraine, wäre dieses Konglomerrat an Verrücktheiten höchstens als ein Experiment aus der Schreibwerkstatt anzusehen. Aber es kommt ja aus den USA, also muss es ja gut sein. KLar, DEutsche Kritiker lesen US-Literaturzeitschriften und pinnen ihre Kritiken da ab. Die Zeitschriften in Polen oder der Ukraine können sie ja nicht versten. Kann man lesen, ist aber nicht so überragend Es ist teilweise einfach: albern.


Die Festung der Einsamkeit: Roman
Die Festung der Einsamkeit: Roman
von Jonathan Lethem
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Herausragende Einzelszenen, müde Gesamtkomposition, 28. Juni 2011
Das Buch besticht durch wirklich fabelhaft geschilderte, will sagen sehr glaubwürdig und echt erscheinende Einzelszenen. Das sind im ersten Teil Ballspiele auf der Strasse, das Aufbringen von Graffities, ERfahrungen mit Drogen und Mädchen und eine Szene, in der masturbiert wird. Die Jungs werden erwischt versteht sich, die Seiten sind unglaublich tragisch und komisch zugleich. Im zweiten Teil gibt es herrliche Parties im College, unter Drogeneinfluss getätigte Kopulationen, sogar eine Schießerei. Allerdings gewann ich als Leser den Eindruck, Lethem schrieb das Buch um die - möglicherweise in seiner Schreibwerkstatt schon vorhandenen Szenen, die wirklich gut sind- in einem längeren Text unterzubringen. Der Zusammenhang wirkt aufgesetzt, zu viele Szenen haben keine Nachwirkung, zu viele Personen kreuzen auf und verschwinden wieder. Vielleicht sollte das ganze möglichst lebensnah wirken, das ist geglückt. Es gibt auch viel überflüssiges, was dem Autor Arbeit und dem Leser eher müde Augen und Langeweile beschert. Z.B. wird die komplette Geschichte einer fiktiven Band, der der Vater von Mingus, eines der Protagonisten angehörte seitenlang dargestellt, es werden angebliche Artikel aus Zeitungen zitiert- alles überflüssig. Die Geschichte mit dem Ring, der übermenschliche Fähigkeiten (Fliegen, Unsichtbarkeit) verleiht soll nach meinem Gefühl nur verbergen, dass Lethem nicht über die sprachlichen Fertigkeiten verfügt, um aus dieser Geschichte ohne diesen Hokus-Pokus ein lesenswertes, evtl. gar gutes Buch zu machen. Ich habe mich streckenweise gelangweilt und bin ohne Kenntnis weiterer Bücher von Lethem erstaunt, dass er sogar Creative Writing in Pomona unterrichtet. Ich ziehe einen unzulässigen Vergleich: Dieses Buch von sagen wir einem Kind das auf der Reeperbahn aufgewachsen ist handend mit ähnlichen Charakteren würde es in Deutschland nicht in die Bücherregale der Händler schaffen. Ich bereue die Lektüre nicht, das Buch hinterlässt jedoch keinen gewaltigen Eindruck bei mir. Nette Abwechslung, die sich selten der Grenze zur Kunst nähert.


Die Liebe in den Zeiten der Cholera: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
Die Liebe in den Zeiten der Cholera: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
von Gabriel García Márquez
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenig anrührender Versuch einer Romanze in selbstzufriedener Sprache, 19. Januar 2011
Das positive zuerst. Der Roman kommt sehr lebensfroh und reich an Geschichten daher. Um den sattsam bekannten Hauptstrang der ERzählung ranken sich diverse Episoden zum Teil als Zierde, zum Teil als misslungene Dekoration. Hinzu kommt für mich: ich konnte weder die Namen (Florentino Ariza, Fermina Daza) der Protagonisten richtig lieb gewinnen (zu oft werden sie wiederholt), noch konnten sie durch Ihre Typisierung in dem Buch meine echte Sympathie wecken. Fermina Daza, so will es der Autor schildern, gehört zur gehobenen Gesellschaft, nimmt an einer Ballonfahrt teil, fährt Hochrad, alles ganz amüsant geschildert. Florentino Ariza, so beschreibt es das Buch, verbringt seine Zeit damit Partnerinnen für die nächste Kopulation zu finden. Das ganze erstreckt sich über 400 Seiten. An sich nicht schlimm, nur bleibt der Stil des Autors auf diesen Seiten seltsam gleichförmig (wenn auch unterhaltsam). Ob er die Ballonfahrt, den Liebesakt, eine Fahrt mit dem Schiff beschreibt, alles geschieht im gleichen etwas selbstzufriedenen Tonfall des alten Herren, der halt viel zu erzählen hat. Selten weiß der Leser nun, ob es sich um eine Schlüsselszene des Buches oder einen Nebenschauplatz handelt.
Das Buch liefert sicherlich ein interessantes Bild der postkolonialen Gesellschaft in Kolumbien, dennoch überzeugt mich das Werk nur bedingt. Zu wenig variabel ist die Sprache, zu überladen die Handlung, zu unglaubwürdig die Affären, zu lang das ganze. Wieder mal muss ich sagen, dass ich bereit wäre das Buch zu loben, wenn es ein Geheimtipp wäre, das Werk eines wenig beachteten Autors. Als ein wesentlicher Baustein des Werkes eines mit vielen Preisen ausgezeichneten Autors allerdings enntäuschend.


Höllentor
Höllentor
von Anja Lundholm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das es nicht geben dürfte...., 10. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Höllentor (Gebundene Ausgabe)
.... weil all das nie hätte erlebt werden dürfen. So oder ähnlich formulierte sich die Autorin Eva Demski, als sie das Nachwort zur der vorangehenden Auflage des Buches schrieb. Im "Höllentor" beschreibt Anja Lundholm mit klarer, unzweideutiger Sprache ihre Erlebnisse als Häftling im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie aufgrund ihrer Kontakte zu einer Widerstandsbewegung und ihrem Status als Halbjüdin inhaftiert ist. Unvermittelt findet sich der Leser regelrecht umzingelt von den Beschreibungen der täglichen Appelle, bei denen regelmässig entkräftete Häftlinge zu Boden sinken und von ihren Bewachern entfernt werden, von eindringlichen Schilderungen der Not, der Enge, des Schmutzes in den Baracken, von der Brutalität, welche den Umgang der Häftlinge untereinander prägt, und vom durch Anja Lundholms einprägende Worte geradezu real vernehmbaren Geruch des Krematoriums. Einige Häftlinge, so auch die Erzählerin werden als Zwangsarbeiter für eine nahegelegene Fabrik rekrutiert und entrinnen so für einige Zeit dem Grauen des KZ. Doch dann rückt die Rote Armee an und die Nazis müssen das Lager räumen um ihre Greueltaten zu verbergen. Die Häftlinge werden evakuiert und auf ein freies Feld getrieben....
Schemenhaft und doch eindrucksvoll kann der Leser die im Hintergrund stattfindenden Ereignisse des Krieges erahnen. Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern, welche schon in die Hände der Russen gefallen erreichen Ravensbrück und werden im Lager untergebracht. Eine unerträgliche Enge ist die Folge. Täglich geistern Gerüchte vom Ende des Krieges durch die Reihen der KZ-Insassen, aber eben nur Gerüchte.
Nie hat mich ein Buch mehr beeindruckt als das Höllentor, nie hat sich meine Einstellung zu einem Thema so grundlegend gewandelt wie durch dieses Buch. Anja Lundholm beschreibt präzise aber ohne Vorwurf, packend aber ohne Pathos, was allein der Titel des Buches widerspiegelt: Das KZ ist das Tor zur Hölle, aber es ist eben nur das Tor. Nur was bitte ist dann die Hölle? Die Autorin bleibt stets eine winzige Strecke unterhalb der Schwelle von Pathos, Vorwurf und Mitleid. Alles in diesem Buch ist selbst erlebt. Deswegen dürfte es das Buch nicht geben. Vergesst Bernhard Schlinks Vorleser, dieses Buch ist Pflichtlektüre für Deutsche Schüler, Erwachsene, Linke Rechte, Altnazis und alle Radikalen.
Der Verlag Langen-Müller hat das Buch rechtzeitig wieder aufgelegt: wenige Woche vor dem Tod der Autorin. Danke, Anja Lundholm, für dieses Werk.


Die neuen Spießer: Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft
Die neuen Spießer: Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft
von Christian Rickens
  Gebundene Ausgabe

28 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mein Gott Rickens, bist Du schlecht, 6. Februar 2007
Das Buch liest sich wie ein ausgewalzter Brigitte Artikel. Rickens hat zu allen möglichen Dingen seine Meinung, die er auch,ob in den Kontext passend oder nicht, offenbar gerne zum Besten gibt. Das ganze ist locker formuliert, man verschwendet beim Lesen also nicht zuviel Mühe. Cool und damit ins Weltbild des Autors passend ist allerdings nur, wer als kinderloses Pärchen mit doppeltem Einkommen in einer Altbauwohnung in Berlin haust. Alles andere? Gut genug für Wildschweine.

Mir geht die ganze Debatte höllisch auf die Nerven, hat sich doch im öffentlichen Rummel eine Hackordnung etabliert, die wie folgt geht:

ganz oben steht das Ehepaar mit doppeltem Verdienst, dessen Kinder rund um die Uhr betreut sind, sogar im Krankheitsfall. Man hat das moldawische Kindermädchen vorsorglich mal einen Erste-Hilfe-KURS absolvieren lassen.

Danach kommt die allein erziehende voll berufstätige Mutter und ganz unten in der öffentlichen Hackordnung gleich neben den Empfängern von Hartz 4 steht die Familie mit einem Elternteil, der nicht arbeiten geht.

Alle Ideologisierung der Debatte führt zu nix. Ob Peter Hahne, Eva Herrmann, Rickens usw., ich finde mich in keinem dieser lautstarken Pamphlete wieder. Alles Scheiße!

Rickens ist ein Sekundärverwerter und ich überlege, ob ich nicht eine Antwort auf Rickens in Buchform verfassen sollte. Und danach kann jemand auf meinen Wortmüll reagieren uŽnd immer weiter... Toll!


Im Krebsgang: Eine Novelle
Im Krebsgang: Eine Novelle
von Günter Grass
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nachwirkungen einer menschlichen Tragödie, 23. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Krebsgang: Eine Novelle (Taschenbuch)
Das Buch behandelt in einer Art Zeitraffer die Epoche vom herannahenden Ende des zweiten Weltkrieges bis zur Jahrtausendwende und beleuchtet schonungslos die misslungenen Leben von 3 Generationen: der Deutschen, die den Krieg miterleben mussten, der zum Kriegsende oder danach geborenen und der Wohlstandskinder der 80er und 90 er Jahre. Grass beleuchtet grell die Unfähigkeit der Mutter, die ihr Kind kurz nach der Rettung von der sinkenden Wilhelm Gustloff auf einem Torpedoboot gebären musste, sich von dieser Episode zu lösen und gleichsam Sohn und Enkel brutal mit ihren Erinnerungen anfällt. Dem Sohn (Ich-Erzähler des Buches) sind die Schilderungen seiner Mutter gleichgültig. Er ist geschieden, eine kleine unbedeutende journalistische Existenz. Beim Enkel, dem Sohn des Erzählers jedoch, fallen diese immerfort wiederholten Schilderungen auf fruchtbaren Boden. Dieser verspürt bald den inneren Zwang, die Versenkung des mit Flüchtlingen überladenen Schiffes, die fast 60 Jahhre zurück liegt, zu sühnen.

Vater und Sohn begegnen sich zum Teil unter Pseudonymen in Chatrooms im Internet und bald kann auch der Vater nicht mehr die Augen vor der tiefbraunen Gesinnung des Sohnes verschließen. Die sich daraus ergebende Tat kann er jedoch nicht verhindern.

Zugegeben, die ersten etwa 20 Seiten und die oft etwas zu ausgedehnten im weltweiten Netz spielenden Szenen sind teilweise quälend: deshalb nur 4 Punkte. Die Schilderung des Untergangs der Wilhelm Gustloff nach dem Treffer mehrerer russischer Torpedos indes ist unglaublich gut gelungen und zählt zum beeindruckendsten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Grass gelingt die Reise vom unter der Last des verlorengehenden Kriegen ächzenden Großdeutschen Reiches bis in den Wohnzimmermief der Bundesrepublik Deutschland nach der Wende ganz vorzüglich und mit Leichtigkeit, mit einfachen Mitteln und wenigen Worten: das Buch hat etwas über 200 Seiten, damit auch für wenig Leser eine realistische Herausforderung. Und die lohnt sich. Bravo, Herr Grass!


Wolfsmond
Wolfsmond
von Julio Llamazares
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Chronik einer ausweglosen Flucht, 29. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Wolfsmond (Broschiert)
Mehrere Männer verstecken sich in den Bergen Nordspaniens vor den Verfolgungen der Guardia des Franco-Regimes. Nur des Nachts und klammheimlich können Sie Ihre Familienangehörigen besuchen, denen sie zunehmend eine Last werden. Die Gruppe der Männer dezimert sich zunehmend. Mehrere werden getötet, bis schließlich der Erzähler allein überlebt. Er hört vom bevorstehenden Tod seines Vaters und will ihn ein letztes Mal sehen. Aber<das Haus wird von der Guardia bewacht...

LLamazares schwankt zwischen nüchternem Erzählstil und überschwänglichen Beschreibungen der Natur, was den Roman unglaublich abwechslungsreich und voll von Kontrasten erscheinen lässt. Die Erzählung ist hart und packend und reduziert sich zunehmend auf den einzigen Wunsch des Protagonisten, den Verfolgern zu entgehen. Der Leser erlebt das Geschehen durch den Focus des Erzählers dessen Welt sich mehr und mehr auf den circulus vitiosus von Verfolgung und Flucht reduziert. Ein beeindrucendes Buch, dem lediglich manchmal der psychologische Erkundungsdrang in das Seeleneben seiner Figuren abgeht.


Morgennatz und Ringelstern: Gedichte von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz
Morgennatz und Ringelstern: Gedichte von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz
von Heinz Janisch
  Gebundene Ausgabe

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...macht Kinder froh, und Erwachsene?, 25. Januar 2006
Es ist ein Kinderbuch mit einfachen, aber humorvollen Bildern, welche die Gedichte von zwei interessanten Personen optisch untermalen. Die schönsten Reime sind ausgewählt, etwa das Nasobem und der Schnupfen. Gedichte sind eine ideale Lektüre in unserer Zeit des chronischen Zeitmangels, dieser Band ist ist ein guter Einstieg für Kinder und Erwachsene. Filigrane Wortwebereien wie bei anderen Lyrikern wird man hier vergebens suchen, trotzdem sehr schön!


Tortilla Flat. SZ-Bibliothek Band 40
Tortilla Flat. SZ-Bibliothek Band 40
von John Steinbeck
  Gebundene Ausgabe

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Streuner im warmen Schoße der Seßhaftigkeit, 19. Oktober 2005
Der ehemhalige Soldat Danny erbt zwei Holzhäuser im Wohngebiet, das namensgebend für den Roman ist: Tortilla Flat. In das eine zieht er selber, in das andere einige wie er nicht seßhafte Freunde ein. Sie führen ein erfülltes, von geklautem und erschummeltem Rotwein versüßtes Leben, welches sie durch Diebstähle und kleinere Betrügereien ermöglichen. Die geforderte Miete wird in Wein und Naturalien bezahlt.Das eine Haus brennt ab, immer mehr schrullige Typen, die mit den Errungenschaften der Moderne, geregelter Arbeit und jeder Form von Hygiene nichts aber auch gar nichts am Hut haben, ziehen ein, es bildet sich eine Grossfamilie. Die einzelnen sehr originellen und gut strukturierten Kapitel gehen über die Beschaffung von Rotwein (welcher gallonenweise getrunken wird), Frauengeschichten, Gefängnisausbrüche und vieles, was das Leben interessant macht. Das Ende soll nicht verraten werden.
Die Lektüre ist erbaulich, für meinen Geschmack fehlen jedoch ein wenig die kritischen Elemente. Trotz literweise genossenen Rotweines gibt es im gesamten Buch auch nicht die Andeutung, jemand könne einen Kater haben, außerdem ist der Sprachgebrauch, den Steinbeck seinen sympathischen Streunern in den Mund legt, füt derartig deftige Zeitgenossen viel zu geschliffen und poliert. Ihre Sprache erinnert eher an Priester oder Heilige denn an Landstreicher (sog. Paisanos)und die Gesinnung eines jeden einzelnen erscheint mir eine Spur zu edel. Dennoch ein pralles, das Leben bejahendes und seine Charaktere feierndes Buch, das mehr als nur ein guter Zeitvertreib ist. Mit allen Augen zugedrückt könnte man es als eine Mischung aus Mark Twains Huckleberry Finn und dem Büchlein "So zärtlich war Suleyken" von Siegfried Lenz bezeichnen. Also: sehr lesenswert


Die Möglichkeit einer Insel
Die Möglichkeit einer Insel
von Michel Houellebecq
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

12 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Talkshowplatitüden auf viel zu vielen Seiten!, 31. August 2005
Da erzählt jemand in dem Ton, den ein Gast mit Hang zur übertriebenen Selbstinszenierung in einer drittklassigen Talkshow oder bei Johannes B. Kerner anschlägt. Jaja, ich bin eine Art Aussenseiter und habe einen ausschweifenden Lebenswandel, aber hallo! Tatsächlich strandet die Handlung immer wieder in Talkshows, es geht ums Rauchen, Alkohol und was weiß ich noch. Mein Rat an alle, die dieses Buch kaufen wollen: investiert das Geld in Alkoholika und wartet bis dieser "Roman" verramscht für 50 Cent irgendwo angeboten wird. Jeder noch so jämmerliche Rausch ist besser als dieses sinnlose Buch. Wer wissen will, was es heißt, betrunken zu sein, soll doch einfach nur selber zur Flasche greifen. Das ist wesentlich autentischer und macht mehr Spaß...


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9