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Petzi (München)

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6 Uhr 41: Roman
6 Uhr 41: Roman
von Jean-Philippe Blondel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

10 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne französische Geschichte, 5. August 2014
Rezension bezieht sich auf: 6 Uhr 41: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hin und wieder gibt es Bücher, in die ich auf den ersten Blick verliebt bin. Ohne überhaupt ein Wort gelesen zu haben oder wirklich etwas von der Geschichte zu kennen. "6 Uhr 41" war genau das. Ich war verliebt vom ersten Augenblick an und habe mich demnach auch sehr auf die Lektüre gefreut.

Erzählt wird hier eine ganz besondere Geschichte, nämlich die von Cécile und Philippe, die früher eine Beziehung hatten, sich jahrelang aus den Augen verloren haben und sich jetzt auf einer Zugfahrt nach Paris zufällig wieder sehen. Doch was tut man und was sagt man, wenn das Ende der Beziehung damals nicht wirklich freundschaftlich war?

Die beste Art der Situation zu entkommen wäre vermutlich einfach so zu tun, als würde man seinen Sitznachbarn nicht erkennen und zu schweigen. Genau das tun die beiden auch. Abwechselnd erhält man Einblick in die Gedankenwelt der beiden, die sich über ihre damalige Beziehung dreht und auch ihr heutiges Leben kritisch beleuchtet. Dabei kann man sich köstlich amüsieren. Jean-Philippe Blondel erzählt die Geschichte mit viel Witz und Humor und man hat fast das Gefühl, als finde er es ganz wunderbar, in welche Lage er seine Protagonisten gebracht hat.

Die ganze Zeit über bleibt die Frage, ob die beiden die Situation am Ende auflösen oder tatsächlich auseinandergehen ohne überhaupt ein Wort zu wechseln. Diese ruhige und auch irgendwie sehr typisch französische Geschichte hat etwas ganz Leichtes und Zauberhaftes an sich, das mich nicht mehr losgelassen hat. Meisterhaft schafft der Autor eine besondere Atmosphäre, der man sich als Leser nicht entziehen kann. Ich habe die Geschichte der beiden in einem Rutsch verschlungen und war begeistert von den beiden Protagonisten und diesem schönen Buch. Wort für Wort ein Genuss und eine ideale Sommerlektüre.

Fazit: Eine Geschichte über das ganz normale Leben, eine Situation, die so überall passieren könnte und Protagonisten, die man sofort mag. Diese leise, französische Geschichte ist die ideale Sommerlektüre mit viel Humor und dem ganz besonderen Charme.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 8, 2014 11:50 PM MEST


Palmen in Castrop-Rauxel: Mach dein Leben außergewöhnlich!
Palmen in Castrop-Rauxel: Mach dein Leben außergewöhnlich!
von Dennis Betzholz
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnliches Buch, 23. Juli 2014
Palmen in Castrop-Rauxel ist für alle Menschen, die schon lange davon träumen, ihr eigenes Ding zu machen. Ob eine Karriere als Sänger, die Weltreise oder das eigene Unternehmen. Die Geschichten dieser 12 Menschen könnten unterschiedlicher nicht sein und machen trotzdem alle Mut. Denn es sind auch Geschichten vom Scheitern, wieder aufstehen und weitermachen. Lebe deinen Traum, denn es war noch nie so einfach, wie heute.

Felix Plötz und Dennis Betzholz sind wohl Menschen, die für ihre Ideen leben und brennen. Deswegen ist es wahrscheinlich gar nicht verwunderlich, dass die Finanzierung für "Palmen in Castrop-Rauxel" bald in trockenen Tüchern war und das Buch an den Start ging. Erzählt werden hier 12 Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beispielsweise von Nico Pusch, der eigentlich Rettungssanitäter ist, aber sein Hobby Musik machen nie ganz aufgegeben hat und heute als DJ bei großen Festivals auftritt. Oder Eva Krsak, die seit ihrer Kindheit von einem eigenen Modelabel geträumt hat und heute bereits Promis wie Heidi Klum einkleidet. Oder Astrid Weidner, die von Geburt an blind ist und heute dennoch zu Deutschlands außergewöhnlichsten Coaches zählt.

Das sind alles Geschichten von Menschen von nebenan, die auch irgendwann mal einen Traum hatten und statt ihn weiterzuträumen, tatsächlich auch verfolgt haben. Dieses Buch macht Mut, denn es erzählt nicht nur von steilen Aufstiegen und Erfolgsgeschichten, sondern auch von Rückschlägen und Tiefpunkten. Es gibt immer wieder die Momente, in denen man am liebsten alles hinschmeißen möchte, doch diese Momente sind es auch, die einen nachdrücklich stärken.

Alle Geschichten sind an die 15-20 Seiten lang und erzählen eindrücklich von den Menschen dahinter, dem Weg zum Ziel und den Erlebnissen. Zusätzlich gibt es immer auch Tipps für alle, die vielleicht so einen ähnlichen Weg für sich vor Augen haben. Man muss auch gar nicht das ganze Buch am Stück lesen, denn es reicht, sich immer mal wieder eine Geschichte zum Mutmachen durchzulesen. Es bestärkt darin, einfach mal loszulegen, nicht seine ganze Existenz über den Haufen zu werfen, auch nicht den Job sofort an den Nagel zu hängen. Klein anfangen, nebenbei machen und schauen was passiert. Ein interessanter Ansatz, der lohnenswert ist.

Fazit: "Palmen in Castrop-Rauxel" sollte man lesen, wenn der Traum nicht länger ein Traum bleiben soll und man den ersten Schritt in die richtige Richtung wagen möchte. Zwölf Erfolgsgeschichten von zwölf Menschen von nebenan motivieren, rütteln wach und haben mich überzeugt.


Klammroth: Roman
Klammroth: Roman
von Isa Grimm
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Schockeffekte mit kleinen Schwächen, 13. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Klammroth: Roman (Taschenbuch)
Die Bezeichnung "Roman" ist bei "Klammroth" definitiv irreführend. Es handelt sich hier eher um einen Thriller mit vielen Mystery-Elementen und einer gehörigen Portion Spannung, die den Leser fesselt und bestens unterhält.

"Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Ihr Herz klopfte lautstark in den Ohren. Alles in ihr schien zu vibrieren. Auch hier war es dunkel, sie erkannte so gut wie nichts. [...] Im Flur wurde die Tür geöffnet. Jemand betrat das Apartment." (S. 211)

Anais hat vor sechzehn Jahren einen tragischen Unfall in Klammroth überlebt und seither mit den Folgen zu kämpfen. Psychisch, wie auch physisch hat sie ihn nie ganz überwunden und will ihrer Heimatstadt eigentlich für immer den Rücken kehren. Ein mysteriöser Unfall ihrer Stiefmutter zwingt sie dazu, nach Klammroth zurückzukehren.

Isa Grimm steigt direkt rasant in die Geschichte ein und erzeugt auf den ersten Seiten unterschwellige Spannung. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Durch ihre eindringliche Schreibweise schafft sie es, das Kopfkino laufen zu lassen und erzeugt durchaus einige Gänsehautmomente. Dabei kommt es sehr zugute, dass die Autorin wahnsinnig reale Charaktere erschaffen hat. Besonders Anais hat es mir im Verlauf der Handlung angetan.

Feuer, Dunkelheit, Tunnel und Dinge, die man nicht greifen kann, sind perfekte Aufhänger für diese Handlung. Denn im Grunde sind es Dinge, vor denen der Mensch in seinem tiefsten Inneren Angst oder zumindest gehörig Respekt hat. Perfekte Ausgangssituation für dieses Buch, das einige Schockelemente aufweisen kann und sich dadurch zum absoluten Pageturner entwickelt.

Das kleine Örtchen Klammroth übte dabei besondere Faszination auf mich aus. Der einst so idyllische Weinort ist nach dem Unfall nie mehr das gewesen, was er zuvor war. Die Touristen blieben aus, die Menschen waren voller Trauer über den Verlust der Angehörigen oder voller Hass über ihren entstellten Anblick und die höllischen Schmerzen, die das Feuer auf der Haut hinterlassen hat. Das Setting ist daher grandios gewählt, denn bereits die Vorstellung daran lässt einen erschauern.

Dennoch kommt hier ein kleines Aber. Dieses Buch wird ganz klar die Leserschaft spalten. Alle, die um gruslige Filme oder Bücher einen Bogen machen und allgemein leicht zu schocken sind, werden mit diesem Buch wahrscheinlich an die Belastungsgrenzen gehen. Wenn man aus diesem Genre aber auch anderen Lesestoff kennt und auch vor Horrorfilmen nicht zurück schreckt, wird auch dieses Buch keine schlaflosen Nächte bereiten. Dafür ist es dann doch nicht gruselig genug. Unabhängig davon wird man aber auf jeden Fall einige Stunden gut unterhalten werden.

Fazit: Authentische und reale Charaktere, eine solide Rahmenhandlung und ein fesselnder Schreibstil überzeugen in diesem Buch, trotz kleiner Schwächen. Für Gänsehautmomente und Schockeffekte ist gesorgt, auch wenn Fans aus dem Horrorgenre wohl keine schlaflosen Nächte befürchten müssen.


Sehnsucht nach Zimtsternen (Roman)
Sehnsucht nach Zimtsternen (Roman)
Preis: EUR 2,99

5.0 von 5 Sternen Leseempfehlung, 13. Juli 2014
Katrin Koppold hat es mit diesem Buch geschafft, mich nun endgültig von ihrem Können zu überzeugen. Jedem, der Liebesromane mag, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

Als dritter Teil in der Sternschnuppen-Reihe wird dieses Mal die Geschichte von Lilly erzählt. Allerdings kann man diese Geschichte auch beruhigt lesen, wenn man die anderen Teile nicht kennt. Jedes Buch funktioniert eigenständig und hat in sich abgeschlossene Geschichten.

Lilly ist die Zwillingsschwester von Mia und eine Person, die mir von Beginn an sympathisch war. Eine Person, die ich mir bildlich perfekt vorstellen konnte, mit der ich ganz oft lachen musste, manchmal auch ein paar Tränchen zu verdrücken hatte und die ich am Ende ungern gehen lassen wollte. In "Sehnsucht nach Zimtsternen" hat es Katrin Koppold geschafft, meine Lachmuskeln zu strapazieren und mein Herz zu berühren. Etwas, das bestimmt nicht alle Autoren können.

Die Geschichte spielt wieder in München, eine Tatsache, die natürlich für mich umso interessanter ist, da ich die Umgebung kenne. Aus diesem Blickwinkel liest man Bücher dann doch noch einmal ganz anders. Lillys Ehe geht in die Brüche, als ihr Mann ihr gesteht, sich in eine andere verliebt zu haben. Zu Beginn mag man vielleicht denken, dass man es hier mit einer oberflächlichen Chick-Lit-Geschichte zu tun hat, dem ist aber nicht so. Lillys Geschichte ist keine leichte und es gibt auch Gründe dafür, warum die Beziehung wohl gescheitert ist. Keine schönen Gründe. Auch Lillys Vater hat es schwer, seit ihn die Mutter verlassen hat und so hat hier jeder sein Päckchen zu tragen. Dennoch, und das muss in solchen Büchern nun einmal sein, wendet sich am Ende alles zum guten und man freut sich für alle Beteiligten.

Katrin Koppolds Schreibstil hat sich verändert. Er ist unterhaltsam, amüsant, an den richtigen Stellen auch sehr emotional und mitfühlend. Er ist fesselnd und schön und lässt den Leser nur so durch dieses Buch fliegen, sodass man am Ende wirklich überrascht ist, dass die Geschichte schon vorbei ist. Leider.

Auch wenn man es nicht glauben mag, aber gibt einfach die Bücher, die perfekt auf der Gartenliege funktionieren. Bei schönem Wetter und einem kalten Drink, alternativ natürlich auch Kaffee. Genau so ein Buch ist "Sehnsucht nach Zimtsternen". Alle, die gerne von Liebe lesen, denen kann ich das Buch ans Herz legen. Aber allgemein macht es einem die Familie Baum nicht leicht, sie nicht zu mögen und deshalb freue ich mich bereits jetzt auf das vierte Buch.

Fazit: Eine wunderschöne Liebesgeschichte, in die man abtauchen kann, dem Alltag entflieht und am Ende lernt, dass manchmal vieles grau ist und am Ende doch wieder die Sonne scheint. Das perfekte Buch für den Urlaub und eine Leseempfehlung.


Die stille Frau: Roman
Die stille Frau: Roman
von A.S.A. Harrison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider nicht überzeugend, 13. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die stille Frau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Irgendwo hieß es, dass dieses Buch mit "Gone Girl" vergleichbar bzw. sogar noch besser sei. Und obwohl ich "Gone Girl" nicht so gerne mochte, habe ich mich auf dieses Buch sehr gefreut. Der Klappentext liest sich toll und ich mag Bücher, die subtil spannend sind und mit psychologischer Raffinesse aufwarten können. Leider aber hat es A.S.A. Harrison nicht geschafft, mich hiermit zu überzeugen.

Jodi ist die perfekte Ehefrau. Sie pflegt einen angenehmen Lebensstandard, hat ein selbstsicheres Auftreten und kocht Todd jeden Abend sein Essen. Dafür nimmt sie stillschweigend hin, dass ihr Mann sich hin und wieder mit einer jüngeren Frau vergnügt und die Ehe in Wahrheit gar nicht mehr so perfekt läuft, wie es nach außen hin scheint. Doch eines Tages findet Todd mehr als eine flüchtige Affäre und will sich von Jodi trennen. Ihr ganzes bisheriges Leben ist in Gefahr und Jodi will es nicht so einfach aufgeben.

A.S.A. Harrison hat mit "Die stille Frau" auch ein wahrhaft stilles Buch geschrieben. Immer im Wechsel erzählt sie ein Kapitel aus Sicht von Todd und eines von Jodi. Dabei erfährt der Leser viel aus ihrem bisherigen Leben, über ihre Liebe und ihre Beziehung oder über Jodis Beruf als Psychologin. Vieles wird sehr detailliert geschildert, manchmal einfach zu detailliert.

Baute sich anfangs ein kleiner Spannungsbogen auf, kam dieser ab Mitte der Geschichte komplett zum Erliegen und war überhaupt nicht mehr vorhanden. So liest sich dieses Buch eher wie ein psychologisches Sachbuch. Zu trocken, zu holprig. Auch die Protagonisten erschweren es dem Leser, Zugang zur Geschichte zu bekommen. Besonders Jodi war eine Person, die man schlecht greifen konnte und zu der ich die ganze Zeit über keine Beziehung aufbauen konnte. Irgendwann gelangt man als Leser an den Punkt, an dem einen die Geschichte nicht mehr wirklich interessiert und das ist schade, weil sie eigentlich nicht so schlecht begonnen hat.

Das Ende kann ich natürlich nicht verraten, fand die Auflösung der Geschichte aber fast schon absurd und damit ja letzten Endes zum Buch passend. Ja, es ist ein Buch, welches nicht mit Gewalt aufwarten kann und bei dem auch Thrillerkomponenten fehlen. Es will allein durch seine psychologischen Aspekte überzeugen. An mancher Stelle gelingt dies auch, aber das Gesamtkonzept konnte mich leider überhaupt nicht packen. Man merkt einfach, dass A.S.A Harrison früher im Sachbuchbereich tätig war. Auch dieses Werk liest sich mehr wie ein solches und konnte daher nicht begeistern.

Fazit: "Die stille Frau" ist ein Roman, der mich leider nicht überzeugen konnte. Dafür kommt er zu holprig und zu trocken daher. Viel eher handelt es sich hier um das Psychogramm einer einsamen Frau, die ihren angenehmen Lebensstil nicht so einfach aufgeben will. Erinnerte beim Lesen zu oft an ein Sachbuch und konnte auch mit dem Ende nicht punkten. Schade, denn Potenzial wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen.


Großer Bruder: Roman
Großer Bruder: Roman
von Lionel Shriver
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Lektüre, 7. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Großer Bruder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Lionel Shrivers eigener Bruder starb mit 55 Jahren an den Folgen von massivem Übergewicht. Trotzdem ist dieser Roman nicht autobiografisch, wie sie einem Interview mit der FAZ betonte. Viel mehr möchte sie aufzeigen, dass kaum noch jemand ein normales Verhältnis zum Essen hat.

"Es gibt Fälle, wo Hundebesitzer plötzlich feststellen, wie viel Arbeit ihre vierbeinigen Freunde machen, und sie im Tierheim abgeben; auch Pflegeeltern können es sich anders überlegen und ihre widerspenstigen Zöglinge dem Staat zurückerstatten. Familie ist vom Umtausch ausgeschlossen." (Seite 108)

Pandoras Bruder Edison war immer der große Bruder, zu dem sie aufsehen konnte. Der Typ, in den ihre Freundinnen verliebt waren und auf den alle standen. Ein Bruder, auf den man stolz sein konnte. Als Edison seine Schwester in Iowa besuchen kommt, haben sie sich vier Jahre nicht gesehen. Vier Jahre, in denen der einst so gut aussehenden Edison ordentlich zugelegt hat und jetzt über 150 Kilo auf die Waage bringt. Pandora ist entsetzt und schockiert zugleich.

Ihr Mann Fletcher ist das genaue Gegenteil. Er ist ein wahrer Fitnessfreak und achtet penibel auf seine Ernährung. Für ihn ist Edison sofort ein Dorn im Auge. Und Pandora steht zwischen den Stühlen. Einerseits, weil ihr Bruder eben Familie ist und sie ihn trotz allem liebt. Andererseits liebt sie aber natürlich auch ihren Mann.

Zu Beginn plant Edison, zwei Monate zu bleiben. Zwei Monate, die zur Belastungsprobe für die ganze Familie werden. Denn Edison isst anders und viel. Und auf einen Mann in dieser Breite sind sie nicht vorbereitet. Da gibt es den heiß geliebten Stuhl, dessen Lehne bricht oder das Sofa, das unter seinem Gewicht nachgibt. Fletcher beginnt bereits, die Tage bis zu Edisons Abreise zu zählen.

Doch schon bald wird klar, dass Edison nicht mehr der ist, der er vorgibt zu sein. Es gibt kein erfolgreiches Leben in New York, es gibt eigentlich nicht einmal ein Zuhause. Pandora fasst also einen Plan. Sie will ihrem Bruder beim Abnehmen unterstützen und zieht mit ihm in ein Apartment. Sie entscheidet sich für ihren Bruder und gegen ihren Mann und muss hoffen, dass diese Entscheidung die Richtige ist.

Lionels Shrivers Erzählstil ist dabei eindringlich und furchtlos. Sie bohrt mit ihrem Finger eine tiefe Wunde und übt dabei große Kritik an der Gesellschaft, dem Verhalten mit Essen und der Besessenheit an unserem Äußeren. Edisons Fresssucht ist zweifelsohne eine Krankheit, doch dem gegenüber stellt sie Fletchers Fitnesswahn. Nicht minder beachtenswert.

"Ja, ich habe ziemlich gut ausgesehen. Später nicht mehr. Das ist genau der Punkt. Wo ich nun schon dick war, kam's auf eine Portion Rippchen mehr oder weniger auch nicht mehr an. Wenn du gut aussiehst, hast du was zu verteidigen, eine Investition zu schützen, Macht zu bewahren. Aber wenn du erst mal aus dem Leim gegangen bist, hast du nichts mehr zu verlieren." (Seite 198)

Fletcher ist der Typ, der sein Verhalten und seinen Umgang mit Essen als richtig betrachtet. Menschen mit Übergewicht sind selbst schuld an ihrer Misere und einfach faul und maßlos, denn sonst hätten sie kein Übergewicht. Ein Vorurteil, mit dem viele dicke Menschen zu kämpfen haben und das nicht immer wahr sein muss. Fletchers Verhalten ist ziemlich ignorant, denn sein Umgang mit Essen, ist in seinen Augen, der einzig richtige.

Fazit: Der Autorin ist es in diesem Roman fabelhaft gelungen, ein zentrales und aktuelles Thema aufzunehmen und daraus eine brillant erzählte Geschichte zu entwickeln, welche den Leser mit Sicherheit zum Nachdenken anregt und seine eigene Ernährungsweise hinterfragen lässt. Eine empfehlenswerte Lektüre, deren Ende überrascht und einen auch ein wenig sprachlos zurück lässt.


Home Made. Sommer
Home Made. Sommer
von Yvette van Boven
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kulinarisch und optisch ansprechend, 7. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Home Made. Sommer (Gebundene Ausgabe)
Home Made. Sommer. ist ein Buch, das Lust auf laue Sommerabende und Grillpartys mit Freunden macht. Dabei liefert es auch genau die Rezepte, die man im Sommer will und deren Produkte im Sommer saisonal zu finden sind. Ob raffinierte Salate, leckere Dips, erfrischende Getränke, leckere Desserts oder köstliche Kuchen. Schnell und einfach zubereitet und dabei wahnsinnig lecker.

Warum dieses Buch? Allein das Cover macht Lust auf Sonne, Sommer und kulinarische Köstlichkeiten. Die Tatsache, dass die Autorin Yvette van Boven aber nicht nur Köchin, sondern auch Illustratorin und Food Stylistin ist, machen dieses Buch zum Augenschmaus. Die Bilder sind allesamt wunderschön gestaltet und das Buch begeistert neben den tollen Gerichten auch mit anderen Bildern jeglicher Couleur.

Was findet man darin? Home Made. Sommer behandelt leckere, leichte Gerichte, die ideal für die Sommerküche geeignet sind und mit Obst und Gemüse, welches im Sommer Saison hat, gekocht bzw. gebacken werden können. Man findet darin allerlei leichte Mittelmeerküche sowie viele vegetarische Gerichte. Sehr begeistert hat mich das Inhaltsverzeichnis. Dieses ist unterschiedlich sortiert. Einmal nach Art der Gerichte, aber auch nach jeweiligen Zutaten. Hat man also beispielsweise Melone zur Hand, kann man auf einen Blick sehen, welche Gerichte dazu im Buch vorhanden sind. Neben den Rezepten findet man auch immer interessante Anekdoten der Autorin, in denen sie zu bestimmten Ereignissen (z.B. Ostern) erzählt.

Die Rezepte. Yvette van Boven schreibt im Vorwort, dass sie ein Buch machen wollte für den Sommer. Leichte, einfache und schnelle Rezepte, die gut in eine Zeit passen, in der man lieber draußen ist, als in der Küche steht. Und das ist ihr super gelungen. Zumal sie auch viele Produkte verwendet, die man zu dieser Zeit auf jedem Wochenmarkt findet oder sogar selbst im Garten ernten kann. Die Rezepte sind mit normaler, haushaltsüblicher Küchenausstattung gut nachkochbar. Man sollte vielleicht gewisse Grundkenntnisse haben, ansonsten wird die meisten Rezepte aber bestimmt jeder zubereiten können. Alleine vom Durchblättern werden die Geschmacksknospen angeregt und der Hunger entfacht. Man möchte also nichts anderes, als sofort loszukochen. Um eine kleine Auswahl zu nennen, finden wir hier von Feta-Oliven-Kuchen, über Grüne-Spargel-Tarte, Macarons bis zum Pfirsichplunder wirklich so einige und besonders vielfältige Rezepte.

Beschreibung & Zutaten. Ich hab jetzt bereits mehrere Rezepte aus dem Buch selbst nachgekocht und alle sind ausnahmslos gut gelungen. Für die einzelnen Rezepte braucht man im Schnitt auch keine besonders ausgefallenen Lebensmittel. Alles Zutaten, die man in größeren, gut sortierten Supermärkten sicher bekommt. Das ist ein Kriterium, welches für mich ziemlich wichtig ist. Nichts ist anstrengender, als erst in fünf Läden fahren zu müssen um die Zutaten für ein Rezept zusammenzuhaben. Alle Rezepte sind mit Portionsangaben und Zeitangaben versehen und in der Zubereitung gut verständlich gegliedert und auch für Laien erklärt.

Das Probekochen. Beim Probekochen habe ich mich zum einen für den "Sommerkuchen mit Himbeeren, Blaubeeren und Kokos" von Seite 49 entschieden, sowie für "Zitronenlimo" von Seite 81 und dem "buttrigen Maisrisotto" von Seite 197 (von dem mir leider das Bild fehlt). Den Kuchen habe ich mehrere Testesser probieren lassen und alle waren ausnahmslos begeistert und wollten danach das Rezept. Von Risotto bin ich eigentlich gar nicht so angetan, dieses hier war jedoch ein Gedicht. Die meisten Gerichte sind mit simplen Zutaten zu kochen und gehen extrem einfach. Bereits beim ersten Mal sind alle perfekt gelungen und haben mich sowohl von der Handhabung, von den Zutaten, wie auch vom Geschmack überzeugt.
Die Idee mit Haferflocken zu backen und den Teig mit Kokosraspeln zu mischen, machte diesen Kuchen zu einem Geschmackserlebnis. Knusprig, fruchtig und einfach lecker. Selbst gemachte Zitronenlimo wollte ich unbedingt einmal probieren und war über die einfache Zubereitung begeistert. Schmeckt anders als gewohnt, aber nicht weniger gut. Und Risotto mit Mais kam mir in dieser Art noch nie unter die Augen, allerdings war ich vom Geschmack und der buttrigen Note sehr angetan. Für mich eine klare Empfehlung. Nichtsdestotrotz gibt es noch einige Rezepte, die ich in naher Zukunft probieren werde.

Fazit: Mit "Home Made. Sommer" konnte mich Yvette van Boven kulinarisch und optisch absolut begeistern. Wer frische und leichte Rezepte sucht, die für die sommerliche Küche ideal geeignet sind, der sollte sich dieses Buch unbedingt näher anschauen. Die wunderschönen Bilder machen sofort Lust auf Urlaub und Sonne. Die Zubereitung der Rezepte gelingt ohne Probleme, außergewöhnliche Zutaten gibt es nur selten, auch Vegetarier werden sicher fündig und ein gut sortiertes Inhaltsverzeichnis erleichtert die Suche. Die ansprechende Food-Fotografie sowie die Gestaltung und Illustration des Buches tun ihr übriges und verdienen volle Punktzahl. Insgesamt eine Empfehlung.


Renate Hoffmann
Renate Hoffmann
von Anne Freytag
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man muss dieses Buch lesen!, 4. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Renate Hoffmann (Taschenbuch)
Wieder einmal hat mich Anne Freytag dazu gebracht, dass ich hier sitze und nicht so recht weiß, welche Worte ich für dieses Werk wählen soll. Großartig? Klingt fast schon zu banal. Mit großartig wäre zwar alles umschrieben, aber dennoch noch lange nicht ausgedrückt, wie mich dieses Buch bewegt hat.

Renate Hoffmann ist eine sehr liebenswerte Persönlichkeit. Und so wie ich da saß und Seite um Seite mehr von ihr erfahren habe, habe ich sie immer mehr in mein Herz geschlossen. Vielleicht ist sie deshalb so bezaubernd, weil wahrscheinlich jeder von uns ein Stück Renate in sich trägt. Ich stand zwar noch nie auf dem Balkon im 11. Stock und wollte mich ernsthaft hinunterstürzen, aber in irgendeiner Form hat wahrscheinlich schon jeder einmal über Selbstmord nachgedacht.

Das Leben von Renate oder vielmehr Frau Hoffmann ist einsam und grau, ihr Leben ist geordnet und hat keinen Platz für unvorhergesehene Dinge. Sie ist wohl so etwas, das man graues Mäuschen nennt. Bloß nicht auffallen. Doch der Leser spürt von Anfang an, dass da mehr in Renate steckt. Und Schritt für Schritt wird dieses Geheimnis gelüftet. Wie aus Renate Frau Hoffmann wurde. Wie ihr Leben von Bunt zu Grau wechselte. Und hinter all dem versteckt sich eine tragische Geschichte, die berührend ist, schmerzhaft und doch unglaublich schön.

Anne Freytag begeistert wieder einmal mit einem unverwechselbaren Erzählstil, der sprachlich auf einem hohen Niveau liegt. Ich liebe ihre Geschichten, denn es sind welche, die mitten aus dem Leben gegriffen wurden. Schnörkellos, einfach und wunderbar. Etwas, dass man in der aktuellen Literaturszene momentan viel zu selten liest und genau deswegen mag ich ihre Bücher umso mehr. Sie schafft es aber auch immer wieder Figuren und Situationen zu erschaffen, die unglaublich echt sind. Das Kopfkino springt sofort an und lässt einen Film vor dem inneren Auge entstehen, der unglaublich toll ist. Ich saß mit Renate wirklich auf dem Balkon und beobachtete durch das Fernglas den Nachbarn. Und wenn einem Autor dies gelingt, dann ist das wirklich große Kunst.

Am Ende bleibt es dem Leser selbst überlassen, ob er sich in die Welt der Renate Hoffmann begibt und herausfinden mag, wie die Geschichte endet. Das kann ich hier natürlich nicht verraten. Ich für meinen Teil konnte dieses Buch nicht zur Seite legen und war tief berührt und gefangen von der unglaublichen Atmosphäre. Und ich würde mir tatsächlich wünschen, dass man dieses Buch auch für den Film entdecken mag. Denn es wäre ein (vorausgesetzt der Regisseur ist gut) wunderbarer Film, der mich zu Tränen rühren würde und gleichzeitig zum Lachen bringt.

Fazit: Mit Renate Hoffmann ist Anne Freytag wieder ein unglaublich berührender, tiefgründiger und schöner Roman gelungen, der unbedingt gelesen werden muss. Mit ihrem unverwechselbarem Erzählstil und einer unglaublich starken und liebenswerten Protagonistin hat sie mich verzaubert und nicht mehr losgelassen.


Make it count - Gefühlsgewitter (Oceanside Love Stories)
Make it count - Gefühlsgewitter (Oceanside Love Stories)
Preis: EUR 2,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romantisch, prickelnd, mitreißend - unbedingt lesen!, 13. April 2014
Worum geht es? Als Katies Vater unerwartet stirbt, ändert sich ihr ganzes Leben. Nur widerwillig zieht sie zu ihrer Mutter in die Kleinstadt Oceanside. Als sie dort Dillen begegnet, wird sie sofort magisch von ihm angezogen. Doch Dillen ist abweisend und unnahbar und Katie taumelt in einem Strudel aus Zuneigung und Zurückweisung. Hin- und hergerissen zwischen ihren Träumen und der Wahrheit, verliert sich Katie in den Wirrungen aus Anziehung und Leidenschaft, bis die Realität sie auf einen Schlag einholt.

Hinter Ally Taylor versteckt sich die Autorin Anne Freytag, die bereits unter ihrem richtigen Namen einige Bücher veröffentlicht hat (z.B. 434 Tage) und die weiß, wie man tolle Bücher schreibt.

Wenn ich Bücher richtig gut finde, dann sind die dazugehörigen Rezensionen immer eine Meisterleistung. Es fällt mir schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen. Ich denke nämlich immer, dass egal was ich schreibe, ich dem Buch so niemals gerecht werde. Genauso fühlt es sich bei diesem Buch an.

Ich bin eigentlich kein großer Fan von New Adult Romanen, weil mich der immer gleiche Ablauf nicht wirklich begeistern kann und zu oft auch viel zu viel Erotik im Spiel ist und eine Handlung quasi gar nicht mehr vorhanden. Dieses Buch aber wollte ich unbedingt lesen, weil ich bereits ein Buch von Anne Freytag kenne und ihre Art zu schreiben lieben gelernt habe. Ich hatte die große Hoffnung, dass sie es schafft, mich mit ihren Worten zu fesseln und begeistert zurück lässt. Und genau das ist ihr gelungen.

Katie und Dillen mochte ich sofort und auch die Beschreibungen der beiden haben mir sehr gefallen. Während Dillen scheinbar der typische Draufgänger ist, der reihenweise Mädels flach legt und Herzen bricht, ist Katie ein tieftrauriges und unglückliches Mädchen. Zeile für Zeile ändert sich dieses Bild und man sieht bald, dass der erste Eindruck nicht immer der richtige ist. Man weiß sofort, dass beide wie füreinander bestimmt sind, fiebert einem Happy End entgegen und kann doch zu keiner Zeit in die Geschichte eingreifen. So muss man darauf vertrauen, dass Ally Taylor ihre Protagonisten zum Ziel führt und ein Ende findet, welches den Leser mit einem Lächeln zurücklässt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Katie. Anne Freytags Schreibstil ist dabei genau so, wie ich es mir erhofft habe: absolut authentisch und bildhaft. Man liest nicht vom Pier, man steht selbst dort. Man spürt die Brise, man hört das Meer rauschen. Und das ist ein Talent, welches ganz sicher nicht alle Autoren haben. Eine Geschichte so zu erzählen, dass der Leser nicht nur Leser bleibt, sondern selbst in diese andere Welt eintauchen kann und vollkommen gefangen genommen wird. Die Autorin gab Katie und Dillen durch ihre Vergangenheit eine gewisse Tiefe, die sie nicht als oberflächliche Teenies erscheinen lässt und das Buch genau deshalb besonders interessant macht, fast schon dramatisch.

Man hat es hier mit einer Geschichte zu tun, die allen Punkten eines New Adult Romans entspricht und trotzdem nicht so oberflächlich ist, wie viele andere aus diesem Genre. Eine romantische Liebegeschichte, gespickt mit prickelnden Sexszenen und ein wenig Dramatik, dabei aber nie so übertrieben, dass es nerven würde. Man darf sehr gespannt sein, was den Leser im Make it Count - Universum noch alles erwartet und sich bereits auf weitere Geschichten aus der Feder von Ally Taylor und Carrie Price freuen.

Fazit: Ally Taylor aka Anne Freytag kann definitiv schreiben. Das hat sie mit diesem Werk wieder eindrucksvoll bewiesen. Wer also auf eine romantische und mitreißende Liebesgeschichte steht, die mit einem Hauch prickelnder Erotik verfeinert wurde, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Man wird es erst aus der Hand legen können, wenn man das Ende kennt.


Das Leben ist (k)ein Ponyhof: Roman
Das Leben ist (k)ein Ponyhof: Roman
Preis: EUR 7,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Training für die Lachmuskeln, 8. April 2014
Antonias Leben scheint perfekt zu laufen. Beruflich steht sie kurz vor dem Durchbruch und auch privat läuft alles gut. Sie liebt Carl, den scheinbar perfekten Mann. Dann verdonnert sie ihre Mutter kurzerhand drei Wochen auf ihren senilen Stiefvater aufzupassen, da sie einen Urlaub in einem indischen Ashram gewonnen hat. Zurück im heimatlichen Kaff, dem sie jahrelang erfolgreich den Rücken gekehrt hat, steht ihr ganzes Leben plötzlich Kopf. Aber vielleicht ist es auch eher so, dass sie ihr Leben gerade erst leben lernt.

Britta Sabbags großes Talent ist es, Wahrheiten des Lebens in eine Geschichte zu verpacken die einen zum Lachen bringt und dennoch nachdenklich zurück lässt. Aus diesem Grund zähle ich ihre Bücher auch nicht unbedingt zur reinen Chick-Lit-Fraktion. Klar, es siegt am Ende die Liebe, aber viel wichtiger in diesem Buch sind am Ende ganz andere Dinge.

Bereits der Prolog beginnt mit starken Worten, die mich sofort gepackt haben und nach denen ich wusste, dass ich dieses Buch in einem Rutsch lesen werde.

"Wenn du den roten Faden verloren hast, halt nach einem anderen Ausschau - vielleicht ist deiner bunt."

Die Charaktere, welche die Autorin erschaffen hat, sind großartig. Allen voran natürlich Walter. Selten habe ich einen Protagonisten so schnell in mein Herz geschlossen und mir gewünscht, dass auch ich so einen Menschen kenne. Antonia ist die klassische Karrierefrau, die beruflich weiterkommen will, ihr Leben nur auf die Arbeit ausrichtet und dabei alles andere und sich selbst vergisst. Ihre Beziehung zu Carl, der gleichzeitig Kollege ist und dasselbe Leben führt, macht sie keinesfalls glücklich. Doch sie braucht jemanden, der ihr dies ganz deutlich vor Augen führt. Carl ist übrigens ein richtiger Idiot. Kompliment an die Autorin, wie sie diesen beschrieben hat. Ich nahm ihr jedes Wort ab.

Der Schreibstil der Autorin ist, wie bereits auch in Pinguinwetter, absolut zum Schreien. Man fliegt förmlich durch die Seiten, saugt ihre Worte auf und lacht ganz oft Tränen. Herrlich komische Dialoge und witzige Handlungen runden das Buch ab. Ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch gelesen.

Am schönsten waren die sichtbaren Veränderungen die Antonia durchläuft. Wie sie es Schritt für Schritt schafft ihr Leben zu entrümpeln und ihr altes Leben jeden Tag ein bisschen weniger mag. Und als ich die letzte Seite gelesen habe, war mir ganz schnell klar, dass wirklich jeder Mensch einen Walter in seinem Leben bräuchte. Dann wäre nämlich alles ein klein wenig bunter.

Fazit: Britta Sabbag ist mit diesem Buch ein großartiger Roman gelungen, der ganz viele Lebensweisheiten und Denkanstöße bietet und dabei trotzdem wunderbar unterhält und die Lachmuskeln strapaziert. Nicht nur eine klassische Urlaubslektüre, sondern ein absolut wunderbares Buch, das man gelesen haben sollte.


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