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Rezensionen verfasst von
Sharona "blackbird"

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Clara und die Granny-Nannys: Roman
Clara und die Granny-Nannys: Roman
von Tania Krätschmar
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Drei zünftige Au-Pair-Ladies!, 6. April 2015
3 Frauen in den besten Jahren: Suse will der Tristesse einer ostfriesischen Dorfkneipe entkommen, Karen aus Hessen möchte als pensionierte Lehrerin nicht als billiger Babysitter für ihre Enkel vereinnahmt werden und die mittelfränkische Hanni vermisst ihren verstorbenen Mann so sehr. Per Zufall erfahren sie von Clara und ihrer Agentur für Granny-Nannys, die ältere Frauen in Familien vermittelt, ähnlich einer AuPair-Agentur.
Die 3 Frauen kommen in unterschiedliche Familien in Berlin und werden hier vor verschiedene Probleme und Aufgaben gestellt. Gut, dass es das Café Maiwald gibt, wo sie sich jeden Montag zum Erfahrungsaustausch treffen!

Clara und die Granny-Nannys – Meine Meinung

Suse, Karen und Hanni sind 3 Archetypen der besonderen Art und spiegeln als Mauerblümchen, geschiedene Akademikerin und verwitwete Hausfrau einen einigermaßen repräsentativen Querschnitt der weiblichen Bevölkerung um die 60 wieder. In dem sie sich als Granny-Nannys bei Claras Agentur bewerben, machen sie den ersten wichtigen Schritt ihres künftigen Lebens. Denn auch wenn sie nur 3 Monate bei den Gasteltern mit ihren Kindern, Hunden und Pferden arbeiten werden, steht ihnen eine ordentliche Bewusstseinserweiterung bevor. Jede Familie hat ihr besonderes Thema, die 3 Damen können zwar mit ihrer Lebenserfahrung punkten, müssen aber auch ihrerseits dazu lernen.
Suse wird lernen, sich nicht mehr ausnutzen zu lassen, Hanni verliert ihre Ängste und die flotte Karen kann ihr Alter akzeptieren. Und noch mehr: Die 3 Monate sind für die Gastfamilien ebenso ein Zugewinn, wie für die daheimgebliebenen Angehörigen.

Die Autorin kommt zwar in ihrem Buch an manchen Klischees einfach nicht vorbei, aber wahrscheinlich gehört dies als Überzeichnung für den humoristischen Moment dazu.
Denn das Buch ist witzig, warmherzig und es macht Mut. Ich weiß nicht, ob es solche Agenturen gibt, die Granny-Nannys vermitteln – wenn nicht, würde ich sie mir wünschen!
Und das Café Maiwald wünsche ich mir dann auch noch. (Und den Frisör um’s Eck und diesen Second-Hand Laden)


Spurlos im Schnee
Spurlos im Schnee
von Cordula Hamann
  Broschiert
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender, handwerklich ordentlicher Thriller mit Schwächen, 6. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Spurlos im Schnee (Broschiert)
Auf dem Weg in den Skiurlaub entkommen die Studentin Katja Reichenberger und Holger mit seinen Zwillingstöchtern Hannah und Leah sehr knapp einer Nassschneelawine. Weniger Glück hatten die Insassen des sich auf der gleichen Strecke befindlichen Gefangenentransports, denn nur die Polizistin Claudia Jensen kann gerettet werden. Erst als die Überlebenden in dem kleinen bayerischen Dorf Grahmried Zuflucht gefunden haben, verstärkt sich die Gewissheit, dass auch der Gefangene, der gefürchtete Serienmörder Thomas Bach die Lawine überlebt hat und sich irgendwo in der inzwischen von der Außenwelt abgeschnittenen Ortschaft versteckt.
Am nächsten Morgen wird die grausam malträtierte Leiche einer Frau gefunden – das ganze Dorf befindet sich in Angst und Schrecken. Zumal einige Dorfbewohner ohnedies etwas zu verbergen haben.
Cordula Hamann

Meine Meinung

Die Autorin bedient sich in diesem Thriller gleich mehreren Lieferanten für wunderbare Albträume:

- Tückische Naturgewalten
- Überleben in der Abgeschlossenheit ohne Hilfe von außen
- Die tödliche Gefahr eines flüchtigen Täters
- Nicht wohlmeinende Einheimische.

Das Thema Lawinen und Lawinenrettung hat Frau Hamann ordentlich bei der Bayerischen Bergwacht recherchiert, bei denen sie sich auch vorab bedankt. Die mit in solchen Situationen entstehende Problematik für Reisende und Siedlungen erscheint mir plausibel. Wie es sich anfühlt, wenn in einer solchen Situation Verbrechen begangen werden, kann man sich nur zu gut ausmalen.
Der Serienmörder Thomas Bach wird auf den ersten Seiten vorgestellt, auch die Notwendigkeit seiner Verlegung wird erklärt. Aber leider erscheint einem diese Figur sehr bald als zu blass und wenig furchteinflößend.
Das zur Dorfgemeinschaft nette, hilfsbereite Menschen gehören, aber auch welche mit bösen, sinistren Plänen, ist ein natürliches, soziologisches Phänomen.
Der verhinderte Bestsellerautor Rupert Geissler ist tatsächlich eine interessante Figur mit recht unredlichen Beweggründen, die ein bisschen besser ausgebaut hätte werden sollen.
Aber die Szene, in der seine Mutter Elfriede seinem jüngeren Bruder Jens (wohl ein typisch bayerischer Name?) en passant erklärt, dass sein leiblicher Vater der jüngst verstorbene Bauer Joseph Riedel ist, ist wirklich lächerlich. Wir sind hier nicht in Berlin, sondern in einer katholisch-konservativen Gemeinde, da kann man die Mutter nicht verlauten lassen: “Es tut mir leid. Es war nur ein paar Mal, aber dann warst du unterwegs.”
Über die Tochter vom Riedel-Bauern, Anna, die jüngst heimlich in ihr Heimatdorf zurück gekehrt ist, um das Erbe ihres Vaters anzutreten, hätte ich gerne mehr erfahren. Denn eine junge Frau, die mehrfachen Missbrauch erlebt hat, wandert nicht einfach so mit 18 nach Australien aus und beginnt dort erfolgreich ein neues Leben. Die Rolle des Pfarrers fand ich ein bisschen überzeichnet, aber gut, auch wenn der Geist willig wäre, ist doch das Fleisch recht schwach.

Die Hauptpersonen Katja Reichenbacher und Claudia Jensen fand ich gut getroffen und beschrieben – das ungestüme Engagement der einen, sowie die Ruppigkeit der anderen. Auf die Person des Holgers, der sich später als geschiedener Architekt herausstellt, hätte ich gut verzichten können. Die Beziehung zwischen Katja und Holger war ab dem Zeitpunkt der Lawine bereits vorhersehbar, wie unnötig. Die Rollen der Zwillingsmädchen Hannah und Leah hingegen waren super dargestellt, Leahs Ängste beim großen Showdown absolut nachvollziehbar und plausibel.

Das Buch ist einem lockeren Stil verfasst und konnte mich von Anfang fesseln. Die Handlung erreicht einen ordnungsgemäßen Spannungsbogen, der einem zeitweise angenehm atemlos werden lässt.
Alles in allem ist Spurlos im Schnee ein handwerklich sehr ordentlich geschriebener Thriller mit ein paar Schwachstellen.


Das Tribunal: Thriller
Das Tribunal: Thriller
von John Katzenbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligenter, völlig unprätentiöser, handwerklich perfekter Thriller, 12. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Das Tribunal: Thriller (Taschenbuch)
1942, mitten im 2. Weltkrieg, kommt Thomas Hart, Mitglied der amerikanischen Luftwaffe in das deutsche Kriegsgefanenenlager Stalag Luft 13.
Der junge Mann, der vor seiner Einberufung in Harvard Jura studierte, versucht der Monotonie des Lagerlebens zu entkommen, in dem er sich mit Hilfe juristischen Fachbüchern weiterbildet und mit zwei Mithäftlinge, beides erfahrene Juristen über berühmte Fälle debatiert.
Eines Tages bekommt das Lager einen neuen Insassen, den Kampfpiloten Lincoln Scott. Scott ist groß, kräftig, intelligent, zornig – und schwarz. Schon bald wird er von den weißen Insassen, besonders denen, die aus dem amerikanischen Süden stammen, gemobbt. Allen voran Trader Vic, ein aus Georgia stammender Pilot, der einen lukrativen Schwarzmarkthandel im Lager betreibt.
Eines morgens wird Vic tot im Abort gefunden, mit Lincoln Scott ist der Schuldige sofort bestimmt. Der junge Hart soll dessen Verteidigung vor dem Kriegsgericht übernehmen und bringt sich und seine beiden, beratenden Mitjuristen in höchste Gefahr.
Denn die Stimmung im Lager ist ziemlich aufgeheizt.

John Katzenbach

Einige Bücher des in Massachusetts lebenden Autor John Katzenbach habe HIER und HIER bereits vorgestellt. Interessant im Zusammenhang mit diesem Buch ist die Tatsache, das sein Vater Nicolas Katzenbach, dessen Familie aus Deutschland stammt, große Ähnlichkeiten mit dem Protagonisten Thomas Hart aufweist.

Das Tribunal – Meine Meinung

Das Thema ist brisanter, wie es nicht sein kann. Auf der einen Seite die Deutschen, die Nazis, die einen brutalen Krieg angezettelt haben – Antisemitismus wird dabei kaum thematisiert, das war auch 1942 international noch nicht also wichtig gesehen. Auf der anderen Seite amerikanische Soldaten, die statt mit einer Glorie verziehrt zu sein, ein ganzes Paket an Vorurteilen und Rassenhass mit sich herumtragen.
John Katzenbach hat ja das große Talent, nicht nur spannende Szenen packend zu erzählen (zum Beispiel, zu Beginn, als Hart mit seinem Flugzeug abgeschossen wird), sondern dass man auch beim Lesen von öden Alltagssituationen am Ball bleiben will. Seine Charaktere spielen alle fest zugewiesene Rollen: der schüchterne, belesene Hart, der schwierige Scott, der elitäre Leutnant von Pfeifer und der widerliche Gestapo-Mann Fisser. Und dennoch gönnt er ihnen den nötigen Raum der Weiterentwicklung.
Ich habe mir die ganze Zeit gewünscht, dass dieser Thriller nicht eine ähnliche Wendung nehmen wird, wie in Katzenbachs Roman “Der Sumpf” – und wurde nicht enttäuscht. Und auch wenn Scotts larmoryanten Tiraden über die Ungerechtigkeit der Welt manchmal nerven, ist Das Tribunal ein Buch, welches vom ersten bis zum allerletzten Moment mehr als spannend ist.

Trivia

Ein Lager mit der Bezeichnung STALAG Luft 13 hat es nie gegeben, schon gar nicht im südost-bayerischen Raum. Diese spezielle Bezeichnung ist der unglaublich schlechten Serie “Ein Käfig voller Helden” entlehnt.


Goldschnitte: Für alle Frauen, die sich mit 40 noch nicht erschießen wollen
Goldschnitte: Für alle Frauen, die sich mit 40 noch nicht erschießen wollen
von Sabina Wachtel
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Goldschnitte - Ein Ratgeber für die Frau in den besten Jahren, 12. März 2015
Normalerweise berät Sabina Wachtel Manager in Stylingfragen. Aber als Frau in den besten Jahren (Jahrgang 67) hat sie natürlich auch einige Stylingtipps für uns “Goldschnitten”.
Sie weiß, welche Probleme Frauen unseres Alters zum Beispiel im Job oder bei der Partnersuche haben können und ihr Credo “Geben wir auf oder geben wir Gas?” zieht sich durch alle Bereiche des Lebens. Das beginnt natürlich bei unserem Kleiderschrank, der Gefahr läuft, immer mehr Exemplare von düsteren Twinsets anzusammeln, geht über das Einheitsblond unserer Haare, bis hin zu verkrampften Freizeitgestaltungen, wie dem Kochen von 5-6 Sterne Menüs oder Wellnessen auf Teufel komm raus.
Dabei will sie nicht unbedingt Yoga oder Malkurse verteufeln. Sie geht gegen Trends an, denen Frauen in unserem Alter oft nur deswegen verfolgen, weil sie in Mode sind und nicht aus einem inneren Bedürfnis heraus.

Goldschnitte – Meine Meinung

Mir gefiel das Buch wegen seinem Cover und wegen dem Untertitel: “Für alle Frauen, die sich mit 40 plus nocht nicht erschießen wollen”. Denn natürlich trage ich mich nicht seit 15 Jahren mit Suizid-Gedanken.

Das Buch ist sehr erfrischend und flott geschrieben und bringt einen oft zum Schmunzeln. Aber sie zitiert zur Veranschaulichung ihrer Themen oftmals “Freundinnen” herbei, die dann Lulu, Sandra oder Nina heißen. Dies ist ein Kunstgriff, den man aus us-amerikanischen Ratgebern kennt, wenn ein George S. aus Ohio ein Problem hat. Und das ist mir zur Authentifizierung von Statements zu dünn.

Frau Wachtel hat eine eigene Meinung und gibt sehr viel und gerne davon preis. Das es sich hier um ihre Meinung handelt, muss man sich wirklich immer wieder beim Lesen bewusst machen.
Zum Beispiel würde ich niemals Herrenhemden mit Manschettenknöpfen tragen, ich mag meine blonden Haare, mache gerne Yoga, bin spirituell und wenn ich kreativ wäre, würde ich in diese Richtung auch agieren. Außerdem finde ich Kniestrümpfe aus Nylon sehr praktisch und habe mich einmal auf einer Ü50-Party königlich amüsiert, weil ich nämlich die Musik mag.
Außerdem sehe ich auch hier eine gewisse Realitätsferne, wenn es sich bei Lulu, Hanne oder Agnes um Karrierefrauen handelt, die vor der Frage stehen, ob sie sich jetzt sündhaft teure Lederhandschuhe kaufen oder lieber eine Putzfrau einstellen sollten.

Dennoch finde ich das Buch im Ansatz gar nicht so übel und ein paar Inspirationen hat es mir auf jeden Fall gebracht.

Und sei es nur die Erkenntnis, dass man sich in unserem Alter mit keinerlei Verboten im Weg stehen sollte.


Breaking News
Breaking News
Wird angeboten von Audible GmbH

3.0 von 5 Sternen Viel Geschichte und viele Monologe, 3. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Breaking News (Hörbuch-Download)
Anfang des letzten Jahrhunderts begannen die jüdischen Einwanderer in dem damaligen britischen Protektorat unter Entbehrungen die ersten Siedlungen aufzubauen. Erzählt wird die Geschichte der Familien Kahn und Scheinermann, deren Sohn Ariel seinen Nachnamen in Sharon ändert und später Ministerpräsident des Staates Israel wird.
In der Gegenwart: Nach einem Desaster während eines Einsatzes in Afghanistan jagt der ehemals gefeierte, nun abgehalfterte Journalist Tom Hagen erbärmlichen Storys im Nahen Osten hinterher.
Da erhält er in Jerusalem die Chance, an geheime Akten heranzukommen und gelangt unversehens ins Visier mehrere israelischer Geheimorganisationen.

Frank Schätzing

Der ehemalige Werbefachmann Frank Schätzing schrieb mittelprächige Lokalkrimis bis er 2005 mit dem Buch “Der Schwarm” die Bestsellerlisten erstürmte. Seitdem gilt er als einer der erfolgsreichsten deutschen Schriftsteller.

Meine Meinung

Schätzing scheint über Wochen hinweg etlichen (danach entnervten) Auslandkorrespondenten auf Schritt und Tritt gefolgt zu sein; vielleicht überlässt er aber auch inzwischen seine Recherchen einem mehrköpfigen Team aus willfährigen Assistenten.
Aber der Aufwand hat sich gelohnt, denn der Autor liefert hier eine exquisit recherchierte Arbeit ab. Die 2 Erzählstränge hat er gut im Griff und führt sie erst im letzten Drittel zusammen. Er versucht dabei, im Nahost-Konflikt eine einigermaßen neutrale Haltung einzunehmen, äußerst sich weder allzu pro-zionistisch, noch allzu pro-muslimisch (oder pro-palästinsisch). Als einziger scheint hier Ariel Sharon schlecht wegzukommen, den er aber wieder privat als netten Kumpel darstellt.
Dieser menschliche Faktor zieht sich durch das ganze Buch, der Familienzusammenhalt wird bedingungslos groß geschrieben.
Der Wille, mit Gewalt etwas zu erreichen, aber auch.
Leider ergeht sich Schätzing in ellenlangen geschwafelten Monologen, in denen er das Wohl und Wehe der Journaille, des Landes Israels, des Nahost-Konfliktes, der Welt und den ganzen Rest breittritt. Man hätte das Buch von über 900 Seiten auf 500 kürzen können, ohne das jemanden etwas aufgefallen wäre.
Der Titel ‘Breaking News’ bedeutet ja soviel wie Kurzmeldung, Eilmeldung. Die Perversität des Sensations-Journalismus wird hier meines Erachtens viel zu wenig angeprangert.

Breaking News als Hörbuch

Ich habe mir Breaking News als Hörbuch angehört, was bedeutet, dass ich während 35 Stunden keinen nennenswerten Kontakt mehr zu Außenwelt gehabt habe. Nicht jedes Material eignet sich unumwunden dazu, vorgelesen zu werden. In diesem Fall ist es von Vorteil, wenn man die Eckdaten des Nahost-Konflikts einigermaßen kennt oder schnell nachliest, denn der Stoff ist recht komplex, die Hintergründe vielschichtig.


Das neue bayrische Kochbuch
Das neue bayrische Kochbuch
von Alfons Schuhbeck
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Das Kochbuch meines Vertrauens, 3. Februar 2015
Seitdem ich dieses Kochbuch besitze, kann ich 1A Rohrnudeln und Dampfnudeln herstellen. Der Kaiserschmarrn gelingt bei mir mit Quark und Eischnee zum Gedicht und die kandierten Möhren, die ich nun endlich zum Kalbsrahmbraten reichen kann, sind unsagbar lecker. Ich traue mich an selbstgemachte Vanillesoße genauso ran, wie an Knödel aus Laugenstangen, denn die Anleitungen und die Mengenangaben stimmen immer mir meiner Realität überein.
In diesem sagenhaften Buch gibt es fast ausschließlich traditionelle Rezepte nach bayerischen Hausfrauenart, aber immer gut und lecker gewürzt und zubereitet.

Alfons Schuhbeck hatte ja in den 90er Jahren seine beste Zeit als ein Koch und begeisterte mit traditionellen Rezepten und guten Zutaten sogar die Münchner Schickeria. Ziemlich schnell wurde er mit seiner Küche so prominent und teuer, dass man in seinem Auftreten wenig bodenständiges mehr hat finden können.
Das ist ihm wohl auch sehr in seinen rundlichen Kopf gestiegen. Die Tatsache, dass er mal eine Zeitlang Werbung für einen Großmetzger gemacht hat, konnte man ihm noch fast nachsehen. Aber seitdem er sich von McDonalds hat vor den Karren spannen lassen und für diesen amerikanischen Billgfressen-Konzern nun die Fleischsurrogate mit Ingwerscheibchen und Basilikum belegt, ist er bei mir absolut unten durch. Das hat weder etwas mit einer traditionellen, noch mit regionalen oder frischen Küche zu tun. Auch wenn das große M immer das Gegenteil behauptet, ist das alles ein großer Fake und eine einzige Geldmacherei und der Alfons spielt da mit.

Ich vertraue also diesem Kochbuch bedingungslos, aber nicht dem Alfons.


Tage wie Salz und Zucker
Tage wie Salz und Zucker
von Shari Shattuck
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Berührender Roman, aber viel Kryptonit und Heilsarmee, 25. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Tage wie Salz und Zucker (Taschenbuch)
Ellen Holmes leidet unter den Traumatisierungen ihrer Kindheit, hat starkes Übergewicht und versucht verzweifel,sich unsichtbar zu machen. Sie verlässt ihre kleine Wohnung nur, um nachts in einem Riesensupermarkt zu putzen.
Ihre Isolation überwindet sie, indem sie minutiös ihre Mitmenschen beobachtet, z.B. ihre Kollegen im Supermarkt, die Mitfahrer im Bus oder die Nachbarn in dem kleinkriminellen Milieu ihres Hinterhofs.
Eines Tages trifft sie auf die temperamentvolle Musikerin Temerity, der es gelingt, Ellens Panzer zu durchdringen. Denn obwohl Temerity blind ist kann sie eines: Sie kann sehen.
Dieses Zusammentreffen ändert nicht nur das Leben beider jungen Frauen, denn beide nehmen größten Anteil an ihrer Umgebung. Da gibt es den versuchten Mord an einem Kleindealer aufzuklären, einer hochschwangeren Nachbarin zu helfen und dem Boss im Supermarkt das Handwerk zu legen.

Das Fotomodell und Schauspielerin Shari Shattuck stammt aus Atlanta und hat neben ihrer fleißigen Filmerei etliche Krimis geschrieben. Der vorliegende Roman ist das erste von ihr in Deutschland veröffentlichte Buch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren 2 Töchtern in Kalifornien.

Meine Meinung:

Das Buch ist bis ungefähr zur Mitte großartig, wird dann etwas schwächer und endet leider mittelmäßig.
Die Schilderung von Ellens Lebensumständen ist rührend, bedrückend und entlockt einem gleichzeitig ein Lächeln. Die Mechanismen, die diese Frau im Laufe der Jahre entwickelt hat, um sich von ihrer Umwelt abzuschotten, sind nachvollziehbar und logisch. Die Einblendungen von Ellens Kindheitserinnerungen runden das Persönlichkeitsbild ab. Temerity und ihr Bruder Justice treten in diesem Roman ein bisschen wie Superwoman und Superman auf, doch der charmante und witzige Charakter der blinden Frau macht vieles wett.
Aber zum Schluss hin wird mir zu viel gerettet, ich hätte mir ein bisschen mehr Drama und Spannung, vielleicht um Ellens Person, gewünscht. Es gibt zwar 2 regelrechte Actionszenen, aber die enthalten zu viel Kryptonit und Heilsarmee.

Dennoch ist "Tage wie Salz und Zucker" ein sehr schönes Buch, denn die Grundaussage ist prächtig, besonders wenn sie von einer schönen, erfolgreichen Frau aus den USA kommt: Man darf Menschen nicht nach ihrem Aussehen betrachten.
Gerade schlanke Menschen rümpfen gerne die Nase über übergewichtige Personen. Natürlich stellt man dann gleichzeitig medizinische oder volkswirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund, in Wahrheit gibt ein solches Verhalten Aufschluss über die eigenen Ängste. Für die meisten dicken Menschen entspricht ihr Übergewicht aber keinem Schönheitsideal, sondern ist ein Ausdruck von irgendwas (was vielleicht nur sie selbst wissen) Tatsache aber ist, dass hinter dieser Fassade eine äußerst empfindsame und liebenswerte Seele mit einem wertvollen Charakter stecken kann.

Zum Schluss noch eine Anmerkung an Verlag und Lektorat: Wie kam es zu dem Titel "Tage wie Salz und Zucker"? Dazu finden sich im Buch selbst nur wenige Hinweise.


Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman
Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman
von Rachel Joyce
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

4.0 von 5 Sternen 2 Sekunden, die die Welt eines kleinen Jungen verändern, 16. Januar 2015
England, 1972. Die zehnjährigen Schüler Byron und James sind beste Freunde. Als der wissensdurstige James erzählt, das in diesem Jahr die Zeit um 2 Sekunden zurückgestellt werden soll, um die Diskrepanz zwischen Zeitmessung und Erdrotation auszugleichen, ist Byron entsetzt über die Willkür, mit der hier auf die Zeit Einfluss genommen wird.
Und das daraus folgende Unglück lässt nicht lange auf sich warten: Seine Mutter fährt mit ihrem teuren Jaguar ein kleines Mädchen auf einem roten Fahrrad an. Eigentlich sollte sie, als Mitglied der gehobenen Mittelschicht sich gar nicht in dieser heruntergekommenen Sozialsiedlung aufhalten, aber sie nimmt trotzdem hinter dem Rücken des gestrengen Ehemanns Kontakt zu der Mutter des Kindes auf. Und wird natürlich von dieser nach Strich und Faden ausgenommen.
Byron und James entwickeln den Plan "Perfekt", um das drohende Unheil abzuwenden.
Etwa 40 Jahre später versucht der Jim, ein vom Schicksal schwer gebeutelter Mann, seine Psychosen in den Griff zu kriegen. Und findet plötzlich neue und alte Freunde.

Rachel Joyce schrieb mit ihrem Roman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry einen Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren 4 Kindern in Gloucestershire und wird hoffentlich noch viele, viele Bücher schreiben. Denn zusammen mit Joanne K. Rowling und Sarah Butler gehört sie für mich in die Riege der begabtesten, britischen Erzählerinnen.

Meine Meinung:

Wer sich als Erwachsener so in einen sensiblen, kleinen Jungen hineinversetzen kann, ist entweder ein bisschen Kind geblieben oder/und hat viel mit Kindern zu tun. Dabei fühlt sich die Autorin 52 Büchernicht nur in die innere Welt des viel zu ernsten Byron ein, sie schafft es auch aus einer gewissen Kinder-Erwachsenendistanz, die Gefühlslage der Mutter zu skizzieren - eine Person, von der man eigentlich gerne ein bisschen mehr erfahren möchte.
Was mir natürlich gut gefällt, ist ihr kritischer Umgang mit dem elitären Gehabe der Besserverdienenden in Großbritannien und wie armseelig und hilflos sich die kleinen und großen Menschen in dieser lieblosen Umgebung zwangsläufig entwickeln.
Dieses Missverhältnis zwischen Haben und Sein findet sich aber nicht nur bei den Briten.

Übrigens wird immer wieder mal sogenannte Schaltsekunden eingeführt, wie 1972 oder demnächst am 30. Juni 2015.


Passagier 23: Psychothriller
Passagier 23: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Passagier 23 - Ein Psychothriller auf hoher See, 22. Dezember 2014
Jedes Jahr verschwinden durchschnittlich 23 Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, viele Gäste scheinen die Reise auf so einem Luxusdampfer als willkommene Bühne für ihren Selbstmord zu inszenieren. Und werden dadurch zum gefürchteten Passagier 23!
Seitdem vor 5 Jahren die Ehefrau des Polizeipsychologen Martin Schwartz für sich und ihren Sohn diesen Weg gewählt hat, ist er ein seelisches Wrack und stürzt sich regelmäßig in die gefährlichsten Einsätze. Eines Tages bekommt er einen Anruf von einer exaltierten Österreicherin: An Bord der 'Sultan of the Seas' - das Schiff, mit dem auch seine Frau damals unterwegs gewesen ist, kommt es zu Unregelmäßigkeiten. Unter anderem sei ein Passagier 23 - ein kleines verschwunden geglaubtes Mädchen - wieder aufgetaucht.
Schwartz schifft sich sofort auf den Dampfer ein und gerät in einen Strudel von unterschiedlichen Interessen, Grausamkeiten und Racheplänen. Ist vielleicht seine Familie noch am Leben? Und was geschah wirklich in der grauenvollen Nacht vor 5 Jahren?

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek gehört wohl zu den rührigsten deutschen Thrillerautoren. Seit seinem 2006 erschienenen Erstling "Therapie" hat er insgesamt 9 Psychothriller veröffentlicht.
Der gelernte Jurist lebt mit seiner Familie in Berlin.

Passagier 23 - Meine Meinung

Einen Psychothriller in der abgeschlossenen Welt eines Kreuzfahrtschiffes spielen zu lassen, finde ich sehr interessant. Hier leben für einige Tage oder Wochen Tausende von Menschen, die sich eigentlich fremd sind, vielleicht nicht einmal sympathisch, in einem bis auf die Landgänge in sich geschlossenen Mikrokosmos, der sich auf den kurzen Wegen zwischen Amüsement und Kapitänsdinner bewegt. Und ich könnte mir genügend Neurosen vorstellen, die in einem solchen Kleinklima fröhliche Urstände feiern.
Sebastian Fitzek setzt hier auf gewohnte und bewährte Elemente: tragisches Erleben, abgewrackter Ermittler, Familiendrama mit Kind (Sohn), einige schwerwiegende Fälle von gelebter Schizophrenie und einige weltumspannende Interessensvereinigungen jeglicher Coleur.
Das Buch fängt auch ganz gut an, obwohl er die Figuren manchmal grotesk überzeichnet, der Spannungsverlauf steigert sich mehr und mehr, um dann je abzufallen und in einem wilden Meer von abstrusen Zusammenhängen, immer garniert mit neuen Protagonisten, elend zu ersaufen. Grausame Handlungen kann nämlich jeder erfinden, ein bisschen mehr subtiler Horror hätte diesem Werk ganz gut getan.

Nach meiner Meinung ist Sebastian Fitzek nicht nur ein rühriger Autor, sondern auch ein überschätzter. Dabei könnte er es eigentlich besser.


Der Ruf des Kuckucks: Roman (CORMORAN STRIKE-FÄLLE, Band 1)
Der Ruf des Kuckucks: Roman (CORMORAN STRIKE-FÄLLE, Band 1)
von Robert Galbraith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassischer Detektivroman von einer großen Erzählerin, 12. Dezember 2014
In einer kalten Winternacht stürzt das bildschöne Fotomodell Lula Landry vom Balkon ihrer Londoner Luxuswohnung. Die Polizei konstatiert einen Selbstmord, aber weder ihre Familie, noch ihre Freunde wollen dies glauben. Nach einigen Monaten bekommt der in Afghanistan kriegsversehrte Detektiv Cormoran Strike von Lulas Adoptivbruder John Bristow den Auftrag, die näheren Umstände des Todes zu untersuchen. Nicht ohne Grund verschlägt es den berühmten Rechtsanwalt in das heruntergekommene Büro dieses merkwürdigen Ermittlers. Denn Cormoran war mit dessen Bruder Charlie befreundet, ebenfalls ein adoptiertes Kind und ebenfalls unter nie ganz geklärten Umständen zu Tode gekommen.
Strike ermittelt in der schillernden Mode- und Künstlerwelt Londons, immer assistiert von seiner patenten Sekretärin Polly, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann und gerät dabei an seine eigenen körperlichen und moralischen Grenzen. Als dann Lulas Freundin Rochelle Onifade ermordet wird, ist endlich klar, dass Lulas Tod kein Selbstmord gewesen sein kann. Denn es geht hier um sehr, sehr viel Geld.

Hinter dem Pseudonym Robert Galbraith verbirgt sich die weltberühmte Autorin Joanne K. Rowling. Angeblich haben wir es der Indiskretion einer Verlagsmitarbeiterin zu verdanken, dass dies öffentlich wurde.
Warum allerdings Rowling nach dem ausgezeichneten Buch Ein plötzlicher Todesfall unbedingt unter fremden Namen hat schreiben müssen, weiß wahrscheinlich nur sie und ihr Literaturagent.

Der vorliegende Krimi ist ein Detektivroman der klassischen Art und beinhaltet folgende traditionelle Bausteine:

- Der Privatdetektiv ist ganz jämmerlich abgewrackt
- Er hat mindestens eine Suchtproblematik
- Er leidet unter einer gescheiterten Beziehung
- Es steht ihm eine Person zur Seite, die sich fast selbstlos um die Grundbedürfnisse, wie Kaffeekochen, Rechnungen bezahlen usw., kümmert
- Die Geschichte spielt in London, in Großbritannien oder wenigstens in einem Land des Commenwealth
- Es kommt mindestens eine sehr schöne Frau in der Geschichte vor
- Es wird die Kluft zwischen Arm und Reich thematisiert
- Die Gedankengegänge des Detektivs sind für einen mit normal arbeitenden Gehirnzellen Menschen kaum nachvollziehbar, aber immer zielführend
- Die Polizei ist blöde.

Frau Rowling hat sich all dieser Elemente bedient und somit alles richtig gemacht. Folglich kann man ihr den Zugang in die elitäre Riege der klasssichen britischen Krimiautoren, angefangen von Sir Conan Doyle über Dorothy Sayers bis hin zu Agatha Christie nicht verwehren. Dennoch mutet einen diese unabdingbare Perfektion irgendwie verzweifelt an.
Dabei beweist Rowling eimal wieder ihr großartiges Erzähltalent und ihre Fähigkeit, sämtliche Handlungsstränge fest im Griff zu behalten.
Ein plötzlicher Todesfall mag mit Sicherheit ein Roman von größerem moralischen Wert darstellen. Der Ruf des Kuckucks ist als Kriminalliteratur vielleicht dem etwas leichteren, sprich unterhaltenden Genre zuzuordnen. Aber wenn unterhaltende Literatur so großartig verfasst wurde, ist sie ein wahrer Genuss!


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