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Rezensionen verfasst von
Das Auge liest mit. "T. Heinze" (Thüringen)

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Der Marsianer: Roman
Der Marsianer: Roman
von Andy Weir
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wieder eine Robinson Crusoe-Geschichte..., 24. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Marsianer: Roman (Broschiert)
... und nicht die Schlechteste. Ein Buch für Science Fiction-Fans "alten Schlages", die die auf höherem Niveau angesiedelten Lem, Strugatzki, Clarke, Sheckley oder Asimov mögen und die mit dem ganzen überkanditelten Fantasy-Horror-Spiritualität-Käse, der seit einigen Jahren merkwürdigerweise unter dem Etikett "Science Fiction" verkauft wird, nichts anfangen können.

Der Autor - als Computerspezialist beruflich vorbelastet - bemüht sich um wissenschaftliche Plausibilität. Die technisch-naturwissenschaftlich erläuternden Abschnitte lesen sich für mich als Otto "Normalwissend" teils faszinierend, manchmal interessant, über Strecken aber auch langatmig.

Das Buch spielt in naher Zukunft und handelt von einem Astronauten, der aufgrund eines Unfalls allein auf dem Mars überleben muß. Der Held Mark Watney und auch die Nebenfiguren sind nicht sonderlich filigran oder gar komplex gezeichnet - da werden munter Klischees und Charakter-Abziehbilder bedient - freilich hat der Autor Andy Weir ganz klar Richtung Hollywood und Filmrechte-Verkauf geschielt.

Das zwischen absoluter Rockstar-Lässigkeit und Hyperintellektualität changierende Handeln der Hauptfigur bekommt letztlich rasch eine gewisse Unglaubwürdigkeit - das steht leider im Gegensatz zu dem ernsten Bemühen des Autors, die thematisierte Marsmission technisch einwandfrei zu erklären.

Was gibt es noch: Den Kampf zwischen Gut und Böse bei der Missionsüberwachung und dem Rettungsversuch, überaus "tolle" Charaktere - Gutmenschen - an Bord eines Raumschiffes (klar mit heimlicher Liebesbeziehung) inklusive einer satten Dosis amerikanischem Patriotismus (welche Überraschung!), chinesisch-amerikanische "Freundschaft" und einen Show-Down im Weltraum.

Ich will das gar nicht so negativ verstanden wissen. Wie textete die Gruppe Keimzeit in "Kintopp": "Das alles ist doch nur zur Unterhaltung da, was kann ich dazu, wenn ihr daraus ein Drama macht." So ist es. Zuviel intellektuelle Kritik wirkt bei "Der Marsianer" so fehl am Platz wie die Hoffnung auf eine baldige reale Marslandung.

Die Story funktioniert, weil sie Robinson Crusoe zeitgemäß interpretiert. Das Buch ist zweifellos über weite Strecken spannend, interessant und auch lustig geschrieben - Popcorn-Lektüre. Und folgerichtig im Herbst 2015 Popcorn-Kino. Und das ist ja auch schon was.


Ferien für immer: Die angenehmsten Orte der Welt
Ferien für immer: Die angenehmsten Orte der Welt
von Eckhart Nickel
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Kracht at itself, 30. September 2014
Christian Kracht als Pop-Autor und eine Art literarischer Pop-Star: Weil mich Autoren mit so einem Ruf neugierig machen, lernte ich das Schweizer Wunderkind über dieses Buch kennen.

Und es wurde ein gelungener Einstieg! Kracht und Co-Autor Nickel beschreiben in unverschämt kurzen Notizen ihre Aufenthalte in diversen Hotels an einigen möglichen und viel mehr unmöglichen Orten dieser Welt. Bei einigen Locations fragt man sich, wie die Jungs da überhaupt hingekommen sind. Leidensfähigkeit für die Protagonisten ist meist gefragt, sie begegnen dem in einer Mischung aus lakonischem Sarkasmus und ironischen Ratschlägen.

So möchte man leben... und überleben.


Swingers - Ein unmoralisches Wochenende
Swingers - Ein unmoralisches Wochenende
DVD ~ Ellen Koogh

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erotik und Drama meisterhaft verknüpft, 26. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Swingers - Ein unmoralisches Wochenende (DVD)
Titel und Thema lassen wohl automatisch einen seichten Softporno vermuten. Doch weit gefehlt. Der Film ist ein ebenso spannendes wie erotisches Kunstwerk.

Zwei Swingerpaare wollen ein gemeinsames Wochenende verbringen - die einen blutige Neulinge der Szene, die anderen alte Hasen beim Partnertausch.

Im Stile eines Kammerspiels treten die vier Protagonisten auf, mehr oder weniger bemüht, die eigene Rolle mit der dazu gehörenden Maske zu wahren. Für den Zuschauer wird schnell deutlich, dass sich dahinter unerfüllte Neugier, Ängste, Zweifel und Unsicherheit, ja menschliche Abgründe, verbergen. Ob man es will oder nicht - das Thema Sex ist nunmal ein Besonderes - weil nicht nur Männer und Frauen, sondern jeder Mensch völlig unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen damit verbinden/verbindet.

Die Schauspieler sind wirklich überzeugend (evtl. vom Aussehen allesamt ein bisschen zu attraktiv, das ist die Hommage an den Zuschauer und das Thema). Es baut sich schnell eine psychologische Spannung auf, der Film mutiert rasch in Richtung Drama.

Irgendwann zur Mitte des Films (wenn man es gar nicht mehr erwartet und evtl. gar nicht "braucht") gibt es einige hervorragend und wirklich ästhetisch gefilmte Sexszenen - ich behaupte als Mann einfach mal, dass auch Frauen hier Spaß am Betrachten haben werden.

Zum Ende kulminiert die aufgebaute Spannung - mit einer wirklich überraschenden Wende. Die Rollen der vermeintlichen Verlierer und Gewinner tauschen kurz und ganz am Schluß sind alle die Verlierer.

Ein letztlich verstörender Film, der unbedingt zu der Sorte gehört, bei der man auch beim mehrmaligen Ansehen immer Neues entdeckt.


Imperial Bedrooms: Roman (KiWi)
Imperial Bedrooms: Roman (KiWi)
von Bret Easton Ellis
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Fluch der Fortsetzung, 5. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Imperial Bedrooms: Roman (KiWi) (Taschenbuch)
Es ist immer das selbe: Die Fortsetzung eines künstlerischen Erfolgsproduktes (hier des Buches "Unter Null") bleibt heikel und ist in der Summe selten erfolgreich. Der Fluch der Dekonditionierung, der ausbleibenden Überraschung, der Wiederholung ist allgegenwärtig.

Da ist es für den jeweiligen Autor schon schwierig, nicht zu scheitern. Bret Easton Ellis ist mit Imperial Bedrooms nicht gescheitert, aber das war's auch schon.

Der Einstieg in das Buch hält einen originellen Kniff bereit: Der real existierende Autor Ellis wird als Chronist der Urgeschichte "Unter Null" in die Story implementiert und schafft damit eine Gegenwarts-Realität für den Leser. Die Hauptfigur Clay erzählt im Rückblick von der Beobachtung durch den Autor und dessen dadurch entstandenes Buch (sowie den Film) über die hedonistische kalifornische 80er-Jahre-Clique. Als Rezipient dieser historischen Ereignisse hat Clay damit die Gelegenheit, sich nachträglich deutlich von der Lebensweise und den Ansichten der (meisten) anderen Protagonisten zu distanzieren, diesen Fakt ergo dem Leser klarzumachen. Er besitzt also - im Gegensatz zu fast allen anderen literarischen Figuren von Ellis - einen Rest Empathie und ist sogar zu Emotionen wie Mitleid fähig - indess er bleibt auch in der Fortsetzung absolut passiv bzw. macht einen schulterzuckenden Rückzieher, wenn er eingreifen könnte oder gar sollte.

Nun kehrt Clay als durchaus erfolgreicher Drehbuchautor nach Los Angeles zurück und trifft die meisten seiner ehemaligen "Freunde" wieder. Die Paranoia und der Hedonismus sind unverändert vorhanden - zeitgemäß werden nun dauernd SMS geschrieben und mobile Telefonate in allen Lebenslagen geführt. Zusätzlich zu "Unter Null" wird Clay nun aber zum Opfer einer "mystischen" Intrige, in die mehr oder weniger seine gesamte ehemalige Clique involviert ist. Bald muß er sogar latent um sein Leben fürchten. Im Zeitverlauf nimmt die Entropie der Welt zu, Ellis' Fortsetzungs-Geschichte folgt diesem Gesetz.

Fürchterlich spannend ist das alles trotzdem nicht, aber Ellis hat es wenigstens geschafft, die Helden von "Unter Null" glaubhaft ins 21. Jahrhundert wechseln zu lassen. Alles ist schneller, mobiler, komplizierter und undurchschaubarer.

Ellis Romane sind wie Rolling-Stones-Platten. Am Anfang war es gut, neu, aufregend, unglaublich - über die Jahre ist es nur noch gutes Handwerk, welches sich erprobter Schablonen bedient.

Aber zugegeben: Die Grenzen, die Ellis mit seinen Romanen "Unter Null" und besonders mit "American Psycho" gezogen hat, sind schwer zu überschreiten - auch von ihm selbst.


Imperium: Roman
Imperium: Roman
von Christian Kracht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein imperiales Vergnügen, 2. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Imperium: Roman (Gebundene Ausgabe)
Christian Kracht kann wohl als "Liebling der Götter" gelten - Schweizer, aus gutem Hause stammend, kosmopolitisch erzogen und gebildet, ein "Weltbürger" auf den Spuren seiner großen Vorbilder, literarisch ungemein talentiert, erfolgreich als Autor und Publizist.

Er gehört zur "goldenen" "Tempo"-Generation - witzig, (sehr) begabt, intellektuell, dem bunten Zeitgeist der End-Achtziger/frühen Neunziger entsprungen, als die Welt noch in Ordnung war und man als Autor so ziemlich alles durfte.

Dass er - spätestens mit dem Erscheinen von "Imperium" - als vermeintlicher Sympatisant rechten Gedankenguts durchs links-liberale Feuilleton gejagt wird, dürfte ihn - vor allem in Hinblick auf weitere Käuferschichten und seine Bekanntheit - überaus erfreuen.

Das haben nicht wenige andere auch durchgemacht - von den Teutonen-Rockern Rammstein bis jüngst zum Konzeptkünstler Jonathan Meese - die politisch korrekten Kultur-Wächter in ihren publizistischen Elfenbeintürmen verstehen halt keinen Spaß.

Ich denke jedoch, dass die in Krachts Werken (und Interviews?) von Beginn an mehr oder weniger spürbare und eilig mit dem Nazi-Stempel versehene "rassistische Weltsicht" in einer schriftstellerisch bigotten, hedonistischen und sorglos-selbstgerechten Inszenierung zu suchen ist. Ich lese in Krachts Büchern wie "Faserland", "Ferien für immer", "1979" oder eben "Imperium" stets eine permanente Herablassung heraus - der am Ende kalte Blick des Schweizer Yuppies auf Minderheiten, Phantasten, Erfolglose, Böse und Trottel. Intention und Mittel des Autors sind legitim, für mich in der Summe ärgerlich. Ich weiß nicht, ob das noch ironische Auslassungen oder bereits spaßlose Urteile sind.

Doch wo frühere Arbeiten Krachts trotz dieser unangenehmen Überheblichkeit noch wirklich fesseln, regiert in Imperium recht schnell die Langeweile. Kracht kann freilich schreiben wir wenige andere der heutigen deutschsprachigen Generation, indes ist die Geschichte um den bizarren Südsee-Auswanderer und Vegetarier August Engelhardt so belanglos wie die ideenreiche Rezension einer Rick-Springfield-Platte in "Tempo" 1990. Klasse geschrieben, aber bedeutungslos und leider ohne (große) Spannung.

Drei Sterne, weil ich Kracht als "Gesamtkunstwerk" durchaus interessant finde.


Grün ist die Hoffnung
Grün ist die Hoffnung
von T. C. Boyle
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toll erzählt, bizarr und originell, 13. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Grün ist die Hoffnung (Taschenbuch)
Jeder, der die (literarisch zumindest umstrittenen) Pop-Autoren (entweder amerikanischen Ursprungs oder meist amerikanischer Prägung) mag, stolpert wohl früher oder später auch über T.C. Boyle.

In eben diesem Pop-Genre darf Boyle als Antipode zu Bukowski gelten. Wo Letzterer kurz und schmerzlos pistolenschußartige Sätze platziert, gibt Boyle den originell-ausschweifenden Erzähler - mit einem ungeheuren Reservoire an Methaphern und blumig-bizarren Beschreibungen. An manchen Stellen ist das sogar etwas zuviel des Guten, wenn beispielsweise in einzelnen Sätzen gleich drei Bilder verwendet werden, die in der deutschen Übersetzung alle mit "er sah aus wie...", "er wirkte wie...", "er benahm sich wie..." beginnen.

Die brillante Erzähl-Phantasie von Boyle trägt das Buch. Die Story selbst ist eher einfach, linear und wirkt manchmal etwas zu sehr konstruiert - etwa, wenn es - den Gesetzen realer Logik widersprechend -, zu doch recht häufigen unwahrscheinlichen Zusammentreffen von einzelnen Protagonisten kommt.

Klar ist das Buch wohl eine Männer-Klamotte - mit dem klassischen Themen-Mix "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" - sprich hier: Cannabis, abhängen, blödsinnig schuften, geil sein, Träumen nachhängen, nicht waschen...

Ich bin ungeheuer schnell rein gekommen in die Geschichte, habe gelacht und gefeixt ob der bizarren Typen, die sich da tummeln. Man "leidet" schnell mit den drei Helden, die durch Cannabis-Anbau an das große Geld kommen wollen - allesamt Archetypen sympatischer Looser. Große Klappe, großes Herz und - nun ja - nicht ganz so großer Verstand.

Im letzten Drittel verliert das Buch leider etwas an Fahrt - zu durchsichtig ist denn doch der Handlungsfaden, eine wirkliche Überraschung gelingt Boyle zum Ende hin nicht. Wie so oft im Leben bleibt als letzte Hoffnung dann nicht Geld, sondern Liebe.

5 Sterne - weil ich mich nie gelangweilt habe (was will Literatur mehr?!).


Kottan ermittelt: Rien Ne Va Plus
Kottan ermittelt: Rien Ne Va Plus
DVD ~ Lukas Resetarits
Preis: EUR 10,60

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein großer Wurf, 12. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kottan ermittelt: Rien Ne Va Plus (DVD)
Es ist ein absolut heikles Unterfangen, nach langer Pause einen "Kult" (oder Erfolg) fortzuführen oder gar weiter entwickeln zu wollen. Die Liste der quasie gescheiterten Versuche ist lang - seien es musikalisch die Beatles mit Ihren "neuen" Singles aus den 90er Jahren oder filmisch die "Blues Brothers 2000".
Die Fangemeinde giert freilich nach Fortführung und neuem Material - aber ist/sind der spezifische Zeitgeist und/oder die künstlerische Gemengelage (unter dem sich ein Kult, ein Erfolg entwickeln konnte) wiederbelebbar? Schließlich: Wo soll die Reise hingehen - Bewährtes reproduzieren oder Neues wagen?

Der Rumpfgemeinde aus dem Original-Kottan-Ensemble ist mit "Rien ne va plus" kein großer Wurf gelungen.

Das hat ganz verschiedene Ursachen: Die bizarren Ideen, die vor 30 Jahren noch als frech-kalkulierte Tabubrüche (im Fernseh-Establishment) gelten konnten, wirken heute eher affig bis peinlich (z.B. Überdimensionaler Hund im Himmel "scheißt" auf Autodach.) Die Running-Gags der Originalserie werden so häufig und "vollständig" zitiert, dass diese sich im Film tot laufen, leider. Eine neue Generation weiß damit sowieso nichts anzufangen. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.
Resetarits, der Kottan einst brillant zu seiner anarchischen Reife führte und stets federnd schlecht gelaunt durch die Serie lief, hat sich äußerlich stark verändert und spielt bräsig und ohne wirkliche Überraschungsmomente vor sich hin. Der Schalk ist ihm verloren gegangen.
Die Neubesetzungen sind eher platt (Udo Samel als Pilch hat gegen den "wahnsinnigen" Kurt Weinzierl keine Chance), bis ärgerlich (Robert Stadlober als Schrammel bleibt blaß und geht als wirkliche Fehlbesetzung durch).

Ausnahme: Burgschauspieler Johannes Krisch gelingt darstellerisch eine charismatische (und zeitgemäße) Neuinterpretation der Rolle von Paul Schremser. Dieser tritt nun als ramponierter, tablettensüchtiger und geiler Dandy auf, einzig die Krücke ist noch das Bindeglied zum Original von Walter Davy (und selbst die Krücke wird überflüssig bei einem Tänzchen vor der Telefonzelle!). Genial!

Auch einige Gags atmen noch den einzigartigen, schrägen Humor des Originals ("Fast Fut - soll ich's buchstabieren?").

Der gesamte Plott wirkt aber merkwürdig überfrachtet und überdreht, das Tempo ist für Kottan viel zu nervös, Dutzende (überflüssige) Figuren bevölkern die Szene, die einzelnen Handlungstränge werden bemüht und wirr zueinander geführt - fast wie bei einem Schüler-Drehbuch-Projekt am Ende des Schuljahres, bei dem jeder Beteiligte lustlos einige halbgare Ideen in den Ring wirft.

Als großer Kottan-Fan hatte ich ergo eine hohe Erwartungshaltung, vielleicht war die Enttäuschung vorgezeichnet.

3 Sterne gibt es für mich als "Gnadenbrot" für den neuen Kottan, da hängt dann doch etwas Herz dran und die Freude, den alten Herrn mal wieder gesehen zu haben.


Honecker privat: Ein Personenschützer berichtet
Honecker privat: Ein Personenschützer berichtet
von Lothar Herzog
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine "große" Literatur, aber lesenswert, 26. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Rezensionen an dieser Stelle sind sehr differenziert. Ich bin aber der Ansicht, dass sich eine breitere "intellektuelle" Debatte über Inhalt und Motiv des Buches wohl kaum lohnt.

Hier beschreibt lediglich ein einfacher Mann in einfacher Sprache (authentisch und nicht von einem Lektor "tot redigiert") seine Biografie, die nunmal per Zufall über lange Jahre mit dem 1. Mann im Staate verknüpft war. Nicht mehr und nicht weniger. Lothar Herzog war (treues) Werkzeug des Systems, und versucht seinem Leben nun auch mit Hilfe des Buches eine Art Rechtfertigung zu verleihen: eine menschliche Angelegenheit.

Wenn der Autor sich bemüht, politische Zusammenhänge im DDR-System oder auch das eigene Wirken darin in der nun historischen Selbst-Reflexion zu beschreiben, ist dies also von einer ehrlichen - und dadurch sogar ganz erfrischenden - Naivität. Ärgerlich wird Herzogs Naivität für jemanden wie mich (der in der DDR groß geworden ist) nur, wenn er an einigen Stellen die sogenannten Errungenschaften des Sozialismus und politischen Ziele der DDR-Oberen verteidigt. Doch geschenkt, er kann und will eben nicht anders. Im Gegenzug kann man ihm keinerlei (!) Effekthascherei oder gar billigen Enthüllungs-Voyeurismus vorwerfen.

Als Zeitdokument ist das Buch flüssig lesbar. Einige Geschichten waren für mich doch ganz interessant - beispielsweise, dass Honecker manchmal über mehrere Tage vor Ort warten mußte, bis er von Breschnew empfangen wurde. Aber dass die Genossen keine Manieren hatten, wußten wir ja schon vorher.


UFOs: Die Kontakte
UFOs: Die Kontakte
von Michael Hesemann
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Diether Bohlen der Ufo-Gemeinde, 3. August 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: UFOs: Die Kontakte (Taschenbuch)
Ich habe das Buch aufgrund der Werbung mit großen Erwartungen gekauft und bin auf der ganzen Linie enttäuscht worden.

Den einen Stern gibt es nur, weil der Autor zumindest den Eindruck zu erwecken versucht, mit der Intention eines (neutralen) Chronisten die Ufo-Kontakte darzustellen. Beim genauen Lesen wird jedoch auch deutlich, dass ihm die Distanz fehlt, weil er immer wieder in kommentierenden Nebensätzen die beschriebenen "Kontaktler" gegen Kritiker oder Zweifler in Schutz nimmt.

Es gibt sicher Dinge zwischen Himmel und Erde, die man (noch) nicht erklären kann - die im Buch beschriebenen "Ufo-Kontakte" indes sollte aber jeder aufmerksame Leser als bloßen Unfug erkennen.

Dabei ist die Story des längst überführten Betrügers (und wohl bekanntesten Ufologen) Adamski, der die Deckel historischer Straßenlaternen mehr oder weniger geschickt als Ufos fotografisch in Szene setzte, längst ein alter Hut.

Durchweg sind die "Beweise" für die Kontakte in dem Buch lächerlich: Grundsätzlich unscharfe Miniaturfotos und Krakeleien "aus der Erinnerung" der "Kontaktler" auf Zweitklässlerniveau. Auch schon in den fünfziger Jahren wäre man in der Lage gewesen, gestochen scharfe Fotos zu machen, zumal oft genug die Außerirdischen selbst die "Kontaktler" sogar dazu aufforderten.

Weiterhin auffällig: Das Design und die Technik der Untertassen spiegeln stets den Stand der Zeit wieder, in der sie gesichtet wurden. Beispiel: In den 50er Jahren hatten die Untertassen Rundinstrumente mit Zeigern, erst ab etwa den 70er Jahren beschrieben die "Kontaktler" dann auch Displays. Sogenannte "Zukunftstechnologien" werden dagegen grundsätzlich vage beschrieben: "Licht, das von überall herkommt", "Antigravitationsfeld", "7. Dimension" - also all das, was man schon in den 30er Jahren in einschlägigen Comics lesen konnte bzw. was Jules Verne Ende des 19. Jahrhunderts in seinen Büchern ähnlich beschrieb.

Noch unheimlicher als die Flugobjekte bzw. Außerirdischen sind jedoch die Kontaktler selbst: Außenseiter, Gescheiterte, mißverstandene oder ausgemusterte Wissenschaftler, Sektenmitglieder, Tagträumer, spirituell "Erleuchtete", Wichtigtuer und evtl. sogar Geisteskranke bilden die Ufo-Gemeinde. Einigen der "Kontaktler" will ich noch zu Gute halten, dass sie ihre Betrügereien wenigstens auch dazu nutzten, auf Gefahren der Menschheit (Kriege, Umweltkatastrophen, soziale Vereinsamung etc.) hinzuweisen. Doch heiligt der Zweck immer die Mittel?

Fazit: Chapeau vor unserem Freund Michael Hesemann! Weltauflage 120.000 Stück steht auf dem Buchdeckel. Und er hat ja wohl auch noch einige andere Erzeugnisse erfolgreich unter die Leute gebracht.
Wie bei Diether Bohlen: Die simpelsten, längst bekannten Dinge verkaufen sich am besten!
Also: Gemütlich auf die Couch legen, Modern Talking-Platte rein und Hesemann-Ufo-Bücher lesen!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2015 4:33 PM MEST


Eine Billion Dollar: Roman
Eine Billion Dollar: Roman
von Andreas Eschbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine gute Idee wird gut erzählt - aber auch nicht mehr, 12. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Eine Billion Dollar: Roman (Taschenbuch)
Ich fand die Idee zu "Eine Billion Dollar" durchaus spannend und habe mich neugierig in das Buch eingelesen. Auf den ersten knapp 200 Seiten war ich auch mit Begeisterung dabei. Der Spannungsbogen wird sehr gut aufgebaut und die Hauptakteure werden klassisch platziert. Aber nach knapp der Hälfte des Buches (so nach ca. 400 Seiten) ließ mein Enthusiasmus merklich nach.

Das hat mehrere Gründe:

1. Eschbach ist zweifelsohne ein gut erzählender, ideenreicher Autor, aber er neigt doch im Verlauf des Buches zunehmend zu langatmigen sowie (teils) wiederholenden Passagen und Beschreibungen.

2. Die Figuren wirken letztlich reichlich platt und eindimensional, allen voran der Protagonist Fontanelli als zweifelnder Gutmensch. Dazu der mysteriöse diabolische "Freund", der es nur aufs Geld abgesehen hat und die schmachtende, verstoßene Geliebte usw. (Vielleicht konnte auch Eschbach nicht der Versuchung widerstehen, irgendwann aus Hollywood ein Angebot für den Stoff zu bekommen.)

3. Eschbach zeigt seinen Lesern teilweise eindrucksvoll, dass er - neben einer guten Recherche - zu sachlichen Wissenschaftsbeiträgen (u.a. monetaristische Theorien, Naturbeschreibungen, Menschheitsentwicklung, Zukunftsforschung und Organisationssoziologie) sowie interessanten Gedankenexperimenten fähig ist, aber selbst auf mich (als in VWL und BWL ausgebildeten Rezipienten) wirkte dies zunehmend zu anstrengend, lückenhaft und moralisierend! Und tatsächlich: Zwei Freunden, denen ich das Buch empfahl und die mit wirtschaftlichen Themen gar nichts anfangen können, haben es nach spätestens der Hälfte enttäuscht zur Seite gelegt.

4. Die Story trägt nicht den vollen Umfang des Buches. Etwa ab dem letzten Drittel und bei dem (enttäuschenden, vorhersehbaren und pathetischen) Ende gibt es keine neue Idee, keine Wendung mehr.

Fazit: Irgendwie habe ich die Erkenntnis, das auch noch so viel Geld den Einzelnen nicht glücklicher machen und die Welt nicht retten kann, schon in beachtlicheren (und emotional glaubwürdigeren) Stories gelesen.

Ein versöhnliches Wort zum Schluß: Natürlich ist Eschbach ein einfallsreicher und kreativer Autor, der zu Recht eine große Fangemeinde hat. Für mich war das Buch eine gute Bettlektüre - nicht mehr und nicht weniger.


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