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chris (Deutschland)

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The Downton Abbey Rules for Household Staff
The Downton Abbey Rules for Household Staff
von Jessica Fellowes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Butler Carsons Geheimtipps, 30. November 2014
"The Downton Abbey Rules for Household Staff" ist ein kleines, feines Buch, das uns die Welt der Bediensteten in den großen britischen Herrensitzen Anfang des 20. Jahrhunderts näher bringt. Mit einem Augenzwinkern geschrieben, stellt hier der fiktive Butler Carson (bekannt und beliebt aus der britischen Erfolgsserie Downton Abbey) eine ganze Palette nützlicher Tipps und Tricks zu Haushaltsführung und Dienstleistung zusammen. Man kann sich wirklich vorstellen, wie jede neue Dienstmagd und jeder junge footman oder hall boy, der in Downton Abbey anfängt als Bediensteter zu arbeiten, von einem wohlmeinenden Carson dieses blaue Buch als Ratgeber in die Hand gedrückt bekommt - zusammen mit der strengen Anweisung, den Inhalt gründlich zu studieren.

Alles ist abgedeckt: Welche Aufgaben der Butler hat, was ein Kammerdiener (valet) beachten sollte, wenn er Hut und Mantel seines Herrn zu reinigen hat, wie nützlich gute und lückenlose Buchführung für eine Haushälter ist, wie der Footman beim Dinner richtig zu servieren hat und wie eine house maid mit einfachen Mitteln selbst Möbelpolitur herstellen kann. Ein bisschen erinnern diese Tipps und guten Ratschläge an all die schlauen Dinge zur Haushaltsführung, die man heute meist ungewollt und ungefragt ebenso von seiner Großmutter mit auf den Weg bekommen könnte. Nicht selten habe ich mich beim Durchlesen der vielen heute vielleicht auf den ersten Blick altmodisch erscheinenden Ratschläge deshalb auch gefragt, ob die Tricks zum Schuheputzen, Fleckenentfernung und zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln in der Speisekammer nicht auch heute noch genauso nützlich sind und man mit ein bisschen Menschenverstand und diesen alten Kniffen zur Selbsthilfe nicht häufig ein viel besseres Ergebnis erreicht, als wenn man sich z.B. auf moderne Reinigungsmittel verlässt, bei denen man noch nicht mal weiß, was da industriell eigentlich zusammengerührt wurde.

Gespickt mit liebevollen schwarz-weiß Illustrationen zur Verdeutlichung mancher Arbeitsschritte ist das Buch sehr übersichtlich und benutzerfreundlich unterteilt in die Kapitel "Butler", "Housekeeper", "Valet", "Lady's Maid", "Cook", "Kitchen Maid", "Footman" und "Housemaid" und deckt damit alle wichtigen Positionen ab, die in einem herrschaftlichen Haus wie Downton Abbey von Nöten sind, um den reibungslosen Alltag für Lord und Lady Grantham zu ermöglichen. Zum Personalheer hinzu kamen auf den großen englischen Landsitzen außerdem die Gärtner, Rittmeister, Stallburschen, Jagdaufseher, der Estate Manger etc., die jedoch klassischerweise natürlich nicht als Hauspersonal gezählt werden und daher nicht Teil dieses Buches sind. Vielleicht Material für ein weiteres Buch? Um bei all den Bezeichnungen und Hierarchien nicht durcheinanderzukommen (aber der wahre Downton Abbey-Fan braucht hier natürlich keine Hilfe mehr) findet man neben den detaillierten Aufgabenbeschreibungen der einzelnen in Downton Abbey Beschäftigten zur Einführung ein "the hierarchy of staff" genanntes, hübsches Organigramm präsentiert: Die Lord Grantham unterstehenden männlichen Bediensteten links, die auf Lady Granthams Kommando hörenden weiblichen rechts.

Insgesamt bekommt man einen sehr guten Einblick und Überblick in das Leben der Bediensteten, als Diskretion, Sparsamkeit und Loyalität dem Angestellten gegenüber das waren, was das gute Servicepersonal vom mittelmäßigen unterschied. Denn nicht nur kommt es darauf an, ob man weiß wie das Silberbesteck richtig zu reinigen ist, damit es beim nächsten Luncheon wieder strahlt wie neu, sondern ebenso zählten auch damals schon das, was wir heute soft skills zu nennen pflegen: Ehrlichkeit, Fleiß und die Fähigkeit, sich in ein Team zu integrieren. Das fing nicht erst damit an, die Anforderungen zur Zufriedenheit der adligen Arbeitgeber zu erfüllen, sondern schon die persönliche Sauberkeit, die richtige Körperhaltung und der eigene Dresscode waren ebenso wichtig - und in vielen Dingen damit ist "Rules For the Household Staff" aktueller, als man vielleicht erstmal denkt. Kein Wunder, dass der Alltag als house maid oder boot boy anstrengend war und die Arbeitszeiten lang - musste man doch der Familie des Hauses vom Vorbereiten und Servieren des Frühstücks am Morgen bis hin zum Zubettgehen nach dem mehrgängigen Dinner am Abend routinemäßig zur Hand gehen (Sonderwünsche und die Betreuung von adligen Gästen und spontan eintreffenden, über Nacht bleibenden Familienfreunden nicht eingerechnet). Beim Lesen des Buches hatte ich daher auch Gordon Jackson als schottischer Butler Hudson aus der 70er Jahre TV-Serie "Upstairs, Downstairs" vor Augen, wie er regelmäßig das verträumte Küchenmädchen mit einem "Look sharp, Emily!" zum schnelleren Arbeiten auffordert.

Ergänzend gibt es eine kleine Einführung in die Erste Hilfe, sowie eine Orientierung zur korrekten Ansprache von Mitgliedern der upper class. Von der Queen, die Downton Abbey ja einen Überraschungsbesuch abstatten könnte (und tatsächlich beherbergte Highclere Castle, der Drehort von Downton Abbey in der Vergangenheit viele berühmte, auch royale Gäste), über den Duke, den Marquess, bis zum Baronet, dem Knight und dem einfachen Gentleman - alle haben ihre Position im gesellschaftlichen Gefüge der damaligen Zeit und als Teil des Dienstpersonals musste man schließlich wissen, mit wem man es zu tun hatte.

Obwohl nur ca. 116 Seiten lang bietet dieser Ratgeber eine Fülle von teils auch heute noch nützlichen Hinweisen und Haushaltstipps. Wer wissen möchte, wie es damals "downstairs" zuging, für den ist dieses im Tonfall der damaligen Zeit geschriebene Büchlein ein großes Vergnügen. Der ehrwürdige Butler Carson hat mit dieser Publikation ganze Arbeit geleistet, die Schriftsprache ist so distinguiert britisch, dass man meint, ihn förmlich vor sich zu sehen, wie er nach Feierabend bei einem Glas Sherry in seiner mit Gaslampe erleuchteten Kammer mit großem Stolz und Eifer diesen klugen Ratgeber verfasst. Das Buch ist in gut verständlichem Englisch geschrieben, benutzt aber natürlich auch den damals in solchen Handbüchern üblichen edukatorischen Stil (es ist schließlich ein Handbuch). Wer sich daran nicht stört und bei Downton Abbey mal die englische Originalspur eingeschaltet hat und gut mitgekommen ist (mit oder ohne Untertitel), sollte hier keine Verständnisprobleme haben.

Eine kreative, tolle Ergänzung zur Downton Abbey-Fernsehserie und eine - wenn auch von einem fiktiven Verfasser stammende, neu zusammengestellte - Fundgrube an Alltags- und Zeitgeschichte der Ära des britischen "country house", basierend auf den Originalratgebern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts von Autoren wie Mrs Beeton, Arthur Payne oder den Erinnerungen der Lady's Maid Rosina Harrison (1899-1989), welche Lady Astor über viele Jahre hinweg als Zofe (lady's maid) zur Seite stand. So wird Alltagskultur der Victorianischen und Edwardianischen Geschichte lebendig!


"Downton Abbey - Season 5" - UK-Import (Region 2) - Sprache: Englisch.
"Downton Abbey - Season 5" - UK-Import (Region 2) - Sprache: Englisch.
Wird angeboten von rockmusikfreak
Preis: EUR 44,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "When I see a problem, you see possiblities...", 29. November 2014
*** Achtung, Spoiler! ***

Die Handlung
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Downton Abbey, 1924: Bei Hauspartys werden nun wie selbstverständlich Cocktails vor dem Dinner gereicht, das Radio hält seinen Einzug in den Alltag der Menschen und die Labour Partei ist an der Macht. Was für den einen einem Fluch gleichkommt, ist für den anderen ein Segen. Besonders Lady Rose ist geradezu entzückt bei dem Gedanken, bald im Besitz eines der neuen Radiogeräte zu sein - nur Robert muss durch viele kleine Hinweise erstmal dazu gebracht werden die Anschaffung eines ebensolchen Wunderapparats überhaupt zu erlauben. Als jedoch selbst der König George IV. die neue Technologie benutzt um darüber seine Eröffnungsrede für die Great Exhibition in London verbreiten zu lassen, ist Robert als waschechter Monarchist schlussendlich doch vom Nutzen des Radios überzeugt - tröstet ihn doch die feierliche Rede des Königs darüber hinweg, dass die momentan die Regierung bildende Labour Partei das schlimmste aller Übel für einen Adligen sein kann: "It is the destruction of our class and everything that we stand for", orakelt er düster. Wie gut, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass sich in seinem unmittelbaren Umkreis - zumindest nach Edwardianischem Weltverständnis - so einige sittlich-moralische Abgründe auftuen, die viel explosiver sind als das radikal auf links gebürstete Parteiprogramm der nun regierenden Arbeiterklasse....

Kurzum - die neue Welt hält weiterhin Einzug auf Downton Abbey. Was des einen Leid, ist des andren Freud: Vom Gesellschaftswandel können nun so manche vorher Unterpriviligierten profitieren - sofern sie die modernen Zeiten als Chance sehen und ihr Glück selbst in die Hand nehmen! Bestes Beispiel dafür ist Daisy: Immerhin schon zwölf Jahre arbeitet sie nun mit und für Köchin Mrs Padmore - und was für eine Entwicklung sie dabei durchgemacht hat! Von Dutzende Male "Yes, Mrs Padmore!" und stummem, klaglosen Ausführen von Befehlen, über Rebellion (man denke an Daisys von Thomas angestachelten Streik in Staffel 3), bis zu ihrem Aufstieg zum "assistant cook" an der Seite Mrs Padmores - die inzwischen vom Teenager zur jungen Frau Herangewachsene kann durchaus zufrieden mit sich und ihrem bisherigen Karriereweg sein. Aber wie immer fehlt zum vollständigen Glück noch etwas: Sollte Daisy eines Tages tatsächlich mal Mr Masons Hof übernehmen, dann muss sie mehr können als Béchamelsauce und Soufflées zaubern. Rechnen und Buchhaltung zum Beispiel, um den Bauernhof nicht in eine finanzielle Misere zu stürzen. Unterstützung bekommt sie bei ihrem Plan zur Weiterbildung von Dorflehrerin Miss Bunting. Als gute Bekannte von Tom findet sich die kesse Miss Bunting bald unversehens upstairs am gleichen Dinnertisch wie Lord Grantham und der Dowager Countess wieder. Eine Konstellation, die den meisten Beteiligten zusehends unangenehmer wird, denn wie sagte Miss Bunting noch in Staffel 4 über die adlige upper class: "I don't exactly warm to their type..." Ein Gefühl, dass bei Robert auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint: Und so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem bei ihm und Violet bald schon Eiszeit herrscht, wenn Miss Bunting mitsamt ihrer revolutionären Ideen à la "Bildung für alle" dem herrschaftlichen Downton Abbey auch nur zu nahe kommt.

Doch die jüngere Generation ist weitaus furchtloser was die Auflösung alter Standesgrenzen und Konventionen angeht: Nachdem Rose durch ihren Debutantenball in die Gesellschaft eingeführt ist (dazu Mrs Hughes: "It seems odd that a nod and a courtsey to the King can make you a woman, but that's the way they do it") erscheint der rebellische Wildfang langsam etwas gezähmter zu werden. Doch wenn der eine gesetzter wird, geht es bei anderen hoch her: Im fernen und heißen Bombay haben ihre Eltern Marquis and Marchioness of Flintshire nicht nur mit Hitze und fremder Kultur zu kämpfen, sondern auch ihr Eheleben scheint inzwischen vollständig zerrüttet. Zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen Shrimpie und seiner Frau trägt bald schon der Umstand bei, dass Rose in London Atticus Aldridge kennengelernt hat - zwar einen reichen jungen Mann aus gutem Hause, aber aufgrund seiner jüdischen Abstammung zur damaligen Zeit nicht gerade der Traum aller Schwiegermütter... Werden Roses Träumereien wie schon beim schwarzen Jazzsänger Jack Ross abermals Schiffbruch erleiden, kann Atticus in die Familie integriert werden und was denken eigentlich Atticus Eltern Lord and Lady Sinderby über die Granthams und Flintshires?

Auch Lady Mary hat weiterhin ihre liebe Mühe damit ihre Verehrer in Schach zu halten. Soll sie den praktisch veranlagten, cleveren, aber manchmal auch etwas schnippischen Charles Blake nehmen, oder den charmanten, noblen, gleichzeitig aber auch hartnäckig sturen Tony Gillingham? Marys Zuneigungen zeigen ganz klar in eine bestimmte Richtung, aber wie soll sie sich sicher sein, dass ihr Auserwählter auch der Richtige ist? Um der Frage auf den Grund zu gehen muss Lady Mary nicht nur eine gehörige Portion Mut und Selbstvertrauen mitbringen, sondern benötigt außerdem die Hilfe der loyalen lady's maid Anna. Und die fühlt sich in ihrer Rolle als Marys Vertraute bald alles andere als wohl....

Bei alledem werden jedoch auch traurigstimmende Themen aufs Tapet gebracht: Zehn Jahre nach Anfang des Ersten Weltkrieges und sechs Jahre nach Kriegsende sind noch immer nicht alle seelischen und körperlichen Wunden verheilt. Wie will die britische Bevölkerung seiner auf dem Schlachtfeld gefallenen Soldaten gedenken, und was sagt die Erinnerungskultur über die damalige Zeit aus, wenn einfache Soldaten zu Helden stilisiert werden, Deserteure jedoch - ohne sich die Gründe für ihren vermeintlichen Ungehorsam näher anzusehen - auch posthum bei der breiten Masse des Volkes in Ungnade fallen?

Die Serie
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Nicht nur bei mir schwebten am Ende der vierten Staffel so einige Fragezeichen überm Kopf. "Downstairs" war da Folgendes zu klären: Welches Geheimnis hütet Coras lady's maid Baxter und was hat under butler Thomas damit zu tun? Was spielte sich am Picadilly Circus wirklich ab, als Lord Gillinghams gemeiner Valet Mr Green sein vorzeitiges Ende unter einem Omnibus fand - ist Mr Bates doch gefährlicher, als alle denken? Und auch "upstairs" tat sich mir nach Staffel 4 (weiterhin) die ein oder andere Frage auf: Was ist los mit Verleger Michael Gregson, Lady Ediths Liebhaber? Ist er den politischen Umbrüchen der Weimarer Republik unter die Räder gekommen oder entpuppt er sich jetzt als treuloser Geselle, der kurz vor der avisierten Scheidung von seiner geisteskranken Frau Muffensausen bekommen hat, sodass Lady Edith mal wieder sitzen gelassen wurde? Welche Lösung wurde für die Unterbringung ihrer gemeinsamen kleinen Tochter getroffen und wie kann Edith vor ihrer Familie verbergen, dass sie überhaupt eine uneheliches Kind hat? Schließlich und endlich: Welcher Verehrer hat Lady Mary von sich überzeugt und wird sie ein zweites Mal heiraten? Zu Anfang der 5. Staffel bleibt es also spannend, aber im Laufe der Staffel gibt es Antworten auf diese Fragen und eins ist sowieso gewiss: Es geht immer weiter vorwärts mit Mode, Sitten und Technik und auch der Berufsstand der Bediensteten wird wohl bald obsolet sein. Dem einen macht das mehr zu schaffen, dem anderen weniger. Selbst der eigentlich hargesottene Mr Bates, den so schnell kein Zeitenwandel aus der Ruhe bringen kann, bemerkt voll Bewunderung angesichts des immerfröhlichen Optimismus seiner Frau Anna: "When I see a problem, you see possibilites..."

Am positivsten ist mir an dieser Serie aufgefallen, wie gut das Skript Charakterentwicklungen verdeutlicht und wie mühelos es Autor Julian Fellowes versteht, für Charaktere, die man vorher nicht ausstehen konnte, wenn schon vielleicht nicht vollste Sympathie und Zuneigung, dann doch wenigstens Verständnis zu wecken. Sicher bin ich nicht die einzige, die Miss Bunting in Staffel 4 in ihrer teils vorlauten, teils unsensiblen Art nicht ausstehen konnte. Nach dem Ansehen der 5. Staffel kann ich resümieren: Auch wenn ich Miss Bunting immer noch impertinent finde, so kann ich sie jetzt jedoch etwas besser verstehen, ja manchmal sogar ein wenig mit ihr fühlen. Einen noch größeren Wandel im Blick auf den Charakter hat aber Thomas Barrow durchgemacht. Zu Anfang der Serie in Staffel 1 ein hinterhältiger, scharfzüngiger Querulant, der so manche Anstrengungen unternimmt um Rivalen auszubooten, dann ein Kriegsverwundeter, der seine inzwischen deutlich bessere hierarchische Position weidlich ausnützt, schließlich in Staffel 3 verwirrt, angreifbar, dem gesellschaftlichen und beruflichen Ruin nahe - nur um in Staffel 4 mit seinen Intrigen wieder seinen schlechten Charakter zu zeigen. Wo Licht ist, ist auch Schatten - aber eben auch andersrum. Waren seine wiederaufgenommenen Machtspielchen in Staffel 4 durch die Abwesenheit von Komplizin Miss O'Brien weitgehend wirkungslos verhallt, zeigt Staffel 5 statt Thomas hartem Kern nun nicht nur wie schon in Staffel 3 nochmal sein aufgewühltes Innenleben, sondern auch, wie er versucht Frieden mit sich selbst zu schließen. Und wirklich: Thomas kann sogar freundlich und hilfsbereit sein, wenn er nur möchte! Ob diese soziale Integration von Dauer ist, wird sich zeigen. In jedem Fall ist er in meiner Hochachtung gestiegen, denn welche seelischen und körperlichen Qualen Thomas in Staffel 5 heimlich auf sich nimmt um sich in eine Gesellschaft zu integrieren, die vor allem Anormalen zurückschreckt, das gebührt Respekt und eine gewisse Bewunderung - ganz gleich, wie man nun zu Thomas steht. Ebenso ist Lady Cora für den Zuschauer greifbarer geworden. Zum ersten Mal hört man Cora dabei zu, wie es sich für sie gefühlt haben muss, als sie Ende des 19. Jahrhunderts, als reiche, amerikanische Erbin im fernen England den adligen britischen Lord Grantham ehelichte. Ihr Status als sogenannte Buccaneer (junge amerikanische Mädchen, die bald zu Hauf britische Ballsäale auf der Suche nach einem Ehemann stürmten, um durch Hochzeit mit einem britischen upper class gentleman in den Adelsstand erhoben zu werden) schwang bisher zwar immer mit, wurde aber noch nie so konkret benannt wie hier.

Kulisse, Kostüme, Requisite, Drehorte, Soundtrack, dazu feine Dialoge, Witz, Esprit und einen guten Schuss Liebenswürdigkeit: All das beschert dem Zuschauer - wie bei Downton Abbey nicht anders zu erwarten - ein wirklich exquisites Gesamtergebnis und lässt keine Wünsche offen. Sehr gefreut habe ich mich über die neu erscheinenden Drehorte, beispielsweise die Bücherei oder die Gästeräume im Londoner Grantham House, die es einem ermöglichen von Grantham House sukzessive einen schönen Gesamteindruck zu gewinnen. Auch bei Lord Merton oder Lord and Lady Sinderby ist man "zu Gast" und kann die schönen Möbel und sonstige Ausstattung bewundern. Ein weiteres Highlight sind die stimmungsvollen Außenaufnahmen im nächtlichen London.

Nur in Episode 8, wenn das Schicksal das Ehepaar Bates wieder hart beutelt, hatte ich aufgrund der unübersehbaren Parallelen zu einem vorherigen Handlungsstrang Probleme mit dem Handlungsstrang. Es bleibt abzuwarten, inwieweit das ausgewalzt wird. Gleichzeitig jedoch darf man aber auch nicht vergessen, dass die Bates bisher immer Glück im Unglück hatten. Nicht viele adlige Arbeitgeber wären beispielsweise so großzügig gewesen zwei verheiratete Diener unentgeltlich in einem eigenen kleinen hübschen Cottage unterzubringen und Anna auch als verheiratete Frau noch weiterhin auf Downton Abbey zu beschäftigen. Nicht ganz zu Unrecht beneidet Thomas daher in Staffel 2 das damals frisch verheiratete Ehepaar.

Die Extras fallen diesmal besonders reichhaltig und vielfältig aus: Im "Behind the Scenes" zeigen Lesley Nichols (Mrs Padmore) und Phillys Logan (Mrs Hughes) ihre unbeschwert-komödiantische Seite - ebenjene Charaktereigenschaften die wohl die ganz besondere Heiterkeit und Herzlichkeit am Set von Downton Abbey ausmachen, die jeder zum Ensemble neu hinzukommende Schauspieler so sehr schätzt. "The Roaring Twenties" und "A day with Lady Rose" sind ebenfalls interessant und unterhaltsam. In "The Manners of Downton Abbey" führt Alaistar Bruce, der beratende Historiker und Adelsexperte, den Zuschauer ganze 50 Minuten lang in die Besonderheiten und Manerismen der damaligen Zeit ein - von der richtigen Esskultur, finanzielle Fragen rund um adlige Erben vs. Neureiche und gesellschaftliche Etiketten bis hin zu Tradition und die Herausforderung, sich vorteilhaft zu verheiraten. Der von Cast und Crew liebevoll "Orakel" genannte Bruce macht seinem Namen alle Ehre. Aber auch die ebenfalls in den Extras enthaltene Vorschau auf das Weihnachtsspecial der 5. Staffel macht Appetit auf mehr - für Leute, die sich ein bisschen mit britischen Serien auskennen, sei gesagt, dass Schauspielgröße Alun Armstrong (vielleicht bekannt bei Liebhabern von "period dramas" aus Serien und Filmen wie Charles Dickens "Bleak House" (3 Disc Set) und Garrow's Law Series One to Three [DVD] [UK Import]) einen Gastauftritt haben wird.

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FAZIT

Staffel 5 knüpft nahtlos an Staffel 4 an. Die offenen Fragen werden nach und nach mal mehr, mal weniger ausführlich mit meist plausiblen Antworten aufgelöst (nur vom Handlungsstrang um Michael Gregson hätte ich mir etwas mehr erwartet, was aber durch die berührende Handlung um Ediths Tochter teils wieder aufgewogen wird). Doch neue große und kleine Probleme entstehen, sodass man immer gespannt ist, wie es nun weitergeht mit den Granthams und ihren Bediensteten. Und das ist bei einer Serie, die nun schon fünf Staffeln umfasst nun doch wirklich eine beachtliche Leistung!

Die Charakterentwicklungen sind in dieser Staffel besonders gut gelungen - es muss schon ein besonders gutes Skript sein, wenn die Sympathien für eine Figur sich im Laufe von nur acht Episoden auf Zuschauerseite von Missgunst in Wohlgefallen oder doch zumindest gutmütige Neutralität auflösen und wenn statt Verachtung nun Mitgefühl vorherrscht - ohne jedoch das Gefühl zu erwecken, dass nun alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Stattdessen wird immer klar gemacht, dass der Charakter einer Person keine starre Angelegenheit ist um als Vorlage für eine schablonenhafte schwarz-weiß Darstellung zu dienen, sondern dass es immer Nuancen und Zwischentöne gibt. Kurzum: Die Charaktere, die Downton Abbey bevölkern erscheinen als wirkliche, lebendige Charaktere realer Personen, und das ist nur einer der zahlreichen Faktoren, welche die Serie Downton Abbey so charmant, unterhaltsam und weltweit erfolgreich macht.


A Year in the Life of Downton Abbey
A Year in the Life of Downton Abbey
von Jessica Fellowes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

5.0 von 5 Sternen Wieder ein gelungenes Begleitbuch, 3. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jessica Fellowes ist einmal mehr ein sowohl optisch glänzend gestaltetes, als auch informatives Begleitbuch zur Erfolgsserie "Downton Abbey" gelungen.

Die Struktur des Buches - diesmal anhand der Jahreszeiten, was die Gelegenheit bietet auf die sommerliche Season in London oder die Fasanenjagd im Herbst einzugehen - ist einfallsreich und kreativ. Sehr gefreut hat es mich auch, dass zwischen die Kapitel traditionelle Rezepte eingestreut sind. Wer also schon immer mal Mrs Padmores Creme brulée oder Daisy's Cheese Straws nachkochen wollte um einen Geschmack davon zu haben, was bei den Granthams auf den Tisch kommt, der wird hieran seine Freude haben.

Ebenfalls eingestreut sind wie auch bei den anderen Büchern Zitate aus den Dialogen der Serie. Nur bei diesen Zitaten besteht leichte Spoiler-Gefahr in Bezug auf Staffel 5. Ansonsten bietet das Buch wieder eine Fülle an geschichtlichen Informationen, gemischt mit Interpretationen, Beobachtungen und Betrachtungen zu den Figuren die Downton Abbey.

Auch der Einband des Buches ist eine Freude. Auf dem Foto sieht er vielleicht etwas langweilig aus, aber bei Lichte betrachtet, schimmert das Muster gold-orange auf dem himmelblauen Hintergrund, sodass ich beim Öffnen des Amazon-Pakets sehr beeindruckt war.

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FAZIT

Für jeden Fan der Serie Downton Abbey nur zu empfehlen. Die Fotos sind wunderschön, die Struktur des Buches genauso logisch wie ansprechend, der Inhalt gleichermaßen interessant wie unterhaltsam. Eine klare Kaufempfehlung!


The Wind That Shakes the Barley
The Wind That Shakes the Barley
DVD ~ Cillian Murphy
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Ein bewegender Film, 3. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The Wind That Shakes the Barley (DVD)
Die Handlung
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Irland kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges: Damien O'Donnell hat kürzlich sein Medizinstudium abgeschlossen und möchte nach London ziehen, um den Arztberuf aufzunehmen. Aber die Briten haben Irland besetzt nachdem Unabhängigkeitsbestrebungen und Revolten aufgekeimt waren. Und so muss Damien täglich mit ansehen, wie die Briten ihn und seine Landsleute schikanieren. Damiens großer Bruder Teddy hat sich angesichts der politischen Lage schon entschieden: Er treibt mit der IRA die Unabhängigkeit voran. Nach langem Zögern schließt sich Damien der Gruppe an und lässt dafür seine Karriere als Arzt sausen. Aber werden Damien, Teddy und die anderen jungen Männer und Frauen aus dem Dorf sich erfolgreich gegen die Briten stellen können? Und was wird der Kampf nach Unabhängigkeit aus ihren Persönlichkeiten machen?

Der Film
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"The Wind that Shakes the Barley" ist einerseits ein gesellschaftspolitisches Drama, andererseits die Geschichte zweier Brüder, die nach dem Tod ihrer Eltern nur noch den jeweils anderen haben. Der Film hütet sich davor, bloße schwarz-weiß Perspektiven zu zeigen, obwohl es manchmal vielleicht so aussieht, als würde auf eine bestimmt Haltung hingearbeitet - doch nur, um in einer späteren Szene die Perspektive wieder umzudrehen. So ist man auch als Zuschauer hin- und hergerissen, egal ob es um die Konflikte zwischen Briten und Iren geht oder später, als die irische Bevölkerung sich spaltete zwischen denen, die um des Friedens Willen die Bedingungen eines Vertrages zwischen Großbritannien und Irland zustimmten und denen, die um jeden Preis weiterkämpfen wollten.

Eine Besonderheit dieses Films ist sicher Ken Loachs Arbeitsweise im Umgang mit den Schauspielern: Man erfährt aus den Extras, dass die Schauspieler ihre Szenen meist erst einen Tag zuvor oder erst am Drehtag selbst bekamen und zudem viel Freiheiten hatten, die Dialoge in eigene Worte zu packen. An ein paar Stellen im Film merkt man, dass hier etwas von eventuell vorgeschriebenem Dialog abgewichen wurde - beispielsweise wenn einer sich verspricht, stockt oder zögert - aber gerade während der allgegenwärtigen Diskussionen um die Zukunft Irlands lässt das die Debatten nur umso glaubwürdiger erscheinen.

Ein weiterer Pluspunkt sind die schauspielerischen Leistungen von Cillian Murphy als Damien und Padraic Delaney als Teddy, aber auch Orla Fitzgerald in der Rolle von Damiens Freundin Sinead.

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FAZIT

Insgesamt ist "The Wind that Shakes the Barley" ein Film, der mich berührt und zum Nachdenken angeregt hat. Wer sich für Irland und seine Geschichte interessiert, kommt an diesem Film nicht vorbei.


Parade's End - Der letzte Gentleman [2 DVDs]
Parade's End - Der letzte Gentleman [2 DVDs]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Partielles Scheitern am eigenen Anspruch?, 28. September 2014
Die Handlung
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Nach einer stürmischen Begegnung mit der temperamentvollen Sylvia Satterswaithe sieht sich der sonst vornehme Zurückhaltung übende Christopher Tjetjens einer verzwickten Situation gegenüber: Sein Ehrencodex sieht vor, dass er die inzwischen Schwangere heiratet, doch: Kann er sich wirklich sicher sein, dass der bald nach der Hochzeit geborene Sohn sein eigener ist? Oder hatte die exaltierte Sylvia nicht vorher zahlreiche andere Liebhaber, von denen ebenso einer der Vater sein könnte? Der Adlige ist jedoch anders gestrickt als viele Männer, und so versucht er gar nicht erst, seine Vaterschaft anzuzweifeln sondern zieht das Kind widerspruchslos auf. In an Selbstkasteiung erinnernder Demut liebt er seinen Sohn und auch seine Frau wie es sich für einen guten Ehemann gehört. Und auch die ganz offensichtlich auch nach der Hochzeit weiterlaufenden Eskapaden seiner Frau erwecken im introvertierten Christopher keinerlei Eifersüchte - sein Benehmen ist jederzeit einwandfrei, Emotionen zu zeigen ist seine Stärke nicht. Passend zu seiner selbstgenügsamen, rationalen Art arbeitet er in gehobener Position im Königlichen Amt für Statistik, und hat somit in gewisser Weise Einblicke in Großbritanniens Militärstrategien - Wissen, das sich bald als Segen und Fluch zugleich herausstellen wird.

Sylvia - eine junge Frau, deren Affären ihr nicht mehr als ein Zeitvertreib gegen die Langeweile bedeuten, ist genauso fasziniert wie angeekelt von ihrem den perfekten Gentleman verkörpernden Gatten. Seine moralische Korrektheit erregt ihren Zorn, sein emotionsloses Akzeptieren der Gesamtsituation lässt sie verzweifeln und sein ruhiges, gutmütiges Wesen zieht ihren Neid auf sich. Während Christopher penibel und mit angespitztem Bleistift selbst noch in der Enzylopedia Britannica neunmalkluge Korrekturen anbringt, schleudert sie im Streit das Familienporzellan durchs Frühstückszimmer. Jeder weiß: Die Ehe der beiden ist nicht das was die Briten "a match made in heaven" zu nennen pflegen.

Christopher zuckt auch nicht einmal mit der Wimper, als seine aufgebrachte Frau schließlich die Scheidung von ihm verlangt. Bevor es soweit ist, trennt man sich erstmal räumlich. Erleichtert, Christophers steifem aristokratischem Wesen für eine Zeit entkommen zu sein, entflieht Sylvia mit Liebhaber Potty Perowne auf den Kontinent. Nach einer kurzen Besinnungsphase beschließt sie, mit Ehemann besser dran zu sein als ohne, gibt dem so naiven wie verliebten Potty den Laufpass und will der Ehe nochmal eine Chance geben.

Doch der Erste Weltkrieg bricht aus, die selbstbewusste und sich für Feminismus begeisternde Valentine Wallopp tritt auf die Bildfläche und plötzlich werden die einfachsten Dinge fürchterlich kompliziert....

Die Serie
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Die Serie versammelt eine ganze Riege erfahrener britischer Schauspieler: Neben den Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch (Christopher Tjetjens) und Rebecca Hall (Sylvia Tjetjens) geben sich hier Janet McTeer (Sylvias Mutter), Tom Mison (Potty Perowne), Rupert Everett (Christophers Bruder Mark), Anne Marie Duff (Valentines Freundin Mrs Duchemin) und Patrick Kennedy (ein späterer Kampfgefährte Christophers) die Klinke in die Hand. Nicht zu vergessen Rufus Sewell als verwirrter Pfarrer Duchemin, Roger Allam als ältlicher General, Sebastian Armesto in der Nebenrolle des katzenfreundlichen Spiones Ruggles, Freddie Fox als Valentines Bruder und nicht zuletzt Stephen Graham in der Rolle des schottischen Literaturkritikers und besten Freundes von Christopher.

Die Masse an Nebenfiguren ergibt zwar für diejenigen, die sich in der britischen TV-Landschaft und insbesondere bei "period dramas" etwas besser auskennen, nette Wiedererkennungseffekte (.... Oh, da ist Anne Marie Duff aus "Elizabeth I."! Hier kommt Janet McTeer aus der grandiosen "Sense&Sensibility"-Adaption von 2008! Und dies ist Rupert Everett aus "An Ideal Husband"! etc pp ...), erschwert es dem Zuschauer aber den Überblick zu behalten. "Wie hieß dieser Soldat nochmal?", "Welcher bürokratische Hickhack wird da grade von wem nochmal im militärischen Basislager besprochen?", "Ach so, Sylvestra Le Touzel spielt keine Tante, sondern eine Hausangestellte!" und "Wo ist jetzt eigentlich Christophers Schwester Effie und was passiert in der Zwischenzeit mit Christophers Sohn?" sind nur einige der Fragen, die ich mir in regelmäßigen Abständen beim Schauen gestellt habe. Gefühls- und Kriegswirren sind da leider nicht die einzigen Wirrungen, die sich dem Zuschauer bieten...

Schade auch, dass bei dem ganzen Aufgebot an erstmal wichtig erscheinenden (und später dann doch nicht so wichtigen) Nebenpersonen Schauspieler wie Sebastian Armesto mal wieder unbeachtet bleiben. Es hätte der Handlung in puncto Spannung sicherlich gut getan, wenn er - Christophers Vater und Bruder mit mehrheitlich falschen Gerüchten rund um Christophers Eheleben beliefernd - wenn schon nicht eine eigene, dann doch eine besser ausgebaute Storyline bekommen hätte, anstatt als Spion Ruggles zwei, dreimal in Erscheinung zu treten, nur um dann auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung zu verschwinden.

Optisch ist die Serie wie viele hier schon geschrieben haben ein wirklicher Genuß. Die Außenszenen sind ebenso schön wie die opulente Ausstattung der Hotels, Londoner Suiten und Palais. Entsprechend leicht fällt einem darum auch das Zurückgleiten in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Inhaltlich kreist die Serie sehr stark um das Dreiergespann zwischen Slyvia, Christopher und Valentine. Letztere verliebt sich leidenschaftlich in Christopher und bringt so seine Moralvorstellungen genauso stark ins Wanken wie der herannahende Krieg die in seinem Beruf notwendige Obrigkeitshörigkeit in Frage stellt. Weitere Themen, die im Verlauf angerissen werden sind das Frauenwahlrecht, das Klassensystem zwischen Adligen und Dienerschaft, illegale Abtreibungen, machtpolitisches Gerangel des Militärs an der Front und der langsame Zerfall der traditionellen Werte, sowie der Konkurs herrschaftlicher Häuser der Upper Class.

Besonders beeindruckt haben mich die Szenen, in denen die Folgen des Krieges auf die Psyche der Männer gezeigt wurden. Prägnantes Beispiel ist hierbei die Figur des Offiziers Williams, der inmitten der Kampfhandlungen plötzlich wie ferngesteuert aus der Deckung der Trenches steigt und anfängt Bierflaschen in Richtung der deutschen Stellung zu werfen. Ein genauso waghalsiges wie sinnloses Unterfangen, dass jedoch zu gut die eigentlich viel größere Sinnlosigkeit des Stellungskrieges symbolisiert. Eigentlich hatte ich erwartet, dass auch die Hauptfigur des Christopher Tjetjens mit seinem sensiblen, introvertierten Charakter ähnlich schwer von der Front gezeichnet würde - doch bis auf zwei "Erinnerungs-Flashbacks" scheint Christopher während des Heimataufenthaltes oder nach dem Krieg die Erlebnisse vergleichsweise gut "weggesteckt" zu haben. Natürlich wünscht man den Protagonisten nicht willentlich etwas Schlechtes, aber ich hätte es interessanter gefunden, wenn dieser Erzählstrang noch weiter ausgereizt worden wäre. Zu der offensichtlichen Erschütterung seiner traditionellen, konservativen Weltansicht, der sich Christopher immer weiter ausgesetzt sieht je mehr der Krieg voranschreitet wäre die psychische Belastung des Krieges sicherlich eine noch viel logischere und somit darstellungswürdigere Konsequenz aus den Ereignissen des Ersten Weltkrieges gewesen. Im Film "Mrs Dalloway" werden die verheerenden Folgen des Krieges auf Psyche und Geist sehr eindrücklich in Szene gesetzt und brilliant von Rupert Graves gespielt - eine ähnliche, vielleicht auch nicht gerade ganz so extreme "emotionale Reise" hatte ich in "Parade's End" im Falle der Hauptfigur zu sehen erwartet. Sicherlich waren meine Erwartungen diesbezüglich etwas zu hoch gesteckt - das leise nagende Gefühl der Unzufriedenheit in Bezug auf Handlung, die sich nicht so entwickelt, wie man es gerne gesehen hätte, bleibt leider trotzdem.

Etwas enttäuscht hat mich auch die Storyline rund um Rufus Sewell, der sein Schauspieltalent auf die skurrile Darstellung eines ziemlich durchgeknallten Pfarrers beschränken musste. Wäre mir sein ebenso verwirrendes wie peinliches Gebaren nicht relativ schnell so auf den Geist gegangen, hätte ich es ehrlich bedauert, einen eigentlich guten Schauspieler wie Sewell in dieser Serie so wenig auf der Bildfläche zu sehen. Wie und warum es zum geistesgestörten Verhalten des Pfarrers kommen konnte wird leider nicht erklärt, der Erzählungsstrang sollte wohl einerseits eine (in den meisten Fällen) eher seltsame Art von Humor in die Serie einbringen und andererseits der Figur der Mrs Duchemin moralische Absolution für ihre beginnende Affäre mit Macmaster liefern. Auch Mrs Duchemin und ihre flatterhafte, hysterische Art hatten es bei mir schwer.

Insgesamt hatte ich aber nicht nur bei den Nebendarstellern, sondern vor allem bei den drei Hauptdarstellern nur äußerst selten das Gefühl die Protagonisten wirklich zu durchblicken. Das mag zwar einerseits für eine komplexe Darstellugn der Charaktere durch die Schauspieler sprechen, macht es dem Zuschauer aber nicht immer leicht die Handlungen der Protagonisten nachzuvollziehen. Von Sylvia und ihrer aufbrausenden, durch und durch gefühlsgesteuerten Natur hatte ich mit weiterem Fortschreiten der Handlung sowieso schon lange keine rationale Erklärung mehr für ihr Handeln erwartet. Wie es Christopher am Ende der Serie aber möglich war, seine jahrelang vor sich hergetragenen Vorstellungen von Ehre und Moral in Sekundenbruchteilen über den Haufen zu werfen um fortan mit Valentine zusammenzuleben, das kommt genauso plötzlich wie Sylvias Gesinnungswandel, als sie zum Schluss eine 180° Kehrtwende veranstaltet und dem Liebespaar ganz uneigennützig alles Gute wünscht, bevor sie zur Haustür herausstolziert. Zwischen der konservativen Vorstellung, jederzeit 100% hinter der Ehefrau zu stehen, auch wenn sie noch so viele Affären hat, um die gesellschaftliche Stellung zu wahren und der freizügig-liberalen Motivation es der promiskuitiven Gattin nachzutun klafft für mich einfach eine zu große Lücke als dass ein so ohne äußerliche Anzeichen vollzogener Wandel vollkommen glaubhaft wäre. Zumal ich eigentlich keine Gemeinsamkeiten zwischen der fortschrittlichen, rebellischen Valentine und dem verklemmten, schüchternen Christopher sehen konnte, die eine Beziehungsanbahnung, welche über ein "Gegensätze ziehen sich an" herauskäme, plausibler gemacht hätte. Letztendlich hatte ich den Eindruck, dass sich die Geschichte ums Beziehungsdrama Christopher-Sylvia nun unter leicht veränderten Vorzeichen (weg von der sexuellen Inkompatibilität hin zur politischen Inkompatibilität) mit Valentine wiederholen könnte - was bei mir nicht dazu beigetragen hat, das Happy End mit wohligem Gefühl in der Magengegend auf sich ruhen zu lassen.

Es ist jedoch sicherlich ein Verdienst der Serie versucht zu haben die drei wohl sehr detailreichen Bücher des Autors Ford Maddox Ford in inhaltlich interessante, optisch opulente Bilder und Dialoge als TV-Serie zusammenzufassen. Ob dieses Unterfangen gelungen ist, ohne wichtige Handlungselemente zu unterschlagen, weiß ich nicht, weil ich die Vorlage nie gelesen habe. Aber auch als literarisch bei diesem Thema Unbewanderte habe ich das Gefühl, dass eine Verlagerung etwas weiter weg von der offensichtlichen Liebesgeschichte und hin zu Tjetjens Innenleben der Serie weitaus mehr Klarheit verschafft hätte.

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FAZIT

Mit hohem Anspruch und viel gutem Willen gemachte Serie, die optisch überzeugt, inhaltlich den Lobpreisungen der Presse jedoch nicht immer gerecht wird. Vielleicht kann man sagen, dass die Macher der Serie etwas zu viel auf einmal wollten - und trotzdem sind sie glücklicherweise nicht komplett gescheitert, sondern herausgekommen ist eine allemal unterhaltsame Literaturadaption. Und letztendlich muss auch ich gestehen, dass ich durch die allzu bombastischen Positivkritiken (The Independent spricht auf dem DVD-Cover vom "Besten, was die BBC je gemacht hat"...!) vielleicht auch mit an die Serie zu hoch gestellten Erwartungen Schiffbruch erlitten habe. Partiell gescheitert am eigenen Anspruch: Das gilt hier sowohl für meine Wenigkeit, wie auch für die Produzenten von "Parade's End".


Jane Austen's Verführung (1995)
Jane Austen's Verführung (1995)
DVD ~ Ciarán Hinds Amanda Root
Preis: EUR 10,83

4.0 von 5 Sternen Gut besetzt bis in die Nebenrollen, 28. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Jane Austen's Verführung (1995) (DVD)
**Achtung, Spoiler**

Die Handlung
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Anne Elliott hat es schwer im Leben: Obwohl adelig und schon deutlich über zwanzig Jahre alt, ist sie noch unverheiratet. Voraussichtlich wird sie auch den Rest des Lebens als „alte Jungfer“ ihr Dasein fristen, denn sogar ihre jüngste Schwester Mary ist schon verheiratet. Elizabeth, die älteste der drei Töchter des aufgeblasenen, verschwenderischen Sir Walter Elliott, kommt in ihren Charaktereigenschaften leider unerfreulich nah an die unschönen Seiten ihres Vaters heran. Mit einer sich nur für die eigenen Belange interessierenden jüngeren und einer streitsüchtigen, oberflächlichen älteren Schwester, sowie einem unverbesserlichen Vater geplagt ist Annes Leben nicht gerade eitel Sonnenschein. Und dann kommt noch hinzu, dass sie vor einigen Jahren eine Entscheidung getroffen hat, die sie bis heute bereut: Damals war sie in den jungen Wentworth verliebt gewesen, der gerade seine Karriere in der Royal Navy angefangen hatte. Sie wollten heiraten, aber Wentworths prekäre Finanzlage passte dem Rest der Familie Elliott natürlich überhaupt nicht in den Kram. Auch eine gute Bekannte der Familie, Lady Russell, mischte sich ein und so kam es, dass Anne ihrem Wentworth schließlich den Laufpass geben musste und ihn dann aus den Augen verlor. Der hat inzwischen richtig Karriere gemacht und darf sich nun Captain Wentworth nennen. Doch bekanntlich sieht man sich ja immer zweimal im Leben…

Der Film
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Amanda Root ist als Anne Elliott insgesamt gesehen ein Volltreffer. Sie spielt die graue Maus bis zur Perfektion und mit aller Zerrissenheit zwischen heimlicher Verliebtheit und (Selbst-)Zweifel, sodass es zahlreiche Kameraeinstellungen gibt, in denen Amanda Root ihrem Captain Wentworth genauso sehnsuchtsvoll wie kuhäugig entgegen oder hinterher starren darf – was mir persönlich irgendwann doch etwas zu arg wurde, auch wenn es gut in den Kontext passte.

Ciaran Hinds als Wentworth überzeugt ebenfalls. Obwohl ich mich mit seiner Optik nie so recht anfreunden konnte, passen er und Amanda Root in diesem Film gut zueinander und tatsächlich nimmt man ihm den erfahrenen, wettergegerbten Seefahrer hier sehr gut ab.

Der Rest der Schauspieler ist routiniert und erfahren im Metier der „Kostümdramen“. Phoebe Nicholls (Elizabeth Elliot) durfte jüngst im Downton Abbey-Christmas Special „A Journey to the Highlands“ als schottische Adlige ihre Krallen ausfahren, Victoria Hamilton (die eine der Musgrove-Schwestern spielt) war mir noch aus “Larkrise to Candleford” bekannt.

Meine Hochachtung gebührt jedoch vor allem Sophie Thompson als Mary Musgrove, frühere Mary Elliot: Wie sie die träge, ewig klagende Mary spielt, das ist wirklich genauso tragisch wie komisch. Auch Samuel West als entfernter Verwandter und Erbe der Elliot Familie hat mal wieder meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Seinem Charme kann man sich nur schwer entziehen und daher kann man schnell verstehen, aus welchen Gründen die Leute plötzlich annehmen, dass er und Anne schon fast so gut wie verheiratet wären.

Etwas gestört hat es mich allerdings, dass das Ende der Verfilmung so vollkommen überhastet und abrupt daherkam. Kaum hat Captain Wentworth den alles entscheidenden Brief geschrieben, schon stehen er und Anne – anscheinend schon glücklich verheiratet – an der Reling seines Schiffes. Das wäre so schlimm nun nicht, wenn man nicht den Handlungsausgang um den jungen Elliott und Miss Clay so total verstümmelt hätte. Dass beide in einer Nacht und Nebel-Aktion miteinander durchbrennen wird mit keiner Silbe erwähnt – das soll der Zuschauer sich anhand ein, zweier Blicke zusammenreimen, die Elliot und Miss Clay sich bei einer Abendgesellschaft kurz vor ihrer Flucht zuwerfen.

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FAZIT

Eine sehr schöne Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jane Austen. Bis auf das seltsam anmutende Ende, das bei mir einen etwas unguten Nachgeschmack ausgelöst, hat kann ich von diesem Film nur Positives berichten


Mad Dogs - Staffel 1 [2 DVDs]
Mad Dogs - Staffel 1 [2 DVDs]
DVD ~ Max Beesley
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Evil under the sun, 17. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Mad Dogs - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)
Die Handlung
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Am Flughafen in London treffen sich vier Männer um gemeinsam in den Urlaub nach Mallorca zu fliegen. Rick, Quinn, Woody und Baxter kennen sich schon seit sie zusammen aufs College gegangen sind. Zusammen wollen sie ihren Freund Alvo besuchen, der sich auf Mallorca in einer schicken Villa eingerichtet hat und die vier einläd, ihre Ferien in seinem Haus zu verbringen.

Dort angekommen, beschleicht sie jedoch schnell der Verdacht, dass Alvo sich seinen Reichtum durch windige Geschäfte erkauft hat und zudem doch kein so angenehmer Zeitgenosse ist, wie es erst den Anschein hatte. Unterm Deckmäntelchen von kumpelhafter Ehrlichkeit, Großzügigkeit und jovialem Gebaren spielt Alvo seine Kumpels Rick, Quinn, Baxter und Woody gegeneinander aus, wo er nur kann oder deckt vor den anderen ihre individuellen Schwächen auf und bringt so Konflikte ans Licht, die schon längst vergessen geglaubt waren. Bald stellt sich heraus, dass Woody, Baxter, Rick und Quinn sich gegenseitig nicht über den Weg trauen: Quinn gefällt sich in der Rolle des moralinsauren Oberlehrers, Rick ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, Baxter ist ständig am Stänkern und Woody ist eigentlich viel zu naiv und gut für den Rest der Truppe. Doch um seiner sadistischen Neigung zu frönen, kommen Alvo die schon bald zwischen seinen Gästen entstehenden Querelen gerade recht.

Der Urlaubsspaß findet jedoch ein abruptes Ende nachdem er ohne das Wissen seiner Freunde mit ihnen auf einem gestohlenen Boot einen kleinen Tagesausflug gemacht hat. Dummerweise gehörte das Boot nämlich einem lokalen mallorcinischem Gangster und danach ist für Quinn, Baxter, Woody und Rick der normale Teil des Urlaubs mit Alkohol, Sonnenbaden und schönen Frauen erstmal vorbei.

Die Serie
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Der erste Teil der Serie ist eine gut gelungene Mischung aus Thriller, Drama und schwarzem Humor. Dadurch wird das Zuschauerinteresse konstant aufrechterhalten. Auch wenn man vielleicht das Gefühl hat, das gebotene Szenario in seinen Grundzügen schon mal in ähnlicher Konstellation in anderen Filmen gesehen zu haben: "Mad Dogs" macht Spaß, bietet gute Unterhaltung und Situationskomik.

Die Serie kann besonders durch ihre phänomenal gute Besetzung der vier talentierten Hauptcharaktere überzeugen. John Simm (Baxter), Philip Glenister (Quinn) und Marc Warren standen schon für die sehr gute Serie „Life on Mars - Gefangen in den 70ern - Season 1 (4 Disc Set)“ gemeinsam vor der Kamera – Simm und Glenister in Hauptrollen als Ermittler und Warren in einer der Episoden der Serie als zwielichtiger Clubbesitzer; auch in der ebenso hervorragenden Serie „State of Play - Mord auf Seite eins [2 DVDs]“ trifft man wieder auf Simm (einen Journalisten spielend) und Warren (als PR-Manager). Max Beesley (Woody) hingegen war mir neu, hat mich jedoch in „Mad Dogs“ genauso überzeugt wie Simm, Glenister und Warren.

Auch das Setting auf Mallorca macht einiges aus. Die Sonne, die Landschaft und Alvos schöne Villa mit Pool lassen einen nachvollziehen, wie begeistert die vier Freunde ihre Ferien in Erwartung von Erholung, Spaß und Freizeit angetreten haben müssen, sodass einen der Schwenk von anfänglichem Buddy-Film zu Drama und schließlich Thriller umso mehr trifft und beeindruckt. Um es mit Poirot, Agatha Christies berühmtem belgischen Meisterdetektiv zu sagen: " The sky is blue, the sun is shining, and yet you forget that everywhere there is evil under the sun" ("Das Böse unter der Sonne", siehe Agatha Christie - Poirot Collection 08 [4 DVDs]).

Fazit
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Eine unterhaltsame, sehr spannende und auch skurril-lustige erste Staffel der Serie "Mad Dogs". Philip Glenister, Max Beesley, Marc Warren und John Simm ziehen alle Register.


Die Borgias - Season 2 [4 DVDs]
Die Borgias - Season 2 [4 DVDs]
DVD ~ Jeremy Irons
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen Borgias: Familie über alles!, 19. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Borgias - Season 2 [4 DVDs] (DVD)
Die Handlung
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Rodrigo Borgia ist allen Anfeindungen zum Trotz noch immer Papst und damit Gottes Stellvertreter auf Erden – doch von Florenz erhält der Heilige Vater kräftig Gegenwind. Ein Bettelmönch namens Savonarola ruft zum Leben in Armut und zur Abkehr gegen Rom mit all seinem Pomp auf und stellt damit die Päpstlichkeit in Frage. Nicht nur bei der armen Bevölkerung von Florenz scheint Savonarola einen Nerv getroffen zu haben, denn bald laufen auch Adlige in Scharen zu ihm über und schließen sich seiner neu gegründeten Gemeinschaft an. Ob aus Furcht, oder aus Überzeugung – wer weiß das schon. Der ebenfalls in Florenz ansässigen Bankiersfamilie der Medici behagen solche aufrührerischen Predigten gar nicht. Bald können sie sich nicht mehr auf der Straße bewegen, ohne vom Mob tätlich angegriffen zu werden und so wenden sie sich Hilfe suchend an den Papst. Der beauftragt seinen Sohn Cesare Borgia damit, den Störenfried loszuwerden. Doch das ist einfacher gesagt, als getan.

Während dessen hat Lucrezia ihren unehelichen Sohn zur Welt gebracht und erstmal die Nase voll vom Heiraten und insbesondere von der Familie ihres Ex-Ehemannes, den Sforzas. Auch ihr Vater Rodrigo ist nicht mehr so angetan von der Sforza-Familie, denn die hatten ihm in einem entscheidenden Moment die Gefolgschaft verweigert. Es entspinnt sich zwischen beiden Familien ein Kräftemessen, bei dem weder vor Krieg noch Folter oder Mord zurückgeschreckt wird.

Die Serie
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Wie auch in der ersten Staffel ist Jeremy Irons als Rodrigo Borgia bzw. Papst Alexander VI. gewohnt charmant wie intrigant. Borgia tut alles in seiner Macht stehende, um die immer wiederkehrenden Konflikte zwischen seinen Söhnen Cesare und Juan zu vermeiden und schwört den Borgia-Clan beständig auf familiären Zusammenhalt ein – mit wenig Erfolg.

Sean Harris gibt wieder den Auftragskiller Micheletto, der lieber im Hintergrund agiert um dort sein tödliches Handwerk zu verrichten. Doch in dieser Staffel hat man bei einem Kurzbesuch in seinem Heimatdorf auch die Möglichkeit, den treuen Bediensteten Cesares von seiner ganz privaten, ja intimen Seite zu sehen.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir Lucrezia Borgia, gespielt von Holliday Grainger. Von gewalttätigen Ehemännern über allzu dominanten Brüdern bis hin zu familiär arrangierten Ehen: Ihr bleibt nichts erspart und es wird nur allzu deutlich, wie wenig Einfluss Frauen in der damaligen Zeit auf ihr Schicksal hatten.

Insgesamt glänzt die Serie wieder mit hoher Produktionsqualität: Prächtige Kostüme, realistische Ausstattung, Spannung, Intrigen und manchmal sogar Humor. Wenn möglich, gefällt mir diese Staffel sogar noch etwas besser als die erste Staffel und es macht Spaß die unterschiedlichen Charaktere innerhalb des Borgia-Clans als Zuschauer ein Stück weit zu begleiten und einen Einblick ins Leben der berühmten Familie zu erhalten.

FAZIT
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Eine äußerst unterhaltsame, spannende Serie mit hohem Suchtfaktor. Nicht verpassen!


Confession
Confession
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Preis: EUR 13,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Dandy und die Liebe, 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Confession (DVD)
Die Handlung
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Octave ist der Sohn eines Landadligen. Er hat alles, was man sich wünscht: Eine hübsche Freundin, Geld und vor allem - Zeit im Überfluss. Und so langweilt sich der junge Mann und versucht seine innere Leere mit wilden Partys und Duellen zu füllen. Sein nihilistisch eingestellter Freund Desgenais hilft ihm gerne bei seinen Exzessen. Als seine Geliebte ihn betrügt verzweifelt Octave am Leben und der Liebe. Er zieht sich aufs Land zurück um wieder zu Sinnen zu kommen. Dort trifft er auf die ebenso bodenständige wie ihn faszinierende Brigitte und eine Romanze bahnt sich an, die Octaves hedonistisches Leben auf den Kopf stellen wird.

Der Film
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Wer "Confession" ansieht, der sollte sich außer zwei Stunden Zeit auch eine Menge Portion Geduld mitbringen, denn die Handlung schleppt sich gerade in der zweiten Hälfte des Filmes etwas zu sehr. Wer "Was nützt die Liebe in Gedanken" kennt, der kann die Grundkomponente vielleicht auch in diesem Film wiederentdecken, denn auch "Confession" versucht mit einer getragenen Herangehensweise und einem Schuss Philosophie zu einem aussagekräftigen, nachhaltigen Werk zu werden. Was bei "Was nützt die Liebe in Gedanken" durch das richtige Setzen von dramaturgischen Akzenten durchaus als gelungen betrachtet werden kann, ist bei "Confessions" leider nicht der Fall.

Die Besetzung jedoch finde ich gelungen. Charlotte Gainsbourg überzeugt als nette, an Werten festhaltende Brigitte, die auf den ersten Blick so gar nicht zu Octave zu passen scheint. Aber auch Peter Doherty ist die Rolle des gelangweilten, desillousionierten jungen Mannes wie auf den Leib geschneidert. Bleichgesichtig, mit wirrem Haar und orientierungslos - so kennt man Pete auch als Sänger der Babyshambles und früher als Mitglied der legendären Band The Libertines ("legendär" im musikjournalistischen Sinne, weil die Combo Pete Doherty, Carl Barat & Co. von ebenjenen Musikjournalisten konsequent über Gebühr mit Lob überhäuft wurde) . Nur leider bleibt Doherty über die ganze Länge des Films dem Typus des abgehalfterten, erschöpften Taugenichts treu, der zwar über das Leben und die Liebe sinnieren und philosophieren kann, aber unfähig ist, eine Beziehung zu führen. Etwas seltsam ist es dann auch, dass die Hauptfigur keine wirkliche Entwicklung durchzugehen scheint.

Ebenso wirkt die ganze Handlung im Nachhinein gesehen doch ziemlich lapidar: Die Beschreibung eines sinnlos verlebten Daseins und einer gefühlvollen Beziehungsanbahnung - der junge Wilde, der durch die Schönheit einer Frau auf die rechte Bahn gelenkt wird - dieses Handlungsmuster gibt es schon zu oft, als dass dabei noch etwas Neues gewonnen werden könnte.

Wenn man sich darauf einstellen kann, dass hier das Rad nicht neu erfunden wird und es insgesamt etwas existenzialistisch angehaucht zugeht, der kann an diesem Film sicher lohnenswerte Aspekte erkennen - gerade die von Desgenais aufgeworfenen Themen rund um Kapitalismus, Liebe oder Macht habe ich zuweilen höchst klug und interessant gefunden. Insgesamt jedoch mangelt es dem Film an Handlung und man hat den Eindruck, es wird viel brach gelassen, was einen zweiten Blick gelohnt hätte: beispielsweise Desgenais und sein Gedankengut, sowie sein Motiv für seine Lebenseinstellung, oder die Einführung der Figur des Henri Smiths, indem Octave bald schon seinen Widersacher sieht.

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FAZIT

Würde ein Film danach bewertet werden, was er wohl zu erreichen gedachte, hätte "Confessions" sicher vier Sterne verdient. Der Film scheitert aber auf mehreren Ebenen, und so bleibt der fade Beigeschmack, gerade ein unnötig in die Länge gezogenes Literaturstück gesehen zu haben.


Die Tudors - Die komplette erste Season [3 DVDs]
Die Tudors - Die komplette erste Season [3 DVDs]
DVD ~ Jonathan Rhys Meyers
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Henry VIII - die Macht, das Geld und die Frauen, 26. Juni 2014
Die Handlung
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Henry VIII ist König von England, Irland und Frankreich und mit der Spanierin Katharina von Aragon verheiratet. Die kann ihm jedoch nicht den erhofften Thronerben gebären und so verlustiert sich der junge Monarch mit regelmäßig wechselnden Mätressen. Der Duke of Norfolk sieht bald seine Chance gekommen: Sein Bruder hat zwei hübsche Töchter, Mary und Anne Boleyn. Um in den Beraterkreis des Königs aufzusteigen ist sowohl Norfolk als auch seinem Bruder alles Recht und sie setzen Mary und Anne darauf an, den König zu verführen. Mary kann für kurze Zeit sein Interesse wecken, doch in Anne verliebt sich Henry Hals über Kopf und will sie schließlich heiraten. Da passt es natürlich ganz hervorragend, dass schon immer Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Heirat mit Katharina von Aragon geherrscht hatten. Denn diese war vorher eigentlich mit Arthur, Henrys Bruder verheiratet gewesen, bevor dieser schon kurz nach der Hochzeit gestorben war. Und die Ehefrau des verstorbenen eigenen Bruders zu heiraten, galt nach damaliger Auffassung als Sünde. Was ist nun also besser als verbrämt unter dem Deckmantel angeblich empfundener Gewissensbisse ob der ach so illegitimen Heirat mit Katherina eben das als Grundlage für eine neue Heirat mit Anne Boleyn zu nehmen? Der König setzt alles daran, um seinen Willen zu bekommen ….

Die Serie
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Das Schöne an dieser Serie ist nicht die alleinige Beschäftigung mit der Beziehung zwischen Anne Boleyn und Henry VIII, die in ihren Grundzügen ja schon hinreichend bekannt ist. Viel spannender ist der Blick hinter die Kulissen – wenn einem plötzlich Personen mit so bekannten Namen wie Thomas Morus, Oliver Cromwell oder Thomas Wyatt über den Weg laufen und man versteht, wie alle diese unterschiedliche Charaktere im ewigen Ränkespiel um die Macht zueinander standen. Aber auch die Machtrelationen, Allianzen und Feindschaften am Hofe Henrys unterliegen einem stetigen Wechsel: Wer heute dein Freund ist, kann morgen dein Feind sein – und umgekehrt. Und genau das macht diese Serie so spannend, denn man weiß nie so ganz, wie das Blatt sich wendet, außer natürlich, dass man das geschichtliche große Ganze schon kennt. Aber zu wissen, dass Anne Boleyn schließlich Henrys Frau wird, oder dass Oliver Cromwell später die Monarchie stürzen wird, das sind Fakten aus dem Geschichtsunterricht. Nicht uninteressant, aber viel besser und tiefergehender ist es doch den Weg hin zu diesen Endresultaten nachvollziehen zu können. Ganz genau das ermöglicht „Die Tudors“ über insgesamt vier Staffeln hinweg.

Neben Henry VIII und Anne Boleyn geht es aber auch um Katherina von Aragon und wie diese in die Ecke gedrängt wurde, um einer Scheidung vom König zuzustimmen. Es wäre leicht gewesen, nur auf Henry und Anne zu fokussieren und Katherina keine Beachtung zu schenken. Aber das erlaubt sich diese Serie nicht, im Gegenteil zeigt sie, wie grausam Henry zu seiner ersten Ehefrau war – welche ironischerweise vielleicht die treueste Person an seiner Seite gewesen war, trotz seiner Affären, trotz seiner sie demütigenden Beziehung zu Anne Boleyn.
Andererseits wirft „Die Tudors“ in verschiedenen, sich über die ganze Staffel erstreckenden Nebenhandlungen einen Blick auf das Leben des Musikers Thomas Tallys, oder auf die Prinzipientreue eines Thomas Morus, der dem König als treuer Freund zur Seite steht, aber doch kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, seine Meinung zu sagen. Auch das eher unglückliche Leben von Maragret, Henrys Schwester, wird gezeigt. Im Gegensatz zu ihrem Bruder kann sich die Schwester des Königs als Frau nicht frei heraus aussuchen, wen sie heiratet und muss aus machtpolitischen Gründen fürchten, an den alten König von Portugal verschachert zu werden.

Darstellerisch sticht für mich vor allem Jeremy Northam aus dem Gesamtensemble heraus. Er schafft es, einen erst Sympathie und dann – ganz allmählich – das genaue Gegenteil für seine Figur des Thomas Morus empfinden zu lassen. Morus, ein tiefreligiöser Gelehrter und Autor des Werkes „Utopia“, wird von Northam als Wolf im Schafspelz dargestellt: Unter dem loyalen Auftreten, seinem sanftmütigen Gesicht und seiner pazifistischen Einstellung lauert eine andere Seite seines Charakters – eine, die zum Vorschein kommt, wenn er seine ihm heiligen Prinzipien und seinen Glauben in Gefahr sieht. Dieser Wandel vollzieht sich erst gegen Ende der ersten Staffel und es wird mit der zweiten Staffel spannend sein zu sehen, in welche Richtung Northams Morus letztendlich ausschlägt – die des religiösen Fanatikers, oder doch wieder die des vernunftbegabten Rationalisten? Wie dem auch sei, Northam wird es überzeugend darzustellen wissen.

Die Ausstattung und Kulisse der Produktion kann sich wirklich sehen lassen. Ich bin zwar nicht sonderlich bewandert, was die Kostüme der damaligen Zeit anbelangt, aber ich habe keine Anachronismen bemerken können. Stattdessen wurden die unterschiedlichen Personen mit viel Liebe zum Detail ausgestattet und die Räumlichkeiten ebenso sorgfältig ausgestattet.

Der einzige Grund, dieser Serie den fünften Stern zu verweigern liegt für mich am Soundtrack. Während die im Laufe der Serie gespielte Musik sowohl passend als auch wohlklingend ist, haben die Produzenten bei der Musik im Abspann etwas zu dick aufgetragen: Über einer elegischen Geigenmelodie wummert plötzlich ein Schlagzeug und gibt dem Ende plötzlich einen unpassenden, weil zu modernen Touch – und Einsetzen einer sphärischen weiblichen Gesangsstimme, die textlos zur Melodie mitheult, macht die Sache leider nicht besser. Klingt in meinen Ohren ein bisschen wie eine aufgepeppte, aber doch billige Form von Mittelaltermusik.

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FAZIT

Die erste Staffel von „Die Tudors“ hat mich positiv überrascht. Ich bin relativ erwartungslos an die Serie herangegangen, aber schon nach wenigen Episoden war ich ebenso fasziniert wie schockiert und teils angewidert von den sich entfaltenden Ereignissen rund um die Machtspielereien, Lügen, Intrigen am königlichen Hof und der irregeleiteten Egomanie Henrys, dass ich nicht anders konnte, als wissen zu wollen, wie es weitergeht. „Die Tudors“ bietet nicht nur eine amüsante Geschichtsstunde, sondern führt in die Welt zur damaligen Zeit ein. Oder, um es sinngemäß wie Henry VIII-Darsteller Jonathan Ryce-Meyers im Vorspann so schön auf den Punkt bringt: "You know how it ends. But to know the full story, you have to get to the heart of it...". Also hereinspaziert in diese bunte, lebendige Inszenierung britischer und europäischer Weltgeschichte!


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