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Rezensionen verfasst von
chris (Deutschland)

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Man Without a Past
Man Without a Past
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 25,95

5.0 von 5 Sternen Perfekte Musik für Aki Kaurismäkis Werk, 3. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Man Without a Past (Audio CD)
Wenn es um die musikalische Begleitung seiner Filme geht, hat der finnische Regisseur Aki Kaurismäki immer viel Geschmack und Geschick bewiesen - so auch bei seinem Film "Der Mann ohne Vergangenheit" von 2002. Nostalgisch-schwärmerische finnische Oldies von Olavi Virta oder Markus Allan, Rock 'n' Roll von der 60s-Band Renegades, Pop von Marko Haavisto & Poutahaukat (welche im Film übrigens die Heilsarmeeband spielen), japanische Schnulzen, Klassik oder Antero Jakoilas Instrumentalmusik mit Schifferklavier - der Soundtrack bietet einen Stilmix, der seinesgleichen sucht. Und doch passt hier alles ganz wundervoll zusammen. Egal ob mit oder ohne Film: Die Musik kann auch für sich stehen (aber der Film ist natürlich ebensogut wie die Musik). Wer Lust auf etwas Neues abseits der bekannten Soundtrackmusik à la Hollywood hat, findet es hier. Es passiert bei mir selten, dass ich alle Songs gleichermaßen mag und anhöre - aber genau das ist hier der Fall. Somit fällt mir die Entscheidung für Anspieltipps entsprechend schwer, ich versuche es aber trotzdem: Mit "Do the Shake" (The Renegades), "Valkoiset Linnut" (Markus Allan), "Motto Wasabi" (Masao Onose) und "Bandoneon" (Antero Jakoila) verschafft man sich einen guten ersten Eindruck von der Klangfarbe des Soundtracks. Wer sich einmal eingehört hat, kommt nicht mehr so schnell von dieser Art von Musik los. Also: Zurücklehnen, entspannen und die Musik genießen!


Wolken ziehen vorüber + Tatjana (Double-Feature)
Wolken ziehen vorüber + Tatjana (Double-Feature)
DVD ~ Kati Outinen
Preis: EUR 7,49

5.0 von 5 Sternen Kaurismäki im Doppelpack, 30. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Handlung
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WOLKEN ZIEHEN VORÜBER: Lauri ist Straßenbahnfahrer, Ilona Oberkellnerin im 'Dubrovnik', dem besten Restaurant Helsinkis. Beide führen ein zufriedenes Leben, ein kleines Hündchen inklusive. Abends, wenn Ilona das "Dubrovnik" geschlossen hat, holt Lauri sie mit seiner Straßenbahn ab, welche direkt am Restaurant vorbei fährt. Nur als Lauri sie mit einem nagelneuen Farbfernseher überrascht fallen Ilona unangenehm die noch ausstehenden Raten ein, die sie ebenfalls noch für das Sofa und die Bücherregale abbezahlen müssen. Kein Problem für den optimistischen, fleißigen Lauri: "In vier Jahren können wir uns dann auch Bücher leisten!" Aber statt in ein paar Jahren die noch weitestgehend leeren Regale mit schöner Literatur füllen zu können verlieren beide unverschuldet kurz hintereinander ihre Arbeit und müssen sich nun etwas Neues suchen. Doch das ist gar nicht so leicht...

TATJANA: Valto, ein schweigsamer Mann, der noch zuhause bei seiner Mutter wohnt, holt sein defektes Auto aus der Werkstatt seines Freundes Reino ab. Um nach der Reparatur den Wagen zu testen, begeben die beiden sich auf Spritztour ... aber die dauert länger als geplant. Macht nichts, denn während Valto den schweigsamen Chauffeur gibt, redet Reino für zwei. Die Kehle schmiert er sich dabei mit Wodka - Valto, ein Koffeinjunkie, probiert derweil munter die neu erworbene, vollautomatische Reisekaffeemaschine aus, die er sich ans Amaturenbrett des Autos montiert hat. Während sie mit reichlich Kaffee und Hochprozentigem durch die finnische Pampa kurven, gabeln sie eine estnische und eine russische Touristin auf, deren Reisebus eine Panne hatte und die zum Hafen mitgenommen werden möchten. Die beiden Freundinnen merken schnell, dass ihre Reisebegleiter nicht gerade viel zu sagen haben (...Valto ohnehin nicht, aber durch die weibliche Präsenz auf dem Rücksitz eingeschüchtert ist inzwischen auch Reino verstummt und in gewissem Maße durch die ungewohnte Situation ebenso verstimmt. Dafür wird das Radio umso lauter aufgedreht). Ein skurriler Roadtrip mit Zigaretten, noch mehr Kaffee und noch mehr Wodka beginnt...

Die Filme
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"WOLKEN ZIEHEN VORÜBER" ist ein melancholischer, ruhiger Film über Glück und Unglück des Lebens. Die Besetzung begeistert mit einem tollen Kari Vänäänen. Ursprünglich sollte Matti Pellonpää die Hauptrolle des Lauri spielen, was durch seinen vorzeitigen Tod 1995 jedoch leider nicht mehr möglich war. Dafür erinnert ein in den Film integriertes Kinderfoto an den Schauspielkollegen - nicht nur im Umgang mit seinen Charakteren, sondern auch hier beweist Regisseur Aki Kaurismäki viel Takt und Fingerspitzengenfühl. Kati Outinen ist wie in jedem Film grandios und auch Elina Salo überzeugt als Restaurantbesitzerin des "Dubrovnik", die aus finanziellen Gründen gezwungen ist, ihr Lebenswerk aufzugeben. Passend hierzu ist der Soundtrack des Films ruhig und sehr wohl auch wehmütig ausgefallen, was die Atmosphäre des Films perfekt unterstreicht und in puncto Schwermut am letzten Öffnungsabend vor der Schließung des "Dubrovnik" mit der Musik der Live-Band und Markus Allans "Kuumat tuulet" seinen traurigen Höhepunkt erreicht.

"TATJANA" - das ist ein Schwarz-Weiß-Film mit viel Wodka, Kaffee und Rock 'n' Roll im Blut. Der erst mit einer Rauferei protzende und angesichts der hübschen Estin Tatjana plötzlich verklemmte Reino wird von Matti Pellonpää ganz exzellent verkörpert. Reino ist ein Rocker aus dem südfinnischen Orimattila (damit kommt er übrigens aus Aki und Mika Kaurismäkis Geburtsstadt), der sich über Lappland lustig macht, dem es aber gleichzeitig bei Kontaktaufnahme mit dem weiblichen Geschlecht die Sprache verschlägt. Valto, mit ruhiger Präsenz von Mato Valtonen dargestellt, bringt zwar so leicht nichts aus der Kurve, aber auch er verkriecht sich angesichts der resoluten Russin Klavdia mehr und mehr in sein Schneckenhaus. Zur Auflockerung trägt noch nichtmal der reichlich konsumierte Alkohol bei, dafür mischen aber die rockigen Klänge von The Regals und The Renegades Valtos im Auto eingebaute Jukebox mächtig auf. Gerade durch die seltsam anmutende Personenkonstellation, die sich da in einem klapprigen Wolga über finnische Landstraßen fortbewegt ensteht jedoch eine Menge lakonische Situationskomik.

Fazit
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"Wolken ziehen vorüber" stellt vor "Der Mann ohne Vergangenheit" (2002) und "Lichter der Vorstadt" (2006) den ersten Teil der sogenannten "Verlierer-Trilogie" dar. Den Film zeichnet eine liebevolle Poesie aus, die einen daran erinnert trotz aller Schicksalsschläge die Hoffnung nicht aufzugeben und lebt vom herausragenden Zusammenspiel des Filmehepaars Kati Outinen und Kari Vänäänen. "Tatjana" ist ein Roadtrip-Film der nicht nur das Zusammentreffen von finnischer, estischer und russischer Kultur darstellt sondern auch die unerwartete Kollision von Introvertierten ein Stück weit aufs Korn nimmt, gleichzeitig aber ebenso die merkwürdig-schönen Situationen darstellt, die sich daraus ergeben. Ohne viel Worte zu wechseln läuft hier das für die meiste Zeit im Auto eingepferchte Schauspielerquartett zur Höchstform auf. Zurückhaltende Mimik und Körpersprache wirken dafür umso eindringlicher und reichen vollkommen aus um den wohlmeinenden, mitfühlenden Zuschauer einzubinden.

Fans des finnischen Regisseurs kommen mit diesen beiden Filmen voll auf ihre Kosten und Neueinsteigern in den Kaurismäki-Kosmos präsentiert sich hier die für Kaurismäki typische Melancholie bei "Wolken ziehen vorüber" und seine Lakonie bei "Tatjana" in Reinform.


Calamari Union
Calamari Union
DVD ~ Timo Eränkö

5.0 von 5 Sternen Eira: Wo die Straßen breit sind und die Luft frisch ist, 29. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Calamari Union (DVD)
Die Handlung
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In einer Bar versammeln sich 15 Männer, ein festes Ziel vor Augen: Sie alle wollen ihren Stadtteil verlassen, denn er hat ihnen nichts mehr zu bieten mit seinen herumstreunenden Hunden, garstigen alten Frauen und unpünktlichen, überfüllten Bussen. Stattdessen wollen sich die Männer - von denen jeder einzelne mit Vornamen Frank heißt - einer fast schon mystisch umschwärmtem Stadt am Meer zuwenden, die Eira heißt. Um dorthin zu gelangen, müssen sie sich auf eine lange Reise durch die Großstadt Helsinki machen - und das nur mit ein paar Münzen in der Tasche, die sie vorher unter sich aufgeteilt hatten, sowie den obligatorischen Zigaretten und Sonnenbrille auf der Nase. Gemeinsam treten sie ihren Weg in einer U-Bahn an, die sie in ihren vorübergehenden Besitz gebracht haben, aber die Gruppe zersplittert schnell in kleinere Grüppchen, von denen wiederum jeder eine andere Vorstellung davon hat, wie man sich nach Eira durchschlagen könnte. Mit dabei ist immer auch der einzige, der nicht Frank, sondern Pekka heißt. Er ist der bunte Hund der Truppe, der im Guerilla- Outfit herumläuft und immer nur Englisch redet - mit übertriebenem "Southern drawl", da er für einige Zeit in Amerika gelebt hatte. Meint das Schicksal es gut mit all diesen wunderlichen Outcasts, die meist nicht ganz legale Wege beschreiten, um Eira ein Stück näher zu kommen...?

Der Film
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"Calamari Union" ist von 1985 und stellt damit nach "Crime and Punishment" den zweiten von inzwischen 16 Kaurismäki-Spielfilmen dar. Wer sich für Aki Kaurismäkis frühe Filme interessiert, dem wird ein beträchtlicher Teil der hier versammelten Schauspieler auch in seinen anderen Filmen über den Weg laufen: Markku Toika, der sich in "Calamari Union" als Pekka von seiner komischen Seite zeigt, hatte schon die Hauptrolle in "Crime and Punishment" (1983) gespielt, Kaari Vänäänen, der am Anfang die skuril-eindrucksvolle Rede hält, in der er nochmals die Gründe für die Umsiedlung nach Eira zusammenfasst, ist später auch in "Wolken ziehen vorüber" in einer Hauptrolle zu sehen. Pirkka-Pekka Petelius wiederum steht in "Hamlet macht Geschäfte" (1987) in der Titelrolle vor der Kamera, während der mit Hut, Trenchcoat und Handschuhen ausgestattete Mato Valtonen in "Tatjana" (1994) den schweigsamen Chauffeur gibt. Nicht zu vergessen natürlich Matti Pellonpää, der am häufigsten mit Aki Kaurismäki zusammenarbeitete - beispielsweise als charismatischer Vladimir in den beiden "Leningrad Cowboys"-Filmen.

Den Film einzuordnen fällt zugegebenermaßen schwer. Der komplett in schwarz-weiß gedrehte Film ist stimmungsvoll, lakonisch und hat einen Humor, wie man ihn vor allem in nordischen Filmen findet. Eigentlich ist es aber der ganz eigene Aki Kaurismäki-Humor, der hier trotz aller Tristesse und Überlebenskampf für Schmunzler und Lacher sorgt. Charakterisch sind die teils stilisiert-abstrus wirkenden Dialoge, wie beispielsweise Matti Pellonpääs Gedankengang beim gemeinsamen Verzehr des (zusammengeklauten) Abendessens - der aber spätestens dann mehr Sinn ergibt, wenn man weiß, dass Pellonpääs Monolog die Rezitation des Gedichts "La grasse matinée" von Jacques Prévert ist (und ja, das habe ich auch erstmal nachschlagen müssen...). Charakteristisch ist es auch, dass Kaurismäki in keinem seiner Filme darauf verzichtet irgendwie eine Live-Musikeinlage in die Handlung einzubauen. In diesem Falle sogar mehr als eine - die beste und wildeste ist sicherlich das von allen Franks und Pekka gesungene "Pahat Pojat" ("Bad Boys"). Und ganz in Rock 'n' Roll-Manier wird strenggenommen auch mehr geröhrt als gesungen, was der Coolness aber natürlich nur zuträglich ist. Ein interessantes Detail für mich in Kaurismäkis Charakterzeichnung seiner stoisch agierenden Figuren: Die erwähnten Sonnenbrillen werden tags wie nachts getragen, drinnen und draußen und im Laufe des Films nur höchst selten abgenommen - meistens wenn die betreffende Person vor einer schwierigen Entscheidung steht oder sein wahres Ich zeigt. Nur der sensibelste Frank, der später auch einen Therapeuten aufsucht, trägt überhaupt keine Brille und der im Hotel nächtigende Frank benötigt vermutlich wegen seines selbstgewählten Beinamens Armoton (der Unbarmherzige) keine.

Fazit
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"Calamari Union" fasziniert durch Experimente, schwarz-weiß Ästhetik, Skurilität, ein spielfreudiges Ensemble talentierter finnischer Schauspieler plus lakonischem Witz und Esprit, sowie einem Hauch Philosophie. Es ist ein Film, bei dem sich mir schon nach dem ersten Anschauen viele Szenen als Momentaufnahmen ins Gedächtnis eingegraben haben und der sicher davon profitiert mehr als einmal gesehen zu werden, Ohrwurm von "Pahat Pojat" und der Jazzmelodie, zu der alle in die Stadt losziehen, inklusive. Unverzichtbares Accessoire beim Anschauen: Sonnenbrille und Zigarettenpackung in Griffnähe - für alle, die es stilecht mögen. Für Nichtraucher wie mich bleibt Pekkas dubioser Pillenmix ... oder besser noch: das rotzfrech vom Nebensitzer im Kino geklaute Popcorn, während ein in finnisch und schwedisch untertitelter russischer Stummfilm über die Leinwand flimmert. Bei den Franks und Pekka regiert eben die Anarchie, denn wie heißt es so schön? "Reisende soll man nicht aufhalten"
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2016 9:27 PM MEST


Downton Abbey - A Celebration: The Official Companion to All Six Series
Downton Abbey - A Celebration: The Official Companion to All Six Series
von Jessica Fellowes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 33,49

4.0 von 5 Sternen Sympathische Zusammenfassung aller sechs Staffeln, 21. Februar 2016
Das Buch
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Um es vorweg zu sagen: Der fünfte und letzte Begleitband zur Fernsehserie "Downton Abbey" bietet - zumindest auf den ersten Blick - tatsächlich nicht viel Neues für den Fan, der nun die Serie komplett von Staffel 1 bis Staffel 6 inclusive aller Christmas Specials kennt (und das sollte man auch, will man nicht alle naselang gespoilert werden - aber nicht umsonst steht auf dem Umschlag der Hinweis "the official compagion to all the complete six series"). Warum vergebe ich also trotzdem vier Sterne?

1) Nun, zunächst einmal aus einem ganz offensichtlichem Grund: Wie bei allen bisherigen Begleitbändern von "Downton Abbey" ist hier die Optik wieder eine Klasse für sich. Großflächige, tolle Bilder, eine klare, übersichtliche Struktur, die sich durch das ganze Buch zieht und regelmäßige Serienzitate machen es zu einer Freude, das Buch von vorne bis hinten zu durchblättern und sich in die Bilder zu vertiefen.

2) Inhaltlich gliedert sich das Buch nicht wie sein Vorgänger A Year in the Life of Downton Abbey nach Jahreszeiten, sondern nach Orten. Zunächst Orte, die allesamt in Downton Abbey zu finden sind, wie upstairs der drawing und dining room, die Bücherei, Schlafzimmer und die große Halle, aber auch die Räume der Bediensteten - wie beispielsweise die Küche, Mrs Hughes und Mr Carsons Büro, die Servants' Hall - werden in gleichem Maße behandelt. Soweit die auch in den Vorgängern und vor allem dem dritten Buch Behind the Scenes at Downton Abbey kurz angeschnittenen Zimmer. Neu hinzu kommt aber nun ein gründlicher Blick über Downton Abbey hinaus, und zwar sowohl auf das Downton Abbey umgebende Anwesen, als auch das zugehörige Dorf. Man lernt nochmal die Höfe kennen, ist bei Violet im Dower House zu Besuch, genauso wie bei Isobel in Crawley House. Aber auch der Bahnhof und das örtliche Krankenhaus wird nicht ausgelassen, sowie die Estate Cottages (eines bewohnt von John Bates und Anna). Besonders interessiert hat mich neben dem Blick auf das Anwesen und seine Gehöfte auch der Teil des Buches, der über diese unmittelbaren Orte hinausgeht. Unter dem treffenden Motto "Beyond the Boundaries" machen wir einen Auslfug ins aufregende London der 20er Jahre, nehmen Yorkshire genauer unter die Lupe oder sind noch einmal bei den Flintshires in Schottland auf Brancaster Castle. Nicht vergessen wurde der kurze Ausflug nach Eryholme. Wem der Name jetzt genau wie mir im ersten Moment nichts mehr sagt: So hieß das kleine, schmucke Anwesen vor dem die Granthams ein Picknick machten um sich schon einmal an ihre neue Wohnstätte zu gewöhnen, sollte aufgrund finanzieller Notlage Downton Abbey verkauft werden müssen. Eryholme heißt eigentlich Grey's Court und liegt in Henley. Jammerschade, dass man nicht auch das Interieur filmen konnte, weil es zur Zeit der Dreharbeiten vermietet war.

3) Das Buch verknüpft geschickt die jeweiligen Orte und Räume, nach denen es gegliedert ist mit den jeweiligen Charakteren, die dort wohnen bzw. ihre primäre Arbeit verrichten. Auf diese Weise sieht man ihre Lebensumgebung nochmal ein Stück weit mit anderen Augen. Zu den Charakteren selbst gibt es jeweils eine Betrachtung ihrer Charakterentwicklung im Laufe der sechs Serien, verbunden mit wichtigen Augenblicken und Wendepunkten in ihrem in der Serie gezeigten Leben. Auch wenn man es ja schon in der Serie gesehen hat, ist das eine schöne Zusammenfassung zu so unterschiedlichen Personen wie Lord Grantham, Daisy, Moseley und Edith. Auch erst in den letzten beiden Staffeln eingeführte Personen wie Talbot oder Bertie Pelham und Andy bekommen ein eigenes kleines Kapitel, während Nebenrollen, die bisher nur wenig Beachtung fanden - z.B. Mr Mason, Dr Clarkson, Lord Merton oder Rosamund - durch die neue nach Lokalitäten orientierte Struktur nun einen gebührenden Platz in der Gesamtpräsentation erhalten.

4) Immer wieder werden Zitate der Schauspieler zur Entwicklung ihres Fernsehcharakters eigeflochten und es kommen Erfahrungen von real exitierenden Zeitgenossen wie Butler, Küchenmädchen oder House Maid vor. Diese Inhalte fallen nicht sofort ins Auge - daher auch der ganz am Anfang des Textes platzierte Hinweis, dass oberflächlich gesehen, in diesem Buch die Wiederholung vorherrscht. Wer jedoch einen genaueren Blick wagt, findet wie in den vorherigen Büchern wieder interessante, spannende Informationen aus der Epoche.

"Downton Abbey: A Celebration" reiht sich als fünftes Buch ein in die Riege der bisher schon publizierten Begleitbände, die alle einen unterschiedlichen Fokus haben: Wer vor allem Wert auf historische Informationen legt, der ist mit dem wirklich sehr guten ersten Begleitband The World of Downton Abbey sicher besser beraten. Passend hierzu gibt es auch das weniger bekannte Büchlein Downton Abbey: Rules for Household Staff, das einem - wirklich im Stile eines Ratgebers und Regelbuches geschrieben - noch einmal einen ganz besonderen Einblick in das Leben der Bediensteten gibt. Der Clou: Mr Carson selbst hat dieses zeitgenössische Kompendium "geschrieben" ;) Ein wirklich genialer Einfall. Und wer den Fokus noch mehr auf die einzelnen Charaktere legen möchte, der sollte zum tollen zweiten Begleitband The Chronicles of Downton Abbey (Official Series 3 TV tie-in) greifen - da der Band zeitgleich mit der dritten Staffel erschien, sind hier naturgemäß teils andere Personen mit im Fokus, man darf also nicht erwarten, schon eine detaillierte Beschreibung zu Bertie Pelham oder Talbot vorzufinden, die erst sehr viel später zur Serie stießen. Einen kleinen Blick hinter die Kulissen wirft man mit dem oben schon genannten Behind the Scenes at Downton Abbey.

Fazit
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Ich habe das Buch als das wahrgenommen, was es ist: Eine reich bebilderte Zusammenfassung aller sechs Serien, die noch einmal einen Rundumblick auf die Serie ermöglicht und durch seine neue inhaltliche Struktur, die Orte und Personen miteinander verknüpft, einen weiteren Blickwinkel hinzufügt. Ein schöner, runder Abschluss für eine liebgewonnene Serie.


Downton Abbey: The Finale [DVD] [UK Import]
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Wird angeboten von gameshop_fuerth - Alle Preise inkl. MwSt
Preis: EUR 11,95

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Farewell, Downton Abbey!, 30. Dezember 2015
**Achtung, Spoiler!**

Die Handlung
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Und da ist sie, die letzte, wirklich allerletzte Episode von Downton Abbey .... Abschied nehmen heißt es von den vielen Charakteren, die einem über die Jahre trotz - oder gerade wegen - ihrer kleinen Schwächen so sehr ans Herz gewachsen sind. Doch der Reihe nach:

Lady Mary genießt mit Henry Talbot das Eheleben und ist sicherlich sehr erleichtert darüber, als ihr Ehemann beschließt, die Rennfahrerei nach dem schrecklichen Unglück in Staffel 6 an den Nagel zu hängen. Der will nun jedoch nicht untätig herumsitzen und so sucht er nach einer neuen Einkommensquelle und Beschäftigung. Nicht, dass man sich Sorgen machen müsste, denn Downton Abbey ist inzwischen - den zeitlichen Umständen entsprechend - finanziell gut gestellt. Was bei seinen Überlegungen herauskommt, und wie Lady Mary darauf reagiert, das ist dann doch genauso naheliegend wie verblüffend.

Zwischen Lady Edith und Bertie Pelham (inzwischen der neue Marchioness of Hexam) steht derweil nicht alles zum Besten. Die beiden haben nicht mehr miteinander gesprochen, seit Bertie von Marigold erfahren hatte. Um die beiden Liebenden wieder zusammenzubringen fungiert ganz unerwartet ausgerechnet einer als heimlicher Cupid, von dem man das nun wirklich nicht erwartet hätte ... Mit durchschlagendem Erfolg, wie sich zur Freude des Zuschauers schnell herausstellt. Das unerwartete wie emotionale Aufeinandertreffen von Bertie und Edith in der glanzvollen Atmosphäre des Ritz ist wirklich rührend anzusehen.

Carson jedoch hat weniger Grund zu Freude, denn er hat nicht nur wie immer mit dem technischen Fortschritt zu kämpfen (nun erweitert ein von Lady Mary georderter elektrischer Föhn die Riege der Gegenstände, die Carson meidet wie der Teufel das Weihwasser), sondern auch sein fortgeschrittenes Alter macht sich nun bemerkbar - sehr zur Sorge nicht nur seiner Frau, sondern auch der Adelsfamilie. Für die war Carson über Jahrzehnte hinweg ein Musterbeispiel an Disziplin, Perfektionismus und schlichtweg "impeccability" gewesen und ihnen allen ans Herz gewachsen. Nichtsdestotrotz können Charles und seine Elsie (ja, auch diese beiden auf Etikette bestehenden Urgesteine der Viktorianischen Ära nennen sich in dieser Episode endlich beim Vornamen!) in ihrem Cottage auf eine hoffentlich materiell sorgenfreie Zukunft im baldigen Rentenstand blicken.

Thomas hat währenddessen bei seiner Stellensuche Glück gehabt und ist nun bei Lord Marks angestellt. Sein Abschied von Downton Abbey fällt fast schon herzlich aus, denn auch Thomas hat seither dazugelernt und geht nun freundlicher und höflicher mit seinen Mitmenschen um. Besonders rührend ist die Szene, in der auch Master George, Miss Sybbie und Miss Marigold von Lady Mary heruntergebracht werden, um ihrem liebgewonnenen Spielgefährten Lebewohl zu sagen. Nun kehrt er dem herrschaftlichen Downton Abbey den Rücken und will nach eigener Aussage als ein neuer Mensch seine Anstellung bei Lord Marks beginnen. Außer ihm gibt es im neuen Haushalt jedoch nur noch eine Köchin und eine Haushälterin, sodass er Butler, Valet, Footman und Chauffeur in einem ist. Eine frustrierende Erfahrung, dem betagten Lord Marks mit Ehefrau im ansonsten menschenleeren Herrensitz als Diener zur Hand zu gehen und den beiden ein für damalige Verhältnisse wohl in puncto Umfang bescheidenes Mahl zu servieren. Der Glanz der alten Tage ist hier endgültig dahin. Aber nicht jeder Abschied ist für immer und die Lösung liegt manchmal näher als man ahnt...

Für Mr Bates und Anna stehen freudige wie stressige Zeiten bevor, denn Anna ist inzwischen hochschwanger. Zu Butler Carsons Unmut arbeitet sie weiterhin - wenn der standesbewusste Carson da schon gewusst hätte, unter welchen Umständen Baby Bates zur Welt kommen würde, er hätte im Vorfeld nicht eine Miene verzogen ...! Pünktlich zum Jahresende 1925 dürfen aber die glücklichen Eltern ihr Kind willkommen heißen und in die Arme schließen.

Der Film
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Downton Abbey hat über sechs Staffeln hinweg über Freude, Spannung, Überraschung, Bestürzung, Entsetzen, Glück und Rührseligkeit die verschiedensten Emotionen bei mir hervorgerufen. Nun, bei dieser allerletzten Episode, ist es vor allem eins: Zufriedenheit. Alles kommt zu einem schönen Abschluss - ob innerhalb des Christmas Specials gezeigt oder über das Ende hinaus angedeutet.

Auch wenn mir Thomas neue Freundlichkeit fast schon unheimlich war (so ganz ohne seine intriganten Winkelzüge und scharfen Bemerkungen kam mir der Arme doch ein wenig vor wie ein Tiger ohne Klauen) - ladysmaid Denker und Butler Spratt schenken sich wieder nichts bei ihrem Ringen um Lady Violets Gunst und auf den Kleinkrieg zwischen Denker und Spratt ist seit dem ersten Aufeinanderprallen der beiden in Staffel 4 genauso viel Verlass wie das Amen in der Kirche. Auch wenn Spratt reichlich blasiert daherkommt - die ständig giftspritzende Denker hatte nicht nur Lady Violets, sondern auch meine Nerven in der Vergangenheit etwas strapaziert, und so bin ich mit dem Ausgang ihres Scharmützels und Lady Violets grandioser Reaktion mehr als zufrieden.

Ein weiterer Pluspunkt ist eine langsam aufkeimende Zuneigung zwischen zwei Bediensteten. Schon länger konnte der aufmerksame Zuschauer das ein oder andere zwischen den beiden ausgetauschte Lächeln und so manch verstohlenen Blick bemerken. Dass Julian Fellowes diesen Handlungsstrang aber tatsächlich aufgegriffen hat und die bisher bemerkten Signale zwischen den beiden kein Zufall waren, das hat mich fast schon erleichtert jubeln lassen. Aber natürlich stehen sich die Beteiligten bei diesem Unterfangen selbst etwas im Wege. Zeit für einen weiteren resoluten Beobachter wieder einmal ein paar wohlgemeinte Schubser in die richtige Richtung zu geben. Und die Ratschläge gebende Person selbst wird - so wie die Zeichen gegen Ende des Christmas Specials stehen - ihre Tage wohl nicht alleine fristen müssen, und sie hätte sich keinen netteren, wohlmeinenderen Gefährten für einen gemeinsamen Lebensabend aussuchen können!

Dem Zuschauer schon länger bekannte Paare finden sich und zukünftige Pärchen werden als solche angedeutet um mit der Zeit Fahrt ins Liebes- und hoffentlich auch Lebensglück aufzunehmen, Baby Bates liegt in Annas Armen und verpasst seelig schlummernd sein erstes Silvester, upstairs, wie downstairs knallen die Sektkorken als das neue Jahr 1926 begrüßt wird und die beliebte Serie zu "Auld lang syne" seinen wunderschönen Ausklang findet - die Ansicht eines schneebedeckten Downton Abbey inklusive...

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FAZIT

Ein abschließendes Christmas Special, wie es im Bilderbuch steht! Während die Downton Abbey Christmas Specials in der Vergangenheit die Fäden der vorangegangenen Staffel zwar weiterführten, aber immer auch durch den dafür gemachten Ortswechsel (z.B. nach Schottland oder London) eine eigene kleine Geschichte erzählten, verzichtet man hier darauf, das Finale mit allzu überraschenden, neuen Inhalten zu belasten. Dieses Christmas Special macht kein neues Fass auf, sondern steht naturgemäß ganz im Zeichen des Abschlusses der bisherigen plot lines, behält sich dabei aber gleichzeitig die ein oder andere charmante und erfreuliche Andeutung vor, die jeder in Gedanken so weiterspinnen mag, wie es gefällt. Angesichts so eines netten Abschlusses bleibt mir den Beteiligten an dieser Serie nur noch zu sagen: Thank you for all the delightful hours and farewell, dear "Downton Abbey" cast and crew! What a lovely series you have created.

Und der Vorhang fällt...


Accused - Eine Frage der Schuld (Season 1) [2 DVDs]
Accused - Eine Frage der Schuld (Season 1) [2 DVDs]
DVD ~ Christopher Eccleston
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Vor Gericht, 13. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
*** Achtung, Spoiler ***

Die Handlung
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Die Serie besteht aus sechs Einzelfällen, die je ca. 60 min umfassen und jeweils auf eine Person und ihre Geschichte fokussieren. Diese Personen sind ganz normale Leute (von der Grundschullehrerin über den Taxifahrer bis hin zum Klempner), die trotz Sorgen und Problemen versuchen, ihren Alltag zu meistern - mit dem einen wichtigen Unterschied, dass ihnen das Leben durch unerwartete Ereignisse und Tragödien entweder ganz plötzlich oder zunehmend entgleitet und die auf diese Weise straffällig werden und vor Gericht landen. Der Ausgangspunkt - der Gefängnisaufenthalt - ist somit in allen sechs Geschichten der Anfang der Handlung. Was die Protagonisten Willy, Frankie, Helen, Liam, Kenny und Alison jedoch dorthin gebracht hat, das ist ganz unterschiedlich und wird in Rückblenden erzählt.

Willy (Christopher Eccleston) ist Klempner und betrügt seine Frau mit einer jüngeren Geliebten. Diese drängt ihn, seiner Frau endlich die Wahrheit zu sagen, damit einem gemeinsamen Leben nichts mehr im Weg steht. Aber just in dem Moment, indem Willy reinen Tisch machen will, kündigt seine Tochter ihre geplante Hochzeit Joe an, einem gutsituierten Spross des lokalen Clubmanagers. Willy stürzt sich voll und ganz in die Hochzeitsvorbereitungen und ist zu stolz die finanzielle Hilfe der sozial besser gestellten Familie seines Schwiegersohns in spe zu akzeptieren. Aber seine Geldprobleme fangen durch einen ungedeckten Scheck an, außer Kontrolle zu raten. Als er auf der Rückbank eines Taxis sitzend einen Umschlag voller Geld findet und heimlich an sich nimmt, fangen seine Probleme erst richtig an ...

Frankie (Benjamin Smith) und sein Kumpel Peter sind Taugenichtse, die sich raufend und saufend den Tag vertreiben. Nach einer wilden Pubschlägerei bleibt dem schon vorbestraften Frankie nur die Wahl zwischen Gefängnisstrafe oder Armeeeintritt. Zusammen mit Peter entscheidet er sich für das Militär und wird in Afghanistan stationiert. Hier bekommen sie die Härte des Alltags voll zu spüren. Zusätzlich macht ihr Vorgesetzer Corporal Buckley (Mackenzie Crook) besonders dem verängstigten Peter das Leben zur Hölle. Als schwächstes Glied in der Kette ist er für alle das perfekte Opfer. Bis es zur Eskalation kommt ...

Helen (Juliet Stevenson)ist Grundschullehrerin und hat einen Sohn im Teenageralter, der zusammen mit einem Freund Michael (Alfie Allen) gerade den ersten Tag seiner Ausbildung in Maxfields Warenlager hat. Die beiden Jungen werden nur rudimentär in die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Führen eines Gabelstaplers eingeführt und so kommt es wie es kommen muss: Helens Sohn wird bei einem Unfall tötlich verletzt. Helen, die bald schon spürt, dass hier ein Firmenversagen zugrunde liegt, forscht auf eigene Faust nach und konfrontiert Mr Maxfield (Peter Wight) ...

Liam (Andy Serkis) fährt Taxi und kümmert sich um seine im Rollstuhl sitzende, chronisch kranke Ehefrau. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, geht er ins Wettbüro oder spielt Karten und bringt sich auf diese Weise in immer größere Schulden. Als er eine junge Immobilienmaklerin zu einem Kurztrip von ihrer Wohnung abholt und zum Flughafen bringt, kehrt er intutiv zur leeren Wohnung zurück und bricht auf der Suche nach Geld kurzerhand ein, Eine Phase des Vertuschens, der Obsessionen und der Scham beginnt ...

Kennys kleine Tochter wird beim Spielen im Park von einem Jogger sexuell belästigt. Aus Chloes Schilderung wissen Kenny (Marc Warren) und seine beiden Freunde, die beiden Brüder Gordon (Joe Duttine) und Neil, ungefähr, wie der Mann aussah und sie machen sich - gegen den Willen von Kennys Frau (Andrea Lowe), der schon nichts Gutes schwant - mit dem Auto auf die Suche nach ihm. Während Kenny bald schon aufgeben will, ist allen voran Neil die entscheidende Kraft hinter der Verfolgungsjagd. Und bald schon stoßen sie auf den Bösewicht. Alle drei stürzen sich auf ihn und vor allem die beiden Brüder prügeln heftig auf den Mann ein. Doch ihre Selbstjustiz hat schwere Folgen ....

Alison (Naomi Harris) arbeitet mit behinderten Kindern zusammen und hat zwei Kinder mit ihrem Mann David, mit dem sie immer häufiger wegen Kleinigkeiten in Streit gerät. Währenddessen hat ihr Arbeitskollege Ben (Andrew Knott) ein Auge auf sie geworfen und auch Alison ist nicht abgeneigt. Als sie eines Abends zu einer am nächsten Tag stattfindenden Konferenz in Glasgow aufbrechen will, geht sie vorher noch mit Ben in den Pub, verpasst dadurch aber ihre Zugverbindung nach Glasgow. Ein Umstand, der sich als Segen und Fluch zugleich erweisen sollte ...

Die Serie
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Es ist spannend zuzusehen, wie sich die einzelnen Geschichten entwicklen. Wer sind die Menschen, die am Schluss vor dem Richter stehen und ihr Urteil erwarten? Welchen biographischen Hintergrund haben sie und wie sind sie in eine solche verzwickte Situation gekommen? Sind sie schuldig und wenn ja, welche Strafe wäre angemessen? Und was ist das überhaupt: Schuld? Manchmal reicht schon eine falsche Entscheidung, eine voreilige Handlung oder ein tragisches Ereignis im Familienumfeld, und eine Kettenreaktion setzt ein, die das ganze Leben innerhalb weniger Tage oder Monate in einen Scherbenhaufen verwandelt. Wie hätte man selbst reagiert? Was ist gerechtfertigt und wo reagiert der jeweilige Protagonist über? Was ist einfach nur Pech und was schlichtweg kriminell? Mir persönlich haben alle sechs Geschichten gut gefallen, am besten dargestellt sind meiner Meinung nach die Schicksale von Kenny und Frankie.

Die Darsteller sind durch die Bank sehr gut gewählt und mit Andy Serkis, Juliet Stevenson, Marc Warren, Christopher Eccleston etc. hat man sich wirklich gute und namhafte Schauspieler an Bord geholt. Meine persönlichen favourites sind hierbei Andy Serkis und wieder einmal Marc Warren. Egal ob man ihre Handlungsweise gutheißt oder nachvollziehen kann oder nicht - man fühlt mit ihnen mit und erwartet am Ende gespannt den Urteilsspruch des Richters.

Die einzigen beiden Kritikpunkte, die ich an der Serie habe, sind folgende: Die Länge von 60 Minuten ist zwar gut verdaulich - aber gerade bei Liams Geschichte hätten ein paar Extraminuten helfen können, seine Entscheidung zum Einbruch etwas plausibler zu machen. So wie dargestellt kommt diese Entscheidung - gleichwohl sie intuitiv getroffen wurde - doch etwas zu plötzlich, als dass man nachvollziehen könnte warum Liam dieses Eindringen in die Privatsphäre eines anderen Menschen durch das Betreten der fremden Wohnung nicht nur durchführt, sondern auch geradezu auskostet, indem er die Sachen der Immobilienmaklerin durchwühlt. Liams Geschichte ist dadurch die einzige, die in meinen Augen etwas vom Rest der Geschichten abfällt. Der zweite Punkt ist eine Beobachtung, die mir erst im Nachhinein klar geworden ist. Helen, Frankie, Liam, Kenny und Co. gehören alle der Unterschicht oder (unteren) Mittelschicht an, Mitglieder der Oberschicht kommen nur als Nebenpersonen vor. Obwohl ich nicht unterstelle, dass das eine bewusste Entscheidung der Serienmacher rund um Jimmy McGovern gewesen ist, vermisst man dadurch doch ein wenig die soziale Diversität, die man hätte abbilden können, wenn auch eine bessergestellt Person durch Schicksalsschläge oder falsche Entscheidungen vor Gericht gekommen wäre - außer natürlich, man wollte implizieren, dass die upper class sich ohnehin so gute Anwälte leisten kann, dass eine Gefängnisstrafe von vorneherein nicht mehr zur Diskussion steht, aber das glaube ich nicht.

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FAZIT

Eine interessante Serie rund um sechs Einzelschicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit zwei kleinen Abstrichen eine spannende, qualitativ hochwertige britische Produktion. Staffel 2 - u.a. mit Anna Maxwell-Martin, Robert Sheehan und Sean Bean - werde ich mir sicher auch irgendwann noch ansehen.


Downton Abbey: Series 6 - englische Originalfassung [3 DVDs] [UK Import]
Downton Abbey: Series 6 - englische Originalfassung [3 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Maggie Smith
Wird angeboten von gameshop_fuerth - Alle Preise inkl. MwSt
Preis: EUR 21,40

133 von 137 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Make peace with yourself", 21. November 2015
Die Handlung
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Es ist 1925, und mehr als sonst hält der zeitliche Wandel Einzug ins britische Empire: Auch dass Robert, Earl of Grantham, sich in der ersten Szene der sechsten Staffel in den Sattel schwingt, um eingekleidet in roten Rock und weißen Reithosen die traditionelle Fuchsjagd anzuleiten, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Edwardianische Welt und alle ihre Gepflogenheiten bald nur noch eine "old-fashioned curiosity" sein werden. Während über einen Bekannten der Familie schon der Schrecken des Wandels mit all seinen drastischen Folgen hereingebrochen ist (das Landhaus wird samt und sonders mit Inhalt verkauft und man zieht in die Stadt um Geld zu sparen), ist die Lage in Downton Abbey noch nicht ganz so verzweifelt. Aber auch hier denkt Familie Grantham schon mehr als einmal darüber nach, das Personal zur Kostenersparnis zu reduzieren - besonders zum Schrecken von underbutler Thomas Barrow. Der merkt jetzt mehr als deutlich, dass ihm seine vergangenen Intrigen keine Freunde eingebracht haben und ihm deswegen auch sein Arbeitgeber trotz 15 Dienstjahren immer noch mit Skepsis begegnet. Umso liebevoller kümmert er sich um George, Sybbie und Marigold, die Kinder seines Arbeitgebers.

Andere Bedienstete schaffen sich derweil beruflich ein zweites Standbein: Während es Moseley in den Lehrberuf zieht, eröffnet Mrs Padmore ihr eigenes Bed and Breakfast. In der Küche von Downton Abbey hat sie nun zwar einen modernen Kühlschrank, dafür aber weder kitchen maid noch scullery maid und so teilt sie sich die ganze Arbeit mit Daisy. Die wiederum bereitet sich neben der Arbeit auf ihre Examen vor, damit sie zu gegebener Zeit Mr Masons Hof übernehmen kann. Einige Angestellten ficht der Wandel der Welt nicht an: Mr Carson wiegt sich noch in der naiven Zuversicht, die upper class werde immer Butler brauchen - während er Thomas mehr als einmal zu verstehen gibt, dass seine Tage in Downton Abbey langsam gezählt sein werden. Doch nicht nur Stress und Sorgen bestimmen den Alltag: Während das frisch vermählte Ehepaar Carson sich noch an das Leben nach der Hochzeit gewöhnen muss, wird dem Ehepaar Bates peu à peu eine große Last von den Schultern genommen. Und auch der neue footman Andy bringt mit seiner sympathischen Art eine Prise Optimismus mit sich.

Upstairs entwickeln sich die Anbandelungen zwischen Henry Talbot und Lady Mary bzw. Bertie Pelham und Lady Edith beständig weiter und die damit verbundenen Handlungsstränge sorgen für die ein oder anderen positive Überraschung, wie auch dramatische Momente. Sowohl Lady Mary als auch Lady Edith werden von den Geistern ihrer Vergangenheit heimgesucht und beide "bows" haben ihre liebe Mühe mit ihren jeweiligen Angebeteten, die beide aus unterschiedlichen Gründen zurückhaltend damit sind in Bezug auf ihre wahren Gefühle Farbe zu bekennen. Zwar bringen weder Talbot noch Pelham viel Geld oder einen guten sozialen Status mit sich, aber Cora und Robert haben in diesen turbulenten Zeiten und angesichts des früheren Beziehungshickhacks ihrer Töchter ihre Ansprüche schon längst zurückgeschraubt, sodass von dieser Seite kein Widerstand zu erwarten ist.

Währenddessen haben Violet und Isobel mit der Übernahme des lokalen Krankenhauses durch das Management des größeren Krankenhauses in York einen weiteren Punkt gefunden, indem sie sich uneins sind - nur diesmal ziehen sie weitere Personen in den Konflikt, sodass sich zwei Lager bilden, was zu heftigen Auseinandersetzungen im dining room führt. Während Violet und Dr Clarkson fürchten, das kleine Dorf könnte die Kontrolle über sein eigenes Gesundheitswesen verlieren, sehen Isobel und Lord Merton die Möglichkeit auf modernere Behandlungsmethoden und bessere medizintechnische Ausrüstung, die sich ergeben würden. Doch die Zeit lässt sich nicht aufhalten, und Violet - die wie so oft auf Seiten der Traditionalisten steht - muss erkennen, dass sie einen Kampf gegen Windmühlen führt.

Sowohl upstairs als auch downstairs sind betroffen, als es darum geht zusätzliche, wenn auch ungewöhnliche Einnahmequellen zu finden, die zukünftig einen Erhalt Downtons garantieren könnten. Die Folge daraus ist, dass das Leben innerhalb der Abteimauern mehr und mehr aufhört, eine für sich selbst existierende Parallelwelt zu sein: Lady Marys Idee ist es, dass vielmehr durch einen Tag der offenen Tür in Downton Abbey auch die Öffentlichkeit gegen einen Eintrittspreis weit mehr als die sonst nur üblichen Gerüchte über die Granthams geboten bekommt. Und so ziehen die Schaulustigen gen Downton Abbey, um geführt von Cora, Mary und Edith einen Blick ins Leben der Reichen und Schönen zu erhaschen. Manche sind nur neugierig wo Lady Violet des abends Bridge spielt, welche Teeservices benutzt werden und ob die vielgerühmte Bibliothek tatsächlich so viele Bücher enthält, während andere kunstgeschichtliches Interesse an den Tag legen und ganz genau erfahren wollen, welche kostbaren Gemälde die Familie in ihren Gemächern umgeben. So absurd Robert diese Idee und ihre (wenn auch zu seiner Erleichterung nur einmalige) Ausführung vorkommt - es wird das Schicksal vieler country estates sein....

Die Serie
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Gerade weil das die letzte Staffel von "Downton Abbey" darstellt, habe ich das Gefühl, dass man sich diesmal besondere Mühe gemacht hat, den Zuschauer zufrieden aus der Serie zu entlassen - nicht nur durch das Serienende, sondern auch, indem man verloren geblaubten Charakteren die Gelegenheit zur kurzen Stippvisite gibt, womit zumindest für mich persönlich ein schon seit Staffel vier gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Bevor es aber soweit ist, gibt es eine gute Mischung aus Dramatik, Humor und Witz, rasantem Handlungsfortschritt, Überraschungen und Altbewährtem - schlicht: Emotionen (besonders in dieser Staffel haben ein paar Charaktere das Bedürfnis, endlich mal Klartext zu reden und der von Violet gegebene Tipp besser Frieden mit sich selbst zu machen ist nicht nur auf die Person anwendbar, an die er gerichtet war).

Kostüme, Musik (teilweise variiert und erneuert John Lunn altbekannte Melodien zu neuen Kompositionen) und Settings sind wie immer top-notch wie der Brite sagen würde, gerade in puncto Locations (es kommen erfreulicherweise ein paar neue Schauplätze hinzu, auch wenn es großteils noch unendeckte Räume in schon bekannten Gebäuden sind). Besonders informativ finde ich, dass man - wie in der oben beschriebenen Situation der ihren Landsitz veräußernden Adelsfamilie - über fast die ganze Serie hinweg auch einen Einblick darin bekommt, wie andere Mitglieder der upper class dem sozialen und wirtschaftlichen Wandel begegneten, indem man ihre teils drastisch veränderten Wohnsituationen sieht. Das wird durch den Handlungsstrang um Thomas ermöglicht, der sich vorsichtshalber schon nach einer neuen Stelle in einem anderen Anwesen umschaut.

Auch bei den Extras wird einem eine erfreuliche Vielfalt aus unterschiedlichsten Themenfeldern, Bildern und Informationen geboten. Einmal mehr darf der historische Berater der Serie, Alistair Bruce, mit seinem Wissen über die Gepflogenheiten der Edwardianischen Ära glänzen, wenn die schon in den Extras der fünften Staffel vorhandene Doku "Manners of Downton" hier ihren zweiten Teil erhält. Die Themen sind diesmal u.a. Kindererziehung, Freizeit und Schulbildung.

Als am Ende der achten und vorerst letzten Episode der Staffel die ending credits über den Bildschirm flimmerten, konnte ich - trotz des vielleicht etwas überstürzt scheinenden Schlusses - ein erleichtertes Lächeln nicht unterdrücken. An fast allen Fronten haben die Entwicklungen innerhalb der Serie zu einem vorläufig positiven Status quo für die betreffenden Charaktere geführt, und man darf gespannt sein, was den Machern der Serie noch für das ausstehende abschließende Christmas Special einfällt.

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FAZIT

Eine würdige letzte Staffel einer in jeglichen Belangen bemerkenswerten, weltweit geliebten Serie. Und auch wenn sich das langfristig sicher ändern wird: "Downton stands, and the Crawleys are still in it!", wie Lady Coras Mutter Martha in der dritten Staffel so begeistert ausrief. Selbst wer Mühe hatte, sich an den etwas langsameren Rhythmus der vierten Staffel zu gewöhnen und die ein oder andere Handlungswiederholung rund um das Ehepaar Bates in der fünften Staffel bemerkte: Die sechste Staffel sollte alle Kritiker und Skeptiker wieder mit Downton Abbey versöhnen (und auch die hier grob umrissene Kritik an den beiden vorangegangenen Staffeln ist eigentlich Jammern auf hohem Niveau). Staffel Nummer sechs ist wie man so schön sagt eine runde Sache und alles in allem "very neat and proper". Unbedingt anschauen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2016 1:22 AM CET


Jonathan Strange & Mr Norrell [3 DVDs]
Jonathan Strange & Mr Norrell [3 DVDs]
DVD ~ Bertie Carvel
Preis: EUR 14,49

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Why is magic no longer done in England?", 19. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Jonathan Strange & Mr Norrell [3 DVDs] (DVD)
Die Handlung
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Zur Zeit der Napoleonischen Kriege sind nunmehr schon 300 Jahre vergangen, seit in England von einem Zauberer Magie ausgeübt wurde. Das Wissen darüber existiert weiterhin in unzähligen Abhandlungen und Zauberbüchern, aber gezaubert wird nicht mehr - dafür umsomehr über Magie geredet. Nur Scharlatane verkaufen an die gutgläube Kundschaft in den Großstädten noch harmlose Zaubersprüche oder verkünden lauthals windige Prophezeihungen um Interessierten die letzten Penny aus der Tasche zu ziehen. Zu dieser Zeit lebt ein verschrobener kleiner Mann namens Mr Gilbert Norrell in Yorkshire. In seinem Anwesen nennt er eine extensive Bibliothek sein Eigen in der er sich am liebsten den ganzen Tag aufhält und liest. Umso erboster ist Mr Segundus, ein junger Gelehrter der Magie, deswegen auch, dass gerade dieser an Büchern nicht arme Mr Norrell in den umliegenden Buchhandlungen die interessantesten Zauberbücher für sich reserviert und sie ihm so vor der Nase wegschnappt. Mit der Aufforderung, er möge doch ein paar dieser Bücher wieder herausrücken, sucht er ihn auf - nur um mit Mr Norrell den einzigen noch praktizierenden Magier kennenzulernen. Eine Sensation in der Welt der Zaubereigelehrten! Aber stimmt das wirklich, oder ist Mr Norrell nur ein Schaumschläger und Angeber, der vorgibt etwas zu können, von dem andere schon seit Jahrhunderten die Finger lassen?

Während Mr Norrell in Yorkshire seine Talente als Magier unter Beweis stellen muss, ist 156 Meilen weiter südwestlich ein junger Mann namens Mr Jonathan Strange gerade dabei, erfolglos um seine Angebetete Arabella zu werben. Die Auserwählte ist auch mitnichten abgeneigt, aber fehlt dem Werbenden noch die richtige, sinnstiftende Tätigkeit, damit nach der Heirat nicht die ganze Zeit gefaulenzt wird. In der Industrie hat sich Mr Strange deswegen schon versucht, und auch als Naturkundler wollte er zu einem respektablen Beruf kommen - beides mit geringem Erfolg. Über einen Vagabunden auf verschlungenen Wegen zufällig an zwei Zaubersprüche gekommen, ist sein Interesse an Magie entfacht. Umsomehr, als dass einer der Sprüche - mit Hilfe eines Spiegels im heimischen Esszimmer ausgeübt - vor den Augen der verblüfften Arabella Wirkung zeigt! Ausgerechnet der Zauberspruch, der ihm seinen ärgsten Feind präsentieren soll, gibt Mr Strange jedoch Rätsel auf - wer ist dieser Mann, der dort als schemenhaftes Abbild im Spiegel erscheint und sinnierend ins Kaminfeuer starrt?

Keiner der beiden - nicht Mr Norrell, nicht Mr Strange - weiß, dass sich ihre Wege schon sehr bald kreuzen werden, sie durch unglückliche Umstände, eigene Eitelkeiten und falsche Freunde hineingerissen werden in einen Strudel aus Magie, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt und der sie - einmal miteinander angefreundet - immer weiter auseinanderbringen wird....

Die Serie
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Die siebenteilige Verfilmung basiert auf dem Buch "Jonathan Strange & Mr Norrell" von Susanna Clark. Das Buch war mir bisher kein Begriff gewesen, aber der Trailer machte neugierig auf mehr und ließ auf eine düstere, fantasievolle Geschichte aus dem England zu Beginn des 19. Jahrhunderts hoffen. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, sondern im Gegenteil sogar noch übertroffen.

Ohne Probleme habe ich mich noch in den ersten Minuten in die Serie eingefunden. Die Geschichte entfaltet ihren ganz eigenen Reiz und zieht einen immer weiter in ihren Bann. Wer aber immerwährende actionreiche Abenteuer erwartet, bei denen die beiden Magier einen Fluch nach dem anderen entfesseln, der sollte überlegen, ob die Geschichte das Richtige für ihn ist, denn bei allem sollte man nicht vergessen, was die Handlung auch schon durch die Buchvorlage vorgibt: Das Theoretisieren zum Thema Magie ist in der Welt von Mr Strange und Mr Norrell alltäglich, die Ausübung von Zaubersprüchen hat jedoch gerade erst wieder begonnen und sorgt landesweit für Aufregung. Die Szenen, in denen dann gezaubert wird, sind deswegen gut über den Handlungsverlauf plazierte Besonderheiten die auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden und anders als in der Welt von "Harry Potter" keine mal eben nachlässig dahingemurmelten praktischen Alltagshilfen, die dem zerstreuten Zauberer die unterm Bett verschwundene linke Socke wieder hervorholen oder in der Küche von selbst den Löffel im Topf rühren lässt. Während bei der in der Gegenwart angesiedelten "Harry Potter"-Reihe schon längst Zauberschulen wie Hogwarts existieren, die systematisch die praktische Anwendung lehren und die Verteidigung gegen dunkle Magie üben, steckt praktische Magie zur Zeit von Mr Norrell und Mr Strange nach dem Höhepunkt der Magieanwendung 300 Jahre zuvor sozusagen (erstmal wieder) in den Kinderschuhen.

Eddie Marsan ist perfekt in seiner Rolle als eigenbrötlerischer, erfahrener Zauberer und Bertie Carvel gibt als euphorischer, die Welt der Magie eben erst entdeckender junger Mann seinen auf Augenhöhe stehenden Gegensatz. Marc Warren als personifizierte Nemesis lässt einen immer wieder schon durch sein plötzliches Erscheinen regelmäßig zusammenzucken. Eine leichte Modulation der Stimme, ein Heben der Augenbraue reicht ihm schon, um Unheil zu verkünden, wo er geht und steht. Paul Kaye als irrlichternder Vagabund Vinculus wiederum stellt diesen mit einer gehörigen Portion Unberechnbarkeit und Verrücktheit dar, während Ronan Vibert als Lord Wellington und Jamie Parker als Major Grant als Militärs reichlich blasiert daherkommen dürfen. Etwas zu arg war mir zuerst die Schmierigkeit des Herrn Drawlight, der die Gunst der Stunde nutzt und sich ausgiebig als Förderer Mr Norrells feiern lässt, aber man gewöhnt sich schnell an diese Katzenfreundlichkeit, indem man sie - wie Norrells resoluter Diener Childermass - einfach nicht für voll nimmt. Passend zum zynischen Charakter von John Childermass (und natürlich, weil Mr Norrell und sein Diener in York wohnen), darf Enzo Cilenti die Rolle des Childermass in breitem Yorkshire-Dialekt sprechen.

Die Ausstattung in dieser Serie ist phänomenal. Einer der Rezensenten hier empfiehlt, immer mal wieder die DVD anzuhalten, um sich die Requisite und die Räume in Ruhe anschauen zu können, und ich muss dem beipflichten. Jede Leseratte wird sich sofort in Mr Norrells Bibliothek verlieben und der Unordentliche erkennt in Mr Stranges Studienzimmer was er schon immer heimlich wusste: Nämlich, dass Chaos seinen ganz eigenen Charme haben kann. Auch die Außenzenen in denen London, York, das belgische Waterloo, Spanien oder Venedig dargestellt wird sind gerade in den Städten entzückend detailreich gelungen. Modefreaks werden sich an den bizarr-morbiden Kostümen und Frisuren im gruseligen Hofstaat Marc Warrens nicht sattsehen können.

Die Musik untermalt die Serie angenehm, die Kostüme erscheinen authentisch. Der Spannungsbogen wird nicht künstlich immer weiter nach oben gedreht, sondern man erlaubt dem Zuschauer immer wieder auch Pausen zum Verschnaufen und Reflektieren - was insofern passend ist, als dass auch die Beziehung zwischen Mir Strange und Mr Norrell den Raum zur Entfaltung bekommt und verdeutlicht wird, dass auch die Protagonisten sich im weiteren Verlauf der Handlung der Konsequenzen bewusst werden müssen, die sie heraufbeschworen haben. Trotzdem tritt das Böse in Gestalt dunkler Mächte konstant in Erscheinung um in die Alltagswelt der Zauberer zu dringen und auch auf diese Weise ist eine Konfrontation unausweichlich.

Magie, düsterer Charme und die Entwicklung von einer Freund- in eine Feindschaft sind nicht alles, was die Verfilmung ausmacht. Immer wieder blitzt herrliche Situationskomik auf - etwa, wenn der noch in Zauberausbildung befindliche Mr Strange im spanischen Salamanca von Lord Wellington aufgefordert wird, den Soldaten eine begehbare Straße zu zaubern, damit die Franzosen angegriffen werden können und der damit überforderte Strange dem wenig amüsierten Wellington in seiner Verzweiflung stattdessen vorschlägt, ob er nicht lieber einen Regenschauer bräuchte. Oder eine Unmenge an Fröschen, die wie bei der biblischen Heuschreckenplage von oben über die Franzosen herniederkommen könnte ...? Aber da hat sich Lord Wellington schon enerviert abgewendet. "You can as well pour roast chicken down on them, Sir!!", blafft er (in Anlehnung an die französische Vorliebe für Froschschenkel) noch im Weggehen, bevor er sich im Gefolge seiner Offiziere wieder wichtigeren Dingen zuwendet.

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FAZIT

Nachdem ich die Serie Anfang letzter Woche zum ersten Mal gesehen habe, schaue ich sie wenige Tage später nun zum zweiten Mal und bin genauso begeistert wie zuvor. Hohe Schauspielkunst, eine packende Handlung, gelungene, pointierte Dialoge und die exqusite Ausstattung machen die Verfilmung zu einem Glücksgriff. Dank der hervorragenden Serie (die es sich im übrigen lohnt, mehr als einmal anzusehen) ist mein Interesse an Susanna Clarks Original geweckt. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Mir Norrell, Mr Strange, Childermass, Mr Segundus und wie sie alle heißen .... dann in Buchform!

P.S.: Das Buch habe ich inzwischen gelesen - oder vielmehr: trotz seines Umfangs von 1000 Seiten an einem Wochenende geradezu verschlungen. Auch hier bin ich voll des Lobes und empfehle es gerne weiter.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2015 6:43 PM CET


Klaras Fall
Klaras Fall
DVD ~ Sofia Helin

4.0 von 5 Sternen Räuber und Ganoven, 22. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klaras Fall (DVD)
Die Handlung
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Klara Arvidsson ist eine junge Ermittlerin, die im Stockholmer Raubdezernat arbeitet. Schon seit längerem lebt sie mit ihrem Freund zusammen, der Arzt ist. Doch die wohlgeordneten Verhältnisse trügen, denn auch Klara ist in der Vergangenheit nicht von persönlichen Schicksalsschlägen verschont geblieben. Beruflich steht sie deshalb vor einer selbstgewählten Versetzung nach Göteborg. Doch bevor die Umzugskisten gepackt werden, will sie noch den aktuellen Fall abschließen. Dabei geht es um Banküberfälle in Deutschland und Schweden, bei denen die Täter unerkannt mit Milliarden davonkommen konnten - wenn schon die Summe der Beute ungewöhnlich ist, dann ist das, was Klara auf den Überwachungsvideos der Banken sieht noch viel seltsamer: Die Bande geht nicht nur mit einer unglaublichen Präzision und Professionalität vor, sie ist auch mit Maschinengewehren perfekt ausgerüstet. Wüsste man es nicht besser, dann könnte man glauben, auf den Videobändern keinen Banküberfall zu sehen, sondern die Erstürmung eines Gebäudes durch ein Sondereinsatzkommando... Wer steckt dahinter, und wie können Klara und ihr Kollege Greger sie stoppen?

Der Film
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"Klaras Fall" (im schwedischen Original "Rånarna", zu deutsch "Räuber") ist ein Film, der die Spannung ab Mitte des Films bis zum Ende hin beständig nach oben dreht. Was das Script angeht, wird hier das Rad zwar nicht neu erfunden - aber wie viele Krimis und Thriller leisten das schon? Klaras Fall" unterhält und überzeugt trotzdem: Eine einfache Geschichte, aber effektiv erzählt. Das Tolle: Trotzdem ist man sich nie so richtig sicher, was als nächstes passiert, auch wenn man glaubt, es zu wissen. Vorhersehbar zu sein, das kann man "Klaras Fall" nur in ganz wenigen Situationen zum Vorwurf machen.

Die Darsteller sind gut gewählt, fokussiert wird vor allem auf Sofia Helin als Klara. Helin darf derzeit in der exzellenten Thriller-Serie "Die Brücke. Transit in den Tod" die Ermittlerin Saga Norén spielen, die sich vor allem in der Zusammenarbeit mit ihrem dänischen Kollegen manchmal leicht daneben benimmt. In "Klaras Fall" jedoch spielt sie eine Kriminalistin, die gleichzeitig beherrscht, schüchtern, aber auch sensibel und tatkräftig ist. Wie immer gut gefallen hat mir auch der charismatische Mikael Persbrandt, da geht Stefan Sauk und seine Charakterzeichnung im Darstellertrio fast schon ein wenig unter.

Die Filmmusik erscheint an ein zwei Stellen am Anfang zwar etwas aufdringlich, das pendelt sich jedoch im Laufe des Films wieder gut ein. Die Extras enthalten ein Making of, bei dem vor allem die beiden beratenden Polizisten und Ermittler zu Wort kommen, welche Sofia Helin geholfen hatten, sich auf die Rolle als Polizistin vorzubereiten. Wenn man Helin schon als professionell agierende Saga Norén aus "Die Brücke" kennt, mag man kaum glauben, dass Helin für den ca. zehn Jahre jüngeren Film "Klaras Fall" das erste Mal eine Waffe in die Hand genommen hatte. Diesen Umstand bemerkt man genausowenig, wenn man sich den Film ansieht.

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FAZIT

Ein unterhaltsamer, wendungsreicher Film, der vor allem zum Ende hin gehörig an Fahrt aufnimmt und sich trotz ein, zwei Schwächen nicht vor ähnlich gelagerten Produktionen verstecken muss.


Mammon [3 DVDs]
Mammon [3 DVDs]
DVD ~ Jon Øigarden
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Der schnöde Mammon, 16. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Mammon [3 DVDs] (DVD)
Die Handlung
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Peter Verås ist ein erfolgreicher, wenn auch etwas rechthaberischer und arroganter Journalist in der Politikabteilung der norwegischen Zeitung Aftenavisen. Momentan ist er einer Firma auf der Spur, in der ein hoher Manager Gelder hinterschlagen haben soll und will durch seine Recherchen der Wahrheit in diesem Fall auf die Sprünge helfen. Das Pikante ist jedoch, dass eben jener Manager, der in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll, kein geringerer ist als Daniel Verås, Peters Bruder. Doch für familiäre Bande hat der ehrgeizige Journalist wenig übrig - das Verhältnis nicht nur zu seinem Bruder, sondern auch zu seinem Vater (einem Pfarrer) ist schon seit Jahren ziemlich unterkühlt. So scheut sich Peter auch nicht, gegen Daniel all die Informationen zu verwenden, die ihm eine gewisse Sofia über E-mails zukommen lässt, und die den Wirtschaftsbetrug untermauern. Zum Entsetzen seines Bosses muss Peter allerdings im Laufe der Recherchen zugeben, dass er Sofia, die mit ihren Hinweisen den Stein ins Rollen gebracht hatte, nur via anonymem Internetchat kennt. Auch Økokrim, die polizeiliche Abteilung für Wirtschaftskriminalität, ist an Peters Funden mehr als interessiert. Doch bevor der Artikel zu einem Abschluss gebracht und gedruckt werden kann, kommt alles anders: Daniel bittet Peter zum Gespräch, gesteht seine kriminellen Aktivitäten und bringt sich - als Peter gerade wieder wegfahren will - durch einen Kopfschuss um. Um dem Selbstmord auf den Grund zu gehen, filzt Computercrack Vibecke von Økokrim am nächsten Tag Peters Festplatte und die Tragödie wird nach einer kurzen Untersuchung zu den Akten gelegt. Fünf Jahre später jedoch beginnt Peter Verdacht zu schöpfen, als plötzlich eine seltsame Kiste bei seiner Schwägerin auftaucht, sich der Manager einer anderen Firma auf den Tag genau ebenfalls umbringt, und er erfährt, wie merkwürdig sich sein Bruder kurz vor seinem Tod verhalten hatte.

Die Serie
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"Mammon" ist unterteilt in drei Abschnitte von jeweils ca. zwei Stunden Länge. Obwohl sich bei mir ab und an das Gefühl meldete, dass man hier und da auch hätte kürzen können, ist die Miniserie als solches spannend, da sie immer mehr an Fahrt aufnimmt. Die Welt der Wirtschaft wird mit der Welt des Journalismus verwoben und es zeigt sich, dass es wie immer den meisten Menschen nur darum geht, Macht und Einfluss zu erlangen, erhalten und Konkurrenten auszubooten.

Handlungstechnisch kann die Serie mit einigen Plottwists aufwahrten. Darstellerisch wird mir Jon Øigarden zwar nicht als herausragend im Gedächtnis haften bleiben - dafür wird dem familiären Hintergrund seiner Figur leider trotz Potential zu wenig Raum gegeben, das Skript verliert sich hier in bloßen Andeutungen -, aber gut war seine Darstellung sicher trotzdem. Mehr abgewinnen konnte ich Lena Kristin Ellingsen, welche Vibecke spielte und Dennis Storhøi als windigem Milliardär und Unternehmer Tom Lied. Was die Grundmotivation hinter den Selbstmorden angeht, muss man wohl eine kleine Portion Langmut mitbringen und darf die Handlung nicht allzu kritisch zerlegen und hinterfragen - dafür gibt es zu viele Stellen, an denen man sich als Zuschauer entweder eine vollständigere oder eine klarere Präsentation der Inhalte gewünscht hätte. Das macht gleichzeitig jedoch auch mit die Spannung und die Überraschungsmomente der Miniserie aus und ist daher nicht völlig schlecht. Positiv hervorzuheben (und hier denke ich anders als so mancher Rezensent) ist meiner Meinung nach der nicht minder überraschende Schluss. Natürlich bleiben ein paar Fragen offen und bevor man eine Retroperspektive einnehmen kann, muss man sich erstmal gedanklich ordnen und die Informationen der letzten Filmminuten verdauen. Zumindest mir hat dieser letzte Twist am Schluss jedoch die soziale, psychologische Doppelbödigkeit der menschlichen Natur um so eindrücklicher vor Augen geführt, was die Grundaussage des Films nochmal final stützt. Wer also damit leben kann, am Ende nicht alle Fragen geklärt zu haben und sich einfach darauf einlässt, wird sicher ein paar spannungsreiche Stunden mit dieser Miniserie haben. Zum Schluss möcht ich noch die wirklich gute Begleitmusik hervorheben, welche die Handlung über weite Teile trägt und stimmungsvoll untermalt.

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FAZIT

Ein stellenweise nicht ganz schlüssiger Wirtschaftsthriller, der an so mancher Stelle noch mit erklärenden Inhalten hätte aufwarten können, der jedoch ansonsten ein spannungs- und wendungsreiches Drama rund um die menschliche Gier darstellt. Wen eine nicht immer ganz einfach zu verstehende Handlung nicht schreckt und wer nordische Thriller mag, der kann hier durchaus einen Blick riskieren.


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