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Beiträge von Karl-Heinz Hei...
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Rezensionen verfasst von
Karl-Heinz Heidtmann "khh"
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Breaking News
Breaking News
von Frank Schätzing
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thriller mit historisch sauber recherchiertem Hintergrund, 1. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Breaking News (Gebundene Ausgabe)
Wer spannende Unterhaltung mit Realitätsbezug wünscht, ist mit den Büchern von Wissenschaftsautor Schätzing bestens bedient.

Tom Hagen, einst Star unter den Krisenberichterstattern, ist nicht ängstlich, wenn es um eine gute Story geht. Die Länder des Nahen Ostens sind sein Spezialgebiet. Doch in Afghanistan verlässt ihn sein Glück - eine Militäroperation geht seinetwegen schief. Hagens Ruf ist ruiniert, verzweifelt kämpft er um sein Comeback, frönt dem Alkohol, verkommt.

Drei Jahre später bietet sich eine Gelegenheit in Tel Aviv, als ihm Daten des israelischen Inlandsgeheimdienstes zugespielt werden. Hagen ergreift die Chance, doch er kann nicht ahnen, was er damit auslöst. Als Hagen in der jungen Ärztin Yael Kahn kennenlernt, erkennt er, dass auch sein Schicksal eng mit der Geschichte dieses Landes verbunden ist.

»Breaking News« ist ein echter Thriller vor historisch sauber recherchiertem Hintergrund. Zwei Familien wandern Ende der Zwanzigerjahre nach Palästina aus - ein Territorium, wo Juden, Araber und britische Kolonialherren erbittert um die Vorherrschaft ringen. Wer immer schon Hintergrundinformationen über die Staaten Israel und Palästina suchte, hier erfährt er, warum es dort bis heute kein friedliches Zusammenleben gibt.

Ein Buch, in dem Geschichte und Fiktion spannungsreich über eine Zeitspanne von 80 Jahren miteinander verwoben werden.

Einen unerwarteten weiteren Realitätsbezug erhält das Buch am 4. April 2014, als die Kriegsfotografin Anja Niedringhaus von einem Taliban in Afghanistan erschossen wird. Merke: Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um!


Das Gespenst von Canterville
Das Gespenst von Canterville
von Oscar Wilde
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,50

4.0 von 5 Sternen Ein Gespenst passt nicht mehr in die Zeit, 25. März 2014
Die Erzählung "Das Gespenst von Canterville" (Originaltitel: "The Canterville Ghost") erschien im Jahr 1887 - und war das erste erzählerische Werk des Schriftstellers (1854 - 1900).

Als Mr. Hiram B. Otis, der amerikanische Gesandte, Schloss Canterville kauft, sagt man ihm, dass es in dem Schloss spuke. Als aufgeklärter Amerikaner nimmt er dies schulterzuckend zur Kenntnis, denn hier trifft die Kultur der "Neuen Welt" auf die alte. Und Gespenster passen für die pragmatischen Amerikaner einfach nicht mehr in die Zeit: Der amerikanische Botschafter samt Frau und vier Kindern halten nichts von englischer Gespenstertradition.

Die Satire ("Tatsächlich haben wir heutzutage mit den Amerikanern alles gemeinsam, ausgenommen die Sprache natürlich") persifliert den 19. Jahrhundert in England vorherrschende romantischen Glaube an das Übernatürliche, bei der die Engländer der „Alten Welt“ eine parodistisch überzogene Angst vor Gespenstern an den Tag legen - und produziert mittels der Bewohner der "Neuen Welt" den paradoxen Effekt, dass nicht diese Angst vor dem Gespenst haben, sondern jenes vor ihnen!

Seit seinem Hungertod im Jahre 1575 hat Sir Simon de Canterville mit seiner Spukerei noch alle bisherigen Bewohner in die Flucht geschlagen. Doch was auch immer das Gespenst nun versucht, keiner in der Otis-Familie nimmt es ernst. Im Gegenteil, die Zwillinge versuchen ständig, ihn reinzulegen und zu ärgern: Gespannte Stolperfäden, rutschige Butterfallen, erschreckende Gespensterattrappen, Wasserkrüge auf Türoberkanten usw.

Und als Mr. Otis ihm empfiehlt ein Spezialöl gegen seine quietschenden Ketten zu nutzen anstatt sich ordnungsgemäß vor diesem Geräusch zu gruseln, verzweifelt das Gespenst ganz. Nur die kleine Virginia hat Mitleid. Sie ist es auch, die ihm dann hilft, seinen endgültigen Frieden gemäß den Sinnspruch des Schlosses zu finden:

"Wenn's ein güldne Maid vollbringt,
Sündenmund zum Beten zwingt,
Wenn die tote Mandel sprießt,
Kindes Mitleidsträne fließt:
Endlich wird's im Haus dann still,
Friede wohnt in Canterville."


Auf die Plätze ... Generationenspiele!
Auf die Plätze ... Generationenspiele!
von ARGE MITeinanderREDEN
  Broschiert
Preis: EUR 25,00

5.0 von 5 Sternen Der Mensch als Spieler, 19. März 2014
Dieses hochwertige, aufwändig und liebevoll aufgemachte Buch mit seinen vielen Fotos und Abbildungen verdient Beachtung!

Der Mensch war immer schon ein Spieler – ein Homo ludens. Doch, was ist das Faszinierende am Spielen? Warum spielen Menschen vom Kleinkind bis zum Greis seit Urzeiten so gerne? Die ersten Spiele hat der Mensch vermutlich in den Sand gezeichnet, mit Natursteinen gestaltet oder mit pflanzlichen Produkten gestaltet.

Laut griechischer Mythologie erfanden die Götter das Spiel – so soll die Erfindung des Würfels auf Gott Hermes zurückzuführen sein. Die Chinesen kannten bereits vor Jahrtausenden ein Zahlenlotto, das Regelübereinstimmungen mit dem heutigen Bingo aufweist.

Nicht zu vergessen, dass die ersten Olympischen Spiele in Griechenland auf das Jahr 776 vor unserer Zeitrechnung datieren. Und das heute unter dem Namen Mikado weltweit bekannte Geschicklichkeitsspiel war bereits den Römern 100 v. Chr. bekannt. Beliebt waren im Altertum schon Fingerspiele wie “Schere, Stein, Papier” usw. Das Mühle-Spiel soll aus dem Jahre 1280 stammen. Und “Mensch-ärgere-Dich-nicht” wird just in diesem Jahr 100 Jahre alt.

Die Zahl der Spiele nimmt von Jahr um Jahr zu sei es als Brettspiel, Würfelspiel, Bewegungsspiel, Ballspiel, Fantasiespiel oder Computerspiel. Die althergebrachten Spielformen stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Jeder erinnert sich an Spiele, die über Jahrzehnte hinweg unverändert geblieben sind und von Generation zu Generation weitergetragen wurden – man denke nur an “Himmel und Hölle”, das fast jeder als Hüpfspiel aus seiner Kindergartenzeit kennt. Oder Fangspiele wie “Fischer-Fischer, wie tief ist das Wasser?” Oder “Gummi-Twist”?

Erstaunlicherweise lassen sich Spiele ausmachen, die weltweit praktiziert werden – fast immer sind es Spiele, die einfach sind und wenig Materialaufwand benötigen: Murmeln, Bohnen, Steine, etwas Band und Sand. Die Attraktivität von Spielen ist in zweifacher Hinsicht zu erklären: Mit Spielen lassen sich Verbindungen herstellen zwischen Menschen und Spiele erlauben es, sich auf ungefährliche Weise mit anderen zu messen. Bereits die Römer wussten, dass es neben dem leiblichen Wohl auch der Spiele bedurfte, um ein Volk bei Laune zu halten: “panem et circenses” (Brot und Spiele).

Mehr als 150 Menschen verschiedener Herkunft, verschiedenen Alters und unterschiedlicher Berufsgruppen berichten hier über ihre liebsten Spiele. Entstanden ist dabei dieses kreative wie kuriose Buch als eine bunte Mischung aus Texten, Geschichten und Bildern. Eine sehr schöne Idee auch das zusätzlich enthaltene “Hosentaschenspielbuch” im praktischen A6-Format zum Einstecken.

Dies ist die Ausgangsbasis für das Buch, das sich dem Thema „Spiel“ vor allem im Hinblick auf sein generationen- und kulturenverbindendes Element verschrieben hat. Denn Spiel braucht keine Sprache und überbrückt spielend Barrieren zwischen Jung und Alt, Fremd und Nah.

„Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller – “Über die ästhetische Erziehung des Menschen”)


Allmen und die verschwundene María
Allmen und die verschwundene María
von Martin Suter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Autor im Ruhestand, 12. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Martin Suter ist, was seine schriftstellerischen Erfolge betrifft, immer schon ein findiger Autor gewesen. Mit der Etablierung seiner Allmen-Serie knüpft er im Jahre 2011 an die Serienerfolge anderer Mitautoren beim Diogenes Verlag an. Ja, Suter macht es noch geschickter: Der vorliegende Roman ist gar die Fortsetzung des vorherigen “Allmen und die Dahlien“.

Um das Buch ein wenig dicker zu machen, werden die Ereignisse des ersten Teils noch einmal ausführlich zusammengefasst, bevor die Handlung weitergeführt wird. So schindet man Seiten.

Die Handlung ist schnell erzählt: Das soeben von “Allmen International Inquiries” wiederbeschaffte Dahlienbild wird von den Entführern Marias Moreno (der Lebensgefährtin von Carlos, Allmens guatemaltekischen Faktotum) als Lösegeld verlangt. Die Herausforderung besteht lediglich darin, die Besitzerin zu überzeugen, es ihnen auszuleihen. Doch die verfolgt andere Pläne.

Wer so erfolgreich ist wie Suter, der muss sich nicht mehr beweisen. Seine Einfälle, die Handlung künstlich in die Länge zu ziehen, sind durchsichtig und nicht überzeugend. Wir müssen uns den Autor als im Ruhestand vorstellen. Und so liest sich der Roman auch: Spannungslos, unaufgeregt und minimalistisch. Früher nannte man so etwas “Groschenroman” – bei Diogenes kostet er jedoch 18,90 Euro.


Am zwölften Tag: Denglers siebter Fall
Am zwölften Tag: Denglers siebter Fall
von Wolfgang Schorlau
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenig überzeugend, 27. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das Thema ist - wie immer bei Schorlau - aktuell und gut recherchiert. Der dramaturgische Aufbau ist durchaus komplex. Der Spannungsbogen wird dramaturgisch lange hochgehalten. Alles in allem also eigentlich eine gute Basis für ein weiteres erfolgreiches (siebtes) Buch um den privaten Ermittler Georg Dengler.

Und doch: Der Funke will beim Lesen nicht überspringen. Woran liegt es? Am übersättigten Leser? Am Erfolgsautor? Oder an zu viel Stereotypen?

Die Zutaten: In seinem neuen Buch geht es um Massentierhaltung, osteuropäische Billigarbeitskräfte, eine Rocker Gang und eine nicht bewältigte Vater-Sohn-Thematik. Das Ganze wirkt damit eindeutig zu bemüht und überambitioniert.

Die Spannung: Das Buch liest sich leicht, zu leicht, die Sprache ist anspruchslos. Vieles ist vorhersehbar, es geschieht kaum etwas wirklich Überraschendes. Die Entfaltung des Plots und seiner Charaktere ist insgesamt wenig überzeugend.

Die Handlung: Privatdetektiv Georg Dengler sucht seinen Sohn Jakob, der sich vermeintlich auf einer Urlaubsreise im Ausland befindet, sich aber seit einigen Tagen nicht mehr bei seiner - von Dengler getrennt lebenden - Mutter gemeldet hat. Dengler entdeckt alsbald, dass Jakob und eine Gruppe junger Leute den skrupellosen Machenschaften der Fleischindustrie auf die Schliche gekommen sind.

Bei den Schilderungen der Massentierhaltung bleibt dem Leser das Putenschnitzel immerhin für längere Zeit im Hals stecken. Und das ist vielleicht das größere Verdienst dieses Buches als das der Unterhaltung.


Immensee: Hrsg. v.7Eversberg, Gerd
Immensee: Hrsg. v.7Eversberg, Gerd
von Theodor Storm
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,40

3.0 von 5 Sternen Unerfüllte Jugendliebe, 26. Januar 2014
In seiner Novelle "Immensee" erzählt Theodor Storm von unerfüllter (Jugend-) Liebe.

Reinhard und die fünf Jahre jüngere Elisabeth kennen sich von Kindesbeinen an. Sie wollen später einmal heiraten. Sie verbringen jede freie Minute zusammen, auch noch, als Reinhard eine weiterführende Schule besucht. In einem Pergamentband hält er Erlebnisse und Eindrücke in Gedichtform fest.

Doch der weder für das Leben eines geschäftstüchtigen Bürgers noch für das eines romantischen Dichters geeignete Reinhard geht als Siebzehnjähriger zur weiteren Ausbildung in die Ferne. Für eine Liebeserklärung findet er beim Abschied nicht die richtigen Worte. Als er zwei Jahre später heimkehrt, hat sich Elisabeth auf Raten ihrer Mutter für Reinhards Schulfreund Erich entschieden, der einen Hof am Immensee übernommen hat.

Während Elisabeth Schutz in einem gesicherten bürgerlichen Leben sucht, meint Reinhard, Glück und Schönheit nur jenseits dieser Grenzen finden zu können.

Viele Jahre später folgt Reinhard einer Einladung Erichs in sein Haus am Immensee: Weder Elisabeth noch ihre Mutter wissen davon. Nach wenigen Tagen, in denen Elisabeth und Reinhard ihrer jugendlichen Liebe nachspüren, verlässt Reinhard Immensee für immer, obwohl beide wissen, dass Elisabeths Ehe mit Erich ein Fehler ist. Reinhard beschließt seiner Liebe endgültig zu entsagen und kehrt Immensee unwiderruflich den Rücken. Nun bleibt ihm allein die Erinnerung.

Die eigentliche Geschichte wird von Theodor Storm mit dem Bild des gealterten, unverheiratet gebliebenen Protagonisten umrahmt, der sich wehmütig an seine Jugendliebe erinnert. Das zentrale lyrische Motiv ist eine im Immensee schwimmende weiße Wasserlilie, zum Greifen nah und doch unerreichbar, Symbol für seine Liebe zu Elisabeth.


Reise zum Mittelpunkt der Erde: Mit Illustrationen der Originalausgabe
Reise zum Mittelpunkt der Erde: Mit Illustrationen der Originalausgabe
von Jules Verne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,99

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Vater der Science Fiction, 26. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Jules Vernes (1828-1805) gilt als der Vater der Science-Fiction Literatur. Doch auch wenn seine Phantasie ihn zwar zum Erfinder dieser neuen Literaturgattung werden ließ, kannte er dieses Genre selber nicht. Verne hatte die Gabe, Unterhaltung und Information so zu mischen, dass daraus eine Vielzahl von Literaturklassikern (Reise in 80 Tagen um die Welt, 20.000 Meilen unter dem Meer) entstanden.

Die Hauptfiguren dieser Geschichte, die der Franzose Verne in Jahre 1864 veröffentlichte, sind Deutsche. Das mutet erstaunlich an - und wäre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sicher so nicht mehr möglich gewesen. Verne ließ gerne Angehörige anderer Nationen in außergewöhnliche Abenteuer ziehen. Dass dabei Klischees in seine Figuren einflossen, nahm man ihm nicht übel, weil er auch die eigenen Landsleute davon nicht ausschloss.

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde bestreiten:
◾Der eigenwillige Professor Otto Lidenbrock, der in Hamburg lebt und dort am Johanneum Mineralogie und Geologie unterrichtet
◾Sein Neffe und Assistent Axel, der Ich-Erzähler des Romans
◾den Eiderentenjäger Hans Bjelke, ihr isländischer Führer

die Stätten seiner zahlreichen Reiseromane nie bereist, sondern sie sich vom Schreibtisch aus erschlossen. Er war dem Stand der Technik seiner Zeit weit voraus und sang das hohe Lied auf den menschlichen Forschergeist.

Damit ist er ein typischer Vertreter des 19. Jahrhundert, der Epoche des Reisens, Entdeckens und naturwissenschaftlichen Forschens. Forscher aller Nationen schwärmten im 19. Jahrhundert in die ganze Welt aus, um die noch existierenden Rätsel der Natur zu lösen. Bei der Wahl des Schauplatzes dieses Romans lag er mit seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde wissenschaftlich völlig daneben: Dass dieser glühend und flüssig sein könnte, war damals wissenschaftlich bereits nachgewiesen.

Die Handlung ist überschaubar: Professor Lidenbrock hat in einem alten Buch eine rätselhafte Nachricht in Runenschrift gefunden. Die Botschaft enthält einen Hinweis auf eine Einstiegsmöglichkeit ins Innere der Erde von einem Vulkan in Island aus. Unverzüglich machen er und sein Neffe sich auf den Weg nach Island. Das Abenteuer selber wird zu einer Schilderung früherer Epochen der Erdgeschichte, in denen die drei Reisenden tief unter dem Meeresspiegel Riesenwälder, gigantischen Meeren, Riesenechsen und Dinosauriern begegnen.

Nach vielen kräftezehrenden Wochen speit die Unterwelt sie wieder glücklich durch den Stromboli aus. Die wissenschaftliche Sensation ist perfekt - zumindest im Roman.


Robinson Crusoe - Vollständige Ausgabe
Robinson Crusoe - Vollständige Ausgabe
von Daniel Defoe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 4,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine frühe Gesellschaftskritik, 26. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Der Roman "Robinson Crusoe" ist Geschichte eines Kaufmann, der 28 Jahre auf einer einsamen Insel als Schiffbrüchiger verbringt. Das Buch erschien 1719 und gilt als der erste englische Roman.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Ein gewisser Alexander Selkirk wurde 1704 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der Insel "Mas a Tierra" ausgesetzt. Selkirk blieb gut vier Jahre auf der Insel. Nach seiner Rückkehr nach England wurde Selkirks Geschichte aufgezeichnet und in der Zeitschrift The Englishman" veröffentlicht. Angeblich soll Defoe Selkirk auch selber in einem Pub in Bristol getroffen haben und aus dessen Erzählungen zu seinem Roman inspiriert worden sein.

Defoes Klassiker wurde immer auf einen Abenteuerroman reduziert - dabei ist das Buch eher eine Gesellschaftskritik, bei der nur der erste Teil von Robinson Crusoes Zeit auf der Insel handelt. Tatsächlich beschreibt Defoe die gesellschaftlichen Verhältnisse Englands im 17. und 18. Jahrhundert als Erscheinungsform dessen, was Karl Marx später in seiner "Ursprünglichen Akkumulation" detailliert beschreiben sollte.

Wie der leider früh verstorbene Anglist Hans-Jörg Tidick in seiner Dissertation "Daniel Defoes kleinbürgerliche Gesellschafts- und Literaturkritik" nachwies, schildert Defoe seinen Robinson Crusoe als kleinbürgerliches-handelskapitalistisches Subjekt der Geschichte - was nicht weiter verwundert, weil Defoe selber seinen Lebensunterhalt mit dem Handel von Wein, Tabak und Lebensmitteln verdiente. Als Schriftsteller veröffentlichte er eine Vielzahl von Romanen, wohl auch in der Absicht dadurch die politische und religiöse Freiheit in England zu stärken.

Es ist wenig bekannt, dass Defoe Fortsetzungen des Romans unter den Titeln "The Farther Adventures of Robinson Crusoe" und "Serious Reflections during the Life and Surprising Adventures of Robinson Crusoe, with his Vision of the Angelick World. Written by himself" schrieb. Auch sein sozialkritischer Roman Moll Flanders ist rezeptionsästhetisch durchaus lesenswert.


Das Kind, das nicht fragte: Roman
Das Kind, das nicht fragte: Roman
von Hanns-Josef Ortheil
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Kinderbuch für Erwachsene?, 16. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Benjamin Merz heißt die Hauptfigur dieses Otheilschen Romans, der offenbar erneut einige autobiographische Elemente enthält und ein weiteres Mosaiksteinchen in der der Aufarbeitung eigenen Lebens ist.

Ein Mann Ende dreißig, von Beruf Ethnologe. Eine erfolgreiche Persönlichkeit eigentlich. Nur seine vier älteren Brüder verhinderten die normale Entwicklung des Nachkömmlings. Sie dominierten und drangsalierten den "Kleinen" - und der reagierte darauf mit Schweigen, in einer Phase, wo Kinder sonst ständig fragen.

Hanns-Josef Ortheil selber blieb bis zu seinem siebten Lebensjahr nach dem Vorbild seiner Mutter stumm - diese hatte das Sprechen eingestellt, nachdem seine vier älteren Brüder nacheinander im Krieg oder als Fehlgeburten gestorben waren.

Natürlich hat Ortheil den Namen seines Protagonisten Benjamin nicht zufällig gewählt, steht er doch einerseits für den Letztgeborenen in einer Familie und andererseits nach dem Alten Testament für den jüngsten Sohn des Jakob und seiner Lieblingsfrau Rahel. Und immerhin trägt Ortheil selber den Vornamen "Josef", der (anders als die anderen Brüder) ebenfalls Sohn der Rahel war - im Alten Testament herrschte noch heftige Vielweiberei.

Die Handlung wird im Wesentlichen von den Bewohnern der Insel bestritten, auf die Benjamin Merz sich zurückgezogen hat: Sizilien - darin das kleine (fiktive) Städtchen im äußersten Süden namens Mandlica.

Benjamin Merz möchte die Lebensart, die Gewohnheiten und Besonderheiten der Menschen in diesem kleinen Ort wissenschaftlich untersuchen - und sein Autor weiß offenbar über diese Gegend gut Bescheid, auch über die Kunst- und Literaturgeschichte und das sizilianische Alltagsleben der Gegenwart.

Es gelingt Benjamin, durch seine wissenschaftlichen Befragungen und seinem Interesse an den Menschen eine großes Sympathie aller Ortsbewohner zu erringen. Die Menschen wollen ihm bereits nach kurzer Zeit alle ihre Lebensgeschichten erzählen - denn was gibt es Schöneres, als wenn sich jemand für einen interessiert und einem zuhört? Das treibt sogar die Reichen und die Promis bei uns allabendlich in die unsäglichen Talk Shows.

Mit großem Einfühlungsvermögen und viel zärtlicher Liebe nähert sich Ortheil / Merz den Einheimischen an. Wer viel gibt, erhält auch meist zurück: Schließlich erfährt auch er selber die Liebe und findet eine neue Heimat mit Paula, einer gebürtigen Deutschen, als kongenialer Lebenspartnerin.

Dieser Roman der Aufarbeitung eigenen Lebens ist wie ein Kinderbuch für Erwachsene, in seiner übertriebenen Dramaturgie; dies ist vielleicht der einzige Makel dieses Buches - zugegeben etwas überpointiert - mit "Pipi Langstrumpf oder "Kai erobert Brixholm" zu vergleichen: Denn der ganze Ort hebt Benjamin Merz am Ende auf ein Schild, liebt ihn wie einen Heilsbringer, feiert ihn als großartigen Menschen und hilft ihm dadurch, all das zu kompensieren, was ihn in den ersten Jahren seiner eigenen Lebensgeschichte so fatal verstört hat.

Es bedarf - anders als in der biblischen Geschichte - dann auch keiner abschließenden abrechnenden Begegnung mit seinen Brüdern, um seinen wundersamen Sieg über sie zu genießen. Die Frage ist nur, ob Benjamin Merz sich in diesem märchengleichen Buch selbst glauben kann, ob er also wirklich dort angelangt ist, wo er immer sein wollte, oder ob die Romanhandlung ihn am Ende dort wieder absetzt, wo sie ihn zu Beginn aufgriff?

"Ich knie in der kleinen Holzbank und schließe die Augen. Ich konzentriere mich, wie früher als Kind. Ich spreche die beiden Gebete, die der Herr sich gewünscht hat, dann mache ich eine kurze Pause. Ich atme durch, ich heb den Kopf, ich flüstere: `Ich heiße Benjamin, ich war das Kind, das nicht fragte.' "


Mein Leben
Mein Leben
von Marcel Reich-Ranicki
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben, 5. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Man glaubt, in ihn förmlich sprechen zu hören, wenn man seine Autobiographie liest: Sein Lispeln, sein rrrrollendes "R". Und man sieht den stets erhobenen und wedelnden Zeigefinger des notorischen Besserwissers.

Sein literarisches Urteil war Gesetz. Manchem deutschen Autor ist er ein Leben lang auf die Nerven gegangen. Manchen hat er vernichtet: "Ich gelte weiterhin als ein Mann der literarischen Hinrichtungen." Seine negativen Kritiken hat er in dem Buch "Lauter Verrisse" dokumentiert. Martin Walser hat aus literarischer Notwehr gar einen Roman über ihn, den Großkritiker, geschrieben, in dem er ihn, den Großkritiker ums Leben kommen lässt. Denn gar nicht selten war MRR bösartig: "Manchmal ist eine Schreibblockade für die Leser ein Segen, das wollen wir nicht vergessen."

Auch im an sich genialen Sendeformat "Das literarische Quartett" reduzierte MRR seine Kollegen, erwachsene Menschen, zu Statisten und seinen Stichwortgebern. Kaum einer, der ihm widersprach, nicht hat einmal sein ehemaliger Chef bei der "ZEIT" Hellmuth Karasek: MRR wusste es immer besser - nur nicht immer richtig:

Gibt es im ,Quartett` ordentliche Analysen literarischer Werke? Nein, niemals. Wird hier vereinfacht? Unentwegt. Ist das Ergebnis oberflächlich? Es ist sogar sehr oberflächlich."

Doch, wer immer Recht hat, hat wenig Freunde. "Je größer mein Erfolg, desto häufiger bekam ich Neid und Mißgunst zu spüren." Die einzige Frau in der Runde hat dann irgendwann gepasst. Danach war das Quartett ein Terzett - und bei weitem nicht mehr so interessant.

Und keinesfalls war jedes von ihm hoch gelobte Buch lesbar, Getreu dem Goetheschen Motto: "Je inkommensurabler und für den Verstand unfaßlicher eine poetische Produktion ist, desto besser" erwiesen sich viele Bücher als Fehlkäufe. "Um das, was ich sagen wollte, erkennbar und faßbar zu machen, habe ich mir häufig erlaubt zu übertreiben und zu überspitzen." Es ist wohl so ähnlich wie bei den Restaurantkritikern, die nur noch in Sterne-Restaurants essen: Das literarisch Elitäre macht nicht jeden satt. Doch, wer es als Autor schaffte, von ihm öffentlich gelobt zu werden, war ein gemachter Mann (seltener: Frau). Denn Marcel Reich-Ranicki schrieb nicht nur leidenschaftliche Verrisse ebenso wie leidenschaftliche Lobreden.

"Im Grunde kennt die Literatur nur zwei große Themen: Die Liebe und den Tod. Der Rest ist Mumpitz."

Sein Lebensweg war zeitgeistig lebensbedrohlich und beschwerlich - doch immer wollte er Kritiker werden. Für dieses Ziel war ihm fast jedes Mittel recht. Selbstbehauptung im Überlebenskampf. Das hinterlässt Spuren. Er hat viele Jahre für "DIE ZEIT" gearbeitet und später als Literaturchef der "FAZ". Literatur, das war sein Lebenselixier: "Die Literatur ist mein Lebensgefühl".

"Ich begriff, daß sich in der Literatur etwas finden und erkennen ließe, dessen Bedeutung nicht zu überschätzen sei - man könne sich selber finden, seine eigenen Gefühle und Gedanken, Hoffnungen und Hemmungen."

Im Jahre 1958 wurde er Mitglied der renommierten "Gruppe 47". Doch bereits im Jahre 1961 entzündete sich Kritik an seiner Person, deren Schärfe im Urteil gefürchtet war. Er bekennt selber: "Leicht war die Zusammenarbeit mit mir nicht."

Alles hat er ertragen, was die Deutschen ihm, seiner Familie, seinem Volk angetan haben. Und doch blieb er den Deutschen gegenüber wohlgesonnen, und das, so lernt und versteht man in diesem Buch, einzig aus tiefer Liebe zur deutschen Literatur: "Ohne Liebe zur Literatur gibt es keine Kritik." Und nur der quält sich, der sich wichtig nimmt. Dabei ist er selber wohl so, wie er über Schriftsteller urteilt: "Ich habe noch nie einen Schriftsteller kennengelernt, der nicht eitel und egozentrisch gewesen wäre, es sei denn, es war ein besonders schlechter Autor."

"Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal, ob Autor oder Kritiker - Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts. Thomas Mann war wahnsinnig eitel, Richard Wagner auch, und Goethe und natürlich Schiller."

Dass Literatur einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten kann, daran hat MRR Zweifel. Schriftsteller können seiner Meinung nach nichts ändern. "Nein, an eine nennenswerte pädagogische Funktion der Literatur habe ich nie ernsthaft gedacht." Und auch die von ihm geliebten Großschriftsteller Mann, Proust, Kafka "dachten sie nicht im entferntesten daran, mit ihrer Prosa die Welt zu verändern."

Er erinnert an eine Aussage von Thomas Mann, "daß ein Schriftsteller ein Mann ist, dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten."

Hilfreich auch seine Ausführungen über die unterschiedliche Rezeption von literarischen Werken in verschiedenen Altersphasen:

"Muß alt werden, um den "Lear" zu begreifen, zu bewundern? Muß man jung sein, um sich für "Romeo und Julia" zu begeistern?" (...) "Ähnlich erging es mir mit einem (...) Roman von Hesse, dem "Steppenwolf". Ich habe ihn, nicht ganz freiwillig, dreimal gelesen: In den dreißiger Jahren war ich entzückt, in den fünfziger Jahren enttäuscht und in den sechziger Jahren entsetzt!"

Und was genau hat MRR an der Literatur so fasziniert?

"Jeder weiß, dass das Leben irgendwann endet. Aber selten machen wir uns klar, dass wir selbst es sind, die sterben werden. Während die Welt ungerührt weiterexistiert. Literatur öffnet uns manchmal für Momente die Augen für diese Wahrheit, vor der wir sie sonst zumeist schließen."


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