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Karl-Heinz Heidtmann "khh"
(TOP 500 REZENSENT)   

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Die Irritation - 21 Stories
Die Irritation - 21 Stories
von Anke Laufer
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A faint cold fear ..., 6. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Irritation - 21 Stories (Broschiert)
Nach den ersten Geschichten steht der Konsument eher klassischer literarischer Kost ein wenig ratlos da: Das ist schon eine andere Welt, als die ihm bekannte, die Anke Laufer da beschreibt!

Seit 2006 verfasst die Autorin, die sich selber als "Newcomerin" bezeichnet, Prosatexte - und hat für ihre Kurzgeschichten und Erzählungen schon einige renommierte Auszeichnungen erfahren. Im Jahre 2011 erhielt Anke Laufer zudem ein Literaturstipendium in Bogota, der kolumbianischen Hauptstadt.

Die 21 Kurzgeschichten sind unterteilt in drei Überschriften / Themengebiete:
- ruhelos (8)
- geheimnisse, nebenan (8)
- morgen, bald, irgendwann (5)

Die Kurzgeschichten, die von Liebe und Tod aber auch dem Alltag in einem englischen Seebad, süddeutschen Dorf, den Straßen Madrids oder in südamerikanischen Gefilden handeln, sind in Sujet und Art der Ausarbeitung unterschiedlich - mal kriminalistisch ("Die Irritation"), mal kafkaesk ("Der Waldrapp"), oft undurchsichtig phantastisch bzw. phantastisch undurchsichtig ("Skorpione, indogoblau"). In der dritten Sektion wird es gar recht surreal.

Ihr Stil ist ein eigener, auch wenn sie bei Ilija Trojanow, Burkhard Spinnen und anderen schreibenden Größen in die Schule gegangen ist - und dort ganz offensichtlich manche Inspiration hat mitnehmen können.

Die Sprache der Autorin ist klar, klarer als manch eine ihrer Geschichten, die den Leser ratlos zurücklassen - und dann in der Tat "irritierend" - oft im Sinne von gruselig - sind. Vielleicht muss man besonders diese ein zweites Mal, aufmerksamer als beim ersten Mal, lesen? Bereits Rousseau setzte da schon strenge Maßstäbe:

Ich mache den Leser darauf aufmerksam, daß dieses Kapitel bedächtig zu lesen ist. Ich besitze nicht die Kunst, für jemand klar zu sein, der nicht aufmerksam sein will."

Doch wie nur konnte die Autorin sich solche Geschichten erdenken? Ist das wirklich alles Fabuliererei? Welch albtraumhafte Phantasie! Bei Martin Walser konnte man einmal lesen:

"In meinen Büchern kann ich schreiben, was ich niemals sagen würde. Das Schreiben ist ein Entblößungs-Verbergungs-Vorgang: Nur weil ich mich verberge in irgendeiner Figur, kann ich weit gehen."

Doch die Autorin behauptet: Alles Fiktion! Der Leser ist erleichtert.

Tödlicher Mittsommer: Thomas Andreassons erster Fall
Tödlicher Mittsommer: Thomas Andreassons erster Fall
von Viveca Sten
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Stilistisch, sprachlich, gedanklich banal, 23. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Liegt es an der schwedischen Sprache? Oder am Übersetzer? Oder kann die Autorin, laut Klappentext "Chefjuristin der schwedischen und dänischen Post", einfach nicht bzw. womöglich nur juristische Texte schreiben?

Fakt ist: Das Buch ist definitiv nicht lesbar - und zwar zum einen auf Grund seines Schreibstils (Hauptsatz. Hauptsatz - Parataxe. Hauptsatz - Hypotaxe.) und zum anderen auf Grund eines banalen Katzencontents auf dem Niveau von "Die Frau im Spiegel": Ein Beispiel (Seite 19):

"Nora ging ins Bad, um sich fertig zu machen. Während sie die Zähne putzte, betrachtete sie schläfrig ihr Spiegelbild. Zerzaustes, rotblondes Haar, Pagenschnitt. Stupsnase. Graue Augen. Durchtrainierte Figur, knabenhaft würden manche vielleicht dazu sagen. Sie war recht zufrieden mit ihrem Aussehen. Jedenfalls meistens. Am besten fand sie ihre langen, durchtrainierten Beine, das Ergebnis von jahrelangem Joggen. Sie konnte beim Laufen so gut denken. Ihre Brüste waren kaum etwas, womit sie prahlen konnte, schon gar nicht nach zwei Kindern, aber es gab heutzutage ja Push-up-BHs. Die halfen immer ein bisschen."

Bis Kapitel 10 habe ich eisern durchgehalten. Zeit ist jedoch ein zu knappes Gut, um es mit banalen Büchern, die zudem sprachlich auf dem Niveau eines Aufsatzes der 8. Klasse Gesamtschule stehen, zu verschwenden. Zerknirscht vermute ich jedoch Millionen begeisterte Leser/innen)!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 25, 2013 8:51 AM MEST


Friss oder stirb: Wie wir den Machthunger der Lebensmittelkonzerne brechen und uns besser ernähren können
Friss oder stirb: Wie wir den Machthunger der Lebensmittelkonzerne brechen und uns besser ernähren können
von Clemens G. Arvay
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für eine extensive und nachhaltige Landwirtschaft, 6. April 2013
Dass Bio-Produkte "in" sind, ist bekannt. Doch es wird einem spätestens dann wirklich bewusst, wenn man inzwischen in fast allen Supermarktketten Bio-Produkte zu verdächtig niedrigen Preisen in den Regalen entdeckt.

Fantastisch - denkt man: Trotz kleinen Budgets mit gutem Gewissen gesund und günstig einkaufen! Was sich aber tatsächlich hinter diesen angeblichen Bio-Produkten verbirgt, und wie leicht wir Konsumenten uns von der Lebensmittelindustrie etwas aufTISCHEN lassen, ahnt man bereits nach wenigen Seiten des Buches von Clemens G. Arvay "Friss oder stirb".

Auf seiner elfwöchigen Reise u. a. durch Deutschland, Schweiz, Österreich und England trifft Arvay auf Menschen, die unterschiedlicherer Ansicht kaum sein könnten: Das Spektrum reicht von Selbstversorgern, über kleinstrukturierte Biobauern bis hin zum Geschäftsführer des "größten Produktions- und Vermarktungsunternehmen für Bio-Eier in Deutschland" (jährlich 100 Mio Bio-Eier).

Auf diese Weise zeigt Arvay die Schattenseite der Massenproduktion von Bio-Lebensmitteln und mit welchen Tricks deren märchenhaften Vermarktung stattfindet, auf die er durch intensive Recherche auf seiner Reise gestoßen ist.

Auf den ersten Blick mag es scheinen, als handele es sich hier um einen extremen Vertreter der "Öko"-Fraktion, der versucht, die bisher geschaffenen Innovationen in Frage zu stellen und uns alle von der Subsistenzwirtschaft zu überzeugen. Doch ist dies keineswegs im Sinne von Arvay. Im Laufe der zweiten Buchhälfte stellt er verschiedene Formen der nachhaltigen Lebensmittelproduktion vor (z.B. "urbane Gärten"), die durchaus realistisch und zeitgemäß sind und somit für jeden Konsumenten eine passende Form bereit halten.

Stets werden Beispiele mit Adressen angegeben, wo und wie diese Form der nachhaltigen Landwirtschaft bereits umgesetzt worden ist und inwiefern diese teilweise noch zu optimieren ist.

Am Ende dieses Buchs ist man weit entfernt von einer Schulter zuckenden Haltung "Ich alleine kann ja doch nichts ändern". Diese ist vielmehr umgeschlagen in eine ermutigende Perspektive, die in der Frage mündet: "Wo in meiner Nähe befindet sich die nächste Gemeinschaft für solidarische Landwirtschaft?"

Zumindest aber wird der Leser dieses Buches in Zukunft im Supermarkt Bio-Eier nur noch mit schlechtem Gewissen kaufen, wenn überhaupt.

Gut geht anders: Ein einfaches Lebenskonzept zum Erfolg
Gut geht anders: Ein einfaches Lebenskonzept zum Erfolg
von Johannes Gutmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lebens- und liebenswert, 26. Februar 2013
Der junge österreichische ecoWIN Verlag ist bekannt für sein außergewöhnliches und anspruchsvolles Verlagsprogramm. Man konzentriert sich auf spannende Autoren, die zu spannenden Themen und Entwicklungen unserer Welt einen Beitrag leisten.

Und so kommt Journalist Peter Gnaiger von den Salzburger Nachrichten gemeinsam mit dem Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann zu einem Bekenntnis, das seinen Ausdruck bereits im Buchtitel findet: "Gut geht anders".

Wofür Gutmann und Sonnentor stehen, kommt im Unternehmensleitbild gut zum Ausdruck:

"Wir von Sonnentor glauben fest daran, dass in der Natur die besten Rezepte für ein schönes und langes Leben liegen. Dafür arbeiten wir. Davon leben wir. Und wir glauben, dass die biologische Landwirtschaft die einzige Alternative zu den Folgen von Monokultur und Überproduktion ist. Der Kreislauf, das immer Wiederkehrende, das sich ständig erneuernde Leben, ist unser Grundprinzip. So wie das Leben & Lebenlassen, das gegenseitige Anerkennen und die Wertschätzung für ein langfristiges Miteinander unerlässlich sind. Alles muss im Gleichgewicht sein, damit die Freude wachsen kann ..."

Doch wer kennt schon Sprögnitz bei Zwettl? Ein Dorf im österreichischen Waldviertel auf der grünen Wiese mit 150 Einwohnern und einer Kirche - und einer international erfolgreiche Bio-Firma, deren Gründer mit Lederhose und roter Brille zu seinem eigenen Markenzeichen wurde.

Peter Gnaiger hat dazu Johannes Gutmann mehrfach besucht. Er wollte wissen, was den Erfolg von Gutmann und seinem Unternehmen ausmacht. Mehr noch: Eigentlich wollte er dem Burschen in Lederhosen mal so richtig auf den Zahn fühlen! Ob das alles nicht nur ein "Marketing-Hype" ist? Behandelt der seine Mitarbeiter wirklich so menschlich, wie man sich das so erzählt? Und gibt es die Bauern wirklich, die all diese Gewürze, Kräuter und Tees anpflanzen?

Gutmann, Unternehmer des Jahres 2011, stellt mit seiner Gemeinwohlölkonomie Nachhaltigkeit, Fairness und Freude an der Arbeit in den Mittelpunkt seines Tuns. Für ihn ist klar, dass uns auf dieser Erde ja nichts wirklich gehört, und dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

Unerwartet ist in den Gesprächen dann alsbald die Rede von Epikur, Hildegard von Bingen und den Mönchen des Benediktinerstifts Melk. Denn Gutmann geht es um eine menschenwürdige neue Lebens- und Arbeitswelt - und dabei kommen die Themen Genuss und Lebensfreude keinesfalls zu kurz! Allerdings ganz anders als im aktuellen idyllischen "Landlust"-Trend.

Für Gutmann ist "BIO" ein Kürzel, das für "Bin in Ordnung" steht. Seine Sonnentor Kräuterhandelsgesellschaft beschäftigt mittlerweile 245 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei über 25 Mio Euro - und das ausschließlich mit den Produktgruppen Tee, Gewürze, Kräuter.

"Energietee Hildegard von Bingen", "Bio(b)engelchen", "Alles wieder gut", "Eine Mütze voll Schlaf", "Frei von der Leber weg" - mit solchen Produktnamen verkauft Gutmann seinen Kunden nicht nur Produkte, sondern auch Geschichten, die die Phantasie anregen. Die Produkte versprechen Energie, Freude, Liebe - "heilsamen Zauber" gar, wie der Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie Eckart R. Straube schreibt.

Für Peter Gnaiger wird der Kontakt mit Gutmann gar so etwas wie eine Wallfahrt.

Wofür soll ich dankbar sein?
Wofür soll ich dankbar sein?
von Barbara Stöckl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen, 17. Februar 2013
Die bekannte österreichische Fernsehmoderatorin, Journalistin und Autorin Barbara Stöckl beschäftigt sich in ihrem neuen Buch mit dem Thema "Dankbarkeit".

Von Cicero wissen wir, dass keine Schuld dringender sei, als die, Dank zu sagen. Doch Dankbarkeit kann sowohl eine verbale Anerkennung für eine materielle oder immaterielle Zuwendung, die man erhalten hat, als auch ein Gefühl sein. Im ersteren Falle wendet sich Dankbarkeit an den, der oder das dafür verantwortlich war; im zweiteren Falle ist Dankbarkeit hingegen eine Emotion, die mit der Reflexion über etwas Gutes verbunden ist, das geschah.

Die Autorin konzentriert sich mit ihrem Buch auf die emotionale Dankbarkeit und zeigt auf, wohin hingegen Egoismus und falsche Glücksvorstellungen führen können. Zu diesem Zwecke hat sie verschiedene Personen des öffentlichen Lebens befragt: Universalkünstler Andre Heller, Philosoph Clemens Sedmak, Psychotherapeut Uwe Böschmeyer, Benediktinermönch David Steindl-Rast und andere.

Auch sie selber berichtet über Ereignisse aus ihrem eigenen Erleben: Krankheit und Tod lehren uns oftmals die Gegenwart mehr zu schätzen und Dank für das, was ist, zu empfinden: "Wäre das einzige Gebet, das du in denem Leben sprichst, ein Danke!, es würde genügen." (Meister Eckart)

Auch die stets rührige Disziplin der Psychologie will herausgefunden haben, dass echte Dankbarkeit eine schützende und stabilisierende Funktion hat. Dankbarkeit gilt als Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Wer nämlich wertschätzend durchs Leben gehe, sei zufriedener und sozialer als Menschen, die sich stets auf das konzentrierten, was sie (noch) nicht haben:

"Dankbarkeit ist eine Lebenseinstellung, eine bewusst gewählte Haltung, eine Entscheidung, die jeder treffen kann. Sie ist nicht abhängig von objektiven Lebensumständen wie Gesundheit, Wohlstand oder Schönheit. Es geht dabei nicht darum, wie du wohnst, wen du kennst, was du isst, wie du dich kleidest, wer dich begehrt, wie viel Geld du auf dem Konto hast und welches Auto du fährst. Dankbarkeit entzieht sich diesen Kategorien. Und das Gute an dieser Entscheidung: Sie beeinflusst das Leben positiv!" (B.St.)

Wofür können und sollten wir dankbar sein? Im Grunde genommen für alles! Denn nichts ist selbstverständlich und vieles könnte auch ganz anders sein.

"Jeden Tag erinnere ich mich hundert Mal daran, dass mein inneres und äußeres Leben von der Arbeit anderer, lebender und bereits verstorbener Menschen abhängt und dass ich mich bemühen muss, im gleichen Maße zu geben, wie ich empfangen habe und immer noch empfange." (Albert Einstein)

Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt
Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt
von Clemens Sedmak
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Österreicher im Himmel?, 15. Februar 2013
Christian Resch (*1980), Journalist bei den "Salzburger Nachrichten" und Agnostiker will es partout wissen: Mit Beginn der Fastenzeit, genauer ab Aschermittwoch 2012, will er sich für 40 Tage auf den Weg nach "innen" begeben, um vielleicht doch noch nach "oben" zu kommen.

Hilfe erhofft er sich dabei von Prof. Clemens Sedmak (*1971), Theologe und Philosoph, seit 2005 Lehrstuhlinhaber für Sozialethik am King's College in London. Der erklärt sich bereit, ihm seine dabei auftauchenden Fragen zu beantworten.

Sie treffen die folgende Vereinbarung:

Sedmak stellt Resch jeden Tag eine Aufgabe. Im Gegenzug darf Resch Sedmak jeden Tag eine Frage über Gott stellen. Natürlich schenken die beiden Wortgewandten sich nichts. Auf diese Weise entsteht ein Dialog - und der ist nicht staubtrocken, sondern locker, streckenweise recht humorvoll und vor allem (österreichisch?) "frech" bis frivol.

Denn anders als beim scheidenden Benedikt erleben wir in Sedmak einen modernen Religionswissenschaftler, der durchaus fähig ist, althergebrachte Begrifflichkeiten in zeitgemäße Äquivalente zu übersetzen. So ist für ihn die Hölle kein Ort mit brennenden Scheiten und Hitze, sondern ein Synonym für einen Ort der Wahrheitsferne, an dem die Menschen in ständiger Selbsttäuschung leben, einem grauen Ort, an dem nichts wichtig ist und an dem nichts geschieht. Nur mit der Erklärung des "Heiligen Geist" tut auch er sich schwer - und hält es wie viele Geistliche vor ihm mit dem "Mysterium".

Weil Resch sich so ziemlich alle Bänder am Knie beim Federball abgerissen hat, ist er im "Krankenstand" und weitgehend immobil. Der Gedankenaustausch findet deshalb sinnvollerweise per E-Mail statt - und zwar genau vom 22. Februar bis zum 9. April 2012.

Die Ähnlichkeit des Ansatzes mit den Büchern von Daniel Glattauer ist gewiss nicht zufällig. Doch anstelle des Themas Liebe geht es diesen beiden um die Möglichkeiten eines christlichen Lebens im 21. Jahrhundert.

Wenn Agnostiker auf Theologen treffen, wird es meist interessant. Für den Leser beginnt eine spannende Gedankenreise, die ggf. in dieser just beginnenden Fastenzeit inspirieren könnte.

Enthetzt Euch!: Weniger Tempo - mehr Zeit
Enthetzt Euch!: Weniger Tempo - mehr Zeit
von Karlheinz A. Geißler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Damit der Mensch sich selber nicht versäume, 2. November 2012
Ausgangspunkt dieses neuen Buches von Karlheinz A. Geißler ist der Unterschied und der Umstieg von der quantitativen zur qualitativen Zeit, von der Uhrzeit zur Naturzeit also. Es geht dabei um nichts weniger und nichts mehr als die "polyrhythmische Synchronisation"!

Denn der Autor wendet sich im Prinzip nicht gegen die allgemeine Beschleunigung - es führe eben kein Weg vom Gekochten zurück zum Rohen (frei nach Levi-Strauss). Im Gegenteil: Schnell sein, sei oft schlicht überlebensnotwendig. Deshalb hält er auch nichts vom epedemisch grassierenden Begriff der "Entschleunigung" - und setzt diesem deshalb seinen eigens kreierten, sperrigen Begriff der "Enthetzung" entgegen.

Das zunehmende Tempo werde vor allem durch die parallel entstehende Vergleichzeitigung von Tätigkeiten zur Belastung für den modernen Menschen - bereits vor Jahre sprach er vom Homo simultans, bzw. Simultanten. Goethe schuf dafür einst den Kunstbegriff "veloziferisch" (komponiert aus velocitas - Geschwindigkeit - und Lucifer).

Die durch mediale Omnipräsenz und globale Erreichbarkeit endlosen und pausenlosen Tage sind das Problem. Es sind die rastlose Unruhe und Ungeduld, die den Menschen das Paradies gekostet haben und ihnen den Weg dahin zurück versperren. "Enthetzt Euch!" bedeute, Schluss zu machen mit der Übrnutzung von Zeit und die Produktion überflüssiger Beschleunigung und dem Wunsch nach mehr zu stoppen.

Geißlers Zeitkritik geht zunehmend einher mit einer Kritik der herrschenden Verhältnisse: Denn "Alle Ökonomie ist Ökonomie der Zeit" - befand schon Karl Marx vor mehr als 150 Jahren. Darin liegt für den Rezesenten auch die Stärke dieses neuen Buches. Die Zeit-ist-Geld-Logik "bestraft jene Personen, die die sich Zeit lassen, die fürsorglich mit ihren Mitmenschen, mit der Natur, dem Klima und sich selbst umgehen."

Für den Autor zählt es zu den großen Irrtümern unserer Zeit, mittels Beschleunigung und Zeitverdichtung mehr Leben ins Leben bringen zu wollen. "Dass die Steigerung des materiellen Wohlstands auch zu einer Steigerung des subjektiven Wohlbefindens führt, hat sich als Illusion erwiesen."

Es verwundert es nicht, dass er kein Freund eines "Wachstumsbeschleunigungsgesetzes" ist und hält es lieber mit der Deutschen Bahn, die er als "das erste erfolgreiche Entschleunigungsunternehmen" bezeichnet - mir scheint, der Vogel hat Humor!

Karlheinz Geißler hat in seinem neuen Buch auf über 200 Seiten viele bereits veröffentlichte Artikel verarbeitet, die seit seinem letzten Werk erschienen sind - ein überwiegend kumulatives Buch also. Obwohl alle Beiträge im weitesten Sinne zum Thema passen, wirken die Übergänge zwischen den Kapiteln deshalb manchmal etwas holprig. Doch der Autor hatte durch diese optimale Textverwertung immerhin einen reduzierten Aufwand - Zeit gespart hat er nach eigener Diktion damit hingegen nicht!

Was es mit den Rhythmen auf sich hat, erklärt Autor Geißler zum Ende seines Buches. Ihm geht es um die Achtung der naturgegebenen Rhythmen, über die sich auch der moderne Mensch nicht hinwegsetzen sollte. Polyrhythmisch bedeutet lediglich , dass mehrere Rhythmen gleichzeitig ablaufen (Jahreszeiten, Tag und Nacht, Puls usw.), und dass der Mensch sich nach diesen allen richten (synchronisieren) muss und letztlich nicht daraus ausbrechen kann.

Wie belesen der emeritierte Professor für Wirtschaftspädagogik ist, zeigen die vielen Zitate und Bonmots berühmter Zeitgeister. Das Spektrum reicht von Goethe über Hegel und Walter Benjam zu Karl Valentin und Heinz Erhardt und beweist damit sowohl Tiefsinn wie auch gerade mit letzterem Autor Humor:

"Das Reh springt hoch,
Das Reh springt weit,
Warum auch nicht,
Es hat ja Zeit."

Seine Empfehlung für an "Angina temporis"und "Hochgeschwindigkeitsökonomie" leidende Zeitgenossen lässt er daher auch Goethe formulieren, "damit der Mensch sich selber nicht versäume" (Schiller):

"Mein Rat ist daher, nichts zu forcieren und alle unproduktiven Tage und Stunden lieber zu vertändeln und zu verschlafen, als an solchen Tagen etwas machen zu wollen, woran man später keine Freude hat."

Lassen Sie sich also überraschen und erfahren Sie mehr, was es mit dem Phänomen Zeit auf sich hat! Der Rezensent befolgt derweilen intensiv das, was der Autor empfiehlt: Er macht eine Pause und langweilt sich dabei außerordentlich!

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 19. Februar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Keine der 10 gekauften CR 2032 weist 3 Volt auf. Ein niedriger Preis nützt nichts, wenn die Ware nichts taugt.

Weihnachten mit Agatha Christie: Drei Krimis
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mogelpackung, 26. November 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Zwar kann man die drei von Oliver Kalkofe vorgetragenen Geschichten gerne zu Weihnachten hören, aber mit Weihnachten haben sie nichts, aber auch gar nichts zu tun - außer, dass Edward Robinson sich in der Geschichte "Der Traum vom Glück" eben "kurz vor Weihnachten" in ein falsches Auto setzt.

Nur auf der Rückseite des Hörbuchs klärt der Hörverlag mögliche Missverständnisse auf: "Wohlige Spannung in der Weihnachtszeit mit Poirot und Co."

Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine: Wege in eine neue Zeitkultur
Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine: Wege in eine neue Zeitkultur
von Karlheinz A. Geißler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wege in eine neue Zeitkultur, 21. November 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Wenn es in Deutschland jemanden gibt, der umfassend über das Thema "Zeit" informiert ist, dann Karlheinz A. Geißler.

Als ehemaliger Professor für Wirtschaftspädagogik hat er sich ausgiebig mit dem Faktor Zeit beschäftigt. Viele Bücher sind daraus entstanden, mit denen er über das Thema informiert. Denn es ist angesichts unserer endlichen Existenz angebracht, zuweilen über das Phänomen Zeit nachzudenken.

Nun hat er sein philosophisches "Alterswerk" herausgegeben - und nehmen wir es gleich vorweg: Es ist sein bestes Buch geworden! Denn frei nach Søren Kierkegaard wird das Leben vorwärts gelebt aber nur rückwärts verstanden.

Unter dem Titel "Alles hat seine Zeit, nur ich habe keine" nimmt uns Geißler auf 250 Seiten mit auf eine Reise durch eine Geschichte der Zeit. Sein Ziel verrät er im Untertitel: "Wege in ein neue Zeitkultur".

In vier Hauptkapiteln fasst Karlheinz Geißler sein jahrzehntelanges Wissen zusammen:
- Die Zeit in der Vormoderne
- Die Zeit der Moderne
- Die Zeit der Postmoderne
- Wege aus der Zeitfalle

Der Autor nimmt uns mit auf eine Tour d'horizon der Zeit. Zeit ist für die meisten Menschen wie das Wasser für die Fische - man schwimmt darin, ohne sich je Gedanken darüber zu machen.

Die Wahrnehmung und Bedeutung der Zeit sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. War man einst gar nicht in der Lage, ein (genaues) Datum zu benennen, und musste man sich an Zeitmarken wie Dynastien orientieren ("Und es begab sich aber zu der Zeit ..."), so war die Erfindung der Uhr so etwas wie eine Zäsur im bis dahin eher beschaulichen Leben der "zeitlos" glücklichen Menschen: Die Uhr ersetzt seit etwa dem 15. Jahrhundert die natürliche Zeitordnung. Die bis dahin himmlische Zeitordnung wird dadurch eine irdische. Gott geht in zeitlicher Hinsicht aufs Altenteil und die Mächtigen im Lande werden zu Zeitbevollmächtigten.

Bald schon wird Zeit zum Äquivalent des Tauschmittels Geld erklärt - und das Verbot des Zinses für Christenmenschen fällt, um noch mehr Geld und Zeit zu gewinnen.

Inzwischen sind wir in der "Alles-zu-jeder-Zeit"-Epoche angekommen. Vergleichzeitigung heißt die neue Geißel der Menschheit. Der Homo simultans ist geboren.

"Dass die Menschen für die Industriegesellschaft funktionieren, hat die Uhr besorgt, dass sie für die Zeitverdichtungsgesellschaft funktionieren, dafür sorgen Mobiltelefon und Internet."

Die Abkehr vom heiligen zum eiligen Geist hinterlässt deutliche Spuren in einer gehetzten Gesellschaft. Sie glaubt nun, sie könne Zeit "verlieren", "gewinnen", "managen" oder "sparen". "ADHS" oder "Burn-out" lauten die neuen medizinischen Befunde. Der moderne Mensch wird immer ungeduldiger, sprunghafter, vergesslicher und unsozialer:

"So ist es denn auch kein Wunder, dass sich der Simultant für seinen Blackberry, sein Notebook, sein iPhone und sein iPad mehr Zeit nimmt als für seine Freunde und Freundinnen, Ehefrau und Kinder zusammengenommen."

Qualitativ ist seit etwa eintausend Jahren vieles anders geworden: War die Zeit einst für Äonen allein und uhrzeitlos in der Hand der Götter, hernach für einige Hundert Jahre in der Hand der Aufseher, so erleben wir nun schon wieder einen Quantensprung, wenn das Zeitdiktat in die Hand eines jeden Menschen selbst gelegt wird. "Flexibilität", "Zeitverdichtung", "Vergleichzeitigung" und "Entgrenzung" heißen die Schlagworte dieser neuen Epoche.

Wir sind (noch) nicht am Ende der Zeit, jedoch am Ende der Veruhrzeitlichungsepoche angelangt.Die Uhr hat ihre Zukunft damit bereits hinter sich - das Smart-Phone übernimmt nun die Rolle des Leitinstruments. Damit und durch das 24 Stunden geöffnete Internet ist der Mensch unabhängig von Raum und Zeit. Der traditionelle Arbeitsplatz verliert seine Bedeutung. Die Grauzone zwischen Wohnort und Arbeitsstätte wird größer und damit die klare Grenzziehung von "Arbeit und Leben". Diese Entgrenzung von Raum und Zeit ist das bestimmende Parameter des 21. Jahrhunderts.

Nun hat der postmoderne Mensch "keine Zeit" mehr und der abendländische Zivilisationsprozess zeichnet sich "durch eine Transformation von äußeren zu inneren Zwängen, eine Umwandlung von Fremd- in Selbstzwänge aus.

Nun klagt der moderne Mensch über "Zeitnot", "Zeitdruck", "Zeitmangel" oder "Zeitprobleme". Doch Geißler warnt: "Es zählt zu den großen Irrtümern unserer Existenz, durch mehr Tempo mehr Leben ins Leben bringen zu können." (...) "Wirkliche Freiheit gedeiht nur auf dem fruchtbaren Boden des Zeithabens und des Zeitlassens."

Schnell ist nur Quantität, niemals Qualität - und wer schnell sein will, ist oft nicht schneller am Ziel, sondern nur rascher am Ende. Was wir alle brauchen, ist Zeitqualität.

"Wir sind nun mal auf der Welt, um Zeit zu leben, einfach zu leben, nicht auf der Welt sind wir, um uns Gedanken darüber zu machen, wie man die Zeit nützlich und gewinnbringend hinter sich bringe."

Diesem zeitlosen Gedanken ist nichts, aber auch gar nicht mehr hinzuzufügen!

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