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Chefmaus 68

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Still Life With Eggplant
Still Life With Eggplant
Preis: EUR 17,98

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weder Stillleben noch langweiliges Gemüse, sondern großartiger Psychorock, 13. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Still Life With Eggplant (Audio CD)
Ich kann nicht anders. Es bereitet mir immer wieder Freude, MOTORPSYCHO-Alben zu rezensieren, eine Freude, die nur noch davon getoppt wird, MOTORPSYCHO-Alben zu hören. Ich weiß auch nicht, warum sich die norwegische Band bei mir partout nicht abnutzt. Vermutlich liegt es an ihrer Vielseitigkeit, gepaart mit einem charakteristischem Grundsound, mit dem sie sich im letzten Vierteljahrhundert eine eigene unangefochtene musikalische Nische geschaffen hat (wobei "Nische" zu niedlich klingt für den episch-wuchtigen Breitrock, den die drei Herren zelebrieren).

Dazu: das sechste Album in den letzten acht Jahren, ein Output, der seinesgleichen sucht. MOTORPSYCHO begannen 1989 als Alternative-Metal-Band, schwenkten Mitte der 90er in die Alternative-Rock-Ecke, ehe sie zur Jahrtausendwende eine 60er-Jahre-Psychopop-Phase einläuteten. Dazwischen machten sie gelegentliche Ausflüge in die Country-Musik und präsentierten abgefahrene Kollaborationen mit Jazz-Ensembles. 2007 gab es dann einen sehr relevanten Wechsel des Drummers. Was dann folgte, waren drei epische Meisterwerke: das psychedelische Monument "Little Lucid Moments" (2008), das teilweise freejazzige Rockmonstrum "Heavy Metal Fruit" (2010) sowie das Konzept-Doppelalbum "The Death Defying Unicorn" (2012), eine wilde Geschichte, die (mit Jazz- und kammermusikalischen Einflüssen) den Progrock der 70er gelungen ins neue Jahrtausend beamte.

Und nun, nur ein Jahr später, legen sie mit "Still Life With Eggplant" überraschenderweise schon das nächste Werk vor. Ohne vorher im [...] Soundschnipsel gehört zu haben, waren für mich die Infos über dieses Album vor dessen Veröffentlichung recht spärlich: die Spieldauer mit 45 Minuten relativ kurz für MOTORPSYCHO-Verhältnisse, die Songzahl mit 5 Titeln recht klein, deren Spieldauer verhieß jedoch zumindest psychedelische Überlängen. Was also haben die Jungs nun nach drei fetten Meisterwerken in Folge musikalisch zu bieten?

1. HELL (9:47)
Ein schweres Stück Stoner-Rock, das zunächst schleppend aus den ächzenden Boxen brockt, ehe nach knapp zwei Minuten das Tempo mit einer markanten Hookline angezogen wird, die der der achtarmige Schlagzeuger Kapstad in ein dichtes Netz webt. Der Bass pumpt, die Gitarren grooven, darüber gleitet der zweistimmige Gesang, es folgt das typische psychedelische Gitarrensolo – und fortwährend treibt der Drummer mit dem Irrwitz eines Jazzers den Song voran. Etwas Luft bleibt erst nach 7 Minuten beim anschließenden instrumentalen Wurmfortsatz, dessen Sinn sich mir allerdings noch nicht so ganz erschlossen hat - wobei mich der Groove irgendwie zum Schmunzeln bringt (ich weiß nicht, warum).

2. AUGUST (4:52)
Eine authentische Coverversion des LOVE-Classicers aus 1969 um den 2006 verstorbenen Rock-Rüpel Arthur Lee. Ein Song, irgendwo zwischen Hendrix‘ "Crosstown Traffic" und melodieseligem Country, der an MOTORPSYCHO’s "Tussler"-Projekte erinnert. Aber da ist ja wieder dieser Drummer, der offensichtlich einfach nicht die zehn Pfund Juckpulver aus der Hose kriegt. Ich will nicht behaupten, dass er den Song (gerade während des Gitarrensolos) totprügelt, aber – hey, bitte auch mal einen einfachen 4/4-Takt, damit man auch mal Luft holen kann!

3. BARLEYCORN (7:18)
Für mich der Höhepunkt des Albums – nicht nur, weil ich nach den ersten beiden Stücken endlich mal einen tiefen Atemzug nehmen kann. Denn nur eine einsame melancholische Akustikgitarre leitet den Song ein, der dann jedoch einen leuchtenden, kraftvollen Refrain bietet, wie sie ihn die Psychos schon lange nicht mehr geschrieben haben. Der spätere Break und Zwischenteil wird spacig, die Atmosphäre etwas düsterer, die Solo-Gitarre schwebt klagend in Zeit und Raum – und als Tempo und Drama anziehen, erfolgt die Auflösung in sommerlichem Dur. Großartiger Song!

4. RATCATCHER (17:10)
Ist "Ratcatcher" ein psychedelisches Rockmonster? Ja, "Ratcatcher" ist ein psychedelisches Rockmonster. Es schleicht sich zwei Minuten ein und wird dann zu einer Tour de Force zwischen Hardrock, Psychedelica und Jazz (was natürlich hauptsächlich am Drummer liegt), erinnert aber auch an die motorpsychedelischen Alternative-Epen Mitte der 90er. Der Song ist ein vertonter Drogenrausch, verliert nach rund sechs Minuten zusehends an Strukturen, mäandert irgendwo zwischen Freejazz, Spacerock und Noise. Ein schönes Beispiel, wie MOTORPSYCHO immer wieder mit ab- und anschwellender Dynamik arbeiten, die Band läuft allerdings dennoch Gefahr, sich in selbstverliebter Improvisation zu verlieren, denn "Ratcatcher" nimmt mehr als ein Drittel Spielzeit des gesamten Albums ein und bietet für so eine herausragende Platzierung zu wenig Abwechslung. Wie schon bei "Hell" wirkt der Rattenschwanz ab Minute 13 ein bisschen angeklebt.

5. THE AFTERGLOW (5:57)
Schön! MOTORPSYCHO zitieren noch einmal ihre Psychopop-Phase zur Jahrtausendwende. Ach, ich mag ja diese sommerliche Retromucke, getragen von Akustikgitarre, Musik, die nach den geliebten 70ern klingt, sich allmählich hochschaukelt, ohne jedoch Struktur und Melodie zu verlieren. Hier feiern sich die Psychos noch einmal ab und präsentieren einen wunderschönen Absacker, der nirgendwo besser platziert werden könnte als am Ende eines Albums.

Stilistisch steht "Still Life With Eggplant" dem Album "Heavy Metal Fruit" am nächsten. Beim ersten Hören hat mich vor allem das unglaublich dichte Schlagzeugspiel etwas erdrückt, manchmal sogar genervt, das gab sich aber ab dem zweiten Hören. Da bekamen die Songs schon eine nachhaltige Ohrwurmqualität. Ich hätte mir gewünscht, dass "Ratcatcher" weniger vor sich hinplänkelt und dafür noch zwei andere, kürzere Songs mit aufgenommen worden wären. Insofern steht dieses Album ein bisschen hinter den beiden Vorgängern zurück – aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Wenn ich bei diesem Album von jazzigen Einflüssen spreche, muss ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass hier keinerlei Bläser zu hören sind wie auf "Death Defying Unicorn", "In The Fishtank" oder "Roadwork Vol. 2". Die Instrumentierung ist rein die einer klassischen Rockband Anfang der 70er; selbst Keyboards werden nur sehr dezent eingesetzt. Als zweiter Gitarrist unterstützt Reine Fiske die Band bei den Songs 2 bis 4. Ich kannte ihn bislang nicht und habe ihn daher auch nicht bewusst herausgehört.

Wem das "Death Defying Unicorn" zu sperrig war, darf hier aber wieder aufatmen, da sich MOTORPSYCHO auf frühere Tugenden besinnen. Ich bin sehr zufrieden mit diesem "kleinen" Album, mit dem die Norweger einmal mehr ihre Nische im (nonkommerziellen) Rockzirkus behaupten. Und um den Kreis hier nun wieder zu schließen: genug darüber gelesen - bitte selbst anhören!
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2013 2:18 PM MEST


Die Schriften von Accra
Die Schriften von Accra
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spirituelle Zwischenmahlzeiten à la Coelho, 25. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Schriften von Accra (Gebundene Ausgabe)
Im Jahre 1099 spricht ein weiser Kopte zu den Bürgern Jerusalems am Vorabend des Überfalls durch Kreuzritter. Coelho's "Schriften von Accra" haben zwar eine Art Rahmenhandlung, sind aber kein Roman. Vielmehr ist dieser Hintergrund nur der Aufhänger für Coelho, eine Reihe (selbstverständlich immer noch aktueller) Lebensfragen von seinem eigenen spirituellen Ansatz her zu beleuchten. Dabei spricht er

1. Über Niederlagen.
2. Übers Besiegtsein.
3. Übers Alleinsein.
4. Über die eigene Daseinsberechtigung.
5. Über die Angst vor Veränderung.
6. Über Schönheit.
7. Über den Sinn des Lebens.
8. Übers Liebebedürfnis.
9. Über das Annehmen des Lebens.
10. Über körperliche Liebe.
11. Über den Platz in der Gemeinschaft.
12. Über Eleganz und Anmut.
13. Über Arbeit und Träume.
14. Über Erfolg.
15. Über Wunder.
16. Über Angst.
17. Über die eigene Zukunft.
18. Über Loyalität.
19. Über Freundschaft.
20. Über die Feinde.

Wer sich an der (doch deutlich an die Bibel angelehnten) Schreibweise nicht stört, und wem DER ALCHIMIST schon sehr gefiel, der wird sich an diesem Buch erfreuen. Das ist zwar kein literarisch revolutionäres Werk, und mit Khalil Gibrans DER PROPHET gab es das auch schon früher. Aber Coelhos Gedanken sind inspirierend und erfrischend - zumindest, wenn man gerne über sich und sein Leben reflektiert. Und die in sich geschlossenen, 4 - 8 Seiten langen Kapitel eignen sich als kleines, aber gehaltvolles Häppchen zwischendurch.


Die Unsterblichen: Roman
Die Unsterblichen: Roman
von Ketil Bjørnstad
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Persönliche Bilanz eines Betroffenen der Sandwich-Generation, 7. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unsterblichen: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Die erste Hälfte deines Lebens wird von deinen Eltern ruiniert, die zweite Hälfte von deinen Kindern." Dieser Spruch ist provozierend und ein bisschen böse. Andererseits - ist die "Sandwich-Generation" zwischen 40 und 60 nicht ein aktuelles Thema?

Thomas Brenner, der Protagonist in Björnstads Roman "Die Unsterblichen", ist so ein Mann. Er steht kurz vor seinem 60. Geburtstag, ist als praktischer Arzt finanziell abgesichert, ist ein sehr verantwortungsvoller Ehemann, Vater und auch Sohn. Doch auch er gehört zu der Generation, die sich zwischen den anderen Generationen aufreibt:

Thomas fühlt sich verantwortlich für seine Eltern, seine Mutter, die ins Pflegeheim muss, weil sein Vater sie nicht mehr pflegen kann. Er fühlt sich verantwortlich für seinen Vater, der mit dieser Situation nicht klarkommt und allein zu Hause überfordert und gelangweilt ist. Thomas fühlt sich aber auch verantwortlich für seine beiden erwachsenen Töchter, die ihr Leben ebenfalls nicht geregelt bekommen: die eine ist arbeitslos wieder zurück ins Elternhaus gezogen, die andere scheint depressiv und selbstmordgefährdet. Thomas fühlt sich natürlich auch verantwortlich als Ehemann, möchte mit seiner Frau jetzt eigentlich die lange geplante USA-Reise unternehmen, nur zu zweit. Daneben ist er außerdem noch verantwortungsvoller Arzt, der in seiner Gemeinschaftspraxis den Patienten helfen will.

Thomas' Dilemma ist, dass er sich selbst trotz wachsender Herzbeschwerden nicht im Blick hat. Die finanziellen, vor allem aber auch die emotionalen Erwartungen, die von allen Genannten an ihn herangetragen werden, die er jedoch auch pflichtbewusst annimmt, erschöpfen ihn, ihn, der sich doch am liebsten am Schoße seiner dementen Mutter ausweinen möchte, um den Berg auf seinen Schultern loszuwerden. Die Entscheidung, für sich etwas zu ändern, verschiebt er von einen Tag auf den nächsten ...

Björnstads Roman ist die desillusionierende Bilanz eines Mannes, der verlernt hat, auch für sich selbst zu sorgen, ein Mitglied der Sandwich-Generation, das zwischen den Stühlen sitzt und keinen Platz für sich gefunden hat. Das Buch ist daher ein Weckruf, ein Appell an die Sorge für sich selbst, bevor das Leben zu Ende ist. Dabei ist nichts in diesem Buch schwarzweiß; Björnstad zeigt keine Lösungen auf, legt das Dilemma jedoch ebenso schonungs- wie ratlos offen.

Björnstad liefert zu einem vielleicht noch unterschätzten Problemfeld eine eindrückliche Vorlage, sich (gerade als Mann) eigenverantwortlich mit seinen Beziehungsrollen auseinander zu setzen, bevor das Leben vorbei ist.


Four
Four
Wird angeboten von SIDE2
Preis: EUR 7,49

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Back To The Roots, 5. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Four (Audio CD)
Wer das Debüt "SILENT ALARM" mochte und mit den bei "WEEKEND IN THE CITY" und "INTIMACY" stärker vertretenen elektronischen Einflüssen nicht so viel anfangen konnte, wird sich an "FOUR" erfreuen. 12 kurze, knackige und druckvolle Songs, die ausdrücklich gitarrenorientiert sind und teilweise sogar massiv Dampf und Tempo machen. Das Ganze ist eindeutig schnörkelreduziert und auf den Punkt gebracht. Es gibt auch ein paar schöne Halbballaden, die in Richtung Stadionrock tendieren - ohne aber dass BLOC PARTY ihr charakteristisches Gesicht verlieren würden. Die beiden zusätzlichen Midtempo-Songs der Deluxe-Edition fallen qualitativ nicht ab, gehen jedoch auch kein Risiko ein.

Insgesamt also: sehr solide, nicht überragend, aber ein nettes Lebenszeichen der Briten. Ein schönes Rockalbum, allerdings ohne Innovationen. Daher halte ich dessen Halbwertzeit eher für begrenzt. Der Fan ist jedoch gut bedient damit.


Valtari
Valtari
Preis: EUR 13,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Halb Licht, halb Schatten, 30. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Valtari (Audio CD)
Nein, dieses Album ist nicht schlecht. Aber es hätte besser werden können. Was ich zu meckern habe?

Die Isländer machen zunächst alles richtig. Die ersten fünf Songs sind durchgängig stark. "Varúð" verbindet großartig die chor-unterstützte Emotionalität eines "Ara Batur" vom Vorgängeralbum mit der Dynamik und den verzerrten E-Gitarren des legendären "Debut"-Albums "Agaetys Byrjun". Back To The Roots also. Natürlich das immer wieder zitierte "Dauðalogn" (das seine melancholische Dramatik als Soundtrack in der Serie "Vampire Dairies" bewies). Brillant! Auch "Varðeldur" passt noch wunderbar als instrumentales Postludium zu diesem starken Song.

Aber das war es dann. Es folgt ein Bruch mit zwei je 8minütigen minimalistischen Instrumentalstücken, die als bestenfalls akzteptable B-Seiten durchgegangen wären, dem Album jedoch völlig unmotiviert den Wind aus den Segeln nehmen. Die kunstvoll und schön aufgebaute Dynamik verflüchtigt sich wie Nebel, ohne Spuren zu hinterlassen, der Spannungsbogen wird gebrochen und hinterlässt Enttäuschung und eine Unzufriedenheit, die den tollen Eindruck des zuvor Gehörten leider zu sehr schmälert. So klingt "Valtari" im Gesamtergebnis wie ein nur halb fertiggestelltes und mit schlaffem Füllmaterial künstlich verlängertes Album.

Also: 5 starke Songs mit Gesang + 3 immer fahriger werdende Instrumentals sind zu wenig. Bevor mich die SIGUR-ROS-Gemeinde mit tränennassen Papiertaschentüchern bewirft, vergebe ich vier Sterne; aber eigentlich sind es nur 3,4 - und ich würde dem Neueinsteiger zunächst erst jedes andere Bandalbum (bis auf "Von") empfehlen.


Music for Confluence
Music for Confluence
Preis: EUR 15,51

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster-zerbrechlicher Soundtrack, 9. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Music for Confluence (Audio CD)
"Music For Confluence" ist der Soundtrack zu einem amerikanischen Dokumentarfilm über eine ungeklärte Mordserie in der Provinz von Idaho in den 80er Jahren. Peter Broderick ist ein junger Songwriter und Multi-Instrumentalist, der damals in der Gegend aufwuchs, wo es passierte.

Das Albumcover zeigt die kleinstädtische Gegend. Und die Instrumentierung dieses Soundtracks entspricht dem ländlichen Handlungsort: Akustikgitarre, Klavier, Geige - was eben so "Country" erwarten lassen würde. Doch die Musik selbst ist die Kehrseite: sie bebildert die Bedrohung, die Trauer, den Schmerz, die Wut, und das ebenso authentisch wie unaufdringlich.

Ich kenne den Dokumentarfilm nicht, aber beim Hören läuft ein eigenes, düsteres, unterschwellig bedrohliches Kopfkino ab, das perfekt Stimmungen widergibt, ohne Antworten zu geben. Die Musik ist auf dunkle Weise schön, rein instrumental mit Ausnahme des abschließenden "Old Time", in dem Broderick in bester Songwriter-Manier versucht, der schrecklichen Geschichte von damals eine Stimme zu geben.

Dieses Album ist ein Muss für Musikfreunde, die sich gerne ergreifen lassen, die gerne Soundtracks hören und Musik (auch und gerade instrumentale) als Gesamtes begreifen, ohne stilistisch oder geschmacklich festgelegt zu sein.


Storm Corrosion
Storm Corrosion
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 18,29

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aggressiv gehemmt!, 6. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Storm Corrosion (Audio CD)
Natürlich hat der OPETH- und PORCUPINE-TREE-Kenner hier etwas anderes erwartet als breite Flächen aus Streichern, Flöten und Keyboards, gezupfte Akustikgitarren, perlende Pianoflöckchen, mehrstimmigen Harmoniegesang. Doch die hier dargebotene Langsamkeit trügt, und die Ruhe ist nur oberflächlich - beides ist so gediegen wie das Lächeln eines Hannibal Lector. Denn unter dem Deckel brodelt es gewaltig,

Dass der Vulkan nicht ausbricht, immer wieder gedeckelt wird, reibt an den Nerven, da die Spannung zwar anzieht, aber nicht raus darf. Neben verträumter Melodieseligkeit sind da immer wieder Disharmonien, die Ungutes ahnen lassen. Im Titelstück bröckelt ab Minute 5:50 die schöne Fassade und die Hölle schimmert plötzlich hindurch, bevor die enervierenden Töne aus dem Abgrund heruntergerissen werden wie schwarze Tapetenbahnen und das Ohr wieder frei ist für ein melancholisches Folkpicking und Flötenklänge.

"Hag" zieht langsam wie ein drohendes Gewitter auf, das von völlig deplaziertem Gelächter unterbrochen wird, sich wieder in irrlichternden Sphären verliert - da beißen schon wieder die Dämonen - Drone-Gitarre und ein Schlagzeuggewitter, erneut Gelächter - schon ist der Deckel wieder drauf.

Auf den Titeln 1 bis 5 lauert irgendwo eine ungreifbare Gefahr. Schlusstitel "Ljudet Innan" hingegen zählt zu den schönsten Stücken Musik, das ich seit langem gehört habe: die vertonte Nacht und Einsamkeit. Akerfeldt und Wilson mit viel Soul in der Stimme, leicht jazzig das Ganze, verträumt, verloren, wunderschön - es rührt zu Tränen!

STORM CORROSION passt in keine Schublade. Es ist am ehesten ein Mittelding aus Artrock und Kammermusik - allerdings sind halbminütige Soundschnipsel nicht hilfreich beim Versuch, die Musikrichtung zu bestimmen - geschweige denn zu erfassen, was im Kopf und Herz passieren kann, wenn man sich diesem Sound hingibt. Krach kann jeder. Aber in fließender Langsamkeit solche Akzente zu setzen, das ist schon Kunst.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 13, 2012 9:12 PM MEST


Here Come the Bombs
Here Come the Bombs
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 9,82

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SUPERGRASS-Ersatzdroge, 2. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Here Come the Bombs (Audio CD)
Wer kennt sie noch: SUPERGRASS? 1995 ein Hit mit "Alright" - mitten in der Britpop-Hochkonjunktur. Danach bis 2008 fünf weitere sehr gute, Spaß machende Alben zwischen 70er-Jahre-Rock, Punk, Pop und Indie. 2010 dann leider die Auflösung der gut gelaunten Band. Schade - auch wenn die erfrischenden Briten zuletzt eher ein Nischendasein fristeten.

GAZ COOMBES ist Gründungsmitglied der SUPERGRASS, Sänger und Gitarrist. Er präsentiert mit "Here Come The Bombs" sein erstes Solo-Album, auf das die Welt vielleicht nicht gerade gewartet hat, das sich aber wenig um solche Erwartungshaltungen schert. Und das macht seine überraschende Stärke aus. Und es ist ein überzeugender Ersatz für Fans wie mich, die einfach nicht von der SUPERGRASS-Droge loskommen.

Will sagen: dieses Solo-Album ist 80 % SUPERGRASS, genau so erfrischend, genau so eingängig und doch leicht angeschrägt, kurzweilig, sympathisch und erstaunlich nachhaltig. Natürlich liegt der Wiedererkennungswert in Coombes' charakteristischer Stimme. Und vor allem in Songs wie "Hot Fruit", "Whore" und vor allem "Simulator". Dennoch ist etwas anders: denn Coombes nimmt die verzerrten E-Gitarren zurück und legt mehr Schwerpunkte auf elektronische Akzente, vor allem in der zweiten Albumhälfte. Und die 70er-/80er-Keyboards stehen den Songs ausgezeichnet. Eingerahmt wird die bunte, fluffige Reise von einem spacigen Opener und einer wunderschönen Ballade am Schluss.

Also: wenn Sie sich hierher verirrt haben, eine kleine Schwäche haben für anglophilen Indie-Pop mit Retro-Einflüssen und vor allem mal Abwechslung vom ewigen Mainstream brauchen, dann erwartet Sie hier genau das Richtige: ein freundliches, fast sommerliches Album ohne Längen. Und für SUPERGRASS-Fans wie mich ist Coombes' audiophiles Bömbchen wieder ein Hoffnungsschimmer, dass - wenn es auch keine Reunion der Band geben sollte - zumindest das unvollendete siebte Album mit dem Arbeitstitel "Release The Drones" doch noch veröffentlicht werden wird.


Crystal Bowls Chakra Chants
Crystal Bowls Chakra Chants
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige Meditations-CD, 13. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Crystal Bowls Chakra Chants (MP3-Download)
CRYSTAL BOWLS CHAKRA CHANTS ist eine hervorragende Meditations-CD. Ich habe bislang nur wenige CD's dieser Art entdeckt, die fernab des üblichen Synthesizer-Geschleimes à la Dr. Stein oder sonstigen billigen Sauna-Hintergrundgedudels mit Walgefiepe ernstzunehmende Begleitmusik zum Meditieren oder einfach nur Entspannen bieten.

Musikalisch bietet Jonathan Goldman (amerikanischer, Grammy-nominierter Musiker und Klangheiler) mehrstimmigen instrumentalen Gesang als Hintergrund für die obertonreichen Schwingungen der Kristallklangschalen, die vom Duo William Jones und Paul Utz ("Crystal Tones") gestrichen bzw. sanft angeschlagen werden. Gesanglich bewegt sich Goldman dezent in Basslagen, die an tibetische Mönche erinnern, bis hin zu Obertongesang. Die Schwingungen des Gesanges und der Klangschalen greifen perfekt ineinander und erschaffen himmlisch-sphärische Atmosphäre, die ideal die Meditation stützen und die Seele zur Ruhe bringen.

Dem Aufbau des Albums liegt das Konzept der sieben Chakras zu Grunde, dementsprechend befinden sich sieben rund zehnminütige Stücke auf dem Album, für jedes Chakra eines, angefangen unten vom Basis-Chakra hoch bis zum Kronenchakra. Nähere Erläuterungen finden sich im 16seititgen Booklet, das zwar auf Englisch aber dennoch gut lesbar ist. Jedem Chakra / Musikstück liegt eine bestimmte Tonlage zu Grunde. Man kann also die CD zum Beispiel als Gesamtes den kompletten Energiekörper hinauf durchhören; dabei dient eine Klangschale, die zu Beginn jedes Stückes entsprechend seiner Nummer ein- bis siebenmal angeschlagen wird, als Orientierungshilfe während der Meditation. Die fließenden Stücke ähneln einander sehr und heben jedes Zeit- und Raumgefühl auf.

Laut Goldman ist die CD geeignet für den Selbstheilungsprozess und die Arbeit am eigenen Energiekörper, basierend auf der Chakra-Lehre. Sie eigne sich aber auch generell als Meditationshilfe oder nur zum Hörgenuss und Entspannen. Sehr gelungen - eine absolute Kaufempfehlung!


Throw It to the Universe
Throw It to the Universe
Preis: EUR 19,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Abgesang, 12. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Throw It to the Universe (Audio CD)
THE SOUNDTRACK OF OUR LIVES nehmen Ihren Abschied von der Bühne. Dieses Album ist ihr Vermächtnis - mancher mag sich da eine Träne wegdrücken, weil die Schweden 16 Jahre lang überschäumenden Retro-Rock zelebriert haben. Mir fällt nach diesem blutleeren Abgesang der Abschied erstaunlich leicht.

Ach, würden die sechs gut gelaunten Freunde doch noch einmal ihre Stärken ausspielen, ihre unerschöpfliche Energie, die kreative Vielfalt, die gelungenen Zitate alter Rockgrößen der 60er und 70er Jahre ...! Aber mit einer derart lustlosen Ansammlung von Halbballaden war echt nicht zu rechnen! Repräsentativ ist da der dämlich-simple Schlusssong "Shine On", der nervig billige Kehrreim von "What's Your Story?" oder "Busy Land", das als mit Abstand nervigster Song in die Bandhistorie eingehen wird.

Tragen wir sie also zu Grabe, die ehemals spritzige Band, die auf "Throw It To The Universe" erstmalig und endgültig nicht mehr die Filmmusik zu meinem Leben spielt, und gravieren wir in ihren Grabstein klagend-fragend den Titel ihres vierten Songs auf diesem schlappen Werk: "Where's The Rock?" Ich weiß, wo der Rock geblieben ist: hört das Vorgänger-Album "COMMUNION" an und danach alle Alben davor.

"Shine On"? Nö. Licht aus. Und Tschüß!


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