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Rezensionen verfasst von
Chefmaus 68

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Incorruptible
Incorruptible
Preis: EUR 18,38

2.0 von 5 Sternen Abgesang in mieser Produktion, 28. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Incorruptible (Audio CD)
BRIDE sind vorbei. Die Metaller sind vermutlich eher in der christlichen Szene bekannt. Dort lernte ich sie 1987 kennen und habe sie mir in den knapp 30 Jahren (!) nicht übergehört. 1990 verlor ich sie zwar aus den Augen, bis dahin machten sie recht schrillen Hair-Metal, Ende der 90er arbeitete ich ihre weitere Biografie jedoch nach und stellte fest, dass sie ihren Sound immer wieder wandelten von knackigem Hardrock über halbakustischen Alternative, dann Grunge, erneut Hardrock, Nu-Metal und in den letzten 10 Jahren schließlich rifforientierten Schwermetall.

Die Alben THIS IS IT (2003), SKIN FOR SKIN (2006) und TSAR BOMBA (2009) betrachte ich als ihre Besten – sowohl vom Songmaterial, der Härte und ihrer Produktion. Als der Gitarrist Steve Osborne 2011 Selbstmord beging, dachte ich, die Band wäre am Ende. Erst jetzt habe ich festgestellt, dass sie 2013 mit INCORRUPTIBLE noch ein (definitiv letztes) Album veröffentlichten, das ich mir selbstverständlich blind und ungehört bestellte. Und das mich ziemlich ratlos zurücklässt.

Zunächst: die Produktion ist so mies, dass ich glaubte, versehentlich eine Demoaufnahme erhalten zu haben: schedderiger Garagensound, dumpfe Gitarren, die hinter (!) Gesang und Schlagzeug gemischt wurden und eher rummatschen als den gewohnten Druck entwickeln. Aber selbst nachdem ich als Fan mich auf den rostigen Schrottplatzsound einließ und bereit war, ihm einen gewissen Charme abzugewinnen, packte es mich nicht.

Dale Thompsons Gesang wirkt bemüht, seine Shouts irgendwie reingezwungen, die Stimme nicht mehr so wunderbar exaltiert. Wenn es zweistimmig wird, klingt es oft windschief (vor allem, wenn man vor so leierigen Gitarren singt wie im Refrain von WE LIE oder WHERE YOU WANT TO GO; und: nein, es wird nicht besser dadurch, wenn man zwei jaulige Gospelsängerin dazu nimmt wie in I CAN’T IMAGINE oder MELTING). Da frage ich mich: hat das beim Mix keiner gehört? Oder das schiefe Cello in MELTING?

Und auch das Songmaterial ist merkwürdig. Überlange Songs können zwar interessant sein, aber das macht sie nicht automatisch progressiv, und leider wirken auch die beiden Siebenminüter FREE und RELIGION teilweise gepatchworkt mit Teilen, die nicht so recht zusammenpassen und auch nicht die nötige Dynamik oder Dramatik entwickeln. Da ist nicht nicht ein Song durchgängig gut, obwohl es viele schöne Gitarrensoli gibt, aber jedesmal grätscht ein Missklang, eine versäumte Chance, ein verschlepptes Tempo dazwischen. Was soll zum Beispiel das alberne Gestöhne am Anfang von SLEEP ON? Oder die Instrumentalminiaturen mit klassischem Piano oder Ukulele, die schon den Ablauf beim Vorgängeralbum gestört haben? Oder die fünfminütige Melange aus dauernervendem Gitarrenlick, schlagerhaftem Refrain und blutleerem Vortrag bei SOMETHING I NEED TO KNOW?

Zusammenfassend: ein Album, das man sich kaum in eins durchhören kann, das zwar seine starken Momente hat, es aber auf keinen einzigen Song bringt, der das Niveau der letzten Jahre erreicht. Da ist es leider schon bezeichnend, dass der einzige Track, der ins Herz trifft, berührt und einen warmen, organischen Klang hat, der Schlusstrack ist: eine dreiminütige Ballade auf Akustikgitarre, die klingt wie das endgültige Resumé nach 30 Jahren Bandschaffen. Das ist auf INCORRUPTIBLE der beste Song: eine Akustikballade. Bei einer Metal-Band! - Da fällt der endgültige Abschied noch schwerer als sowieso.

Besser hätten sie nach TSAR BOMBA Schluss gemacht. Vielleicht hat der Tod von Osborne der Band auch einen Knacks gegeben - leider wird Osborne nicht in den Credits des ärmlichen "Booklets" erwähnt, ich weiß also nicht, ob es einen Zusammehang mit dieser ausufernden, überambitionieren aber blutleeren Produktion gibt. Aber ein Querhören durch die gesamte Werkschau macht deutlich, dass INCORRUPTIBLE das merkwürdigste und schwächste Werk neben ODDITIES darstellt.


Alles inklusive
Alles inklusive
DVD ~ Hannelore Elsner
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starke Tragikomödie, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Alles inklusive (DVD)
ALLES INKLUSIVE ist ein schwer einzuordnender Film von Doris Dörrie. Die grobe Handlung ist hier der Kurzbeschreibung zu entnehmen, gibt jedoch nur den Rahmen wider. Auch der Trailer ist nur bedingt hilfreich, denn der Zusammenschnitt suggeriert eine schrille Mallorca-Komödie.

Doch wer sich ein bisschen in der Filmografie Doris Dörries auskennt, sollte auch hier mit einem eigenen, wenn auch schrägen Filmkosmos rechnen. Und ob es sich nun um die neurotische Apple handelt, die ohne Selbstvertrauen durchs Leben stolpert und eine hüftlahme Bulldogge als Therapeuten hat, oder um ihre schräge Mutter, die nicht kapiert, dass ihr Flower-Power-Lebenskonzept von damals nicht mehr passt, oder Helmut, hinter dessen gut gelaunter Proll-Fassade vielleicht nur Sehnsucht steckt, oder Tim, den Transvestiten, der so tragikomisch durch die Touristenhochburg stolpert - Doris Dörrie stellt keine ihrer Figuren bloß, sondern geht liebevoll mit ihnen um. Und wie im richtigen Leben (das sicherlich noch schrägere Geschichten schreibt als dieser Film), liegen Humor und Tragödie dicht beieinander.

Insofern kann ich die Rezensenten hier nicht verstehen, die meinen, der Film sei mit zu vielen Themen überladen. Hier streifen sich einfach mehrere Leben, die miteinander verstrickt sind, und Transvestitentum, Bulldogge und Bootsflüchtling sind nur Randerscheinungen in einer Handlung, die sich um etwas viel Größeres dreht: nämlich dass zum Leben immer die Gegensätze gehören, sprich: ALLES INKLUSIVE IST: Lachen und Weinen, Glück und Unglück, Sehnsucht und Befriedigung, Schuld und Vergebung.

Und wem das nicht reicht: allein die Bulldogge Dr. Freud ist schon das Ansehen wert.

Darüber hinaus wartet die BluRay mit großartigem Bild auf (Ton kann ich mangels entsprechendem Equipment nicht beurteilen) und ausführlichen Interviews. Ein sehr schöner, warmherziger Film mit einer tollen Darstellerriege (unbedingt jedem Fan von Hinnerk Schönemann und Axel Prahl zu empfehlen).


Star Trek
Star Trek
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 5,55

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles auf Anfang, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Star Trek (DVD)
Meine Sozialisation war die 60er-Jahre-Serie, die damals noch RAUMSCHIFF ENTERPRISE hieß. Mit den Kinofilmen konnte ich jedoch ebenso wenig anfangen wie mit den unzähligen Serien-Sequels, die danach folgten.

Für alle jedoch, die aus STAR-TREK keine Wissenschaft machen, die aber einen zeitgemäßen Reload sehen wollen, bietet diese Neuverfilmung jede Menge: eine Story, wie alles begann, die Flegeljahre von Kirk, Spock und Co., gewürzt mit einer ordentlichen Prise Selbstironie, dazu großartige Effekte, rasante Action und das hässlichste Schurken-Raumschiff, das ich je gesehen habe.

Bestes Popcorn-Kino, das dem STAR-TREK-Universum ordentlich den Mief rausbläst. - Alle weiteren philosophischen Streitigkeiten überlasse ich gerne den TREKKIES.


Matador
Matador
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Überdurchschnittliches Pop-Album, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Matador (Audio CD)
Gaz Coombes' MATADOR ist eine kleine Pop-Perle. Der kreative Kopf der Britpopper SUPERGRASS entfernt sich nach deren Auflösung und seinem fluffigen Solo-Debut HERE COME THE BOMBS noch weiter vom rockigen Sound der Band und macht diese fast vergessen. Einen Ticken melancholischer als vor zwei Jahren und mit noch mehr elektronischen Einflüssen, wird Gaz' Sound immer eigenständiger und lebt weiterhin von guten Melodien, die garniert werden mit wohl dosierten Akzenten.

Dabei bricht Gaz die Strukturen gerne mal auf, so wie beim geschmackvoll treibendenTHE ENGLISH RUSE, das mittendrin implodiert und sich kurzzeitig in psychedelischen Soundscapes verliert. Oder der Opener BUFFALO, der wechselt zwischen schleppendem Programming und pathetischem Refrain. Sehr schön auch die Halbballade SEVEN WALLS mit ihrem 60er Sound und dem dramatischen Chorus. Wobei die meisten Synthies nach 70ern und 80ern klingen, während OSCILLATE als kleiner RADIOHEAD-Schwippschwager ein gegenwärtigeres Soundgewand trägt. - Eine wunderschöne Ballade gefällig? THE GIRL WHO FELL TO EARTH wartet darauf, entdeckt zu werden. - Stadiontauglicher Refrain gesucht? SEVEN WALLS liefert wie gewünscht.

Zum fünften Stern reicht es leider nicht, weil dieses schöne, vielseitige Pop-Album nach dem 9. Song sehr abrupt in sich zusammenfällt; die beiden Miniaturen schließen weniger ab, als sie den Eindruck erwecken, dass die Aufnahmen mittendrin abgebrochen wurden. Und so bleibt immer ein unrunder Gesamteindruck zurück. Zwar schade, aber bis dahin ist es eine richtig feine Platte geworden. Viel Spaß beim Hören!


Faszination Weltraum
Faszination Weltraum
Preis: EUR 13,99

2.0 von 5 Sternen "Wie ich den Farin-Urlaub-Ähnlichkeitswettbewerb verlor", 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Faszination Weltraum (Audio CD)
Faszination Weltraum. Unendliche Weiten - zwischen Songtexten, die nicht von dieser Welt sind.

Ob es die subtile Gesellschaftskritik eines DYNAMIT ist, das einen frischen Hauch Anarchie in die aktuell brisante Architekturkrise bringt. Oder die brillante Doppelbödigkeit der Textzeilen: "Was nicht geht, geht nicht. Und was geht, geht. Was nicht dreht, dreht nicht. Und was dreht, dreht. Was nicht steht, steht nicht. Und was steht: haha!" Noch nie wurde Methaphysik so treffend erklärt wie hier! Was nicht verwundert, denn wir erfahren, das der Genius, der diese Zeilen dichtete, Tolstoi, Kafka, Faulkner, Bulgakow und Schiller gelesen hat.

Oder dies hier: "Lalala, lalala, lalala ' mehr hab' ich nicht in meinem Repertoire!" Dadaistischer hätten es die Philosophen von TRIO damals nicht ausdrücken können. Hier hat jemand jahrelang mühevoll an Texten gefeilt, die schließlich perfekt Tiefgang, Humor und Ironie mit Sprachwitz auf höchstem Niveau vereinen.

Entwaffnend neu und befreiend sind solch - fast schon spirituellen - Erkenntnisse wie: "Verlier nicht den Mut, alles wird gut! Finde dich gut, mach' dir selbst Mut.!" Und Mut - ja Mut hat der Künstler, noch nie gedichtete Zeilen wie: "Du liegst auf deinem Sofa und wälzt dich schlaflos umher!" oder "Fast Mitternacht, ich schlaf noch lang nicht ein!" hinauszustoßen in die Welt, die darauf gewartet hat, das endlich mal ein Song das ausdrückt, was noch nie zuvor einem Künstler gelungen ist. Da möchten wir auflachen wie Buddha, als er Erleuchtung erlangte, und rufen: "Der Sommer, der Sommer, er gehört uns, Baby! Der Sommer, der Sommer hört niemals auf!"

Okay. Schluss mit lustig. Denn lustig ist das nicht. Denn es ist nicht vergessen, wie genial Farin Urlaub seinerzeit textete und dazu immer die passenden Melodien und Riffs schrieb. Um so bitterer, dass man sich auf diesem Album mit solch uninspirierten Schülertexten begnügen muss und mit einer Hauptzahl Songs voller Nicht-Themen. Bitte, das kann man sich doch auch als Hardcore-FU-Fan nicht mehr ernsthaft schönreden, oder? Bei IMMER DABEI und HERZ? VERLOREN, da blitzt das Können ja nochmal durch, die Selbstironie, die Subtilität, die perfekte musikalische Umsetzung. Aber der Rest? Könnte als Schlager durchgehen, wenn keine E-Gitarren zu hören wären.

Was bleibt also? Lalala-Texte zu solider, aber unspektakulärer Rockmusik. Ab in die Farin-Sammlung damit (denn trotzdem kann man ihm einfach nie böse sein), dann PLANET PUNK auflegen, genießen und mit einer kleinen Träne im Knopfloch den Oberarzt höchstselbst zitieren: "Die alten Lieder bleiben schön, doch du kannst geh'n. Auf Wiederseh'n!"


The Endless River
The Endless River
Preis: EUR 12,99

8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Musikalische Selbstdemontage einer Rocklegende, 1. März 2015
Rezension bezieht sich auf: The Endless River (Audio CD)
Ich weiß, es braucht keine 10.000ste Rezension von THE ENDLESS RIVER. Ich habe das Album - natürlich - gekauft. Ich bin mit PINK FLOYD aufgewachsen, was meinen Musikgeschmack mehr prägte als alles andere, was damals auf den Plattentellern rotierte. In jedem Album, das die Band in den 70ern veröffentlichte, fühlte ich mich so wohl wie ein einem Zuhause, da kannte ich jeden Ton und jede Nuance auswendig, und ich habe auch jeden Ton und jede Nuance geliebt.

Dann kam THE ENDLESS RIVER.

Und ich wollte darüber schweigen.

Und dann veröffentlicht ein Engländer namens STEVEN WILSON sein viertes Album "Hand.Cannot.Erase", und JETZT, ja, jetzt brauche ich doch ein Ventil. Bei jenem Album habe ich mich immer wieder fragen müssen, ob PINK FLOYD heute so klingen würden, wenn sie nach THE WALL "überlebt" hätten. Und damit komme ich wieder auf THE ENDLESS RIVER zurück. Und ich werde fast wütend, weil es - natürlich - aus allen Poren PINK FLOYD atmet, und weil ich zwar dankbar bin für jeden Ton, der mich an die Großtaten meiner langjährigen Lieblingsband erinnert, mir aber andererseits dieser lieblose Remix typischer PINK-FLOYD-Versatzstücke inzwischen die Lust daran verdirbt, die Originale von damals zu hören, und das ärgert mich.

Ich finde es unaufrichtig von Mr. Gilmour (Dave, du warst mal mein Gitarrengott!), diese fluffige Resteverwertung als Konzept zu bezeichnen, und genauso fragwürdig finde ich die Behauptung, dem hochgeschätzten, leider verstorbenen Rick Wright damit Tribut zollen zu wollen. Ich wollte es schon 1987 und 1994 nicht wahrhaben (als PINK FLOYD sich an VW verkaufte): die Prog-Rock-Legende war schon lange nur noch eine riesige Gelddruckmaschine. Auch jetzt sitze ich vor dem Album und bemühe mich, irgendetwas Gutes, Schönes, Neues aus THE ENDLESS RIVER herauszuwringen, es muss doch da sein, es war doch früher da - und dann kommt ein Steven Wilson daher mit einer Musik (gleicher Stilrichtung), und es zieht einem (trotz anfänglicher Vorbehalte) derart die Füße weg und man begreift,wie Musik eigentlich funktioniert - und wie PINK FLOYD funktionieren müssten (und es nicht tun und auch nie mehr tun werden).

Ich finde nicht, dass es nur eine Geschmacksfrage ist; THE ENDLESS RIVER ist herausragend produzierter Mist und (sorry): eine musikalische Verarsche. Und die angemessenste Reaktion darauf wäre, das Album kompett zu ignorieren, aber das ist mir als leidenschaftlichem Fan leider, leider nicht möglich.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2015 10:45 PM CET


Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Preis: EUR 24,97

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie aus Skepsis Begeisterung wird: Rezension eines großartigen Rockalbums, 1. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"MEISTERWERK!" Wenn sowohl die internationale als auch die nationale Musikpresse so viel Vorschusslorbeeren für ein Album verteilen, bin ich inzwischen misstrauisch geworden. Selbst als Steven-Wilson-(Porcupine-Tree-)Fan. Was zum Beispiel zu einiger Enttäuschung über das Vorgängeralbum "The Raven Refused ..." bei mir führte, das vor zwei Jahren ebenfalls über den grünen Klee gelobt wurde. So bin ich mit ambivalenten Gefühlen und Erwartungen an dieses "Hand.Cannot.Erase" herangegangen.

Nach dem vierten Durchhören bestätige ich nun gerne, dass mich seit langem kein Album mehr so begeistert, ergriffen und berührt hat. Auch wenn ich finde, dass das erste Drittel vergleichsweise schleppend in Gang kommt, so zieht es mir ab "Home Invasion" immer noch die Füße weg, denn was ab diesem 6. Song geschieht, ist die reinste Ohrenweide. Natürlich ist da zuerst "Ancestral" zu nennen, die gewaltige Climax, auf die alle vorherigen Songs hinarbeiten, ein traurig-schönes, erst zartes, dann brachiales Monument, das in einem Atemzug mit Porcupine Tree's Epen "Arriving Somewhere But Not Here" und "Anesthetize" genannt werden darf. Und die abschließenden "Happy Returns" samt Reprise "Ascendant Here On...", die nach diesem Parforceritt einen Abschluss bilden, der mich fast sprachlos und mit feuchten Augen zurückließ.

Das soll nur ein Appetithäppchen sein, denn die Rezi würde zu lang, wenn ich zu jedem Song etwas schreiben müsste. Einige Songs müssen noch erarbeitet werden, aber die emotionale Wucht des Gesamtkonzepts (siehe Hintergrundgeschichte) und ihrer musikalischen Umsetzung bringt auch mich zum Schwelgen. Musik die berührt, Musik, die von einem herausragenden Rock-Ensemble getragen wird mit einer Dynamik, teilweise Komplexität, dann wieder schmeichelnden Eingängigkeit, die so viele Einflüsse zu einem geschlossenen Ganzen zusammenfügt: Prog, Art-Rock, Ambient, Folk, Pop, Metal - und dennoch wie aus einem Guss. SO muss ein Konzeptalbum sein! An der Umsetzung gibt es absolut keine Abstriche zu machen - alles andere ist einfach Geschmackssache!

Ein paar Schlussbemerkungen. Zunächst muss ich unbedingt recherchieren, wer dieser Guthrie Govan ist, der für alle relevanten Gitarrensoli auf dem Album verantwortlich zeichnet. Großartiger Instrumentalist! - Zweitens: beim Hören vieler stilistischer Querverweise musste ich immer wieder an PINK FLOYD denken (und an ihren kläglichen Abgesang letztes Jahr); würden PINK FLOYD heute solche Musik machen, wenn sie nicht kurz nach THE WALL (1979) schon musikalisch und kreativ gestorben wären? Andererseits: wen interessieren noch PINK FLOYD angesichts solcher Konzeptalben wie diesem? - Und drittens, und das ist wirklich ärgerlich: Welcher Vollpfosten kam auf die Idee, einen FSK-0-Flatschen direkt auf das Hardcover zu kleben? Das Mistding ist nicht rückstandslos zu entfernen, an dieser Stelle bleibt der Karton krumpelig. Unverständlich, wie stümperhaft manche Leute sind.

Ansonsten: JA, so muss Rockmusik sein: vielseitig, emotional, handwerklich meisterhaft umgesetzt, überraschend, berührend, vielschichtig, anspruchsvoll - und doch griffig (auch wenn es ein paar Durchläufe dafür brauchen mag).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 2, 2015 5:59 PM CET


Across the river
Across the river
DVD ~ Marco Marchese
Preis: EUR 9,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ärgerlich, 22. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Across the river (DVD)
Okay, man ist ja selbst Schuld, wenn man einen schlechten Film kauft. Zum Beispiel einen Trashfilm. Aber da weiß man wenigstens, was einen erwartet (bzw. was man nicht erwarten darf), und dann darf man sich hinterher auch nicht beschweren. Ärgerlich sind jedoch die Art von Filmen, die - wie ACROSS THE RIVER - großartig beginnen (und das zu halten scheinen, was der Trailer versprochen hat), aber dann im weiteren Verlauf zum Rohrkrepierer werden. Das kann durch Logiklöcher passieren oder ein bescheuertes Drehbuch oder schlechte Schauspielerleistungen.

ACROSS THE RIVER scheitert daran, dass die Dramaturgie, die zunächst subtil (Kameraführung im "Found-Footage-Stil") und dann durch ein gruseliges Setting (verlassenes Dorf) perfekt aufgebaut wird, dann ereignislos versandet. Die aufgebaute Spannung schlafft ab, als der Protagonist nur noch durch leere Häuser schleicht und nichts passiert. Es werden zwar immer wieder Spannungspitzen angetäuscht, die jedoch nicht eingelöst werden. Stattdessen ermüdet die sich ständig wiederholende Szenerie so sehr, dass - als dann zum Ende hin doch endlich etwas geschieht (zumindest so halbwegs), es einen nicht mehr aus dem Halbschlaft herausreißt.

Es ist nicht der Minimalismus, es ist nicht das passende Setting, es ist das schlappe Drehbuch, das diesen Film letztlich versaut, und es verärgert regelrecht, dass da nicht mehr draus gemacht wurde. Insofern muss ich leider von diesem Rohrkrepierer abraten.


Behind the Sun
Behind the Sun
Preis: EUR 16,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vollendung des Vorgängeralbums, 19. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Behind the Sun (Audio CD)
Vor nicht einmal einem Jahr veröffentlichten MOTORPSYCHO ihr letztes Album "Still Life With Eggplant". Der Nachfolger "Behind The Sun" enthält offensichtlich Aufnahmen aus denselben Aufnahmesessions mit Reine Fiske als zusätzlichem Gitarristen. Packt man die gesamten 14 Songs zusammen, hätte das ein perfektes Doppelalbum wie aus einem Guss ergeben. Was bei "Still Life With Eggplant" einen - für ein Album - eher zerrissenen Eindruck machte, fügt sich mit "Behind The Sun" nun wunderbar zusammen.

Für Neueinsteiger: stilistisch bewegen sich die Norweger zwischen 70er-Spacerock und Stoner-Rock. Das komplexe Schlagzeugspiel des aus dem Jazz-Bereich kommenden Kenneth Kapstad gibt den mal rifflastigen, mal sehr melodischen Songs jedoch noch eine besonders druckvolle Note.

(1) "Cloudwalker" und (2) "Ghost" machen einen ungewohnt relaxten Einstieg. Während "Cloudwalker" noch mit sommerlichem Groove dazu einlädt, das Verdeck vom Cabrio endlich zu öffnen, folgt mit "Ghost" eine tiefenentspannte Ballade, die sich eher bei SIGUR ROS ankuschelt als bei MOTORPSYCHO selbst.

Wer sich nun bereits Sorgen um die Band macht, kriegt bei den folgenden (3) "On A Plate", (4) "The Promise" und (5) "Kvaestor" das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht - sofern man auf sehr gepflegte Riffs steht. "On A Plate" ist bester Kiffer-Rock, "The Promise" zieht das Tempo noch mal an, während "Kvaestor" als reines Instrumental ab Minute 4 dem Schlagzeuger Gelegenheit für ein hochtouriges Solo gibt.

(6) "Hell Pt. 4 - 6" setzt "Hell Pt. 1 - 3" vom Vorgänger-Album fort und wird in (9) "Hell Pt. 7" seinen Abschluss finden. Pt. 4 wartet mit schöner Melodie zu gepickter Akustikgitarre vor schönem Bass-Groove auf, ehe der Song in Pt. 5 in die Bewusstlosigkeit zu sinken droht, aus der er aber in Pt. 6 mit hypnotischem Dauerriff wieder geweckt wird. Zu Pt. 7 komme ich gleich. (7) "Entropy" ist ein weiterer Höhepunkt, eine schöne Midtempo-Ballade mit dem melodischsten E-Gitarrensolo auf diesem Album, ehe mit (8) "The Magic & The Wonder" noch einmal ordentlich abgerockt wird.

(9) "Hell Pt. 7" ist ein Biest. Der Schlusssong greift das Riff aus Pt. 2 (Vorgängeralbum) auf, aber derart wahnwitzig potenziert, als würden zehn E-Gitarren gegen zehn Schlagzeuge kämpfen und statt einer Bassbegleitung eine Büffelherde durchs Wohnzimmer rasen. Da fliegen die Späne, das man nur noch staunen kann, als würde MOTORPSYCHO den eigenen Stil so ins Absurde übersteigern, dass sie sich selbst damit aufs Korn nehmen. Das ist ebenso gewaltig wie amüsant.

So weit, so klasse! "Behind The Sun" ist besser als "Still Life With Eggplant", beide Alben zusammen ergeben aber Sinn. Man mixe sich alle sieben Teile von "Hell" direkt hintereinander und kann neben dem spacigen "Ratcatcher" und dem psychedelischen "Kvaestor" sehr ausgewogene und nicht unnötig ausufernde Rocksongs zwischen Melodie und ein bisschen Rockwahnsinn genießen. Beide Alben gehören unbedingt in die Sammlung, und auch für Neueinsteiger ist "Behind The Sun" absolut geeignet.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 22, 2014 12:34 AM CET


The Jim Jones Revue
The Jim Jones Revue
Preis: EUR 13,63

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boogie-Woogie meets Punk, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Jim Jones Revue (Audio CD)
Das auf dem Cover abgebildete Klavier hat gelitten, wie man sieht - und wie man auf dem Debüt-Album der JIM JONES REVUE auch hört: absolut psychotischer, überdrehter Boogie-Woogie und Rock'n'Roll, wie Jerry Lee Lewis auf Ecstasy und mit einem brennenden Chinaböller in der Hose. Eigentlich ist die Aufnahme total übersteuert und dürfte bei jedem Hi-Fi-Fetischisten zu Ausschlag führen. Aber wisst ihr was? Mir gefällt gerade das! Dieses völlig hyperaktive Geschrei, dieser ungehobelte Sound, der permanente Tritt aufs Gaspedal - das macht so unglaublich viel Spaß und ist extrem kurzweilig.

Die Band nahm die 10 Songs innerhalb von zwei Tagen im Probenraum auf. Es folgten ein Plattenvertrag und zwei weitere Alben, die selbstverständlich besser produziert sind und auch noch ordentlich Dampf machen, die allerdings auch viel glatter klingen und nicht mehr diesen hingerotzten Charme des Debüts haben. Anspieltipps: "Rock'n'Roll Psychosis", "Hey Hey Hey Hey" und "Fish 2 Fry".


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