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coastliner

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Trust
Trust
Preis: EUR 18,43

4.0 von 5 Sternen Bekloppt geproggt, 22. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Trust (Audio CD)
Man kann aufatmen. 30 Jahre im Geschäft, doch die Kanadier haben sich immer noch nicht bekloppt geproggt. Sofort beim geilen Opener "That's as far as I'll go" wird klar: Es ist alles im Lot bei Saga. Das geht in die Beine und verbreitet im Handumdrehen gute Laune! Der kurze Durchhänger in der Bandgeschichte in den 90ern ist längst vorbei und vergessen. Jetzt regieren wieder traditionelle melodische Prog-Rocker mit all' den Unisono-Läufen und Grooves, welche schon die klassischen Saga-Platten geformt haben.

Insgesamt fährt "Trust" die Schiene der ersten vier Alben und erinnert oft an "Images at Twilight", während "Time to Play" die funkige Coolness von "Steel Umbrellas" wieder aufleben läßt und das poppige "Ice in the Rain" problemlos auf "Behaviour" stehen könnte. Nach den letzten, etwas gitarrenlastigen Alben stehen die Keyboards wieder mehr im Vordergrund, bekommen sogar Solo-Spots. Das bedeutet allerdings auch: Die Songs klingen etwas breitwandiger, cinematischer und weniger schmissig als vieles auf "House of Cards", "Marathon" und "Network".

Seit ihrer Rückbesinnung auf alte Tugenden mit dem Album "Full Circle" (1999) schaffen Saga immer wieder Tracks mit Klassiker-Potential ("Uncle Albert's Eyes", "Don't say Goodbye", "Always There", "Ashes to Ashes", "We'll Meet again", "House of Cards", "How are You?", "Breathing Lessons", "You Know I Know", "Worlds Apart", "Don't Make a Sound"). Das ist auch diesmal nicht anders. "That's as far as I'll go", "It's your Life" und das phantastische, keyboardlastige "Back to the Shadows", das voll und ganz zu den Artrock-Roots zurückkehrt, reihen sich nahtlos in diese Liste ein. Ansonsten präsentiert sich "Trust" als toll arrangierte Scheibe auf durchgehend hohem Niveau, die allerdings mehrere Durchgänge braucht, um zu zünden, und im letzten Drittel etwas unspektakulär ausklingt. Dort fehlt vielleicht der eine oder andere Ohrwurm. Trotzdem 4 Sterne, denn was Saga hier abliefern, hat wieder mal Klasse.

Anspieltips: That's as far as I'll go, Back to the Shadows, It's your life


Vespertine
Vespertine
Preis: EUR 6,49

33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schneemensch, 11. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Vespertine (Audio CD)
Ich hatte erwartet, daß "Vespertine" gut wird. Ich hatte nicht erwartet, daß alle zwölf Tracks einem das Gänsefell über die Ohren ziehen. Kurz nach der Veröffentlichung anno 2001, saß ich vor den Boxen und konnt's nicht fassen. Offener Mund und alles.
Das dunkle "Hidden Place", erste Single und Kate Bush-kompatibel, eröffnet Björks einstündigen Selbstbergungsversuch aus ihrer Gletscherspalte. Ein unheimliches Stück, das klarstellt, daß man's mit einer klirrend kalten Platte zu tun hat, auch wenn die Meisterin einen vom Gegenteil überzeugen will, wenn sie auf dem Cover nur mit einem Schwan bekleidet in der Sonne döst. "Vespertine" bricht traditionelle Songstrukturen auf, verliert aber nie den Faden, ist vielschichtig, aber homogen, birgt die merkwürdigsten Geräusche, die man nicht für möglich gehalten hat, klingt vertraut und doch völlig strange. Man kriegt ihn nicht zu fassen, diesen Eisblock. Einmal gehört, möchte man sie jedenfalls nicht mehr missen, die Intimität der puren Stimme in "Cocoon", den einschmeichelnden Pop von "It's not up to You", die Chöre in "Undo", die Schreie in "Pagan Poetry", die Folk-Melodien in "Aurora", den blanken Horror von "An Echo, A Stain", die groovende Direktheit des dissonanten "Heirloom" und die katharsische Positivität von "Unison", wenn alle Björks (ja, mehrere!), die uns im Laufe der Platte begegnet sind, für den letzten Chorus zu Hilfe kommen, um in einer einzigen Gestalt aufzugehen und metaphysisch zu entschweben.
Die Grande Dame des Naiven zeigt sich hier so zerbrechlich wie nie, benutzt die Musik aber nicht als teenageröse Selbst-Therapie. Sie hat vielmehr ihre Zaubersprüche gelernt und kennt die Knöpfe, die sie drücken muß, um den Hörer aus der Bahn zu werfen. Eine Künstlerin also, die keineswegs mit ihrer Kunst zu verwechseln ist, sondern stark und unberührbar drübersteht.
Auch die Vorgängermusiken "Debut", "Post", "Homogenic" und "Selma Songs" waren groß, doch "Vespertine" ist der Höhepunkt. Diese Höhle im Eis beweist endgültig, daß die Isländerin völlig abgepfiffen ist und nicht nur so tut. Eine große Herausforderung für die Durchschnittshörer, die damals reihenweise an der Genialität von Frau Bushs "The Dreaming" scheiterten, ganz weit draußen und doch gerade noch Pop. Vorläufig Björks Magnum Opus und eine der besten Platten des neuen Jahrtausends. Danach kamen noch die extrem schwierigen "Medulla" und "Drawing Restraint 9" - doch das ist eine gaaanz andere Geschichte. :-)
Anspieltips: Hidden Place, It's Not Up To You, Pagan Poetry
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 15, 2010 2:18 PM MEST


Operation: Mindcrime 2
Operation: Mindcrime 2
Wird angeboten von RAREWAVES-DE
Preis: EUR 6,08

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, 8. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Operation: Mindcrime 2 (Audio CD)
Na also, es geht doch noch. "Mindcrime II" ist beileibe kein zweites "Mindcrime", doch immerhin das interessanteste und beste Queensryche-Album seit "Empire" und gehört damit genau ins qualitative Mittelfeld. Klangen die letzten vier Studioalben (ja, auch "Promised Land") etwas unlustig und verbraucht, so gibt die Fortsetzung von "Operation: Mindcrime" dem Hörer mal wieder ordentlich auf die Zwölf.

Die Scheibe gibt sich betont sperrig, nervös, unausgeglichen und braucht mehrere Durchläufe, um sich im Gehörgang einzunisten. Stilistisch durchläuft sie die ganze Karriere der Prog-Metal-Band aus Seattle. Auf Passagen, die entfernt an gewöhnungsbedürftige, vom Alternative Rock beeinflußte Alben wie "Hear in the Now Frontier" und "Q2K" erinnern, folgen immer wieder nostalgische 80er-Metal-Elemente, die sogar hier und da "Mindcrime I" zitieren, um der fortlaufenden Konzept-Story um Nikki (Geoff Tate), Sister Mary (Pamela Moore) und Dr. X (Ronnie James Dio) auch musikalisch Kontinuität zu verleihen. Damit sitzt "Mindcrime II" zwischen den Stühlen; manch einer wird hier ein mutiges Experiment entdecken, manch anderer keinen Zugang finden.

Unter den teilweise rüpelhaft losrockenden, teilweise atmosphärischen und rockoper-artigen Tracks findet sich kein einziger Knaller mit Klassikerpotential. Die meisten sind jedoch grundsolide, fließen gut ineinander und unterstützen einander gegenseitig. Ausfälle sind wirklich kaum zu verzeichnen, ganz gleich, ob man harte Rock-Nummern wie "I'm American", "One Foot in Hell", "Hostage", "The Hands", "Re-arrange You", "Fear City Slide", das manisch vertrackte "Murderer?" oder klaustrophobische Leisetreter wie "Circles", "If I could change it all", "An Intentional Confrontation" und "All the Promises", die die zweite Hälfte prägen und auf Geoff Tates unterkühlte, elektronisch unterfütterte Solo-Scheibe passen würden, anspielt.

Die größten Schwachpunkte sind vielleicht die rauhe, mittenlastige Produktion, die keinerlei "Räumlichkeit" aufkommen läßt, die Abwesenheit hymnischer Ohrwürmer und die dramaturgische Antiklimax: Man wartet auf ein bombastisches Finale, doch es kommt nicht. Daher kann ich "O:M II" auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Fans sollten unbedingt ein Ohr riskieren, jedoch keinen Meilenstein erwarten. "The Warning", "Rage for Order" und "O:M I" spielen nach wie vor in einer ganz anderen Liga.

3.5 Sterne.

Anspieltips: "Hostage", "The Hands", "If I could change it all".


On An Island
On An Island
Preis: EUR 11,99

39 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der alte Mann und das Meer, 12. März 2006
Rezension bezieht sich auf: On An Island (Audio CD)
Was sind wunderbare kleine Platten? Wunderbare kleine Platten sind diese unverhofften Fundstücke, denen man sich ohne Erwartungen nähert, diese scheinbar mühelos hingeschriebenen Randnotizen zum musikalischen Konkurrenzkampf, diese introspektiven und bescheidenen Songsammlungen, die nicht in neue Welten entführen, sondern den Blick nur auf ein übersehenes Fleckchen am Wegesrand lenken und den Hörer mit einem Lächeln für sich gewinnen. Gilmours "On an Island" ist so eine wunderbare kleine Platte.
Wer energischen Rock oder gar ein aufwühlendes Meisterwerk von "Animals"-Format erwartet, muß enttäuscht werden, denn die dritte Solo-Scheibe des neulich 60 gewordenen Gitarristen ist unverschämt verträumt und in sich ruhend. Dabei hat die Musik durchaus einiges mit Pink Floyd gemein, denn – man mag es kaum glauben – sie erstreckt sich weit in die Vergangenheit und führt zurück zu den stillen Momenten von "Meddle", "Obscured by Clouds" und "More". Es ist die Musik eines Ausnahmekünstlers, der mit allem im reinen ist, auf eine lange Karriere zurückblickt, viel zu erinnern hat und von dem Recht, sich zu erinnern, ausgiebig Gebrauch macht.

Wenn im instrumentalen Opener "Castellorizon" die Feuerwerkskörper hochgehen und den mit Spannung erwarteten Gitarreneinsatz ankündigen, stellt sich die erste Gänsehaut ein und bleibt für's erste. Der Mann hat nichts verlernt, bearbeitet den Gitarrenhals noch immer genauso gefühlsecht wie vor 20 oder 30 Jahren. Das Intro geht nahtlos über in das Titelstück mit Crosby und Nash, das eine ähnliche Schönheit ausstrahlt wie "On the Turning Away" oder eben das Material der frühen 70er, und man kann aufatmen, denn auch Gilmours samtene Stimme ist die gleiche wie damals. Mit dem getragenen "The Blue" geht es ebenso ätherisch weiter, denn es gleicht einem Nickerchen in einem Ruderboot zwischen Himmel und Meer und gleitet ausgeruht durch ein inspiriertes Solo.
Die dramaturgische Kurve wird nun verlegen steiler, denn nie ist die Scheibe näher am Rock als beim folgenden "Take a Breath", dessen stampfender Rhythmus zwar immer noch zu den Leisetretern gehört, aber dennoch an "Dogs of War" oder ähnliche Stücke erinnert. Das atmosphärische Instrumental "Red Sky at Night" mit Gilmour persönlich am Saxophon wäre auf "Wish you were Here" oder auch "A Momentary Lapse of Reason" nicht fehl am Platz, "This Heaven" ist ein entspannter Bar-Blues, und das anfangs collagenartige Instrumental "Then I close my Eyes" mit seinem kreisenden Arrangement führt den Hörer hinunter zum Strand. Und damit wird nun das letzte Drittel eingeleitet:
Abgesehen von der gilmour-typischen Slide Guitar könnte "Smile" auch von Paul McCartney sein, sogar stimmlich, bevor die verwunschene Piano-Suite "A Pocketful of Stones" so tut, als würden sich Floyd, Mick Hucknall und Kate Bush eine alte Yes-Platte reinziehen. Der melancholische Ausklang "Where we Start" beschwört "Obscured by Clouds" dann sehr eindringlich. Es ist der Song, den Steven Wilson von Porcupine Tree seit Jahren immer wieder zu schreiben versucht, mal mit mehr, mal mit weniger großartigem Erfolg. Hör' genau hin, Steven: Das ist es, oder? Und das ist der Meister, das ist Gilmour himself. Auch der Text läßt aufhorchen und endet mit einem wissenden "so much behind us, still far to go", das noch lange in der Seele nachhallt. Ja, verstanden, David, genau verstanden.
Manch einer wird zwar unter den Songs den ganz großen Überflieger vermissen, die Mehrzahl der Texte banal finden und diesem vermeintlichen Abschiedswerk Selbstzitat, Plätschertum und Kontrastarmut vorwerfen. Wer aber "Burning Bridges", "Mudmen", "A Pillow of Winds" oder auch "Signs of Life" mag, wird auch auf Gilmours Dämmerinsel Freunde finden.
Anspieltips: "On an Island", "A Pocketful of Stones", "Where we Start"
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 15, 2010 11:40 PM MEST


River Sessions
River Sessions
Wird angeboten von Hausmusik
Preis: EUR 19,54

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unerwartet schön, 10. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: River Sessions (Audio CD)
Auf den ersten Blick könnte man "The River Sessions" für eine weitere unsägliche "Best-Of"-Zusammenstellung halten und uninteressiert daran vorbeigehen. Das wäre ein schwerer Fehler, zumindest aus der Sicht des Fans, der nach allem hechelt, was Magnum in ihrer kreativen Hochphase auf die Beine gestellt haben, denn es handelt sich hierbei in Wahrheit um ein Konzert der "Storyteller"-Tour, das Radio Clyde anno 1985 im Glasgower Mayfair mitgeschnitten hat. Und was für eins!
Der Sound genügt leider nicht höchsten Ansprüchen, was man von angestaubtem Archivmaterial, das nur zur Radioausstrahlung, niemals aber zur Veröffentlichung auf einem Tonträger vorgesehen war, auch nicht erwarten kann. Aber: Die Produktion ist dennoch druckvoller als die des im gleichen Jahr veröffentlichten Klassikers "On a Storyteller's Night", und da hier bis auf "Steal your Heart" alle Songs des Meilensteins in sehr guten, leidenschaftlichen Versionen vertreten sind, ist "The River Sessions" nicht weniger als die bessere Wahl.
Die Songauswahl ist phantastisch. Neben den Ausflügen in die Nacht des Geschichtenerzählers, die im Live-Gewand alle deutlich konturierter und atmosphärischer erscheinen, stehen viele frühere Konzert-Essentials in bestechenden Versionen, z.B. "The Spirit", "Kingdom of Madness", "Sacred Hour" und das majestätische "Soldier of the Line", das die Studioversion auf "Chase the Dragon" ganz klar übertrifft. Einzig "The Lights burned out" kann nicht ganz mit dem Original mithalten.
Lange Rede, kurzer Sinn: Magnum-Fans sollten sich das nicht entgehen lassen! "The River Sessions" zeigt eine hungrige Melodic- und Pomp-Rock-Band in Sichtweite ihres Karrieregipfels, den sie mit den herrlichen Alben "Vigilante" und "Wings of Heaven" endlich erreichen sollte, und einen jungen Bob Catley, der wegen seiner stimmlichen Intensität damals zu den besten seines Fachs zu zählen war, und geht locker als eine der schönsten Magnum-Veröffentlichungen überhaupt durch. Ja, tatsächlich! Dringend empfohlen!


Black & White 050505
Black & White 050505
Preis: EUR 23,64

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut gemacht, 30. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Black & White 050505 (Audio CD)
Sehr schön. Simple Minds haben den Stadionrock, der sie berühmt gemacht hat, wiederentdeckt. Wild, furios und ein wenig episch geht's los mit "Stay Visible", einem der besten Tracks seit "Real Life". Auch wenn die Rhythmusgitarren gerne etwas heftiger donnern dürften, ist alles im Lot und ergreifend, fast dramatisch. Die erste Single "Home" lebt von einem flotten Drumbeat und Burchills exzellentem Gitarrenteppich, der den Geist von Rush in den 80ern, The Mission oder eben frühen Simple Minds wiederbelebt. Auch das folgende "Stranger" ist eingängig und geht gut nach vorne, könnte so oder ähnlich auch auf "Once upon a Time" oder U2s "The Unforgettable Fire" stehen. "Different World" knüpft nahtlos an den Vorgänger "Cry" an und besticht durch schöne Keyboardlinien. Mit "Underneath the Ice" und ein paar Zitaten aus "Street Fighting Years" und "Real Life" wird es dann etwas ruhiger, bevor Burchill mit tollen, rockigen Gitarrenriffs in "The Jeweller Part 2" den Lautstärkeregler wieder auf 10 stellt. "A Life Shot in Black and White" ist langsam und majestätisch, erinnert angenehmerweise an David Bowie und gehört unbedingt zu den absoluten Highlights. Könnte sich beim Konzert gut als Rausschmeißer eignen. "Kiss the Ground" ist ein cooler Groover mit guter Baß-Arbeit, in dem Kerrs Gesangslinien die Stimmung von "Good News from the Next World" recht genau treffen. Mit dem meditativen, orchestralen "Dolphins" klingt das Album dann auf hohem Niveau aus.
Alles in allem ist "Black and White 050505" eine starke Angelegenheit, die die nur gutklassigen Vorgängerscheiben überschattet. Bis auf ein, zwei Ausnahmen sind alle Kompositionen Volltreffer, interessant arrangiert und sehr versiert beim Vermischen von Rock und Elektronik. Kleiner Wermutstropfen: Jim Kerr singspricht mittlerweile oft wie Lou Reed. Da die Stimme unsicher die tieferen Regionen beackert, kommen die ganz großen Emotionen nur noch selten rüber. Wenn "Sparkle in the Rain" 5 Sterne verdient, dann sind für "Black and White 050505" trotz aller Lobeshymnen höchstens 4 Sterne drin. Daß die Platte kaum an die Klassiker heranreichen kann, war aber sowieso klar. Schwamm drüber! Ein rundum gutes, dynamisches Alterswerk, in dem der Glanz von früher manchmal aufleuchtet, nicht mehr und nicht weniger.
Anspieltips: Stay Visible, Home, Stranger


Awaken the Guardian (Re-Issue) (Doppel-CD + DVD)
Awaken the Guardian (Re-Issue) (Doppel-CD + DVD)
Preis: EUR 14,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... shores of Kildare, 10. Juli 2005
Hier ist es also endlich: "Awaken the Guardian", das beste Prog-Metal-Album überhaupt in frisch remasterter Form. Über die Musik noch große Worte zu verlieren, hieße, offene Eulen in Athen einzurennen. Fates Warning waren die Pioniere des Progressive Metal, verschmolzen Einflüsse von Black Sabbath, Rush und Iron Maiden zu harten, epischen und komplexen Sound-Landschaften voller lyrischer Ideen und erreichten auf dem dritten und letzten Werk mit Sänger John Arch die Formvollendung ihres Stils. Die wortspielerischen Texte waren philosophisch und eskapistisch zugleich, und Archs einzigartige Gesangsakrobatik mit ihren unzähligen orientalischen Schnörkeln war reine Zauberei. Viele haben seitdem versucht, diesen Gesang zu kopieren. Ohne Erfolg. Arch ist ein Meister der ungewöhnlichen Melodiebögen und gehört in die 'Hall of Fame' der besten Rock-Stimmen aller Zeiten.
Auf CD 1 findet man das gute Stück. Hat sich die Überarbeitung gelohnt? Auf jeden Fall - auch, wenn man keine Wunder erwarten sollte. Das Aufnahme-Budget war damals im Jahre 1986 nicht sehr groß und der Mix war etwas matschig. Diese grundlegenden Probleme kann der Remaster nicht aus der Welt schaffen, doch Brad Vance hat sich alle Mühe gegeben, das Beste aus der Scheibe rauszuholen. John Archs Vocals sind glasklar und die Gitarren etwas druckvoller, doch die größte Verbesserung ist beim Drum-Sound zu verzeichnen. Zwar ist die Snare noch immer nicht das Gelbe vom Ei, dafür haben aber die Toms und die Bass-Drum deutlich mehr Wums, während manche Becken- und Hihat-Schläge, die man 20 Jahre lang nicht wahrnehmen konnte, plötzlich an der Oberfläche auftauchen. Alle Akustik-Gitarren-Parts klingen außerdem so differenziert, als wären sie vor einer Woche aufgenommen worden, und der Gesamt-Sound ist transparenter und räumlicher und hat mehr Fleisch. Wie gesagt: Wunder sollte man nicht erwarten. Für eine dreiviertelstündige Gänsehaut hat es bei mir aber gereicht. Ganz klar: Dies ist die definitive Version dieses unsterblichen Klassikers.
CD 2 bietet drei Demo-Versionen und sechs Live-Tracks. Die Demos klingen naturgemäß etwas rumpelig, sind aber interessant, da Archs Phrasierungen und Texte hier stellenweise von den endgültigen Versionen abweichen. Die Live Tracks haben dann leider nur Bootleg-Qualität, aber auch hier sticht Arch hervor. Seine Power ist unglaublich. Aggressiver und schwitzender :-) als im Studio, aber technisch wie gewohnt auf höchstem Niveau kaut sich der Mann durch die Songs, als wollte er den Metal vorm Aussterben retten.
CD 3 ist in Wirklichkeit eine DVD und enthält einen Mitschnitt eines Konzerts in Long Island aus dem Jahre 1986. Bild und Ton kommen leider über Bootleg-Qualität nicht hinaus. Da es sich aber um die einzigen Video-Aufnahmen der Arch-Ära zu handeln scheint, läßt sich prima darüber hinwegsehen. Es ist ein historisches Dokument für alle, die die frühen Fates Warning und das Powerpaket John Arch noch nie in Aktion erlebt haben.
Alles in allem ein (auch farblich) prächtig aufgemachtes Paket, das der Prog-Metal-Fan einfach haben muß, wenn er sich für die Ursprünge seiner Musik interessiert. Wie schreibt Mike Portnoy (Dream Theater) in den beigefügten Linernotes so schön? "Awaken the Guardian" gehört in eine Reihe mit "Master of Puppets", "Operation: Mindcrime" und "Reign in Blood". Recht hat er. Zeit zum Niederknien, denn sowas kommt nicht wieder!
Anspieltips: The Sorceress, Guardian, Prelude to Ruin


Deadwing
Deadwing
Preis: EUR 9,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Follow me down ..., 30. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Deadwing (Audio CD)
Die britischen Stachelschweine um Steven Wilson treten nicht auf der Stelle, sie entwickeln sich weiter, das muß man ihnen zugute halten. Ist "Deadwing" ein Schritt zurück oder ein Schritt nach vorn? Sowohl als auch.
Unterstützt von Adrian Belew (King Crimson) und Mikael Akerfeldt (Opeth) zocken Porcupine Tree drauf los, als hätte es den Pop-Appeal, die zwingenden Melodien, die Ausgewogenheit, die mitreißenden Grooves, die Frische und die brillante Produktion von "In Absentia" nie gegeben. "Deadwing" ist eher eine Platte in Moll, die Fortführung der "Stupid Dream/Lightbulb Sun"-Phase, allerdings mit einer dicken Portion moderner Metal-Klänge. Alle Arrangements und Strukturen sind straffer, einfacher und geradliniger, alle Riffs härter, aber auch gebändigter als früher, denn die punkige Schlagseite von "This is no Rehearsal" und "The Creator has a Mastertape" oder düstere, an offene Jam Sessions erinnernde Parts sucht man hier vergeblich. "Deadwing" bemüht sich, immer in der Mitte zu bleiben, die Extreme nicht auszuloten, und wird die Fans wohl nicht so berühren wie einige der Vorgängeralben. Die Einflüsse von Pink Floyd und den Beach Boys scheinen immer mehr zu schwinden, Ohrwurm-Gesangsmelodien und atmosphärische Gitarrensoli hört man nur noch selten. Man könnte auch sagen, Porcupine Tree haben soeben ihren kreativen Zenith überschritten und beginnen ganz allmählich, den modernen, amerikanischen Alternative Rock zu entdecken.
Zu den Highlights zählen die schöne Ballade und erste Single "Lazarus", die auch von Steven Wilsons Projekt Blackfield oder von Coldplay stammen könnte und auf jede PT-Best Of gehört, das coole "Halo", das ein wenig an "Slave Called Shiver" erinnert und dessen Chorus so klingt, als würde Glenn Danzig ein Gospel-Stück covern, und das 12-minütige Epos "Arriving Somewhere But Not Here", das an frühe PT-Platten wie "Up The Downstair" und "The Sky Moves Sideways" erinnert, überraschenderweise flott nach vorne prescht, einige unverdünnte Metal-Passagen enthält und trotzdem sehr entspannt über dem Rest des Albums schwebt.
Und sonst? Das melodiearme Titelstück und der obligatorische schwebende Rausschmeißer "Glass Arm Shattering" geben sich unspektakulär, könnten die eine oder andere Verfeinerung vertragen. "Start of Something Beautiful" hat ein leicht floydianisches Solo und ist (auch vom Groove her) mit dem Klassiker "Don't Hate Me" vom brillanten "Stupid Dream"-Album verwandt, ohne allerdings dessen Atmosphäre eines apokalyptischen London auszustrahlen. "Mellotron Scratch" geht als merkwürdige Mischung aus der "Lightbulb Sun"-Phase, Queensryche-Balladen und Satzgesang à la Spock's Beard durch, "Open Car" verbindet King's X-Riffing mit modernen Queensryche, und die Riffgewitter von "Shallow" zitieren abermals moderne King's X, aber auch Tool und Kevin Moores mechanisch unterkühltes Projekt OSI, bei dem Wilson mitgewirkt hat. Diese Palette an Querverweisen liest sich konfuser als sie klingt, denn Wilson gelingt es, alle Einflüsse zu einem stimmigen Ganzen zusammenzukochen, um die dunklere Seite von Porcupine Tree für den Mainstream-Markt verdaulich zu machen.
"Deadwing" ist spröde, grau, schön - aber niemals unbeschreiblich schön. Aufregend - aber niemals aufregend genug. Gelungen - aber leider nicht fantastisch. Nah am letzten tollen Fates Warning Album "FWX" - aber nicht ganz so überzeugend. Superb sind allerdings die geschickt eingestreuten Piano-Passagen, die sich erst nach mehrmaligem Hören entdecken lassen und vielen Tracks eine besondere Note verleihen. Gute Platte? Ja, durchaus. Ein Klassiker? Glaub' ich nicht. Empfehlung? Klar!
Anspieltips: Lazarus, Halo, Arriving Somewhere But Not Here


Veil of Gossamer [Celtic]
Veil of Gossamer [Celtic]

5.0 von 5 Sternen Toll, 13. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Veil of Gossamer [Celtic] (Audio CD)
Der Komponist und Multi-Instrumentalist Dave Bainbridge, der durchaus in einem Atemzug mit Größen wie Allan Holdsworth und Steve Hackett genannt werden kann, ist normalerweise verantwortlich für die Gitarrenarbeit in der grandiosen Band Iona, die sich mit ihrer Mixtur aus Celtic Folk, Fusion und spirituellen Soundscapes auch in Prog-Rock-Kreisen einen Namen gemacht hat. Auf seinem Soloalbum beschreitet er nun in etwa die gleichen musikalischen Wege wie seine Stammband, was nicht weiter verwundert, da die anderen Mitglieder von Iona, Troy Donockley (Uilleann Pipes, Tin Whistle etc.), Frank van Essen (Drums, Violine etc.), Nick Beggs (Bass) und Joanne Hogg (Gesang), Bainbridge hier auf seiner Reise durch die Stile und Stimmungen begleiten.
Kurz: "Veil of Gossamer" ist ein Muß für Fans anspruchsvoller Rockmusik, die sich eine Mischung aus Clannad, Fusion und dem "Seasons End" Album von Marillion vorstellen können, und einfach eine der besten Platten des Jahres 2004.


Picture/Spec.ed.
Picture/Spec.ed.
Wird angeboten von HURRICANE RECORDS BERLIN
Preis: EUR 24,99

9 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mittelmaß, 7. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Picture/Spec.ed. (Audio CD)
Schade. Die Besetzungsliste dieser neuen "Supergroup" klingt weitaus interessanter als die Musik auf dem Erstling. Dabei handelt es sich im wesentlichen um aufgepeppten Neo-Prog mit harten Gitarren und Elementen aus Alternative und Pop, den man so oder ähnlich schon zu oft gehört hat.
John Beck (It Bites) steuert einen undurchdringlichen Keyboardkleister bei, um Pete Trewavas' (Marillion, Ex-Transatlantic) hochmelodisches Bass-Spiel und die angerauhte, bewegliche, aber ausdrucksschwache Stimme von John Mitchell (Arena, The Urbane) zu ertränken. Selbst Mitchells variable Gitarrenarbeit, die Einflüsse von Joe Satriani und diversen Alternative-Gitarristen aufweist, kann sich nicht gegen die hallenden Soundwände durchsetzen. Überhaupt gehört die Produktion, dieser undynamische Breitwandsound, zu den enttäuschendsten Aspekten von "Picture", und auch beim Songwriting hapert es an allen Ecken. Denn so wie viele schwülstige Neo-Prog-Bands würden auch Kino am liebsten alle Ideen in einem einzigen Song unterbringen, weshalb die Kompositionen meistens zusammengestückelt, irrelevant und kaum unterscheidbar klingen ("People" ist fast ein Aufguß des Openers).
Der Tiefpunkt ist erreicht, wenn John Beck das Mikro ergreift und "Swimming in Women" intoniert, eine Kreuzung aus Horrorstreifen-Soundtrack und der gekünstelten Theatralik von Shadowlands, einer der vielen Bands des Herrn Clive Nolan (Pendragon, Arena), der Pest des Neo-Prog.
Lediglich das Epos "Losers Day Parade" mit seinem wunderbar bombastischen Finale und das single-verdächtige "Leave A Light On", die eigenwillige Schnittmenge aus The Police, It Bites und Rush, lassen aufhorchen und deuten an, daß "Picture" viel besser hätte werden können, hätte man sich mehr Zeit fürs Songwriting und für die Sängersuche genommen. Außerdem besticht Chris Maitland (Ex-Porcupine Tree) durchweg mit Killer-Drumming. Doch das reicht natürlich nicht, um die Platte über das ärgerliche Mittelmaß hinauszuheben. Wer wissen will, wie man diese Stilrichtung gekonnt auslotet, der leiste sich "Across The Water" von Jadis oder irgendwas von Asia.
Zwei Sterne, nein, drei Sterne, denn die beigefügte DVD bietet noch einen halben Konzertmitschnitt aus der Rockpalast-Reihe und macht das Paket etwas sympathischer.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2008 2:46 PM CET


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