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Beiträge von Stoffi
Rang der Rezensentin/des Rezensenten: 473.348
Hilfreiche Bewertungen:
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Rezensionen verfasst von Stoffi
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Das Herz der Hölle
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von Jean-Christophe Grangé Broschiert |
| Preis: EUR 9,95 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Der Teufel in uns, 25. August 2009
Grangé dürfte dem ein oder anderen noch durch seinen bekanntesten verfilmten Roman 'Die purpurnen Flüsse' geläufig sein. 'Das Herz der Hölle' ist mit seinen 787 Seiten sein bislang sechster Roman, eindeutig in die Sparte Thriller einzuordnen.
Der Leser folgt der Handlung aus der Sicht Mathieu Dureys, einem streng katholischen Ermittler der Mordkommission von Paris, der das Motiv des vermeintlichen Selbstmordversuchs seines Kollegen und besten Freundes seit Jugendtagen Luc Soubeyras anzweifelt und auf eigene Faust zu ermitteln beginnt. Seine Frage nach dem Warum für die rätselhafte, aber gescheiterte Tat kann von Luc, der im Koma liegt, nicht beantwortet werden. Durey beginnt Lucs jüngste Fälle nachzuvollziehen, weil er darin einen Beweggrund für den Suizidversuch vermutet. Seine Ermittlungen führen ihn bald auf die Spur einer ungewöhnlichen und grausamen Mordserie, deren putative Täter allesamt Nahtoderfahrungen durchlebt haben. Als ihm Anhänger einer satanistischen Sekte auf den Fersen sind und sein Leben bedrohen, gerät Durey automatisch in den äußersten Kreis der Hölle, und droht immer tiefer darin zu versinken...
Grangés Roman besticht durch einen immensen, breit gefächerten Wortschatz und stilistische Reife. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass er weiß, was er tut, und sattelfest im Metier des Schreibens ist. Streckenweise droht sein minutiöser, von teils als Sätze getarnten Stichworten durchzogener Stil auszuufern und ein wenig langatmig zu sein, besonders die geografische Vielfalt seiner Schauplätze und die Üppigkeit an fremden Namen ist des Öfteren verwirrend. Scheinbar wahllos streut er Hinweise und falsche Fährten aus, denen man zwangsläufig aus Dureys Sicht folgen muss, wenngleich ich relativ selten absolut überraschende 'Aha-Momente' beim Lesen hatte.
Wenn Grangé etwas versteht, dann ist es Charakterisierung. Fast 90% seines Ensembles besteht aus zwielichtigen Gestalten, aus komplexen Personen mit traumatischer Vergangenheit, die trotz der teils erdrückenden Fülle biografischer Details lebendig und glaubwürdig wirken. Er inszeniert sie mit filmischer Präzision, haucht ihnen Leben ein. Natürlich kommt er um stereotype Ansätze seiner Hauptfigur nicht herum, der leidgeprüfte Bulle, der nur für seinen Job lebt und diesen nahezu manisch betreibt. Dennoch ist der Umstand, dass Durey ursprünglich Priester werden wollte, ein interessantes Novum, ebenso das Motiv für diesen Sinneswandel: das Böse, das Teuflische nicht nur in der geistlichen Welt eigenhändig bekämpfen.
Demnach zieht sich ein permanenter religiöser Subtext durch die Handlung, der gewöhnungsbedürftig für atheistische Weltanschauungen sein dürfte und für meinen Geschmack stellenweise zu sehr ins Mystische abrutscht. Trotz seiner christlichen Überzeugung versucht Durey den Fall mithilfe seiner Ratio zu lösen, lässt sich aber gern das ein ums andere Mal ein wenig zu tief in das Übersinnliche hineinziehen.
Alles läuft grundlegend auf die monumentale Schlacht von Gut gegen Böse, Gott gegen Teufel hinaus, die Auflösung ist bizarr, aber nicht wirklich unerwartet, da Grangé systematisch alle möglichen Verdächtigen nacheinander ausknipst, bis nur noch ein potentieller Killer übrig bleibt. Hätte er sich eines nie zuvor aufgetauchten Charakters bedient, wäre die Glaubwürdigkeit des Textes wohl dahin gewesen.
Der 'Showdown' gleicht dann mehr einer filmischen Posse, erinnert stark an das Hollywood-Schema: Der Bösewicht bedroht das Leben des Helden, aber nimmt sich noch die Zeit für einen alles erklärenden Monolog, um seine Brillanz zu unterstreichen. Sowohl das letzte Setting als auch das Ende des Romans haben mich nicht wirklich überzeugt, hatte etwas von unangebrachter Hast. Ebenso bleiben einige Dinge ungeklärt, die Grangé aus Bequemlichkeit nicht weiter aufgreift, bzw. recht unrealistisch löst. Bei seinen Ermittlungen tötet Durey mehrere Menschen oder wird Zeuge derer Ermordung, meldet deren Dahinscheiden aber stets später anonym von einer Telefonzelle aus. Und keiner stellt Fragen. Es ist teilweise in den Ortschaften, in denen er schnüffelt, bekannt, dass Durey sich dort aufhält, aber nie kommt einer auf die Idee, einen sich gegen seine Vorgesetzte widersetzenden Kripo-Beamten aus Paris als Verdächtigen in die Mangel zu nehmen. Das hat mich öfter die Stirn runzeln lassen, zumal er öfters die gleichen Orte aufsucht. Ebenso wirken die 'Zufälle', die Grangé einstreut, sehr konstruiert.
Alles in allem wirklich gute und solide Unterhaltung, aber ich glaube, das Potential der Handlung hätte wesentlich besser ausgeschöpft werden können.
Würde es noch halbe Sterne geben, würde ich 3,5 spendieren.
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