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Rezensionen verfasst von
Mark Dreier (Berlin)

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Lulu
Lulu
Preis: EUR 7,99

120 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Metallica Album. Schwere Kost, aber lohnt sich., 2. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Lulu (Audio CD)
Ich gebe es zu: Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass Metallica ein Album mit niemand Geringerem als Lou Reed aufgenommen haben, war ich positiv überrascht, ja geradezu beeindruckt. Ich hatte damit gerechnet, dass Metallica jetzt im Herbst ihrer Karriere angelangt sind und alle paar Jahre ein Album herausbringen, das sich an ihrem letzten Werk Death Magnetic orientiert, welches ja ' zu Recht ' überwiegend positiv aufgenommen wurde. Eine Zusammenarbeit mit dem alten Grantler Lou Reed, der sich wohl eher als 'echten' Künstler als als Unterhaltungsmusiker (im weiteren Sinne) sieht, ist eine mutige Entscheidung, gerade wenn man so eine kritische Fanbase wie Metallica hat. Ich freute mich also auf das Album und hatte von vornherein eine positive Erwartungshaltung.

Ich bin kein großer Lou-Reed-Experte ' ich kenne lediglich vier seiner Soloalben, die allesamt wahrscheinlich zu seinen zugänglicheren Alben zählen (Lou Reed, Transformer, Berlin und Magic and Loss, wobei die Zugänglichkeit der letzten beiden durchaus bestritten wird). Lou Reed zählt ja zur Gruppe von bekannten 'love him or hate him' Sängern bzw. Interpreten, genau wie auch beispielsweise Bob Dylan, Captain Beefheart, Tom Waits und William Shatner (hehe, kleiner Scherz). Die einen behaupten, dies seien so mit die größten Künstler im großen Feld der 'populären Musik' überhaupt, die anderen meinen, diese Typen können überhaupt nicht singen. Ich gehöre eher zur ersten Gruppe, bin aber kein Fundamentalist. Aber eins ist klar: wenn man schon bei zugänglichen und bekannten Lou Reed Songs wie 'Vicious', 'Satellite of Love' oder 'Walk on the Wild Side' der Meinung ist, der Typ sei ein furchtbarer Sänger, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass man an Lulu seine Freude hat (wobei der Umkehrschluss hier nicht zulässig ist).
Was für ein Album ist 'Lulu'? Das ist schwer zu sagen. Die Texte stammen zu 100% aus der Feder Reeds und sind inspiriert von Frank Wedekinds 'Lulu' Theaterstücken 'Erdgeist' (1895) und 'Die Büchse der Pandora' (1904), die ich (noch) nicht kenne. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Werke von anderen Künstlern aufgegriffen wurde ' es gibt diverse Filme, Comics und sogar eine Oper von Alban Berg. Auch davon kenne ich leider nichts. Wie werkgetreu Reeds Texte also sind ' ich habe keine Ahnung! Was ich aber sagen kann, ist dass die Texte recht extrem sind. Sie sind alle aus der 'Ich-Perspektive' erzählt und handeln ohne Beschönigung von Gewalt, Perversion, Hass und Selbsthass, Missbrauch und Selbstmissbrauch (ok, das hab ich irgendwo geklaut) und Sex in seiner hässlichsten Form. Nur mal als Beispiel: die Platte beginnt mit den Zeilen 'I would cut my legs and tits off when I think of Boris Karloff and Kinski in the dark of the moon'. Weitere Beispiele? Gerne: 'Blood in the foyer, the bathroom,the tea room, the kitchen and knives splayed. I swallow your sharpest cutter like a colored man's dick. Blood spurting from me, blood spurting from me'. Oder: 'I want so much to hurt you, I want so much to hurt you, I want so much to hurt you! Marry me, I want you as my wife!' Sehr hässliche Texte, aber das ist beabsichtigt. Die Texte sollen schockieren (und das schaffen sie). Man muss sich nicht mit ihnen identifizieren (Gott sei Dank und kann sie trotz der aufkommenden Abneigung und des möglicherweise einsetzenden Ekels faszinierend finden, und genau das tue ich. Ich gebe allerdings zu, dass ich nicht sicher bin, ob es eine echte Rahmenhandlung gibt (ich habe sie noch nicht wirklich gefunden) oder ob das Album lediglich eine Aneinanderreihung von Songs ist, die von den Theaterstücken inspiriert sind. Es ist mir auch gar nicht so wichtig, denn viel entscheidender ist für mich die Frage, ob ich das Album musikalisch interessant finde.

Und um es vorweg zu nehmen: Ja, das tue ich! Obwohl der erste Eindruck auch vom musikalischen Standpunkt aus eher erschreckend war, denn es ist keine leichte Kost und bestimmt nicht leicht zugänglich. Lou Reed singt wenig; größtenteils rezitiert er die Texte im Sinne einer Spoken Word Performance; dies tut er allerdings mit Hingabe. Wenn er doch mal singt (wie gesagt selten), dann gerne auch mal in einem anderen Takt, Tempo und sogar einer anderen Tonart als die Begleitmusik. Man könnte jetzt behaupten, Lou könne einfach nicht singen und einen Ton selbst dann nicht treffen, wenn sein Leben davon abhinge, doch ich glaube, damit macht man es sich zu leicht. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass der äußerst schräge Gesang volle Absicht ist und das Ziel verfolgt, die Krankheit der Texte noch besonders zu betonen und hervorzuheben. Und dieses Ziel wird auch erreicht.

Und Metallica? Nun, es ist wichtig zu verstehen, dass dies KEIN echtes Metallica Album ist. Metallica lassen sich in der Regel viel Zeit mit der Kompostion ihrer oft recht komplexen Songs und veröffentlichen sie erst, wenn sie absolut ausgereift sind. Dieses Album ist viel spontaner, viel jam-lastiger und die Songs wurden wohl in nur wenigen Takes eingespielt. Meist basiert die Musik auf einem Riffs von Hetfield, die meist recht simpel aber sehr effektiv sind. Der Sound ist heavy, spärlich produziert und dreckig, aber im Gegensatz zum Sound auf der St. Anger wirkt er absolut authentisch und überhaupt nicht aufgesetzt. Insgesamt wirkt er sehr 'garagig', aber das passt sehr gut zum Gesang und den Texten. Der Bass ist zwischen den Gitarren kaum auszumachen, und auch Hammett ist eher unterfordert, da es echte Gitarrensoli kaum gibt ' seine Aufgabe sind eher einige feedbackartig Gitarreneffekte während der ruhigeren Songs, denn auch davon gibt es ein paar, und sie sind meist noch weniger zugänglich als die härteren Stücke. Hetfield hat nicht viel zu singen ' meist nur Backing Vocals, die aber durchaus zu den Highlights der Platte gehören. Während des Openers muss er nur alle paar Zeilen 'Smalltown Girl' im Hintergrund schreien, aber das bleibt im Gedächtnis und verbessert das Stück spürbar. Insgesamt sind es 10 Stücke, zwischen 4 und 20 min lang. Das Album ist durchaus vielseitig, kein Stück klingt komplett wie das andere, und doch passen sie gut zusammen. Der 20 minütige Rausschmeißer 'Junior Dad' ist sehr ruhig und erinnert mit seiner eher klassischen Instrumentierung (Cello etc.) mitunter fast an Sigur Ros.

Wie gesagt: am Anfang mag man sowohl musikalisch als auch textlich geschockt sein. Vom musikalischen Standpunkt her habe ich mich aber sehr schnell an den besonderen Stil des Albums gewöhnt und es gefällt mir mit jedem Hören besser. Wobei 'gefallen' nicht bedeutet, dass ich mich mit den Texten identifizieren oder die Musik als schön oder harmonisch empfinde. Nein, das Album will verstören, und das schafft es. Dennoch wächst die Faszination mit jedem Hören. Beim ersten Hören dachte ich, man kann das Album auf keinen Fall am Stück durchhören ' jetzt kann ich mich kaum davon losreißen.

Lars Ulrich sagte vor ein paar Monaten in einem Interview, dass die Metallica Fans zwar nicht zwangsläufig alles mögen, was die Band macht, es aber respektieren, dass sie auch einmal über den Tellerrand schaut (eine meiner Meinung nach gewagte Aussage, wenn man bedenkt welche negativen Reaktionen Abweichungen vom Gewohnten (Black Album, Load/Reload/ S&M) bei Teilen der Anhängerschaft hervorgerufen haben). Wir werden sehen, ob er mit dieser Einschätzung Recht hat. Man muss dieses Album nicht mögen, aber respektieren sollte man es auf jeden Fall.

Ich mag es auch, oder besser: es fasziniert mich.

8/10
Kommentar Kommentare (20) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 23, 2012 10:57 AM MEST


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Finger weg, 16. September 2008
Was Kunst angeht, bin ich ein echter "Dummie" und wollte das ändern, aber dieses Buch ist dafür denkbar ungeeignet. Es wimmelt von "lustigen" Anekdoten, der Autor kommt arrogant rüber und letztlich ist das Werk von einer nicht für möglich gehaltenen Oberflächlichkeit! Es wird so gut wie überhaupt nicht auf die Kunstwerke selbst eingegangen, sodass ich beispielsweise nach wie vor vor "Guernica" stehe und mich frage: "Was soll das??" . Klar spricht das nicht für mich, aber die Frage "wie betrachte ich ein Kunstwerk und kann zumindest ansatzweise verstehen, was der Künstler ausdrücken wollte", wird nicht im geringsten beantwortet. Und genau das erwarte ich von einem Buch dieser Reihe. Finger weg!

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