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Rezensionen verfasst von
Trachsel (Zürich, Schweiz)
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Arbeit und Struktur
Arbeit und Struktur
Preis: EUR 16,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alien in Berlin, 31. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Kindle Edition)
Ich war skeptisch bis ablehnend eingestellt gegenüber der "grassierenden" Nabelschau im Web von Prominenten, sei es nun das Ausstellen von Krankheitsgeschichten oder anderen privaten Themen.

Der Blog von W. Herrndorf "Arbeit und Struktur" hat mich eines besseren belehrt. Er ist sprachlich sehr ansprechend, verfällt keinem der gängigen Jargons. Die Geschichte seiner letzten Lebensjahre ist packend und hoch interessant, mit viel Selbstironie und beeindruckender Ehrlichkeit beschreibt Herrndorf seine Fährnisse. Medizin, Suizid, Lektüre, Schreibarbeit, Freundschaft, Sport, Atheismus, Aberglauben, Wissenschaft… und weitere Themen unakademisch, aber klug, manchmal nur in wenigen, aber umso signifikanteren Sätzen. Nicht besserwisserisch, er weiss um sein Nichtwissen und Ausgeliefertsein. Im Grunde ist im Text auch ein Science Fiction versteckt (er schätzte offenbar Philip K Dick), nämlich die Geschichte eines Aliens in Berlin, der wegen seines irrelaufenden Gehirns und Wahrnehmungsstörungen die Umgebung und auch sich zunehmend als fremd erfährt. Wegen "kleinen" epileptischen Anfällen stieg er erst gar nicht mehr vom Rad, sondern fuhr weiter, ähnlich Albert Hoffman auf seinem Rad unter der plötzlichen Wirkung des damals ihm unbekannten LSD. Nur dass bei Herrndorf der Lauf irreversibel, schrecklich und tödlich war. Besonders beeindruckt mich die Loyalität und grosse Menschlichkeit seiner Freunde und Kumpel diesem "Alien" gegenüber.

Ich lese heute weiter...


Die Zeit, die Zeit
Die Zeit, die Zeit
Preis: EUR 9,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Suter, fast ein Zen-Meister, 8. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Zeit, die Zeit (Kindle Edition)
Gibt es etwas Langweiligeres als eine Schweizer Mittellandsiedlung mit einer Mischung aus den 50ern und 70er Jahren? So stelle ich mir den Ort des Romans «Die Zeit, die Zeit» von Martin Suter vor. Er skizziert das schmucklose und etwas festgefügte Leben dort ohne grossen sprachlichen Aufwand (nicht «locker vom Hocker», wie gemeint wird), aber sprachlich genau und mit viel Gespühr für aussagekräftige Details (aehnlich den Fotografien von Andri Pol).

Eine spannende Geschichte spielt sich dort ab von zwei Männern verschiedenen Alters. Beide haben sie ihre Frau verloren und beide versinken in ihrem Gram, weil sie denken, am Tod ihrer Ehefrauen mitschuldig zu sein. Der eine, Peter Taler, versucht durch psychophysiologische Selbst-Experimente den Zustand kurz vor dem Mord an seiner Frau zu wiederholen, um so das Verbrechen aufdecken zu können. Der andere, Knupp, versucht, den Tod seiner Frau rückgängig zu machen, indem er - gemäss seiner Annahme, dass Zeit nicht existiere, nur Veränderungen, die man rückgängig machen kann - ein aufwendiges Experiment anstellt mittels einer «Re-etablierung» der örtlichen Umstände (Pflanzen, Bauwerke, sich selbst, usw).

Suter strickt nun ein Ineinandergreifen beider Schicksale so, dass es zum wohl überraschenden, aber logisch zwingenden Schluss kommt. Der aufmerksame Leser bemerkt frühe Anzeichen von Hoffnungslosigkeit (Stichwort Schraubstock) beim älteren Mann, der ja gleichzeitig das ganze verrückte Experiment energetisch vorantreibt. Knupp weiss um die fatale Verstrickung, die letztlich nur ein Resultat ermöglicht, sollte das Experiment gelingen, und das nicht zu seinen Gunsten.

Ein weiterer herrlicher Einfall Suters ist die Camera Obscura, mit der genaue Pläne zur Rekonstruktion gemacht werden können, deren Dunkelheit gewisse Stimmungen der Figuren verstärkt und quasi auf den Leser überspringen lässt. In dieser Camera Obscura hätte auch leicht eine amuröse Geschichte zwischen Taler und der Lehrtochter beginnen können, jedenfalls knisterte es zwischen ihnen für mein Dafürhalten. Suter jedoch macht uns diesen Gefallen nicht und bleibt in der trockenen, nüchternen Realität zweier Verrückter, die die Zeit umdrehen wollen.

Suter treibt die Geschichte stetig voran, wenn manchmal auch in Millimeterschritten. Suter verlangt dem Leser einige Geduld ab mit der genauen Beschreibung der Re-etablierungsschritte. Man kann es auch sehen als Zenübung im Lesen. Das hat mit des Lesers Achtsamkeit und Zeit zu tun, quasi das dritte Experiment des Romans.


Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen
Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen
von Rolf Dobelli
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dobelli-Variationen des einfachen Denkens, 16. Januar 2012
Die zwei Kapitel, die ich gelesen habe, überzeugen mich nicht vom "klaren" Denken des Herrn Dobelli. Die Beispiele, die er hinzuzieht sind einach zu unrealistisch (Russisches Roulett) oder werden mit alltäglichen Beispielen widerlegt. Er plädiert zB. fürs Konzentrieren auf eine Sache und nennt dabei ein Spiel/Experiment, das ihn vermeintlich stützt. Nehmen wir aber ein Spiel wie Schach, liegt die Aussage der "Konzentration auf das eine" flach. Man kann so auch das Gegenteil beweisen. Die Frage ist zudem, ob ein von Spieltheoretikern/Psychologen im experimentellen Labor entwickeltes Spiel der Realität entspricht und als Denkmodell benützt werden sollte, oder nicht doch eher ein altes Spiel wie Schach. Auch sein Umgang mit der Statistik und Wahrscheinlichkeit ist einseitig. Wenn ich geneigt bin, sehr viel Geld auszugeben, um im R. Roulett von einer Pistolenkugel (p=1/6) auf null Kugeln zu kommen (p=0/6), ist doch sehr vernünftig; im Gegensatz dazu ist eine Reduktion von p= 2/3 auf p=1/3 zwar theoretisch eindrücklich, aber immer noch ist die Pistole saugefährlich und erratische Geldeinsätze nachvollziehbar. Auch sollten immer beide Grössen, nämlich die Wahrscheinlichkeitsabnahme (relativ) wie auch die absolute P in Betracht gezogen werden. Es ist schon so, dass der Alltagsverstand die Wahrscheinlichkeit häufig falsch einschätzt; daraus aber ein Vorwurf des unklaren Denkens zu postulieren, ist etwas arrogant. Realität ist komplizierter, als Dobelli jeweilen annimmt. Laborexperimente werden dem Leben selten gerecht, sie sollten nicht als Vorbilder fürs Denken hergenommen werden. Uebrigens: nicht selten wird übermorgen experimentell genau das Gegenteil "bewiesen". Auch für Laborexperimente gilt: einmal ist keinmal.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2012 5:51 PM CET


Garantiert E-Gitarre lernen, m. 2 Audio-CD
Garantiert E-Gitarre lernen, m. 2 Audio-CD
von Bernd Brümmer
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen No-nonsense Lehrgang, 19. Januar 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe zwar als Kind ein paar Jahre Geige gespielt (mit Notenlesen), aber was die E-Gitarre angeht, bin ich blutiger Anfänger. Dieses Lehr- und Uebungsbuch führt den Anfänger Schritt für Schritt in die Praxis des E-Gitarrenspiels. Es ist didaktisch hervorragend strukturiert, wirklich kleine und sinnvolle Schritte ergeben bei fleissigem Ueben eine sehr solide Basis. Von Anfang an wird auf das Rhythmusgefühl und die richtige rhythmische Ausführung enormes Gewicht gelegt (Metronom, Mitzählen). Im ersten Kapitel geht es schon um das richtige Greifen von einzelnen Tönen inklusive Dämpfen für Viertel- und Achtelpausen. Das allein zeigt die solide Ausrichtung von Anfang an. Als Motivationsschub dient in jedem Kapitel eine sogenannte "Spielwiese", in der ein Stück eines bestimmten Musikstils mit einer ganzen Band eingeübt wird. Die Leadgitarre (Melodie) und die Rhythmusgitarre werden manchmal separat geübt und können ab CD mit der ganzen Musik gespielt werden. Dabei wird Wert gelegt auf diejenigen Techniken, die im entsprechenden Kapitel geübt wurden. Falls man schon früher als im Buch vorgegeben zB Akkorde lernen will, kann man das parallel ohne weiteres tun, ohne den Lernprozess zu verwirren, indem man in einem hinteren Kapitel übt. Das ganze Buch wendet konsequent nur Tabulaturschreibweise an, was für einen Anfänger wahrscheinlich gar nicht schlecht ist, weil der ganze Uebungsverlauf so einheitlich ist und schlank bleibt. Da ich persönlich auch die Notenschreibweise mitlernen möchte, lade ich Uebungsbeispiele vom Internet runter, wo sie tonnenweise vorhanden sind. Parallel lerne ich zum Beispiel die C Bluestonleiter, aber immer schön in der Technik, die im Brümmer-Buch grad angesagt ist (zB. mit Viertel- und Achtelpausen). (Weiter hinten im Buch wird der Blues natürlich auch geübt). Sehr empfehlenswerter, "no-nonsense" Lehrgang für Autodidakten, blutige Anfänger und andere, die sich der korrekten Spieltechnik versichern wollen. Falls man später einmal Individualunterricht nehmen wird, hat man mit diesem Buch sicher die Grundlage, für die man sich nicht schämen muss.


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