Profil für Joachimski > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Joachimski
Top-Rezensenten Rang: 49.010
Hilfreiche Bewertungen: 167

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Joachimski "Leseteufel" (München)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
pixel
Arztroman
Arztroman
von Kristof Magnusson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Kampf gegen die Heidiisierung der Welt, 29. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Arztroman (Gebundene Ausgabe)
Dieser 3. Roman Magnussons kehrt zurück zu seinem “Das war ich nicht”, indem er, gründlich recherchiert, den Alltag der Notärztin Anita (Anfang 40) in einem sehr präsenten Berlin beschreibt, so realistisch wie möglich, ganz ohne literarische Schnörkel.
Das tut einerseits gut, weil das Sujet ernst genommen wird, andererseits hätte sich der Leseteufel schon etwas mehr sprachliche Sorgfalt gewünscht, oder zumindest dem Verlag einen gründlichen Lektor.
Anita lebt seit einem Jahr getrennt von ihrem Mann Adrian, ebenfalls Intensivmediziner, und ihrem 14jährigen Sohn Lukas, die beide zu Heidi, der neuen Partnerin Adrians, gezogen sind.
Seit ebenfalls einem Jahr fährt Anita ihre Einsätze zusammen mit Maik, einem jungen Homo, der zu ihrem besten Freund und Vertrauten geworden ist.
Und während Anita ihre Notfälle mit großer Professionalität verarztet, gerät ihr Privatleben immer mehr aus den Fugen, obwohl mit dem Bootsbauer Rio ein neuer Mann in ihr Leben tritt. Sie kämpft verzweifelt gegen die “Heidiisierung” der Welt, den Zusammenbruch ihrer Ideale.
Magnusson erzählt dies alles aus der Sicht Anitas, einer tapferen Kämpferin, die von ihrer Umwelt aber immer mehr als Don Quichotte wahrgenommen wird und in ihrer Ich-Bezogenheit auch Maik und Rio, sowie ihren Sohn zu verlieren droht. Magnusson biegt, rechtzeitig zu Weihnachten, ihr Schicksal ins Positive zurecht. Ein drohender Großeinsatz bei einem Flugabsturz als Weihnachtsapotheose geht gerade noch glimpflich aus.
Da der Leseteufel Magnusson bei der Vorstellung dieses Buches erlebt hat, kann er bezeugen, dass der Autor ebenso liebenswürdig und unprätensiös um Anerkennung bemüht ist wie seine Protagonistin.


Tod in der Atacama: Kriminalroman
Tod in der Atacama: Kriminalroman
von Roberto Ampuero
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Mord auf dem Dach der Welt, 15. September 2014
Roberto Ampuero hat ein bewegtes Leben gelebt: 1953 in Valparaiso/Chile geboren, emigrierte er voll kommunistischen Eifers nach Kuba, nur um dort desillusioniert erst zum Studium in die DDR, dann nach Westdeutschland zu ziehen. Er lebt jetzt in den USA, sozusagen beim Klassenfeind, wo er in Iowa creative writing unterrichtet. Er war aber auch schon Botschafter Chiles in Mittelamerika.
Sein etwa gleichaltriger Privatdetektiv Cayetano Brule', gebürtiger Kubaner, lebt zwar schon sein halbes Leben in Valparaiso, sehnt sich aber immer noch nach der heißblütigen Karibik. Stattdessen wird er von einer deutschen Journalistin beauftragt, den Mord an dem ostdeutschen Entwicklungshelfer Willi Balsen aufzuklären, der in der Atacama, der auf 2500m gelegenen trockensten Wüste der Welt, ein Bewässerungssystem aufbauen wollte.
Nun interessieren sich Ampuero und sein Protagonist eigentlich für alles mehr als für diesen Mord: Die Chilenen als solche im Vergleich zu den Kubanern, die Wüste Atacama und ihre Ureinwohner, die Legenden um vergrabene Schätze, die schönen, üppigen Frauen, die lästigen, hauptsächlich deutschen Touristen...
Weil die Szenerie aber so fremdartig, exotisch ist, folgt der Leseteufel dem Geschehen bereitwillig, auch weil Ampuero die Landschaft so eindringlich schildert, kongenial übersetzt von Carsten Regling.
Der Plot entwickelt sich schwerfällig, aber überraschend logisch, das Ende durchaus glaubwürdig. Ein ungewohntes, faszinierendes Leseerlebnis. Da der gute Cayetano schon in vier Fällen ermittelt hat, ist die Fortsetzung garantiert.


Vor dem Fest: Roman
Vor dem Fest: Roman
von Sasa Stanisic
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Füchsen und Menschen, 2. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad geboren und kam mit 14 Jahren als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Wie Alina Bronsky schreibt er in erfrischend originellem, allerdings oft unorthodoxem Deutsch und hat ja für “Vor dem Fest” auch den deutschen Literaturpreis in Leipzig bekommen.
Leider kommt dieser Roman bei weitem nicht an seinen Erstling “Wie der Soldat sein Grammophon reparierte” heran, auch wenn es schon beeindruckt, wie sehr Stanisic sich in seinem uckermärkischen Fürstenfelde einlebt und geradezu liebevoll die verschiedenen skurrilen Bewohner bei ihren Vorbereitungen für das Annenfest am nächsten Tag begleitet.
Er erzählt in der Wir-Form, als kollektive Stimme des Dorfes, wobei Geschichte und Gegenwart ineinander übergehen und dadurch ein Gesamtbild entstehen soll. Als klassisches “Dingsymbol”, wenn der Leseteufel das als gerade noch p. c. sagen darf, dient die Füchsin, die um das Dorf herumstreicht, um schließlich Mord und Totschlag zumindest an den Hühnern begehen zu können: “Die Natur erobert sich zurück, was ihr gehört. Würde man woanders sagen. Wir sagen das nicht. Weil es Unfug ist. Die Natur ist inkonsequent. Auf die Natur ist kein Verlass. Und auf was du dich nicht verlassen kannst, damit bau keine Redewendungen.” (S.11)
Bis etwa zur Mitte des Buches vertieft der Leseteufel sich geduldig in diesen kleinen beispielhaften menschlichen Kosmos, dann lässt das Interesse nach, denn vieles wiederholt sich bis in die Sprachbilder hinein. Und der naive Grundton wirkt nach einer Weile manieriert. Moritz v. Uslars “Deutschboden” mag nicht so emblematisch aufgeladen und artifiziell konstruiert sein, aber bewegt den Leser letztlich wegen seiner Ehrlichkeit doch mehr.


Tod auf der Donau: Roman
Tod auf der Donau: Roman
von Michal Hvorecky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Donaublues, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Tod auf der Donau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Michal Hvoreky (Jg. 1976) ist slowakischer Schriftsteller und Übersetzer, konnte aber, wohl wie sein Held Martin Roy, lange davon nicht leben und arbeitete daher, ebenfalls wie Martin, als Kreuzfahrtdirektor.
Da es um eine Kreuzfahrt mit dem amerikanischen Luxusschiff “America” auf der Donau geht, kann Hvorecky mit seiner Reiseschilderung kenntnisreich auch die Geschichte der Donau von Regensburg bis ans Schwarze Meer erzählen. Der Leseteufel, selbst an diesem großen Strom aufgewachsen, schwelgt in den Landschafts- und Städtebildern, die Hvorecky entfaltet.
Natürlich ist es leicht, sich über amerikanische Senioren lustig zu machen, die kaum bereit sind, sich auf neue Erfahrungen in dieser schicksalhaften Gegend Europas einzulassen, aber nach einiger Zeit ermüdet Hvoreckys herablassende Zurschaustellung seiner Figuren, für die Martin ständig präsent sein muss, denn er arbeitet ohne Gehalt, nur auf Trinkgeldbasis. Dass die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff hart ist, erschließt sich überdeutlich.
Dazu geschehen zwei Morde, die vertuscht werden müssen, und Mona, Martins ehemalige Geliebte, lässt sich mit einem Koffer voller Falschgeld von ihm aufs Schiff schmuggeln und bringt alle durcheinander, einschließlich des Pianisten Dragan.
Es kommt kurz vor der Donaumündung zu einem fast slapstickhaften Showdown, das Schiff fängt Feuer und sinkt.
Martin kann sein Leben gerade noch retten, der Autor hat aber inzwischen das Interesse an seinen Figuren und der Handlung verloren, und der Leser mit ihm.


Die Wissenden: Roman
Die Wissenden: Roman
von Mircea Cartarescu
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein schwer verdauliches Meisterwerk, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Wissenden: Roman (Taschenbuch)
Mircea Cartarescu (Jg. 1956) ist Literaturdozent und Dichter, der 1996 mit “Die Wissenden” den ersten Teil einer Trilogie mit dem Titel “Orbitor” vorgelegt hat. Es ist ein sprachgewaltig-düsteres Werk, in dem Autobiographisches, Traumwelten, Visionen und die Schilderung der Stadt Bukarest ineinander übergehen. Die Leistung des Übersetzers Gerhardt Csejka erscheint mir der des Autors ebenbürtig und wurde zu Recht von Österreich gefördert.
Der Leseteufel durchlebte bei der Lektüre dieses monströsen Werkes mehrere Stadien. Als erstes war er ergriffen von der Wortgewalt und Bildkraft dieses Dichters, wollte sich am liebsten jede Formulierung merken, so einzigartig erschien sie: ”Tief hineingewölbt ins riesige Fenster wirkte das Gelbe des Zimmers noch gelber, ich aber, ein spindeldürrer, kränklicher Junge, saß ... im schäbigen Schlafanzug.... und starrte mein Abbild im klaren Fensterglas an.” (S. 9) Und in die fiebrige Fantasiewelt dieses Jungen taucht der Leser bereitwillig ein.
Er verfolgt die Flucht der Vorfahren aus Bulgarien und erlebt die Jugend von Maria, Mirceas Mutter, als kleine Näherin in Budapest. Allmählich überzieht die suggestiven Schilderungen jedoch ein ekliger Schleim aus Körperflüssigkeiten und Gebrechen, wuchernder Gehirnsubstanz und ebensolcher Geschlechtsteile. “Wie dieses Beinhaus betreten? Und wozu überhaupt? Welche Stoffmaske, was für Chirurgenhandschuhe böten sicheren Schutz vor der Infektion, die von der Erinnerung ausgeht?” (S.20)
Es stellt sich Leseermüdung und Ekel ein. Auch scheinen sich die explosiven Wortschöpfungen in variierender Weise zu wiederholen. Eine gewisse Selbstverliebtheit des Autors kommt hinzu, so dass diese übersteigerte Seelenqual allzu krankhafte Züge annimmt.
Schließlich legt der Leseteufel das Buch nach der Hälfte erschöpft zur Seite.


Der Finne: Ratamo ermittelt  Thriller (Arto Ratamo ermittelt, Band 7)
Der Finne: Ratamo ermittelt Thriller (Arto Ratamo ermittelt, Band 7)
von Taavi Soininvaara
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Russisches Sündenregister, 19. Juli 2014
Diesen Roman als Thriller anzupreisen, ist eine grobe Täuschung. Soininvaara benutzt nämlich die vordergründige Krimihandlung dazu, tief einzutauchen in die finnisch-russische Geschichte, wozu ihm “Das Schwert des Marschalls” dient, ein seit tausend Jahren von der orthodoxen Kirche Russland geführtes Schwarzbuch über die Gräueltaten der russischen Herrscher seit Iwan dem Schrecklichen.
Ein alter blinder Finne hat das Buch so gut versteckt, dass nur sein Sohn, ein etwas weichlicher Geschichtsprofessor, mittels einer Art historischer Schnitzeljagd dem Buch auf die Spur kommen kann. Natürlich wollen das auch russische Geheimdienstleute, die russisch-orthodoxe Kirche und Ratamo, Polizist im Urlaub, der damit einem Kollegen und Freund einen Gefallen tun will.
Die Hinweise, denen sie alle unter Hinterlassung zahlreicher Leichen nachspüren, sind gleichzeitig eine Art Sündenregister der russischen Politik. So sei auch die Spanische Grippe, die Anfang des 20 Jahrhunderts 40 Millionen Menschen auslöschte, durch Viren aus einem russischen Labor ausgelöst worden, was natürlich niemand wissen darf. Besonders der amtierende Präsident Bukin (!) setzt alles daran, an das kompromittierende Dokument zu kommen.
Soininvaara verfolgt seinen Feldzug gegen die russische Politik, die ja Finnland Grausames angetan hat, mit hartnäckiger Bosheit. Fast wird dem Leseteufel Angst um ihn, denn der Arm des russischen Geheimdienstes ist nicht nur in diesem Roman lang.


Der wahre Sohn
Der wahre Sohn
von Olaf Kühl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Nach Osten fahren ist Wiedergeburt" (S. 457), 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der wahre Sohn (Gebundene Ausgabe)
Olaf Kühl (Jg. 1955) hat als Slawistiker jahrelang aus dem Polnischen und Russischen übersetzt, bis er mit seinem zweiten Buch “Der wahre Sohn” 2013 gleich auf der Auswahlliste zum deutschen Buchpreis gelandet ist.

Und der Leseteufel kann das gut verstehen, denn im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zunft kann Kühl hervorragend mit Sprache umgehen. Es hat ja einen besonderen Reiz, wenn einmal nicht amerikanische Sprachfetzen durch einen Roman geistern, sondern russische, auch in kyrillischen Buchstaben gedruckt.

Worum geht es? Konrad Krinitzki, Enddreißiger, in einer abgestandenen Beziehung in Berlin lebend, spürt für eine Versicherung nach Osteuropa verschobene deutsche Luxuslimousinen auf. Diesmal muss er in Kiew einen gestohlenen Mercedes 500 finden. Er ermittelt voller Eifer, wenn auch mit eigenwilligen Methoden, unterstützt von einem ukrainischen Rechtsanwalt. Der Leseteufel folgt Konrad bereitwillig durch die exotisch benannten Straßen Kiews, glaubt gern, dass Kühl mehrere Monate in der Stadt recherchiert hat.

Als Konrad erfährt, dass der Besitzer des Mercedes, ein alter Oberst, verstorben ist, das Auto verschwunden, macht er sich an die 86jährige Witwe Svetlana heran, bei der er sich schließlich einmietet. Arkadji, ihren 60jähriger Sohn, hat sie in die Psychiatrie abgeschoben, wo Konrad sich in dessen Krankenakte verbeißt. Was das alles mit dem Auto zu tun haben soll, verstehen weder Leseteufel noch Auftraggeber.
Konrad gerät immer mehr in den Sog dieser undurchsichtigen Familiengeschichte, kann sie irgendwann nicht mehr trennen von seiner eigenen als ebenfalls ungeliebter, von seiner Mutter verlassener Sohn.
Das alles wirkt in seiner Irrationalität, von Träumen und Wahnvorstellungen durchwoben, durchaus suggestiv, reicht aber dem ambitionierten Autor nicht.

Und so müssen (deshalb die steinalte Svetlana) auch noch die deutschen Verbrechen in der Ukraine während der Nazizeit aufgearbeitet werden, samt einem alten schwulen Nazi-Onkel Konrads, der immer wieder zitiert wird und die Familiengeschichte reichlich verkompliziert.

Der klassische deutsche Selbsthass geht mit Kühl durch: “Slubice ist verdorbenes Slawentum, ein aufgegebenes deutsches Dorf, das noch zu keiner neuen Identität gefunden hat.” (S. 11) - “Wenn Slawen plötzlich deutsche Tugenden annehmen, werden sie unausstehlich”. (S. 85)

Kein Wunder, dass das alles kein gutes Ende findet.


Der Sprachverführer: Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann
Der Sprachverführer: Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann
von Thomas Steinfeld
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verführung glückt nicht immer, 5. März 2014
Thomas Steinfeld, Germanist und Journalist, wurde 1954 in Leverkusen geboren, was dem Leseteufel deshalb erwähnenswert erscheint, weil der Autor auf Seite 65 locker behauptet, es habe “ vor Karl Valentin und Bertold Brecht keine bayrischen Dichter (gegeben), die mehr als eine regionale Erscheinung gewesen wären.” Und die Ursache dafür liege in der katholischen Religion, die die Entwicklung des Schriftdeutschen in Bayern verhindert habe.

Nun verfügt der Leseteufel, vermutlich im Gegensatz zu Steinfeld, über eine 5-bändige Bayrische Bibliothek mit so unbedeutenden Werken für die deutsche Literatur wie dem “Parzival” oder den Gedichten Walthers von der Vogelweide, den Predigten von Abraham a Santa Clara, wie Ludwig Thoma, Georg Britting u.v.m.

Einen weiteren Kritikpunkt, den jeder auf sich zieht, der sich darüber mokiert, wie viele Leute schlechtes Deutsch sprechen oder schreiben, stellt Steinfelds eigenes sprachliches Können dar. Er liebt den additiven Stil, der ja gerne die eigentliche Botschaft durch Tautologie verwässert: “Denn es sind, wenn von gutem Deutsch die Rede sein soll, schnell ein Ruf nach Ordnung und ein Verlangen nach dem strengen Lehrer da - und der unangenehme Ton von Vorschrift und Regel, von Pflicht und Zensur, von Nachhilfe und gefährdeter Versetzung.” (S.44).

Und so muss der ebenfalls germanistisch vorgebildete Leseteufel leider auf die weitere Lektüre dieses sich populärwissenschaftlich gebenden Sprachkompendiums verzichten.


F
F
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen F = Fatum = falsches Leben im falschen Buch, 4. März 2014
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht ist Daniel Kehlmann sein Ruhm zuviel geworden und er hat mit “F” (= Fatum) einen Roman geschrieben, der nur ihm gefallen muss? Den Leseteufel hat dieses “F”, für das er lieber “Fälschung” setzen würde, von Anfang an angeödet, und nur der berühmte Verfassername konnte bewirken, dass er sich durchgequält hat.
Es ist ein Roman, in dem nur Männer eine Rolle spielen: Ein liebloser Vater, selbst Autor, der seine zwei Familien früh im Stich lässt, um sich selbst zu finden, was er bis zum Ende der Geschichte nicht tut.
Die Zwillinge Iwan und Eric werden Maler, bzw Fälscher (Iwan) und Finanzjongleur (Eric). Ihr Halbbruder aus der ersten Ehe des Vaters, Martin, wird Priester, obwohl er nie an Gott glaubt. Iwan ist Homo, Eric Frauenheld, Martin hat Sex früh durch Fressucht ersetzt.
Iwan wird in einem langatmig geschilderten Vorfall von Punks erstochen; einer dieser Mörder wird Ministrant bei Martin. Soll das heißen, dass hier das Schicksal seine Hand im Spiel hatte? Das wird symbolisch verkörpert durch einen Hypnotiseur, der, blind und taub geworden, sich als Wahrsager versucht.
Vielleicht sollte Kehlmann sich bei Joel Dickers “Harry Quebert” Anregungen holen, wie eine mehrfach verschachtelte Geschichte elegant zu schreiben ist. Und was Schicksal und Sinn des Lebens angeht, empfehle ich dringend Gottfried Keller: ”Ein Tag kann eine Perle sein und ein Jahrhundert nichts”. Vielleicht gilt das auch für Romane.


Schieflage - Mit einer verrückten Bandscheibe durch unser Gesundheitssystem
Schieflage - Mit einer verrückten Bandscheibe durch unser Gesundheitssystem
von Ralph Geisenhanslüke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Da liegt nicht nur die Bandscheibe schief!, 1. März 2014
Der Journalist Geisenhanslüke hat mit diesem Buch seine ersten Erfahrungen mit einem Bandscheibenvorfall niedergeschrieben und weitet sie aus zu einem Rundumschlag gegen das etablierte Gesundheitssystem.
Nun ist es für den in diesem Gesundheitsbereich mit langjähriger Erfahrung ausgestatteten Leseteufel schon amüsant, wie hier ein naiver Neuling glaubt, mit Schwimmen und viel positivem Denken, sowie beruflicher Veränderung die Bandscheibenproblematik in den Griff zu bekommen.
“In 10 Jahren hören wir wieder voneinander”, ist der Leseteufel da versucht zu sagen. Zumindest kann der Autor hoffentlich mit den Tantiemen aus diesem Buch eine Weile ohne beruflichen Stress in Freiheit leben und so seine Bandscheiben schonen. Als alternative Lektüre ist Tilman Spenglers "Wenn Männer sich verheben" auf jeden Fall lohnender.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6