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Rezensionen verfasst von
L.Borgia "L.Borgia" (Duisburg)

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Der Zementgarten
Der Zementgarten
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

6 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Immerhin auf chlorfrei gebleichtem Papier, 26. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Zementgarten (Taschenbuch)
Die harmlose Kritik zu erst: Die Übersetzung aus dem Englischen ist wirklich sehr schlecht, was aber trotzdem nicht über den sehr gewöhnungsbedürftigen Erzählstil des Autors hinweghilft.

Wer dachte, dass Schlink mit seinem Werk Der Vorleser" schon ein wenig Umorientierung" bedarf, wird hier eines besseren gelehrt. Das Buch ist eine Zumutung, es scheint als wenn ein besessener Freud-Fan versucht mit dürftigen/rudimentären Grundkenntnissen der Freudschen Theorie und einem Hauch soziologischer Belesenheit einen Roman zu schreiben. Wer mit Tabus spielt wagt immer einen großen Balanceakt, Schlink hat ihn mehr schlecht als recht gemeistert, McEwan ist dabei mehr als tief gefallen. Das Einzige was das Buch rettet ist die Tatsachen, dass er relativ neutral und sachlich die inzestuöse Beziehung von Jack und Julie schildert und sich dabei nicht in pubertären Beschreibungen der Geschlechtsorgane verheddert. Ein Roman der einen Teil einer möglichen Realität darstellen oder beschreiben soll und der dann in diesem Maße von der Realität abdriftet ist unhaltbar.
Wolfskinder oder Personen a la Kasper Hauser haben die Menschen schon immer fasziniert. Vor allem die Tatsache, dass der Mensch einer Sozialisation bedarf um zu leben. Selbstverständlich gibt es immer wieder Fälle von isolierten Gruppen, die eine ganz eigene Art von Sozialisation erfahren haben, eigene Sprachen entwickeln und Riten/Regeln vereinbaren. Auch ist es bekannt, dass Menschen nach traumatischen Erlebnissen in frühere Entwicklungsstufen zurückfallen. Aber diese beiden Extreme in eine Vorstadtort zu packen und dazu noch ein wenig psychoanalytisches Wirrwarr hinzu zudichten, ist wirklich zu viel des Guten. Der Penisneid und Urvatermord war gestern, heute ist McEwan.
Moderne" Literatur zeichnet sich wohl dadurch aus sogenannte Abartigkeit in moderne Städte aufzuzeigen, getreu dem Motto dies könnte überall und zu jeder Zeit passieren.
Welche psychologischen Vorgänge Inzest voraussetzt, welche Mechanismen bei dem Rückfall in vergangene Stadien wirken, das lassen Autoren gerne beiseite, es wäre zu kompliziert und würde ihre Werke als Hirngespinste bzw. als zu "einfach" gedacht entlarven.
Wollen Sie lieber Leser etwas Grauenhaftes über die Menschen erfahren? Lesen Sie Dürrenmatt oder Süßkind, dort gibt es keine plakative Gewalt, Sex oder Ähnliches. Dort werden Menschen verraten, verkauft, zu Aussätzigen gemacht.
Interessieren Sie sich für das Thema Inzest so lesen Sie doch mal die Aufsätze von Parson oder Levi-Strauss.


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