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Rezensionen verfasst von
Jon Nedelmann
(REAL NAME)   

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Real World Haskell
Real World Haskell
von Bryan O'Sullivan
  Taschenbuch
Preis: EUR 31,95

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Haskell kommt in der Wirklichkeit an, 20. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Real World Haskell (Taschenbuch)
Funktionale Programmierung - und damit auch Haskell - war immer anders: sehr elegant, aber eher etwas für Wissenschaftler; von theorieverliebten Sprachdesignern konzipiert, aber selten in kommerziellen Produkten zu finden. Ein Blick in die Literatur spiegelte dies. Findet man in Büchern über C, Java oder Perl Programmbeispiele, mit denen man Dateien verwalten kann, Texte mit Hilfe regulärer Ausdrücke durchsuchen oder Web-Anwendungen erstellen kann, findet der Leser in Büchern über Haskell viel über Monaden, Typsysteme und als Beispiel wird dann ein Fraktal gezeichnet.

In den letzten Jahren haben die funktionalen Sprachen aber ihr Nischendasein verlassen; Trendsetter waren hier sicherlich Erlang mit seinem Konzept der Nebenläufigkeit oder F# auf der .Net-Plattform. Aber auch Haskell hat sich gemacht. Viele Features, die für die Real-World-Entwicklung notwendig sind, sind nun Standard für den Glasgow Haskell Compiler, mit Cabal ist ein gutes Werkzeug für das Deployment zu finden und die Hackage Datenbank liefert für viele Aufgabenstellungen die benötigten Bibliotheken.

Es wird also Zeit, dass sich diese Entwicklung auch in der Literatur niederschlägt. Und genau diese Aufgabe erfüllt Real World Haskell, indem es Theorie und praktische Programmierung verbindet: Einerseits wird die Sprache in ihrem gesamten Umfang und Tiefgang eingeführt, andererseits werden in vielen Programmierbeispielen viele Ideen für den Programmieralltag mitgegeben. Mein Lieblingskapitel ist zum Beispiel das 22te Kapitel, in dem ein podcatcher entwickelt wird. Hier werden viele Techniken vorgestellt, mit denen ich mich in der letzten Zeit viel beschäftigt habe. Das Buch hat aber viele weitere Fallbeispiele: JSON-Verarbeitung, Barcode-Erkennung, Bloomfilter und zeigt damit, wie universal Haskell einsetzbar geworden ist - vor allem, weil es in der Zwischenzeit die passende Bibliothek gibt.

Die ausführliche Dikussion von Praxisbeispielen und das Erklären der Theorie hat natürlich ihren Preis: das Buch hat knapp 700 Seiten. Wenn ich daran denke, dass ich vor einem Jahrzehnt Haskell mit den 64 Seiten 'A Gentle Introduction to Haskell' von Paul Hudak lernte, und danach das Gefühl hatte, die Sprache in ihrer
Gesamtheit gut verstanden zu haben, habe ich nun die zehnfache Menge an Seiten vor mir. Da in den Fallstudien gerne ein paar neue Klassen vorgestellt werden, ist das Querlesen nicht ganz einfach. Beim Lesen der hinteren Kapitel habe ich mich doch recht oft ertappt, wie ich wieder zurückblättern musste.

Insgesamt halte ich Real World Haskell für ein sehr gelungenes Buch und, wer auch immer Haskell nicht nur als akademische Veranstaltung betreiben will, wird an diesem Buch kaum vorbeikommen.

Happy Haskell Hacking!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 16, 2010 10:51 AM MEST


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