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Rezensionen verfasst von
Flores

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Der Nachtzirkus
Der Nachtzirkus
von Erin Morgenstern
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Reise in eine andere Welt, 26. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Nachtzirkus (Gebundene Ausgabe)
Noch jetzt läuft mir ein angenehmer Schauer über den Rücken beim Gedanken an den Nachtzirkus, völlig verzaubert hat mich Morgensterns Werk zurückgelassen. Und das vor allem deshalb, weil es entgegen dem Klappentext alles andere ist, als schnöde Schmachtfantasy. Anstelle der Liebesgeschichte von Marco und Cecil wird die Geschichte eines magischen Zirkus erzählt, den man sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen kann.

Im Laufe des Romans begegnen dem Leser die unterschiedlichsten Gestalten, mit den unterschiedlichsten Begabungen. Die meisten von ihnen wachsen einem derart ans Herz, dass man sich schon bald regelrecht als Teil des Zirkusteams fühlt.

Zum Inhalt der Geschichte möchte ich eigentlich nicht viel sagen, da es in meinen Augen auch schwer ist, ohne dabei eines der zahlreichen Geheimnisse preiszugeben, die in dieser Geschichte gelüftet werden. Daher sage ich nur soviel: es geht darum seine Grenzen zu erforschen, um die Magie des Augenblicks, und darum, was man bereit ist aufzugeben, um seine Träume zu erfüllen. Und dies alles, indem die Geschichte eines traumhaft, außergewöhnlichen Zirkus erzählt wird!

Anfangs waren die Zeitsprünge, die von Kapitel zu Kapitel vorgenommen werden noch recht irritierend, und es war schwer die Ereignisse gedanklich in die richtige Reihenfolge zu bringen. War man allerdings erst mit den einzelnen Personen und der Geschichte grob vertraut, machten diese Zeitsprünge das Lesen umso spannender und abwechslungsreicher. Wie auch bei den einzelnen Zelten des Nachzirkus, wusste man auch in den einzelnen Kapitel nie genau, welchen Verlauf das Ganze nehmen würde. Schlussendlich ergab sich jedoch ein stimmiges Gesamtbild, und eine zauberhaft andere Geschichte.

Wer einen kitschigen Liebesroman erwartet, wird enttäuscht sein. Auch handelt es sich hierbei (entgegen der Aufmachung und des Klappentextes) um keinen Jugendroman a la Twilight, sondern um einen anspruchsvollen Fantasyroman. Die gesamte Gestaltung des Buches passt dabei auf so unglaubliche Weise zum Inhalt, dass man es einfach nur perfekt nennen kann.

Während ich bei anderen Büchern ab einem gewissen Zeitpunkt sehnsüchtig das Ende und damit die Auflösung der Geschichte herbeisehne, war bei der Nachtzirkus genau das Gegenteil der Fall: ich ließ mir extra ein bisschen mehr Zeit, und fürchtete mich geradezu vor der letzten Seite und damit dem Ende meiner unglaublichen Reise.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich diesem Buch mit meiner Rezession nicht annähernd gerecht werden kann, und daher kann ich nur an jeden appellieren: Bitte lesen!


Einmal durch die Hölle und zurück: Roman
Einmal durch die Hölle und zurück: Roman
von Josh Bazell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Story, weniger Blut, 20. Dezember 2011
Mit Einmal durch die Hölle und zurück legt Bazell seinen zweiten Roman vor. Auch in diesem wählt er sich den Ex-Auftragsmörder Pietro als Hauptfigur, der mittlerweile als Arzt auf einem Schiff tätig ist. Doch wieder mal muss er auf seine früheren Fähigkeiten zurückgreifen, als er von einem Milliardär auf eine unglaubliche Mission geschickt wird: mit Hilfe der Paläontologin Violet soll er das Geheimnis des Seeungeheuers lösen, das angeblich in der Nähe einer Kleinstadt sein Unwesen treibt, und dem schon mehrere Menschen zum Opfer gefallen sein sollen.

Wie schon der Vorgänger präsentiert sich Einmal Hölle und zurück als buchgewordener Tarantinofilm und wirkt doch auch reifer als der erste Teil. Das große Blutfließen tritt in den Hintergrund zu Gunsten der abenteuerlichen und interessanten Suche nach einem Monster. Musste ich bei Schneller als der Tod noch kritisieren, dass der Inhalt im Vergleich zu den Gewaltszenen in den Hintergrund rückt, wird hier eine perfekte Balance gehalten.

Auch sprachlich bleibt Bazell seinem Stil treu und entwickelt sich doch weiter. So setzt er (meines Erachtens) diesmal weniger auf Schimpfwörter und Umgangssprache, so dass das Buch insgesamt weniger derb daherkommt, und sein intelligenter Schreibstil mehr in den Fokus rückt.

Natürlich bleiben auch ein paar kleine Kritikpunkte: da wären zum einen die manchmal doch zu umfangreichen Fußnoten (auch damit setzt der Autor wieder voll und ganz auf sein Konzept aus seinem Erstling); zum anderen wirkt die Geschichte zwischenzeitlich doch etwas künstlich in die Länge gezogen, um schließlich ein ziemlich abruptes Ende zu nehmen, wodurch allerdings auch Raum für einen dritten Band gelassen ist.

Zum Schluss sollte man sich auch von der Buchlänge nicht täuschen lassen, denn die (sage und schreibe) letzten 50 Seiten sind doch tatsächlich ein Anhang! Dieser besteht aus manchmal mehr, manchmal weniger interessanten Hintergrundinformation zu Behauptungen und Begebenheiten innerhalb der Geschichte. In wie weit dies lesenswert ist, muss dabei jeder selbst entscheiden...

Fazit: Nicht nur für Fans des ersten Bands sehr zu empfehlen!


Die Insel der besonderen Kinder: Roman
Die Insel der besonderen Kinder: Roman
von Ransom Riggs
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Jugendfantasy mit Niveau, 19. Dezember 2011
Die Insel der besonderen Kinder besticht zunächst schon allein durch die gesamte Buchgestaltung. Dabei fallen natürlich vor allem die Bilder ins Auge, die alle paar Seiten zur Untermalung der Erzählung auftauchen. Viele dieser Bilder jagen einem regelrecht einen Schauer über den Rücken, und fügen sich gleichzeitig so selbstverständlich in die Geschichte ein, als wären sie speziell zu diesem Zweck aufgenommen worden.

Meine anfänglichen Befürchtungen es könne sich um ein weiteres 0815 Fantasybuch für Jugendliche handeln, zerschlugen sich zum Glück sehr schnell. Und bald konnte ich mich dem Sog der Geschichte nicht mehr entziehen:

Alles beginnt damit, dass Jacob, die Hauptperson der Geschichte, seinen geliebten Großvater im Sterben liegend im Wald findet. Doch hat er in der Finsternis der Nacht tatsächlich eines der Monster gesehen, von denen sein Großvater ihm als Kind so oft erzählt hatte? Die Gedanken an diese Monster und ihre mögliche Schuld am Tod des Verwandten lassen den Jungen nicht mehr los, und schließlich begibt er sich auf eine lange Reise, um herauszufinden, was Märchen und was Realität ist.
Viel mehr will ich zum Inhalt eigentlich nicht sagen, nur so viel: Die Reise wird weitaus länger als gedacht!

Wie schon erwähnt, hat Riggs mit diesem Roman eine außergewöhnliche Fantasygeschichte geschaffen, bei der ein Vergleich mit anderen schwer fällt. Auch sprachlich ist das Buch sehr gelungen: es ist abwechslungsreich geschrieben, so dass es nicht ausschließlich auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist. Auch schafft es der Autor die Inselwelt und seine Bewohner vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen, ohne dass nicht noch genug Raum für die eigene Phantasie bleiben würde.

Fazit: Sowohl äußerlich, als auch vom Inhalt her ein klasse Roman!


Eins wollt ich dir noch sagen: Roman
Eins wollt ich dir noch sagen: Roman
von Louisa Young
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Krieg macht auch vor der Liebe nicht halt, 25. Oktober 2011
Anders als befürchtet, ist Eins wollt ich dir noch sagen viel mehr als eine kitschige Liebesgeschichte. Young verzichtet darauf den Krieg zu romantisieren, sondern beschreibt an Hand verschiedener Schicksale die Schrecken des Krieges auf eine interessante und erschütternde Weise.

Im Mittelpunkt stehen zunächst Riley und Nadine, denen auf Grund ihrer unterschiedlichen Herkunft eine gemeinsame Zukunft unmöglich erscheint. Doch alles ändert sich, als sich Riley freiwillig meldet. An der Front lernt er Peter kennen, der neben seiner Frau Julia und seiner Schwester Rose eine weitere Hauptrolle übernimmt.

Young hat sich damit fünf vollkommen unterschiedliche Charaktere ausgewählt, die alle auf ihre Weise versuchen mit dem Krieg fertig zu werden: Während sich Rose zum Beispiel als Frau der Tat im nahe gelegenen Spezialkrankehaus um schwer entstellte Soldaten kümmert, repräsentiert Julia die Rolle der naiven Ehefrau, die es als ihre Aufgabe sieht, das Haus und sich selbst perfekt zu erhalten, um für ihren heimkehrenden Mann jederzeit bereit zu sein.

Youngs Figuren sind vor allem eins: menschlich. Alle haben sie ihre Fehler und agieren manchmal auch absolut nicht nachvollziehbar, und gerade dadurch wirkt die Geschichte äußerst authentisch. Auch verzichtet die Autorin darauf irgendwelche Helden hervorzubringen, sondern macht klar, dass es im Krieg nicht die Guten und die Bösen gibt: Alle sind auf ihre Weise schuldig.

Auch das Ende des Buches (zu viel möchte ich nicht verraten) fällt konsequenterweise nicht rundum positiv aus. Der Krieg hinterlässt in den Seelen der Betroffenen seine Spuren, die auch nach dessen Ende nicht automatisch verschwinden.

Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch! Leser, die einen typischen Liebesroman erwarten, werden allerdings wohl enttäuscht sein. Außerdem würde ich auf Grund der manchmal recht drastischen Beschreibung der Verwundungen und Tode (der Roman spielt nun mal über weite Strecken im Krieg) Zartbesaiteten vom Lesen abraten.


Ruht das Licht
Ruht das Licht
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

4.0 von 5 Sternen Liebe, Schuld und Sehnsucht, 12. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ruht das Licht (Gebundene Ausgabe)
Während im ersten Teil die Liebe zwischen Grace und Sam den Mittelpunkt der Geschichte bildete, und die Erzählung so oftmals sehr kitschig geriet, ist der zweite Band deutlich düsterer gehalten. Dies ist vor allem Isabel und dem neuen Charakter Cole zu verdanken, die nun ebenfalls als Ich-Erzähler agieren. Damit stellen sie allerdings auch Grace und Sam deutlich in den Schatten, deren Geschichte anfangs ein Stück weit in den Hintergrund rückt.

Cole ist bereits mit seinen jungen Jahren eine gescheiterte Persönlichkeit, zerbrochen am plötzlichen Ruhm. Isabel dagegen macht sich für den Tod ihres Bruders verantwortlich, und leidet zusätzlich unter der Nichtbeachtung durch ihre Eltern.

In Ruht das Licht geht es viel um Schuld und Selbstzerstörung, aber auch Sehnsucht. So sehnt sich Sam nach einem normalen Leben, während sich Grace immer wieder von den Wölfen und dem Leben im Wald angezogen fühlt. Cole sehnt sich danach zu vergessen, während Isabel (auch wenn sie es nie zugeben würde) letztendlich einfach geliebt werden will.

Insgesamt ist der zweite Band deutlich intensiver und vielschichtiger, eingebunden in einen angenehmen, flüssigen Sprachstil. Während Nach dem Sommer noch durch und durch ein Jugendbuch war, wirkt Ruht das Licht erwachsener. Die Charaktere entwickeln sich konsequent weiter, so wie es nun mal auf dem Weg zum Erwachsenendasein ist. Auch die Thematik der Verwandlung wird genauer analysiert, und nicht mehr einfach als eine Art Wunder hingenommen.

Fazit: Stiefvater hat es geschafft mit ihrem zweiten Werk einen neuen Weg einzuschlagen, so dass kein langweiliger Abklatsch des ersten Bandes, sondern ein gereifter Band entstanden ist. Nach dem offenen Ende heißt es nun wohl gespannt zu warten, wie die Geschichte um die Wölfe ihr Ende nimmt.


XY: Roman
XY: Roman
von Sandro Veronesi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die etwas andere Lebenshilfe, 22. August 2011
Rezension bezieht sich auf: XY: Roman (Gebundene Ausgabe)
Noch nie war es so schwer für mich ein Buch zu rezensieren, denn schon das Einordnen von XY in ein bestimmtes Genre fällt schwer. Was auf jeden Fall zu sagen ist: Alle die hier einen typischen Thriller erwarten, sollten vom Kauf absehen.

Aber von vorn: In einem Waldstück in der Nähe des Dorfes San Giuda werden 11 Leichen entdeckt. Alle auf unterschiedliche, aber doch immer sehr grausame Weise hingerichtet. Aber die Ermittlungen werfen mehr Fragen auf, als dass sie Aufschluss über die Geschehnisse geben, denn die Ermittlungsergebnisse sind schlichtweg unmöglich.

Mit dieser Tatsache müssen sich nicht nur die Dorfbewohner zufrieden geben, allen voran der Dorfpfarrer Don Ermete, sondern auch der Leser. Eine Auflösung bietet Sandro Veronesi nämlich nicht. Statt dessen versucht der Autor mit Hilfe seiner Figuren Don Ermete und der Psychiaterin Giovanna einen Weg aufzuzeigen mit dem Unglaublichen fertig zu werden, ohne dabei immer zwanghaft nach einer logischen Erklärung zu suchen.

In XY geht es also vor allem um Glauben: den Glauben an Gott, Satan, das Gute, das Böse und vor allem auch an sich selbst. Und es geht um die Gabe Verzeihen zu können, ohne sich ständig die Frage zu stellen: Warum muss so etwas ausgerechnet mir passieren?

Verfasst ist das ganze in der ersten Person, wobei abwechselnd der Pfarrer und die Psychiaterin die Rolle des Erzählers übernehmen. Auf diese Weise gibt der Autor einen tiefen Einblick in das Denken und Zweifeln seiner Figuren, und das in einer intelligenten Sprache, die (größtenteils) angenehm zu lesen ist.

Fazit: Für mich ist XY vor allem eine Art Lebenshilfe, die uns zeigt, dass bei allen Schrecken des Lebens am Ende doch immer ein Neuanfang stehen kann.


Als der Tag begann
Als der Tag begann
von Liz Murray
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Der Überlebenskampf der Liz Murray, 31. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Als der Tag begann (Gebundene Ausgabe)
Hätte ich nicht von Anfang an gewusst, dass dieses Buch die tatsächliche Lebensgeschichte einer jungen Frau erzählt, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass die geschilderten Ereignisse auf Tatsachen beruhen. Was Liz Murray bis zu ihrem 19.Lebensjahr alles ertragen musste, ist schlimmer als das, was andere während ihres gesamten Lebens durchstehen müssen.

Als Töchter von Drogenabhängigen, deren einziger Gedanke der nächste Schuss ist, müssen Liz und ihre Schwester Hunger, Vernachlässigung und das Leben im Dreck ertragen. Schon als Kind sorgt und kümmert sich Lizzy mehr um ihre Eltern als diese um sie. Ihre Schilderungen sind dabei so detailgetreu, dass es mir teilweise schwer fiel längere Passagen am Stück zu lesen, da ihr Schicksal in mir derart Mitleid, Trauer und auch Wut auf ihre verantwortungslosen Eltern, aber auch auf ihre Großeltern weckte. Nur in wenigen Situationen ist eine gewisse Elternliebe zu erkennen, und ihre Großeltern halten es teilweise nicht mal für nötig ihre Enkelinnen zu besuchen, geschweige denn sie aus ihrem Elend zu befreien.

Erst als Liz endlich richtige Freunde findet, und sich so beginnt von ihrer Familie zu lösen, lässt sich das Buch flüssig zu Ende lesen. Dies soll aber nicht heißen, dass sich Liz' Lage schon zu diesem Zeitpunkt ins positive verkehrt, im Gegenteil ihr stehen noch viele Rückschläge bevor.

Der Inhalt des Buches ist meines Erachtens nicht zu bewerten, da es sich nun mal um biographische Fakten handelt, deshalb möchte ich an dieser Stelle lediglich die Sprache des Buches kommentieren: Murray schildert ihre Erlebnisse mal mehr, mal weniger distanziert, aber zu jeder Zeit sehr authentisch. Sie führt den Leser dabei in eine Welt ein, die sich viele nicht mal vorstellen können, um ihn schließlich tief berührt zurückzulassen.

Letztendlich bleibt mir nur noch zu sagen: Ich finde es unglaublich mutig, was für tiefe Einblicke Murray in ihr Seelenleben gewährt, und hoffe, dass sich noch viele Leser von der Stärke und dem Willen dieser Frau inspirieren lassen!


Das Affenhaus
Das Affenhaus
von Sara Gruen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,41

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einblick in eine andere Welt, 15. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Affenhaus (Gebundene Ausgabe)
Isabel arbeitet in einem Sprachlabor für Menschenaffen, doch die Bonobos sind für sie mehr als reine Forschungsobjekte, sie sind ihre Familie. Umso schlimmer, als die Affen nach einem Anschlag auf das Labor plötzlich verschwunden sind.
Parallel verliert der Reporter John, nachdem er das Affenlabor besucht hat durch eine Intrige seiner Kollegin den Job, und auch in seiner Ehe gibt es Probleme.
Zwei Schicksale, die durch ihren Kampf für die Rettung der Affen verbunden sind.

Sara Gruen hat sich für dieses Buch umfangreich mit den Menschenaffen Bonobos, die durch ihre DNS die Nächstverwandten der Menschen sind, beschäftigt. Sie besuchte nicht nur selbst eine Forschungseinrichtung, sondern lernte auch ein Lexigramm - System, durch das sie sich mit den Affen verständigen konnte. So ist zum Beispiel Johns Besuch im Sprachlabor eine Nacherzählung ihres eigenen Besuchs. Die im Buch beschriebenen, außergewöhnlichen Fähigkeiten der Affen sind also keineswegs Fiktion! Schon allein diese Tatsache ist meiner Meinung nach ein Grund dieses Buch zu lesen.

Sie kann auch darüber hinwegtrösten, dass sich Das Affenhaus nach einem atemberaubenden Auftakt zeitweise leider etwas langatmig hinzieht. Auch die zahlreichen glücklichen Zufälle sind manchmal zu viel des Guten und wirken sehr unglaubwürdig. Zum Glück kratzt Gruen aber zum Schluss doch noch die Kurve, so dass das Buch zu einem eindrucksvollen Bericht über unsere tierische Verwandtschaft wird, der dazu noch in einer angenehm leichten Sprache verfasst ist.

Fazit: Auch wenn die Geschichte in Das Affenhaus manche Schwächen aufweist, lohnt die Lektüre auf Grund des Einblicks, den Gruen in das Leben und das Wesen dieser intelligenten Menschenaffen gewährt.


Mein fahler Freund: Roman
Mein fahler Freund: Roman
von Isaac Marion
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überraschend anders!, 20. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Mein fahler Freund: Roman (Gebundene Ausgabe)
Isaac Marion ist meiner Meinung nach der Überraschungs-Hit 2011 gelungen. Überraschung deshalb, weil ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet habe, dass ein Buch, in dem ein angeblich gefühlloser Zombie sich in einen Menschen verliebt, überzeugen kann. Aber es kann, und wie!

Der Zombie R verliebt sich, nachdem er das Hirn des jungen Perry Kelvin gefressen hat, in dessen Freundin Julie. Um sie vor seinen hungrigen Freunden zu schützen, bleibt ihm nur übrig, sie mit seinem Blut zu beschmieren und damit ihren menschlichen Duft zu überdecken. So gelangt Julie als vermeintlicher Zombie ins Hauptquartier der Untoten, doch wie lange kann das gut gehen?

So verrückt die Geschichte auch klingt, Marion gelingt es tatsächlich dem Ganzen eine gewisse Logik zu verleihen. Es gibt weder eine sinnlose Liebe auf den ersten Blick von Seiten Julies, noch ein vorschnelles Happyend. Statt dessen erwarten den Leser immer wieder unvorhergesehene Wendungen, und vor allem starke, außergewöhnliche Charaktere. Vor allem der innere Konflikt, den R mit sich selbst austragen muss, ist wirklich überzeugend dargestellt.

Anders als der Klappentext erahnen lässt, handelt es sich bei dem Buch um eine düstere Zukunftsvision, die sich viel mit den Themen Tod und Schuld auseinandersetzt. Marion spielt gekonnt mit seinen Lesern und stellt sie immer wieder vor die schwere Aufgabe zu beurteilen, wer die Monster sind in einer Welt, in der Gefühle wie Mitleid und Angst fehl am Platz sind. Auf diese Weise setzt er sich kritisch mit der Menschheitsentwicklung und die fortschreitenden Verstumpfung unserer Gesellschaft auseinander. Zwar blitzt immer wieder schwarzer Humor durch, und oft muss man einfach über den verliebten R schmunzeln, insgesamt überwiegt aber doch die oft hoffnungslose Stimmung.

Fazit: Mein fahler Freund hat mich wirklich beeindruckt und begeistert, und ich kann es nur jedem wärmstens empfehlen!


Léon und Louise: Roman
Léon und Louise: Roman
von Alex Capus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die etwas andere Liebesgeschichte, 10. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Léon und Louise: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit Léon und Louise ist Alex Capus ein wunderschöner, zeitloser Liebesroman gelungen, der ganz ohne die üblichen Plattitüden auskommt: Im Mittelpunkt steht dabei Léon, den der Leser auf seinem Lebensweg, der vor allem durch zwei Weltkriege und eine besondere Liebe geprägt ist, begleitet.

Für Léon ist es Liebe auf den ersten Blick, als er in einem kleinen französischen Dorf, in dem er einen Job als Morseassistent annimmt, die "kleine Lousie" trifft. Doch schon nach der ersten gemeinsamen Nacht wird ihre junge Liebe Opfer des Krieges, und es soll erst ein ganzes Jahrzehnt vergehen, bis sie sich wiedersehen. Ist es nun zu spät für eine gemeinsame Zukunft?

Capus' Erzählstil zeichnet sich durch teilweise endlos erscheinende Sätze aus, und doch schafft er es immer wieder im rechten Moment das Thema auf den Punkt zu bringen. Seine Sprache ist durch eine unglaubliche Klarheit und Sachlichkeit geprägt, was wohl auch an der Tatsache liegen mag, dass er Léons Geschichte aus der Sicht von dessen Enkel berichten lässt.

Nicht zuletzt die verschiedenartigen, aber doch alle auf ihre Art und Weise liebenswerten Charaktere ziehen den Leser in ihren Bann. Dabei begeistert vor allem Louises oftmals recht ruppige Art, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Aber auch der abwechslungsreiche, nie vorhersehbare Verlauf der Geschichte trägt seinen Teil bei, um aus diesem Buch etwas ganz besonderes zu machen.

Fazit: Jeder der genug von kitschigen, immer gleich verlaufenden Liebesschnulzen hat, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Es lohnt sich!


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