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Rezensionen verfasst von
Florian

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Winners & Boozers
Winners & Boozers
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Es war leider zu erwarten..., 16. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Winners & Boozers (Audio CD)
Es tut mir wirklich leid, eine so schlechte Bewertung für ein Album einer Band zu verfassen, die ich von ganzem Herzen für ihre Vielseitigkeit, ihre Professionalität, ihre Mischung aus Spaß und Ernst und ihrer in schlichtweg jeder Hinsicht ergreifenden Musik bewundere und liebe. Was Fiddler's Green mit dieser Platte jedoch abgeliefert haben, beleidigt fast schon alles, was sie vorher verkörpert und veröffentlicht haben.

Ich kann nicht sagen, dass ich ein Fan der ersten Stunde bin, da mein erstes Album von Fiddler's Green das 2007 erschienene "Drive Me Mad!" war. Daraufhin habe ich mir alle anderen bis dahin erschienen Platten nach und nach angeschafft und festgestellt, dass jedes einzelne Album, eigentlich sogar jedes einzelne Lied, eine individuelle Atmosphäre, einen eigenen Stil, eine eigene Botschaft vermittelte. Den Texten war anzumerken, dass sie aus der Feder eines sehr begabten Schreibers stammten, musikalisch war ebenfalls alles sehr professionell und es wirkte stets so, als ob eine Gruppe junger Männer mit einer Affinität zu Irland und irischer Musik unglaublich viel Spaß an dem hatte, was sie da so fabriziert. "Drive Me Mad!" war und ist noch immer mein absolutes Lieblingsalbum, nicht nur von Fiddler's Green, sondern ganz allgemein. Für mich war es die perfekte Mischung aus Punkrock, irischer Musik, ein wenig Partystimmung und vielschichtigen Texten über dies und jenes. Mit dem folgenden Album "Sports Day at Killaloe" legten Fiddler's Green in Hinblick auf Partystimmung und Gitarrenlastigkeit noch einen drauf, das ganze wirkte schon eher darauf ausgelegt, dass man sich dazu betrinkt, mitgrölt und schunkelt - dennoch war es kein schlechtes Album, da sich musikalische und textliche Vielschichtigkeit in vielen der Liedern trotzdem wiederfanden und die Musik trotz zugenommer "Rockigkeit" noch immer vielseitig war. Von "Wall of Folk" war ich dann schon etwas enttäuscht, da fast alle Lieder denselben Stil ("so irgendwie Rock mit so'n bisschen irisch dabei höhö") hatten und das Album als Ganzes irgendwie künstlich und weitaus weniger komplex klang. Davon agesehen war der "Betrinkt euch, grölt und schunkelt"-Aspekt des Vorgängers hier noch deutlicher zu Tage getreten. Einige Lieder gefielen mir dennoch und insgesamt war "Wall of Folk" durchaus solide.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die wachsenden partylastigen Schunkel-Aspekte, die am ehesten auf die aufgewühlten Emotionen volltrunkener Familienväter in ihrer Midlife Crisis ansprechend wirken, haben sich auf dem Album "Winners & Boozers" vollends zum Negativen und Lächerlichen entwickelt.

Musikalisch gesehen bietet das Album keinerlei Reize. Viele Lieder klingen gleich, manche Lieder klingen wie solche des Vorgängeralbums ("Never Hide" hat mich beispielsweise sehr an "Fields of Green" erinnert). Beinahe jedes Lied hat diese treibende, hektische Geschwindigkeit, die ganz genau auf das Auf- und Abhüpfen einer tosenden Menge abgestimmt ist. Ständig vermittelt die Musik einem so dieses "SPASS, SPASS, LOS HABT DOCH ENDLICH ALLE SPAAAAASS UND VERGESST EURE SORGEN!!!!!", was ich sonst nur aus den Single-Charts und dem Schlager kenne. Kaum ein Lied hat ansprechende und komplexe Melodien und alles ist viel zu erzwungen "locker" und alle sind gut drauf, YEAH. Das finde ich in etwa so nervtötend wie diese Familienspaß-Animateure im Sommerurlaub, die die ganze Zeit rumwirbeln und das Gefühl vermitteln, alles sei so bunt und lustig, obwohl es einfach nur langweilig ist und man keine besseren Ideen hatte. Genau das allerdings befürchte ich auch bei diesem Album: Für abwechslungsreiche Musik sind Fiddler's Green vielleicht einfach die Ideen ausgegangen.

Textlich ist das Album, mit Verlaub, ein ziemlicher Griff ins Klo. Handelten einige der Lieder der Vorgängeralben von ausgelassenem Alkoholkonsum, hat nun wirklich JEDES Lied dieses Thema, bzw. entweder das oder es geht um irgendwelche nicht näher definierte "Girls". In fast jedem Lied kommt mindestens einmal der Name eines alkoholischen Getränks sowie mindestens einmal das Wort "Pub" oder "Bar" vor, Alkoholkonsum wird nicht nur verherrlicht, sondern geradezu glorifiziert. "Buccaneer" und "Don't Look Back" handeln beide von höchst lebensverändernden Begegnungen in einer Bar bzw. einem Pub, "Old Dun Cow" ist eine Geschichte über Menschen, die sich betrinken und dabei viel erleben, jedoch nicht einer Bar oder einem Pub, sondern einem "public place". Gratulation für so viel Innovation und Vielseitigkeit bei der Auswahl der Lokalitäten, an denen das Besäufnis stattfindet. "We Don't Care", "Raise Your Arms" und "Never Hide" erzeugen entweder mit sich ständig wiederholenden Ausrufen ("WE DON'T CARE VERDAMMT NOCHMAL, HABT IHRS JETZT KAPIERT?!?!") oder eingängigen Kinderreimen ("Raise your arms, raise your voice, raise your hand, make some noise") ein betrunkenes Wohlfühlgefühl, in dem alle sich liebhaben, schunkeln und gar nichts Böses mehr voneinander denken (zumindest solange es noch Alkohol gibt). "The More The Merrier" ist eine stumpfe Aneinanderreihung von "je mehr dies, desto mehr jenes" (meine Lieblingszeile: "The more I dive, the more I'm wet." Na, wer hätte das gedacht), was nach kurzer Zeit nicht mehr lustig, sondern nur noch anstrengend ist. "Song for the Living" ist so schlicht und lebensbejahend, dass es einfach nur öde ist ("Shout out loud, take a ride, und natürlich nicht den PUB vergessen" etc. etc.). "No More Pawn" ist, ähnlich The More The Merrier, eine stumpfe Aneinanderreihung von Sachen, die ein offenbar verlassener Liebhaber seiner Geliebten so geben würde, wenn sie bei ihm bliebe. Alles beginnt mit "I'll..." und der Text agiert nach dem Schema "reim dich, oder ich fress dich". Hurra, man merkt so richtig, wie viel Zeit man sich mit diesen Texten genommen hat, denn "Sich Betrinken und Spaß dabei haben, harrharr" ist ja schließlich ein Thema, das man über 16 Lieder hinweg immer mal wieder aufgreifen sollte, weil es so viel Potential hat bzw. nicht. Einzig und allein "No Lullaby" und "Into the Sunset Again" durchbrechen dieses Schema, wobei ersteres mir musikalisch zu schunkelig ist, um es wirklich gut zu finden.

Tja, ein Konzeptalbum übers Saufen also. Schön. Ich kann wirklich nicht verstehen, wovon Fiddler's Green angetrieben wurden, um dieses Album zu fabrizieren. Vielleicht waren sie betrunken. Läge ja schon irgendwie nah. Höhö.

Zwei Sterne bekommt das Album trotzdem von mir. Einen für das grandiose Lied "Into the Sunset Again", welches als einziges weder schunkelig noch treibend und rockig ist, sondern melancholisch und tiefgründig, sowohl musikalisch als auch textlich.
Den zweiten Stern bekommt das Album dafür, dass die Bandmitglieder nach wie vor ein sehr virtuoses Spiel betreiben und durchaus mal wieder zeigen, dass sie ihre Instrumente voll und ganz beherrschen. Dazu kommt noch, dass sie offensichtlich viel Spaß beim Produzieren des Albums hatten, zu bemerken an den enthusiastischen Zwischenrufen während und zwischen den Liedern. Das ist letztendlich das, was mir an Fiddler's Green immer gefallen hat: Sie hatten Spaß und standen voll und ganz hinter dem, was sie tun. Davon könnten sich viele Bands eine Scheibe abschneiden..

Kurz und gut: Viel zu alkohollastiges Album mit viel zu eintönigen und simplen Texten, jedoch mit der Hoffnung, dass so viel Spaß und Freude an der Sache beim nächsten Album zu wieder zu etwas mehr "back to the roots" führen könnte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 3, 2014 10:02 PM MEST


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