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Gadgadasvara "HomoBonaeVoluntatis" (Westeuropa)

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Kriminalgeschichte des Christentums. Bd. 8: Das 15. und 16. Jahrhundert. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden.
Kriminalgeschichte des Christentums. Bd. 8: Das 15. und 16. Jahrhundert. Vom Exil der Päpste in Avignon bis zum Augsburger Religionsfrieden.
von Karlheinz Deschner
  Gebundene Ausgabe

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo ist das Bundesverdienstkreuz für Karlheinz Deschner?, 11. August 2007
Katholiken räumen gerne ein, das Renaissance-Papsttum repräsentiere einen Tiefstand in der Geschichte des Heiligen Stuhles. Deschner schreibt:
"Vielgescholten werden die Renaissance-Päpste in sittlicher Hinsicht. Doch mag nicht wenigen, mit mir, prinzipiell ein im Vatikan oder sonstwo herumvögelnder Pontifex immer noch hundertmal lieber sein als ein rigoroser Asket, der Tausende unschuldiger Menschen auf Scheiterhaufen, in Kriege und Folterkammern schickt."
Neu war, dass damals Leute auf dem Papstthron Platz nahmen, die aus ihrem Atheismus, ihrer ungehemmten Vetternwirtschaft und ihrem Libertinismus kaum noch einen Hehl machten.
Der Leidensdruck jedoch, dem sich die europäische Menschheit dank Kirche und Christentum ausgesetzt sah, war kaum grösser als stets zuvor; vorausgesetzt, man bezieht die heilsgeschichtlichen Umwälzungen in der Neuen Welt nicht mit in die Bilanz ein, deren Analyse sich Deschner offensichtlich für den nächsten Band vorbehalten hat.
Allerdings erreichten die Ereignisse vor allem in Italien selber infolge der hemmungslosen Raffgier der Päpste, dem ins Uferlose wachsenden Ablasshandel sowie ihrer fortgesetzten Kriege, die jetzt allein der Machterweiterung der eigenen Dynastie dienten, eine neue ungeahnte Dimension des Grotesken. Die Vorgänge sind so hanebüchen, dass keine Literatur, kein Theater, kein Shakespeare auch nur annähernd an die Wirklichkeit in ihrer Ungeheuerlichkeit heranreichen.
Die immerwährend raffende und raubende Kirche war damals dabei, selbst das Opfer von Kirchenräubern zu werden, dem Heiligen Stuhl drohte seine eigene Säkularisierung.
Dann kam bekanntlich Luther, den Deschner unter vier Gesichtspunkten untersucht: Sein Verhältnis zu Ketzern, zu Zauberern und Hexen, zu den Bauern und zu den Juden. Das Ergebnis ist vernichtend, auch wenn lutheranische Theologen gerne argumentieren, man müsse den Menschen Luther vom Theologen Luther und seinem Werk trennen.
Deschners Geschichtswerke repräsentieren eine kopernikanische Wende für das Geschichtsbild unserer christlich-abendländischen Zivilisation. Dennoch gilt immer noch, dass sich ihre Bedeutung umgekehrt proportional zur Betroffenheit verhält, die sie auslösen.
Die Kirche versucht bewunderungswürdig konsequent, Deschner totzuschweigen. Das überrascht nicht, sondern zeigt nur einmal mehr, mit welchen Geistes Kind wir es hier nach wie vor (sic!) zu tun haben.
Aber auch die Geschichtswissenschaft hat Deschner schlicht ignoriert. Sicher, es gibt auch hier Applaus, im Sommersemester 1987 bw. hielt Deschner eine Vorlesung zum Thema "Kriminalgeschichte des Christentums" an der Münsteraner Universität. Ferner die zahlreichen von Deschner genannten Historiker, deren Befunde mit seiner Darstellung übereinstimmen.
Doch insgesamt bleiben es Ausnahmen. Die ganz grosse Mehrheit unserer zeitgenössischen Historiker scheint vielmehr der Auffassung, Deschner sei dermassen unseriös, dass er nicht einmal eine negative Kritik verdiene. Doch auch Schweigen kann mitunter äusserst beredt sein und schwerwiegende Konsequenzen haben.
Denn angesichts der Ungeheuerlichkeit der Deschnerschen Berichte und der Tatsache, dass sie in vielen wichtigen Punkten dem landläufig tradierten Geschichtsbild diametral zuwiderlaufen, sieht sich zumal der katholische Leser nach bestätigenden Instanzen um. Und was sollen junge Geschichtsstudenten angesichts dieses Boykotts seitens ihrer Koryphäen denken? Wie zitierfähig mag Deschner wohl an deutschsprachigen Unversitäten sein?
Deshalb hat die Geschichtswissenschaft der Rezeption des Deschnerschen Werks äusserst wirkungsvoll entgegengearbeitet. Dieser doppelte Verrat kann nicht scharf genug verurteilt werden: Verrat an der intellektuellen Rechtschaffenheit und damit am Geiste der Wissenschaft selber und schliesslich Verrat an ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für das kollektive Geschichtsbild.


Kriminalgeschichte des Christentums: Die Alte Kirche
Kriminalgeschichte des Christentums: Die Alte Kirche
von Karlheinz Deschner
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selig, die da lesen und die Konsequenzen ziehen, 10. August 2007
Dieser 3. Band ist unter verschiedenen Gesichtspunkten besonders interessant.

Man pflegt sehr häufig, die von Deschner aufgezeigten Verfehlungen des katholischen Christentums dem jeweiligen Zeitgeist zuzuschreiben. Christen seien halt auch nur Kinder ihrer Zeit und man müsse die Dinge aus ihrer Zeit heraus verstehen.

Zunächst einmal liesse sich hier fragen, warum nicht auch Ausschwitz oder andere zeitgenössische Genozide unter die gleiche Rubrik fallen.
Ferner: Je mehr man die soziologische Determiniertheit menschlichen Handelns betont, desto mehr gerät man in Widerspruch zum Dogma menschlicher Willensfreiheit und Schuld.
Ausserdem spricht man kraft diesen Arguments der katholischen Glaubenspraxis, ihren Gebeten und Ritualen, ab, Ursprung bzw. Quelle einer den Menschen läuternden und veredelnden Kraft zu sein.
Doch abgesehen von diesen allgemeinen Überlegungen zeigt Deschner im vorliegenden dritten Band, wie sehr das katholische Christentum sich bereits in der Antike zu einer kultur- und zivilisationsprägenden Instanz entwickelte.
Sein monotheistischer Absolutheitsanspruch, welcher der römisch-griechischen bzw. hellenistischen Welt fremd war, zog eine seit Konstantin systematisch betriebende Ausrottung konkurrierender Weltanschauungen nach sich, die Deschner sehr schön im Kapitel mit der Überschrift "Vernichtung" aufarbeitet.
Die Kirche vollzog auf diese Weise eine religiöse bzw. ideengeschichtliche Gleichschaltung, deren geographische und chronologische Dimension in der Geschichte vermutlich einzigartig dasteht und deren Intensität vielleicht nur in kommunistischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts eine Parallele findet.
Mit anderen Worten: Die katholische Kirche war nicht Opfer des Zeitgeistes, sondern selber Urheber des Zeitgeistes!
So hat Deschner völlig recht, wenn er im 4. Band (Rowohlt, 1997, S. 325) schreibt:
"Ergo gehört diese nicht zufällig so gerne strapazierte, weil historisch alles "verstehbar", moralisch alles "entschuldbar" machende Floskel zum Lieblingsvokablar ordinierter Anpasser oder Schwachköpfe (häufig beides) und engültig auf den Müllhaufen ausgedienter Apologetentricks. Sie hat, nicht immer, doch in der gängigen Praxis fast stets eine Verharmlosungs-, Entlastungs- und Schönfärbefunktion."

Und wer erfahren will, wieviel wir dem Christentum tatsächlich an der Überlieferung heidnisch-antiken Schrifttums verdanken, dem sei diese Lektüre aus den bereits oben angedeuteten Gründen ans Herz gelegt.

Und schliesslich kann Deschner im Kapitel "Fälschung" nachweisen, dass der von der katholischen Kirche postulierte apostolische Ursprung ihrer kanonischen Schriften auf Sand gebaut ist, ja deren ganze Überlieferungsgeschichte durch die abenteuerlichsten Abstrusitäten gekennzeichnet ist.


Kriminalgeschichte des Christentums: Das 13. und 14. Jahrhundert
Kriminalgeschichte des Christentums: Das 13. und 14. Jahrhundert
von Karlheinz Deschner
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,00

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre!, 20. Mai 2007
Auch dieser Band seiner Kriminalgeschichte des Christentums zeigt Deschner voll auf seiner Höhe. Seine Gabe, die Dinge prägnant auf den Punkt zu bringen, der energische Schwung seiner Rede erinnern deutlich an Nietzsche; sein Talent, Pfeile pointenreich zugespitzt mit einer saftigen Dosis Satire zu verschiessen, an Voltaire.

Endlich einer, der die Dinge beim Namen nennt!

Dass des Lesers Begeisterung indessen nicht vollends in lauten Jubel ausbricht, liegt in der Sache selbst begründet. Denn was Deschner da vor unseren Augen wiederauferstehen und Revue passieren lässt, ist ein unübersehbares Meer der menschlichen Niedertracht, des vor keiner Grausamkeit zurückschreckenden Machttriebs und unvorstellbaren Leidens. Dem Leser bleibt das Lachen gewissermassen im Halse stecken. Auch wenn diese Ereignisse sieben- bis achthundert Jahre zurückliegen, erfüllen sie uns doch mit einer Mischung aus tiefer Empörung und bestürzter Anteilnahme.

Wer sich mit dieser bewegten Epoche beschäftigt, für den führt kein Weg am vorliegenden Werk vorbei. Denn angesichts der fundamentalen Bedeutung der Kirche für die abendländische Geschichte ist Deschners Kriminalgeschichte ebenso wie sein ganzes Werk keineswegs nur von religions- oder kirchengeschichtlichem Interesse.

Was Deschner da ans Tageslicht schafft, sind gewöhnlich Vorgänge, die von der gängigen Geschichtsschreibung notorisch verzerrt, beschönigt oder einfach unterschlagen werden. Deschner lässt es sich denn auch nicht nehmen, immer wieder die betreffenden geradezu skandalösen Passagen der sogenannten Referenz- und Standardwerke zu zitieren.

Es mag nun überaus verwunderlich erscheinen, wie man nach der Lektüre Deschners überhaupt noch Katholik sein kann. Doch erstens kann man Deschners Behauptungen schlicht apriori anzweifeln und sich damit zufrieden geben. Denn wäre er ernstzunehmen, hätte die Kirche dann nicht schon längst einen ihrer vielen klugen Geister entsandt, um ihm das Handwerk zu legen? Oder man sagt sich, jene Zeiten seien nun mal rauh und auch die Diener Gottes Kinder ihrer Zeit gewesen. Und vor allem: die heutige Kirche sei nun mal ganz anders. So entledigt man sich des ganzen Deschner mit einer Handbewegung, rettet seinen Glauben und Punkt.

Hier fehlt gewissermassen ein Deschner zweiter Instanz, der nachsetzte und derlei Argumentationen den Fluchtweg abschneidet.

Ferner ist in der Tat verwunderlich, warum die Kirche Deschners Fehdehandschuh nicht aufgenommen hat und offenbar vorzieht, ihn totzuschweigen. Wo sind die einst für ihren Scharfsinn bekannten Jesuiten, wo die katholischen Historiker? Man möchte ihnen zurufen: „Stehet auf und werfet nieder Euren mächtigen Widersacher aus Hassfurt!“

Aber vielleicht hat man ja nicht mehr als das berühmte Haar in der Suppe gefunden. Vielleicht weiss man, dass man in einer offenen Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen würde.

Dass man ihm unterdessen nicht am Zeug hat flicken können ist ausgesprochen erstaunlich. Denn wenn Deschner zwar mit Hilfe zahlreicher Gelehrter, aber doch letztlich als einzelner die herkulische Aufgabe unternonmen hat, zwei Jahrtausende abendländischer Geschichte aufzuarbeiten, wäre nur allzu natürlich, wenn ihm dabei sogar zahlreiche historische Ungenauigkeiten unterliefen.

Und doch: angesichts der Tatsache, dass ihm bereits 80 Lebensjahre vergönnt waren, möchte man doch fast wieder an die Existenz Gottes glauben. Gebe dieser also, dass Deschner und seinem Schaffen noch viele Jahre beschieden sein mögen!

Und schliesslich vergesse man nicht, der Wahrheit auch in unseren Schulbücher zu ihrem Recht zu verhelfen. Gemäss dem biblischen Gebot: Du sollst nicht lügen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2011 10:41 PM CET


The Glenn Gould Edition: Bach: Das Wohltemperierte Klavier (Buch 2) (Doppel CD)
The Glenn Gould Edition: Bach: Das Wohltemperierte Klavier (Buch 2) (Doppel CD)
Wird angeboten von musikdrehscheibe
Preis: EUR 18,89

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lieblose Abfertigung, 16. Mai 2007
Goulds Einspielung von WK II bleibt weit hinter seiner hinreissenden Interpretation von WK I zurück. Sicher, es gibt auch hier herrliche Stücke und Momente.

Ein charakteristischer Aspekt von Goulds Bachspiel ist sein feuriges Temperament, das die Stimmen in eine Art sportliche und kämpferische Zwiesprache treten lässt. Und dies ist nicht nur reizvoll und funktioniert bei vielen Stücken, es passt oft auch genau.

Aber bei WK II artet dieser Geist bei sehr viel Stücken in eine Art brachiale Tour-de-Force, in ein mechanisches Hämmern aus, das auch gar nicht mehr versucht, der individuellen Wesensart der einzelnen Präludien und Fugen gerechtzuwerden. Und die Tempi werden meistens so schnell genommen, als gälte es, einfach möglichst schnell mit der ganzen Einspielung fertig zu werden.

Bei diesem Gewaltritt werden viele Kleinodien schlicht übersprungen bzw. begraben, deren Schönheit erst ein kontemplatives Verweilen und ein lyrisches und singendes Cantabile-Spiel offenbaren würde. Stücke wie Präludium und Fuge 22 aus seinem WK I, BWV 867, findet man hier nicht mehr.

Vielleicht gibt es kein besseres Beispiel für das, was ich meine, als seine Einspielung von Fuge 9, WK II, BWV 878. Man vergleiche diese harte und herzlose Hämmerei mit seiner Einspielung des gleichen Stückes im zweiten Teil des unsterblichen dreiteiligen Fernseh-Interviews mit Bruno Monsaignon (Titel: Die Kunst der Fuge). Hier kommt Gould zu sich, hier ersteht eine prächtige Stimmung des Friedens, der Gelassenheit und der Andacht, die im übrigen auch seine späteren Einspielungen von Teilen aus BWV 1080 auszeichnet, um nur ein Beispiel zu nennen.

Gould kann auch dies, es ist keine Frage. Und ich bin selber ein begeisterter Gould-Fan. Aber diese Einspielung von WK II lässt doch zu wünschen übrig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2012 3:38 PM CET


Bach:  das Wohltemperierte Klavier,Buch 1
Bach: das Wohltemperierte Klavier,Buch 1

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Weltwunder, 15. Mai 2007
Sprachlos steht man vor Goulds polyphoner Begabung. Er ist ganz sicher nicht der einzige Pianist, der über die wunderbare und ganz und gar nicht selbstverständliche Gabe verfügt, mehrere Stimmen gleichzeitig autonom zu hören bzw. innerlich nachzusingen. Aber Gould erscheint mir als der König der Polyphonie.

Gleichzeitig spürt man, wie er jedes Stück als organisches Ganzes von Anfang bis Ende durchkonzipiert.

Die Transparenz, mit der er die einzelnen Stimmen herausarbeitet, ermöglicht auch gewöhnlichen Sterblichen, in den Kosmos der bachschen Polyphonie einzutreten. Seine Weise, sie gegenseitig herauszuarbeiten und miteinander interagieren zu lassen, ist stets faszinierend. Bei vielen Stücken hat man den Eindruck, man hört sie ganz neu. Seine Einspielung differenziert sehr wohl die eigene Wesensart der einzelnen Stücke. Seine Virtuosität bewerkstelligt ein Feuerwerk sublimster Effekte und Wendungen, eine phänomenale Interpretation, an der meines Erachtens für jeden Liebhaber des bachschen Kontrapunkts kein Weg vorbeiführt. Sein feuriges und pointiertes Spiel und seine wunderbar rhythmische Phrasierung sind einzigartig. Es erfüllt einen immer wieder mit Bedauern, dass dieser einzigartige Pianist schon so zu früh aus dem Leben gerissen wurde.


Everything & Nothing
Everything & Nothing
Preis: EUR 14,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartiges Monument grosser Kunst, 28. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Everything & Nothing (Audio CD)
Eingefleischte David Sylvian Fans versichern, diese Doppel-CD gäbe nur ungenügend den ganzen Reichtum seines Schaffens wider. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Ich bekam diese CD vor zwei Jahren und sie schlug bei mir ein wie eine Bombe. Ich habe mich seitdem umgesehen nach anderen CDs von Sylvian. Sicher ist mir das ein oder andere entgangen. Aber insgesamt muss ich sagen, diese Best of verdient wirklich ihren Namen. Die Dichte genialer unvergesslicher Songs ist einfach umwerfend. Namentlich die Stücke: Every Colour you are. Wanderlust. Cover me with flowers. The boy with the gun. Riverman. Midnight sun. Orpeus. I surrender. Heart beat. Das sind 9 Juwelen auf einer (Doppel-)CD! Was für eine Ausbeute!

David Sylvian zeigt in Stücken wie diesen Genialität, die darin besteht, etwas Neues zu schaffen, was so noch nicht existierte. Ebenso wie Spirit of Eden von Talk Talk einzigartig in der gesamten Landschaft der U-Musik dasteht, so auch diese Songs von Sylvian. Es gibt einfach nichts Vergleichbares.

Es ist schön zu sehen, dass es auch heute noch gute Musik gibt. Seine Songs gehören zum Schönsten, was ich in meiner Sammlung habe. Unzählige Male schon habe ich sie gehört und nie dran sattgehört.

Wahrhaftig grosse Kunst!


Provence und Okzitanien im Mittelalter
Provence und Okzitanien im Mittelalter
von Marlies Zeus
  Sondereinband

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unbefriedigend!, 2. April 2007
Immer wieder liest man von einer legendären südfranzösischen Kultur, die sich durch verfeinerte Sitten und Lebensart, durch gegenseitige Toleranz und vielleicht sogar ein wenig Freigeisterei ausgezeichnet haben soll. Eine Kultur, wo man lieber Feste feierte und Troubadoure die Liebe besingen liess, als sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Und die dann durch Kreuzzüge und nachrückende Inquisition ausgemordet und begraben wurde.

Über diese Kultur möchte man gerne mehr lesen. Man möchte erfahren, ob es sich um eine mythische Überhöhung oder eine historische Realität handelt. Und da schien mir das vorliegende Werk von Marlis Zeus nicht nur vielversprechend, sondern auch eine Marktlücke zu füllen. Es stand zu erwarten, dass diese Epoche in ihrem ‚historischen Streifzug’ durch das Mittelalter einen breiten Platz einnehmen würde, da sie doch ganz offensichtlich den Höhepunkt okzitanischer Kultur verkörperte.

Aber die Autorin widmet nur ungefähr fünfzig der gut fünfhundert Seiten den ‚Trobadors’ und der ‚Häresie in Okzitanien’. Aber auch da beschränkt sie sich auf kurze Lebensbeschreibungen der bekanntesten Troubadoure unter Anführung einiger Zitate, und man erfährt über die Albigenser bzw. Albigenserkreuzzüge auch sonst nichts, was man nicht schon besser aus anderen Quellen wüsste.

Hinsichtlich jener Kultur bringt die Autorin nur einige sehr spärliche und geraffte Charakterisierungen, die sich im Wesentlichen mit dem oben angeführten Bild decken. Und auch da fehlen die Belege, so dass man nicht weiss, ob die Meinung der Autorin eine Frucht autonomer Forschung ist, oder ob sie nur ein allgemein gängiges Klischee kolportiert.

Wer dagegen an den themenrelevanten dynastischen Verbindungen der europäischen Fürstenhäuser interessiert ist, wer wann wen heiratete und wer mit wem verschwägert ist, der findet in diesem Werk eine reiche Fundgrube.

Als genereller Eindruck bleibt das blosse Aneinanderreihen von historischen Fakten und Daten. Was die Perspektive der Autorin angeht, so seien abschliessend noch zwei Stellen angeführt, die vielleicht auch noch andere Leser ebenso ratlos zurückliessen wie mich:

Nachdem die Autorin beschreibt, wie die in Südfrankreich eindringenden Sarazenen das Land plünderten und verwüsteten, fährt sie folgendermassen fort: ‚Die Häuser, in der Ebene inmitten fruchtbarer Felder erbaut, bedeuteten leichte Beute für die plündernden Sarazenen. Es waren eben Soldaten, sie mussten sich mit Proviant versorgen!’ (S. 37).

Und:

‚Neulich las ich etwas Einleuchtendes: die Missionare der Katharer und Waldenser hätten vielleicht weniger Zulauf in Okzitanien gehabt, wenn sich die Kirche mehr um die Religion und um den seelischen Beistand der Menschen gekümmert hätte, statt weltliche Machtpolitik zu betreiben.’ (S. 371)

Ja, das mag wohl stimmen.

Und so steht man am Ende da wie der Tor, der nicht mehr weiss als wie zuvor.

Kurz: mein schlechtester Buchkauf in Jahrzehnten.


The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World
The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World
von Bjørn Lomborg
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,95

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Raumschiff Menschheit......., 16. Februar 2007
Ich nahm Lomborgs The Sceptical Environmentalist ('Apocalypse No!') mit äusserster Skepsis in die Hand.

Wider Erwarten stellte sich Lomborgs Werk als schweres Geschütz heraus, dem man keineswegs nur durch Entrüstung und persönliche Attacken beikommen kann. Die Widerlegungsversuche der Danish Committees on Scientific Dishonesty (DSCD) und der Zeitschrift Scientific American scheiterten ([...]

Lomborg zeigt, dass viele Informationen, die uns von Umweltschutzorganisationen zugesteckt worden sind, schlicht nicht der Wahrheit entsprechen. Und die Diskrepanzen und Ungereimtheiten sind so flagrant, dass man nicht umhin kann, hier in vielen Fällen von Vorsätzlichkeit auszugehen. Übrigens kommt gerade auch das Worldwatch Institute (dem ich bislang vertraute) hier vernichtend schlecht weg.

Mancher mag denken, um die Massen zu bewegen, dürfe man es um der guten Sache wegen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, da müsse man halt dick auftragen. Aber Flunkereien können früher oder später rauskommen. Wie dies im vorliegenden Fall ja geschehen ist. Und dann geht der Schuss gewaltig nach hinten los, denn die Kredibilität der Umweltschutzorganisationen ist dahin. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

Es führt auch nicht weiter, wenn sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, im Dienste gewisser Lobbies zu stehen. Selbst wenn dem so wäre, und irgendjemand verdient immer irgendworan, kommen wir so nicht weiter. Denn letztlich werden sich die besseren Argumente durchsetzen.

Indessen: Hat Lomborg in allem Recht? Ich denke Nein.

Lomborgs Ansatz ist, wie er selber auch zugibt, strikt anthropozentrisch. Die Umwelt ist für ihn offensichtlich lediglich eine dem Menschen dienende Resource. Aus seiner Perspektive wäre nichts einzuwenden gegen eine auf endlose Felder und Nutzwald beschränkte Natur, eine auf Nutztiere begrenzte Tierwelt und Wasserläufe, die nur genügend sauber sein müssen, um unsere Trinkwasserversorgung sicherzustellen.

Aber es gibt noch ein anderes Motiv, Umweltschutz zu betreiben: Aus Liebe zur Natur selber. Das schlichte Rauschen der Bäume, ein kristallklarer Bach, eine (möglichst) intakte Flora und Fauna. Und solche Biotope sind zunehmend bedroht bzw. bereits weitestgehend zerstört. Für Lomborg ist diese Haltung zur Natur aber allenfalls ein bizarres Steckenpferd.

Lomborg scheint zu entgehen, dass Ökosysteme aus dem Gleichgewicht laufen können. Änderungen hinsichtlich Niederschlagsmenge und 'verteilung implizieren die Destabilisierung von Biotopen und den Untergang zahlloser Spezies. Es entspricht ganz seinem utilitaristischen Standpunkt, wenn er Umweltprobleme vorrangig als Kosten-Nutzen-Problem betrachtet. Zwar muss die Menschheit sich genau überlegen, wie sie mit ihren begrenzten Handlungsresourcen vernünftig haushalten wird. Aber wenn er bezüglich der sogenannten thermohalinen Zirkulation, die für den Golfstrom und somit das Wetter in Europa verantwortlich ist, schreibt, wir wüssten 'ausserdem immer noch nicht, was ein Kollabieren des Golfstroms tatsächlich kostet', wobei 'die Temperaturen und das Klima 'nur' auf kanadische Verhältnisse absinken würden' (Apocalyse No!, 1. Auflage, S. 367-368), da horcht man doch auf. Ferner setzt Lomborgs Methode des universalen Quantifizierens und Hochrechnens die Berechenbarkeit von Faktoren voraus, die vermutlich doch hochgradig unwägbar sind. Die Probleme der Grundwasserknappheit und die Überfischung der Meere räumt er ein, ohne weiter auf sie einzugehen.

Zu unterstreichen ist jedoch auch, dass er in vielerlei Hinsicht zeigen kann, dass die Lage der Menschheit besser ist, als wir bislang glaubten. Und das motiviert doch wieder zum Handeln. Wer an no future glaubt, tut nichts mehr.


Os Dias Da Madredeus
Os Dias Da Madredeus
Preis: EUR 19,99

1 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Magier des schönen Scheins, 5. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Os Dias Da Madredeus (Audio CD)
Os Dias da Madredeus ist genauso gut wie jede andere CD von Madredeus. Oder so schlecht.....

Und zwar nicht eigentlich wegen der geradezu bestürzenden Armut der musikalischen Ideen. Nicht wegen der Verwegenheit, mit der Madredeus seine banalen Motive wieder und wieder neu auflegt.

Schon eher wegen Teresa Salgueiros Kunst. Wenn sie mit ihrem schmachtenden Gesang anhebt (schmachtend ist wirklich der treffende Ausdruck), möchte man am liebsten türmen gehen. Allein die Titel der CDs schon bezeugen diese meterdick aufgetragene Sentimentalität: Ainda......; Paraíso.........; Existir........., Amor Infinito.......

Teresa Salgueiro mit Amalia Rodrigues zu vergleichen, grenzt an Gotteslästerung. Und doch gelten gerade Madredeus als Inbegriff genuin portugiesischer Kunst: Hier finde man angeblich die angeblich typisch portugiesische Saudade verkörpert.

Madredeus sind vor allem anderen Meister des Marketing. Ihre Auftritte sind sorgfältig inszenierte Gesamtkunstwerke, das Setting bildet dabei die Quintessenz ihrer Kunst.

Madredeus sind professionelle Illusionisten im Zaubern von Bühneneffekten, hier ist alles Theater. Madredeus ist eine Masche, ein Markenimage, einhundertprozentig komerzielle Kunst.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 10, 2012 3:21 PM MEST


O Espiritu Da Paz
O Espiritu Da Paz
Preis: EUR 20,99

7 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Magier des schönen Scheins, 4. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: O Espiritu Da Paz (Audio CD)
Es gibt kaum eine Gruppe, die mich so zum Einspruch bewegt wie Madredeus.

Und zwar nicht eigentlich wegen der geradezu bestürzenden Armut ihrer musikalischen Ideen. Nicht wegen der Verwegenheit, mit der Madredeus seine vollkommen banalen Einfälle wieder und wieder dem Publikum darreicht.

Schon eher wegen Teresa Salgueiros Kunst. Wenn sie mit ihrer schmachtenden Sentimentalität anhebt, möchte man am liebsten laufen gehen. Allein die Titel der CDs schon bezeugen diese meterdick aufgetragene Sentimentalität: Ainda; Paraíso; Existir, Amor Infinito.......

Teresa Salgueiro mit Amalia Rodrigues zu vergleichen, grenzt an Gotteslästerung. Und doch gelten gerade Madredeus als Inbegriff genuin portugiesischer Kunst: Hier finde man angeblich die angeblich typisch portugiesische Saudade verkörpert. Ein Klischee.

Madredeus sind vor allem anderen Meister des Marketing. Ihre Auftritte sind sorgfältig inszenierte Gesamtkunstwerke, das Setting die Quintessenz ihrer Kunst.

Madredeus sind professionelle Illusionisten im Zaubern von Bühneneffekten. Bei Madredeus ist alles Theater. Madredeus ist eine Masche. Madredeus ist einhundertprozentig komerzielle Kunst.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2012 12:58 PM MEST


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