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Rezensionen verfasst von
Roswita Pohlmeyer "RP" (Berlin)

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Das soziale Stiftungsunternehmen: Eine wirtschaftspolitische Alternative
Das soziale Stiftungsunternehmen: Eine wirtschaftspolitische Alternative
von Lutz Frühbrodt
  Broschiert
Preis: EUR 14,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kapitalismuskritik auf die sanfte Tour, 2. Mai 2014
Wer mit dem heutigen Finanzkapitalismus auf Kriegsfuß steht, kann entweder eine komplett neue Weltwirtschaftsordnung fordern - die aller Voraussicht nach so bald nicht kommen wird. Oder aber man sucht im Hier und Jetzt nach Nischen für ein gerechteres Wirtschaften mit sozialem Gewissen. Das macht Lutz Frühbrodt mit seinem Buch "Das soziale Stiftungsunternehmen". Er erklärt, dass man Unternehmenskapital mit der Überführung in eine Stiftung neutralisieren und damit ein Zeichen für soziales und nachhaltiges Wirtschaften setzen kann.
Zugegeben, das Thema Stiftungsunternehmen und die zugehörigen Firmenkonstruktionen sind manchmal ein bisschen sperrig. Darum fand ich es sehr hilfreich, dass in dem Buch neben Theorie auch viel Praxis vorkommt, nämlich ausführliche Portraits zweier mittelständischer deutscher Unternehmen (Wala, besser bekannt als Dr. Hauschka, und Hoppmann), die seit vielen Jahren erfolgreich als soziale Stiftungsunternehmen arbeiten und sich dabei offensichtlich nicht von den harten Regeln des Marktes haben unterkriegen lassen.
Verpasste Chancen macht Frühbrodt in der deutschen Geschichte aus - wo zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg für die Volkswagen-Werke eine Stiftungskonstruktion durchaus in Frage gekommen wäre. Und richtet, davon ausgehend, den Blick in die Gegenwart und in die Zukunft, wo man heute mit dem Gedanken der sozialen Stiftungsunternehmen neue Impulse setzen könnte. Damit wir nicht erst auf die Weltrevolution warten müssen.


In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
von Eugen Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erwartungen enttäuscht, 19. Dezember 2011
Davon hatte ich mir mehr versprochen: Drei Generationen einer Familie, die Anfangsjahre, Konsolidierung und Ende der DDR repräsentieren sollen. An sich ein schönes Thema - unter der Voraussetzung, dass die handelnden Figuren auch wirklich lebendig werden mit ihren individuellen Überzeugungen, Hoffnungen und Widersprüchen. Meiner Meinung hat Ruge dieses Ziel nicht erreicht.
Großvater und Vater (Wilhelm und Kurt) bleiben in der Darstellung einander relativ ähnlich und schablonenhaft verstockt, während der Sohn (Alexander) - offensichtlich mit autobiographischen Zügen des Autors - gegen sie und gegen den Staat rebelliert. Die zugehörigen Frauenfiguren bestehen aus reichlich Gefühl und Klischees. Alle drei Männer erleben ihre kleinen Abenteuer als Schürzenjäger. Politische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen, die sich im dem Leben der Romanfiguren hätten spiegeln können, spart Ruge dafür weitgehend aus. Und das soll nun irgendwie repräsentativ sein für 40 Jahre DDR?
Trotzdem gibts von mir immerhin zwei Punkte, und zwar für die Erzählstruktur: Die einzelnen Kapitel sind aus verschiedenen Jahren (nicht chronologisch) aneinandergereiht; jedes Kapitel erzählt ein anderes Familienmitglied, so dass man sich als Leser die verschiedenen Facetten der Geschichte selbst zusammensetzt. Wenn man Familiensagas mag, lohnt es sich also zumindest in dieser Hinsicht, bis zur letzten Seite durchzuhalten.


Spur der Steine
Spur der Steine
von Erik Neutsch
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DDR mit all ihren Widersprüchen, 1. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Spur der Steine (Gebundene Ausgabe)
Langen Atem braucht man, um die 730 Seiten lange Spur der Steine nach zu verfolgen, aber die Mühe lohnt sich. Die Geschichte um den Parteisekretär Werner Horrath, die junge Ingenieurin Kathrin Klee und den Zimmermann Hannes Balla auf der Großbaustelle Schkona spiegelt sowohl die frühe Aufbruchstimmung als auch die späteren Sollbruchstellen der DDR wieder.
Die drei Hauptfiguren ringen jede auf ihre Weise um den richtigen Kurs an ihrem Arbeitsplatz, geraten dabei regelmäßig mit den oberen Hierarchiestufen aneinander und werden persönlich durch die Liebe mehr oder weniger aus der Bahn geworfen. Die Partei (SED) ist allgegenwärtig und verkörpert einerseits Ideal und Gewissen, andererseits aber auch Intoleranz und Spielwiese für opportunistische Karrieristen.
Das Buch ist stark vom sozialistischen Realismus geprägt. Seitenlang beschreibt Neutsch in teils schwärmerischem und durchaus literarischem Stil die Arbeiten auf der Baustelle, was aus heutiger Sicht ein bisschen komisch anmutet, aber auch durchaus seinen Reiz hat. Die Darstellung, wie sich Hannes Ballas vom Hallodri zum engagierten Parteimitglied entwickelt und sich dabei auch mit der unerfüllten Liebe abfindet, wirkt dagegen schon etwas zu sehr politisch / sozialistisch korrekt. Auch auf die Ehrung Ballas als 'Held der Arbeit' mit persönlichem Empfang beim Staatsratspräsidenten zum Ende des Buches hätte ich persönlich verzichten können, da wird es schlichtweg kitschig.
Trotzdem darf man Neutsch abnehmen, dass er selbst mit diesem Buch um den richtigen politischen Kurs ringt - die hehren Ziele des Sozialismus fest im Blick, aber gleichzeitig als Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. Als wichtigster Eindruck bleibt bei mir von der Lektüre zurück, wie viele offensichtliche Probleme rund um Bürokratismus und hohle Propaganda schon in den frühen Jahren der DDR bestanden, mit denen der Staat trotzdem noch bis 1989 weiterexistiert hat.


Karte und Gebiet
Karte und Gebiet
von Michel Houellebecq
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

29 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verfall, 20. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Karte und Gebiet (Gebundene Ausgabe)
Wenn Houllebecqs Roman Karte und Gebiet" überhaupt ein durchgängiges Thema hat, so ist es der Verfall. Der wird nicht nur im Verlauf der Erzählung anhand verschiedener Episoden durch dekliniert, sondern bezieht sich leider auch auf die schriftstellerische Stärke Houllebecqs.
Die Hauptfigur Jed Martin ist ein bildender Künstler in Paris, der es nach und nach mit seinen Fotografien und Bildern zu Starruhm bringt. Er selbst bleibt dabei merkwürdig unbeteiligt und bewusst sozial isoliert. Eher halbherzig ist eine Liebesgeschichte und das distanzierte Verhältnis zum Vater eingeflochten. Ein wenig Schwung bekommt die Geschichte durch Martins Begegnung mit Houllebecq höchstselbst, wobei man sich als Leser aber schwer entscheiden kann, was der Autor mit diesem Kunstgriff bezweckt: Selbstzerstörung, Selbstironie oder doch eher eitle Selbstbespiegelung? Der grausame Mord am Schriftsteller macht den letzten Teil des Buches aus, lässt es teilweise zum Krimi mutieren und wird schließlich ziemlich unspektakulär aufgelöst.
Die große Kraft des Autors, seine brutale Abrechnung mit der Gesellschaft und einigen ihrer exponierten Vertreter, ist in diesem Buch nicht mehr wiederzufinden. Lakonisch und harmlos zieht sich die Geschichte eher in Stimmungsbildern als in einer stringenten Handlung hin und bietet zwar hier und da interessante Aspekte (der Hund als Kindersatz, Berufsgruppen im bildlichen Portrait, Architektur als Lebensgestaltung, Sterbehilfe) - aber im Gegensatz zu den früheren Houllebeque-Werken fasziniert sie einfach nicht mehr. Es wirkt so, als sei der Autor einfach müde geworden.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 25, 2012 6:42 PM MEST


Mir wird nichts geschenkt!: Mein Leben, meine Träume
Mir wird nichts geschenkt!: Mein Leben, meine Träume
von Susi Kentikian
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Manchmal ist Schweigen ist Gold, 11. Mai 2011
Mit 23 Jahren eine Autobiographie vorzulegen, ist einigermaßen ungewöhnlich. Susi Kentikian hat es getan. Ihr großes Lebensthema liegt in ihrer armenischen Herkunft und der Integration in die deutsche Gesellschaft - dank ihrer Boxkarriere. Das liest man zwischen allen Zeilen heraus. Kentikian erzählt, was für eine schwierige Zeit die Familie als Asylbewerber in Hamburg durchmachte, wie sie anfangs nur boxte, um den Kopf frei zu bekommen, dann 2005 Box-Profi wurde, ab 2006 Titelkämpfe gewann und als erfolgreiche Sportlerin auf einmal auch von den deutschen Behörden viel besser behandelt wurde. Klingt fast nach einem Happy end, wenn da nicht diese Existenzangst wäre, dass sie plötzlich - durch eine Niederlage, eine Verletzung - wieder ganz nach unten abstürzen könnte. Diese Sorge gesteht sie Boxerin offen ein.
Man kann sich vorstellen, wie die Autobiographie entstanden ist: "Mensch Susi, Du hast schon so viel erlebt, da kannst Du ja ein Buch drüber schreiben", das könnte irgendwann mal irgendjemand zu ihr gesagt haben. Aber viele Erlebnisse, auch Erfolgserlebnisse, reichen eben noch nicht aus für eine gute Biographie.
Das Buch kommst stilistisch ziemlich bescheiden daher - viele Tippfehler, viele missglückte Formulierungen. Das kann man einer Boxerin verzeihen (aber für so etwas gibt es ja eigentlich ein Lektorat). Der holprige Erzählstil nervt schon eher: Von ihrer Kindheit wiederholt sie andauernd, dass sie sich eigentlich an kaum etwas erinnert, beim Erzählen kommt sie von Hölzchen auf Stöckchen, die zehn Kapitel sind weder inhaltlich noch chronologisch stimmig aufgebaut. Aber das größte Manko liegt darin, dass sich die Killerqueen zu häufig hinter altbekannten Fakten und Klischees versteckt, anstatt wirklich etwas Originelles und Persönliches mitzuteilen. Man hätte ein besseres Bild von Susi Kentikian bekommen, wenn sie mehr über ihr Privatleben berichtet hätte oder über ihre Börsen, was im Vergleich zu den männlichen Box-Profis ein interessantes Thema sein dürfte. Aber hier möchte oder muss die Autorin offensichtlich Rücksicht nehmen, um es sich in ihrer laufenden Karriere mit niemandem zu verscherzen oder um ihre Intimssphäre zu schützen. Zwei nachvollziehbare Anliegen - die sich allerdings nicht gut damit vertragen, eine Autobiographie zu zu schreiben.


Rahel Varnhagen: Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik
Rahel Varnhagen: Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ohne Vorkenntnisse nicht zu verstehen, 7. Februar 2011
Keine Biographie im üblichen Sinne! Wenn man sich nicht sehr gut in der Geistestgeschichte des 18. Jahrhunderts auskennt, kann man mit diesem Buch wenig anfangen - so ging es mir. Hannah Arendt erzählt Varnhagens Biographie nicht anhand von äußeren Lebensstationen, sondern außerordentlich vergeistigt. Ich konnte die Ausführungen schwer nachvollziehen.


Von der Wiederherstellung des Glücks: Eine deutsche Kindheit in Frankreich
Von der Wiederherstellung des Glücks: Eine deutsche Kindheit in Frankreich
von Anna Tüne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Rein emotionale Nachkriegsgeschichte, 8. Dezember 2010
Deutsche aus den früheren Ost-Gebieten wurden nach dem zweiten Weltkrieg auf verlassene Bauernhöfe in Frankreich vermittelt - das war mir bisher neu und hat meine Neugierde auf Anna Tünes "Von der Wiederherstellung des Glücks" geweckt. Tatsächlich hat mich das Buch aber enttäuscht. Es kann sich nicht entscheiden, ob es Sachbuch oder Autobiographie oder Märchen sein will. Extrem störend fand ich, dass ganze Absätze nur aus Frage-Sätzen bestehen - als vergeblicher Versuch, Geschichte zu ergründen. Auch die eingestreuten Passagen aus Sicht eines kleinen Mädchens, das mit staundenden Augen die Welt erkundet, passen für mein Empfinden überhaupt nicht zum Erzählfluss; die ach so süße Kinderperspektive wirkt eher gefühlstriefend. Letztlich habe ich über die deutsch-französischen Nachkriegsbeziehungen nichts neues erfahren.


Freiheit
Freiheit
von Jonathan Franzen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr davon!, 25. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Als ich Jonathan Franzens "Freiheit" zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich ein bisschen skeptisch angesichts des Gewichts und des Umfangs von 720 Seiten. Aber als ich einmal mit dem Lesen angefangen habe, war kein Winterabend und keine Zugfahrt mehr lang genug... Bestens lesbar auf hohem Niveau! Nicht nur die einzelnen Figuren der Kernfamilie - Walter, Patty und ihre Kinde Jessica und Joey - sind als Typen wunderbar prototypisch gezeichnet, sondern auch deren Beziehungen zueinander mit allen Hochs und Tiefs im Laufe der Zeit kommen authentisch rüber. Ich fand es außerdem sehr gelungen, wie Franzen - über die familiäre Ebene hinaus - auch politisch-gesellschaftliche Konstellationen und Mileus einbezieht. (In einem seiner früheren Romane, "Schweres Beben", hat er die Umweltpolitik auch schon zum Thema gemacht, aber nach meinem Geschmack in einer sehr viel schwerer verdaulichen Form.) Eine wirklich wunderbare Geschichte über Liebe, Familie, Moral und Gesellschaft ohne Klischees. Hoffentlich macht Franzen so weiter!


Und plötzlich ist später jetzt: Vom Erwachsenwerden und nicht wollen
Und plötzlich ist später jetzt: Vom Erwachsenwerden und nicht wollen
von Elena Senft
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Ernst des Lebens lustig erzählt, 28. Oktober 2010
Elena Senft schreibt mit viel Witz, guten Beobachtungen und anschaulichen Szenen von dem Schmerz des Alterns - an der Schwelle jenseits des 29. Lebensjahres. Besonders charakterische Situationen widmen sich Themen wie dem Verhältnis zu den Eltern (von denen man sich keinesfalls mehr irgendetwas sagen lassen will, aber die monetären Zuwendungen noch gerne nimmt), der Art und Weise, Partys zu feiern und dem schwierigen Einstieg ins Berufsleben, ganz nach dem Motto "Generation Praktikum". Das alles liest sich wunderbar herunter, wenn auch hier und da mal etwas zusammenhanglos und mit einigen pubertären Einsprengseln. Wie auch immer: Wiedererkunnungseffekte zur eigenen Jugend und zum eigenen Studentenleben sind garantiert.
Einen Punktabzug gibt's von mir, weil das Buch meines Erachtens ein bisschen zu sehr an der Oberfläche operiert und vor allem Symptome des verhinderten Erwachsenswerdens, aber nur wenige Hintergründe beschreibt. Allenfalls die Reflexionen im letzten Teil des Buches darüber, ob man sich wie die meisten "Erwachsenen" unbedingt nur über seinen Beruf (Berufserfolg) definieren muss, gehen ein bisschen tiefer. Trotzdem eine sympathische Lektüre.


Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien
Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien
von Elizabeth Gilbert
  Taschenbuch

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen eat, pray, doof, 18. Oktober 2010
Dass Elizabeth Gilberts "Eat, pray, love" sich weltweit über sechs Millionen mal verkauft hat, liegt wahrscheinlich daran, dass sie ihre Zielgruppe sehr geschickt ins Visier genommen hat: viele Frauen mit Mitte 30 lesen gern und haben gleichzeitig schon ihre persönlichen Krisen durchgemacht - incl. einer Ahnung davon, was Depressionen sind, und der großen Frage, wie man sein Leben selbstbestimmt gestaltet. Wenn man dieses Thema noch kombiniert mit Reisen in fremde Länder, auf denen man erkundet, worauf es im Leben eigentlich ankommt, dann ist das eine Einladung an einen ziemlich großen Leserinnenkreis.

Vor dem Hintergrund bietet Gilberts Roman viele Anknüpfungspunkte, um sich wiederzufinden. Und einige Gedanken davon fand ich gar nicht schlecht ("wir selbst sind es, die über unsere Gedanken bestimmen"). Schwer erträglich war für mich aber der Duktus, der auf ein arg amerikanisch geprägtes Happy End hinausläuft. Jede Krise wird am Ende in einer süßlichen Soße aus Spiritualität und Gefühlsüberschwang erstickt, und welch wunder, am Ende findet die Frau, die sich nach ihren Erfahrungen eigentlich gar nicht mehr auf Kerle einlassen wollte, ihre ganz große Liebe. Aber so hat es ja schließlich auch der indonesische Medizinmann schon auf den ersten Seiten des Buches vorausgesagt.

Der Autorin ist deutlich anzumerken, dass sie gerne kluge lebensphilosophische Betrachtungen anstellen möchte, aber allzu oft endet sie bei reinen Banalitäten. Auch wenn man die Reflexionen um vergangene Liebschaften, den eigenen Platz in der Gesellschaft und Familie etc. nachempfinden kann - die extreme Selbstbespiegelung von Elizabeth Gilbert nervt irgendwann. Bevor ich mich als Autorin seitenlang über meine Blasenentzündung ausbreite, würde ich mich fragen: Wen interessiert's?

Für mich ist das Buch ein zweit- bis drittklassigen Schmöker, hübsch geeignet eben für eine Verfilmung mit Julia Roberts. Genau ihr dürfte auch der große Hype um Eat, Pray, Love zu verdanken sein. Tatsächlich spielt das Buch aber nur mit Sehnsüchten, die sich am Ende auf etwas zu gefühlsselige Art und Weise in eitel Sonnenschein auflösen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 22, 2010 2:13 AM CET


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