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Beiträge von H. Schneider
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Rezensionen verfasst von
H. Schneider (Aichtal)
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Der blinde Uhrmacher: Warum die Erkenntnisse der Evolutionstheorie zeigen, daß das Universum nicht durch Design entstanden ist
Der blinde Uhrmacher: Warum die Erkenntnisse der Evolutionstheorie zeigen, daß das Universum nicht durch Design entstanden ist
von Richard Dawkins
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Was ist Evolution?, 1. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer von uns stand nicht schon einmal mit einem ehrfürchtigen Staunen, oder zumindest voller Verwunderung vor den "Meisterleistungen" des Lebens als er (oder sie) die fast unglaubliche Anpassung der Tiere an ihre jeweiligen Lebensräume und -bedingungen registrierte? Das alles erscheint doch viel zu perfekt, um nur das Ergebnis puren "Zufalls" zu sein, dürften sich da viele denken. Und so haben sich die Menschen schon seit je ihre Mythen und Legenden erdacht um sich so das sonst für sie Unbegreifliche zu erklären. In der heutigen Zeit neigen wir dazu, uns die Vielfalt des Lebens "wissenschaftlich" mithilfe der Evolutionstheorie zu erklären. Doch reicht sie wirklich aus, um all die Komplexität, der wir immer wieder begegnen, wirklich hinreichend zu erklären? Ja, erklärt uns Richard Dawkins in seinem weltberühmten Klassiker. Das Leben in seiner heutigen Form und Vielfalt ist weder durch puren Zufall- das wäre zu unwahrscheinlich- noch durch bewusste Planung ("Intelligent Design")- dafür gibt es keine Beweise, noch ist diese Annahme zur Erklärung notwendig- entstanden, sondern durch "kumulative Selektion", d. h. von allen immer wieder zufällig auftretenden Mutationen "überlebten" diejenigen und setzten sich fort welche die "Fitness" ihres Trägers erhöhten, ihm also durch bessere Angepasstheit ("Adaption") an seine Umwelt höhere Überlebens- und Fortpflanzungschancen ermöglichten. Die "natürliche Auslese" begünstigte also stets die Individuen einer Art, die von allen möglichen Typen am besten angepasst waren, so dass sich von Generation zu Generation immer mehr "Verbesserungen" ansammelten ("Akkumulation"). Das sich dabei nicht immer die "bestmögliche" Lösung durchsetzte, liegt auf der Hand (Bsp: das menschliche Auge, unsere Wirbelsäule), da die "Auslese" stets nur auf die bereits vorhandenen Merkmale einwirken kann.
Das Buch liest sich ziemlich flüssig und ist auch für "Laien" verständlich, einziges Manko: Herr Dawkins hätte sich m. E, deutlich kürzer fassen können!
Trotzdem: ein "Klassiker" zum populärwissenschaftlichen Verständnis der Evolutionstheorie!


Der Mythos des Sisyphos
Der Mythos des Sisyphos
von Albert Camus
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen Lohnt sich das Leben überhaupt, gelebt zu werden?, 12. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Mythos des Sisyphos (Taschenbuch)
Das ist die Frage, welche Albert Camus in seinem wohl wichtigsten philosophischen Hauptwerk zu erörtern versucht.
Das "Absurde", definiert als der unüberbrückbare Gegensatz unserer Erwartungen an die Welt, welche uns letztlich doch immer als irrational und unvorhersagbar erscheinen und diese Erwartungen daher enttäuschen muss, dient dabei als Ausgangspunkt seiner Philosophie. Wie kann der Mensch nun dieses unausweichliche "Gefühl der Absurdität" überwinden und zu einer glücklichen Existenz finden? Als Lösung dieses Problems dient ihm das Beispiel des "Titelhelden" Sisyphos. Indem sich das Individuum, bar aller metaphysischer Hoffnungen oder Erwartungshaltungen, zurückgeworfen einzig auf das Wissen um die nackte, eigene Existenz, sich eine Aufgabe bzw. "Mission" sucht in welchem es Sinn und Erfüllung findet und so indem es seinem Leben Sinn verleiht die Absurdität des eigenen Daseins überwindet.
Der Schreibstil des Werkes erscheint mir aus heutiger Sicht etwas sperrig, und auch die finale Aussage des Buches dürfte heutzutage niemanden mehr ernsthaft überraschen. Trotzdem ein Klassiker, an dem jeder an Philosophie interessierte Leser seine Freude finden kann.


Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
von Thilo Sarrazin
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten Bücher zur aktuellen politischen Lage in Deutschland!, 11. Januar 2016
Thilo Sarrazin nennt in dem Buch viele totgeschwiegene Tabuthemen der Politik beim Namen und belegt seine Thesen dabei noch durch sorgfältig recherchierte Statistiken und gut durchdachte Prognosen und Modellrechnungen. Da seine (meist ideologisch motivierten) Gegner dem wenig entgegenzusetzen haben, beschränken sie sich bei ihrer vernichtenden Kritik auch gewöhnlich auf eher untergeordnete Nebenaspekte des Buches wie z. B. die Aussagen zur Genetik oder Muslime im Allgemeinen, gehen dabei allerdings auffällig selten auf die großen Kernaussagen des Gesamtwerks ein. Diese lauten, grob zusammengefasst: die bundesdeutsche Bevölkerung schrumpft und altert, wobei die gebildeten, "höheren" sozialen Schichten überproportional schnell ausdünnen während umgekehrt der Anteil der Unterschichten, und hierbei speziell der muslimischen Migranten, bedingt durch ihre um einiges höhere Geburtenrate stark anwächst. Da nun Intelligenz zu großen Teilen- laut Autor "zu 80- 90%"- erblich ist droht so das intelektuelle Potential Deutschlands fortlaufend auszudünnen- ein Umstand, der durch die Bildungsferne des besonders überproportional stark wachsenden muslimischen Migrantenmilieus noch verstärkt wird-, während der Anteil der intelektuell "Minderbegabten" an der Bevölkerung zunimmt. Bedingt wird diese bevölkerungspolitische Fehlentwicklung, selbstverständlich neben vielen anderen Faktoren wie Wertewandel und Mentalitätsunterschieden etc. auch durch eine fehlgeleitete Sozialpolitik der vergangenen Jahrzehnte welche den Kinderreichtum der Unterschichten stark finanziell subventioniert, ein Umstand, welcher baldmöglichst korrigiert werden soll. Diese Entwicklung stellt laut Herrn Sarrazin langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Standort Deutschlands infrage welches so seinen wirtschaftlichen Vorsprung einzubüßen droht.
Das Buch ist, trotz mancher oben bereits angedeuteter Schwachpunkte, sauber recherchiert und in seiner Argumentation gut nachvollziehbar, wenn auch durch seinen sachlichen Schreibstil und seinen Zahlen- sowie Faktenreichtum eher etwas schwerer lesbar. Trotzdem kann man es jedem, der die langfristige sozial- politische Entwicklung unseres Landes nachvollziehen will und dabei bereit ist auch mal gegen den Strom anzudenken nur ans Herz zu legen.
Durch die aktuelle Flüchtlingskrise wieder von beklemmender Aktualität.


Soziobiologie: Die Macht der Gene und Die Evolution Sozialen Verhaltens (German Edition)
Soziobiologie: Die Macht der Gene und Die Evolution Sozialen Verhaltens (German Edition)
von Franz M. Wuketits
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen "Der wahre Egoist kooperiert!", 11. Januar 2016
Das "egoistische Gen" als grundlegende Einheit der natürlichen Auslese fördert phänotypische Ausprägungen, also auch Verhalten der entsprechenden Merkmalsträger, also der einzelnen Individuen, welches der eigenen Vermehrung und Ausbreitung dienlich ist. So betrachtet sind sowohl egoistisches, auf Konkurrenz mit anderen basierendes Verhalten als auch kooperatives, scheinbar altruistisches Verhalten nur die beiden Seiten ein und derselben Medaille, nämlich Anpassungen zur Steigerung der eigenen Fitness und damit der Vermehrung der eigenen Gene dienlich. Welches Verhalten bevorzugt wird, hängt dabei meist von den Bedingungen der Umwelt ab, so kann z. B. für dieselbe Mutter mal hingebungsvolle Fürsorge, mal eiskalter Mord des eigenen Nachwuchses von Vorteil sein. Da kooperatives Verhalten allerdings oft die größeren adaptiven Vorteile mit sich bringt, konnte sich soziales Verhalten überhaupt erst in solch vielfältiger Form wie es uns überall in der Natur begegnet entwickeln.
Anhand zahlreicher soziobiologischer Modelle und Hypothesen wie dem vom "reziproken Altruismus", dem Konzept der "Gesamtfitness" (als Ergänzung der individuellen Fitness), dem "Generationenkonflikt" oder dem "Krieg der Geschlechter" entwirft der Autor im Laufe der Kapitel eine grundlegende Einführung in die Ideen und Konzepte der immer noch umstrittenen Soziobiologie.
Auch der Mensch nimt dabei keine Sonderstellung ein sondern zehrt, wenn auch kulturell überformt, als das geborene Kleingruppenwesen noch weitestgehend von seinem stammesgeschichtlichen Erbe.
Insgesamt leicht und locker lesbar, wie eigentlich alle Bücher des Hr. Wuketits, und zum Einstieg bzw. zur Wiederholung nur zu empfehlen.
Und was lernen wir daraus? "Der wahre Egoist kooperiert!"


Tschick
Tschick
von Wolfgang Herrndorf
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Moderner Klassiker des Jugendromans, 11. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Was gehört zu einem guten Jugendroman? Mehrere unterschiedliche Charaktere freunden sich miteinander an, die Erwachsenen scheiden früh aus der Geschichte aus, es geht auf eine große Reise und Wasser kommt irgendwie dabei vor.
Diese Elemente in die heutige Zeit übertragend, hatte Herrndorf seinen "modernen Klassiker" verfasst. Die Geschichte ist schnell zusammengefasst: Maik Klingenberg, der Erzähler, ist ein verwöhntes Söhnchen aus reichem Hause dessen Eltern, die Mutter Alkoholikern mit mehreren Entzügen, der Vater gescheiterter Immobilienmakler der eine Affaire mit großbusiger neunzehnjähriger Sekretärin unterhält, an Liebeskummer für seine attraktive Klassenkameradin Tatjana Cosic, die ihn allerdings gar nicht erst wahrnimmt, fast verzweifelt. Da kommt der aus der Unterschicht stammende Russlanddeutsche Tschick, dessen richtigen Namen niemand auszusprechen vermag und der das genaue Gegenteil von ihm Maik ist, neu in die Klasse, und so kommt es das die beiden Außenseiter sich miteinander anfreunden. Da sich in den anstehenden Sommerferien niemand um sie kümmert- Klingenbergs Eltern sind beide weg, Tschick hat erst gar keine- bzw. sich auch nur für sie interessiert, beschließen die beiden Jungs mit einem geklauten alten Lada in die Walachei zu Tschicks Onkel zu reisen. Da sie dabei keine vielbefahrenen Straßen benutzen können um nicht aufzufallen, keine Landkarten dabei haben und sich ihre Geographiekenntnisse allgemein eher dürftig ausnehmen, gurken sie so zusammen auf allerhand verschlungenen Wegen durch die brandenburgische Provinz und erleben dabei die verschiedensten Abenteuer. Sie rätseln um Nachtisch, liefern sich Verfolgungsjagden mit der Polizei, sammeln Schläuche auf Müllhalden, es wird auf sie geschossen und zu guter letzt wird auch noch Tschicks Bein gebrochen, bevor erst der finale Unfall auf der Autobahn ihrem Roadtrip ein Ende bereitet. Interessant sind dabei auch die immer wiederkehrenden philosophischen Monologe und Dialoge der Figuren, so als sich Maik beim Anblick der Rentner Gedanken über Alterung oder beide Jungs über die Möglichkeit fremder Welten machen.
Insgesamt glaube ich gelingt es dem Autoren ziemlich gut sich in die Lebenswirklichkeit Jugendlicher hineinzuversetzen, und auch die sprachliche Adaption finde ich vorbildlich. Die Stimmung der Protagonisten wird ziemlich gut durch das Buch wiedergegeben.
Ein empfehlenswertes Geschenk für jeden Teen, und dabei auch noch für Erwachsene ziemlich unterhaltsam zu lesen.


Nichts: Was im Leben wichtig ist Roman (Reihe Hanser)
Nichts: Was im Leben wichtig ist Roman (Reihe Hanser)
von Janne Teller
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zutiefst philosophisches Werk, 13. Dezember 2015
Ein wirklich nachdenklich stimmendes Werk, dass dabei auch noch leicht zu lesen ist. Ich habe selten ein so schnell lesbares und dabei so tiefgründiges Buch in den Händen gehabt. Die Geschichte von Pierre Anthon hat mich dabei an Platons "Höhlengleichnis" erinnert, wo einer den Illusionen entkommt und zur "Sonne" der Wahrheit aufsteigt die er seinen Kameraden ähnlich wie dieser im Buch vom Pflaumenbaum aus zu bringen bringen versucht und dafür letztlich von seinen Mitschülern umgebracht wird. Die Welt ist eben das, was wir in ihr sehen bzw. in sie hineininterpretieren, so die schon altbekannte Message des Buches, die hier allerdings in bemerkenswerter Radikalität neu erzählt wird.
Nur zu empfehlen!!!


Philosophie der Geschichte: Von der Antike zur Gegenwart
Philosophie der Geschichte: Von der Antike zur Gegenwart
von Alexander Demandt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist Geschichte?, 12. Dezember 2015
Den Titel eines seiner anderen bekannten Werke hätte der Autor genauso gut auch für dieses Buch benutzen können. Demandt zeigt hier, inwiefern und unter welchem Axiom Geschichtsnarrative strukturiert wurden, von der Antike bis heute. Dabei gibt es Geschichtsentwürfe, die- jeweils an die jeweilige Zeit angepasst- immer wiederkehrten, wie Kreislauftheorien, Dekadenztheorien, Fortschrittserzählungen, teleologische Erzählungen, etc. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie bestimmte Geschichtsbilder an den Kontext angepasst in sämtlichen Epochen doch immer wiederkehren. Vor allem sahen viele Autoren ihre jeweils eigene Zeit als den Höhepunkt und das Endziel aller bisherigen Geschichte, die- mehr oder weniger stringent- sich direkt auf sie zuentwickelt hatte (Paradebeispiel: Hegel, aber auch Fukuyama mit seiner These von der "End of History"). Und was können wir daraus lernen? Geschichte ist immer Interpretationssache, und damit das, was der Autor bzw. Erzähler daraus macht.


Darwinisch denken: Horizonte in der Evolutionsbiologie
Darwinisch denken: Horizonte in der Evolutionsbiologie
von Volker Sommer
  Broschiert
Preis: EUR 19,80

4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam und lehrreich geschrieben..., 21. November 2015
Aus der Sicht eines Primatologen erklärt der Autor die grundlegenden Erkenntnisse der Evolutionsbiologie anhand der empirischen Beobachtungen bei Primaten, wobei es im im speziellen auch darauf ankommt anhand seiner Beispiele zu zeigen wie sehr der Mensch doch auch nur ein Produkt der Evolution und von seinem natürlichen Erbe bis heute geprägt sei. In den einzelnen Kapiteln geht es so um Kultur als "Vererbung sozialen Verhaltens" bei Schimpansen, das Töten von Artgenossen zur erfolgreichen Bekämpfung v. eigenen Konkurrenten bzw. des von solchen des Nachwuchses, Verwandtenselektion und "egoistischem Gen" bzw. der Veranlagung v. Individuen egal welcher Art alles zur Vermehrung der eigenen Gene zu tun, der durch die soziale Umwelt beeinflsste Wahrscheinlichkeit Söhne oder Töchter zur Welt zu bringen, der Frage warum es Einehe gibt bzw. woran sie scheitert, eine Beantwortung der Theodizee aus evolutionsbiologischer Sicht und letztlich darum weshalb unser Rassebegriff eigentlich widerlegter Unsinn ist.
Auch wenn man nach bereits eingehender Beschäftigung mit der Materie bereits einen Großteil bzw. sogar das Meiste der vorgestellten Fakten und Zusammenhänge kennen mag, so muss man Volker Sommer doch einiges an Eloquenz zugestehen, denn wohl nur wenige Autoren vermögen solche komplexen Sachverhalte so anschaulich und auch für Laien ohne allzu großes Vorwissen so verständlich darzustellen.
Sehr interessant und trotzdem lehrreich geschrieben.


Geschichte der Spätantike: Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr. (Beck's Historische Bibliothek)
Geschichte der Spätantike: Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr. (Beck's Historische Bibliothek)
von Alexander Demandt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

4.0 von 5 Sternen Standardwerk zur Spätantike, 21. November 2015
Das Werk lässt sich grob in drei Teile gliedern, wobei der erste der in chronologischer Reihenfolge nach Herrschern angeordneten politischen Geschichte gewidmet ist. Im zweiten Teil geht es um die "inneren Verhältnisse", d. h. es werden die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Entwicklungen der Zeit in der spätrömischen Gesellschaft beschrieben. bevor es im abschließenden Part um eine kritische Rezension der Deutungsgeschichte der Spätantike geht, also auch um die Frage weshalb (oder ob überhaupt) das Römische Reich letztlich unterging.
Wie schon in Vorgängerrezensionen beschrieben richtet sich das Werk sowohl an Fachhistoriker als auch an interessierte Laien, ist sowohl zum Nachschlagen als auch zur Vertiefung bestimmter Themenbereiche wunderbar geeignet. Wer sich für die Epoche der Spätantike interessiert, dürfte daher letztlich- trotz des vergleichsweise hohen Preises- nicht an diesem Standardwerk eines international renommierten Althistorikers vorbeikommen.


1177 v. Chr.: Der erste Untergang der Zivilisation
1177 v. Chr.: Der erste Untergang der Zivilisation
von Eric H. Cline
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende archäologische Spurensuche..., 2. November 2015
Warum gingen die jahrhundertelang so stabilen Hochkulturen der Bronzezeit so plötzlich innerhalb weniger Jahrzehnte unter und stürzten die Zivilisation in die ersten "Dark Ages" von denen sie sich erst wieder nach mehreren Jahrhunderten erholt hatte? War daran wirklich nur das plötzliche Auftauchen der mysteriösen "Seevölker", wie von der klassischen Geschichtswissenschaft behauptet, schuld?
Dem Zeitgeist entsprechend ist Clines Werk wie ein archäologischer Detektivroman angelegt in dem er versucht anhand der kombinierten Analyse schriftlicher und archäologischer Quellen eine plausible Erklärung für eines der großen Rätsel der frühzeitlichen Geschichtswissenschaft zu liefern. Dabei holt er weit aus, beginnt z. B. 300 Jahre vor dem eigentlich Hauptthema des Buches im 15. Jahrhundert v. Chr. und entwirft ein buntes Panorama der ersten "globalisierten Welt" im damaligen östlichen Mittelmeerraum in welchem die damaligen ersten Hochkulturen in regem wirtschaftlichem und kulturellem Austausch miteinander standen. Auch schweift er immer wieder ab, hüpft z. B. von einem Thema zum anderen oder beschreibt sehr eingehend archäologische Details was für Laien ohne allzu großes Vorwissen oftmals eher verwirrend sein kann und es manchmal schwer macht den roten Faden zu behalten.
Jedenfalls kommt Cline letztlich zu dem Schluss, dass man einen solch komplexen Vorgang wie den Untergang der spätbronzezeitlichen Hochkultur nicht einfach nur monokausal z. B. durch das Auftauchen der Seevölker erklären kann- welch eine Überraschung!-, sondern wohl eher eine ganze Reihe von ineinandergreifenden Ursachen wie z. B. klimawandelbedingte Hungersnöte, eine Reihe schwerer Naturkatastrophen, Unterbrechung der Handelswege und -kontakte, feindliche Invasionen und Kriege etc. die einander noch verstärkten annehmen muss. Zum Schluss zieht er auch noch die sogenannte "Komplexitätstheorie" als Erklärung heran, d. h. die einzelnen Kulturen seien damals bereits so abhängig voneinander gewesen dass sich die Probleme der einen Kultur notwendigerweise auch auf alle anderen auswirken mussten und sogar noch wechselseitig verstärkten. Dadurch stellt der Autor auch einen Gegenwartsbezug zu unserer heutigen globalisierten Welt her, in der solch eine Argumentation logisch klingen mag, mir für die Bronzezeit allerdings etwas weit hergeholt erscheint. Auch voreilige Vergleiche mit unserer heutigen Zeit gilt es daher mit großer Vorsicht und Skepsis zu genießen.
Letztlich bleibt der Eindruck zurück, dass wir eben immer noch viel zu wenig über die damalige Zeit und ihre Umstände wissen, um zu gesicherten Aussagen über die Gründe für den Zusammenbruch der damaligen Zivilisation zu kommen. Unsere Quellen sind zu verstreut und mehrdeutig und lassen viel Platz für Interpretationsspielraum, eine Einsicht die auch Cline in seinem Buch vermittelt; alles kann irgendwie angezweifelt werden und jede Antwort wirft stets neue Fragen auf; aber vielleicht ist es auch diese Rätselhaftigkeit die eine Beschäftigung mit dieser Epoche erst so spannend macht.
Als Einstiegsliteratur ins Thema ist das Buch wohl nicht zu empfehlen, ansonsten aber eine ganz interessant zu lesende "archäologische Detektivgeschichte".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 17, 2015 4:05 PM CET


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