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song_x

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High Life
High Life
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die neuen Abenteuer von Dr. Eno und Mr. Hyde, 27. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: High Life (Audio CD)
Das zweite Album des unternehmungsfreudigen Duos enthält weniger Songs, mehr Funk, mehr afrikanische Polyrhythmik, und genauso viel "Feuer unterm Londoner Studiodach" wie der Vorgänger SOMEDAY WORLD. Sechs Tracks, die sich alle Zeit nehmen, ihre Ideen auszubreiten, ohne auch nur ansatzweise zu schnell durchschaubaren Jamsessions zu werden.

Die Reihenfolge dieser extrem vielfältigen Stücke ist perfekt, den Rahmen bilden zwei Songs: Enos dunkle Wortbilder gleiten auf "Return" sanft über der hart gechlagenen Rhythmusgitarre. Und ganz am Ende beweist Eno auf "Cells & Bells", wie verstörend und brilliant eine Melange aus Song und Ambient Music sein kann.

Zwischendurch (DBF, Moulded Life) gibt es eine britische Lesart von scharfem Funk, so ein Mittelding zwischen James Brown-Fragmenten, und dem schnörkellosen Power-Bass-Perkussions-Gewirbel, von dem die Talking Heads einst träumten, zur Zeit von "Fear of Music" (Eno war damals der fünfte Mann der Band, und Jonathan Lethems tolles Buch über diesen Klassiker erscheint Mitte Juli im Tropen-Verlag).

Bleiben noch zwei weitere Glanzstücke: "Lilac" kreuzt einen geheimnisvoll kargen Text von Rick Holland mit einem interessanten Mix aus entspanntem Gesang und beunruhigenden Sounds, "Time To Be Wasted" kommt daher wie ein fragmentierter Disco-Song, der mit dem entschlossenen Vorwärtsdrang von Steve Reichs Minimalismus kokettiert, ohne sich in Abstraktion zu verlieren. High Life eben! Und alles andere als ein biederes Werk in die Jahre gekommener Klangkünstler! Das alte Feuer brennt noch.


A Letter Home
A Letter Home
Wird angeboten von Crawley Music
Preis: EUR 13,65

19 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Zeitreise des Neil Young in einer Telefonzelle, oder: Dr. Who im Jahre 1949, 23. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Letter Home (Audio CD)
Viele Verrisse erinnern in gewisser Weise an die Häme, die Neil Young entgegenschlug, als er Mitte der Siebziger den Sanftmut von Harvest verliess und mit drei Nachfolgewerken einen Abgesang auf die Ideale der Hippieära inszenierte. Tonight's The Night etwa war wohl auch alles andere als eine aufnahmetechnisch hochwertige Produktion, es wurde aber ein Klassiker der Rockgeschichte, eine unerhörte Auseinandersetzung mit dem Elend des Sterbens Nahestehender: der psychoakustische Fachbegriff für das Klangbild ist "audio verite".

Wenn Young jetzt sozusagen eine Zeitmaschine betritt und alte, ans Herz gewachsene Lieder im Klangfeld alter Schellackplatten ansiedelt, dann ist das a) eine bewusste (und gut durchdachte) künstlerische Entscheidung und b) einmal mehr "audio verite". Das Resultat geht mir bei vielen Liedern unter die Haut. Ein wenig schüttele ich den Kopf über sogenannte hard core-Fans, die auf diversen Foren ihren Frust rausposaunen.

Ich weiss nämlich nicht, warum ich mich nach wie vor von alten, ebenso "bescheiden" klingenden Bluesaufnahmen von Bessie Smith begeistern lassen kann, und jetzt nicht minder Freude an dieser ganz besonderen Zeitreise von Neil Young empfinden sollte. Wunderbare Platte, wenige trauen sich sowas, und diese lo-fi-Produktion tut der Intensität des Vortrags überhaupt keinen Abbruch. Ganz allein stehe ich mit meiner Meinung nicht da, John Mulvey hat im Blog-Teil der Webseite des englischen Musikmagazins Uncut eine ähnliche Wahrnehmung beschrieben. Und Alex Petridis hat heute in The Guardian nachgelegt.

Ich kann jedem einzelnen Niedermacher dieser Platte eins versichern: wenn Bob Dylan dieses Album hört, wird er seinen Hut ziehen. Wenn Jim Morrison für ein paar Tage auf die Welt zurückkehren würde, würde er ihm beim Hören eine Gänsehaut nach der andern den Rücken runterlaufen. Wenn Daniel Lanois die Scheibe hört, wird er sagen: "Respekt!" Wenn Leonard Cohen sich A Letter Home anhört, könnte er gut Lust bekommen, seinem Song Tower Of Song eine neue Strophe anzufügen (eine Strophe, in der Bert Jansch vorkommt).

Montaigne hat einmal, schon viel länger ist das her, geschrieben, Leben heisse, sterben zu lernen. Wenn Neil Young sich jetzt in so eine sauerstoffarme "Telefonzelle" begibt, dann ist das durchaus auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod: viele der hier gecoverten Lieder stammen von Musikern, die alle schon im "Tower of Song" ihren Platz gefunden haben. Da muss keine high resolution her, kein polierter Sound: da dringt etwas Altes, Fernes an unsere Ohren, das will ich wie einem alten Schwarzweissfilm erleben, in schlichtem Mono, brüchig. Und so schlägt dieses Werk eine Brücke zu einem seiner alten Meisterwerke, Tonight's The Night.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2014 5:59 AM MEST


Someday World
Someday World
Preis: EUR 19,98

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei nimmermüde Klangsucher abseits der ausgetretenen Pfade, 2. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Someday World (Audio CD)
Ursprünglich wollte Brian Eno mit Karl Hyde einen Weg finden, Elemente der Musik des Minimalisten Steve Reich mit der des Afrojazz-Magus Fela Kuti kurzzuschliessen. Es gibt in dieser Hinsicht allerdings nur eine lange Passage auf Someday World, in der zweiten Hälfte der Komposition When I Built This World, wo entfesselte Energien und rhythmische Vertracktheiten eins werden. Eno sorgt hier für Foundation, Voice, Lyric, Bass, Drums, Piano, Brass, Tapestry Synths, Voice Slices, Dissonant Glass Guitars, und Karl Hyde für Rhythm and Melody Guitars, Tapestry Voice Slices, Piano, Synth Brass, Talking Drum, und das gute alte Tambourine.

Von wegen also Reduktion, Leere, schöne ambiente Weiten. Das ganze Projekt wurde zu einem raffinierten Songalbum, bei dem weitaus mehr Quellen als die oben genannten angezapft werden. Das Wort "überbordend", das sich fast nur noch im Feuilleton findet, wenn von grenzenloser Phantasie die Rede ist - hier darf es gerne aus der Schublade der etwas altbackenen Wörter gekramt werden. Die Gesangsstimmen der beiden harmonieren aufs Feinste und sorgen dafür, dass ein weites Feld von Gefühlslagen ausgelotet wird. Diese neue Werk geht mit all seinen Pop-Turbulenzen und extravaganten Klang-Alltäglchkeiten weit über ein paar Afrojazz-Anklänge hinaus und dockt phasenweise an den Ungestümheiten von Enos erstem Songalbum Here Come The Warm Jets an. Auch an Enos drei Produktionen mit den Talking Heads. Kurze Rückblende, kleiner Zeitsprung...

Es gibt Platten, die bieten Seelennahrung auf Lebenszeit und gehen tiefer als ein paar Stunden Psychoanalyse oder ein Südseekurs im Tiefseetauchen. So eine Platte war bei mir, vor vielen Jahren, Taking Tiger Mountain (By Strategy), das zweite der vier Song-Alben von Brian Eno aus den Siebzigern. Es bedeutete mir weitaus mehr als die beiden ersten Roxy Music-Alben. Es war meine erste Begegnung mit Eno, dem Sänger (und er wurde eine meiner Lieblingsstimmen!) - ich schätzte mich glücklich, kurz danach seine anderen Songklassiker von damals zu erstehen: Here Come The Warm Jets, Another Green World, und Before And After Science. Daneben erschienen all die zeitlosen Ambient-Werke.

Dann begann das grosse Warten. Mit den Jahren trat Eno, der Sänger, nämlich immer weniger in Erscheinung. Schliesslich gab es, nach einer halben Ewigkeit, das beeindruckende Duo mit John Cale, Wrong Way Up, und dann, sein meisterliches, gern unterschätztes Soloalbum Another Day On Earth. Die dazugehörigen Jahreszahlen sind 1990 und 2005. Ich mochte eben nicht nur seinen Gesangsstil, sondern auch seinen einfallsreichen Umgang mit Songstrukturen. Da wurde kein Muster ad infinitum ausgereizt.

Und jetzt also die Zusammenarbeit mit Karl Hyde - einmal mehr ein Füllhorn an Melodien, Klangtexturen, raffinierte Gegenläufigkeiten von Text und Melodie, Songs über verpasste Chancen, Lebensbilanzen, Glückstaumeleien, Kindheitserfahrungen, Traumbilder, Tagbücher, alles fragmentiert in den beeindruckenden Texten, die Hyde und Eno teilweise zusammen verfasst haben. Eno kann auch ein Expressionist sein, erzählte mir Laurie Anderson mal in einem Interview, anlässlich der von Eno produzierten CD Bright Red (1994).

Diesen Expressionisten kann man auf etlichen Songs des neuen Albums hören, eine rohe, ungezähmte Energie ist am Werk, die manchmal am Rande des Überdrehtseins entlang taumelt (Daddys Car), um dann wieder das Harte (Text) und das Sanfte (Sound) wie einem Ohrwurm aus alter Zeit zu versöhnen (To Us All), in diesem letzten Song, einer Erinnerung an unsere endlos gezählten Tage. Ein vielschichtiges unerschöpfliches Album abseits ausgetretener Pfade, und die Rückkehr des "singers with the silver voice". (Mein Interview mit den beiden Musikern findet sich, in englischer Sprache, auf manafonistas.de)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 15, 2014 6:25 PM MEST


Croz
Croz
Preis: EUR 14,99

52 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Altmodisch vs. Zeitlos, 31. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Croz (Audio CD)
Zuletzt sah ich David Crosby in einem Swimmingpool, im Laurel Canyon, das war so 1971 herum, und ein paar attraktive Frauen schwammen im Pool, und er wirkte bekifft, die Augen waren glasig, es war nur eine kurze Szene, aber vielsagend, in einem Film, der die Geschichte erzählte, wie Kalifornien in kurzer Zeit mit seiner gesammelten Songwriter-Zunft Musikgeschichte schrieb, und heute hörte ich sein neues Album CROZ, und es ist natürlich altmodisch, und Fans werden sagen, zeitlos, aber beim ersten Hören gefiel mir so manche Atmosphäre, feines Liederhandwerk, with a beating heart, und dann war da dieses unheimliche Stück, MORNING FALLING, mit einer traumverlorenen Melancholie vorgetragen. Es handelt nicht zuletzt von dem anonymen Tod, den Dronenangriffe mit sich bringen. Das politische Bewusstsein ist Mr. Crosby nicht abhanden gekommen - ich zähle dieses Geisterlied einfach mal zu seinen besten Songs überhaupt.

Diese Platte hat, im besten Sinne, “ihre Momente”. Und einige Lieder, die sich rasch aus ihrer reinen, sentimentalen Wohligkeit lösen, und wirklich etwas zu erzählen haben. Nichts geschieht nach einem berechenbaren Muster, die unnachahmlichen Harmoniegesänge (einflussreich bis heute, von den Fleet Foxes bis Jonathan Wilson) sind dezent eingesetzt, scheuen jede Selbstgefälligkeit. Das Private und das Politische sind ausbalanciert, und es ist paradoxerweise die spürbare Zurückhaltung des Gesanges, die Aufmerksamkeit sichert. Das ist das Gegenteil von Schwelgerei. Ganz gleich, wie gediegen die Studioproduktion insgesamt ist (einen stockkonservativen Jazznusiker wie Wynton Marsalis hätte es für die paar Farbtupfer auf der Tronpete nicht gebraucht): ich höre dieser Stimme gerne zu, die immer noch etliche Facetten zu bieten hat. Und manche Echos von 1971 wollen nicht verklingen. Und das hat durchaus was Gutes.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2014 10:36 AM CET


Mira
Mira
Wird angeboten von Crawley Music
Preis: EUR 12,75

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück zu den Wurzeln!, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Mira (Audio CD)
Das erste grosse Jazzalbum des Jahres 2014 erscheint schon Mitte Januar. Der Bassist Arild Andersen war bei ECM seit den frühen Siebzigern aktiv, er befeuerte die Rohdiamanten Afric Pepperbird, Sart und Triptykon, als der junge Garbarek zwar noch nicht seinen unverkennbaren Sound, aber bereits ausserordentliche Klasse demonstrierte. Er leitete eigene Bands in jenem Jahrzehnt, welches sowieso eine paradiesische Dekade für die Jazz- und Rockgeschichte war. Arild Andersen spielte “free” in New York an der Seite von Sam Rivers, er kultivierte den neuen nordischen Ton der improvisierten Musik auf Alben wie Shimri, Clouds in my Head, und Green Shades into Blue, die ECM unlängst in einer weissen Kiste neu auflegte.

Später liess er Folklore und Jazz jenseits abgetretener Pfade einen munteren Grenzverkehr betreiben, in orchestralen Kompositionen entlockte er berühmten ECM-Tracks diverser Komponisten neue Perspektiven. Etwas konservativ klang das, zugleich aber interessanter als eine gewöhnlche Hommage. Er war stets für Überraschungen gut, den tiefsten Eindruck unter seinen jüngeren Alben hinterliess (bei mir) sein Bass-Saxofon-Schlagzeug-Trio mit Tommy Smith und Paolo Vinaccia: Live at Belleville (2007) dokumentiert die Live-Energie der Band und heimste zurecht einige Auszeichnungen ein. Schon da zapfte Andersen jene Quellen an, die aus dem "power spot" der Siebziger Jahre stammen.

Nun liegt die erste Studioproduktion des Trios vor. Produziert von Manfred Eicher. Im Rainbow Studio. Was macht das Erstaunliche aus an diesem Werk, das sich “Mira” nennt und überwiegend Kompositionen des Bandleaders darbietet. Die Antwort ist einfach: eine fulminante Spiellust, welche die Intensität des Vortrags mit grosser Selenruhe koppelt, und dabei gern ins Felde geführte Etiketten von “modern”, “post hard bop”, “post anything”, “free” “Kammer”, und “melodic” als überflüssige Schlagwortnummern entlarvt.

Ein-, zweimal greift Tommy Smith (dessen Anspielungen quer durch die moderne Saxofonhistorie reichen) zur japanischen Bambusflöte, und kreiert dabei geschickte Momente des Atemholens, ohne Eso-Kitsch und Ethno-Koketterie. Andersen selbst grundiert den Klangraum so selten wie sachdienlich mit dezenter Elektronik. Dass sich auch der grossartige Trommler im Bunde jede Applaus garantierende Zirkusnummer schenkt, macht “Mira” zu einem regelrechten Jazzkracher, der ganz ohne Krach, Feuerwerk und Donnerhall auskommt. Ein energiegeladenes, seelenruhiges Trio auf der Höhe seiner Kunst. Kann ein Kontrabass singen? Kann er Geschichten erzählen? Auch die Antworten auf diese Fragen sind einfach.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2014 12:22 PM CET


Live at the Cellar Door
Live at the Cellar Door
Preis: EUR 12,98

62 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz grosses Kino für sperrangelweit geöffnete Ohren!, 6. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at the Cellar Door (Audio CD)
Eine Liebe war kurz zuvor zuende gegangen, sein drittes Studioalbum, das Meisterwerk AFTER THE GOLDRUSH, gerade acht Wochen auf dem Markt, der Weltruhm nahm Fahrt auf, da gab Neil Young einige Konzerte im "Cellar Door", und offensichtlich hatte er schon damals ein Händchen für die Aufnahmequalität. Denn als ich die Vinylausgabe vorhin hörte, bin ich fast von der Couch gefallen. Kein mp3-stream kann deutlich machen, wie überragend der Sound von Stimme, Gitarre und Klavier aufgenommen wurde.

Anders als bei der Archivausgrabung aus der Massey Hall von 1971, sind hier weniger Stories von Neil Young zu hören. Und das "sequencing", die Anordnung der Stücke, ist grundlegend anders - lesen Sie mal die Titel hintereinander, die allein suggerieren schon eine Story! Es ist traumhaft, Young ganz intim vor recht kleinem Publikum zu erleben. Auch wenn man einige Songs schon hundertfach gehört hat, die Art seines Vortrags, intensiv, meist schnörkellos, und doch jede Gefühlsschwingung auslotend, garantiert, gelinde gesagt, Gänsehaut pur (bei denen, die eine lange Hörgeschichte mit Neil Young verbindet)!

Auch sein Klavierspiel (auf sechs Liedern, u.a. eine bezaubernde Version von Cinnamon Girl) überzeugt im Zusammenspiel mit seinem Gesang voll und ganz, auch wenn er sich selbst vor dem letzten Song mit Selbstironie über seine Tastenkünste auslässt. Aber nicht nur das: seine kleine Plauderei übers Highwerden, einen Steinway-Flügel, und die verrückte Welt, lassen en passant die verlorene Liebe anklingen, und den Schmerz verarbeitet er in atemraubenden Liedern, die sich rasch mit höheren, zeitlosen Sphären kurzschlossen. Wahrlich eine Fundgrube, dieses Archiv des Altmeisters! P.S. Zuletzt sah ich ihn in diesem Sommer in Köln mit Crazy Horse. Ein Unverwüstlicher.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2014 1:23 AM CET


Across Six Leap Years
Across Six Leap Years
Preis: EUR 15,99

28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieso man alte Stoffe nicht unterschätzen sollte!, 12. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Across Six Leap Years (Audio CD)
Die neue Arbeit der Tindersticks ist zwar im Grunde alte Musik, aber wie hat es der Jazzpianist Thelonious Monk gehalten mit seinen Stücken, eben, auch er hat sie wieder und wieder aufgenommen. Und nun haben sich das mal die Tindersticks geleistet, feinsinnigste Melancholiker unter britischer Herbstsonne, und Lieder aus ihrem Werkeverzeichnis neu eingespielt. Weder besonders neutönend noch elektrifiziert noch als extended mix, eher in schlichter Lust und Beiläufigkeit. In dem mythenumwobenen Londoner Studio gelingen ihnen, ohne Anstrengung, ohne Kunstkrampf, etliche endgültige Versionen. Sie bereisen mit diesen aufgefrischten Erinnerungen europäische Theater, die wie für ihre Musik geschaffen sind, unter anderem den Berliner Admiralspalast, wo ich sie erleben werde. Wir Tindersticks-Hörer brauchen nicht viele Dinge zum Glück, einen heftigen Regenguss vielleicht, einen warmen Pflaumenkuchen mit Hefeteig, guten Sex an fremden Orten, die Aussicht von Hampstead Heath, eine sanfte Landung auf dem kleinen Flughafen von Nizza, die dritte Staffel von Homeland im Gepäck, spät am Abend einen Caipirinha im Pool, die definitive Version von “I Know That Loving” (die haben wir jetzt!), oder eine Nachricht von Freunden an der Rezeption. Oder eine Kindheitserinnerung, in der man den Toten noch einmal “hallo” sagen kann, “hello, with love”. Gute Nacht, legen Sie die neue Tindersticks auf mit den alten Liedern, und träumen Sie gut!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2013 1:03 PM MEST


Dream River
Dream River
Preis: EUR 14,99

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die weiten Räume des Mr. Callahan, 20. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dream River (Audio CD)
Dieses Cover sieht nach amerikanischem Naturalismus anno 1927 aus. With a touch of William Turner. Das Echo solcher Räume in den Liedern fahrender und reitender Sänger sollte in der Beiläufigkeit geschult sein. Man muss auch gar nicht erschauern, und kann Rast machen am Fusse des Berges, und, als wäre das so einfach, einfach schauen! Diese Stimme, meinte ein Freund, sei ja erst mal gewöhnungsbedürftig. Er dachte wohl bei den ersten Tönen an Lee Marvins Bassgegrummel seines Hits über einenen wandernden Stern. Nun, ich kenne Bill Callahans Gesang und Gemurmel seit seinem frühen Album The Doctor Came At Midnight. Als er noch, für ein Jahrzehnt, unter dem Namen Smog unterwegs war. Die Ich-Erzähler dieser Lieder sind klassische Herumtreiber, Suchende, die Liebe, Leben und Tod sichten, und daraus ihre Schlüsse ziehen. Sie sind zum Glück bar jeder Erhabenheit, keine Erlösungsfanatiker, bedienen sich einer einfachen Sprache, lakonischem Humor, doppelten Böden. Im ersten Song des neuen Albums sitzt Bill (nennen wir den Erzähler einfach Bill!) in einer Bar, und schaut, wie er bemerkt, durch Fenster, die es gar nicht gibt. Er stellt fest, dass die einzigen Wörter, die er den ganzen Tag lang ausgesprochen habe, “beer” und “thank you” waren. Lapidar, meinen Sie? Die Banalität des Lebens? Sie könnten nicht falscher liegen. Das Alltägliche und das Existenzielle liegen in diesen Songs oft nur ein schrägen Ton, einen auffahrenden Gitarrensound und eine Drehung der Worte auseinander. "All I want to do is to make love to you In the fertile dirt, in the fertile dirt, with a careless mind". Vom ersten bis zum letzten Ton handelt es sich hier um ein Meisterwerk, voller wundervoller Stories. Kein überflüssiges Wort, kein überzähliger Ton, fein eingeflochtene Flöten- und Violinenklänge, die dem ganzen einen Hauch von Folkjazzigkeit verleihen, ein grossartiger Humor, der so leise ist, dass man ihn fast überhören könnte. (Und wunderbar, dass dem Werk, resp. meiner Vinylausgabe alle Texte beiliegen!)
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2013 12:44 PM MEST


Field of Reeds
Field of Reeds
Preis: EUR 19,98

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie bitte, schwierige Kunstmusik, hochexperimentell, abgefahrenes Zeug?, 16. Juni 2013
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Rezension bezieht sich auf: Field of Reeds (Audio CD)
Genau. These New Puritans zetteln eine bislang so noch nicht gehörte Musik an, die sich aus unzähligen Quellen der Klassik- und Popkultur speist, und dabei all jene Lügen straft, die Erneuerungen im weiten Feld des Art-Rock nur noch in Nuancen für möglich halten. Gerne wird für dieses an Traumszenarien erinnernde Werk Laughing Spirit und Spirit Of Eden als Inspiration angeführt. Das stimmt gewiss nicht, was den Sound betrifft, wohl aber, was die Radikalität der Mittel, und diese durchweg unwirklichen Stimmungen angeht, die alle Lieder auszeichnen. Natürlich nutzen TNP auch Strömungen der klassischen Avantgarde (und eine Prise Tubular Bells), und mit Henry Lowther wirkt ein Jazztrompeter mit, den einst auch Mark Hollis ins Studio lud. Doch damit hat es sich. Es braucht Zeit und Einfühlung, sich in diese Klangräume einzufinden, seltsam disparat wirken einzelne Elemente (ein fragmentierter Chor, ein verloren wirkendes Vibraphon, leise Murmelgesänge), doch dann geht irgendwann ein Licht auf, und der Hörer geht auf Erkundungsreise. Dabei handelt Field Of Reeds nicht von abstrakten Themen, mit denen kühle Klangtheoretiker ihren Elfenbeinturm ausstaffieren, sondern um lauter existenzielle Dinge. Die hochgradig originäre Musiksprache verhindert jedoch, dass man auf den uralten Stoff (Liebe, Tod, Hoffnung, etc.) mir den üblichen Reflexen oberflächlicher Anteilnahme reagiert. Hier werden neue Blickwinkel erprobt, und alte Rezepturen abgeschafft. Zudem bewegt sich diese in jeder Hinsicht einmalige Musik in einem weitgehend melodiösen Raum, Dissonanzen sind nur spärlich, dann aber umso effektiver, eingestreut.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 16, 2013 7:49 PM MEST


Resume
Resume
Preis: EUR 20,98

42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herr Weber stöbert im Archiv und schafft ein kleines Wunderwerk!, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Resume (Audio CD)
Die Meisterwerke. Die 5-Sterne-Alben. Die Sternstunden. Bei Eberhard Weber lauten sie "The Colours of Chloe", "Yellow Fields" und "The Following Morning", dicht gefolgt von "Chorus" und "Later That Evening". Der Rest: guter Stoff, okay, vertraute Ware, Beigabe, Nostalgie. Alles Wesentliche schien formuliert. Oder doch nicht?

Denn jetzt ist ein kleines Wunderwerk erschienen, zwingender als alles, was unter dem Qualitätssiegel "Eberhard Weber" seit Beginn der Neunziger Jahre noch auftauchte. Der Schwabe hat sein Archiv geöffnet und Fundstücke gesichtet: zahlreiche, vom Elektro-Bass in der Jan Garbarek Group dargebotene Solo-Passagen (oder Konzert-Passagen, in denen der Bass den Ton angab). Quellenstudium. Interludien, das Grundmaterial für "Resume". Eberhard Weber hört kritisch, wählt aus, bearbeitet die historischen Aufnahmen.

Mitunter spielen Jan Garbarek (Saxofone, Flöte) und Michael Di Pasqua (Schlagzeug) neues Material ein. Alt und neu lässt sich schwer trennen. Wie hat Weber beispielsweise seine Soli bearbeitet? Neue Klänge hinzu fabriziert? Alte Aufnahmen übereinander geschichtet?. Wie funktioniert Klangforschung, wenn man den eigenen Erinnerungen begegnet? Wie kann man die alten Stoffe im bestmöglichen Sinne "fälschen" - und ihnen gleichzeitig neues Leben einhauchen?

Das Hören von "Resume" stiftet bei Hörern, die Webers Musik seit Jahrzehnten kennnen, interessante Verwirrungen. Denn das Kunststück ist ja, das aus all diesen Zwischenspielen originelle Kompositionen werden, Erinnerungen gleichsam neu erfunden werden. Ein weiteres 5-Sterne-Album also? Das nicht, aber ein faszinierend inszeniertes Werk, das die ganze Bandbreite der Weberschen Spielkunst noch einmal vor Ohren führt. Hier muss enorm viel Kleinarbeit und Feilen am Detail mit eingeflossen sein. Ohne falsche Verbissenheit. Das Resultat wirkt vollkommen mühelos. Es ist eine helle Freude, sich auf diese "Fälschungen" einzulassen. Und (bei diesem Altmeister sowieso nicht anders zu erwarten)angenehm ego-trip-frei!


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