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song_x

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Wolf: Der 7. Fall für Jack Caffery - Psychothriller (Die Inspektor-Caffery-Thriller, Band 7)
Wolf: Der 7. Fall für Jack Caffery - Psychothriller (Die Inspektor-Caffery-Thriller, Band 7)
von Hayder. Mo
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Meisterstück von Mo Hayder, 28. Februar 2015
Der Wald als Ort des Unheimlichen, ein altes Thema, älter als die Märchen der Brüder Grimm. Ein Inspektor mit einem uralten Verlust in Kindertagen: die Ermordung des eigenen Bruders. Ungesühnt. Im Alltag reissen leicht solche Wunden auf, Caffery ist genervt, und nimmt sich eine Auszeit. Das Alte lässt ihm keine Ruhe. Es ist Zeit, den “Walking Man” zu treffen, der noch viel mehr zum Gespenst, zum Schatten seiner selbst wurde. Ein Waldmensch. Der seit Jahren ein Grab sucht. Man könnte an Lovecraft denken, an alte mystery-Geschichten aus der Urzeit des Genres. Aber wir befinden uns in der Jetztzeit. Somerset. Die englische Provinz. Ein tiefer Wald. Refugium reicher Familien. Mit ganz eigenen Horrrorgeschichten. Die Verkettung der Zufälle, die aus normalen Lebensläufen Umglücksszenarien schafft, die einfach nicht mehr abreissen. Das Wort WOLF hat so viele Bedeutungen in diesem Thriller, und alle führen in Finsternisse. Eine Hauptrolle in diesem kunstvoll gesponenen Handlungsgefüge, in dem zwei Zeitlinien gnadenlos aufeinander zurasen, spielt dann auch noch ein Hund, der Bear heisst. Eine Hündin, die nichts mit einem Bären geneinsam hat. Ein verletzter Hund im Wald. Ein Waffentyp, inspiriert von einem bestialischen Doppelmord. Folter. Ein kleines argloses Kind. Und wieder der “Walking Man”. Und wann kommt der, der die Gedärme in die Bäume hängt? Hallo? Geht es noch? Ist das alles nicht vollkommen abstrus? Nein, es ist schrecklicher alter Realismus. Ein Buch wie ein Monster, das einem wie in den ersten unheimlichen Büchern, die man je las, den Atem raubt


The Upsetter Box Set
The Upsetter Box Set
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 22,82

1.0 von 5 Sternen Falsches Produkt, 9. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Upsetter Box Set (Audio CD)
Das war ein Witz und ünerhaupt nicht die Upsetter Box Set-Edition, die ich bekam, sondern eine andere, auf dem Cover abgebildete Compilation. Danke für das rausgeschmissene Geld.


Outland
Outland
Preis: EUR 17,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drei flogen über das Kuckucksnest, 22. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Outland (Audio CD)
Jokleba ist das Trio des Pianisten Jon Balke, des Trompeters und Sängers Per Jorgensen sowie des Trommlers und Elektronikers Audun Kleive. Vor Beginn ihrer Europatournee, die morgen in Bristol endet, schrieb mir Jon Balke folgende Mail über das verstörende und widerspenstige Werk eines bereits seit fünfzehn Jahren existierenden Trios:

“Sämtliche Stücke von Outland entstanden aus einem Zustand der Fassungslosigkeit über den Zustand der Welt, der, während unserer Aufnahmen, in direkten Wahnsinn umschlug. Wir nahmen OUTLAND im Frühjahr auf, als all die schrecklichen Dinge aus der Ukraine und Syrien zu uns drangen, und das Barbarentum der islamischen Terrorbrigaden: uns kam es so vor, als würden wir kollektivem Irrsinn direkt ins Auge schauen. Wir haben kein Interesse daran, Programmmusik zu machen, aber diese Realitäten spiegelten sich im Herausströmen der Sounds. Wir versuchten, die Infomationsstücke zu sortieren, mit denen wir gefüttert wurden, und fortlaufend wurden wir von anderen Dingen abgelenkt. Auf die gleiche Weise wird die Klarheit in der Musik, ihr Puls, jedem Mitspieler in kleinsten informationseinheiten angeboten, dabei aber ständig auseinander gerissen von plötzlichen Strömungen paralleler oder gegenläufiger Information. Das Album ist kein Karriereschritt in eine neue Richtung, es ist ein direktes Dokument der Energien, die im Frühjahr 2014 zwischen uns flossen.”

Mit einer Spielweise, die allen Regeln eines groovefreudigen Jazz widerspricht, mit bizarren Sounds, und einer Palette zwischen abgrundtief brüchiger Melancholie und gespenstisch eruptivem Furor ist Jokleba eine so aufregende wie widerspenstige Produktion gelungen: in diesem Jazz fliegen Fetzen, stolpern Rhythmen – und auch wenn Balke, Jorgensen und Kleive auf der Bühne nicht in exotisch Masken schlüpfen, sind gewisse Parallelen zu einigen Stilelementen des frühen Art Ensemble of Chicago alles andere als weit hergeholt. Bei den Chicagoer Pionieren wie bei den drei Norwegern geht es auch da, wo die Musik, surreal, wild, unberechenbar daherkommt, darum, eigene Ideen nicht zu lange in sicheren Zonen zu dulden. Jokleba trauen ihren Kontrasten und Brechungen zurecht emotionale Durchschlagskraft zu: gerade in solch rauen, explosiven energiefeldern gewinnen lyrische Momente eine besondere Strahlkraft (jenseits des gepflegten, guten Tons).

Wenn sich laut Jon Balke bei “Outland” die Musik nicht zuletzt “um den Verstand dreht, wenn er dabei ist, verloren zu gehen” – ein Titel lässt den Kinoklassiker “Einer flog über das Kuckucksnest” anklingen – dann handelt das Album eben nicht nur von der Wut über die Schräglage der Welt anno 2014. Mit OUTLAND legt das Trio das Potential offen, dass der Jazz auch da entfalten kann, wo einzelne seiner sogenannten gesicherten Bestandteile zu kollabieren drohen. Diese Arbeit verlangt vollkommene Konzentration und belohnt sie mit einem nur zu Anfang verwirrenden Klangfarbentheater, mit aufblitzendenden, abtauchenden Ideen der atemraubenden Art, mit letztlich kinderleichten Drahtseilakten.


Flesh and Machine
Flesh and Machine
Preis: EUR 19,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen East of any safe ground!, 31. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Flesh and Machine (Audio CD)
Another drone world. In parts. Daniel Lanois goes wild. With the volume turned low. Is “Drone Music” a new, rediscovered, or “never-really-off-the-scene”-topic of some creative upheaval anno 2014? Think of Scott Walker, Swans, “Lumen Drones” – and (in historic perspective) the reissue of “The Church of Anthrax”, this “hard-core-primitive-minimalism” of John Cale and Terry Riley (1971). The man from Ontario is diving deep into his non-Canadian roots and textures – on a work without songs and singing. And now the next surprise: this record is not really a close relative to the “golden age” of Mr. Lanois’ “ambient classics” he had created with Brian Eno in the Grand Avenue Studios in his old home in Hamilton (a long, long time ago). Only the track “Space Love” may draw some parallels to the “Apollo” dreamsphere with his pedal steel guitar singing softly, the instrument he loves to call “the church in my suitcase”. And if there is one other track that might be a heartfelt greeting to his old “compadre of strangeness”, it’s the haunted softness of “Iceland”. On nearly all the other compositions we seem to drift into a strange territory in the back of the artist’s mind. It may all appear like the ideal soundtrack for a town called Lonesome, where the streets have no names. The man who has produced U2, Peter Gabriel and other candidates for this nostalgia-driven “hall of fame”, keeps his most rewarding things for himself – and for the happy few who keep company. “Flesh & Machine” is quite an unsafe journey. Do yourself a favour and don’t believe in campfires anymore!


High Life
High Life
Preis: EUR 14,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die neuen Abenteuer von Dr. Eno und Mr. Hyde, 27. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: High Life (Audio CD)
Das zweite Album des unternehmungsfreudigen Duos enthält weniger Songs, mehr Funk, mehr afrikanische Polyrhythmik, und genauso viel "Feuer unterm Londoner Studiodach" wie der Vorgänger SOMEDAY WORLD. Sechs Tracks, die sich alle Zeit nehmen, ihre Ideen auszubreiten, ohne auch nur ansatzweise zu schnell durchschaubaren Jamsessions zu werden.

Die Reihenfolge dieser extrem vielfältigen Stücke ist perfekt, den Rahmen bilden zwei Songs: Enos dunkle Wortbilder gleiten auf "Return" sanft über der hart gechlagenen Rhythmusgitarre. Und ganz am Ende beweist Eno auf "Cells & Bells", wie verstörend und brilliant eine Melange aus Song und Ambient Music sein kann.

Zwischendurch (DBF, Moulded Life) gibt es eine britische Lesart von scharfem Funk, so ein Mittelding zwischen James Brown-Fragmenten, und dem schnörkellosen Power-Bass-Perkussions-Gewirbel, von dem die Talking Heads einst träumten, zur Zeit von "Fear of Music" (Eno war damals der fünfte Mann der Band, und Jonathan Lethems tolles Buch über diesen Klassiker erscheint Mitte Juli im Tropen-Verlag).

Bleiben noch zwei weitere Glanzstücke: "Lilac" kreuzt einen geheimnisvoll kargen Text von Rick Holland mit einem interessanten Mix aus entspanntem Gesang und beunruhigenden Sounds, "Time To Be Wasted" kommt daher wie ein fragmentierter Disco-Song, der mit dem entschlossenen Vorwärtsdrang von Steve Reichs Minimalismus kokettiert, ohne sich in Abstraktion zu verlieren. High Life eben! Und alles andere als ein biederes Werk in die Jahre gekommener Klangkünstler! Das alte Feuer brennt noch.


A Letter Home
A Letter Home
Preis: EUR 13,99

19 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Zeitreise des Neil Young in einer Telefonzelle, oder: Dr. Who im Jahre 1949, 23. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Letter Home (Audio CD)
Viele Verrisse erinnern in gewisser Weise an die Häme, die Neil Young entgegenschlug, als er Mitte der Siebziger den Sanftmut von Harvest verliess und mit drei Nachfolgewerken einen Abgesang auf die Ideale der Hippieära inszenierte. Tonight's The Night etwa war wohl auch alles andere als eine aufnahmetechnisch hochwertige Produktion, es wurde aber ein Klassiker der Rockgeschichte, eine unerhörte Auseinandersetzung mit dem Elend des Sterbens Nahestehender: der psychoakustische Fachbegriff für das Klangbild ist "audio verite".

Wenn Young jetzt sozusagen eine Zeitmaschine betritt und alte, ans Herz gewachsene Lieder im Klangfeld alter Schellackplatten ansiedelt, dann ist das a) eine bewusste (und gut durchdachte) künstlerische Entscheidung und b) einmal mehr "audio verite". Das Resultat geht mir bei vielen Liedern unter die Haut. Ein wenig schüttele ich den Kopf über sogenannte hard core-Fans, die auf diversen Foren ihren Frust rausposaunen.

Ich weiss nämlich nicht, warum ich mich nach wie vor von alten, ebenso "bescheiden" klingenden Bluesaufnahmen von Bessie Smith begeistern lassen kann, und jetzt nicht minder Freude an dieser ganz besonderen Zeitreise von Neil Young empfinden sollte. Wunderbare Platte, wenige trauen sich sowas, und diese lo-fi-Produktion tut der Intensität des Vortrags überhaupt keinen Abbruch. Ganz allein stehe ich mit meiner Meinung nicht da, John Mulvey hat im Blog-Teil der Webseite des englischen Musikmagazins Uncut eine ähnliche Wahrnehmung beschrieben. Und Alex Petridis hat heute in The Guardian nachgelegt.

Ich kann jedem einzelnen Niedermacher dieser Platte eins versichern: wenn Bob Dylan dieses Album hört, wird er seinen Hut ziehen. Wenn Jim Morrison für ein paar Tage auf die Welt zurückkehren würde, würde er ihm beim Hören eine Gänsehaut nach der andern den Rücken runterlaufen. Wenn Daniel Lanois die Scheibe hört, wird er sagen: "Respekt!" Wenn Leonard Cohen sich A Letter Home anhört, könnte er gut Lust bekommen, seinem Song Tower Of Song eine neue Strophe anzufügen (eine Strophe, in der Bert Jansch vorkommt).

Montaigne hat einmal, schon viel länger ist das her, geschrieben, Leben heisse, sterben zu lernen. Wenn Neil Young sich jetzt in so eine sauerstoffarme "Telefonzelle" begibt, dann ist das durchaus auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod: viele der hier gecoverten Lieder stammen von Musikern, die alle schon im "Tower of Song" ihren Platz gefunden haben. Da muss keine high resolution her, kein polierter Sound: da dringt etwas Altes, Fernes an unsere Ohren, das will ich wie einem alten Schwarzweissfilm erleben, in schlichtem Mono, brüchig. Und so schlägt dieses Werk eine Brücke zu einem seiner alten Meisterwerke, Tonight's The Night.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2014 5:59 AM MEST


Someday World
Someday World
Preis: EUR 19,98

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei nimmermüde Klangsucher abseits der ausgetretenen Pfade, 2. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Someday World (Audio CD)
Ursprünglich wollte Brian Eno mit Karl Hyde einen Weg finden, Elemente der Musik des Minimalisten Steve Reich mit der des Afrojazz-Magus Fela Kuti kurzzuschliessen. Es gibt in dieser Hinsicht allerdings nur eine lange Passage auf Someday World, in der zweiten Hälfte der Komposition When I Built This World, wo entfesselte Energien und rhythmische Vertracktheiten eins werden. Eno sorgt hier für Foundation, Voice, Lyric, Bass, Drums, Piano, Brass, Tapestry Synths, Voice Slices, Dissonant Glass Guitars, und Karl Hyde für Rhythm and Melody Guitars, Tapestry Voice Slices, Piano, Synth Brass, Talking Drum, und das gute alte Tambourine.

Von wegen also Reduktion, Leere, schöne ambiente Weiten. Das ganze Projekt wurde zu einem raffinierten Songalbum, bei dem weitaus mehr Quellen als die oben genannten angezapft werden. Das Wort "überbordend", das sich fast nur noch im Feuilleton findet, wenn von grenzenloser Phantasie die Rede ist - hier darf es gerne aus der Schublade der etwas altbackenen Wörter gekramt werden. Die Gesangsstimmen der beiden harmonieren aufs Feinste und sorgen dafür, dass ein weites Feld von Gefühlslagen ausgelotet wird. Diese neue Werk geht mit all seinen Pop-Turbulenzen und extravaganten Klang-Alltäglchkeiten weit über ein paar Afrojazz-Anklänge hinaus und dockt phasenweise an den Ungestümheiten von Enos erstem Songalbum Here Come The Warm Jets an. Auch an Enos drei Produktionen mit den Talking Heads. Kurze Rückblende, kleiner Zeitsprung...

Es gibt Platten, die bieten Seelennahrung auf Lebenszeit und gehen tiefer als ein paar Stunden Psychoanalyse oder ein Südseekurs im Tiefseetauchen. So eine Platte war bei mir, vor vielen Jahren, Taking Tiger Mountain (By Strategy), das zweite der vier Song-Alben von Brian Eno aus den Siebzigern. Es bedeutete mir weitaus mehr als die beiden ersten Roxy Music-Alben. Es war meine erste Begegnung mit Eno, dem Sänger (und er wurde eine meiner Lieblingsstimmen!) - ich schätzte mich glücklich, kurz danach seine anderen Songklassiker von damals zu erstehen: Here Come The Warm Jets, Another Green World, und Before And After Science. Daneben erschienen all die zeitlosen Ambient-Werke.

Dann begann das grosse Warten. Mit den Jahren trat Eno, der Sänger, nämlich immer weniger in Erscheinung. Schliesslich gab es, nach einer halben Ewigkeit, das beeindruckende Duo mit John Cale, Wrong Way Up, und dann, sein meisterliches, gern unterschätztes Soloalbum Another Day On Earth. Die dazugehörigen Jahreszahlen sind 1990 und 2005. Ich mochte eben nicht nur seinen Gesangsstil, sondern auch seinen einfallsreichen Umgang mit Songstrukturen. Da wurde kein Muster ad infinitum ausgereizt.

Und jetzt also die Zusammenarbeit mit Karl Hyde - einmal mehr ein Füllhorn an Melodien, Klangtexturen, raffinierte Gegenläufigkeiten von Text und Melodie, Songs über verpasste Chancen, Lebensbilanzen, Glückstaumeleien, Kindheitserfahrungen, Traumbilder, Tagbücher, alles fragmentiert in den beeindruckenden Texten, die Hyde und Eno teilweise zusammen verfasst haben. Eno kann auch ein Expressionist sein, erzählte mir Laurie Anderson mal in einem Interview, anlässlich der von Eno produzierten CD Bright Red (1994).

Diesen Expressionisten kann man auf etlichen Songs des neuen Albums hören, eine rohe, ungezähmte Energie ist am Werk, die manchmal am Rande des Überdrehtseins entlang taumelt (Daddys Car), um dann wieder das Harte (Text) und das Sanfte (Sound) wie einem Ohrwurm aus alter Zeit zu versöhnen (To Us All), in diesem letzten Song, einer Erinnerung an unsere endlos gezählten Tage. Ein vielschichtiges unerschöpfliches Album abseits ausgetretener Pfade, und die Rückkehr des "singers with the silver voice". (Mein Interview mit den beiden Musikern findet sich, in englischer Sprache, auf manafonistas.de)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 15, 2014 6:25 PM MEST


Croz
Croz
Preis: EUR 17,99

56 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Altmodisch vs. Zeitlos, 31. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Croz (Audio CD)
Zuletzt sah ich David Crosby in einem Swimmingpool, im Laurel Canyon, das war so 1971 herum, und ein paar attraktive Frauen schwammen im Pool, und er wirkte bekifft, die Augen waren glasig, es war nur eine kurze Szene, aber vielsagend, in einem Film, der die Geschichte erzählte, wie Kalifornien in kurzer Zeit mit seiner gesammelten Songwriter-Zunft Musikgeschichte schrieb, und heute hörte ich sein neues Album CROZ, und es ist natürlich altmodisch, und Fans werden sagen, zeitlos, aber beim ersten Hören gefiel mir so manche Atmosphäre, feines Liederhandwerk, with a beating heart, und dann war da dieses unheimliche Stück, MORNING FALLING, mit einer traumverlorenen Melancholie vorgetragen. Es handelt nicht zuletzt von dem anonymen Tod, den Dronenangriffe mit sich bringen. Das politische Bewusstsein ist Mr. Crosby nicht abhanden gekommen - ich zähle dieses Geisterlied einfach mal zu seinen besten Songs überhaupt.

Diese Platte hat, im besten Sinne, “ihre Momente”. Und einige Lieder, die sich rasch aus ihrer reinen, sentimentalen Wohligkeit lösen, und wirklich etwas zu erzählen haben. Nichts geschieht nach einem berechenbaren Muster, die unnachahmlichen Harmoniegesänge (einflussreich bis heute, von den Fleet Foxes bis Jonathan Wilson) sind dezent eingesetzt, scheuen jede Selbstgefälligkeit. Das Private und das Politische sind ausbalanciert, und es ist paradoxerweise die spürbare Zurückhaltung des Gesanges, die Aufmerksamkeit sichert. Das ist das Gegenteil von Schwelgerei. Ganz gleich, wie gediegen die Studioproduktion insgesamt ist (einen stockkonservativen Jazznusiker wie Wynton Marsalis hätte es für die paar Farbtupfer auf der Tronpete nicht gebraucht): ich höre dieser Stimme gerne zu, die immer noch etliche Facetten zu bieten hat. Und manche Echos von 1971 wollen nicht verklingen. Und das hat durchaus was Gutes.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 19, 2014 6:30 PM CET


Mira
Mira
Preis: EUR 20,98

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück zu den Wurzeln!, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Mira (Audio CD)
Das erste grosse Jazzalbum des Jahres 2014 erscheint schon Mitte Januar. Der Bassist Arild Andersen war bei ECM seit den frühen Siebzigern aktiv, er befeuerte die Rohdiamanten Afric Pepperbird, Sart und Triptykon, als der junge Garbarek zwar noch nicht seinen unverkennbaren Sound, aber bereits ausserordentliche Klasse demonstrierte. Er leitete eigene Bands in jenem Jahrzehnt, welches sowieso eine paradiesische Dekade für die Jazz- und Rockgeschichte war. Arild Andersen spielte “free” in New York an der Seite von Sam Rivers, er kultivierte den neuen nordischen Ton der improvisierten Musik auf Alben wie Shimri, Clouds in my Head, und Green Shades into Blue, die ECM unlängst in einer weissen Kiste neu auflegte.

Später liess er Folklore und Jazz jenseits abgetretener Pfade einen munteren Grenzverkehr betreiben, in orchestralen Kompositionen entlockte er berühmten ECM-Tracks diverser Komponisten neue Perspektiven. Etwas konservativ klang das, zugleich aber interessanter als eine gewöhnlche Hommage. Er war stets für Überraschungen gut, den tiefsten Eindruck unter seinen jüngeren Alben hinterliess (bei mir) sein Bass-Saxofon-Schlagzeug-Trio mit Tommy Smith und Paolo Vinaccia: Live at Belleville (2007) dokumentiert die Live-Energie der Band und heimste zurecht einige Auszeichnungen ein. Schon da zapfte Andersen jene Quellen an, die aus dem "power spot" der Siebziger Jahre stammen.

Nun liegt die erste Studioproduktion des Trios vor. Produziert von Manfred Eicher. Im Rainbow Studio. Was macht das Erstaunliche aus an diesem Werk, das sich “Mira” nennt und überwiegend Kompositionen des Bandleaders darbietet. Die Antwort ist einfach: eine fulminante Spiellust, welche die Intensität des Vortrags mit grosser Selenruhe koppelt, und dabei gern ins Felde geführte Etiketten von “modern”, “post hard bop”, “post anything”, “free” “Kammer”, und “melodic” als überflüssige Schlagwortnummern entlarvt.

Ein-, zweimal greift Tommy Smith (dessen Anspielungen quer durch die moderne Saxofonhistorie reichen) zur japanischen Bambusflöte, und kreiert dabei geschickte Momente des Atemholens, ohne Eso-Kitsch und Ethno-Koketterie. Andersen selbst grundiert den Klangraum so selten wie sachdienlich mit dezenter Elektronik. Dass sich auch der grossartige Trommler im Bunde jede Applaus garantierende Zirkusnummer schenkt, macht “Mira” zu einem regelrechten Jazzkracher, der ganz ohne Krach, Feuerwerk und Donnerhall auskommt. Ein energiegeladenes, seelenruhiges Trio auf der Höhe seiner Kunst. Kann ein Kontrabass singen? Kann er Geschichten erzählen? Auch die Antworten auf diese Fragen sind einfach.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2014 12:22 PM CET


Live at the Cellar Door
Live at the Cellar Door
Preis: EUR 4,99

67 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz grosses Kino für sperrangelweit geöffnete Ohren!, 6. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at the Cellar Door (Audio CD)
Eine Liebe war kurz zuvor zuende gegangen, sein drittes Studioalbum, das Meisterwerk AFTER THE GOLDRUSH, gerade acht Wochen auf dem Markt, der Weltruhm nahm Fahrt auf, da gab Neil Young einige Konzerte im "Cellar Door", und offensichtlich hatte er schon damals ein Händchen für die Aufnahmequalität. Denn als ich die Vinylausgabe vorhin hörte, bin ich fast von der Couch gefallen. Kein mp3-stream kann deutlich machen, wie überragend der Sound von Stimme, Gitarre und Klavier aufgenommen wurde.

Anders als bei der Archivausgrabung aus der Massey Hall von 1971, sind hier weniger Stories von Neil Young zu hören. Und das "sequencing", die Anordnung der Stücke, ist grundlegend anders - lesen Sie mal die Titel hintereinander, die allein suggerieren schon eine Story! Es ist traumhaft, Young ganz intim vor recht kleinem Publikum zu erleben. Auch wenn man einige Songs schon hundertfach gehört hat, die Art seines Vortrags, intensiv, meist schnörkellos, und doch jede Gefühlsschwingung auslotend, garantiert, gelinde gesagt, Gänsehaut pur (bei denen, die eine lange Hörgeschichte mit Neil Young verbindet)!

Auch sein Klavierspiel (auf sechs Liedern, u.a. eine bezaubernde Version von Cinnamon Girl) überzeugt im Zusammenspiel mit seinem Gesang voll und ganz, auch wenn er sich selbst vor dem letzten Song mit Selbstironie über seine Tastenkünste auslässt. Aber nicht nur das: seine kleine Plauderei übers Highwerden, einen Steinway-Flügel, und die verrückte Welt, lassen en passant die verlorene Liebe anklingen, und den Schmerz verarbeitet er in atemraubenden Liedern, die sich rasch mit höheren, zeitlosen Sphären kurzschlossen. Wahrlich eine Fundgrube, dieses Archiv des Altmeisters! P.S. Zuletzt sah ich ihn in diesem Sommer in Köln mit Crazy Horse. Ein Unverwüstlicher.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2014 1:23 AM CET


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