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SaFi (Deutschland)

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Schief gewickelt
Schief gewickelt
von Matthias Sachau
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

2.0 von 5 Sternen Die Frage nach dem Warum?, 19. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Schief gewickelt (Taschenbuch)
Zur Idee: Ein Papa, der darunter leidet, dass er für die Erziehung und den Alltag seines Kleinen verantwortlich ist, da die Mutter Karriere macht und er seinen Job verlor und aus diesem Grunde stets genervt ist.. Da wünscht man sich ein wenig mehr Dankbarkeit und Demut, schließlich ist das Kind völlig gescheit und vor allem gesund. Doch leider ist diese Einstellung weit verbreitet.
Unabhängig von der Botschaft dieses Buchs: Es war aus meiner Sicht definitiv ein Fehlkauf. Der Schreibstil ist flach, die meisten Pointen sitzen nicht wirklich, die Story als absurd, das Gesamtniveau als eher schwach zu bezeichnen. Zu viele Klischees sind darin enthalten. Der Markt hat auf diesem Segment definitiv besseres zu bieten. Im Vergleich zu den meisten Jaud-Büchern wirkt „Schief gewickelt“ wie ein Experiment, wie ein Versuch, ein Buch zu schreiben, wobei es aber nicht zu einer Veröffentlichung gekommen ist. Der Handlungsstrang erscheint mir total an den Haaren herbeigezogen, Ton und Komik sind höchstens unterste Mittelklasse. Ich konnte mich damit leider nicht anfreunden. Und wieder muss man sich selbst die Frage stellen: Warum hast du es nicht weggelegt?
Zwei Sterne für einige wenige Gags, die Sacher gelungen sind. Das war’s.


Fünf Jahre meines Lebens.: Ein Bericht aus Guantanamo
Fünf Jahre meines Lebens.: Ein Bericht aus Guantanamo
von Murat Kurnaz
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Goodbye Menschenrechte! Oder: In was für einem Land leben wir hier eigentlich?, 16. November 2013
Goodbye Menschenrechte! Oder: In was für einem Land leben wir hier eigentlich?

Obwohl für die Amis recht früh klar ist, dass Murat Kurnaz unschuldig ist, wird er fast fünf jahre lang in Guantanamo festgehalten. Es ist die Hölle auf Erden: Rechtlosigkeit und Willkür, Verhöre, Isolationshaft, Käfighaltung (4 Quadratmeter-Zelle), Waterboarding, Aufhängen an den Armen, Isolationshaft in Hitze- und Kältekammern, Schlaf- und Essensentzug, kaltblütiges, grausames Zusammenschlagen, Hochtreiben durch brutale Schläge bei Krankheiten usw.

Das Buch rüttelt auf. Und ist ein Armutszeugnis für den selbsternannten Welthüter von Menschnrechten und Demokratie sowie dessen Verbündete.

Apropos Verbündete: Die deutschen Behörden wussten nachweislich recht früh von ihm. Ihre Reaktion war bemerkenswert. Sie haben versucht, an seinen Pass heranzukommen, um ihm die Aufenthaltsgenehmigung nicht zu verlängern. Widerlich.

Die Freiheitsstatue in New York ist spätestens nach Quantanamo als Denkmal eines Toten anzusehen.

Das Buch ist ein Muss!


Ich war eine Zeugin Jehovas: Protokoll einer Verführung
Ich war eine Zeugin Jehovas: Protokoll einer Verführung
von Martina Schmidt
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Was sind das für Menschen, die an meiner Tür stehen?, 3. November 2013
Im Grunde ist es verlockend, ein Zeuge Jehovas zu werden. Man lässt die Kälte des Lebens hinter sich und entflieht der Einsamkeit. Man findet neue Freunde, die einem ein neues Zuhause bieten, zumal im eigenen keine Gespräche möglich sind. Gleichaltrige, die einen eh nie akzeptiert haben, sind auf Knopfdruck Menschen, die es zu retten gilt. Man entwickelt sich vom Außenseiter zum moralisch überlegenen Menschen. Zum Retter der Menschheit.

Diese Einleitung mag auf einen Einzelfall maßgeschneidert sein, denn diese Erfahrung macht Martina Schmidt, die Autorin des Buchs. Gar nicht so individuell sieht es dagegen bei der neuen „Familie“, den Zeugen Jehovas, aus. Dort warten Richter, die „Brüder und Schwestern“ aburteilen. Sie entscheiden, wem vergeben werden wird, wer geliebt werden darf, wer dagegen verstoßen wird und wem Hass entgegen zu schlagen hat. All das wird bestimmt und die Herde hat zu folgen. Das eigene Denken? Fehlanzeige! Das Individuum samt Vorlieben, Ängste und Zweifel ist völlig unbedeutend. Schließlich ist das Ende der Welt, Hermagedon, nahe. Diesem kann man nur durch das Studium der Bibel und der beiden Zeugen Jehovas-Zeitschriften, „Erwachet!“ und „Wachtturm“, entfliehen. Um das ganze in die Praxis umzusetzen, bekommt das ganze Leben einen einzigen Sinn: Das Leben nach rigiden moralischen Maßstäben und strikten Regeln führen und missionieren! In jeder freien Minute, zu jeder Tageszeit.

Die Autorin beschreibt ihre authentische und überzeugende Wandlung vom Sonderling zur gern gesehenen Person auf Meetings, die Fußballstadien füllen. Überall erwarten sie freundliche Menschen, die ihre Freundschaft zu schätzen wissen. Dass nirgends persönliche Aspekte eine Rolle spielen, scheint sie nicht zu stören. Hauptsache Zuwendung! Auf diese Weise lässt sie sich gern gefangen nehmen. Denn dieses Gefängnis bedeutet die Erlösung von sämtlichen Ängsten. Sie muss bloß noch getauft werden, bevor Hermagedon kommt. Ungetauft wäre man nämlich ausgeschlossen und darf nicht zu den Auserwählten, den Geretteten, zählen. Seit 1874 wartet man auf den Weltuntergang...bisher vergebens. Aber es kann jede Minute losgehen.

Interessant und überzeugend finde ich die Beschreibung der völligen Selbstaufgabe der Zeugen Jehovas sowie die Taktik zum Ködern neuer „Schafe“, wie gute Menschen genannt werden, die gerettet werden können. Von Angst, schlechtem Gewissen und Assimilierung ist an der Tür keine Rede. Dort wird die Barmherzigkeit Jehovas unterstrichen. Ist man aber ins Netz gegangen, werden diese Aspekte immer wichtiger:

Druck, Gruppenzwang und ein schlechtes Gewissen sind ständig präsent (Wie viele Stunden hast du heute gepredigt? Warst du in der Fußgängerzone? Mit wem hast du dich unterhalten? Wie hoch war der Predigtanteil in deinem Gespräch? Wie viele Exemplare von „Erwachet!“ und „Wachtturm“ konntest du an den Mann bringen?)

Es wird nicht gern gesehen, dass ein Zeuge sich bildet. Ein Studium gleicht einem Tabu, denn dort begibt man sich in schlechte Gesellschaft. Bildung verdirbt den Geist und ist eine Verführung Satans. Selbst auf das Gymnasium dürfen Kinder nicht. Im eigenen Saft zu schmoren ist das Heilmittel. Und wenn diskutiert wird, dann immer mit Argumenten aus der Bibel bzw. Phrasen aus „Erwachet!“ und dem „Wachtturm“.

Kindern, die an Treffen der Zeugen teilnehmen, ist es nicht gestattet, sich abzulenken. Sie müssen stundenlang ausharren und zuhören. Kein Kind darf etwa einen Malblock haben, um die Zeit zu überbrücken.

Vom Heiraten wird abgeraten. Die Ehe wird als Ballast auf dem Weg zum Gerettet-Werden beschrieben.

Ganz baff bin ich von den Statistiken, die jeder über seine Belehrungen und Missionierungsaktivitäten zu führen hat. Jedes „Schaf“ ist somit ein Buchhalter über das eigene Leben. Alle Minuten (!) werden zusammen gezählt und am Ende des Monats beim „Ältesten“ abgeliefert. Erst erzählt man der Betroffenen, es handle sich um ein anonymes Engagement, bis sie nach einem „schlechten Monat“, in dem sie ihre Ausbildung anfängt, die ganze Woche arbeitet und somit weniger Zeit zum Missionieren hat, vom Ältesten ausgefragt wird. Im Übrigen interessiert ihn die Ausbildung als Grund für die niedrigen Zahlen nicht, denn diese sei schließlich „weltlich“.

Routine, Eintönigkeit, Predigtdruck, Statistik führen! Mit dem Hauptziel, zu den Auserwählten zu gehören. Nebenziele auf dem Weg dorthin nimmt man aber gern mit: In der „Zeugen-Gesellschaft“ aufsteigen und mehr Ansehen bekommen. Je höher die Zahlen, desto freundlicher die Geschwister, je mehr Zeitschriften abgesetzt werden, desto respektvoller der Umgang.

Es dauerte lange, bis Martina Schmidt in die Wirklichkeit zurück kommt. Bis sie erkennt, dass es keine heiligen Menschen gibt, dass der Mensch eben Mensch bleibt: Er übertreibt, lügt, verharmlost, ist einsam, verliebt sich, unterliegt Doppel-Moral. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber Schwäche ist der gemeinsame Nenner aller Menschen. Bis dahin werden Zweifel kompromisslos ausgeräumt, aber irgendwann wird es zu viel:

- Ja, es ist eine Anmaßung im Namen Gottes zu sprechen.

- Ja, das Fußvolk geht jeden Tag voller Hoffnung schuften. Man möchte seit 1874 dem Untergang entgehen. Dabei wird die „Wachtturm“-Gesellschaft immer mächtiger.

- Ja, ich hatte Selbstwertprobleme, die ich heilen wollte und hier Zuflucht gefunden habe.

- Ja, ich war durch das Bibelheimstudium scharf gemacht, wie ein Boxer in der Ecke vom Ring. „Scharf wie ein Kampfhund, der nur darauf wartete, losgelassen zu werden.“

Das Buch stellt keine Abrechnung mit irgendjemandem dar, was ich sehr sympathisch finde. Es ist aus der Sicht einer ehemals überzeugten Zeugin Jehovas geschrieben. Die Quintessenz, die man als nicht Indoktrinierter kennt, wird nochmals unterstrichen: Kein seelisch gesunder, erwachsener Mensch findet ernsthaft Zuflucht bei befremdlichen Menschen, die die gesamte Welt verteufeln und das Individuum und seine Würde mit Füßen treten. Und in jeder Minute ihres Lebens andere Menschen belehren.

Vielen Dank an Frau Schmidt für das Teilen ihrer Erfahrung.


Nicht ohne meine Mutter: Mein Vater entführte mich als ich ein Jahr alt war. Die Geschichte meiner Befreiung
Nicht ohne meine Mutter: Mein Vater entführte mich als ich ein Jahr alt war. Die Geschichte meiner Befreiung
von Meral Al-Mer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Am falschen Vorbild orientiert. Schade!, 20. Oktober 2013
Mir fiel dieses Buch in einem Discounter auf: der Umschlag ästhetisch, der Preis verlockend. Es kostete nämlich nur ein Drittel vom Marktpreis. Der Titel störte mich jedoch. Zu sehr erinnerte es an Betty Mahmoodys Werk, das, mit etwas Abstand betrachtet, zu dramaturgisch war und in einer Zeit entstand, in der die Welt vom Kampf der Kulturen sprach und Hetzparolen den Boulevardjournalismus dominierten. Zu Hause las ich mir im Internet diverse Kritiken durch. Da diese durchweg positiv ausfielen, beschloss ich, es doch zu kaufen.

Das Buch ist spannend geschrieben. Ich verschlang es innerhalb von wenigen Tagen. Das Schicksal der Autorin ist schlimm. Sie wird als Säugling vom Vater nach Deutschland mitgenommen, wobei die dazugehörige Mutter einfach in der Heimat zurück gelassen wird. Bereits früh erlebt sie Gewaltexzesse des eigenen Vaters am eigenen Leib. Bis zu ihrer eigenen Befreiung im Erwachsenenalter durchlebt sie die Hölle auf Erden.

Zunächst möchte ich betonen, dass ich vor der betroffenen Person und ihren Erfahrungen großen Respekt habe. Diese dürfen keineswegs verharmlost werden. Dass sie es schafft, ihren Vater vor Gericht zu zerren, wo er verurteilt wird, zeigt, dass die Autorin unglaublich stark ist. Für mich als Leser bleiben nach dem Lesen jedoch einige Fragen offen.

Bezüglich der Familie im arabisch-türkischen Dorf scheinen mir die folgenden Aspekte jeder Logik zu entbehren, ohne jemanden direkt der Unwahrheit bezichtigen zu wollen:

- Wie reagiert die Familie der Mutter auf die weibliche Gesellschaft während des gemeinsamen Urlaubs in der Türkei, bevor die leibliche Mutter vor Ort gelassen wird? Oder gilt das Machogehabe nur für den Vater, d.h. nicht für die männlichen Familienmitglieder der Mutter?

- Wie erklärt der Vater der Familie der Mutter seine Umarmungen mit der deutschen Frau auf diversen Fotos in der Türkei? Gilt auch hier das Gefühl von Stolz und Ehre nur für ihn?

Bezüglich der Familie in Deutschland sorgen die folgenden Punkte für Fassungslosigkeit:

- Warum dürfen auch die Brüder des Vaters ebenfalls grausam und gewalttätig gegen ihre Nichte vorgehen?

- Warum in aller Welt richten die beiden deutschen Ersatzmütter (Conny und Elke) gegen die Torturen nichts an, obwohl sie diese mitbekommen?

- Warum schauen Elkes Eltern, Frau Al-Mers gefühlte Großeltern, einfach weg, obwohl sie ansonsten als sehr fürsorglich beschrieben werden?

- Warum sind die Nachbarn desinteressiert, obwohl sie wissen, was Sache ist?

Liebe Beteiligte, Sie verwechseln Toleranz mit Gleichgültigkeit. Sie tun keiner "Zivilisation" der Welt einen Gefallen, wenn sie alles an ihr prima finden, womit wir beim zweiten Thema, der Kultur, wären. An einer Stelle schreibt die Autorin, ein Junge, den sie kennen lernt, besorgt sich ein Buch, um die Kultur der Familie besser verstehen zu können. In welchem Buch steht etwas, das zum Verständnis dieser Geschehnisse beitragen kann? In welcher Kultur werden Psychosen geduldet, ausgelebt an Babys bzw. Kleinkindern? Wo wird kulturell geduldet, dass Onkel ihre Neffen misshandeln dürfen? Dass der drogensüchtige Vater eine Marokkanerin zu Hause wie eine Sklavin festhalten darf, um sie immer wieder zu vergewaltigen? Ist so etwas in der islamischen Welt normal? Passiert so etwas in der Türkei häufig? Ist das typisch arabisch?

Leider wird im Buch Kultur mit archaischer, dörflicher Tradition verwechselt. Dass ein Baby einfach seiner Mutter weggenommen wird, als sei es das normalste der Welt, wobei ein paar Jahre später dem Bruder das gleiche Schicksal ereilt, ist nicht typisch. Denn diese Handlung wird im Islam theoretisch und praktisch, per Exekutive, nicht geduldet. Bedenkt man außerdem, dass beispielsweise im Libanon, einem Land mit 4 Mio. Einwohnern, 18 unterschiedliche Konfessionen existieren, so scheut man davor, Pauschalbeschreibungen und –urteile abzuliefern. Die Autorin versäumt es (trotz mehrerer Versuche) leider entschieden zu betonen, dass dieses eine bestimmte Volksgruppe betrifft, die archaische Traditionen auslebt. Selbst bei diesem Satz fühle ich mich schlecht, denn ich kenne viel zu viele Familien aus dieser Region, die bei den Schilderungen über Merals Familie nur traurig mit dem Kopf schütteln könnten.

Wer ist eigentlich die Zielgruppe dieses Buchs? Und wie geht diese mit dem schlimmen Schicksal der Autorin um? Können Leser von emotionalen Erfahrungen differenzieren? Allein beim Titel, und damit bin ich wieder beim Anfang meiner Ausführungen, schrillen Alarmglocken. „Nicht ohne meine Mutter“ erinnert zu sehr an „Nicht ohne meine Tochter“. Diese Anlehnung ist bestimmt kein Zufall. Damit steckt die Autorin sich automatisch in die selbe Schublade wie Frau Betty Mahmoody. Dass die Kritiken des ersten Buches bereits Anfang der Neunziger vernichtend ausfielen, schienen Frau Al-Mer und ihre Berater nicht zu stören. „Rassistische Aussagen“, „Stereotypen des dämonischen Muslimen“, „Orientalischer Frauenhass“ waren überall zu lesen. Ganz klar: Gefühle verkaufen sich gut, Mutterglück und -leid auch. Anscheinend strebte man auch hier hohe Verkaufszahlen an, leider auf Kosten von problematischen ethischen Ausführungen. Dass „nicht ohne meine Tochter“, wie beispielsweise ARTE im Jahr 2005 dokumentierte, einen politischen Hintergrund hatte, weniger ein Tatsachenbericht, als vielmehr ein Werk der Propaganda war und die im Buch und in der dazugehörigen Verfilmung dargestellten Ereignisse sachlich falsch, rassistisch, verallgemeinernd, beleidigend, widersprüchlich und dramaturgisch übertrieben waren, diskreditiert Al-Mers Buch an der Stelle. Mein erster Eindruck im Supermarkt wurde leider bestätigt. Es reicht nicht aus, an der einen Stelle die eigene Herkunft aus der türkisch-syrischen Grenzregion zu betonen, wenn man an vielen anderen Stellen von Orient, Islam und Türken- und Arabertum pauschal spricht. Dass Verfechter von „Kampf der Kulturen“ schlichtweg irrten, dass dieser Kampf mittlerweile innerhalb der Kulturen stattfindet, und solche Konfliktlinien und Empfindlichkeiten bewusst falsch gezogen werden, um Fremdenfeindlichkeit in den Mittelpunkt zu rücken, scheint bei der Orientierung von Frau Al-Mer und ihrem Verlag an der inzwischen in Vergessenheit geratene Mahmoody nicht gestört zu haben.

Dennoch gewinne ich dem Buch viele positive Aspekte ab. Diejenigen, die Antworten auf Integrationsansätze und –konzepte suchen, werden hier fündig. Al-Mer berichtet von desinteressierten „einfachen Mitmenschen“, Polizisten, Lehrern und Sozialarbeitern. Alle sollten sich angesprochen fühlen, bei der Misshandlung von Kindern einzuschreiten. Interessant fand ich auch die ängstliche Reaktion des Vaters auf den Besuch des Jugendamts. Man wünscht sich mehr von diesen Maßnahmen bei allen betroffenen Familien.

Meine Rezension bezieht sich nicht auf das geschilderte schlimme Schicksal von Frau Al-Mer, sondern auf das Buch. Vielleicht hätte die Autorin lieber einen anderen Weg nehmen solle, um ihre trostlose, bedrückende Kindheit zu schildern, als den des Schreibens. Dann wäre es wahrscheinlich einfacher gewesen zu betonen, wer für ihr persönliches Elend verantwortlich ist, nämlich nur ihr Vater. Samt vieler Gehilfen.


Meer
Meer
Preis: EUR 15,73

4.0 von 5 Sternen Fayzen Reloaded, 18. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Meer (Audio CD)
Habe nun das dritte Fayzen-Album von insgesamt drei im Regal stehen: Interessant, wie der Hamburger sich entwickelt hat. Angefangen hat er mit sehr authentischen Inhalten inklusive Gänsehaut-Feeling ("Hurra Welt" und "Stell dir vor"), weitergemacht hat er mit reifen Liedern wie beispielsweise "Wann", "Traum" oder "Gebetsteppich", angekommen ist er nun bei "rosarot". Beeindruckend, dieses Lied. Betrachte ich aber das gesamte Album, so fehlt mir die Leichtigkeit, die Fayzen in den beiden Vorgängern auszeichnete. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er mit angezogener Handbremse fährt. Dennoch ist es ein gelungenes Werk, das ich gern vom ersten bis zum letzten Lied laufen lasse. Ich bewerte es mit drei Sternen, aus Sympathie und Solidarität vergebe ich einen vierten und wünsche ihm für das vierte Vorhaben alles Gute und ein wenig mehr Frechheit, wie früher.

Was ist eigentlich aus Benjamin, seiner anderen Hälfte geworden, nach dem überfälligen Plattendeal?

Wer seine Musik persönlich in Fußgängerzonen an den Mann bringt und Kreativität und vor allem etwas zu sagen hat, verdient Respekt. Daumen hoch, Fayzen.

*Ihr erlebt es nicht, weil ihr nie sowas sagt...* :)


Du
Du
von Zoran Drvenkar
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zoran Drvenkar - nächster Zwischenstopp, 15. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Du (Gebundene Ausgabe)
Warum ich das Buch gelesen habe?

Weil ich ein Zoran Drvenkar-Fan bin, und „DU“ das zehnte Buch ist, das ich von ihm lese.

Warum ich von dieser Du-Perspektive nicht wie der Rest der Rezensenten völlig aus dem Häuschen bin?

Weil ich diese bereits in „Cengiz und Locke“ kennen lernte und zu schätzen wusste. Mir gefällt sie. Punkt.

Ob ich das Buch spannend fand?

Ja, sehr. Die Handlung ist teilweise unglaubwürdig, jedoch die drei Geschichten (der seelenlose Reisende, der herzlose Gangster und die fünf schlampigen Nervensägen), die erst voneinander lose stehen, dann langsam zueinander finden, werden gekonnt erzählt. Spannung ist garantiert.

Was mir am besten gefallen hat?

Der Showdown. Während der letzten 100 Seiten konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.

Was mich gestört hat?

Teilweise die zu kurzen Kapitel, die den Lesefluss gestört haben; zumal man sich immer wieder in einer anderen der drei Geschichten wiederfinden musste. Und die Charaktere der fünf Mädchen; am liebsten hätte man sich eingemischt, um ihnen die Meinung zu geigen: Mädels, was macht ihr da eigentlich? Warum haben eure Eltern euch nicht erzogen?

Ob ich das Buch verworren oder undurchschaubar fand?

Keineswegs. Wer das beim Lesen von „DU“ empfindet, sollte m.E. das Genre wechseln.

Was ich mir wünsche?

Dass diese Geschichte verfilmt wird. Sie schreit danach.

Warum ich vier und keine fünf Sterne vergebe?

Siehe „Was mich gestört hat“, Teil I.

Was ich von Zoran Drvenkar halte?

Er ist weiterhin einer meiner Lieblingsautoren. „Du“ ist ein Zwischenstopp, freue mich schon auf viele weitere Bücher von ihm.


Acoustic Hits
Acoustic Hits

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein enttäuschendes Album! Aber nur wenn man diesen Herren zuvor live erleben durfte! :), 21. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Acoustic Hits (Audio CD)
Als ich ein größeres Kaufhaus in der Fußgängerzone einer mittelgroßen Stadt betrat, musste ich sofort stehen bleiben, denn es hallte eine gefühlvolle, kräftige Stimme aus den Lautsprechern…Ich suchte die Quelle und wurde überrascht fündig. Es war keine Studioaufnahme, sondern Live-Musik, die Herr Aaron Lordson produzierte. Ich war ob der tadellosen Qualität fasziniert und hätte viel Geld für diesen Auftritt hingeblättert. Ca. eine Stunde lang hatte ich durchgehend Gänsehaut! Verwundert stellte ich fest, dass ich diese Stimme noch gar nicht kannte. Ich kaufte ohne zu überlegen die CD, die von diesem Musiker vor Ort signiert wurde. Zu Hause musste ich feststellen, dass die „Konserve“ von A. Lordson nicht annährend die Qualität seines Live-Auftritts erreicht, aber immer noch großartig ist. Wenn Sie auf emotionalen Blues stehen, werden Sie zwar dieses Album lieben; aber versäumen Sie es nicht, ein Konzert dieses genialen Musikers zu besuchen.

Warum ist A. Lordson immer noch nicht berühmt? Komische Welt!

Sehr empfehlenswert!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 27, 2012 10:35 AM MEST


24 - Season 3 (7 DVDs)
24 - Season 3 (7 DVDs)
DVD ~ Kiefer Sutherland
Wird angeboten von Movie-Star
Preis: EUR 9,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Ausgebauert, ausgeninat und ausgecherryt...!", 13. August 2012
Rezension bezieht sich auf: 24 - Season 3 (7 DVDs) (DVD)
Zum Glück ist 24 immer spannend! Die Idee der Verbreitung eines Virus mittels eines Terroranschlags hin zu mehreren Finalen in L.A. ist schon originell und auf Grund der Aktualität in der heutigen Zeit und Brisanz sehr interessant. Zusätzlich ist die Handlung ein kurzweiliges Vergnügen. Mal wieder. Das sind aber auch die einzigen beiden positiven Aspekte.

Alles erinnert an die bisherigen Staffeln. Nach Schema F wird einfach alles genauso gemacht wie in den Handlungen davor. Man nehme einen unerschütterlichen Superman, Jack Bauer, der zu allem fähig ist, der nur eine einzige Schwachstelle hat, nämlich seine Tochter, und aufgrund seiner Fähigkeiten und Persönlichkeit James Bond vergessen macht. Dieser schreckt vor nichts zurück, um den Auftrag ihrer Majestät, nein, seiner Majestät, David Palmer, auszuführen. Selbst der Konsum von Heroin zu Zwecken der Tarnung lange vor diesem Tag und ein kalter Entzug während dieser Ereignisse (der aber ein paar Stunden später, alles passiert ja an einem Tag, überhaupt keine Rolle mehr spielt!) werden für diesen Job in Kauf genommen und können diesen Superhelden nicht stoppen. Dann braucht man eine Nervensäge, die immer und immer wieder mit dem selben Charakterzug auffällt. In der letzten Staffel war es Kim Bauer – diesmal kann sie wenig anrichten, denn sie ist jetzt auch eine Bundesagentin! Zwar nicht annähernd so skrupellos wie die anderen, aber sie kann den PC bedienen, angeblich gar nicht so schlecht, also hat man sie jetzt bei der CTU eingeschleust. Die neue Nervensäge ist ihre Kollegin Chloe, die immer und immer wieder ihre Dünnhäutigkeit nach außen tragen muss, etwa wenn ihr Vorgesetzter sie um etwas bittet und sie ihm jedesmal sagt, das könne man aber freundlicher sagen… Und so weiter…Entführungen von Familienmitgliedern, Liebesgeschichten und Enttäuschungen innerhalb und außerhalb des CTU-Teams, CHERRY, die weiterhin gegen ihren Ehemann Intrigen schmiedet, ein Wahlkampf, der vorschwebt, ein Palmer, der wiedergewählt werden möchte...und das Beste: NINA, die weiter wie bisher agiert….

Es ist mal wieder der schrecklichste Tag aller Zeiten. Alle sind so unendlich engagiert und furchtlos, aber machen selbstverständlich weiter. Zusätzlich dazu nervt es unheimlich, dass Handlungen aneinandergereiht werden…Wenn man bedenkt, dass es 24 Stunden sind, dann fragt man sich, wie viel Energie die Akteure haben…eben waren sie in Mexiko, wo sie knapp dem Tod entkommen sind…eine halbe Stunde später kämpfen sie unerschütterlich in den Straßen von L.A. so, als wären sie eben gerade aufgestanden und zur Arbeit gekommen…sehr unauthentisch.

Wenn Sie all das ignorieren wollen und amerikanische Spannung lieben, dann greifen Sie zu. Ich habe die ersten beiden Staffeln auch gemocht. Jetzt habe ich aber keine Neugier mehr auf mehr. Es hat sich bei mir "ausgebauert", "ausgeninat" und "ausgecherryt". Es war die letzte Staffel für mich.

Nicht empfehlenswert!


Mark Lauren - Fit ohne Geräte - Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht
Mark Lauren - Fit ohne Geräte - Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht
DVD ~ Mark Lauren
Preis: EUR 13,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genau das, was ich gesucht habe!, 2. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was ich nicht wollte...

Ins Fitnessstudio gehen, vor allem aus Zeitgründen!

Hochkomplexe Übungen, bei denen auch Fortgeschrittenen die Lust und die Motivation schnell vergehen!

Workouts, die sehr viel Material/ Hilfsgeräte erfordern!

Mit dieser DVD bekam ich genau das, was ich gesucht habe! Es sind drei arbeitsintensive Workouts, die (fast) überall bewältigt werden können. Das Ergebnis in Form einer sichtbaren Fitness lässt nicht lange auf sich warten, wenn Sie etwas "vorbelastet" sind. Die Einteilung der Einheiten in >>Kraft, >>Ausdauer und >>Kurzintervalle sorgt für Abwechselung und die nötige Ausgewogenheit.

Einziges Problem: Für Laien sind die Workouts m.E. nicht geeignet. Man könnte schnell aufgeben. Ansonsten ist die DVD ein Volltreffer und ein exzellentes Werk im Dschungel der Fitnessübungen. Ohne Geräte! "Einfach"! "Überall"! Absolut empfehlenswert!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 27, 2014 11:12 AM CET


Der große Bruder von Neukölln: Ich war einer von ihnen - vom Gang-Mitglied zum Streetworker
Der große Bruder von Neukölln: Ich war einer von ihnen - vom Gang-Mitglied zum Streetworker
von Fadi Saad
  Broschiert
Preis: EUR 8,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Vorzeigetyp, dessen wichtigste Fähigkeit das Reflektieren ist!, 16. April 2012
Fadi Saad war ein Schlägertyp, ein Mitglied einer arabischen Gang in Berlin. Ein Stereotyp eines jugendlichen Migranten, der hoffnungslos und sehr früh auf die schiefe Bahn geriet.

Fadi Saad ist ein Vorzeigetyp eines Menschen mit arabischem Hintergrund. Denn er hat es geschafft: eine abgeschlossene Berufsausbildung, und eine "Karriere" als Streetworker, angetrieben von einer intrinsischen Motivation, um Jugendlichen zu helfen, die sich in einer aussichtslosen Lage befinden.

Lesen Sie das Buch, um zu erfahren, was zwischen beiden Absätzen passiert ist. Es lohnt sich, mal nicht über diese Menschen zu reden, sondern vor allem mit ihnen bzw. sich etwas von ihnen erzählen zu lassen.

Der Autor erhebt weiß Gott nicht den Anspruch, als Literat wahrgenommen zu werden. Aber er ist authentisch. Und er hat etwas zu sagen. Meines Erachtens ist er definitiv ernst zu nehmen, als jemand, der pragmatische Integrationselemente, ja Lösungen aufzeigt. Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, sein Leben, Emotionen und Probleme zu reflektieren, um darauf angemessene Antworten zu geben. Das macht das Buch, das mittels kurzer Aufsätze in einer eher lockeren Sprache geschrieben ist, äußerst empfehlenswert.


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