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Rezensionen verfasst von
Silke Samel (Berlin)

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Europa führt! Plädoyer für ein erfolgreiches Managementmodell - re: think CEO Edition 04
Europa führt! Plädoyer für ein erfolgreiches Managementmodell - re: think CEO Edition 04
von Burkhard Schwenker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,80

3.0 von 5 Sternen Die Überlegenheit Europas, 25. Mai 2011
"Europa ist Amerika überlegen!"

Diese Behauptung, ausgerufen und niedergeschrieben durch den deutschen Managementberater und Lehrstuhlinhaber Burkhard Schwenker, kann man durchaus als mutig empfinden: Bekanntermaßen gab es eine Epoche, da hat eine solche (damals nationale) Selbsteinschätzung zu fatalen Folgen geführt. Man könnte diese Einschätzung zudem als Signal in die falsche Richtung einstufen, schließlich ist kein Wirtschaftssystem autark und damit unabhängig von anderen. Wir wissen längst, dass wir weltweit alle miteinander verbandelt und aufeinander angewiesen sind. Wer das europäische System auf einen Sockel stellt, kann schnell überheblich wirken, schließlich sind viele wichtige und heute noch richtige Managementgrundsätze aus Amerika zu uns gekommen.

Da sich aus einem Überlegenheitsgedankengut heraus noch nie etwas nachhaltig Gutes entwickelt hat, war ich höchst neugierig auf die Argumentation des Autors.

Kritik an Amerika:
Die USA bzw. deren Managementansatz werden von ihm durchgehend hart kritisiert, Amerika lobend erwähnt hauptsächlich für seine einstige wirtschaftliche Unterstützung und Aufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg. Prof. Schwenker nennt als Beweise für die amerikanische Schwäche vor allem die jüngsten amerikanischen (wirtschafts- und finanzpolitischen) Fehlleistungen, die im Nachhinein in der Tat als desaströses Missmanagement gewertet werden müssen, deren Analyse ihm wie allen anderen auch in der Nachbetrachtung sicherlich leichter fällt als vor Beginn der Finanz-/ Wirtschaftskrise.

Wer dazu beitragen will, dass die Welt mehr ins Gleichgewicht kommt zum Wohle aller, der sollte das europäische System nicht hochmütig als überlegen preisen und ein anderes, in vieler Hinsicht durchaus sehr verdientes, so rigoros abwerten. Zukunftsträchtiger scheint mir hier das Credo "gemeinsam gestalten" (wäre mein Plädoyer), mit dem Blick auf die Stärken des anderen, auf die Verdienste, auf das Verbindende und Fruchtbare und weniger auf - vermeintliche und auch tatsächliche - Schwächen, ohne diese dabei zu übersehen oder beibehalten zu wollen. Wer sich auf die Unterschiede konzentriert, sorgt für immer größer werdende Gräben - wer sich dagegen auf das Miteinander konzentriert, der kann voneinander lernen, voneinander profitieren und so auch zusammen wachsen.

Für welche Ideen lohnt es sich aber nun möglicherweise, das schmale Büchlein des Chairman der Roland Berger Strategy Consultants in die Hand zu nehmen?

Vielleicht diese (eine Auswahl):
1. Strategieentwicklung und -umsetzung müssen miteinander verzahnt werden und parallel stattfinden statt - wie bisher noch
oftmals - nacheinander.
2. Die Menschen in den Unternehmen müssen in allen Phasen mitgenommen werden.
(Zugegeben, das ist nicht neu als Gedanke, jedoch unabdingbar und von daher erwähnenswert auch und besonders von einer Beratungsfirma wie Berger, die in der Öffentlichkeit nicht unbedingt für die "weichen Faktoren" steht).
3. Strategie nicht als Ergebnis, sondern als permanenten Prozess zu verstehen.
4. Die industrielle Kompetenz Europas soll/muss beibehalten werden - sie wurde und wird nicht abgelöst durch eine
"Wissensindustrie".
5. Dezentrale Strukturen wie in Europa fördern die Kreativität, die Flexibilität und die Motivation.
6. Was hat Europa, was die USA nicht haben? Integration statt Assimilation, z.B.!
Wobei nicht jede Idee hinsichtlich seiner Umsetzung (welche Schritte wären zu tun?) näher betrachtet wird.

Wenig elegant ist die Häufung der Eigenwerbung, die wiederholten Erwähnungen der innovativen Berger-Untersuchungen, der Berger-Statistiken, der Berger-Preisträger, der bedeutenden Berger-Kontakte...

Roland Berger hat - und das ist unbestritten - Bahnbrechendes geleistet. Gerade deshalb wäre es wohl verzichtbar gewesen, so plakativ die eigene Bedeutung immer wieder zu benennen.

Als Vortrag mit anschließender Diskussion kann ich mir die Thesen zu Europa von Herrn Schwenker sehr gut vorstellen. Ob daraus allerdings ein schlüssiges Buch geworden ist? In der ausführlichen Rezension von Dr. Fuchs werden viele weitere Schwachpunkte aufgezeigt. Zugute halten muss man dem Autor, dass er mit seinem neuesten Buch zur Reflektion und Diskussion über das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein Europas anregt.


Change-Talk. Coachen lernen! Coaching-Können bis zur Meisterschaft. 152 Karten in stabiler Papp-Box.
Change-Talk. Coachen lernen! Coaching-Können bis zur Meisterschaft. 152 Karten in stabiler Papp-Box.
von Thies Stahl
  Broschiert
Preis: EUR 45,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inspirierende Sammlung von Tools für Berater und Coachs, 22. November 2010
Martina Schmidt-Tanger ist eine der anerkanntesten und profiliertesten Lehrcoachs in Deutschland/ Österreich/Schweiz und eine der KollegInnen, von denen ich (selbst Managementtrainerin und Businesscoach) bisher mit am meisten lernen durfte.

Wie in ihren Ausbildungen auch, lässt Frau Schmidt-Tanger hier andere an ihrem höchst umfangreichen Wissen unbeschränkt teilhaben, und das gilt besonders für ihre Karten-Box Change-Talk (die Autorin hat übrigens fast sämtliche auf dem Markt vorhandenen Therapien und Coachingmethoden an sich selbst ausprobiert oder sie studiert - und von daher auch einen immensen Vorrat an Ideen).

In dieser praktischen Box hat sie eine fabelhafte Sammlung von Werkzeugen ("Tools") für die Arbeit mit Kunden und Klienten zusammengestellt, die jeweils auf einer Karte beschrieben sind.

Allerdings ist es durchaus hilfreich, wenn man kein Anfänger ist, denn obwohl jede Karte exakt Informationen über die jeweilige Methode besitzt zu Anwendung und Ziel, sind doch viele Techniken erst dann nachvollziehbar und korrekt anwendbar, wenn man sie zuvor erlernt oder erlebt hat.

Für alle (angehenden) Profis ist Change-Talk eine tolle Möglichkeit, sich immer wieder Inspiration zu holen oder länger nicht genutzte Techniken wieder zurück ins Gedächtnis zu holen.

Als Selbst-Lern-Box für Neulinge nicht zu empfehlen. Hier empfiehlt sich parallel eine Ausbildung.


Beratung ohne Ratschlag: Systemisches Coaching für Führungskräfte und BeraterInnen
Beratung ohne Ratschlag: Systemisches Coaching für Führungskräfte und BeraterInnen
von Sonja Radatz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 38,81

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diese Ausschließlichkeit ist nicht der Weisheit letzter Schluß, 22. November 2010
Als langjährige Managementtrainerin und Führungskräftecoach sind mir die verschiedenen Lager wohlbekannt: die einen Coachs und Therapeuten schwören darauf, dass ihre Klienten alles von sich selbst heraus erschaffen sollen, um sich weiter zu entwickeln, also "Beratung ohne Ratschlag" , die anderen Kollegen sind offener und halten erwünschte Ratschläge und Beratung situations-abhängig absolut für angemessen, mitunter für notwendig und dem gewünschten Wachstum ihrer Klienten nicht entgegenstehend.

Interessanterweise sagte ein (weltbekannter) Kollege, der das Vorwort zum Radatz-Buch geschrieben hat in einer Fortbildung, dass er Ratschläge und Beratung für absolut legitim und notwendig hält ("schließlich zahlt der Klient für eine Dienstleistung und wenn er wissen will, was sein Coach denkt und tun würde, dann hat sein Coach auch zu antworten") und so gibt es hier doch *einige* Fachkollegen, die ihm darin zustimmen, dass Sonja Radatz möglicherweise doch ein wenig über's Ziel hinausgeschossen ist mit ihrer konsequenten Haltung, niemals Unterstützung durch Ratschläge zu geben.

Dennoch ist ihr Buch gut und wichtig und inspirierend - und die Technik des systemischen Coachens wird hier sehr gut dargestellt. Und dafür gebührt ihr Anerkennung.

Ein Buch für Profis. Als Selbsthilfebuch weniger bis gar nicht geeignet.


Tagebücher: 1982-2001
Tagebücher: 1982-2001
von Fritz Joachim Raddatz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer sich selbst so sehr liebt, sollte sich besser selbst genügen!, 22. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Tagebücher: 1982-2001 (Gebundene Ausgabe)
Die ersten 500 Seiten des rund 1000 Seiten starken Tagebuchs von Fritz J. Raddatz habe ich nahezu jeden Abend und dabei ungläubigst verschlungen, mochte ich doch gar nicht glauben, dass es hierzulande möglich ist, Namen zu nennen, über bekannteste Intellektuelle, Künstler, Politiker zu lästern, über Seitensprünge, Geiz, Falschheiten und Geschmacklosigkeiten so offenherzig zu schreiben - ohne irgendeine einstweilige Verfügung! Schließlich sind die Protagonisten in Raddatz' Buch allesamt weltbekannt, zumindest in Deutschland ganz große Namen, nicht nur im hiesigen Kulturbetrieb.

Es macht zunächst großen Spaß zu lesen, wie sehr Grass und Co um sich selbst kreisen, ausschließlich ihre eigenen Bedürfnisse im Sinn haben und wie sie die anderen (Freunde, Kollegen) jeweils zum Publikum für das eigene Genie erklären.

So gibt es jede Menge Kränkungen zu verkraften, da jeder nur sich selbst im Blick hat und der Narzissmus eines jeden nie genügend Futter erhält.

Nach der Hälfte der Tagebücher jedoch fiel es mir schwer, weiterhin so großes Vergnügen beim Lesen zu empfinden, wiederholten sich die Erlebnisse doch oftmals (wieder keine Mitbringsel der Gäste bei einer Essenseinladung von FJR; wieder einmal musste allein FJR den Champagner für alle bezahlen; wiederholt wird seine Begabung als Literat verkannt...).

Zudem ist die immense Eitelkeit des Autors nicht immer ganz leicht zu ertragen, auch wenn es rührend ist, wie offen er mit dieser "Schwäche" umgeht und er sich selbst auch nie verschont in seiner - mitunter nahezu hellsichtigen - Klarheit und Reflexionsfähigkeit.

Klingt jetzt vielleicht ein bisschen böse, ist aber nicht so gemeint: Wer den Klatsch in der *Bunte* liebt, der dürfte auch hier auf seine Kosten kommen, denn hier stehen Deutschlands und Europas hochdekorierte Kreative im Fokus der Betrachtungen, keine kurzlebigen TV-Seriensternchen.
Die Intensität des Um-Sich-Selbst-Kreisens in den Tagebüchern ist einer Soap-Opera jedoch durchaus ebenbürtig.

Allerdings - und dafür die Sternchen - hat Raddatz oft einen hinreissenden Wortschatz und eine eigene, schöne (literarische) Sprache. Und: Wir erfahren wohl zum allerersten Mal in Ausmaßen Dinge, die wir uns in unseren kühnsten (Alp)Träumen über unsere "Großen" in der Kultur nie hätten vorstellen mögen und wir erhalten ungeschützte Einblicke in das Herz und das Seelenleben des Fritz J. Raddatz.

Für Menschen, die Bescheidenheit für eine Zier halten, ist dieser Lesestoff nur bedingt empfehlenswert.


Polina: Aus der Moskauer Vorstadt auf die großen Bühnen der Welt
Polina: Aus der Moskauer Vorstadt auf die großen Bühnen der Welt
von Gerhard Haase-Hindenberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anmut, Genie und die Leichtigkeit auf der Bühne - Durchhaltevermögen, Widerstände überwinden, an die Vision glauben, 22. November 2010
Ich habe Polina Semionova bisher viel zu selten auf der Bühne erleben dürfen. Die wenigen Male aber haben sich in mein Gedächtnis und in mein Herz eingebrannt: sie ist in ihrer unvergleichlichen Leichtigkeit, ihrer technischen Präzision, ihrem Witz und ihrer Präsenz eine ganz besondere Primaballerina. Andere vergleichbare Größen der Ballettbranche bewundert man, in Polina verliebt man sich.

Wer hier (meist in Berlin beim Staatsballett) so anmutig und souverän auf der Bühne agiert und dabei optisch auch noch einem Top-Model gleicht, ist jedoch keine vom Leben verwöhnte Prinzessin, sondern eine toughe, sehr viele Widerstände überwindende, mit größtmöglicher Disziplin und enormen Durchhaltevermögen agierende Hochleistungssportlerin, die das Glück hatte, mit ihrer Großmutter, den Eltern und dem einen und anderen "hellsichtigen" Mentor, Menschen um sich zu haben, die an sie glaubten - gegen alle (massiven oder verdeckten) Vorbehalte der Moskauer Bolschoi-Akademie-Ballett-Lehrer/innen.

Der Autor Gerhard Haase-Hindenburg schildert auf eine sehr angenehme, leise Weise den Weg der Polina vom Stadtrandplattenbau auf *die* Bühnen der Welt. Kindheit und umjubelte Gegenwart werden geschickt miteinander verzahnt und wir erfahren viel über Polina als Kind und Jugendliche, ihre liebe- wie aufopferungsvolle Familie, den ebenfalls hochbegabten Tänzer-Bruder (der übrigens wie sie bei Malakhov in Berlin tanzt), die fiesen Intrigen in der Bolschoi-Akademie, bekommen interessante Informationen über heutige Kollegen und die von Polina bewunderten Lehrer und Legenden der Ballettkunst.

Ein kurzweiliges, erhellendes Buch, das völlig uneitel daherkommt: zum einen, weil Polina selbst die Bescheidenheit in Person sein muss, und zum anderen, weil der Autor es hier bei diesem biografischen Werk ihr gleich tut.

Nicht nur für Ballettfans eine Empfehlung - auch für all' diejenigen, die wissen wollen, wie man seine großen Zielen erreicht: mit konsequenter Arbeit und Glaube an sich selbst.

Ein wirklich schönes Buch.


Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich! Der Tritt in den Hintern für alle, die mehr wollen
Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich! Der Tritt in den Hintern für alle, die mehr wollen
von Larry Winget
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Amüsant, temporeich, allerdings nicht neu oder gar innovativ, 19. Januar 2008
Aus beruflichen Gründen habe ich meterweise Management-, Führungs- und auch Selbsthilfeliteratur in meinen Regalen stehen. Das Pamphlet von Larry Winget ist insofern etwas anders, als es auf bewusst drastische Weise den nicht ganz unbekannten Satz propagiert "Bewege deinen Allerwertesten und höre auf, dich selbst zu bemitleiden". Dafür gebührt ihm durchaus eine gewisse Anerkennung, da er konsequent weder Länder, Sitten, Erziehung, soziales Umfeld, Hautfarbe oder anderes gelten lässt als Ausrede für Faulheit, Bequemlichkeit, Dummheit, Armut oder Fettleibigkeit.
Da wir in Deutschland aber doch eher so erzogen werden, dass der Staat verantwortlich ist, die Eltern, die Schule, die Universität.. habe ich sein Buch durchaus mit Vergnügen gelesen. Auch weil hierzulande gerne gejammert wird, etwas, dass Winget nun gar nicht akzeptiert. Von daher liege ich mit ihm auf einer Linie: Jammern allein hilft auf Dauer nicht weiter.

Etwas undifferenziert liest sich dennoch die eine und andere seiner Passagen.
Beispielsweise ist er gegen das 12-Stufen-Programm, bei der Alkoholiker in der ersten Stufe sagen müssen "ich bin Alkoholiker". Nach Winget müssten sie sagen "Ich bin nüchtern", um vom Stoff loszukommen. Da habe ich eine andere Einstellung: ohne Akzeptanz des Ist-Zustandes kann man diesen nicht verändern. So muss man auch seine Krankheit akzeptieren, um etwas dagegen unternehmen zu können. Bei einem akuten schweren Herzanfall hilft "ich bin kerngesund" garantiert auch nicht weiter (höchstens Richtung Leichenschauhaus).

Winget schreibt mit der Lust an der Provokation. Und wie so oft ist er selbst das beste Beispiel dafür, dass seine Theorien im Großen und Ganzen voll aufgehen.

Wer träge ist und einen Tritt braucht: der ist hier gut bedient. Für alle anderen: ins Buch hineinschauen und gucken, ob etwas Neues für sie dabei ist.


Totenbuch Ein Kay-Scarpetta-Roman
Totenbuch Ein Kay-Scarpetta-Roman
von Patricia Cornwell
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,00

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spröde, 1. Januar 2008
Ich war gespannt auf den neuesten Kay Scarpetta-Krimi und habe ihn ganz gerne in einem Rutsch durchgelesen, jedoch ohne wirklich begeistert gewesen zu sein. Der gruselige "rituelle" Mord an einem jungen Tennisstar ist ein interessanter Ausgangspunkt und die Verquickung aller handelnden Personen incl. der narzisstischen Fernseh-Psychologin Dr. Self recht raffiniert konstruiert.
Was mir weniger gefiel waren die eindimensionalen charakterlichen Beschreibungen von Scarpetta, Marino, Benton und Lucy.
Demnach wird Scarpetta als Frau immer langweiliger, weil nur auf den Job fixiert, unfähig Gefühle zu leben. Die ausführlichen Beschreibungen ihrer Kochkünste empfinde ich jeweils als schrecklich gestelzt und übertrieben, selbst da wird keine Leidenschaft spürbar. Sie scheint so exakt zu kochen wie sie seziert. Benton ist mit ihr als Geliebten nicht gut bedient und leidet zudem unter Eifersuchtsanfällen. Lucy wird beschrieben wie eine Comic-Barbie-Intelligenzbestie, die einen perfekten Körper hat, dazu die perfekte Intelligenz und auch noch die perfekte Diät hält. Marino säuft, hängt an Drogen und steht unter zweifelhaften Arzneien. Marino bleibt übrigens bis zum Schluß verschwunden. Möglicherweise ist das ein Zeichen dafür, dass der nächste Roman bereits im Anmarsch ist.

Um dem neuesten Buch weitere dramatische Nuancen zu geben, erkranken ihre 70jährige Assistentin und ihre Nichte Lucy beide an Krebs.

Irgendwie liest sich der neue Roman etwas blutarm, obwohl es an dramatischen Momenten nicht fehlt. Mir würde etwas mehr menschliche Wärme aller Protagonisten gut gefallen, so dass man sich nicht nur "perfekten Maschinen" gegenübersieht, die ihre Jobs zwar allesamt 1 A beherschen, jedoch das normale Leben incl. Liebe leider gar nicht. Und etwas weniger Oberflächlichkeit täte den Personen m.E. auch gut. Scarpetta wird über ihre perfekte Figur definiert, Lucy sowieso und auch Bentons Äußeres muss als Qualitätsbeschreibung herhalten. Ist das nicht ein bisschen wenig?

So war ich an der Auflösung des Falles durchaus interessiert, fühlte mich aber abgestossen von der mitmenschlichen Kälte, mit der die handelnden Hauptpersonen (nicht die Täter) beschrieben werden.


Layer Cake
Layer Cake
DVD ~ Daniel Craig
Preis: EUR 10,49

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hypnotische Faszination beginnt beim Vorspann..., 26. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Layer Cake (DVD)
.. und endet erst beim allerletzten Schlußpunkt. Layer Cake ist ein herausragendes Stück Kino. Dramaturgie, Ausstattung, Schnitt und Darsteller sind wie aus einem Guß. Ohne auch nur einen einzigen Hauch von Länge wird die inhaltlich und visuell packende Geschichte aus der Drogenszene Londons erzählt. Im Mittelpunkt darin das Schicksal des Drogen-Managers Daniel Craig, der "sauber" bleiben und später rechtzeitig aussteigen möchte, um sein bis dato verdientes Geld geniessen zu können. Letztendlich kommt alles ganz anders, da eben auch die Drogen-Szene wie jede andere Branche nicht ohne Machtspiele und Intrigen und unberechenbare Aktionen auskommt.

Was mich gefesselt hat, ist, neben der gut besetzten Schauspielerriege und dem durch und durch überzeugenden Daniel Craig, die fabelhafte Machart, die hochmodern daherkommt und ein Fest für die Sinne ist.

Ein unbekanntes Filmjuwel. Uneingeschränkt empfehlenswert.


Messe pour le Temps Present
Messe pour le Temps Present
Preis: EUR 21,76

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartig und faszinierend schön, 8. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Messe pour le Temps Present (Audio CD)
Die Klangbilder oder die "Geräuschmusik" von Pierre Henry (geb. 9.12.27 in Paris) sind sehr ungewöhnlich, konsequent experimentell und für mich mit die schönste Musik, die ich kenne.

1949 begann die kreative Zusammenarbeit zwischen Henry und dem Balletttänzer und Choreographen Maurice Béjart. 18 Jahre später wurde auf dem Festival von Avignon die *Messe pour le temps présent* kreiert und diese Arbeit gilt als Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens.

Seine Musik zu beschreiben ist nicht wirklich einfach, denn seine Klang-Happenings sind höchst ungewöhnliche musikalische Ausdrucksweisen, für die das "normale musikalische Vokabular" unzureichend ist.

Wer sich in ganz neue, ungewohnte Hörwelten begeben möchte, dem kann ich diese CD nur ans Herz (Ohr) legen, sie ist unendlich schön. Mich persönlich berührt und beglückt diese Musik sehr.

Seine Kunst ist ein wirklich Erlebnis, ganz einzigartig, weil wir Töne ganz neu erLEBEN. Seine Kompositionen bestehen aus den verschiedensten herrlichsten "nicht-herkömmlich-musikalischen" Geräuschen.

Der Nachwelt erhalten bleibt seine immens umfangreiche Klangsammlung dank Zuwendungen vom französischen Kultusministerium und der Stadt Paris. In seinem privaten Atelier bewahrt Pierre Henry dort eine Art "auditives Gedächtnis" und tönende Erinnerungen an seine verschiedenen Lebensabschnitte auf

Uneingeschränkt empfehlenswert für Menschen, die sich gern Neuem und Ungewohnten zuwenden.


Susan Sontag. Geist und Glamour: Biographie
Susan Sontag. Geist und Glamour: Biographie
von Daniel Schreiber
  Gebundene Ausgabe

40 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufschlussreich und angenehm neutrale Autorenhaltung, 8. Dezember 2007
Ich habe die Biografie über die weltweit bekannte Intellektuelle Susan Sontag mit großem Interesse gelesen. Der Autor, obwohl gerade erst 30 Jahre alt, hat hier eine lebendige, spannende, sehr kenntnisreiche Lebensgeschichte einer der populärsten zeitgenössischen Autorinnen zu Papier gebracht und er verhält sich der genialen wie wohl zeitlebens sehr anstrengenden Sontag gegenüber angenehm neutral und mit einem klaren Blick aus der Distanz.

Faszinierend für mich ist, dass Sontag - obwohl nur ihre Essays auf ungeteilte Begeisterung stiessen - sie dennoch auch für andere Arbeiten mit Preisen überhäuft wurde. Romane wie Theaterinszenierungen oder auch ihre Arbeiten als Film-Regisseurin wurden (auch von den renommiertesten amerikanischen wie europäischen Kritiker) bitterböse auseinandergenommen und in Grund und Boden rezensiert. Ihrem legendären Ruf einer einmaligen Intellektuellen aber hat das interessanterweise nie geschadet.

Privat liebte sie Männer wie Frauen und war bis zu ihrem Tod mit der Fotografin Annie Leibovitz liiert. Vital wie eine 21jährige, auch noch im stolzen Alter von über 70, blieb sie bis zum Schluß ihres Lebens enorm neugierig und an allen kulturellen Erscheinungen interessiert.

Sie starb an Krebs. Diese Krankeit hat sie rund 20 Jahre begleitet.

Dieses Biografie über das intensive wie mutige als auch streitlustige Leben einer hochinteressanten politischen Frau, die mit vielen weltberühmten Zeitgenossen in enger oder loser Freundschaft stand, liest sich wie das Who is Who der amerikanischen Kunst - und Intellektuellenszene.

Uneingeschränkt empfehlenswert.


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