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Beiträge von Peter Mueller
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Rezensionen verfasst von
Peter Mueller (Raetia)
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Die vierzig Tage des Musa Dagh: Roman
Die vierzig Tage des Musa Dagh: Roman
von Franz Werfel
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Im besten Sinne ein "bedenkenswerter" Roman der guten alten Schule, 3. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es soll ja Leute geben, die mit der deutschen Belletristik auf Kriegsfuß stehen; sei es, weil ihnen manches zu abgehoben daherkommt oder weil ihnen das Provinzielle, ewig im eigenen Dreck herumwühlende - was sich auch noch erlaubt unter dem Deckmantel der “Innerlichkeit“ zu verstecken - sauer aufstößt. Letzteres noch dazu auf wenigstens fragwürdige Weise angereichert durch die speziell-deutsche “Vergangenheitsbewältigung“ und folglich von Stümpern wie Reich-Ranicki als unantastbarer Kanon “hochsterilisiert“ (danke B. Labbadia!). Wobei man leider Gottes zugeben muss, dass es den Anhängern von Böll, Grass, Lenz, Bachmann und Co. auch deshalb so leichtfiel nach 1945 tabula rasa zu machen, weil unsere Klassiker schon eine Spur sperriger waren als bei den Franzosen oder Engländern. Oder sagen wir verkopfter, gymnasialer, artifizieller; wie auch immer. Auf jeden Fall fehlte es an der berühmten “Welthaltigkeit“, durch die sich Romane und Erzählungen von Dickens, Hugo, Dumas, Cooper, Stevenson, Scott, Verne, Poe, ect. auszeichneten und, man kann das denke ich schon sagen, auf gutem literarischem Niveau eine kulturelle Gemeinsamkeit stifteten. Selbst unser größter Romancier, Thomas Mann, fischte doch bevorzugt in “Binnenthemen“ wenn man so will, egal wie meisterhaft auch immer variiert, er blieb doch zumeist auf der gleichen Tonleiter. Symptomatisch dafür sein “Felix Krull“, der just an der Stelle fragmentarisch-brutal endet, wo der Protagonist seine erschwindelte Weltreise endlich vollends anzutreten gewillt war. Selbst ein Phänomen wie Karl May z.B. war und ist in Frankreich völlig unbekannt, zurecht muss man leider konstatieren.

Eine viel zu seltene, aber umso erstaunlichere Ausnahme war und ist – und darauf will ich eigentlich hinaus – Franz Werfels “Die vierzig Tage des Musa Dagh“, den ich zu den vielleicht fünf bis maximal zehn deutschsprachigen Romanen zählen würde, um die man nicht herumkommt. Wer in dem hohen Alter (fertiggestellt nach Jahren 1933 - und prompt verboten) und dem exotischen Thema eine Hindernisschwelle sieht, der muss sich eine andere Ausrede einfallen lassen. Die Sprache ist klar und trotz der 1.000 Seiten Umfang immer dicht und gedrängt, Fremdwörter und historische Personen werden im Anhang gut erklärt, die Rahmenhandlung gestaltet sich zwingend und einleuchtend von den ersten Seiten weg. Den Hintergrund kann sich jeder in Sekundenschnelle er-googeln, es geht um den Völkermord an den Armeniern durch die Türken. Was den Roman von anderen historischen Schinken abhebt, sind die epochalen Themen wie Vertreibung, Heimat, die eigene Identität, der Modernisierungsschock traditioneller Gesellschaften und daraus folgend ethnischer und religiöser Genozid an den armenischen Christen. Und ja, ich bleibe dabei: das, was als “spannende Literatur“ angepriesen wird, ist zu 99% wertloser Schund, aber zu den wenigen Ausnahmen, bei denen ein großer Autor auf einen ebensolchen Stoff trifft, darf man zwischen “Krieg und Frieden“, “Die Elenden“ oder “Die Wohlgesinnten“ zwingend auch “Die vierzig Tage des Musa Dagh“ einreihen, ja und auch wenn es jetzt pathetisch klingen mag, selbst Homer und Xenophons Durchhalteparabel “Anabasis“ erlaube ich mir zumindest als geistesverwandte Urahnen heraufzubeschwören.Unbedingt lesenswert!


Rudolf Borchardts Leben von ihm selbst erzählt (Bibliothek Suhrkamp)
Rudolf Borchardts Leben von ihm selbst erzählt (Bibliothek Suhrkamp)
von Rudolf Borchardt
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Geheimtip - leider, da nur unvollständig. Dennoch sehr lesenwert!, 20. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Leider Gottes blieb die Autobiographie des Dichters Rudolf Borchardt nur Fragment. Es hätte ein Klassiker werden können, denn dem Autor gelingt der Wechsel in die kindliche Perspektive einerseits perfekt, bettet diese aber immer wieder in historische Anmerkungen und Bezugspunkte ein. Wie zu erwarten schreibt Borchardt in einer glänzenden, formvollendeten Sprache, dass man sich fast wünscht, er hätte mehr Prosatexte veröffentlicht. Schwer zu beschreiben, sein altmodischer, irgendwie sehr deutscher Stil – irgendwo zwischen Fontane und Hesse, falls das als Anhaltspunkt genügt.


über Helden, Heldenverehrung und das Heldentümliche in der Geschichte: Sechs Vorlesungen
über Helden, Heldenverehrung und das Heldentümliche in der Geschichte: Sechs Vorlesungen
von Thomas Carlyle
  Broschiert
Preis: EUR 44,90

4.0 von 5 Sternen Vorsicht! Es handelt sich um einen Nachdruck in der alten Frakturschrift, 20. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Vorfreude auf das endlich neu aufgelegte Hauptwerk von Thomas Carlyle währte leider nur kurz. Die alte Fraktur-Schrift wurde nämlich 1:1 übernommen. Man kann sich den teuren Neuerwerb also sparen und bei Bedarf lieber ein günstigeres Antiquariats-Exemplar erwerben. Kann ich nicht nachvollziehen, dass dies nirgends erwähnt wird.

Die vier Sterne sind also ausschließlich fürs eigentliche Werk gedacht, Carlyles altmodisches Geschichtsbild, hier anhand von Portraits großer Männer, gefällt mir persönlich sehr und spiegelt seine widersprüchliche und streitlustige Persönlichkeit natürlich perfekt wider.


Krimkrieg
Krimkrieg
von Orlando Figes
  Broschiert
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Wenn sich Geschichte wiederholt..., 28. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Krimkrieg (Broschiert)
Mit diesem umfangreichen und detailtiefen Werk über den Krim-Krieg ist Orlando Figes ein großer Wurf gelungen, das kann man durchaus sagen. Zunächst ist man skeptisch, ob so ein eher peripherer und wenig beachteter Krieg aus der Mitte des 19. Jahrhundert genügend Brisanz und auch politisches Gewicht hergibt, um so ausführlich behandelt zu werden, aber dem Autor gelingt es doch ein sehr lebendiges Bild der politischen, militärischen und zum Teil auch kulturellen Zustände in Europa wieder gegenwertig zu machen. Perspektivisch erweist er sich dabei als flexibel, wenn er sich sowohl in die Köpfe der Herrschenden versetzt, als auch den einfachen Soldaten über die Schulter blickt; hier vor allem durch einige herausgesuchte Feldpost-Auszüge (die sich übrigens stilistisch sehen lassen können und, sofern sie wirklich repräsentativ sind, ohne jede Absicht einen gewaltigen literarischen Niedergang seither dokumentieren, dies aber nur nebenbei erwähnt).

Wer jedoch eine hauptsächlich militär-historische Abhandlung erwartet, wird vielleicht enttäuscht von dieser eher allgemein-panoramahaften, universalhistorischen Darstellung. Für mich war vor allem der Einblick in ein vergangenes Zeitalter gelungen und dadurch immer kurzweilig und interessant. Und leider lassen auch aktuelle Ereignisse einen Bezug akut werden und nach einer historischen Erklärung fragen. In der Hinsicht hat sich wenig geändert – ich wiederhole: leider!


Unterwerfung: Roman
Unterwerfung: Roman
von Michel Houellebecq
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Er hat es mal wieder geschafft..., 28. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Unterwerfung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der neuste Streich von Houellebecq (mir bis heute ein Rätsel, wie man das nun korrekt ausspricht), der so oder so - auch ohne das Pariser Attentat - zu einem heißdiskutierten Skandalbuch geworden wäre, ist mal wieder wärmstens zu empfehlen. Zwar darf man, denke ich, bei jedem Autor oder Künstler im allgemeinen auf nur einen richtigen Aha-Effekt, einen ganz großen inneren Einschlag sozusagen, hoffen - alle weiteren Werke sind dann mehr oder weniger große Nachbeben desselben. Bei Houellebecq waren es bei mir die “Elementarteilchen“, die mich mit voller Wucht aus den Socken gehauen haben. So gut und schön zu lesen dann “Die Möglichkeit einer Insel“, “Ausweitung der Kampfzone“ und “Karte und Gebiet“ auch waren, einen echten Wendepunkt stellt erst jetzt “Unterwerfung“ da, weil er sozusagen den Endpunkt des pessimistischen Weltbildes bildet. Und das fast schon fatalistisch-positive, glückserahnende Ende dieses Romans ist ganz ehrlich gesagt erschreckender, als alle “die Welt ist so schlecht und wir uns alleine im Universum“-Triaden vorher.

Aber ich will nicht zu viel verraten, es scheint mir nur, Houellebecq, der auf den letzten Photos mehr und mehr einem Crystal Meth-Junkie gleicht, leide seit neuestem an einer Form des Stockholm Syndroms, wenn er die Islamisierung seiner Heimat allzu übergang- und problemlos darstellt, aber gut. Seine Denkweise ist wie immer äußerst suggestiv, es fällt nicht schwer, ihm dahin zu folgen, wo er einen als Leser hinführt. Und dass er immer wieder kleine Exkurse einfügt über mehr oder weniger unbekannte Autoren des 18. Und 19. Jahrhunderts, gefällt mir mal wieder ungemein gut, auch wenn man da als Deutscher Gewohnheitsleser Mühe hat, den Zusammenhängen zu folgen.

Und übrigens: ja, der gute Mann ist, ohne dass er sich bei irgendwem angebiedert hätte, längst massenpopulär und angesagt, s.h. man muss sich den Genuss also mit vielen hipen, coolen Leuten teilen, von linken Kapitalismus-Kritikern bis rechten Moderne-Verweigerern; so what? Immer noch besser als wenn alle nur noch Dan Brown lesen, oder?
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 15, 2015 8:39 AM MEST


Aus dem Leben eines Fauns: Kurzroman (Literatur)
Aus dem Leben eines Fauns: Kurzroman (Literatur)
von Arno Schmidt
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

5.0 von 5 Sternen Singuläres Lese-Erlebnis, 28. April 2015
Sein erstes Arno Schmidt-Leseerlebnis vergisst man normalerweise nicht so schnell; bei mir war es “Aus dem Leben eines Fauns“, die Geschichte eines ganz in sich selbst zurückgezogenen Beamten im Dritten Reich, der, wie in den meisten Schmidt-Erzählungen, natürlich auch hier wieder starke autobiographische Züge annimmt (inkl. den gleichen Ansichten zu Literaten wie Goethe, Balzac, Wieland, den Expressionisten, ect.). Schmidt lesen heißt auch hier, immer wachsam und mit vollster Konzentration dem Geschehen und den Gedanken folgen, jedwede Ablenkung bei der Lektüre ist hier wirklich Gift.

Hat man sich einmal an die herrische und total subjektive Prosa gewöhnt und findet man sich damit ab, nicht wirklich jeder Anspielung folgen zu können, wird man aber auch reichlich belohnt (oder entschädigt, je nach dem), beispielsweise scheint er sich einen Spaß zu machen den Mond in unzähliger, immer wieder höchstorigineller und plastischer Weise zu beschreiben, allein um zu zeigen, was mit Sprachwitz und Gestaltungswillen alles möglich ist. Hier bekam ich auch erstmalig eine Ahnung, was die Expressionisten eigentlich mal wollten,; etwa bei der explodierenden Munitionsfabrik am Schluss, wo sich der Autor verbal vollends überschlägt und die Eindrücke in Form von Geräusche, Gerüche, Feuerspektakel usw. quasi ungefiltert dem Leser ins Hirn legen will, ohne Umweg über eine eigene Interpretation, wenn man so will. Einmalig!


Alix 26: Der Iberer
Alix 26: Der Iberer
von Jacques Martin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Alix als Held wider Willen, 16. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alix 26: Der Iberer (Gebundene Ausgabe)
Bei “Der Iberer“ sieht man Alix in einer Rolle als Held wider Willen. Er wird von Caesar als Kolonist nach Iberien geschickt und muss sich dort prompt gegen einen erbitterten Volksaufstand erwehren, was in auch in Konflikt mit Caesar selbst bringt, der hier ausnahmsweise mal eher negativ dargestellt wird. Das Ganze läuft schnell auf einen Zweikampf zwischen ihm und dem mutigen, stolzen Anführer der Iberer hinaus; das ist vielleicht nicht übermäßig originell, aber doch spannend und gut nachvollziehbar; im Gegensatz zu manch einer arg konstruierten und schwer nachvollziehbaren Handlung (etwa in “Der Griechenjunge“ oder “Der Kaiser von China“).

Außerdem empfiehlt sich die neuere Auflage (Ende der 90er) in gebundener Form, weil stabiler und mit kräftigereren Farben.


ALIX Bd. 7: Der letzte Spartaner
ALIX Bd. 7: Der letzte Spartaner
von Jacques Martin
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Alix in Topform - in jedem Sinne., 16. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Der letzte Spartaner“ ist vielleicht das Alix-Abenteuer schlechthin, mit einer wirklich erstaunlich dichten Spannung und dem fast schon klassisch-tragischen Ende, das einen so leicht nicht kaltlässt. Zunächst hat man es mit einem altbekannten Survival-Abenteuer zu tun, später jedoch muss unser blonde Protagonist sogar einen Sklavenaufstand anführen gegen die “letzten Spartaner“, wobei, und das ist eines der Vorzüge der kompletten Serie, auch die Bösewichter aus durchaus nachvollziehbaren Gründen handeln, also ohne allzu übertriebene schwarz-weiß-Darstellung. Für Jungs im Alter von 7-10 unglaublich gut; allen voran die hin- und herwogenden Kämpfe auf den Burgwällen. Das regt die Phantasie an, würde ich sagen, das hat fast schon Walter Scott/Karl May-Niveau.


ALIX IV. Iorix der Große
ALIX IV. Iorix der Große
von Jacques Martin
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen (Fast) Vergessener Comic-Klassiker, 16. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: ALIX IV. Iorix der Große (Broschiert)
Meine Kinder und ich haben innerhalb von gut einem Jahr fast sämtliche Ausgaben der Comic-Reihe “Alix“ gemeinsam gelesen, manche sogar mehrfach. So etwas hält man natürlich nicht durch, wenn einem das Gebotene nicht mindestens sehr gut gefallen würde, deshalb will ich die drei, vier besten Folgen kurz herausheben. Das Schöne hier, ist der historisch stimmige Hintergrund, in dem die einzelnen Abenteuer eingebettet sind, inklusive exotischer Schauplätze. Man trifft reale Personen, versunkene Städte, erfährt vom römischen Bürgerkrieg bis zu Aufständen in den Provinzen. Das Ganze hat also einen durchgehend ernsten Ton und ernste Thematik, im Gegensatz etwa zu Asterix. Daß man die Geschichten aber auch Kindern zumuten kann, liegt am fehlenden “Sex and Gore“, wie er heute fast üblich ist'; auch wenn es schon mal Tote gibt, aber halt ohne Gewaltexzesse.

Der vorliegende Band “Iorix der Große“ hat uns mit am besten gefallen, weil man hier u.a. sehr gut die Verwilderung einer zunächst noch in Diensten Roms stehenden Gallier-Armee beobachten kann, während unser gallischstämmige Held trotz allem loyal zu seiner römischen Heimat steht. Das ist spannend, gut nachvollziehbar und durchaus doppelbödig. Gute, altmodische Abenteuergeschichten also, manche Dialoge vielleicht etwas holprig übersetzt, aber ansonsten sehr empfehlenswert.


Die Abendröte im Westen
Die Abendröte im Westen
von Cormac McCarthy
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmaliges Lese-Erlebnis, 4. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Abendröte im Westen (Gebundene Ausgabe)
Wer sich oder anderen besinnlichen, vertiefenswerten Lesestoff bescheren möchte, dem sei Cormac McCarthys “Blood Meridian“ (Die Abendröte im Westen) nahegelegt, einem Roman, dem man nur mit Mühe abnehmen wird, dass er mitten in der Reagan-Era entstanden ist. Mal stelle sich eine Ver-Romanisierung des Filmklassikers unter allen Anti-Western vor: Sam Peckinpahs Gewaltorgie “The Wild Bunch“, nur noch eine Spur derber und radikaler. Klingt vielleicht erst mal abstoßend, ist es zum Teil auch, wenn nicht die meisterhaften, vom Poetischen ins Alttestamentarische schwankenden Naturbeschreibungen wären, die McCarthy mindestens so gut beherrscht wie jeder andere lebende Autor. Protagonist ist mal wieder ein zunächst namenloser Junge, das kennt man von seinem neueren Endzeit-Roman “Die Straße“, allerdings wird jener dort wenigstens von seinem Vater begleitet, der ihn in einer lebensfeindlich gewordenen Welt noch einen minimalen Rest von Anstand und Moral vorzuleben versucht. Hier dagegen ist der Knabe ganz auf sich gestellt und gleicht eher einem verwahrlosten und ausgesetzten Köter, der sich erst mit Trippelschritten und ansatzweise zu einem humanen Wesen entwickelt, als er sich im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet einer Skalpjäger-Bande anschließt und auf den “Richter“ trifft, einen mit Darwin- und Nietzsche-Versatzstücken hantierender Nihilist in Reinform.

Der Leser taumelt zunächst von einer Atrozität zur nächsten, es ist als ob diese kriegsverwüstete Erde Mensch und Tier förmlich zu verschlingen trachtet. Ein Roman jenseits von Gut und Böse also? Vielleicht, wobei schon Aristoteles der Meinung war, dass ein Betrachter eines Dramas ruhig leiden, bzw. mitleiden (“Eleos“) und schaudern (“Phobos“) soll und erst durch diese Form der Katharsis zur inneren Zufriedenheit, ja Sittlichkeit gelangen kann. Na dann, was soll man noch sagen, die gelesenen Vergleiche mit Ernst Jüngers Stahlgewittern oder Conrads “Heart of Darkness“ sind auch gar nicht so abwegig, also kaufen und lesen! Gut möglich, dass man danach auch die anderen Werke McCarthys verschlingt.


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