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Robert Maschmann "Vielleser" (Regensburg)
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Warum es die Welt nicht gibt
Warum es die Welt nicht gibt
von Markus Gabriel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

186 von 222 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Philosophie als Fröhliche Wissenschaft?, 4. Juli 2013
Leider, ich sage es ungern, hat mir die Lektüre dieses Buch keine Freude bereitet. Nachfolgend versuche ich, dies an den wichtigsten Sachverhalten, die mir nicht gefallen haben, deutlich zu machen:

Die Welt, so Prof. Gabriel, gibt es nicht; alle Tatsachen gibt es in der Welt, aber die Welt ist keine Tatsache in der Welt: denn dann würde diese Tatsache der Welt in der Welt wieder den größeren Sinnzusammenhang der Welt voraussetzen. Der Fotoapparat kann sich nicht selbst fotografieren, mein Bewusstsein kann sich selbst nicht als dieses Bewusstsein wahrnehmen, da die Wahrnehmung meines Bewusstseins ja gerade mein Bewusstsein voraussetzt. Das ist philosophisch, lapidar gesprochen, nichts Neues; ein Rätsel bleibt die Welt und das Bewusstsein allemal.

Zum anderen ist gerade der KONSTRUKTIVISMUS dem Autor ein Dorn im Auge. In seiner Abwehr dieser philosophischen Mode reiht er sogar Kant in die Vorläufer des Konstruktivismus ein; eine Behauptung, die sich meinem Verständnis entzieht. Kant hat nicht behauptet, dass wir die Welt in unserer Wahrnehmung erschaffen, sondern dass sich die Welt durch unsere Wahrnehmung entfaltet, sozusagen lichtet. Sollte einem das Bedürfnis nach einem ISMUS überkommen, so könnte man diesen Zusammenhang als fundamentalen oder konstitutiven RELATIONALISMUS bezeichnen.
Die Welt ist MEINE Vorstellung, aber ich erschaffe sie nicht. Ein Objekt an sich, eine Tatsache an sich ist, wie Schopenhauer so treffend bemerkte, ein „erträumtes Unding“ ein „Irrlicht der Philosophie“. Und doch will Prof. Gabriel uns scheinbar Glauben machen, dass es solche Tatsachen an sich gibt, wie folgendes Zitat belegt: „Unendlich vieles erscheint in einem Sinnfeld, ohne dass irgendwann jemand dies bemerkt hätte. Dabei spielt es in ontologischer Hinsicht eine untergeordnete Rolle, ob wir Menschen davon erfahren oder eben nicht. Die Dinge und Gegenstände erscheinen nicht nur, weil sie uns erscheinen, sie existieren nicht nur, weil uns dies aufgefallen ist. Das meiste erscheint einfach, ohne dass wir Notiz davon nehmen.“ (Seite 92). Damit fällt er aber, so meine ich jedenfalls, erkenntnistheoretisch hinter Kant zurück und bietet uns hier keinen neuen, sondern allenfalls einen naiven Realismus, da er versucht, das wahrnehmende Bewusstsein aus der Wahrnehmung zu streichen. Von irgendeiner, letztlich von meiner Wahrnehmung unabhängige Tatsachen gäbe es aber nur dann, wenn es ein von mir unabhängiges Überbewusstsein gäbe, an dem ich, in welcher Form auch immer, partizipieren könnte, um Tatsachen, die ich nicht selbst wahrgenommen habe, im Nachhinein doch noch selbst wahr zu nehmen.
Wie hat Prof. Gabriel doch den Fetischismus definiert? „Unter FETISCHISMUS versteht man die Projektion übernatürlicher Kräfte auf einen Gegenstand, den man selbst gemacht hat. Diese Projektion wird vorgenommen, um die eigene Identität in ein rationales Ganzes zu integrieren.“ (Seite 182). Dieses Überbewusstsein ist ein Gegenstand, den man so gemacht hat, dass man sich gleichzeitig vormacht, man habe ihn nicht gemacht. Die Sprache, die große Lügnerin, gaukelt uns vor, unsere Wahrnehmung sei objektiv, für alle gleich-gültig. Sie lässt uns glauben, die Welt würde auch ohne unsere Wahrnehmung so sein, wie sie ist, objektiv und aufbewahrt in der Totalität der Begriffe, in diesem Überbewusstsein. Nirgendwo wollen wir sterben; natürlich auch nicht in der Wahrnehmung, deren vermeintliche Objektivität vermittelt durch die Sprache uns zu überdauern scheint. Wir müssen es wieder so profan sagen: Prof. Gabriel geißelt den Fetischismus und fällt selbst auf einen Fetisch herein, der Sprache heißt.

Ganz und gar unverzeihlich ist aber jener Satz: „Der existentielle Jammer stellt sich ein, wenn man vom Leben etwas erwartet, das es nicht gibt, nämlich Unsterblichkeit, ewige Glückseligkeit und eine Antwort auf all unsere Fragen. Wenn man an das Leben auf diese Weise herangeht, wird man nun einmal enttäuscht“ (Seite 246). Eine solche Aussage ist für jemanden, der sich als einen Philosophen bezeichnet, schlicht unmöglich und peinlich.
Danach ist man nun selbst schuld, wenn man z.B. in einer Diktatur lebt, Freiheit verlangt und dafür verprügelt, eingesperrt oder getötet wird. Wer so an das Leben herangeht, wer solche Erwartungen hat, bei dem muss sich ja existentieller Jammer einstellen, wenn er enttäuscht wird. Da hat man einfach nur das verkehrte Sinnfeld erwischt; man nehme einfach ein anderes, es gibt ja unendlich viele. Und der Mensch, der am Leben verzweifelt und keine Antwort auf die Frage findet, warum er hier ist, warum er sterben muss, warum er leidet (möglicherweise auch noch „unnötig“, wie Prof. Gabriel einmal schreibt), muss einfach nur aufhören, sich solche dummen Fragen zu stellen und möglicherweise einfach nur das Sinnfeld wechseln. Prof. Gabriel hört auf zu philosophieren dort, wo die Philosophie gerade beginnt.

Es handelt sich hier in diesem Buch nur um eine einfache Rechtfertigungs- und Beschwichtigungsphilosophie, um die Affirmation einer heilen, objektiven Welt, letztendlich um, ich muss es leider so drastisch sagen, philosophischen Kitsch, der noch dazu in sich reichlich widersprüchlich ist. Deshalb kann ich auch nicht mehr als einen Stern vergeben.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 19, 2013 11:23 AM CET


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  Taschenbuch

10 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mist, 5. Mai 2008
Achtung! Dieses Buch ist weder komisch (ausser man hat einen etwas merkwürdigen Humor), noch hat es einen identifizierbaren Inhalt (ausser dass es irgendwie um Vollidioten geht) und auch keine Botschaft, die der Autor uns mitteilen will. Warum wurde dieses Buch geschrieben? Ich weiß es nicht. Sparen Sie sich bitte das Geld. Schade, dass es nicht null Sterne gibt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2012 7:45 PM CET


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