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Rezensionen verfasst von
deathdealer92618 (Bochum)

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Reise um den Mond: Roman
Reise um den Mond: Roman
von Jules Verne
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Leider nicht besser als der Vorgänger, 8. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Reise um den Mond: Roman (Taschenbuch)
Wie der werte Leser bereits aus dem Vorgängerroman wissen wird, ist der Abschuss der Columbiade geglückt und die drei menschlichen Insassen Barbicane, Nicholl und Ardan, sowie einige tierische Zeitgenossen befinden sich auf dem Weg zum Mond. Bis dahin ist es allerdings wohlweislich ein langer und im wahrsten Sinne des Wortes 'steiniger Weg', so dass unsere Helden mit allerlei Komplikationen zu kämpfen haben. Sie treffen (mehr oder weniger) auf Trabanten und Asteroiden, verlieren einen ihrer vierbeinigen Gefährten, sind extremen Temperaturen und der Schwerelosigkeit ausgesetzt und finden sich plötzlich in der Umlaufbahn des Mondes wieder.
Auch wenn ich an dieser Stelle etwas mehr an Inhalt wiedergegeben würde erscheint mir dieses Unterfangen als beinahe unmöglich, da dieser Roman Vernes fast schon mehr als handlungsarm ist. Auf den meisten der 276 Seiten kommt man in den (oft zweifelhaften) Genuss von belehrenden Dialogen, die davon zeugen, wie hoch Jules Vernes Wissensstand auf dem Gebiet der Astronomie war. Der Autor lässt hier zumeist den Lebenskünstler Michel Ardan naive Fragen und gewagte Thesen formulieren, die dann von einem der beiden Mitreisenden mit großem Fachwissen beantwortet bzw. in der Luft zerrissen werden. Hier werden mathematische und physikalische Formeln bemüht, die Beschaffenheit der Mondoberfläche wird eingehend erläutert und Mondmeere und -'gebirge werden genannt und mit ihren terrestrischen Pendants verglichen. Es mag als historischer Science-Fiction Roman funktionieren, aber für eine Jules Verne-Roman kommt hier, wie auch schon im Vorgänger zu wenig rüber. Der Witz, das Abenteuer, der Einfallsreichtum bleiben aufgrund der seitenlangen Diskussionen leider komplett auf der Strecke. 3 Sterne ist das Buch mir wert, weil es aus Sicht eines Lesers des Jahres 1870, und noch viele Jahre darüber hinaus, ein unglaubliches Gefühl gewesen sein muss dieses Buch zu lesen. Wäre es mein erster Verne gewesen, hätte ich eventuell mehr Sterne vergeben, aber leider kann man an diesen Autor nicht mit einer niedrigen Erwartungshaltung herangehen, wenn man so große Werke wie 'Reise zum Mittelpunkt der Erde' und '20000 Meilen unter den Meeren' verschlungen hat. Tut mir leid :-)


Nikolas Nickleby: Roman
Nikolas Nickleby: Roman
von Charles Dickens
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Immer wieder ein Genuss, 10. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Nikolas Nickleby: Roman (Taschenbuch)
Nikolas Nickleby sieht sich nach dem Tode seines Vaters in der Pflicht für seine Schwester und seiner Mutter zu Sorgen. Die Familie nimmt Kontakt zum Bruder des Verstorbenen, Ralph Nickleby, auf. Nun nehmen die Katastrophen mehr oder weniger konsequent ihren Lauf. Die vom Onkel vermittelte Stelle in einer Schule entpuppt sich zum einen, als ein bloßer Versuch Nikolas los zu werden, zum anderen ist die Schule selbst vielmehr ein Erziehungslager, in dem mangelhafte Ernährung mit körperlichen Züchtigungen einhergehen. Grund genug für den Titelhelden sich einen Schüler zu schnappen und aus der Anstalt zu verschwinden. In London selbst müssen sich derweil Schwester und Mutter in London von Ralph drangsalieren lassen. So werden sie zuerst in eine billigere Unterkunft verfrachtet, später muss Schwesterchen Kate sich auch noch den Belästigungen von Ralphs zwielichtigen Geschäftspartnern erwehren, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im weiteren Verlauf werden Nikolas und sein Schützling mit einer Wanderbühne konfrontiert, die sie ganz neue Seiten an sich erkennen lässt, Hochzeiten werden verhindert, andere geschlossen, körperliche Auseinandersetzungen werden nicht gescheut, richtige von falschen Vätern getrennt, Freunde gewonnen, Freunde verloren.
Dies ist natürlich nur ein Anriss der Geschichte um Nikolas Nickleby, aber man müsste den Roman schon komplett nacherzählen, um der Fülle an Figuren, Ereignissen und Vorfällen gerecht zu werden, die uns Dickens hier auftischt. Womit wir auch gleich beim Kern der Sache angelangt sind: Das Talent von Dickens, gepaart mit diesem ungeheuerlichem Reichtum an Ideen und Figuren, macht jedes seiner Bücher zu einem Ereignis. "Nikolas Nickleby" ist, wie die anderen Romane Dickens' auch, ein detailiertes und liebevolles Porträt der 1830er Jahre. Der Autor führt uns durch die Gassen Londons und Umgebung, hinein in Kontore, Stellenvermittlungen, Kneipen, Bibliotheken, private Ateliers und natürlich Privathäuser. Wir werden Zeugen von Pferderennen und Duellen, erfahren nebenbei einiges über Geldgeschäfte und die Lebenstile und das Sozialverhalten, sowohl von reichen als auch von ärmeren Bürgern der Stadt. Dickens übt hierbei Kritik am Finanzwesen seiner Zeit, an der Unterdrückung Unschuldiger und der Rücksichtslosigkeit der Aristokratie. Ein breitgefächertes Panorama eben, wie man es vom Autor kennt. Auch die Charaktere sind nicht ganz so schwarz-weiß gezeichnet, wie in seinen anderen Büchern. Zwar kann man auch hier die Personen in gut und böse einteilen, aber zumindest vereinzelt entstehen Grauzonen. Das war zum Beispiel bei "David Copperfield" nicht der Fall. Dafür fallen aber einige Figuren auch sehr schwach aus. Kate Nickleby und Madeline Bray, immerhin 2 Damen, die für den Verlauf und die Entwicklung der Geschichte nicht unerheblich sind, erscheinen bei genauerer Betrachtung sehr blass und ohne jegliche Tiefe. Während die Brüder Cheeryble dermaßen übertrieben menschenfreundlich sind, dass es nur noch lächerlich wirkt.
"Nikolas Nickleby" reicht insgesamt nicht ganz an die großen Werke wie "David Copperfield" oder "Oliver Twist" heran, dafür verliert der Autor zu oft die Titelfigur aus den Augen und lässt zu viele Längen einfließen. In Anbetracht der Fülle an Figuren und Ereignissen wird das Buch allerdings auch nie richtig langweilig und lädt zum Versinken in das London des 19. Jahrhunderts ein.


Die Brücke über die Drina: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Brücke über die Drina: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Ivo Andric
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ein Brückenschlag!, 8. Mai 2011
In diesem Buch gibt es keine Hauptperson, die man mehrere hundert Seiten lang begleitet, mit der man mitleidet, deren Entwicklung man beobachten darf. Nein, Ivo Andric hat die titelgebende elfbögige Brücke, die Orient mit Okzident verbindet zur Hauptperson gemacht. Erbaut im 16. Jahrhundert in mühevoller, oftmals mit Gewalt erzwungener Arbeit, fällt sie 1914 österreichischen Truppen zum Opfer. Er verknüpft mit leichter Hand und in einer schönen, bildhaften Sprache das Schicksal dieser Brücke, die Geschichte des Balkans und vor allem lebendige Einzelschicksale über einen Zeitraum von knapp 400 Jahren. Dabei beschreibt er sowohl ernste, wie auch traurige und nachdenkliche stimmende Episoden mit recht witzigen skurrilen Geschichten. Wir lernen eine unglückliche Braut kennen, einen Wachmann, der sich nicht konzentriert seiner Aufgabe widmen kann, wir treffen Betrunkene, die über die Balustrade balancieren und wir werden Zeuge, wie eine Liebe sich nicht entfalten kann, weil der Erste Weltkrieg beginnt. Der Autor zeigt uns auch ganz unverhohlen einige wenige Grausamkeiten, wie die Pfählung eines Bauern oder das Festnageln eines Ohres am Brückenbalken. Im Großen und Ganzen ist allerdings das friedliche Zusammenleben der Bewohner rund um die Brücke herum das Aushängeschild des tollen Buches. Mohammedaner, Juden und Christen leben friedlich gemeinsam, treffen sich täglich über Jahrhunderte verteilt auf der Kapija, der großen Plattform auf dem Mittelpfeiler und wollen einfach nur ihr Leben leben, abseits von politischen Spielereien und geographischer oder religiöser Herkunft.
Ähnlich wie Salman Rushdie später schafft Ivo Andric es Geschichte durch fiktive individuelle Erlebnisse lebendig nachzuerzählen. Mir hat das Buch sehr viel Spass bereitet, niemals wurde es langweilig, zumeist waren die Entwicklungen nachvollziehbar.
Lesen Sie dieses farbenfrohe Buch, in dem eine Brücke als Sinnbild für friedliches Miteinander steht und in dem Sie eine Vielzahl unterschiedlichster Charaktere mit den verschiedensten Hintergründen kennenlernen.


Die Stadt der Sehenden
Die Stadt der Sehenden
von José Saramago
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Der Meister der namenlosen Helden und der fehlenden Interpunktion, 1. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Taschenbuch)
Bei der Kommunalwahl in einem nicht näher beschriebenen Land werden 70% ungültige, weil weiße Stimmzettel abgegeben. Die Regierung ist aufgebracht, sucht den Fehler aber natürlich nicht bei sich, sondern lässt die Wahl wiederholen und dabei die Wähler durch Spitzel, Kameras und Mikros beobachten bzw. belauschen. Ergebnis? 83% weiße Stimmzettel. Welch revolutionäres, ungeheuerliches Vorgehen. Irgendjemand muss die "gesunden" Wähler davon abhalten ihrer demokratischen Pflicht nachzukommen. Die Stadt wird von der Obrigkeit und der Polizei verlassen und befindet sich nun mehr in einem Belagerungszustand. Es wird gar darüber diskutiert, ob man nicht eine Mauer um diesen Hort des Wahnsinns ziehen soll. Als dann auch noch sichtbar wird, dass die Bevölkerung auch ohne die hohen Herren klarkommt, muss natürlich dringend ein Schuldiger her. Wie wäre es denn da mit der Frau des Arztes, bekannt aus "Die Stadt der Blinden", die vor einigen Jahren, wer weiß warum, nicht der plötzlichen Erblindung zum Opfer fiel? 3 Polizisten machen sich also auf, die passenden Beweise zusammen zu stellen...ähm...zu suchen :-)
Wie auch schon in dem großartigen Buch "Die Stadt der Blinden" erzeugt Saramago durch das Weglassen fast sämtlicher Satzzeichen und von Absätzen einen Strudel, in den man, hat man sich erstmal dran gewöhnt, schnell hineingezogen wird. Als Leser wissen wir nichts über die Charaktere, kaum etwas über die Stadt, die Umgebung, es gibt keinerlei Beschreibungen von Szenerien oder Örtlichkeiten, keine Vorgeschichte oder ähnliches. Aber der Autor beweist, dass das auch keinesfalls notwendig ist, denn auch, oder gerade deswegen, ist der Leser eingebunden, weiß selbst nicht (viel) mehr als die Figuren und muss sich selbst Gedanken machen. Somit erkennt man schnell, dass die Reaktionen der Stadtherren gar nicht so weit hergeholt sind. Natürlich ist und bleibt 'Die Stadt der Sehenden' eine politische Parabel voller Sarkasmus und ich nehme das Buch auch nicht ganz so ernst, aber der Autor hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und das ist wichtig. Er zeigt uns wo Politikverdrossenheit hinführen kann und das vermeintlich demokratische Herrscher nicht demokratisch handeln müssen. José Saramago bietet hier keine Lösungen an, er macht nur Vorschläge.
Minuspunkte gebe ich aber dafür, dass ich auf emotionaler Ebene keinen echten Zugang zum Buch finden konnte, was daran liegen mag, dass Identifikationsfiguren fehlen bzw. erst im zweiten Teil überhaupt sowas wie Hauptfiguren auftauchen. Wenig zufrieden bin ich auch mit dem Ende, denn das kam dann doch etwas zu schnell und war wenig überraschend. Somit habe ich das Buch zwar ganz gern gelesen und wollte natürlich auch wissen wie es endet (das meinte ich mit "Strudel", weiter oben!), habe seitdem aber auch nicht mehr viel drüber nachgedacht. Ein gutes Buch, aber nicht so gut wie der indirekte Vorgänger. Kann auch nur jedem Leser raten, sollte er sich zwischen den Blinden und den Sehenden nicht entscheiden können, erst "Die Stadt der Blinden" zu lesen. Muss man selbstverständlich nicht so machen, aber es nimmt wohl ein wenig an Spannung, wenn man es nicht so macht.


Die Propellerinsel
Die Propellerinsel
von Jules Verne
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen ACHTUNG: Stark gekürzt!!!, 21. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Propellerinsel (Taschenbuch)
4 französische Musiker werden nach einem Unfall mit ihrer Kutsche auf dem Weg nach San Diego von dem Amerikaner Munbar aufgelesen und in eine nahegelegenen Stadt geführt mit dem Versprechen dort nächtigen zu können. Bald wird klar: Das ist gar keine Stadt, zumindest nicht im konventionellen Sinne, das ist eine Insel. Ja, eine riesige schwimmende Stadt, bewohnt von amerikanischen Milliardären. Für Lebensmittel wird permanent gesorgt, man besitzt sogar ein eigenes Straßenbahnsystem, eigentlich könnte es das Paradies sein. Da fehlen eben nur noch wird Musiker von Weltklasseformat, die den gelangweilten Geldsäcken die Zeit vertreiben. Naja, nicht ganz, etwas dicke Luft herrscht schon, denn die beiden megareichen Familien Tankerdon und Coverley können sich nicht ausstehen und so "beherrscht" die eine Familie die Backbordseite, während die andere Steuerbord das Sagen hat. Ein Zwist, der noch zu großem Unheil führen wird. So fährt man also gemütlich über die Weltmeere, lauscht Konzerten, besucht Inseln und genießt das Leben. Im Falle der Musiker auch den neugewonnenen Reichtum. Doch irgendwann, wie sollte es anders sein, wird diesem Idyll ein Ende gesetzt und man muss sich mit wilden Tieren, noch wilderen Wilden und ganz wilden Millionären rumschlagen, die allesamt den Untergang dieses pekuniären Eden im Sinn zu haben scheinen.

Kurz nachdem ich dieses Buch durchgelesen hatte, erfuhr ich, dass es sich um eine völlig verstümmelte Ausgabe handelt. 142 Seiten, während andere Verlage wohl mehr als das Doppelte benötigten. Das soll meiner Kritik vorweg gestellt sein, da natürlich genau das der Grund sein kann, weswegen ich nicht mit diesem Buch klar kam. Vielleicht sind die ungekürzten Übersetzungen aber auch genauso schlecht, ich weiß es nicht. Diese Ausgabe bekommt jedenfalls nur 2 Sterne von mir, da es das mit Abstand einfallsloseste Buch von Jules Verne ist. Nachdem die Musiker alles Technische über "Standard-Island" erfahren haben, gibt es nicht mehr viel zu erleben. Die spannenden Abenteuer, die andere Helden von Jules Verne erlebt haben sucht man hier vergebens. Es hört sich natürlich toll an, wenn ich jetzt schreibe, dass man Zeuge einer Entführung wird, das wilde Tiere in der Stadt ausbrechen oder dass es einen Angriff abzuwehren gilt. Leider ist das aber alles nur Stückwerk und liest sich nicht wie aus einem Guss. Außerdem sind die Charaktere, wie fast immer, sehr oberflächlich und eindimensional und die Kritik an Amerika und Großbritannien ist mehr als plakativ. Die zivilisierten Bewohner der schwimmenden Milliardärs-Insel sind den "Kannibalen" natürlich in allem überlegen, machen sich lustig über diverse Rituale der wilden Ureinwohner und werden von diesen einfach mal so, ohne ersichtlichen Grund (man muss dem Leser ja zeigen wie wild und gefährlich die da alles sind!) entführt. Auch das unnötige Töten von Tieren scheint den Milliardären leichter zu fallen, als das Fangen selbiger. Naja, das kennt man von Verne ja alles, aber das dann auch noch die Geschichte drum herum so dünn ausfällt ist ärgerlich. Wäre der Roman nicht an einigen Stellen recht witzig, vor allem wenn der Musiker Zorn zugegen ist, dann hätte ich wohl nur einen Stern vergeben. Denn auch die zu rettende Liebe zwischen den Kindern der oben erwähnten verfeindeten Familien dient hier wohl nur dazu, einige kuriose Situationen herbeizuführen und ist eigentlich gar nicht der Rede wert.
Schade, ich lese Vernes Bücher sehr gern und hoffe inständig, dass die Zensur hier die Schuld trägt, aber jetzt kann ich erstmal nur 2 Sterne geben, da "Die Propellerinsel" in dieser Form vollkommen zu Recht im Schatten der anderen Romane steht. Wenn Sie die Chance haben, dann suche Sie nach anderen, dickeren Ausgaben dieses Werks, ansonsten werden Sie sicherlich auch enttäuscht werden.


Der Regen: Thriller
Der Regen: Thriller
von Richard Laymon
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verstörend? Aufregend? Provozierend? Wo?, 23. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Regen: Thriller (Taschenbuch)
Nach dem vermeintlichen Mord an einem farbigen Schüler fällt ein schwarzer (!) Regen auf die Kleinstadt Bixby nieder. Jeder, der davon erwischt wird verwandelt sich in ein aggressives, gewaltbereites Wesen, auf der Suche nach dem nächsten Opfer. Richard Laymon lässt den Leser an mehreren Schauplätzen mit verschiedenen Protagonisten Zeuge dieser Metzeleien werden. Zum einen haben wir da den Polizisten, der eine Freundin sucht, im Schlepptau hat er zwei Frauen, Mutter und Tochter, die ihm mehr zum eingangs erwähnten Mord sagen wollten. Des Weiteren begleiten wir ein Ehepaar zum Essen, da sich im verbarrikadierten Restaurant der mordenden Meute erwehren muss, während die 9jährige Tochter zu Hause samt Babysitter ausharrt. Maureen, die Pizza-Frau, hat auch ohne Regen schon mit schlimmen Typen zu tun und Buddy benötigt gar keinen Regen, um Amok zu laufen.
Nun ja, an meinen Rezensionen ist deutlich zu erkennen, dass ich in literarischer Hinsicht nicht gerade im Bereich Horror und Thriller zu Hause bin. Allerdings bin ich als großer Horrorfilmfan schon jahrelang auf der Suche nach adäquaten Büchern. Leider wird man da nicht so leicht fündig. "Der Regen" ist auch wieder recht ernüchternd gewesen, dabei habe ich doch gar keinen so großen Anspruch an solche Bücher, aber selbst der kann noch unterboten werden. Die Rahmenhandlung gefällt mir dabei aber sehr gut und ich denke, dass man da auch mehr hätte draus machen können. Gerade die Tatsache, dass der Plot Situationen erzeugt, in denen innerhalb von Sekunden aus Menschen Bestien werden, kann ja zu äußerst spannenden Momenten führen. Dachte ich. Leider lässt Raymon aber immer wieder die Luft raus, in dem er bestimmte Personen, natürlich die für die Geschichte wichtigen, sehr schnell die Wurzel allen Übels erkennen lässt. Dann haben sich einige regennasse Figuren plötzlich im Griff, denken rational und man merkt schnell, dass das nicht unbedingt einer plötzlichen Erkenntnis zu verdanken ist, sondern dass diese Figuren vom Autor noch gebraucht werden, um bestimmte zwischenmenschliche Situationen herbeizuführen. Überhaupt sind die Charaktere fast allesamt schwach gezeichnet, man hat hier überhaupt keine Typen im Kopf oder gar jemanden, der der Sympathieträger sein könnte. Die sind einfach alle nur da und ähneln sich alle auch irgendwie. Außerdem benehmen sie sich für meinen Geschmack nicht immer nachvollziehbar. Die sitzen zum Beispiel in dem eben angegriffenen Restaurant und essen erstmal weiter oder haben spontanen Sex auf der Toilette. Danach (!) kommt dann erst die Sorge ums Töchterchen zu Hause. Und das die Dialoge aus schlechten Filmen abgeschrieben zu sein scheinen, merkt jeder Leser nach 5 Seiten. Zumindest wenn man vorher auch mal ein niveauvolleres Buch zur Hand genommen hat. Den zusätzlichen Stern gebe ich nur, weil so manche blutige Szene ganz gut dargestellt wurde. Aber auch da gibt es Besseres. Für die reine Handlung dürfte es keinen Stern geben, denn spannend oder überraschend war hier nichts.
"Der Regen" ist ein Buch voller faulem Zauber und größtenteils platten Wendungen, daher ein etwas enttäuschendes Leseerlebnis. Da sich hier die Geister scheiden, werde ich in naher Zukunft wohl nochmal zu einem Buch von Raymond Laymon greifen, sollte das aber in eine ähnliche Richtung laufen, dann hat sich das für mich mit diesem Autor.


Tess: Roman
Tess: Roman
von Thomas Hardy
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Eine reine Frau, 18. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Tess: Roman (Taschenbuch)
Tess Durbeyfield ist das älteste Kind einer Landarbeiterfamilie. Sie kümmert sich um ihre jüngeren Geschwister, wenn die Eltern mal wieder im Wirtshaus versacken und hat für ein Landmädchen eine recht ordentliche Schulbildung. Als ihr Vater, ein Mann, der den Fleiß sowieso schon nicht erfunden hat, erfährt, dass seine Familie adligen Ursprungs ist, arbeitet er noch weniger als vorher. Ihre Mutter, die man oberflächlich betrachtet für eine sympathische Frau halten könnte, was sie allerdings im Laufe des Romans ad absurdum führt, da sie häufig nur zu ihrem eigenen Vorteil handelt, sieht hier ihre Chance und überredet Tess zu einer nicht weit entfernt lebenden Verwandten, einer Miss D'Urberville, zu fahren und sich dort als Mitglied eines Zweiges ihrer Familie vorzustellen. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf, denn Tess ist alles andere als aufgeklärt. Gegen Avancen ihres vermeintlichen Cousins Alec, ein zynischer, wetterwendischer und hochgradiger unsympathischer Charakter, kann sie sich nur schwer wehren und irgendwann geschieht das, was zu Tess' Zeit moralisch nicht vertretbar war und sie in den Augen ihrer Mitmenschen und auch in ihren eigenen Augen stigmatisiert. Und auch weiterhin hat Tess, die mittlerweile in einem anderen Dorf als Milchmädchen arbeitet, Pech mit den Männern, ob es nun der angeblich so freigeistige Pfarrerssohn ist, selbst nicht ganz unbescholten, der sich an seine sehr konventionellen Moralvorstellungen nur bedingt hält, andere aber gnadenlos daran misst oder der unsympathische Dienstherr, der Tess aufgrund alter Vorkommnisse mehrmals in die Mangel nimmt. Und zu allem Überfluss ereignet sich dann auch noch ein Todesfall und Tess' Familie verliert ihren Wohnsitz.
Ja, Tess kann und wird einem leid tun. Ist sie zu Beginn noch ein aufgewecktes Mädchen, das die Dinge auch mal selbst in die Hand nimmt, wird sie im Laufe des Romans durch schicksalhafte Begegnungen und Entscheidungen zu einer unglücklichen Frau, die sich selbst nicht ausstehen kann und irgendwann explodiert. Selbstverständlich war "Tess" 1891 großer Kritik ausgesetzt, denn Thomas Hardy rüttelt hier ganz stark an der herrschenden Sexualmoral seiner Zeit und da ist es nicht verwunderlich, dass die eine oder andere Passage noch nachträglich geändert werden musste. Völlig schuldlos wird hier ein sympathisches Mädchen in einen Strudel herein gerissen, der sie mit sich nach unten zieht und der Autor macht auch keinen Hehl daraus, dass er seine Heldin mag. So hat Sie zum Beispiel große Gewissensbisse als ein Tier durch ihr Verschulden zu Tode kommt. Später im Buch lässt Hardy sie dann aber, vielleicht als Ausgleich, verletzte Fasane töten, die sich ansonsten sinnlos gequält hätten. Manchmal übertreibt er es wohl ein bisschen und man wird fast sauer, wenn man lesen muss wie egoistisch und hinterhältig mit Tess umgegangen wird, sie aber immer klein bei gibt und die Schuld tatsächlich bei sich selbst sucht. Da stößt man wirklich manchmal an die Schmerzgrenze.
Thomas Hardy hat aber nicht nur mit den Moralvorstellungen abrechnen wollen, er beschreibt auch den Einbruch der Moderne und der Technik in das von der Natur beherrschte Leben der Menschen. Beispielsweise sind die Passagen, in denen die Arbeiter/innen mit neuartigen Maschinen hantieren müssen, sehr düster und fast grässlich beschrieben. So haben die Menschen kaum eine Chance mit der Maschine mitzuhalten, sich müssen immer schneller arbeiten, oftmals bis zur Erschöpfung, damit sie sich auch weiterhin als nützlich erweisen können. Auf die Aktualität dieses Sachverhaltes muss wohl nicht hingewiesen werden.
Ein sehr schönes, allerdings auch manchmal etwas langsames Buch, aber dafür ist es ja auch fast 120 Jahre alt und ein paar ausschweifende Naturbilder gehören für manchen Leser ja auch zum guten Ton dazu ;-). Jeder, der die Literatur des 19. Jahrhunderts zu schätzen weiß, wird demzufolge auch an "Tess" nicht vorbei kommen. Viel Spaß!


George A. Romero und seine Filme
George A. Romero und seine Filme
von Georg Seesslen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,00

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lektor of the dead, 25. Januar 2011
Dieses Buch über den großen und leider völlig unterschätzten George A. Romero ist ein wichtiges und aufschlussreiches Buch. Georg Seeßlen beginnt in der Vorbemerkung mit einer kleinen Zeitreise zurück in die Urzeit. Wie hat man damals das Böse gesehen, wie ist man damit umgegangen? Die Fragen beantwortet er uns dann an Beispielen aus diversen Epochen, wie Renaissance und Barock, bis in die Moderne. Bereits hier hat mich das Interesse nicht mehr losgelassen. Das 2. Kapital kommt dann direkt zu Romero und widmet sich seinem Leben und Werk. Seinem Werk aber erstmal hinsichtlich seiner Bedeutung im Kino der jeweiligen Zeit, seine politischen und gesellschaftlichen Bezüge. Vorbilder werden genannt und beschrieben, das Jahr von "Night of the living dead", 1968, wird auf fast 20 Seiten in seiner Wichtigkeit dargelegt. Speziell in diesem Kapitel bekommt man einen Einblick in Seeßlens Kenntnisreichtum Film und Fernsehen betreffend. Referiert er hier doch ausgiebig über die Bedeutung des Essens und Fressens, nicht nur in Romeros Filmen, sondern auch in vielen anderen Genres der Film- und Fernsehgeschichte, wie Western und Seifenopern. Hier haben sich mir einige sehr interessante Aspekte erschloßen. Sind Leute, die in Soap-Operas kochen wirklich immer die Dummen? Das behauptet der Autor an dieser Stelle. Kann mich dahingehend bitte mal jemand aufklären? :-) Anschließend folgen noch die Unterpunkte "Hollywoods Sommer der Angst", in dem beschrieben wird wie sehr Romero und auch andere das Mainstream-Kino verändern haben. Zum Schluß noch die "Nach-Bilder". Hier findet die Wandlung vom Horror zum Terror Erwähnung. Kapitel 3 beschreibt eingehen, fast zu eingehend, Romeros Filme von "Night oft he living dead" bis zu "Diary of the dead". Leider wird hier nicht nur eine kleine Zusammenfassung aller Filme gegeben, sondern sie werden komplett, teilweise minutiös, nacherzählt. Dann folgt eine Analyse und kritische Einschätzung des jeweiligen Werkes. Hier habe ich mich zum ersten Mal gefragt, warum Georg Seeßlen die Filme so detailgenau wiedergibt! Es hätte doch ausgereicht, wichtige Szenen, die repräsentativ für seine Thesen und Erklärungen sind, herauszupicken. Für wen macht er das? Die Leser, die bereits alle Filme kennen, benötigen die Inhaltsangabe nicht, sie können das getrost überblättern (was dem Buch natürlich allerhand Seiten raubt). Alle anderen, die noch nicht alle Filme kennen, sollten das nicht lesen, weil Seeßlen alle interessanten Wendungen und eben auch das Ende des Films erwähnt. Für mich kein sehr großes Manko, aber eins, das ich beim besten Willen nicht verstehe.
Jetzt kommt für mich aber der große Dämpfer. Kapitel 4 "Die Zombies: Mythopoetik der Untoten". Inhaltlich ist hier rein gar nichts einzuwenden. Der Autor beginnt mit dem Ursprung der Untoten, erzählt von der Karibik und Voodoo, über den willenlosen Menschen und kommt dann zum Zombiefilm im Allgemeinen. Hier zählt und erklärt er viele Arten und Subgenres des Zombiefilms, nennt Filmtitel von den 1930er Jahre bis heute als Beispiele und beschreibt, recht knapp allerdings, die Filminhalte. Für alle Neueinsteiger ins Zombiegenre gibt es hier ordentlich Anregungen für den nächsten Filmabend. Einen eigenen Unterpunkt bekommen die "Italo-Untoten" und den haben sie sich auch verdient. Im letzten Kapitel geht es dann erst um Stilfragen (z.B. woran erkenne ich einen Romero-Film?), später wird auch noch ein Vergleich mit Doktor Freud herangezogen. Im Anhang erläutert Georg Seeßlen, teilweise mit einem Augenzwinkern, wie unsäglich schlecht manche Filme bei Romero abgekupfert wurden und was seine Filme für mehr oder meist weniger gute Sequels und Remakes erfahren haben. Alle Trashfans werden die Filme nur deswegen schon sehen wollen. Kommen wir zum eingangs erwähnten Dämpfer. Kapitel 4 und 5, vor allem 4, strotzen nur so vor Druck- und Flüchtigkeitsfehlern. Mir tut es immer etwas leid, wenn ein wirklich sehr gutes Buch nur deswegen schlechter bewertet wird, aber so ausufernd wie in diesem Buch, sind mir derartige Fehler noch nie untergekommen. Der Leser stolpert hier tatsächlich über Sätze wie: "James Bond in der Gestalt von Roger Moore musste in "Live and let die" (...) mit einem schwarzen Tyrannen komplett mit rituellem Menschenopfer bekämpfen Moderne und archaische Formen des Terrors..." (vgl. S. 271) Mal ganz davon abgesehen, dass es sich hier eigentlich um 2 Sätze handelt und selbstverständlich nach "bekämpfen" ein Punkt zu stehen hat, ist ja wohl auch der erste Satz völlig wirr. Und das ist leider keine Ausnahme. Man kann beinahe im letzten Viertel des Buches keine Seite mehr umblättern, ohne solche Sätze lesen zu müssen. Ansonsten fehlt hier mal ein "ist", dort steht "wurde" statt "wurden" und mein Lieblingslapsus ist auf Seite 291 wo Seeßlen von Romeros "Land of the damned" spricht! Ich dachte erst, ich hätte was verpasst, aber es ist natürlich "Land of the dead" gemeint. Schade, ein wertvolles und anregendes Buch, welches den Ausnahmeregisseur Romero ein Denkmal setzt, gegen Ende zerstört von einem betrunkenen oder gar nicht vorhandenen Lektor. Oder vom Zeitdruck. Wenn dieses Buch viele Leser findet, wird Romero vielleicht irgendwann als das gesehen was er ist. Ein revolutionärer Regisseur. Bleibt zu hoffen, dass in späteren Auflagen die zahlreichen Fehler beseitigt werden. So leider nur 4 von 5 Sternen.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 9, 2011 5:08 PM MEST


Der Sportreporter: Roman
Der Sportreporter: Roman
von Richard Ford
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Ereignislosigkeit zieht uns (manchmal) in den Bann!, 20. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Sportreporter: Roman (Taschenbuch)
Frank Bascombe, der vermeintliche (Anti-)Held dieses Buches ist 38 Jahre alt, Sportreporter, geschieden. Er bezeichnet sich und sein Leben selbst als durchschnittlich, erwartet eigentlich gar nicht mal mehr all zu viel und ist davon überzeugt, dass er, wie auch die meisten anderen Menschen, durch jeden anderen ersetzt werden können. Seinen Job als Sportreporter findet er nicht schlecht, allerdings erfüllt er ihn auch nicht, so dass man ihn nie wirklich über sport reden hört, sondern vielmehr nur über Statistiken und Tabellen. Kein Wunder, da er doch viel lieber ein großer Schriftsteller geworden wäre und auch bereits einige Short Storys veröffentlicht hat. Der nachfolgende Roman allerdings endet unvollständig in seiner Schublade. So ist das mit Frank Bascombe. Er hatte Ambitionen, doch irgendwie platzt der Knoten nicht. Das Nachdenken über sein Leben ist nach eigenen Aussagen gar nicht so sehr seins, doch besteht ein Großteil des Buches darin, dass Frank uns seine alten Fehler und beinahe Erfolge ausführlich darlegt. Gleich zu Beginn erfahren wir vom Tod seines ältesten Sohnes, er hat noch 2 weitere Kinder, und wohnen einem recht außergewöhnlichen Treffen zwischen ihm und seiner Ex-Frau auf dem Friedhof bei. Diese Ex, von ihm nur X genannt, ist auch zugleich, trotz der Scheidung und einigen unschönen Dingen, die zwischen ihnen vorgefallen sind, seine einzige echte Freundin und Ansprechpartnerin, mit der auch mal tiefer gehende Gespräche führen kann, auch wenn beide mittlerweile wohl andere Partner haben. So kommen wir zu Vicky, Franks Freundin, mit ihr soll es beziehungstechnisch mal wieder klappen, ein Wochenende in Detroit, bei dem er Arbeit und Vergnügen verbinden will, soll erstmal nur der Anfang dieser Vertiefung werden. Doch leider entpuppt es sich eher als der Anfang vom Ende. Und dann wäre da noch Walter, ein Mann, den Frank aus dem Club der geschiedenen Männer kennt und mit dem ihn eigentlich ansonsten nicht verbindet. Doch Walter hängt sich sehr an Frank, erzählt ihm mehr als dieser anscheinend wissen will und spielt noch eine recht wichtige Rolle.

Das Buch besteht aus vielen Momentaufnahmen, wie Beschreibungen der Umgebungen, in denen Frank sich gerade aufhält und auf den ersten Blick belanglosen Treffen mit den unterschiedlichsten Personen aus seinem Umfeld. Es ist nicht allzuleicht in dieses Buch hinein zu kommen, da diese Dinge doch oftmals zu redselig breit getreten werden. Man muss doch erst ein Gefühl dafür entwickeln, was Richard Ford uns hier eigentlich sagen will. Er zeigt uns einen Menschen, der mit seiner Mittelmäßigkeit immerhin soweit zufrieden ist, das er nicht vor hat irgendetwas Grundlegendes zu ändern. Selbst als ihm bewusst zu werden scheint, dass er eigentlich ein sehr einsamer Mensch ist, bleibt er ruhig und gelassen, so wie das ganze Buch ruhig und gelassen erzählt ist. Da wird man als Leser fast sauer, weil man nicht versteht, dass so ein Mensch, selbst wenn er die Chance hat Kontakte zu knüpfen, diese Chance nicht wahr nimmt. Das ist natürlich auch eine Art die Leser emotional zu binden. Ich denke aber, dass diese Ereignislosigkeit in Franks Leben, zu stark auf das Buch abfärbt. Die Handlung verharrt zu oft und zu lange im Stillstand, wenn wieder mal ein Blick in die Vergangenheit geworfen oder wieder mal eine Örtlichkeit beschrieben wird. Insgesamt ist das Buch damit zu lang, um über die volle Distanz zu fesseln. Richard Ford kann schreiben, das beweist er an einigen Stellen, die wahrlich toll sind. Die beiden Koffer von Frank und Vicky, die bei der Ankunft der beiden in Detroit im Regen vor dem Hotel stehen. Fast schon eine melancholische Vorwegnahme der Ereignisse. Oder auch der Dialog gegen Ende des Buches zwischen Frank und X. Da meint man als Leser, dass sich doch wirklich etwas anbahnen könnte. Und für eine eindringliche Atmosphäre zu sorgen schafft er dort mit wenigen Sätzen.

Leider sind diese großen Lesemomente für meinen Geschmack zu dürftig, beziehungsweise, wir wollen ja fair bleiben, halten sie sich mit den langatmigen Passagen die Waage.
Es ist allerdings ein Buch, bei dem man die Friedenspfeife herum gehen lassen kann, denn ich kann durchaus nachvollziehen, dass andere Leser dem "Sportreporter" 4 oder 5 Sterne geben. Das ist bei Büchern, die viel Freiraum für Interpretationen lassen, oftmals der Fall und dementsprechend auch vollkommen in Ordnung. Fast genauso gut verstehe ich aber auch die Rezensenten, die vielleicht nur 1 oder 2 Sterne verteilen, weil sie das Buch langweilig finden. Bei mir pendelt sich das Buch, wie schon angerissen, in der Mitte ein. Allerdings ist es schon so interessant, dass ich mir wahrscheinlich auch noch die restlichen Bücher über Frank Bascombe zu Gemüte führen werde. Bin mir aber nicht sicher, wem man das Buch empfehlen könnte. Als großer Philip Roth Fan muss ich sagen, dass er meiner Meinung nach einige Klassen über Richard Ford spielt. Gleichgesinnten kann ich daher nicht zur Lektüre raten. Auch amerikanische Zeitgenossen wie Auster und Updike, die mir nicht allzu nahe stehen, sind zumindest origineller. Und alle die Carver mögen, werden Ford bereits kennen. Naja, lesen Sie das Buch, erwarten Sie aber nicht zu viel. Dennoch viel Vergnügen :-)


Die Stadt und die Hunde: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Stadt und die Hunde: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Mario Vargas Llosa
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Musil lässt grüßen, 10. Januar 2011
An der peruanischen Militärschule Leoncio Prado sollen junge Kadetten zu richtigen Männern erzogen werden. Das funktioniert natürlich durch Gewalt und Unterdrückung. Die Rekruten nehmen sich diese Verhaltensweisen der Vorgesetzten zum Vorbild und gehen mit gleicher Härte untereinander gegen die Jüngeren vor. Jeder muss genau aufpassen, wen er sich zum Freund und wen zum Feind nimmt. Hänseleien und dumme Sprüche sind noch das kleinste Problem, denn irgendwann verschwimmt das Realitätsempfinden und die eigenen Machtgelüste, hervorgerufen durch den Terror von oben, manifestieren sich in körperlicher Gewalt und sexueller Züchtigung, die sich nicht nur gegen Tiere richtet. Besonders die Gruppe um den machthungrigen "Jaguar" spielt diese Karten nur zu gern aus. Irgendwann plaudert dann ein Rekrut (an seinem Spitznamen "Sklave" erkennt man bereits seine Stellung innerhalb der Hierarchien) etwas zu viel seinen Vorgesetzten gegenüber und endet mit einer Kugel im Kopf. Und jetzt zeigt die Schule, Ausbilder wie auch Kadetten, ihr wahres Gesicht: Jeder will seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen. Die einen versuchen es durch Vertuschung, die anderen durch gegenseitige Beschuldigungen.
Vargas Llosas Roman ist relativ leicht zu lesen, auch wenn ich etwas Zeit benötigte, um wirklich "reinzukommen". Hat man sich dann erstmal auf das Buch eingelassen, ist es allerdings fesselnd. Das liegt nicht nur an der Thematik an sich, sondern auch, vielleicht sogar vor allem, an der Erzähltechnik des Autors. Er zeigt uns neben den zahlreichen gewalttätigen Szene, auch die Hintergründe einiger Kadetten. Er lässt sie von sich und ihrem Vorleben erzählen, von dem Familienvater, der ohne große Scheu permanent fremdgeht, von der ersten großen Liebe, von dem Abstieg in die Kriminalität. Da entfalten sich stellenweise fast zarte Szenen, die im Kontrast zur Härte in der Schule stehen, aber doch ein großes Ganzes, einen detailierten Blick auf eine Gesellschaft darstellen. Sehr subtil, aber eindringlich lernen wir durch die verschiedenen Erzähler und Erzählperspektiven die einzelnen Charaktere kennen, teilweise auch verstehen, ohne dabei aber ein Urteil oder eine Meinung des Autors durchschimmern zu sehen. Dieses Buch spielt in Peru und es zeigt uns natürlich nur die Menschen in Peru, aber sind das hier wirklich Vorgänge, innerhalb einer Institution, einer Gesellschaft und einzelner Menschen, die nur dort und zu jener Zeit möglich waren? Nein, das kann und wird überall passieren, jeder Leser kann sich hier irgendwo wiederfinden, der eine als "Sklave", der andere als "Jaguar", der nächste als Ausbilder. Spätestens nach der Lektüre wird man sich im besten Falle fragen, was der Einzelne in dem Räderwerk einer Gesellschaft leisten kann, was er erdulden darf und was er austeilen sollte. Klingt natürlich jetzt sehr nach Moralkeule, aber keine Angst, es ist ein interessantes Buch, das man gut lesen kann. Erinnert sehr an Musils Törleß, ist aber besser geschrieben.


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