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Rezensionen verfasst von
Melancholiker (Hamburg)

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Das Dach kommt später: Roman
Das Dach kommt später: Roman
von Murat Topal
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schlappjelacht, 16. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Dach kommt später: Roman (Taschenbuch)
Ich lach mich schlapp. Berlins Vorzeige-Expolizist auf dem Bau, sozusagen. Murat Topal ist für mich die Entdeckung der Comedy-Szene, wo andere Ulkbarden links und rechts und über und unter das Ziel ballern mit ihren hilflosen Milieu- und Randgruppen-Gags verlegt Topal dem Berliner Einwanderertum endlich einen eigenen frechen Witz, eine eigene, sehr gediegene Note."Das Dach kommt später" sprüht vor funkelnden Wortkapseln, vermeintlich sinnlose Witzeleien entpuppen sich beim zweiten Drüberlesen als glitzernde Ode der Weisheit - und manch trockene Alltagssituation wird erst durch die Brille und den sprachlichen Erfindungsreichtum Topals zu einem Quell der Lustigkeit.
Wer Humor hat, liest Topal!


Schlank durch OP: Alle Methoden im Überblick
Schlank durch OP: Alle Methoden im Überblick
von Faris Abu-Naaj
  Broschiert
Preis: EUR 28,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wahnsinn, muss nicht immer Wahnsinn sein, 16. September 2014
Zugegeben, eigentlich zucke ich bei allem, was sich dem Thema "abnehmen" und "schlank werden" widmet, zunächst einmal zusammen. Der Markt ist überschwemmt mit den zweifelhaften Werken vermeintlicher Lebensgefühl-Gurus und bereits ein kurzer Blick in Gesichter aber auch Bücher lässt erhahnen, dass es nur um eine Schlankheit geht: die unseres Portemonnaies. Anderes "Schlank durch OP", ein Ratgeber, auf den ich - unfasslich! - ausgerechnet durch bild.de gestoßen bin. So wie ich nie die BILD lese, so lese ich auch nicht Schlankheitsbücher - und bin nun doch begeistert, denn der Tipp der Kollegen von der Böoulevardjournaille war unvermutet Gold wert. Faris Abu-Naaj erweist sich hier als das, was er verspricht zu sein: ein umsichtiger Ratgeber, der sich nicht davor scheit Risiken und Schäden klar zu benennen. Umsichtig werden operative Möglichkeiten beleuchtet und aus der Sicht eines Mannes geschildert, der aus wahrlich "leibhaftiger" Erfahrung weiß wovon er da redet. Bei ihm, Abu-Naaj, hat sich der Aufwand, das Risiko gelohnt, er hat ordentlich an Gewicht verloren. Dch er begeht gottlob nicht den Fehler sich aus diesem Erfolg heraus als geleiteter Experte zu begreifen, der eine solche Schlank-OP auch auf jeden anderen Menschen übertragen möchte. Denn genau das ist der entscheidende Punkt: sich operativ beispielsweise den Magen verkleinern zu lassen ist längst nicht mehr so abwegig. Zu erkennen, ob man selbst für einen solchen Eingriff geeignet ist bleibt jedoch nicht nur ärztlicher Beratung, sondern auch dem eigenen, tja, Bauchgefühl überlassen. "Schlank durch OP" hilft exzellent bei der Einordnung und Auswertung körperlicher Symptome.Definitiv ein Standardwerk in diesem Bereich.


also:
also:

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Stille eines Raumes, 27. November 2013
Rezension bezieht sich auf: also: (Audio CD)
Aus der Stille eines Raumes heraus komponiert Tim Köhler seine Lieder. Lieder, die musikalisch oftmals wie Skizzen daherkommen, getupfte Momentaufnahmen eines Lebens, das voller Fragen ist. Ja, Tim Köhler sucht. Und es ist gerade seine Suche, die ihn zu textlichen Formulierungen gelangen lässt, die vielleicht für ihn, ganz sicher aber für seine Hörer zu Antworten werden. Eine Mischung aus Philosophie und Poesie ist hier zu finden, ein wenig melancholisch, ein wenig besinnlich, doch niemals schwerfällig. Mit Sicherheit das beste, was im Jahr 2013 an deutschsprachigen Texten zu finden gewesen ist. Intelligent genug, um Kopfmenschen anzusprechen. Sensibel und feinfühlig genug, um zu Herzen und Seelen zu sprechen.
Ein elegantes Album ist "also:" geworden, weil es sich ganz wunderbar in Abendstunden zu einem Glas Wein genießen lässt. Man hängt seinen ganz eigenen Gedanken nach, hört die Klaviertasten, die Köhler drückt - und vor allem die, die er nicht drückt, die er auslässt - und hier und da schält sich ein Fragment aus diesem introvertierten Kosmos, setz sich in unsere Ohren und auf unsere Lippen und lässt uns einer Köhlerschen Formulierung hinterherschlendern...
Gut zu wissen, dass es diese Art von Musik noch gibt. Still und bedeutungsvoll. Schwebend und zupackend.Einen wie Tim Köhler setzt uns kein PR-Manager und kein Majorlabel vor. Nein, einen wie Tim Köhler muss man sich schon selbst entdecken.

Doch diese Suche ist es wert. Ist es doch eine Reise zu sich selbst.

David Wonschewski, Jury-Mitglied der Liederbestenliste


Untat
Untat
von Guido Rohm
  Broschiert
Preis: EUR 10,90

5.0 von 5 Sternen Einer der besten Literatur-Blogger - kann auch Roman., 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Untat (Broschiert)
Seit langer Zeit verfolge ich bereits den Blog von Guido Rohm, auf dem er fast täglich kurze Schnippsel seines unfassbaren Einfallsreichtums veröffentlicht. Kurze Notizen, aber gewaltig, hellsichtig, grotesk - pointiert. Es mit seinem neuen Krimi aufzunehmen geriet da zur Pflichtlektüre. Und: Er hat mich nicht enttäuscht, der Rohm, denn wenn ich etwas von ihm inzwischen erwarte, dann ist es das Unerwartete. Und dafür ist er auch auf Romanlänge gut. Wer Einheitskrimis mag, sollte die Finger weglassen. Wer jedoch das Besondere sucht, ist hier genau richtig. Das Buch hebt sich total ab. Skandinavische Thriller lesen kann ja wohl mal jeder Knilch. Einen Rohm lesen - hat Charakter. Die Erzählstruktur und der Inhalt nimmt einem die Luft zum Atmen.


World Without End
World Without End
Preis: EUR 11,94

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen beklemmend gut, 18. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: World Without End (Audio CD)
Bob Frank & John Murry - "World Without End"

Wer seine Platte auf demselben Label veröffentlicht wie Mark Eitzel und an der Seite der großartigen Richmond Fontaine dieser Tage auch noch durch Europa touren durfte, ja der kann einfach kein akustischer Komplettausfall sein. Völlig ausgeschlossen. Schließlich zählen Bob Frank und John Murry in den USA auch nicht ohne Grund zu den "greatest songwriter you never heard". Nun, dank Tournee und Album dürften die Tage als angesagter Geheimtipp jedoch bald gezählt sein, schwingt sich das Duo mit den Songs auf World Without End" doch empor auf höchstes Americana-Niveau. Dabei weiss allein schon das Konzept der Platte zu begeistern, skizziert das Duo in zehn Songs doch Geschichten, die bis in die dunkelsten Epochen nordamerikanischer Geschichte zurückreichen und denen ein und dasselbe Thema zu Grunde liegt: das ewige Spiel um Mord, Totschlag und Rache. Faszinierend und beklemmend zugleich begeben sich Bob und John in die Gedanken und Emotionen von Opfern sowie Tätern und illustrieren auf diese Weise brutal offenherzig wie durch und durch menschlich doch selbst unsere dunklen Seiten angelegt sind. Nur selten dürfte einem Songreigen das etwas ausgelatschte Prädikat "zeitlos" so gut gestanden haben wie diesen.


One More Drifter In The Snow (Ltd.)
One More Drifter In The Snow (Ltd.)
Preis: EUR 11,85

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckend zeitgemäß..., 23. November 2006
Aimee Mann ist wohl so etwas wie ein weiblicher Achilles der Popgeschichte. Seit dem Erfolg des "Magnolia"-Soundtracks und ihrer Oscar-Nominierung 1999 ist sie quasi unverwundbar auf ihrem Weg durch das Musikgeschäft. Ein seltsames Phänomen, diese Frau von ewiger Jugend, über die kaum ein böses Wort in der Musikpresse verloren wurde.

Diese Tage nun veröffentlicht sie ihr zehntes Album, eine Sammlung von - wer hört die Glocken bereits läuten - Weihnachtsliedern. Gewagter Versuch in Zeiten wie diesen. Inspiriert wurde sie dabei von Johnny Mathis Album "Merry Christmas” von 1958 und Charlie Brown. Wie jetzt Charlie Brown? 1965 erschien der Film "A Charlie Brown Christmas" mit dazugehörigem Soundtrack. Charlie Brown ist sehr deprimiert über die Kommerzialisierung von Weihnachten, bis Linus ihm noch mal die Heilsgeschichte zum Besten gibt und ihn an die eigentlich frohe Botschaft des Festes erinnert.

Speziell die dunklen und mysteriösen Untertöne des Filmes haben die Arbeit zu diesem Album beeinflusst, so Mann, und das wird mit dem ersten Stück sogleich deutlich: "Whatever Happened To Christmas?", ein abgehangener Sinatra-Schinken, kommt hier in annehmbarer Singer/Songwriter-Manier daher. Lakonisch eröffnet die Frage nach dem verlorenen Zauber die Programmatik dieses Albums, nämlich ein wenig mehr Weihnachtsmystik auf die Plattenteller unserer Zeit zu legen und tatsächlich - das funktioniert. Weil Aimee Mann musikalisch einfach gut ist und ihr Handwerk beherrscht.

Bestes Beispiel: "God Rest Ye Merry Gentlemen”, eine 1833 (!) erstmals erschienene Weihnachtshymne, hat Mann hier mit beeindruckenden Bläsern instrumentiert und für unser Ohr zeitgemäß zu einem der besten Stücke des Albums arrangiert. Ansonsten gestaltet sie mit klassischen Blues- und Jazzelementen die alten Traditionals neu und enthebt sie ihrer angestaubten "Rudolph The Red Nosed Reindeer"-Tradition. Und ein bisschen auch dem amerikanischen Christmas-Komplott.

Einziger Haken an der Platte: Man muss Weihnachten mögen, um nicht die Achillesferse Aimee Manns anzuvisieren. Geschmackssache eben. Aber besser als Wham! wieder bis zum völligen Weihnachtskoller die Tantiemen zu zollen. Charlie Brown jedenfalls würde sie gefallen, diese Platte. Kein Mitternachts-Shopping, kein Happy-Digits-Wahn und geschenkt wird nur Selbstgebasteltes.


Stop the Clocks
Stop the Clocks
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 14,40

6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eure Britpoppigkeit...., 23. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Stop the Clocks (Audio CD)
Wie jetzt? Eine Best Of? Von Oasis? Sollte es die nicht erst dann geben, wenn Ihre heilige Britpopigkeit das Zeitliche gesegnet hat? Müssen wir jetzt Stoßgebete aussenden? Oder ist es schon zu spät?

Fragen über Fragen und eine simple Antwort: Oasis schuldeten ihrem alten Label Sany BNG (Name von der Redaktion geändert) noch eine Platte. Die wollten aus absahntechnischen Gründen ein Best Of. Oasis hatten die Wahl: mit oder ohne eigene Zustimmung. Man (eigentlich nur Noel Gallagher) entschied sich für Letzteres und kompilierte aufs Geratewohl 18 Songs zusammen. Nicht für uns, nein, sondern für die Kids in 50 Jahren. Für die sei diese Platte gedacht. Sagt Noel. Und hat Recht.

In der Zukunft mag man sich freuen über diese günstige Gelegenheit, Oasis kompakt kennen lernen zu dürfen. Mit ein bisschen Glück könnte "Stop The Clocks" sogar das rote/blaue Album der Beatles für eien neue Generation werden. Für Fans im Hier und Jetzt jedenfalls lohnt sich die Anschaffung nicht. Man hat eh alles zu Hause stehen. Überhaupt! 18 Songs. Pah! Mindestens doppelt so viele vermisst man schon beim reinen Tracklist-Überfliegen. Wo ist denn bitte sehr "Whatever"? Warum war "Little By Little" nicht gut genug? Was ist mit "Shakermaker” oder "Bring It On Down”? Und "Roll With It” fehlt nicht wirklich? Oder doch? Tatsache! Ausgeklammert wie auch das komplette "Be Here Now"-Album, das gar nicht so schlecht sein kann wie sein Ruf. Genau genommen ist es sogar ziemlich gut. Aber das will ja eh keiner zugeben.

Nun ja, wenigstens "Slide Away", seit Anfangstagen ein ewiger Fan-Favorit, hat es auf "Stop The Clocks" geschafft. Gratulation! Aber eigentlich ist es Wurscht. Wer Oasis will, sollte um dieses lieblos zusammengestoppelte Song-Konglomerat einen Bogen machen. Selbst Noel Gallagher ist diese Werkschau - Zitat - "scheißegal". Die regulären Alben der nach eigener Aussage "größten und besten Band der Welt" kosten schon längst keine Welt mehr. Hier sollte man beherzt zugreifen, so denn daheim noch musikalische Schandlücken vorhanden sind. Alles andere ist eh Schmarr’n. Daran ändert auch die opulent ausgestattete Vinyl-Ausgabe nichts. Warten wir lieber auf das Jahr 2008. Dann soll eventuell vielleicht ein neues Oasis-Werk in die Läden kommen. Bring it on! You know we’re mad fer it!- Michael Seifert -


Saturday Night Wrist
Saturday Night Wrist
Preis: EUR 7,49

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ergreifendes in moll..., 15. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Saturday Night Wrist (Audio CD)
Wie weite Landschaften türmen die Deftones ihre Songs auf. So schön und unberührbar, wohlgefällig und atemberaubend wie der Blick ins Tal von mühsam erklommenen Höhen. Daneben stellen sie wuchtige, deformierte, hinterhältige Gebirgszüge für die sichere Aufbewahrung gepflegter Paranoia. Und noch einen Schritt weiter zieht uns die Neugier über den Vorsprung hinab in die brachial pulsierende Fabrikanlage. Schwerstarbeit in unwirtlichen Gegenden.

Dennoch braucht sich niemand zu fürchten, denn die ergreifendsten Melodien in verschrobenem Moll fangen die beängstigenden Ausbrüche auf, irgendwann. Hier sind wir zu Hause, hier wollen wir sein. Die Deftones sind die Verwalter, nur sie haben einen Schlüssel für das einzige Schloss in der Tür. Sie sind erhaben in der Kategorie des New Metal, ihr Name nimmt dem Begriff die Schimpfwort-Affinität. So bebauen und verwalten sie seit Jahren gleichmäßig berauschend gut diesen Acker. Der Hörer erntet Songs, vor denen man niederknien möchte im Angesicht ihrer Eleganz, die man im nächsten Moment zertreten will in logischer Schlussfolgerung aus den musikalischen Gewaltausbrüchen der Band.

"Saturday Night Wrist" ist wie ein seltsam schönes Gewächs, das in Zeitraffer seine Evolution durchlebt und plötzlich niedergerissen wird, so schnell und gewalttätig, dass nicht ersichtlich ist, ob es eine Flutwelle oder eine Feuersbrunst war. So wird "Hole In The Earth" niedergetrampelt von "Rapture", so vernichtet "Rats! Rats! Rats!" endgültig die mit "Xerces" endende Aneinanderreihung melodisch metallener Ungeheuer, vorbei das driftende Instrumental "U,U,D,D,L,R,L,R,A,B, Select, Start", vergessen das grenzwertige "Mein" und das elegisch wälzende "Cherry Waves".

Und so verschließen sich die Deftones weiterhin jedem Vergleich mit Leichtigkeit, denn "Saturday Night Wrist" atmet reinste Deftones-Luft: gleichermaßen neu und altbekannt, aber vor allem noch immer ungefiltert - und das ist alles was zählt.- Kristin Sperling -
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 18, 2008 9:40 AM MEST


Technology Won't Save Us
Technology Won't Save Us
Preis: EUR 15,10

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weltschmerz & Pathos at it's best..., 15. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Technology Won't Save Us (Audio CD)
Wenn jemals der beliebte Kritiker-Spruch vom "ganz großen Kino" gepasst hat, dann doch bitte hier: Der Titeltrack der neuen Sophia-Veröffentlichung "Technology Won't Save Us" ist bombastischer Orchester-Rock höchster Güte. Sophia-Mastermind Robin Proper-Sheppard macht sich dabei die musikalische Narration, wie man sie zuweilen in klassischen Kompositionen findet, zu eigen. Ohne eine einzige Textzeile und auf kompakten vier Minuten und zwanzig Sekunden wird die wahre Tragödie eines vor der britischen Küste ertrunkenen Vater-Sohn-Paares eindringlich und dramaturgisch perfekt zum Leben erweckt:

Da beginnt der Spaziergang von Vater und Sohn ganz harmonisch mit Akustikgitarre, Bassklarinette, Oboe, Flöte und Streichern. Düstere Klavierklänge bringen den Umschwung - Gefahr in Form der steigenden Flut und des heraufziehenden Nebels droht. Rettung scheint aber noch in Sicht. In der dritten Phase setzt dann die Katastrophe ein: Ein verwaschener E-Gitarren-Strudel verschluckt alles, so wie es die Nordsee mit besagten zwei Menschen getan hat. Ein gefühlloser Klotz, wer hier nicht feuchte Augen kriegt. Wie gesagt: Ganz großes Kino.

Dass auch ihr Handy-Kontakt zu einem Rettungsboot den beiden Ertrinkenden nicht mehr helfen konnte, erklärt den plakativen Album- und Stücktitel. Im Verbund mit der dazugehörigen Story klingt der Spruch von der letztlich nutzlosen Technologie schon nicht mehr ganz so dämlich. Andersherum gewinnt das Vater-Sohn-Drama unter dieser Überschrift eine metaphorische Dimension: Bei allem menschlichen Fortschritt bleibt Mutter Natur doch immer noch die Stärkere.

Doch wenden wir uns den restlichen neun Stücken auf "Technology Won't Save Us" zu. Auch hier dominiert wie gewohnt Sophia-typische Schwermut: Im Verlassenheits-Schmachtfetzen "Where Are You Now" klagt Robin Proper-Sheppard: "It's 5 am/ I stumble down Oxford Street/ The whiskey and gin, they ain't helping things/ If I could speak, I'd call out your name/ If I could walk, I'd run back to you again". Im Großstadt- und Karriereabgesang "Big City Rot" wispert er mit brüchiger Stimme: "I'm tired of trying/ I’m ready to stop/ I'm tired of waiting for the pressure to drop/ […]/ I'm tired of fighting the big city rot". Als nächstes greift "Twilight At The Hotel Moscow", eine elegische Huldigung an einen Sonnenuntergang, noch einmal die Orchester-Opulenz vom Anfang auf - weil's so schön war.

Glücklicherweise hat Herr Proper-Sheppard aber inzwischen gelernt, dass man den Stimmungsbogen nicht überspannen sollte. Anders als noch vor ein paar Jahren rettet er sein Album vor der atmosphärischen Einheitspampe, indem er zwischendurch erhebende Indie-Rock-Nummern wie "Pace" und "Lost (She Believed In Angels)" einstreut und es zum Abschluss sogar richtig krachen lässt: Die Schlussnummer "Theme For The May Queen No. 3" ist eine brachiale Instrumental-Attacke, die an Sophias allseits vermisste Vorgänger-Band The God Machine erinnert.

Summa summarum: Selber mag Robin Proper-Sheppard an der Vorarbeit für sein viertes Solo-Werk fast zerbrochen sein - herausgekommen ist die bis dato vielseitigste und gelungenste Sophia-Platte. Wer ein Problem mit Pathos und ausgiebig zelebriertem Weltschmerz hat, wird zwar vermutlich auch "Technology Won't Save Us" nicht mit der Kneifzange anfassen. Da kann man aber nur sagen: Selbst schuld - ihr wisst gar nicht, was für einen tollen Film ihr verpasst.- Nina Toellner -


One More Drifter in the Snow
One More Drifter in the Snow
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 5,46

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen klassisch bis zeitgemäß..., 15. November 2006
Rezension bezieht sich auf: One More Drifter in the Snow (Audio CD)
Aimee Mann ist wohl so etwas wie ein weiblicher Achilles der Popgeschichte. Seit dem Erfolg des "Magnolia"-Soundtracks und ihrer Oscar-Nominierung 1999 ist sie quasi unverwundbar auf ihrem Weg durch das Musikgeschäft. Ein seltsames Phänomen, diese Frau von ewiger Jugend, über die kaum ein böses Wort in der Musikpresse verloren wurde.

Diese Tage nun veröffentlicht sie ihr zehntes Album, eine Sammlung von - wer hört die Glocken bereits läuten - Weihnachtsliedern. Gewagter Versuch in Zeiten wie diesen. Inspiriert wurde sie dabei von Johnny Mathis Album "Merry Christmas” von 1958 und Charlie Brown. Wie jetzt Charlie Brown? 1965 erschien der Film "A Charlie Brown Christmas" mit dazugehörigem Soundtrack. Charlie Brown ist sehr deprimiert über die Kommerzialisierung von Weihnachten, bis Linus ihm noch mal die Heilsgeschichte zum Besten gibt und ihn an die eigentlich frohe Botschaft des Festes erinnert.

Speziell die dunklen und mysteriösen Untertöne des Filmes haben die Arbeit zu diesem Album beeinflusst, so Mann, und das wird mit dem ersten Stück sogleich deutlich: "Whatever Happened To Christmas?", ein abgehangener Sinatra-Schinken, kommt hier in annehmbarer Singer/Songwriter-Manier daher. Lakonisch eröffnet die Frage nach dem verlorenen Zauber die Programmatik dieses Albums, nämlich ein wenig mehr Weihnachtsmystik auf die Plattenteller unserer Zeit zu legen und tatsächlich - das funktioniert. Weil Aimee Mann musikalisch einfach gut ist und ihr Handwerk beherrscht.

Bestes Beispiel: "God Rest Ye Merry Gentlemen”, eine 1833 (!) erstmals erschienene Weihnachtshymne, hat Mann hier mit beeindruckenden Bläsern instrumentiert und für unser Ohr zeitgemäß zu einem der besten Stücke des Albums arrangiert. Ansonsten gestaltet sie mit klassischen Blues- und Jazzelementen die alten Traditionals neu und enthebt sie ihrer angestaubten "Rudolph The Red Nosed Reindeer"-Tradition. Und ein bisschen auch dem amerikanischen Christmas-Komplott.

Einziger Haken an der Platte: Man muss Weihnachten mögen, um nicht die Achillesferse Aimee Manns anzuvisieren. Geschmackssache eben. Aber besser als Wham! wieder bis zum völligen Weihnachtskoller die Tantiemen zu zollen. Charlie Brown jedenfalls würde sie gefallen, diese Platte. Kein Mitternachts-Shopping, kein Happy-Digits-Wahn und geschenkt wird nur Selbstgebasteltes.- Silke Janovsky -


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