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Rezensionen verfasst von
Zeitgeist "leserausherne" (Herne)

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Casanovas Heimfahrt
Casanovas Heimfahrt
Preis: EUR 0,00

5.0 von 5 Sternen Passender Nachtrag zu Casanovas Memoiren, 22. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Casanovas Heimfahrt (Kindle Edition)
Casanovas "Geschichte meines Lebens" endet abrupt, kurz bevor er von den Staatsinquisitoren begnadigt wird und nach Venedig zurückkehren darf. Schnitzler wagt es, eine Ergänzung vorzunehmen, die eine Casanovas Heimkehr als eine kurze Episode beschreibt. Das meiste hat er dabei erfunden - aber genial. Schnitzler ist so fair, über Casanova in der dritten Person zu schreiben, aber das Abenteuer, das er erfindet, passt hervorragend zu dem, was Casanova selber geschrieben hat: Es ist vergnüglich, unterhaltsam, spannend und nicht weniger bizarr als die Erlebnisse, die Casanova selber beschrieben hat. Allerdings geht Schnitzler mit dem alternden Liebhaber ein wenig härter ins Gericht, als dieser mit sich selber. Alles in allem eine wunderbare Ergänzung für denjenigen, der vom plötzlichen Ende der Memoiren enttäuscht worden ist.


Casanova: Geschichte meines Lebens | Die Memoiren | Alle sechs Bände in einem eBook
Casanova: Geschichte meines Lebens | Die Memoiren | Alle sechs Bände in einem eBook
Preis: EUR 1,99

5.0 von 5 Sternen Atemberaubende Weltliteratur, 22. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Wer meint, Casanovas Memoiren würden sich auf erotische Geschichten beschränken, liegt vollkommen daneben. Sicher, die erotischen Abenteuer kommen vor, aber der Leser wird schon auf den ersten Seiten mit einer philosophisch-theologischen Abhandlung überrascht. Casanova schreibt über seine Reisen durch ganz Europa und gibt - unglaublich detailliert, weil er sich alles aufgeschrieben hat - seine Gespräche mit zwei Päpsten, mehreren Königen (darunter Katharina die Große und Friedrich der Große), Voltaire und anderen wieder. Damit zeichnet er ein gewaltiges Sittengemälde des siebzehnten Jahrhunderts, das authentischer, detailgetreuer und lebhafter ist als eine ganze Bibliothek historischer Literatur. Man liest lange, sehr lange an dem Buch, das unglaublich umfangreich ist. Aber die lebhafte, durchaus moderne Sprache macht es leicht und vergnüglich lesbar. Für mich eine großartige literarische Entdeckung und Überraschung!


G S D Haushaltsgeräte 33 015 Limettenpresse aus Edelstahl
G S D Haushaltsgeräte 33 015 Limettenpresse aus Edelstahl
Wird angeboten von 5-ALL
Preis: EUR 24,62

5.0 von 5 Sternen Superteil, 22. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Nachdem wir so eine Presse mal als Werbegeschenk zu einer Tequilaflasche bekommen hatten, wissen wir es zu schätzen, eine Limette oder Zitrone mit einem Griff auszupressen. Leider war das Geschenkteil aus Aluguss und ist zerbrochen. Dieses Gerät aus Edelstahl ist dagegen sehr solide, praktisch und so groß, dass man damit auch eine Orangenhälfte auspressen kann. Eine Riesenerleichterung gegenüber konventionellen Saftpressen!


TecTake Gartenliege Sonnenliege Strandliege Freizeitliege mit Sonnendach 190cm blau
TecTake Gartenliege Sonnenliege Strandliege Freizeitliege mit Sonnendach 190cm blau

1.0 von 5 Sternen Schwaches Material, 22. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Liege ist insgesamt sehr schwach verarbeitet. Das gilt für die Bespannung, die nicht die bei anderen Liegen üblichen Verstärkungsbänder aufweist, und auch für das Gestänge. Die Höhenverstellung ist fummelig und rasch verbogen, weil das Material so dünn und weich ist. Wir hatten schon bei der ersten Benutzung den ersten Schaden. Lange wird sie nicht durchhalten.


Alaska
Alaska
von David Lauterborn
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1.0 von 5 Sternen Geringer Gebrauchswert, 22. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alaska (Broschiert)
Auf den ersten Blick sieht der Reiseführer gar nicht schlecht aus: Klar gegliederter Text, viele Bilder. Will man ihn jedoch zur Reisevorbereitung nutzen, erkennt man schnell seine Grenzen: Er enthält schlicht nicht die Informationen, die man benötigt. Erstes Problem: Es werden zwar Sehenswürdigkeiten aufgelistet und auch knapp beschrieben, aber es gibt keinerlei Information über die Attraktivität der Orte. So werden bspw. für Ketchikan acht Museen und Discovery Centers genannt, aber ich finde keinen Hinweis, welche ich besuchen sollte, wenn ich nur einen Tag Zeit habe. Zweites Problem: Es gibt keine Infos über Transportmöglichkeiten. Wie komme ich bspw. von Juneau zum Mendenhall Glacier? Wann fahren welche Busse und wie lange? Was kostet eine Taxifahrt? - Alles Fehlanzeige. Drittes Problem: Die (ohnehin wenigen) Karten sind zu ungenau. Wieder Ketchikan: Die Straße nach Herring Cove (ein beliebter Hangout von Bären, die dort Lachse fangen) ist nicht eingezeichnet. Zweites Beispiel: Die Chena Hot Springs Road wird zwar umständlich beschrieben, aber es gibt keine Karte, auf der die beschriebenen Orte eingezeichnet wären. Viertes Problem: Die Verfasser scheinen nur einen bestimmten Reisestil im Kopf zu haben, nämlich mit einem Budget von 100.000 $ pro Person mindestens 6 Monate lang mit dem Auto durch Alaska zu fahren und Outdoor-Erlebnisse zu genießen. Das erklärt die Kästen mit Erlebnissen wie Felsklettern, 25-Meilen-Wanderungen oder Übernachtungen in Wilderness-Lodges (die 825 $ pro Nacht und pro Person kostet, wovon der Reiseführer aber nichts schreibt). Fünftes Problem: Es werden zwar immer wieder Touren empfohlen (Kajaktouren, Gletscherwanderungen, Rundflüge, Schiffsfahrten), aber es gibt keinerlei Hinweise, wie und wo man bucht und was der Spass kostet (i.d.R. mehrere hundert $$$ pro Person für halbtägige Touren, aber das musste ich mir mühsam aus dem Internet ziehen). Sechstes Problem: Für diejenigen, die eine Kreuzfahrt machen, ist der Reiseführer fast überhaupt nicht zu gebrauchen. Im Gegenteil, immer wieder schimmert durch den Text, wie sehr die Autoren Kreuzfahrttouristen verachten - eine Art Leserbeschimpfung, die man wirklich nicht braucht, denn eine kombinierte Sea-Land-Tour ist nun einmal eine gute Art, Alaska zu erleben, wenn man nur drei Wochen Zeit hat.


LG 32LN5406 80 cm (32 Zoll) LED-Backlight-Fernseher, EEK A (Full HD, 100Hz MCI, DVB-T/C/S, HDMI, USB 2.0) schwarz
LG 32LN5406 80 cm (32 Zoll) LED-Backlight-Fernseher, EEK A (Full HD, 100Hz MCI, DVB-T/C/S, HDMI, USB 2.0) schwarz
Preis: EUR 269,00

1.0 von 5 Sternen Findet nur wenige Sender, 18. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Wir betreiben das Gerät als Empfänger des Astra-Satelliten. Leider findet der automatische Sendersuchlauf jedes Mal nur 50 bis 70 Sender, wobei stets wichtige Sender fehlen. Das Eigenartige ist, dass jeder Suchlauf eine unterschiedliche, aber stets unvollständige Senderliste ergibt. Mal ist das Erste dabei, nicht aber RTL, mal RTL, aber nicht das Erste, mal ein Haufen Erotiksender, aber kaum etwas Vernünftiges etc. Offensichtlich empfängt der Satellit alles (was auch von anderen Geräten in unserem Haus empfangen wird), aber der im TV-Gerät eingebaute Receiver erstellt nur eine Auswahl, die jedes Mal - auch wenn wir Suchläufe direkt hintereinander durchführen - anders ausfällt. Ich kann keine technische Logik dahinter erkennen.
Gibt man dann die Senderdaten manuell ein, gibt das Gerät zur Antwort "Transponder bereits gefunden", aber der entsprechende Sender taucht nicht in der Liste auf und ist nicht wählbar.
Die Hilfefunktion gibt keine Hilfestellung. Nach mehreren Tagen und mehreren Dutzend Sendersuchläufen mit jeweils ungenügendem Ergebnis sind wir ratlos.


Frapin X.O. Cognac
Frapin X.O. Cognac
Wird angeboten von Spirituosentheke
Preis: EUR 103,94

5.0 von 5 Sternen Der beste Cognac seiner Klasse, 14. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Frapin X.O. Cognac (Lebensmittel & Getränke)
Frapin gehört zu den ältesten (seit 1270) und besten Häusern Cognacs. Und der XO macht diesem Namen alle Ehre. Er ist natürlich weich, dabei aber besonders aromatisch, ohne aufdringlich zu sein, vielmehr ausgewogen, feinsinnig und elegant. Unter den cognactypischen Aromen sticht beim Frapin XO insbesondere eine delikate Note von Orangenschale hervor, die den Frapin aus der Klasse der anderen XOs hervorhebt. Ich kenne viele andere XOs - aber der Frapin ist einfach der Beste seiner (Preis-) Klasse. Und die Flasche - mit 22karätigem Gold verziert - ist auch noch sensationell. Trotzdem schlägt er auch in einer Blindprobe alle anderen.


Werden Sie doch einfach Graf!: Biste was, kriegste was
Werden Sie doch einfach Graf!: Biste was, kriegste was
Preis: EUR 3,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amüsant und entlarvend, 14. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist keine wirkliche Anleitung, wie man Adeliger wird, sondern eher eine amüsant und satirisch geschriebene Sammlung von Anekdoten, was der verarmte Maler Lothar Blickensdorf erlebt hat, nachdem er sich den Künstlernahmen "Lo Graf von Blickensdorf" zugelegt hatte. Es beginnt mit einer höchst unterhaltsamen Geschichte über die Behandlung durch die Verkäuferin in einem Drogeriemarkt, die sich komplett veränderte, als Lo die gräfliche Visitenkarte gezückt hatte. Weitere Erlebnisse folgen, so z.B. das standesgemäße Einkleiden des "Grafen", sein neuer Erfolg in der Damenwelt, der "Graf" in der Gesellschaft und im Berliner Nachtleben, die Reaktionen auf ein Hochzeitsinserat, die Behandlung durch den "echten" Adel usw.
Einen relativ großen Raum nimmt ein Kapitel ein, wo der "Graf" satirische Schreiben abdruckt, dier er an Unternehmen und Politiker geschickt hatte - einschließlich der gelegentlich eingegangenen Antworten.
Der Schreibstil ist flott und immer wieder mit ironischen Bemerkungen, satirischen Übertreibungen und Wortwitz gewürzt.
Dabei kommt der Verfasser stets offen, aufrichtig und sympathisch rüber. Über die Tatsache, dass es sich um einen Künstlernamen handelt, hat er niemals ein Geheimnis gemacht. Entlarvend sind aber die Reaktionen der Umwelt. Obgleich der Adel in Deutschland seit 1919 abgeschafft ist, schlagen einem "Grafen" immer noch Respekt und Bewunderung entgegen - was sich der gute Lo auf sympathische Weise zu Nutze machen verstand, allerdings stets so selbstironisch, dass ihm der richtig große Schwindel nie gelang. Ein Glas Champagner, eine Einladung zu finger food, eine Kiste mit Bonbontüten und (es ist wirklich wahr!) eine Unterhose hat er schon einmal abgestaubt, weil man sich mit seinem Grafen-Namen schmückte. Damit entlarvt der die Leserinnen und Leser der yellow press - und nicht sich selber. Übrigens yellow press: Dass er in die Liste der "25 peinlichsten Adeligen Deutschlands" gewählt wurde, demonstriert mal wieder, dass die Satire noch durch die Realität übertroffen wird.


Ruhrgebiet - Sagen und Legenden aus dem Pott: Eine sagenhafte Reise durch das Ruhrgebiet
Ruhrgebiet - Sagen und Legenden aus dem Pott: Eine sagenhafte Reise durch das Ruhrgebiet
von Christine Giersberg
  Audio CD
Preis: EUR 14,90

3.0 von 5 Sternen Halbgar mit Fehlern, 16. Februar 2014
An sich eine gute Idee, ein Hörbuch mit den Ruhrgebietssagen zu erstellen, die ja insbesondere von Dirk Sondermann dokumentiert worden sind (sein Buch ist bei Amazon bestellbar). Aber irgendwie springt der Funke nicht über, weil sich Lektorin und Sprecher nicht entscheiden konnten, ob sie historisch verbürgte Geschichten nüchtern erzählen oder ob sie ein Storytelling von Sagen und Legenden vornehmen. So ist das Hörbuch eine Mischung aus authentischen historischen Berichten sowie von Sagen von Hexen und Zauberern. Auch letztere werden in einem nüchtern-hölzernen Stil erzählt, der weder Witz noch Spannung enthält.
Bei einigen Geschichten wird an heute noch existierende Orte angeknüpft, aber die Chance, dies zu einer Art "historische Schnitzeljagd" auszubauen, wurde auch nicht genutzt.
Richtig ärgerlich sind die Fehler, die sich der Sprecher leistet. Als Kind des Ruhrgebiets geht einem die Galle hoch, wenn der Sprecher beharrlich von "Bühr" statt "Buer" spricht, und was er sich gedacht hat, "Vöde" wie "Wöde" auszusprechen, mag nur der Wogel wissen, der in seinem Kopf zwitschert. Hat das eigentlich niemand Korrektur gehört?
Aber so kommt es eben, wenn Leute, die das Ruhrgebiet nicht kennen, ein Buch darüber machen... Ob Kulturhauptstadtjahr, Urbane Künste Ruhr oder dieses Hörbuch - anstatt auf Talente aus der Region zu vertrauen, vergibt man Aufträge an Regionsfremde, und dann darf man sich über solche Fehler nicht wundern!


Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess
Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess
von Joachim Bauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Polemik, die übers Ziel hinaus schießt, 28. Dezember 2013
Um es vorweg zu sagen: Bauers These, dass es Mechanismen gibt, die häufig benutzte Gene auch häufiger mutieren lassen, um unter ökologischem Stress mehr Vielfalt durch höhere Mutationsraten zu erzeugen, kenne ich aus anderen Quellen und halte ich für plausibel.
Jetzt kommen aber mehrere "abers". Erstes "aber": Anstatt den aktuellen Stand der Molekulargenetik und Evolutionsbiologie einfach darzustellen und sich vielleicht über die erzielten Fortschritte zu freuen, kann Bauer der Versuchung nicht widerstehen, eine aggressive Polemik gegen Darwin und Dawson zu verfassen, die nicht nur stillos ist (wer hat eigentlich Bauers Eitelkeit derart verletzt?), sondern die auch über das Ziel weit hinaus schießt. Die neuesten Erkenntnisse der Molekulargenetik widerlegen nicht Darwins Evolutionslehre, sondern sie ergänzen sie - ein ganz normaler Vorgang des wissenschaftlichen Fortschritts. Dass es die neueren Erkenntnisse zunächst einmal schwer hatten, in der Scientific Community akzeptiert zu werden, ist ebenfalls ein normaler Vorgang, den man bei Thomas Kuhn nachlesen kann. Für Innovatoren gilt "entweder verrückt oder genial" - aber am Ende gab es dann doch noch den Nobelpreis. Bei Einstein hat es auch gedauert.
Jetzt kommt das zweite "aber": Eigentlich ist Bauers These ja eiskalter Kaffee. Wir wissen doch seit langem, dass es Mechanismen gibt, die die genetische Rekombination gezielt fördern, angefangen bei der sexuellen Vermehrung bis hin zum crossover der DNS-Stränge. Seltsamerweise schreibt Bauer darüber kein Wort. Dass es darüber hinaus ein, zwei weitere Rekombinationsmechanismen gibt, die auch gezielt eingeschaltet werden können, wenn es Stress gibt, ist eine Ergänzung, aber sicherlich keine wissenschaftliche Revolution.
Das dritte "aber": Bauer polemisiert zwar heftig gegen die "Darwinisten", bleibt aber mit seiner eigenen Theorie extrem schwach. Eigentlich zieht sich nichts als ein Indizienbeweis durch das ganze Buch. Weil es jeweils einige Millionen Jahre nach dem Auftreten globaler Klimakatastrophen eine Steigerung der Artenvielfalt gegeben habe, müsse Umweltstress genetische Modifikationen auslösen. Allerdings sagt die Logik, dass dieser Indizienbeweis eher den klassischen Darwinismus bekräftigt, dass es zufällige Punktmutationen sind, die zur Artenvielfalt führen, weil (1.) die Häufigkeit der Punktmutationen gering ist, (2.) nur die wenigsten der Punktmutationen einen Selektionsvorteil darstellen und (3.) der durch zufällige Punktmutationen erzielte Fortschritt so inkremental ist, dass es Millionen von Jahren braucht, bis es Fortschritte gibt, und (4.) die ökologischen Katastrophen so viele vakante Lebensräume geschaffen haben, dass es die neuen Arten leicht hatten, sich zu entwickeln. Bauers eigene These müsste ganz anders begründet werden: Es ist nämlich der einzelne Organismus, der unter Stress genetische Modifikationen in den Keimzellen erzeugt. Dazu bedarf es jedoch keiner globalen Katastrophen. Diese Mikromechanismen der Erhöhung der Rekombinationsrate erklärt Bauer aber nicht wirklich. Symptomatisch ist, dass das Buch zwar einen gewaltigen Wortschwall enthält, aber nur ein einziges Schaubild, keine Diagramme, keine Statistiken und kaum Zahlen - ein sehr dünnes empirisches Fundament für eine starke Polemik!
Das vierte "aber": Bauer wirft Dawkins "Unwissenschaftlichkeit" vor. Selber begeht er aber den größten Fehler, den ein Naturwissenschaftler machen kann: Er vermenschlicht chemische Prozesse und wertet sie damit, wenn ein Gen "kooperativ" ist oder die DNS "unter dem Kommando" der Zelle steht oder "die Natur" eine geniale Lösung findet. Herr Bauer, bitte lesen sie mal in der Naturphilosophie nach, dass "die Natur" keine Wesenheit ist, die intentional handelt!
Das fünfte "aber": Bauer wirft Dawkins vor, sich als Zoologe in andere wissenschaftliche Disziplinen einzumischen, wildert aber selber völlig unbefangen in der Psychologie und Soziologie, wenn er dilettantisch über "Aggression" schreibt. Besser hätte er das Kapitel weggelassen - einschließlich der Polemik gegen (den sicherlich längst überholten) Konrad Lorenz, die sich auf das Hauptargument stützt, dass Lorenz in der Nazizeit auf eine Professur berufen worden war.
Und noch ein "aber": Das Buch ist katastrophal schlecht geschrieben. Es ist zwar richtig, dass Wiederholung den Lerneffekt steigert, aber die gleichen Formulierungen bis zu zwanzigmal (!) zu wiederholen, ist hundsmiserabler Stil, schlampiges Lektorat und ermüdet den Leser. Würde man allerdings die Redundanz eliminieren, würden wohl keine zehn Seiten übrig bleiben, so wenig Fakten birgt das Buch.


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