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Botte05

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Der algerische Hirte: Kriminalroman
Der algerische Hirte: Kriminalroman
Preis: EUR 2,99

4.0 von 5 Sternen Vergeltung verjährt nicht, 13. September 2014
Kommissar François Ranfort erwacht in einer Zelle, in welche er in der vorherigen Nacht volltrunken gesperrt wurde. Sein Vorgesetzter würde gerne etwas von ihm über ebendiese Nacht erfahren, aber Ranfort ist bar jeglicher Erinnerung. Er war bei seinem alten Freund Auguste und sie haben einen „über den Durst getrunken“, mehr weiß er nicht, Filmriss. Völlig unvorbereitet trifft ihn die dann überbrachte Nachricht in voller Härte: sein Freund ist tot, ermordet und er, Ranfort, ist der einzige Verdächtige.

Der Kommissar begibt sich unautorisiert auf Spurensuche und stellt sehr schnell fest, dass er – neben der örtlichen Polizei – Verfolger an den Fersen kleben hat, die auf der Suche nach irgendwas zu sein scheinen. Und es ist offensichtlich nicht die Wahrheit in Sachen Schuldfrage bezüglich des Ermordeten. Er überschreitet seine Kompetenzen und den ihm seitens der Polizei zugestandenen Aktionsradius und folgt den Spuren aus Augustes Vergangenheit über Korsika und Algerien bis hin nach Marokko. Dabei wird er selbst zum Gejagten, seine Geliebte wird ermordet und Zeugen sowie Wegbegleiter werden gefoltert und teilweise ebenfalls hingerichtet. Und auch Ranfort bleibt nicht verschont von Gewalt, Folter und Lebensbedrohung. Letztlich muss er sich eingestehen, dass sein langjähriger Freund für ihn ein Fremder war, der im Rückblick nie sein Freund hätte sein sollen.

Dieser Krimi erzählt parallel die Lebensgeschichte von Auguste und die Suche nach der Wahrheit sowie des Beweises seiner Unschuld durch Kommissar Ranfort. Ich erfahre viel über den Algerienkrieg, die verschiedenen sich bekämpfenden Protagonisten dieser Zeit und inwieweit die Allianzen von damals bis heute nachwirken. Einen Krieg, den man lieber verschweigt.

„Der algerische Hirte“ ist ein solider Krimi, welcher jedoch sehr gewalttätig und grausam daherkommt. Dies ist mutmaßlich der sorgfältigen Recherche über ebendiesen Krieg in Algerien und seine Auswirkungen bis nach Paris geschuldet. Und auch die Ermittlungsarbeit des Kommissars ist eher als außergewöhnlich zu betrachten, zumal er selbst der Gejagte in diesem Verfahren ist.

Dies ist ein Krimi, den man nicht „mal eben so“ nebenher lesen kann, es bedarf schon einer gewissen Aufmerksamkeit, um in den kriegspolitischen Wirren der damaligen Zeit, den vielen Beteiligten sowie den Örtlichkeiten der Gegenwart nicht den Faden zu verlieren. Ich habe mich jedoch gut unterhalten gefühlt, war allerdings an der einen oder anderen Stelle ein wenig sprachlos ob der geschilderten gnadenlosen Brutalität.

Rezension: Wolfgang Haupt, Der algerische Hirte, Krimi, Midnight by Ullstein Verlag, eBook / ePub, 220 Seiten, 2,99 €, Erscheinungsdatum: 11.07.2014


Vergessen
Vergessen
von Elke Pistor
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vergessen - Fluch oder Segen?, 9. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Vergessen (Taschenbuch)
„Kommissarin Verena Irlenbusch steht unter Druck: Mitten in einer komplizierten Mordserie verschlimmert sich die Alzheimererkrankung ihrer geliebten Großmutter. Ein neuer Kollege, der ewig schlechtgelaunte Christoph Todt, hilft wenig weiter. Doch Verena bleibt professionelle Ermittlerin und liebevolle Enkelin – auch wenn es sie fast zerreißt. Verena und Christoph kommen schließlich einem hochintelligenten Psychopathen auf die Spur, doch jetzt verfängt sich Verena in seinem Netz aus lang vergessener Schuld und neuem Hass. Wird sie diesen Fall heil überstehen?“ – Zitat Buchrücken

Es wird schnell klar, dass es sich bei den Verstorbenen um Opfer eines Serienmörders handeln muss. Als wenn dies nicht schon genug Arbeit wäre, müssen sich Verena und Christoph letztlich auch noch um einen Kindes-Entführungsfall kümmern, da es Schnittpunkte zur aktuellen Mordserie zu geben scheint. Darüber hinaus sind beide Ermittler privat belastet, was sich nicht unbedingt positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt. Aber schließlich gelingt es, emotionale und gedankliche Schranken zu heben, so dass im gelungenen Finale doch eine Hoffnung auf bessere Zeiten aufkeimen kann.

In diesem Kriminalroman lerne ich ein neues Ermittlerduo kennen, dessen beide Protagonisten sich zunächst gar nicht „grün sind“. Aber so wie sie zusammenfinden, so werden auch mir die beiden Kommissare im Zuge ihrer Ermittlungsarbeit sympathisch.

Für mich handelt es sich bei „Vergessen“ um einen soliden Krimi. Ich habe mich während des Lesens die ganze Zeit gut unterhalten gefühlt. Es gibt augenscheinliche Selbstmorde, die keine sind, eine Anzahl von Ungereimtheiten, nicht ganz aufrichtige Zeugen, zwischenmenschliches Gemetzel und Kommissare, die – wie jeder ganz normale Mensch auch – jeweils ihr Päckchen zu tragen haben.

Atemlose Spannung habe ich nicht verspürt und leider habe ich den Täter schon vor dem Ermittlungsduo enttarnen können. Trotzdem nahm der Fall am Ende auch für mich noch eine überraschende Wende.

Leider hat es in meiner Wahrnehmung nicht ganz zu einem Vier-Sterne-Krimi gereicht; da müsste die Autorin noch „eine Schippe drauflegen“.

Rezension: Elke Pistor, Vergessen, Kriminalroman, Ullstein Verlag, Taschenbuch, 304 Seiten, 9,99 €, Erscheinungsdatum: 08.08.2014


Angstlos : Die Frau, die Nein zur Angst sagte
Angstlos : Die Frau, die Nein zur Angst sagte
Preis: EUR 0,99

2.0 von 5 Sternen Band 1 und 2: Die Quelle zur eigenen Stärke, 25. August 2014
Trinity Silverman arbeitet bei MetaForex im Bereich Finanzanlagen. Diese Firma bietet eine Software zur Portfolio-Verwaltung an. Wieder in einem Hotel auf einer ihrer Vortragsreisen, wieder im Kampf gegen die allgegenwärtige Angst sucht sie abends Ablenkung an der Bar mit einem vom Barkeeper empfohlenen Getränk. In dieser unglücklichen Lage wagt ein eher unattraktiver Gast des Hotels eine Annäherung. Erst als er Trinity über seine Erfindung, eine Pille welche alle Ängste vertreibt, aufklärt, beginnt sie, Interesse an der Unterhaltung zu finden. Das wäre genau das Richtige für sie!

In Band 1 und 2 dieser Serie lerne ich Trinty und ihre Lebensumstände, ihre Arbeit, ihr außergewöhnliches Haustier und ihre Ängste kennen. Ich kann miterleben, wie sie sich unter dem Einfluss dieser mutmaßlichen Droge verändert und sie auch in der Folge ihr Leben in die Hand zu nehmen sucht. Beide Bände spielen an ein und demselben Schauplatz. Aber es kommen Ungereimtheiten auf. In kleinen, unwichtigen Dingen, aber leider auch in elementaren Belangen. Zum Glück findet sie im Hotel eine Freundin, die ihr zur Seite steht. Und gerade, als es so scheint, als könnten sich scheinbare Phantastereien in tatsächlich Erlebtes verwandeln, wirft ein unerwarteter Anruf die fast wiederhergestellte Ordnung durcheinander.

Das vermeintliche Grundthema, eine Droge, welche nützliche Fähigkeiten in einem Menschen hervorzuheben vermag, ist mir erst durch einen kürzlich gesehenen Film bekannt. Zufällig spielte dieser auch im Finanzwesen. Trotzdem fühlte ich mich in Band 1 gut unterhalten und war gespannt, wie die Handlung sich fortentwickeln wird. In Band 2 hat der Autor mich leider verloren". Es wurde mir zu durcheinander, immer wieder ist alles ganz anders und zum Teil recht wirr. Speedy, welche ich als Zwischenspiel interessant fand, nimmt einen relativ großen Raum ein, der mir fast als Lückenfüller erscheint. Immerhin soll dies kein Fachbuch über eine Tierart sein, sondern ein Thriller. Spannung, wie ich sie von einem Thriller erwarten würde, habe ich leider nicht verspürt und so habe ich Band 2 einfach nur noch fertiggelesen.

Der Fairness halber muss ich natürlich sagen, dass sich im Finale von Band 2 durchaus Sachverhalte ergeben, die eine gewisse Neugier auf die Fortsetzung anfachen könnten, wäre mir Band 2 nicht schon auf den Geist gegangen".

Wer einen atemlos spannenden Thriller erwartet, wird hier enttäuscht. Wem aber Trinity und Speedy und ihr ganzes Drumherum ans Herz wachsen, der kann mit dieser Serie gewiss eine gute Unterhaltung finden.

Rezension: Jean-Philippe Touzeau, Angstlos, Band 1 und 2, Thriller, 88Seeds Verlag, E-Book / E-Pub, 264 Seiten, 0,99 , Erscheinungsdatum: 01.07.2014


Der Apfelsammler: Roman
Der Apfelsammler: Roman
von Anja Jonuleit
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahre Liebe, 19. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Apfelsammler: Roman (Broschiert)
In diesem stimmungsvollen Buch lerne ich Elisabeth und Hannah kennen. Das Leben von Elisabeth ist geprägt von ihrer schweren Kindheit unter dem strengen Regiment des versoffenen, brutalen Vaters auf dem heruntergewirtschafteten Einödhof. Von Kindesbeinen an ist Eli äußerst diszipliniert und als sie die Möglichkeit bekommt, eine Schulbildung zu erlangen, meistert sie fortan ihre Doppelbelastung als Musterschülerin einerseits und Magd andererseits auf dem Hof mit der schweren körperlichen Arbeit. Doch dann tritt die Liebe in ihr Leben, Fluch und Segen zugleich, welche ihren weiteren Werdegang – sowohl beruflich wie auch privat – bis zu ihrem Tode prägen wird.

Hannah ist eine selbstbewusste junge Frau, die nach der Trennung von ihrem langjährigen Geliebten nach Umbrien reist, um den Nachlass ihrer Tante Eli zu regeln und diese Auszeit zu nutzen, um ihr Leben neu auszurichten. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs Hannah bei ihrer Tante Elisabeth auf. Ungeachtet ihrer Liebe zu ihrer Tante hat Hannah es nicht geschafft, diese in Umbrien zu besuchen und ist insofern verwundert, in welche Einöde es diese „Frau von Welt“ gezogen hat. Zwangsläufig werden Elisabeth’s Hinterlassenschaften zu einer Zeitreise und Spurensuche, welche Hannah einer völlig anderen Eli näher bringt.

Die Geschichten der beiden Frauen werden parallel erzählt. Dabei wählt die Anja Jonuleit für Elisabeth die Form eines Briefes an einen unbekannten Empfänger und für Hannah die Variante einer Erzählung. Zur Unterscheidung der beiden Handlungsstränge sind zwei unterschiedliche Schrifttypen gewählt worden. Darüber hinaus wird der Wechsel der Schauplätze wird durch den jeweiligen Namenszug eingeleitet.

Der Autorin gelingt es sehr schnell, mich als Leser für Elisabeth einzunehmen und mich für ihre Biographie zu interessieren. Und auch die Stimmung und das Flair von Umbrien mit dem kleinen Häuschen in der Wahrnehmung von Hannah werden hervorragend transportiert, so dass ich mich beim Lesen ein wenig dorthin träumen kann. Fast vermag ich den Duft der Obstbäume wahrzunehmen und schnell kann ich Eli’s Liebe zu diesem verwunschenen Ort nachempfinden, ohne die ganze Tragweite von Eli’s Verbundenheit erahnen zu können.

Dieses Buch passt m. E. wunderschön in den Sommer, zum Nachspüren und Wegträumen. Ein Buch über das Leben und die wahre Liebe, deren Preis ein ganz hoher und überaus selbstloser sein kann. Und das Ganze in Hannah‘s Gegenwart in süditalienischem Flair, gewürzt durch verschrobene Typen, die einem „Touristen“ nicht nur wohlgesonnen zu sein scheinen.

Rezension: Anja Jonuleit, Der Apfelsammler, Kategorie: Frauen, dtv-Verlag, Taschenbuch, 368 Seiten, 14,90 €, Erscheinungsdatum: 01.07.2014


Lifelogging: Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert
Lifelogging: Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert
von Stefan Selke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Orwell "1984" - The Update..., 3. August 2014
„Menschen optimieren ihre Körper mit Hilfe von Apps, teilen ihre persönlichen Daten in der Cloud und laufen mit Google Glass durch die Straßen, um ihr Leben als Videoclip mitzuschneiden und für immer abzuspeichern. Sieht so unsere Zukunft aus?

In seinem klugen Buch lotet Stefan Selke die Folgen einer Zeitenwende aus. Die als Innovationen gefeierten digitalen Lifestyle-Produkte werden nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch die elementarsten Aspekte des Menschseins verändern. Wie können wir das Digitale mit dem Menschlichen versöhnen?“ – Zitat Buchrücken.

„Am Anfang war die Uhr und am Ende steht die Black Box“ – so könnte man die historische Entwicklung der des Lifeloggings von seinen rudimentären Anfängen bis hin zur Zukunftsvision kurz zusammenfassen. Um zu verstehen, was Lifelogging ist, muss man jedoch tiefer einsteigen. Der Soziologe Prof. Dr. phil. Stefan Selke beleuchtet dieses Thema unter Berücksichtigung aller Aspekte und zeigt dem geneigten Leser die Licht- und Schattenseiten einer allumfassenden Selbstvermessung auf. Anhand von Nachlesen, Zuhören, Ausprobieren, Mitmachen, Erfahren und sich austauschen weiß er, was dieses Lifelogging nun wirklich so ist und was es ausmacht.

Die Erfindung der Uhr hat seinerzeit unser aller Leben verändert. Plötzlich wurde das Leben unserer Ahnen nicht mehr vom natürlichen Zyklus der Tageszeiten, sondern von festen Uhrzeiten bestimmt. In der Industrialisierung nahm die Zeitmessung weiteren Raum ein und wurde zu einem Kontroll- und Druckinstrument. Heute sind Uhren und die Einhaltung von festen Terminen nicht mehr wegzudenken. Und dieses Prinzip verfolgt Lifelogging. Es soll in der Vision der Erfinder entsprechender Hilfsmittel zum festen, allgegenwärtigen Bestandteil des menschlichen Lebens werden.

Die Idee der „Propheten“ mündet darin, eine Black Box für den Menschen anzubieten. Das ganze Leben, alle Erlebnisse, alle Kontakte – komplett in einer Cloud zentral abgespeichert. So könnte im Falle einer normalen Vergesslichkeit, Amnesie, Demenz oder des eigenen Todes Einblick in die Vergangenheit genommen werden. Man könnte einen Avatar – eine Kopie seiner selbst – erschaffen. Man könnte seinen eigenen Lebensfilm zurück spulen, um aus vergangenen, ungut verlaufenen Situation zu lernen und es zukünftig besser zu machen. Was so idealistisch klingt, birgt aber auch seine Gefahren.
Unser Hirn speichert alle Erlebnisse und Ereignisse unseres Daseins ab. Es überlagert, verschiebt, komprimiert und bietet auch die „Gnade des Vergessens“. Eine Black Box basiert auf knallharten Fakten, lässt keinen Raum für Interpretation oder Beschönigung.

Um aber einen vollständigen Datensatz über mein Leben für meine Black Box zu produzieren, bin ich den ganzen Tag eigentlich mit nichts anderem mehr beschäftigt. Weil vollautomatisch geht das heute alles noch nicht. Ich filme, fotografiere, vermesse, kommentiere und versuche, Emotionen hinzuzufügen. Dann muss ich die Daten, die nicht automatisch aktualisiert oder generiert werden, noch posten, hochladen, transferieren und gegebenenfalls anhand von Eingabemasken vereinheitlichen. Und wenn ich das alles schon gemacht habe, muss ich mal eben kurz gucken, wie ich mich im Vergleich zu anderen in meiner Sportart, bei meinen gesundheitlichen Parametern und dergleichen heute „geschlagen habe“. Habe ich meine Ziele nicht erreicht, steigt der Druck; ich muss mich mehr anstrengen, mehr investieren, mehr disziplinieren. Und während ich mein Leben so beobachte, vergesse ich im ungünstigsten Fall, selbst zu leben.

Und was ist da eigentlich mit dem Datenschutz? Wir alle rufen laut danach. Aber die Vision von George Orwell in „1984“, wo der Mensch fremd überwacht wird, wurde längst von einer „freiwilligen“ Selbstüberwachung und Preisgabe dieser Überwachung an eine Öffentlichkeit überholt. Will ich wirklich, dass jeder alles von mir wissen kann, wenn er möchte?

Oder was ist mit dem benötigten Speichervolumen für die gesamte Lifelogging-Community? Komprimierungsraten ändern sich, Speichermedien werden „neu erfunden“ – wer soll diesen ganzen Datenwust verwalten, überwachen und dafür sorgen dass auch nichts verloren geht?

Was ganz harmlos mit der Anschaffung einer Pulsuhr und dem Vorsatz, mehr Sport zu treiben, beginnt, kann unter Umständen ein ungeahntes Ausmaß an Datenproduktion auslösen. Denn der Anbieter der Pulsuhr bietet mutmaßlich schon eine App an, damit ich meine Körperdaten optimal vergleichen, auswerten und verwalten kann.
Leider verkümmert der Mensch unter Umständen hierbei zu einem Werkzeug, einem Aufgaben-Erfüller. Erreiche ich Ziele, werde ich belohnt; scheitere ich, werde ich ermahnt. Der Druck, Leistungen zu erbringen, steigt; der eventuelle Konkurrenzdruck trägt sein Eigenes mit dazu bei. Der Mensch wird zum Werkzeug, ferngesteuert durch die Technik. Und stellt der User noch Abweichungen fest, kann dies sogar richtig krank machen.

„Lifelogging“ – bislang hatte ich gar keine Vorstellung davon, was dies genau sein soll und kann und welche Ausmaße die „digitale Selbstvermessung“ in unserer Gesellschaft aktuell bereits angenommen hat. Dieses Buch hat mir die Augen für eine Seite der Gegenwart geöffnet, welche mich nur am äußersten Rande betrifft und an der ich persönlich gar nicht tiefer teilhaben möchte. Und Hand aufs Herz: wer will denn wirklich alles in seinem Leben nochmal en Detail sehen / erleben?! Da begebe ich mich für diese Zeit doch lieber z. B. in die Natur und er-lebe etwas Neues, an das ich mich gerne zurückerinnern kann!

Dies ist ein Buch für diejenigen, die sich grundsätzlich mit diesem Phänomen beschäftigen möchten und für Betroffene eine Art Beipackzettel zu „Risiken und Nebenwirkungen“.

Rezension: Stefan Selke, Lifelogging, Econ, gebundene Ausgabe, Sachbuch, 368 Seiten, 19,99 €, Erscheinungsdatum: 09.05.2014


Pentecost. Ein ARKANE Thriller
Pentecost. Ein ARKANE Thriller
Preis: EUR 2,99

4.0 von 5 Sternen Das Geheimnis von Pfingsten, 20. Juli 2014
Die Legende besagt, dass die zwölf Apostel seinerzeit 12 Steine aus Jesus‘ Grabhöhle gemeißelt und diese als heilige Amulette getragen und gehütet haben. Beim ersten Pfingstfest der Menschheitsgeschichte im Jahre 33 n. Chr. sollen sie eine besondere Kraft erhalten haben, als der Komet Resurgam das letzte Mal um die Erde kreiste.
Beim bevorstehenden Pfingstfest wird dieser Komet erneut um die Erde kreisen und wären die 12 Apostelsteine wieder vereint, könnten sie ihre mystischen Kräfte erneut entfalten.

Dr. Morgan Sierra hat sich in Oxford in ihrer Funktion als Professorin eingelebt und ihr Leben in Israel hinter sich gelassen sowie den Tod ihres Geliebten Mannes Elian einigermaßen überwunden. Nun freut sie sich über ihre neue Familie in Form ihrer Zwillingsschwester Faye, deren Mann David und deren gemeinsamen Tochter Gemma. Die Schwestern wurden auseinandergerissen, als die Eltern sich seinerzeit trennten und jeder eine Tochter bei sich behalten hat. Insofern gibt es viel nachzuholen und neu zu erleben.

Nur steht ihre Welt plötzlich Kopf. Unerwartet und unangekündigt fliegen Morgan Kugeln um die Ohren und Menschen sterben. Dank ihrer Vergangenheit in der Israelischen Armee und eines gut gehüteten Geheimfachs in ihrem Büro gelingt ihr die Flucht. Doch kaum begonnen, endet diese in einem abgedunkelten Fahrzeug.

Sie befindet sich in der Obhut des ARKANE-Instituts. Einer Geheimorganisation, welche historische und mystische Schätze vor Zerstörung und Missbrauch bewahrt. Agent Jake Timber informiert Morgan über die Legende und was sie mit ihr zu schaffen hat. Ohne es zu wissen, sind Morgan und ihre Schwester Hüterinnen jeweils eines Apostelsteins. Aufgrund ihres persönlichen Hintergrundes sowie ihres Fachwissens ist Morgen zudem die ideale Kandidatin, die noch fehlenden der zwölf mystischen Steine zu finden und zu vereinen.

Denn nicht nur die „Guten“ wollen die Magie der bevorstehenden Erd-Kometen-Konstellation für sich nutzen. Die Gruppe Thanatos, deren Wurzeln auf Hitler-Deutschland zurückreichen, macht vor nichts Halt, um in den Besitz der Steine zu gelangen. Und der finanzstarke Unternehmer Joseph Everett hat zudem soeben Morgans Schwester und Nichte entführt, um Morgan zur Suche nach den Steinen in seinem Sinne zu motivieren.

So begeben Jake und Morgan sich auf die abenteuerliche Suche rund um die Welt. Und dabei sitzen ihnen nicht nur die Häscher von Thanatos, sondern auch die unaufhaltsam verrinnende Zeit im Nacken. Und nicht zu vergessen, der drohende Tod der Schwester, sollte Morgan versagen.

In meinem Leseeindruck habe ich den Vergleich zu den Indiana-Jones-Geschichten gezogen. Dieser Vergleich drängt sich etwas auf, wird dem Buch jedoch nicht gerecht. „Pentecost“ weist sehr viel mehr Ernsthaftigkeit auf. Joanna Penn wählt ein überliefertes biblisches Ereignis und konstruiert auf dieser Basis eine fesselnde Geschichte zwischen Glaube und Okkultismus, Mystik und Wissenschaft. Die Handlung besucht viele Stätten christlichen Glaubens und zeigt auch deren Hintergründe auf. Zudem ist Pentecost ein Thriller und kein Abenteuer.

Die realen Hintergründe erscheinen mir gut recherchiert und eingebunden und auch an eine Nebenhandlung aus berechtigtem und enttäuschtem Vertrauen und evtl. einem Fünkchen Liebe wurde gedacht.

Penn gelingt es von Anfang an eine Spannung zu erzeugen, die wellenförmig immer wieder etwas abflacht, den Leser jedoch schnell wieder packt und „bei der Stange“ hält. Eigentlich mag man gar nicht mit dem Lesen aufhören und will wissen, wie es denn jetzt weiter geht. Und wie es sich für einen ersten Band einer Serie gehört, bleibt nach dem bildgewaltigen Finale Raum für Fragen, die unbedingt in einem Teil 2 oder sogar 3 geklärt werden müssten.
Für mich ist dieses Buch ein gelungener Thriller, in dem der Autorin der Spagat zwischen historischen Tatsachen und phantasievoller Fiktion sehr gut gelingt.

Rezension: Joanna F. Penn, Pentecost, Selbstverlag, E-Book, Thriller, 296 Seiten, 2,99 €, Erscheinungsdatum: 23.05.2014


Cherringham - Mord an der Themse: Landluft kann tödlich sein (Cherringham DEU)
Cherringham - Mord an der Themse: Landluft kann tödlich sein (Cherringham DEU)
Preis: EUR 1,99

3.0 von 5 Sternen Leichter, typischer britischer Kriminalroman, 12. Juli 2014
Das kleine Örtchen Cherringham liegt irgendwo im Nirgendwo und das Leben dort ist schlicht und ergreifend sehr beschaulich. Ein wenig gestört wird diese vermeintliche Idylle durch den Tod von Sammi Charlton. Aber ihr im Dorf allseits bekannter Lebenswandel ließ einen frühen Tod vorausahnen; schade, dass sie in London ihr Leben nicht doch noch besser in den Griff bekommen hat. Und so ist der unerfahrene Polizist vor Ort auch schnell dabei, die Akte zu schließen.

Aber da ist ja noch Sarah, ehemals beste Freundin von Sammi. Sie mag nicht an einen Selbstmord glauben. So begibt Sarah sich auf Spurensuche. Dabei trifft sie auf Jack, einen verschrobenen Amerikaner, ehemals erfolgreicher Mordermittler, der hier nur Fliegenfischen möchte. Unverhofft bilden die beiden ein Team und klären die Umstände von Sammi’s Tod.

Bei der 12teiligen Reihe Cherringham handelt es sich um einen klassischen englischen Kriminalroman. In Teil 1 lerne ich die Hauptdarsteller Sarah und Jack kennen. Auch erhalte ich einen Eindruck von dieser kleinen beschaulichen Ortschaft. Es werden typische Klischees bedient, so wie man sie in einer solchen Gegend erwarten würde: Ablehnung gegenüber einem Fremden, ungünstiger Weise auch noch Amerikaner, Zurückhaltung gegenüber einer frisch getrennten alleinerziehenden Mutter zweier Kinder und eine feste Meinung über Personen mit „lockerem“ Lebenswandel. Und wie es ich für eine kleine verschrobene Gemeinde gehört, gibt es eben auch die unbedingt notwendigen „Typen“.

Das erste Zusammentreffen lässt kaum erwarten, dass Sarah und Jack sich schnell zu einem Team mausern. Auch die allseits doch durchblickende Ablehnung kann diese Zwei nicht aufhalten, so dass sie letztlich die Umstände des Todes von Sammi lückenlos ans Tageslicht befördern.

Ich habe „Mord an der Themse“ in einem Rutsch gelesen. Dies begünstigt durch die relative Kürze, aber auch durch die klare, einfache Sprache, welche den Handlungsstrang sehr leicht verfolgen lässt. Wirkliche Spannung kam für mich nicht auf und mir persönlich fehlte ein Mindestmaß an Tiefgang. Grundsätzlich handelt es sich um einen soliden britischen Krimi, allerdings ohne besondere Höhe und Tiefen. Die sympathischen Protagonisten habe ich gerne kennengelernt und begleitet, so dass es trotzdem ein Lesevergnügen war.

Ich denke, diese Serie ist geeignet für Leser, die kurzweilige Unterhaltung suchen, ohne sich in komplizierte Szenarien hineinversetzen zu müssen. Dieses E-Book kann man m. E. ideal in kurzen Etappen lesen, ohne „den Faden zu verlieren“.

Das Cover ist für mich das gelungene Idealbild eines britischen Kriminalromans.

Rezension: Matthew Costello & Neil Richards, Cherringham - Landluft kann tödlich sein – Teil 1 – Mord an der Themse, Kriminalroman, Bastei Entertainment, 130 Seiten, E-Book, Erscheinungsdatum: 13.03.2014


Moin: Ein Fastostsee-Küstenroman
Moin: Ein Fastostsee-Küstenroman
von Richard Fasten
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krimi mal anders, 8. Mai 2014
Boris Kröger, ein Nachfahre gestandener Seebären, ist nichtschwimmender und seekranker Dorfpolizist, sein Freund Tarek ist Fischer und seine Herkunft sprachlich nur am stets angefügten „weissu“ erkennbar, wohingegen Oma Kröger mit der Grammatik nicht unbedingt auf einer Seite stehen tut. Damit sind die Hauptprotagonisten dieses „anderen“ Kriminalromas schon erwähnt. Vielleicht fehlt noch die fleischgewordene Männerphantasie Dora Pan, welche als Kriminalschriftstellerin ausgerechnet in Altwarp für ihr nächstes Buch recherchieren möchte.

Und dann geht es auch schon so richtig zur Sache: eine rattenverseuchte Segelyacht wird aufgebracht, der letzte Schiffsmieter ist abgängig. Bauer Hansen wird nach seinem traditionellen Nacht-Schwimmen tot am Strand aufgefunden und als dann sogar noch eine weitere Leiche auftaucht, sieht der Bürgermeister sein geliebtes bevorstehendes Haff-Fest in großer Gefahr und fordert unorthodoxe Maßnahmen von einem völlig überforderten Kröger. Aber wo man eine Leiche hat verschwinden lassen, passt letztlich noch eine weitere hin… Und als wenn das nicht schon reichen würde, greifen resolute Senioren bei Nacht und Nebel zur Selbstjustiz und der Umgang mit dem anderen Geschlecht sorgt bei Kröger auch nur für heillose Verwirrung.

Als Kröger schließlich der festen Überzeugung ist, kriminellen Machenschaften von internationalem Ausmaß, gedeckt von höchster Instanz auf der Spur zu sein, kommt doch alles noch ganz anderes als gedacht. Und da war sogar ich amüsierter und gut unterhaltener Leser erstaunt, dass ich es hier doch mit einem soliden Krimi mit überraschendem Plot zu tun bekommen habe.

Rezension: Richard Fasten, Moin, Ullstein Verlag, Taschenbuch, Krimi, 320 Seiten, 9,99 €, Erscheinungsdatum: 11.04.2014


BERLIN.classified - Seilverwandtschaften
BERLIN.classified - Seilverwandtschaften
Preis: EUR 2,99

4.0 von 5 Sternen Könnte dies die Wahrheit sein?, 27. April 2014
Ich lerne Kimh kennen, eine junge Nachwuchsdokumentarfilmerin, welche sich leider mit ihrer zweiten, gnadenlos realistischen Dokumentation über den Tod von 2000 Menschen im Rahmen eines italienischen Stauseeprojekts „abgeschossen“ hat, da sie diese – nach dem Tod des Schuldigen am damaligen Desaster – nicht kürzen / schönen wollte. Mit „so einer“ Filmemacherin will niemand aus der Branche mehr etwas zu tun haben.

Aber sie ist schon einer neuen Story auf der Spur; ein Mitarbeiter vom TÜV lässt ihr gegen Bares vermeintliche Beweise zukommen, welche Licht in die Affäre Barschel bringen werden. Wieder ein brisantes „heißes Eisen“, genau das Richtige für Kimh, um ihren Ruf wiederherstellen zu können und ihre prekäre finanzielle Lage aufzuheben.

Schnell wird ihr klar, dass sie sich auf ein äußerst gefährliches Unterfangen eingelassen hat. Und ohne dass sie sich dessen wirklich bewusst ist, kleben Kimh kaltblütige Häscher an den Fersen.

In Band 1 dieser sechsteiligen Serie lerne ich die Protagonisten und die Hintergründe der jeweiligen Storys kennen. Genau als die Handlung sich zu lebensbedrohlicher Spannung aufzuschwingen beginnt, endet auch schon dieser Teil. Meine Neugier ist geweckt, ich frage mich, wie es in den fünf weiteren Folgen weitergehen kann, wie es Fred Breinersdorfer gelingen wird, mich „bei der Stange“ zu halten und die Spannung an- und abschwellen zu lassen.

Auch wenn BERLIN.classified als Fiktion daherkommt, erscheinen mir die Fakten um den bis heute unaufgeklärten Todesfall Barschel solide recherchiert. Inwieweit dieser mögliche Lösungsansatz der Realität entsprechen könnte, vermag ich nicht einzuschätzen. Aber dieser Realitätsbezug erhöht die Spannung aus meiner Sicht, weil diese Geschichte so im Hier und Jetzt tatsächlich passiert sein könnte… Mein Interesse ist geweckt und ich bin gespannt auf die Fortsetzung dieser Serie!

Rezension: Fred Breinersdorfer, BERLIN.classified, Band 1, Seilverwandtschaften, epubli Verlag, E-Book, Thriller, 104 Seiten, 2,99 €, Erscheinungsdatum: 24.03.2014


Ostseesühne: Kriminalroman
Ostseesühne: Kriminalroman
von Eva Almstädt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz so friedliche Ostsee..., 18. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ostseesühne: Kriminalroman (Taschenbuch)
Ein nicht beliebter Lehrer streift des frühen Morgens auf Fotosafari für ein neues Buch durch die Natur. Eine unerwartete Beobachtung wird für ihn zum Verhängnis. Der Dorfpostbote meint, im Feuerlöschteich des Bauernhofes der Familie Fuhrmann eine Leiche entdeckt zu haben, hat aber nicht den Schneid, sich selbst davon zu überzeugen und ruft den nächstwohnenden Nachbarn, einen entfernten Verwandten der Familie Fuhrmann, zur Hilfe.

Und schon ist die Grundlage gelegt für einen soliden Krimi rund um das Ermittlerteam um Pia Korittki. Aber irgendwie scheinen immer mehr Fragen und Opfer aufzutauchen und die Lösung des Falles will sich konsequent verweigern. Selbst als die Bäuerin Elsa Fuhrmann wieder auftaucht, kann dies der Ermittlung nicht auf die Sprünge helfen. Als dann noch ein Mädchen verschwindet, muss das Team im Finale alles geben, um dieses Leben retten zu können.

Dies ist Pia Korittki’s neunter, für mich jedoch der erste Fall. Für das Verständnis des Kriminalromans ist die Kenntnis seiner Buchvorgänger jedoch nicht erforderlich. Ich hatte die Gelegenheit, im Rahmen einer Leserunde des Verlages das Buchmanuskript vorab zu lesen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit den jeweiligen Lese-Abschnitten fand eine sehr kritische Beleuchtung sämtlicher Aspekte und Handlungsstränge statt, was evtl. einer gewissen Spannung, welche sich beim durchgängigen Lesen eines Kriminalromans in der Regel ausbreitet, entgegenstand.

Allerdings erhalte ich auch Hintergrundwissen über die Protagonisten, allen voran der sympathischen Ermittlerin Pia, welche als junge Mutter sowohl privat als auch dienstlich „ihren Mann stehen“ und sich zurechtfinden muss. Die Krimi-Reihe scheint auch darauf zu bauen, das Leben von Pia verfolgen zu können, so dass dies dem Buch noch einen zusätzlichen, ich nenne es mal „biographischen Aspekt“, verleiht.

Insgesamt habe ich Osteseesühne sehr gerne gelesen, habe mich gut unterhalten gefühlt. Da mir aber die Spannung etwas zu kurz kam, ich mich dafür aber durch die Geschichten um die Ermittler entschädigt fühle, vergebe ich vier von fünf Sternen.

Rezension: Eva Almstädt, Ostseesühne, Kriminalroman, Bastei Lübbe Taschenbuch, 367 Seiten, 8,99 €, Erscheinungsdatum: 15.04.2014


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