ARRAY(0xaac82798)
 
Profil für K. Brandner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von K. Brandner
Top-Rezensenten Rang: 6.489
Hilfreiche Bewertungen: 723

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
K. Brandner "ap123"

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
Poseidon's Spear
Poseidon's Spear
von Christian Cameron
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bisschen zuviel des Guten, 15. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Poseidon's Spear (Taschenbuch)
Christian Cameron entwickelt sich zu einer wahren Schreibmaschine - neben seiner Tyrant-Serie über die Diadochenkriege und diese Serie über die Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern widmet er sich nun auch der spätmittelalterlichen Welt, mehrere Kurzromane sind schon als E-Books erschienen. Cameron hat anscheinend den Braten gerochen, er produziert einen geschmeidig geschriebenen Historienschmöker nach dem anderen, sein Bankberater wird ihm dankbar sein. Ich als Leser bin das allerdings weit weniger, denn wenn auch seine ersten Romane stringent und realistisch die Abenteuer glaubhafter Protagonisten wiedergaben, sind die neueren Machwerke deutlich actiongeladener, was der Charakterisierung der Romanfiguren schadet, dafür sind die Bücher jetzt wesentlich kommerzieller, wie auch dieser dritte Band über die Lebenserinnerungen des böotischen Kriegers Arimnestos, der nun nach der Schlacht von Marathon ruhmbeladen nach Hause kommt, nur um von einem weiteren Schicksalsschlag beinahe vernichtet zu werden. Ein missglückter Selbstmordversuch ist der Ausgangspunkt für eine ziemlich unglaubhafte, konfuse Odyssee, die unseren wackeren Helden erst auf eine Sklavengaleere und dann als Pirat und Zinnhändler quer durchs antike Westeuropa schickt, inklusive einiger reichlich zäh geschriebener Bootsfahrten entlang der Atlantikküste. Neue Nebenfiguren tauchen auf, deren Beschreibung längst nicht mehr so griffig sind wie in den Vorgängerbänden. Die ständig wechselnden Schauplätze dieser hektischen Hetzjagd quer durch Britannien und Gallien verwirren auch den geübten Leser, zudem lässt die historische Genauigkeit diesmal ausgesprochen zu wünschen übrig, wo doch diese Präzision ansonsten eine Stärke des Autoren Cameron ist, worauf er sich selbst auch nicht wenig einbildet.
Nervend ist auch der selbstgefällige Plauderton, in dem diese Jugenderinnerungen geschrieben sind sowie die ständigen Altherrenwitze auf Kosten einiger weiblicher Zuhörer, die dem gealterten Recken ihr rosiges Ohr schenken. Nach einigen vielversprechenden Historienromanen ist nun auch Cameron den Versuchungungen dieses Genres erlegen und schreibt leicht verdauliche Durchschnittskost über einen schier übermenschlichen Helden, der entweder enormen Dusel oder soviele Leben wie eine Katze hat, man verspürt allerdings kaum noch Lust, über all diese Leben zu lesen.


Game of Thrones - Die komplette erste Staffel [5 DVDs]
Game of Thrones - Die komplette erste Staffel [5 DVDs]
DVD ~ Sean Bean
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 39,99

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Scharf gewürzte Fernsehkost, 3. Juli 2012
Über den Plot, die Besetzung und über die Ausstattung der Box wurde ja schon genügend gesagt, darum beschränke ich mich hier auf die Qualität der Verfilmung im Hinblick auf die literarische Vorlage, die auf ihre Art genauso ein Kuriosum ist wie die aufwändige TV-Serie von HBO.
George R.R. Martin, der Autor der Buchreihe, hat eigentlich alles falsch gemacht, was man im heiß umkämpften Büchermarkt falsch machen kann - eine umständliche, verschachtelte Dramaturgie mit einer Unmenge an Haupt- und Nebencharakteren, aus deren unterschiedlichsten Blickwinkeln die einzelnen Kapitel erzählt werden. Dazu sind die einzelnen Bände waschechte Wälzer die oft erst nach teilweise jahrelangen Unterbrechungen erscheinen. Rechnet man noch hinzu, dass der Autor selbst so unglamourös wie ein gealterter Fährkapitän aussieht, ist der globale Erfolg dieser Fantasy-Serie ein wahres Wunder...
Der Erfolg der TV-Serie ist hingegen keine Überraschung, höchstens dessen Dimension und die Einheitlichkeit der enthusiastischen Rezeption bei Feuilleton wie Publikum zugleich, was sich auch in den Rezensionen hier widerspiegelt.
HBO hat eigentlich alles richtig gemacht - es hat viel Geld ausgegeben, zugkräftige Stars und auch ein paar interessante neue Gesichter engagiert und die Handlung extrem gestrafft, ein Prozess, dem einige Nebenfiguren und -handlungen der Romanvorlage zum Opfer fielen. Das ist gut für das Medium Film und auch gut für das breite Publikum, das wohl mit den verzweigten, manchmal beinahe konfusen Erzählsträngen der geschriebenen Version überfordert gewesen wäre. Einige Hauptprotagonisten sind zudem geradliniger und zugänglicher dargestellt, auch das kann man nur konsumentenfreundlich nennen. Kurzum, HBO hat die sperrige Vorlage einer medienkonformen Entschlackungskur unterzogen, die aus einer mäandernden Fantasiewelt stringent erzähltes Entertainment für Erwachsene macht.
Entgegen den meistens enthusiastischen Rezensionen hier bin ich allerdings der Meinung, dass genau diese dramaturgische Ökonomisierung auch der Schwachpunkt ist, denn im bestreben, das labyrinthische Gewirr aus Intrigen, Schachzügen und Vorteilssuche zu entwirren, blieb die Komplexität vieler Figuren auf der Strecke, deren Widersprüchlichkeit gerade den eigentlichen Reiz der Romane ausmacht. Die Ambitionen, Motivationen und Charakterzüge vieler Protagonisten wurden teilweise dermaßen vereinfacht, dass deren Charme gänzlich verloren geht, ein gutes Beispiel sind dafür die beiden ältesten Söhne des Stark-Clans, Robb Stark und Jon Snow. Auch wenn beide Schauspieler ihren Job tadellos erledigen, sind die beiden Figuren, deren tragische und brutale Coming-of-age Geschichte eigentlich ein zentraler Bestandteil der Serie ist, in der TV-Version eher unreife, unausgeprägte Charaktere, und wenn auch Sean Bean als Ned Stark mal wieder den veritablen Haudegen gibt, ist auch dieser Hauptprotagonist fast aller Komplexität beraubt. Somit wirken all die ausgeklügelten Komplotte, Ränkespiele und Palastintrigen der ersten Staffel ein wenig wie das Gerangel pubertärer Oberschüler, ohne die Finesse der Vorlage zu erreichen.
Und auch in der Visualisierung der Fantasiewelt Westeros hat eine Simplifizierung stattgefunden, die nicht immer gelungen ist, der mittelalterliche Prunk, die orientalische Üppigkeit sind für das Fernsehen einer primitivierten Erdung gewichen, wo vorher der funkelnde Glanz einer spätmittelalterlichen Welt des Rittertums und der höfischen Kunst spürbar war, ist jetzt eine Art Dark Age Look dominierend, hier überwiegend Erdtöne, Leder und mattes Eisen. Und entgegen der hymnischen Kommentare einiger anderer Rezensenten sieht man einigen aufwändigeren Massenszenen das begrenzte Budget einer Serienfolge doch an, auf die meisten Schlachten- und Kampfszenen wurde weitestgehend verzichtet oder nur eine abgespeckte Version oder ein fokussierter Ausschnitt gezeigt, 50 Millionen Dollar für zehn Folgen ist zwar eine Menge Geld, verglichen mit anderen Kostümspektakeln des Kinos (z.B Königreich der Himmel - 147 Millionen für einen Film) sind die Mittel pro Folge aber doch begrenzt.
Vermutlich um dies auszugleichen, wurde der Serie eine Hormonkur verordnet, hier dampft es förmlich an der Liebesfront und es wird nicht nur allzeit und überall gefochten und gemeuchelt, sondern auch kopuliert, was die Lenden aushalten und man hatte schon nach wenigen Folgen die meisten weiblichen Rollen in kostümfreien Performances bewundern können. Auch hier überlies HBO nichts dem Zufall, die Suppe wurde möglichst heiß serviert.
Insgesamt ist Game of Thrones durchdachte Fernsehunterhaltung für ein erwachsenes Publikum, das auf Kostümspektakel und Historiendramen anspringt, deren Handlung nicht übermäßig kompliziert ist. Das ist clever und nahezu perfekt gemacht, aber leider fehlt die Verschrobenheit der Vorlage und der Hintersinn und die Vielschichtigkeit einer komplexen Fantasiewelt. Das ist gut verdauliche und auch erbauliche Fernsehkost, Epochales oder Geniales sucht man hier allerdings vergebens - wenn man mal von Peter Dinklage als Tyrion Lannister absieht, dieser kleinwüchsige Schauspieler wäre sicherlich ein Leading Man des internationalen Kinos, wenn er 1,80 m vorweisen könnte, so ist er immerhin die perfekte Besetzung für einen der interessantesten Serienhelden der letzten Jahre.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 9, 2012 6:47 PM MEST


Drive
Drive
DVD ~ Ryan Gosling
Preis: EUR 11,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kult MUSS sein..., 28. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Drive (DVD)
Drive ist als Film ein Unikum - ursprünglich als Blockbuster geplant und dann als Independent-Film realisiert, bekam dieser Film das Etikett "Kult" bereits angehängt, bevor ihn ein breites Publikum überhaupt gesehen hatte. Nicolas Winding Refn, der harte Genrebeiträge wie die Pusher-Trilogie oder bizarre Experimente wie Walhalla Rising realisiert hat, geht bei diesem Film - Independent hin oder her - aber auf Nummer sicher. Drive ist trotz allem Kult-Getöse eher handwerklich hervorragend gemachtes Mainstream-Kino, eine wortkarge Einzelgänger-Ballade mit plötzlichen Gewaltexplosionen und einer namenlosen Hauptfigur, die förmlich die Bemühung ausschwitzt, hier eine Kultfigur in der Tradition von James Cagney oder Steve McQueen zu erschaffen, eines autarken Außenseiters, der jenseits aller Moralvorstellungen und Gesetze unerbittlich seinem Schicksal entgegenschreitet, unberührt in der gewählten Isolation, einem ureigenen Kodex folgend. Ryan Gosling spielt diesen undurchsichtigen Eigenbrötler souverän, diese Allerweltstyp mit dem glatten Gesicht scheint im Moment alles spielen zu können, vom liebenswürdigen Dorftrottel bis zum todunglücklichen Scheidungsopfer. Als mysteriöser Stuntman und Rennfahrer hilft er der reizenden Nachbarin aus der Klemme um dadurch umso mehr in ebendiese zu geraten - genug Vorwand, um einige Actionszenen und Schießereien zu zeigen, die in ihrer ungeschönten Gewalt teilweise durchaus beeindrucken. Allerdings ist die Hauptrolle so undurchsichtig angelegt, dass man bereits nach kurzer Zeit aufgibt, die Motivation des Protagonisten entschlüsseln zu wollen. Man könnte auch die handwerkliche Präzision des Films, des Skripts und der Kameraführung nicht genug loben, wenn da nicht immer wieder die geradezu penetrante Bemühung, alles perfekt machen zu wollen, beinahe schon nerven würde. Der White-Trash-Stil der Appartements wirkt wie die Vorführung einer Musterwohnung, die gesamte Requisite wirkt zu durchdesignt und Gosling hält seinen steinernen Gesichtsausdruck ein bisschen zu konsequent durch. Etwas weniger offensichtliche Bemühung hätte diesem Film vielleicht gut getan, bei mir hinterlässt dieser Film den Eindruck einer überambitionierten Handwerksleistung, deren inhaltliche Leere auch durch die besten Kunstkniffe nicht ganz beseitigt werden kann. Man kann das existentialistisch nennen oder auch schlicht und ergreifend hohl, das ist Ansichtssache. Und wieder gelangt man zu der Erkenntnis, dass ein brillanter Film nicht unbedingt ein wirklich guter Film sein muss.

Warum der Film aber keine Jugendfreigabe hat, ist mir schleierhaft, nach meinem Empfinden habe ich da schon wesentlich brutalere Machwerke gesehen mit FSK 16.


The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
DVD ~ George Clooney
Preis: EUR 5,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Cineastische Entspannungsübung, 28. Juni 2012
Eines gleich vorneweg: Ich bin absolut kein George Clooney Fan und kann das Getue um diesen nicht unbedingt glänzenden Schauspieler nicht verstehen, dennoch ist Clooney meiner Meinung nach unter den Top-Stars derjenige, der immer wieder mal besonders dadurch glänzt, dass er eine zutiefst entspannte, unprätentiöse Performance abliefert. Und wenn Entspanntheit ein Qualitätsmerkmal ist, dann wäre Clooney ein Ausnahmekünstler.
In dem vorliegenden Film, der auch noch bezeichnenderweise auf Hawaii spielt, wo die Tiefenentspannung quasi zu Hause ist, glänzt Clooney als vom Schicksal gebeutelter Anwalt, der gleichzeitig mit einer komatösen Ehefrau, zwei widerspenstigen Töchtern und einer geldgeilen Verwandtschaft fertig werden muss, zudem erfährt er noch, dass seine Frau ihn mit einem schmierigen Immobilienmakler betrogen hatte. Unser Held schwankt, aber fällt nicht, sondern schlendert gedankenverloren über die Sandstrände Hawaiis, die Hände in den Taschen seiner Bermudashorts vergraben, auch das Hawaiihemd darf nicht fehlen. Er findet auch immer wieder die Gelegenheit, ein paar ironische Bonmots anzubringen, gerne auch im Dialog mit dem schnöseligen Freund seiner ältesten Tochter. Der Film hat die Ausstrahlung von Flip-Flops, sehr lässig, vielleicht auch ein wenig nachlässig, abgetragen aber im Grunde unzerstörbar. Im letzten Drittel wird The Descendants aber immer mehr zu einer echten Tragikomödie, aber auch das auf so eine lebensbejahende und angenehm unaufdringliche Weise, dass man dieses reife Machwerk nur sympathisch finden kann. Ein melancholischer Film, der dennoch nie pessimistisch wirkt und der George Clooney auf den Leib geschrieben ist, allerdings so locker und bequem wie ein übergroßes Leinenhemd mit Blumenmuster. Die Thematik und die gemütsvolle Erzählweise sind eher was für ein nicht mehr ganz junges Publikum und Zuschauer, die einem Film gerne viel Zeit geben, sich zu entwickeln. Von Ocean Eleven oder Syriana ist dieser Film aber so weit entfernt wie Hawaii von der kalifornischen Küste, dies ist kein marktübliches Starvehikel für Clooney-Fans.


Haywire
Haywire
DVD ~ Gina Carano
Preis: EUR 11,43

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Frauenpower ohne Hirn, 28. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Haywire (DVD)
Steven Soderbergh ist einer dieser Regisseure, die drehen können was sie wollen, ihren Machwerken wird immer ein Arthouse-Prädikat verliehen und das Feuilleton interpretiert die erstaunlichsten Zusammenhänge in ihre Filme, selbst wenn diese schlichtes Unterhaltungsformat sind, wie in diesem Film - Haywire.

Mit einem beachtlichen Staraufgebot gedreht (Michael Douglas, Antonio Banderas, Ewan MacGregor und in einer Minirolle Michael Fassbender) scheint der Film - wenn man dem Regisseur glauben mag - aus einer ganz persönlichen Obsession entstanden zu sein, der Faszination Soderberghs für das Fitness-Model und Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano, die in diesem Film die Hauptrolle spielt, eine Agentin die in eine Intrige verwickelt wird und dadurch reichlich Gelegenheit erhält, diversen männlichen Kontrahenten das Lebenslicht auszublasen oder zumindest die Glieder zu verrenken. Carano macht das sehr überzeugend, sie rennt, springt und schlägt 90 Minuten um sich, eine helle Freude für Action-Fans, die gerne auf eine störende Handlung verzichten. Denn diese ist kaum vorhanden, der Plot würde auch in einen einminütigen Werbespot passen, dann könnte man aber nur kurz die schwellende Muskulatur einer Protagonistin bewundern, auf die die Bezeichnung Schauspielerin nicht ganz zutrifft und die mit ihrer leicht transsexuellen Attraktivität und ihrer starren Ausdruckslosigkeit vielleicht Herrn Soderbergh entzückt hat, allerdings nicht das Format hat, einen auch noch so simplen Actionreißer zu halten. Darüber täuschen auch die Auftritte der bereits erwähnten Stars kaum hinweg, gerade die Kurzsequenz mit dem derzeit besonders gehypten Fasssbender wurde in der Presse dermaßen breitgewälzt, dass man den Verdacht haben kann, dass auch den Produzenten die Löcher im Plot aufgefallen sind. Ein schlichter Actionthriller, wie derzeit üblich rasant geschnitten und mit einer zeitgenössischen Gewaltpornographie, an die sich die meisten Zuschauer längst gewöhnt haben. Wäre dieser Film von einem Genre-Regisseur, hätte ihn kein Schwein weiter beachtet.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 2, 2012 4:35 PM MEST


Verblendung
Verblendung
DVD ~ Daniel Craig
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 16,99

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschwendung, 28. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Verblendung (DVD)
Es scheint ein Naturgesetz zu sein: Wann immer auch eine europäische Filmproduktion einen Überraschungserfolg erzielt (europäische Kinohits sind quasi per definitionem Überraschungserfolge), werden nach einer knappen Schamfrist erste Namen des anglophonen Kinos mit einer Neuverfilmung in Verbindung gebracht, meistens Namen, deren kommerzielle Erfolge eher keine Überraschung sind.
So auch in diesem Fall - David Fincher ist ein schwer angesagter Regisseur und David Craig ist ein James Bond-Darsteller, bei dem immer wieder betont wird, dass er auch schauspielern kann. Dazu eine ätherische Newcomerin (Rooney Mara), die im Vorfeld sorgfältigst gehypt wurde, da kann eigentlich nichts schiefgehen.
Grundsätzlich ist das Ergebnis auch durchaus vorzeigbar, denn wie man es von einer Hollywood-Produktion erwarten kann, ist die Neuverfilmung tendenziell eher ein Thriller mit konventionellen Suspense-Elementen denn ein minutiöser Ermittlungs-Krimi - ein wenig Tempo tut der zähflüssigen Dramaturgie der Stieg Larsson Vorlage auch gut. Allerdings geht das auf Kosten der Atmosphäre und auch der Charakterentwicklung, gerade Craig tut sich sichtlich schwer, den unsteten Investigativjournalisten Mikael Blomkvist darzustellen, da ist ihm seine beindruckende Superagenten-Physis eher im Weg, mag er auch noch so zerknautscht aus der Wäsche gucken. Rooney Mara als soziopathische Lisbeth Salander macht ihre Sache besser, jedoch nicht so gut, wie es eine hysterische Presse kolportierte. Ihre Lisbeth ist etwas mädchenhafter und verletzlicher als die Interpretation ihrer Vorgängerin Noomi Rapace, an deren faszinierende und herbe Darstellung sie aber nie heranreicht. In den Nebenrollen kann man jedoch einige wirklich gute Leistungen bewundern, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård oder Yorick van Wageningen meistern ihre Rollen mit Bravour, dies und die erwähnten Thriller-Elemente sind aber die einzigen Argumente für die Daseinsberechtigung einer Neuverfilmung, die im Kern nicht Neues zu bieten hat und die trotz einer leichter verdaulichen und strafferen Dramaturgie die tragende Atmosphäre der Erstverfilmung und die Sperrigkeit der Protagonisten vermissen lässt. Wer aber eine konsumentenfreundlichere Verfilmung und den Zauber zugkräftiger Namen bevorzugt, liegt bei dieser Version goldrichtig.


Pakt der Rache
Pakt der Rache
DVD ~ Nicolas Cage
Preis: EUR 10,37

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unausgegorenes Selbstjustiz-Drama, 26. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Pakt der Rache (DVD)
Die gute Nachricht dieses Films ist, dass man Nicolas Cage schon in wesentlich schlechteren Filmen gesehen hat, die schlechte, dass das nicht viel zu bedeuten hat - dafür lag Cage schon zu oft bei der Rollenwahl katastrophal daneben. Und da Cage ein ausgesprochenes Arbeitstier zu sein scheint, heisst das, dass in den letzten Jahren eine stattliche Anzahl grottenschlechter B-Filme auf das Konto dieses Schauspielers gehen, der einst mit Adaption, Wild at Heart oder Leaving Las Vegas zu DEM Mainstream-Rebellen Hollywoods aufstieg. Seit dieser ersten Glanzzeit hat Nicolas Cage gefühlte zehn Kinofilme pro Jahr gedreht, von denen man neun besser gar nicht erst gesehen hätte.
Aber immer wieder - wie zuletzt in Bad Lieutenant - konnte Cage auch seine unübersehbare Qualität unter Beweis stellen, ein Talent, das auch in diesem Selbstjustiz-Drama wieder gelegentlich aufblitzt. Nicolas Cage spielt in Pakt der Rache einen sozial engagierten Lehrer, der mit seiner Frau eine liebevolle Ehe führt, bis diese Opfer einer brutalen Vergewaltigung wird. Bereits im Wartebereich des Krankenhauses wird der nervlich zerrüttete Ehemann von dem Vertreter einer geheimnisvollen Organisation angesprochen, der ihm anbietet, den Vergewaltiger zu töten, einen Vorschlag, den er nach einigem Zögern annimmt - was er nicht überraschenderweise bald bereuen wird. Denn der von Gewissensbissen Geplagte wird ziemlich schnell zum Sicherheitsrisiko für die Organisation, was Cage reichlich Gelegenheit gibt, das zu tun, was er am besten kann: Einen Menschen unter großem Druck darzustellen, wozu der schlaksige Schauspieler mit dem markanten Gesicht perfekt geeignet ist. Allerdings tut er dies häufig in geradezu hyperventilierenden Szenen und hektischen Verfolgungsjagden, was nach einer Weile die Löcher in der Dramaturgie auch nicht mehr verdecken kann, auch der für amerikanische Filme übliche Moralismus stößt hier eher unangenehm auf. Diese zweite Hälfte des Films ist trotz aller Action deutlich schwächer, somit ist dieser Film eher Durchschnittsware, was für Nicolas Cage aber doch eher eine Schadensbegrenzung bedeutet. Warten wir also weiter auf einen Film, der dem Talent dieses schauspielernden Workaholics entspricht!


Boardwalk Empire Season 1 (Limitierte Erstauflage mit Fotobuch) [Limited Edition] [5 DVDs]
Boardwalk Empire Season 1 (Limitierte Erstauflage mit Fotobuch) [Limited Edition] [5 DVDs]
DVD ~ Steve Buscemi
Wird angeboten von 711games
Preis: EUR 24,95

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Serienprodukt von überragender Qualität, 28. Februar 2012
Europäische Filmschaffende werden es mal wieder mit Neid zur Kenntnis genommen haben, dass amerikanische Privatsender dank eines üppigen Budgets (in diesem Fall angeblich ca. 65 Millionen pro Staffel) erneut in der Lage sind, eine qualitativ hochwertige Serie auf die Beine zu stellen. Manchmal macht Geld tatsächlich den entscheidenden Unterschied. Dazu kommt eine ganze Riege talentierter Schauspieler, renommierte Regisseure und die exzellenten Drehbuchautoren der Serie Sopranos. Allein die Pilotfolge kostete mehr als komplette Serien des deutschen öffentlichen Fernsehens und wurde dazu auch noch von Altmeister und Regie-Titan Martin Scorcese inszeniert - davon kann die hiesige Filmebranche nur träumen. Wieder einmal hat sich die inzwischen etablierte Binsenweisheit bestätigt, dass das us-amerikanische Fernsehen inzwischen wesentlich innovativer und mutiger ist als Hollywood, ein quicklebendiges Versuchslabor für neue Erzählweisen und Sehgewohnheiten.
Wie Die Sopranos wird auch hier der Blick auf ein zutiefst kriminelles Milieu geworfen,nur spielt die Serie einige Jahrzehnte früher zu Beginn der amerikanischen Prohibitionszeit. Dreh- und Angelpunkt der Serie ist Nucky Thompson, ein Stadtkämmerer und Ganove, dessen Macht bis in die letzten Hinterhöfe und durch alle Gesellschaftsschichten reicht, ein intriganter Strippenzieher. Nucky ist der der richtige Mann zur rechten Zeit am rechten Ort, denn Atlantic City entwickelt sich dank seiner günstigen Lage an der Ostküste zum Umschlagplatz für illegalen Alkohol, ein Geschäft, an dem der Protagonist so viel verdient, dass sein Einfluss bald bis in die höchsten politischen Entscheidungsebenen reicht.
Steven Buscemi spielt diesen intriganten, korrupten Lokalpolitiker mit reptilienhafter Eloquenz, einen Kopfmenschen aus trübseligen Verhältnissen, der sich rücksichtslos und aalglatt nach oben gekämpft hat und nun auf dem Zenit seiner Macht wie ein Magengeschwür auf zwei Beinen wirkt, kreidebleich, mit dunklen Augenringen und hohlen Wangen beobachtet dieser Provinzfürst seine Mitmenschen mit kalkulierender Kälte, um sie für seine Zwecke zu manipulieren und zu benutzen. Trotzdem - und das ist der Verdienst von Buscemis Kunst - muss man diesen Anti-Helden einfach mögen, denn Buscemi spielt ihn als durchaus ambivalente Figur, als einen Mann, der unter seiner elenden Kindheit leidet, der die junge Witwe Margaret Schroeder wohl wirklich liebt, der sich der Attacken feindlicher Gangstersyndikate erwehren muss und der bei aller Rücksichtslosigkeit doch einem eigenen Ordnungssystem folgt, so verschoben die Koordinaten auch erscheinen mögen. In dieser Zeit, einem ersten Höhepunkt eines ungebremsten, hemmungslosen Kapitalismus, fällt Nucky inmitten all dieser brutalen, gewinnorientierten Aufsteiger durch seine Weitsicht und Intelligenz aus dem Rahmen, man ahnt, dass unter einem anderen Provinzfürsten alles noch viel schlimmer wäre.
Neben Buscemi sind auch zahlreiche weitere Rollen glänzend besetzt - Michael Pitt als brutalisierter Kriegsveteran Jimmy Darmody, Michael Shannon als bigotter Bundespolizist van Alden oder Paz de la Huerta als schläfriges Gangsterliebchen Lucy - und die Kulissen, Kostüme, das ganze Zeitkolorit sind wunderbar eingefangen. Was die Serie allerdings aus dem Mittelmaß heraushebt, ist nicht allein die Ausstattung, Boardwalk Empire ist kein simpler Kostümstreifen, sondern die überzeugende Darstellung einer ganzen Reihe von Charakteren, die alle auf ihre eigene Weise um einen Platz in einer korrupten Gesellschaft kämpfen, die wenig Geduld mit den Schwachen hat, wer zu viele Fehler macht, geht unter, diese Lehre beherzigen alle Protagonisten, diese Angst treibt sie an, schürt Konflikte, verursacht Tragödien. Dies alles wird in überzeugenden, mitunter drastischen Bildern gezeigt, Gewalt und Sex werden hier in einer Offenheit gezeigt, die das amerikanische Mainstream-Kino meidet wie der Teufel das Weihwasser. Eine großartige Serie, ein episches Panorama einer aufwühlenden Epoche, ein Kaleidoskop unterschiedlichster Schicksale, das man nicht verpassen sollte.


Unter dir die Stadt
Unter dir die Stadt
DVD ~ Nicolette Krebitz
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unter Dir das Nichts, 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Unter dir die Stadt (DVD)
Diese deutsche Produktion entführt den Zuschauer in die Welt der Großbanken - oder besser er hebt den Betrachter auf die Ebene der Topmanager dieser isolierten Welt, graue, kalte Finanzjongleure. die mit ihren Gefühlen mindestens genauso haushalten wie mit ihren Investitionsrisiken. Die gläsernen Hochhäuser, in deren Konferenzräumen sich diese kühl kalkulierenden Karrieretypen gegenseitig belauern, wirken wie Terrarien, in denen seltsame Reptilien präsentiert werden.
In dieser gefühlsminimalistischen Welt lernen wir die drei Hauptprotagonisten kennen, einen Jungmanager und seine Frau sowie einen erfahrenen Banker auf dem Zenit seiner Macht. Der Schweizer Theaterschauspieler Roland Hunger-Bühler spielt diesen kalten König des Investments mit zerfurchter Regungslosigkeit so überzeugend, dass man sich wünscht, dieses Gesicht öfters in Filmen zu sehen. Nicolette Krebitz, die in den Neunzigern mal schwer angesagt war, ist immer noch auf eine herbe Art sehr hübsch und man kann durchaus nachvollziehen, dass der alternde Finanzhai sich in diese Frau seines jungen Kollegen verguckt - und später mehr oder weniger leidenschaftlich verliebt. Das mit der Leidenschaft ist aber so eine Sache - und auch die eigentliche Schwäche dieses Films - denn selbst die Schäferstündchen zwischen dem ungleichen Liebespaar wirken eher wie unerfreuliche Pflichtübungen, und wenn auch der Versuch, diese Bankenwelt als intimes Porträt einer unpersönlichen, glattgebügelten Welt des Scheins und des Schein Bewahrens zu porträtieren, durchaus gelungen ist, so wenig kann man mit diesen unterkühlten Figuren mitfühlen, deren Persönlichkeit einfach zur Maske erstarrt ist. Nach einer guten Stunde ist man schlicht zu ermüdet, um der möglichen Tragik dieser Figuren weitere Beachtung zu schenken. Sind diese Protagonisten nun vereinsamt, gelangweilt oder einfach nur sinnentleert? Der kontinuierliche und aufgezwungen wirkende Balanceakt zwischen Schein und Sein erleichtert die Antwort auf diese Frage nicht - solange, bis man an der Antwort nicht mehr interessiert ist.
Dennoch ist dieser Film ein mutiger, wenn auch gelegentlich überstilisierter Versuch, eine fremde Welt darzustellen, die vielen leitenden Angestellten und Managern in ihren Grundzügen vielleicht gar nicht so unvertraut ist, ein artifizieller und verdammt sperriger Versuch, die Chancen und Grenzen des "Ich-Seins" in unserer postmodernen Gesellschaft auszuloten.


The American
The American
DVD ~ Violante Placido
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 9,30

4.0 von 5 Sternen Kein Dolce Vita für George, 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: The American (DVD)
George Clooney ist der Hollywood-Star, der sich momentan am virtuosesten zwischen Low Budget zw. Arthouse-Filmen und Mainstream-Kino bewegt, dass garantiert einen stabilen Marktwert mit künstlerischem Mindestanspruch.
Und diesen Mindestanspruch erfüllt Clooney in dieser kleinen Produktion unbedingt, als wortkarger Killer mit romantischem Kern muss er eigentlich nicht mehr tun, als stoisch in die karge Landschaft zu schauen, das tut er aber sehr überzeugend, es ist durchaus angenehm, einen sogenannten Weltstar zu sehen, der sich auch gelegentlich zurücknehmen kann. Wenn man hier dem Protagonisten beim einsamen Krafttraining oder dem Zusammenbasteln einer Killerwaffe zusieht, fällt einem schon auf, dass Clooney eine gewisse Wandlungsfähigkeit besitzt, hier wurde aus dem gewohnten Charmebolzen ein fast verhärmt wirkender, drahtiger Einzelgänger, dem die Lebensmüdigkeit in jede Gesichtsfalte geschrieben ist.

Dieser Protagonist ist in seiner Isolation und äußeren Kälte nicht unbedingt sympathisch, Töten ist für ihn ein Handwerk, dem er mit größtmöglicher Gefühlskälte nachgeht - so erschießt er eine Geliebte nur darum, weil sie Zeuge war, wie seine Tarnung durch einen Attentatsversuch aufflog. Danach wird der Boden für ihn zu heiß und er wird von seinem Auftraggeber in ein entlegenes - aber pittoreskes - Bergkaff in den Abruzzen verdammt. In diesem gottverlassenen Nest beginnt seine Verhärtung langsam aufzuweichen, begünstigt durch den Kontakt zu einem unkonventionellen Dorfgeistlichen und eine aufkeimende Beziehung zu einer Prostituierten, die fast ein bisschen zu schön ist für die Provinz. Aber auch hier tauchen seine rätselhaften Verfolger auf und auch hier kann er seiner Vergangenheit nicht entrinnen...

Anton Corbijn inszeniert diesen Film schnörkellos und ohne unnötige Mätzchen, die Geschichte steuert geradlinig ihrem traurigen Höhepunkt zu, und die größtenteils europäische Darstellerriege zeigt gute Leistungen. Dieser Film ist im Kern altmodisches Kino, die immer wieder neu interpretierte Mär vom lakonischen Einzelgänger, ein harter Knochen, der seinem unerfreulichen Schicksal ungerührt entgegensieht. In diesem Genre hat das internationale Kino schon viele Sterne aufleuchten sehen, hier fallen einem spontan Namen wie Bogart, Gabin, Ventura oder McQueen ein, und in dieser erlauchten Gesellschaft der schauspielerischen Minimalkunst braucht sich auch Clooney nicht zu verstecken. Ein Film mit langen Totalen, die die karge Landschaft der Abruzzen einfängt, mit einem mehr als gemächlichen Erzähltempo, kurzen. aber prägnanten Dialogen und einem insgesamt eher pessimistischen Grundton. Der Film spielt zwar in Italien, von Dolce Vita fehlt hier aber jede Spur, die in Erdtönen gehaltenen Bilder sprechen eine viel dunklere Sprache. Wer solch düstere Außenseiter-Balladen mag, wird hier auf seine Kosten kommen, Liebhaber von Action-Spektakeln eher nicht.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8