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Rezensionen verfasst von
Frank Muschalle "www.itpatente.blogspot.com" (Berlin)

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Die kreative Revolution: Was kommt nach dem Industriekapitalismus?
Die kreative Revolution: Was kommt nach dem Industriekapitalismus?
von Wolf Lotter
  Broschiert

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft gehört den Kreativen, 15. März 2009
Wolf Lotter hat eine neue Salve gegen unser industrialistisches Denken abgefeuert: Zusammen mit Gastautoren enttarnt er die hilflosen Versuche von Command&Control Industrieunternehmen, in der Wissens- und Kreativwirtschaft anzukommen.

Erster Satz:
"Revolutionen, so scheint es, sind stets Umbrüche mit klaren Konturen. Auf den ersten Blick, doch eigentlich war keine einzige so."
Daraus leitet sich das Anliegen dieses Werkes ab: Es will uns darauf hinweisen, dass die kreative Zerstörung und der Ersatz sich lange hinziehen werden. Das soll aber kein Grund sein, zu resignieren. Resignieren müssen die, die vom Industrialismus wirklich abhängig sind und sich derzeit schamlos die Taschen vollstopfen, so lange noch etwas da ist: Industriemanager.

Ich fand folgenden Test zur Unterscheidung von Kreativen und Nicht-so- kreativen interessant:
Zwei Gruppen sollen aus einem über Kopfhörer vorgelesenen Text die eingestreuten, nicht zum Kontext passenden Wörter rausfinden und zählen. Nicht angekündigt wurden wechselnde, fremde Störgeräusche. Die erste Gruppe stammt aus der Industrie, in der nach strengen Ansagen und Regeln gearbeitet wird. Die andere Gruppe besteht aus Künstlern und Designern.

Ergebnis:
Die erste Gruppe lässt sich von den Störgeräuschen nicht ablenken, ihr Filtersystem "hemmt" alles, was ablenken könnte und nicht zum Auftrag gehört ("Disziplin"). Die Kreativen dagegen liefern falsche Ergebnisse. Sie ließen sich von den Geräuschen -aus Neugier- leicht ablenken bzw. "stören".

Jetzt kann jeder mal überlegen, ob er sich eher zu den "Gehemmten" oder den "Gestörten" (Lotter) zählt.

Wir treffen auch andere "Concerned" People in diesem Werk: Mathias Horx' Begegnung mit dem verzeifelten Investmentbanker hat mich sehr angesprochen. Gesa Ziemer hingegen kommuniziert leider sehr unverständlich im Wissenschaftsjargon, der es interessierten Laien schwer macht, ihre Gedanken nachzuvollziehen.

Aufschlussreich hingegen der Aufsatz von Herrn Felixberger. Er empfiehlt: Je unschärfer die Aufgabenstellung, desto heterogener sollte das Team für die "kreative Lösung" sein, damit möglichst viele Aspekte der Situation erkannt werden können. Je konkreter die Aufgabe, desto weniger "diverse" sollte das Team sein. Denn nun braucht man vor allem Spezialisten, die ihr Handwerk verstehen.

So oder so, es hilft mir immer, von diesen unermüdlichen Agenten der Kreativwirtschaft zu lesen. Wir brauchen sie und ihr Wort. Damit wir nicht in Versuchung geraten, zurück in die alte Industriedenke zu fallen.

Der Vorwurf meiner Vorrezensentin, die Kreativen seien schuld an der New Economy Krise gewesen, und seien nun auch noch Schuld an der gegenwärtigen Industriekrise, zeigt wieviel Aufklärungsarbeit noch zu leisten ist. Genau hier setzen Wolf Lotter und Kollegen mit ihrem Werk an.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2014 11:29 AM CET


Wahnsinn mit Methode: Finanzcrash und Weltwirtschaft
Wahnsinn mit Methode: Finanzcrash und Weltwirtschaft
von Sahra Wagenknecht
  Broschiert

35 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen United Fakes of America, 21. Februar 2009
Ich bin kein Anhänger der SED-Nachfolgepartei. Schon gar nicht der kommunistischen Plattform und ihrer Hauptakteurin Sarah Wagenknecht. Aaber. Die Dame hat jetzt eine Analyse zur Finanzkrise veröffentlicht, der man kaum widersprechen kann.

Das Buch heißt "Wahnsinn mit Methode" und der Titel ist Programm. Sie hätte es auch "The United Fakes of America" nennen können, das wäre noch treffender gewesen. Kurz gesagt ist eine Blase immer ein Nichts, in das die Herde mit Freude investiert. Im Dot.com Rausch waren es die millionenschweren Webdesigner. Im Immobilienrausch die nicht vorhandenen Bonitäten von Immobilienkäufern.

Wie kommt man von einem Kreditausfall zu einer weltweiten Ansteckung aller Volkswirtschaften? Durch Verbriefung. Banken wandeln ausgereichte Kredite in Verbriefungen (Forderungen, Wertpapiere) um und reichen diese "nach hinten" durch, an die Banken, die die Risiken tatsächlich tragen. Das ging solange gut, wie die beim Scoring angewandten Modelle passten. Als man aber auf schlechte Schuldner mangels passender Scoringmodelle einfach die vorhandenen anwendete, schneite man den Schnee auf die Pisten, der später den Stoff für die Lawine geben sollte.

Durch die Verbriefung zum Wertpapier schafft man auch die Voraussetzung, Derivate (also Wetten) auf die Kredite ausgeben zu können. Im Unterschied zum Wertpapier selbst, ist die Ausgabe von Derivaten unbegrenzt. Man kann beliebige Vielfache von Derivaten auf eine begrenzte Menge von Wertpapieren ausgeben. So lassen sich vermeintliche Werte schaffen, die durch reales Vermögen überhaupt nicht mehr gedeckt sind.

Treibstoff für die Subprimekrise waren auch die niedrigen Zinsen in den USA. Diese wurden ja offiziell mit dem Schlagwort "New Economy" begründet - also einer dank Internet inflationsfreien Welt, in der der Wettbewerber immer nur einen Mausklick entfernt ist, was die Preise im Zaum hält.

In Wahrheit schufen die billigen Kredite aber auch einen Fluchtrichtung für all diejenigen, die schon lange Reallohnverluste erlitten. Wer also mit seinem Lohn nicht mehr hinkam, der sollte wenigstens billig Schulden machen dürfen. So finanzierte im wesentlichen das Ausland das kollektive Leben auf Pump der vermeintlich florienden USA (also, der UFA).

"Vermeintlich" floriend deshalb, weil auch die volkswirtschaftlichen Statistiken der USA hinreißend frisiert werden. Schon 2001 hielt ein Dresdner Bänker (das war früher die Bank mit dem grünen Band der Sympathie.) in Berlin eine Rede über die untragbare Frisierung der US-Konjunkturstatistiken. Die rechnen nämlich ihren Produktivitätszuwachs aus, in dem sie Windows Updates und Intel Prozessor Upgrades zählen. Will sagen: Ein Büro, dass von Intel Pentium 1 auf Pentium 2 und noch auf Windows NT hochrüstete, steigerte damit offiziell seine Produktivität. (Wohl weil die Manager schneller Folien malen und Emails tippen konnten?).

Konzerne investierten ihre Gewinne überwiegend in Finanztransaktionen. Es wurden in den neunziger und den 2000er Jahren mehr Gelder in M&A "investiert" als in echte FuE. (IBM war übrigens der Anführer der Unternehmen, die vorzugsweise eigene Aktien vom Markt kauften anstatt in FuE zu investieren.)

Kapitalismus heißt: Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren. Wann stimmte es mehr als heute?

Und wieso liegt die FDP bei 18%? Wenn das der Mölli noch erlebt hätte!


Die Bescherung
Die Bescherung
von Hanns D Hüsch
  Audio CD
Preis: EUR 15,50

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der Baum,... ja also der Baum... Der Baum ist wunderschön!", 19. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Bescherung (Audio CD)
Alle Jahre wieder gab WDR2 in seiner Hörbar diesen Sketch zum besten. Hüsch will den Baum vom Balkon holen und dieses Jahr endlich mal nach "ästhetischen Gesichtspunkten" schmücken. Und zwar "je schlichter desto vornehmer". Ist ja schließlich "keine Hollywoodschaukel, nech?"

Diese und viele andere schöne Geschichten und Lieder findet man auf dieser Live-CD, die man jedes Jahr wieder auflegt. U.a. mit dem ungebeten Gast, der sich selbst zum 2. Feiertag einlädt ("Aber bitte keine Umstände... bloß keine Umstände"). Dem Baumkauf und dem herrlich entlarvenden "Nervös" über eine Familie, die Weihnachten nur aneinander herummäkelt, der aber was fehlen würde, wenn sie einfach mal drauf verzichten oder ihre Einstellung ändern.

Ein Tropfen Melancholie mengt sich natürlich auch in den Genuß, denn man weiß, dass man den guten Hüsch leider nicht mehr auf der Bühne erleben kann. So bleibt uns sein Werk.


Noch eine Chance für die Liberalen oder Die Zukunft der Freiheit
Noch eine Chance für die Liberalen oder Die Zukunft der Freiheit
von Karl-Hermann Flach
  Broschiert

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über liberale Versäumnisse, 17. Juli 2008
Sehr erhellend und inspirierend für die gegenwärtige Rückbesinnung der Liberalen auf Werte jenseits von Steuersenkungen finde ich eine Streitschrift von Karl-Herrmann Flach namens "Noch eine Chance für die Liberalen" aus dem Jahre 1971. Diese kann man aus meiner Sicht getrost als Ausgangspunkt für die eigene Positionsbestimmung und Überzeugungsarbeiten im sozialliberalen oder grünen Lager heranziehen kann.

Flach schreibt u.a. ...

Über Quellen des Mißtrauens gegenüber Liberalen:
"Er (der Liberalismus) hat nach seinem großen und erfolgeichen Kampf um geistige Freiheit, bürgerliche Rechte und verbriefte Verfassungen teilweise versagt, ließ sich als Interessenvertreter privilegierter Schichten mißbrauchen, erstarrte bürgerlich-konservativ und trägt Mitverantwortung an den Sünden des Frühkapitalismus.."

Über die stille Übereinkunft einer Zweidrittelgesellschaft:
"Liberalismus bedeutet demgemäß nicht Freiheit und Würde einer Schicht, sondern persönliche Freiheit und Menschenwürde der größmöglichen Zahl."

Über gesellschaftlichen Realismus und Selbstbetrug:
"Die vollkommene Gesellschaft als Ziel war und bleibt Utopie. Die ideale Gesellschaft als vorgegebene Wirklichkeit war und bleibt Ideologie... Der Liberalismus lässt sich von keiner Uopie verzaubern und von keiner Ideologie verführen... "

Über Kapitalismus als "vermeintlichen Freund":
"Der Liberalismus ist im 19. Jahrhundert erstarrt. Nachdem es ihm gelang, eine der größten historischen Leistungen der Neuzeit zu vollbringen, nämlich den Übergang vom Absolutismus zum verfassungsmäßigen Rechtsstaat zu erzwingen, hat er sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht und nicht erkannt, daß damit nur der erste Schritt zu einer liberalen Entwicklung der Gesellschaft geleistet worden ist... Die individuellen Interessen eines sich konsolidierenden Bürgertums erhielten Vorrang vor dem liberalen Grundanliegen, nämlich Freiheit und Würde für möglichst viele Menschen zu sichern.
Der Kulturliberalismus glaubte, die Gleichheit der Startchancen sei gegeben, wenn die Gleichheit der Bildungschancen vorhanden sei, und begnügte sich damit, diese auf dem Papier anstatt in der Realität zu sichern.
Das große Wort von der Gleichheit der Chancen blieb lange eine Phrase, hinter der sich extreme Ungleichheit tarnte.

Und schließlich über den permanent schwindenden gesellschaftlichen Rückhalt in der Gesellschaft:
"Die Liberalen duldeten eine Verfestigung der sozialen Verhältnisse, die den theoretischen und juristischen Freiheitsbegriff zur Waffe in der Händen einer begrenzten Schicht in der Abwehr der Ansprüche breiterer Schichten pervertierte."


Green designed:Future Cars: Bio-Treibstoff. Hybrid. Elektro. Wasserstoff. Sparsame Autos in allen Klassen und Formen
Green designed:Future Cars: Bio-Treibstoff. Hybrid. Elektro. Wasserstoff. Sparsame Autos in allen Klassen und Formen
von Ulrich Bethscheider-Kieser
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unser Straßenbild wird sich ab 2010 sehr verändern., 1. Juni 2008
Dieses Buch hat mir viel Spaß gemacht und es inspiriert zum Einstieg in die nächste große Welle: Das Elektroauto kommt!

Der Titel "future cars" ist sehr konkret gemeint: Es geht um konkret angekündigte Zukunftsautos, die meisten sollen ab 2010 erhältlich sein. Darunter sehr schöne! In vielen Häusern dürfen die Designer die kleine Revolution anscheinend für sehr kreative Designs nutzen.

Der Trend ist eindeutig: Der Antrieb der Zukunft ist der Elektromotor. Der Verbrennungsmotor wird künftig nur noch die Funktion haben, über einen Generator die Batterie nachzuladen. Die Brennstoffzelle ist noch Zukunftsmusik und der Hybrid ist nur eine Übergangslösung.

Mit dem Elektroantrieb sind die Fahrzeughersteller das Thema CO2 los. Die Verantwortung für die Emissionen der future cars trägt der Kunde: Je nachdem für welchen Stromlieferanten er sich entscheidet, fährt er grün oder grau. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die eigene Stromproduktion auf dem Hausdach oder dem Hof zum neuen Volkssport wird. Warum sollen Windräder künftig teuer ans Hochspannungsnetz angeschlossen werden? Ist es nicht einfacher, Lithium-Ionen Akkus für Elektroautos damit zu laden?

Also, dieses Buch ist sehr zu empfehlen. Das Zeitalter des Elektroautos hat begonnen. In diesem Buch sind alle wichtigen schön fotografiert und kurz und knapp beschrieben.

Nur einen Fahrzeughersteller habe ich hier vermisst: Porsche.


Das Original: Porsche 924 / 944 / 968
Das Original: Porsche 924 / 944 / 968
von Peter Morgan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das schönste Buch über die Porsche Transaxles., 23. Juli 2007
Ich kann Peter Morgans Werk ebenfalls nur loben. Besonders 924 Fahrer und Fans finden hier wertvolle Informationen über die Ausstattungsvarianten - und sehr schöne Fotos von den raren Sondermodellen Martini und 924S Le Mans.

Insgesamt ist es eine reich bebilderte Geschichte der Transaxles von Porsche.


Free Culture: The Nature and Future of Creativity
Free Culture: The Nature and Future of Creativity
von Lawrence Lessig
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,30

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vordenker des modernen Copyright, 23. Juli 2007
Lawrence Lessig ist einer DER Protagonisten gegen eine Übertreibung der Copyrightansprüche in den USA. Die Copyrightinhaber (Medienkonzerne, Softwarekonzerne) sehen in jedem unautorisierten Zitat und Download einen Diebstahl und bringen ihn zur Anklage wann immer sie der "Täter" habhaft werden können. Dabei übersehen diese die Art und Weise wie denn ihre geschützten Werke zustande gekommen sind: Nämlich durch eine Weiterentwicklung vorhandener Werke. Beispiele nennt Lessig eine Menge:
- Der Disney Konzern verwendet ohne Genehmigung Märchenfiguren von Grimm und anderen und scheut sich nicht, eigene "Derivate" wie Schneewitchen->Cinderalle zu kreieren, die er akribisch überwacht.
- Die Hollywood Filmindustrie flüchtete seinerzeit von der Ost- an die Westküste der USA um den Patenten Thomas Edisons zu entgehen. Und verfolgt heute akribisch jede Copyrightverletzung.
- Das Urheberrecht lässt sich für Zensur missbrauchen, wenn man für jedes Zitat und jeden Diskurs eine "Lizenz" benötigt, um seinen Gegner zitieren zu dürfen. Dieses und andere Werke Lessigs öffnen einem die Augen über den Themenkomplex Digitales Rechtemanagement und Copryright. Sehr empfehlenswert!


Handbuch Patente. Geniale Erfindungen und ihre Geschichte
Handbuch Patente. Geniale Erfindungen und ihre Geschichte
von Ben Ikenson
  Gebundene Ausgabe

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die wichtigsten Patente wurden nicht gezielt erfunden, 27. Juni 2007
Das müssen sich alle Innovationsmanager und Erfinder im Hinterkopf behalten: Kaum eine der wichtigsten Erfindungen entstand gezielt oder als Ergebnis von soetwas wie Innovationsmanagement.

Häufig waren zwei Komplementäre beteiligt. Der erste versuchte den Nachweis einer Vermutung. Und es misslang. Im Labor. Oder im Feld. Dann kam ein Zweiter, griff die Idee für eine andere Verwendung auf. Und erst dann kam die Entwicklung in Gang.

Eine Ausnahme stellt Levi Strauss dar. Er zog mit seinen Zeltplanen ursprünglich in die Goldgräberstätten, um den Goldgräbern Zelte zu verkaufen. Als er ankam, sah er eine Menge Konkurrenz, die vor ihm den Markt besetzt hatte.

Kurzerhand kam er auf die Idee, mit dem Stoff, in den er erhebliche Mittel investiert hatte, einen anderen Bedarf zu bedienen. Diesen konnte er erst vor Ort erkennen: Die Goldgräber verrichteten ihre Arbeit meist auf den Knien und verschlissen schnell ihre Hosen. So schneiderte Strauss widerstandsfähige "Jeans" aus seinen Zeltplanen. Und das war die "Killerinnovation".

Typisch für amerikanische Patente ist wirklich, dass sie aus der Beobachtung von Leuten entstehen. Aus dem Verständnis für ungelöste Probleme entstehen die besten Produktideen.


Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss
Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss
von Wolf Lotter
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lotter-Leben, 11. Juni 2007
Wolf Lotters Essays und Bücher finde ich deshalb so augenöffnend, weil er den Begriffen immer auf den Grund geht und sie von dort aus neu deutet. Schlagworte und -zeilen sagen danach immer viel mehr aus, als deren Protagonisten lieb sein kann. Und umgekehrt. Viel verpöntes wird plötzlich attraktiv.

So auch hier: Als Konsensdoktrin für eine neue wirtschaftliche Dynamik in Deutschland gelten Sparsamkeit und Konzentration. Doch Lotter weist nach, dass dies in der Geschichte schon immer der Weg in die Sackgasse war. Man kann sich nicht gesundschrumpfen. Das tut die Natur nicht und kein Unternehmer. Wie mal jemand sagte: An den gerade Linien erkennt man den Tod...

Viele Protestanten verabscheuen das natürliche Prinzip der verschwenderischen Kreativität des Ausprobierens und Verwerfens. Und widmen sich der in Wahrheit ergebnislosen Vergeudung ihrer Talente, indem sie sich mit der Vergangenheit beschäftigen.

Lotter behält leider immer recht. Deutsche deuten die Zukunft lieber aus der Vergangenheit (dazu fallen mir u.a. die Chartanalysten an der Börse ein.), als sie selbst zu gestalten... Kultprodukte wie den iPod erklären sie mit der (eigentlich verachteten) Irrationalität ihrer "Fan(atic)s". Auf diese Idee kämen sie nie. Aber ihre Berater versuchen stets, den Film rückwärts laufen zu lassen, so dass er immer beim iPod landet.

Gott hält der liberale Lotter für einen Boheme, weil er nur sechs Tage an seiner Schöpfung arbeitete und

seitdem auf der faulen Haut liege. Mag Jesus noch ein von kreativer Erkenntnis erfüllter "göttlicher" Spirit gewesen sein. Paulus sorgte dafür, dass seine Kirche eine Hochburg ideenloser, engstirniger, missgünstiger Administratoren wurde. Die Hochzeit der ingenialen Unternehmer in Deutschland begann ebenfalls mit inspirierten Erfindern und endet mit drögen Konzernvorständen, die ihre Mitarbeiter erst krankschrumpften, die Potenziale ihrer Mitarbeiter vergeudeten und von diesen heute mehr Innovation fordern.

Seine Werbung für eine neue Verschwendungskultur stützt Lotter vor allem auf Darwins Erkenntnis über die Evolution: Das Herausfinden, welche Veränderung die beste Anpassung an die neuen Umstände darstellt, kostet verwenderisches Experimentieren. Geiz, also der bewusste Verzicht auf die entscheidende Variante, kann lebensgefährlich sein. Wer wüsste das besser als Angestellte in einem deutschen Konzern?

Innovation ist kaum zu managen. Zu viele sehr erfolgreiche Patente der Geschichte, waren so nicht geplant. Was gemanaged werden kann, sind günstige Randbedingungen, so dass man sich auf unerwartete Gelegenheiten bestens vorbereitet.

Vergeuden Sie dieses Buch nicht, in dem sie es an Controller oder MBA-Absolventen verschenken. Verschwenden Sie es lieber an sich selbst.


Freie Kultur: Wesen und Zukunft der Kreativität
Freie Kultur: Wesen und Zukunft der Kreativität
von Lawrence Lessig
  Broschiert

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Neue entsteht oft als Kombination aus Bekanntem.., 15. Mai 2007
..und deshalb kann ein übertriebenes Copyright wie eine Zensur und Kreativitätsblockade wirken. Der Vordenker und Kritiker der neuen DRM Ökonomie in den USA zeigt in diesem Werk -das in seiner Lesbarkeit übrigens allen Juristen als Vorbild dienen möge-, dass die größten Profiteure und Lobbyisten des Copyright selbst auf Basis von Patent- und Copyrightverletzungen gegründet wurden. Beispiele:

- Warum sitzt die Filmindustrie (Hollywood) an der US-Westküste? - Weil sie seinerzeit den Patenten eines gewissen Thomas Edison entkommen wollte. Ihm gehörten die Schlüsselpatente der Filmaufnahme- und vorführtechnik. Das sahen die Gründer von Hollywood nicht ein und sie flüchteten. Heute verfolgen sie selbst Jugendliche mit drakonsichen Strafen, wenn jemand ihre schlechten Produkte kopiert.

- Walt Disney hat sich bei der "Erfindung" vieler Comicfiguren bei Grimms Märchen bedient. Die Nachfahren der Grimms haben nie einen Penny für Urheberlizenzen gesehen. Wer aber Cinderella in der Öffentlichkeit nutzt, dem drohen Disneys Anwälte.

- Als Eastman Kodak die Fotografie für jedermann erfand (davor konnten nur professionell ausgebildete Fotografen fotografieren), wollten Politiker und Prominente plötzlich Lizenzgebühren dafür, wenn man Sehenswürdigkeiten und Promis fotografieren wollte.

Das Neue entsteht aus dem kulturellen Gedächtnis des Vorhandenen. Insbesondere im digitalen Zeitalter. Da können vorhandene Bilder und vorhandene Musik zu neuen Werken kompiliert werden. Wenn es gut gemacht ist, ist es eine kreative Leistung. Doch wenn die Lizenzvorderungen zu hoch sind, dann leidet die Kreativität und damit unsere Kultur.

Und schließlich mißbrauchen totalitäre Ideologen das Copyright um politisch Oppsitionelle zum Schweigen zu bringen. Motto: Wer mich nicht zitieren darf (Copyright!), der kann mich auch nicht kritisieren.

Dieses Buch ist echter Augenöffner für die Bedrohung unserer kreativen Kultur durch zu starre Urheberrechte. Doch das verstehen unsere Politiker wie Justizministerin Zypries leider nicht einmal im Ansatz...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2007 1:12 PM CET


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