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Beiträge von Martin Vterlein
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Rezensionen verfasst von
Martin Vterlein "vau860" (Hamburg)
(REAL NAME)   

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Earphoria (Live) (Explicit Version)
Earphoria (Live) (Explicit Version)
Preis: EUR 21,04

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Really smashing!, 28. November 2002
Wer denkt, dass die jetzt erschienene Live-CD der Smashing Pumpkins nur die übliche Leichenfledderei durch eine geldgeile Plattenfirma ist, der täuscht sich. Auch die Annahme, dass man mit den Studioplatten der Band schon ausreichend bedient ist, stimmt so nicht. „Earphoria" zeigt die Pumpkins von ihrer knüppelharten, vollkommen kompromisslosen Seite. Die meisten Mitschnitte stammen aus den Jahren 93 bis 95, aus der Zeit vor dem Starruhm also.
Ich war leider bei keinem ihrer Auftritte, habe aber viele Menschen, die das Vergnügen hatten, oft und ausführlich schwärmen gehört. Allein das Free-Concert auf der Reeperbahn schlägt bis heute Wellen der Begeisterung. Diesen Nachhall kann man nun auf „Earphoria" hören. Es ist in der Tat die wahre Freude für die Ohren. Die Gitarren braten, was das Zeug hält. Das Schlagzeug überschlägt sich fast und Billy Corgan singt so engagiert, dass alles, was auf „Mellon Collie" als hart galt, wie ein lauer Abklatsch wirkt. Selbst ein Kuschelrock-Stück wie Disarm wird hier zum Hardrock Ereignis.
Besonders gelungen an dieser Platte ist die Produktion. Der Sound ist den Lieder durchweg angemessen. Der Live-Charakter bleibt unberührt. Ecken und Kanten wurden da belassen, wo sie hingehören und trotzdem ist das gesamte Klangbild vorbildlich transparent. Nur so machen solche Platten Spaß.
Die Pumpkins werden in meine Liste der Bands, die ich gerne live gesehen hätte, aufgenommen und ich werde noch mehr trauern, dass es diese vorzügliche Band nicht mehr gibt. Schade drum!


Lapalco
Lapalco
Wird angeboten von NetsavesUK
Preis: EUR 15,46

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Groß, 12. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Lapalco (Audio CD)
Ich finde die White Stripes nicht besonders toll und stimme doch mit Jack White in mindestens einem überein: „I want to tell everybody about my new favorite album. It's by a Detroit songwriter named Brendan Benson ... it's the best thing I've heard in years."
Was dem guten Mr. Brenson jetzt sechs Sommer nach seinem gefeierten und doch so gut wie nicht verkauften „One Mississippi"-Debut gelungen ist, ist aller Ehren wert. „Lapalco" ist vielleicht nicht unbedingt das Aller-Beste, was man seit Jahren zu Hören bekommen hat, es spielt aber durchaus in einer Liga mit der letzten Bright Eyes Platte, „Gold" von Ryan Adams oder „Rocking the suburbs" von Ben Folds. Schlicht eine Platte zum Festhören und Liebhaben.
Brenson nimmt uns auf eine Reise durch schönste musikalische Gefilde mit: Erinnerungen an Paul Weller, T.Rex, die Kinks und die Beatles werden geweckt. Trotz dieser „Verwurzelung" schafft sich Brenson sein eigenes Spielfeld. Alle möglichen Retroanklagen werden von der enormen Frische des Materials weggewischt. Das ist neben der flockigen Produktion auch den über-persönlichen Texten zu verdanken. Soviel Nähe ist selten: „I'm Brendan/ what's your name?"
Brenson arbeitet die für ihn wohl nicht so einfache Zeit seit seiner ersten Platte auf. Sechs Jahre saß er da und überlegte, wie es weitergehen könnte. Das Resultat seiner Überlegungen klingt zum Glück weder weinerlich noch grüblerisch. Das sind ganz einfach Popsongs vom Feinsten, unverkrampft, glitzernd und tänzelnd.
Da hat einer zu sich gefunden und die Gunst der Stunde genutzt. Im Song „Folksinger" rät eine Freundin:" Stop pretendin' / you're not John Lennon." Spitze, denn so eine phantastische Platte hat John in seinen letzten zehn Jahren nicht mal annähernd zustande gebracht. Schöne Grüße nach Detroit und „Auf Wiedersehen" in den Jahresbestenlisten.


Old Low Light
Old Low Light
Preis: EUR 18,76

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gesucht - gefunden, 4. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Old Low Light (Audio CD)
Ich bin ja ständig auf der Suche nach Sängerinnen, die nicht hysterisch herumkreischen oder ausschließlich davon singen, sich jetzt endlich mal befreien zu müssen. Ich bin fündig geworden. Kathryn Williams ist mit ihrer neuen CD „Old low light" ein Meisterwerk für die kalte Jahreszeit gelungen. Stoisch trägt die 28-jährige ihre reduzierten Songperlen vor.
Wie bunte Herbstblätter fallen die Songs vom Baum ihrer Erkenntnis herab, leise, melancholisch, jedes einzelne verschieden gefärbt. Es handelt sich um Kostbarkeiten der besonderen Art und so ist jedes Stück umwoben von zarten Klängen. Zupfbass, Cello, ein schleichendes Schlagzeug schaffen den warmen Hintergrund für Kathryns einschmeichelnd beiläufige Stimme. Die Arrangements erinnern an „Astral weeks" von Van Morrison. Der findet sich auch in Williams Lieblingsmusikerliste, die daneben noch so prominente Vorbilder wie Nick Drake, Bob Dylan und Velvet Underground anführt. Diese Frau versteht was von guter Musik und ist in der Lage, etwas Neues, Großes daraus zu machen.
„You chose silence, you chose it more than life," singt die Dame aus Liverpool im Song "Wolf". Aber, mal ehrlich, haben wir irgendeine Wahl? Kathryn Williams jedenfalls gelingt es durch die Ruhe ihrer Musik, die ganz große Stille für einen kurzen Moment zu verdrängen. Das ist besonders dann schön, wenn draußen die ersten Schneeflocken fallen und die Leute langsam ein wenig runterkommen. Musik für den Bremsweg!


No Jazz
No Jazz
Wird angeboten von mabibam
Preis: EUR 6,85

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen the return of acid jazz?, 23. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: No Jazz (Audio CD)
In Frankreich ist noJazz, der Erstling des gleichnamigen Jazzkollektivs, bereits im Frühjahr erschienen. Seitdem haben die fünf Franzosen etliche Auftritte in Kanada und Europa hinter sich gebracht. Im November kommen sie nach Deutschland.
Wer um 1990 herum AcidJazz von Galliano, Jazzmatazz oder Incognito mochte, wird spätestens nach mehrmaligem Hin-und-Her-Hören auch noJazz Wert schätzen. Flockige Rhythmen, mal getrommelt, mal gesampelt, unterlegen elegante Bläserlinien, die zusammengemixt mit etwas Rap und ein Paar Spritzern Disco-Gimmicks einen schönen Cocktail ergeben. Besonders die beiden Bläser bewahren das Projekt durch ihren warmen aber nicht zu abgeschliffenen Sound vor dem Abgleiten in unliebsame Gegenden der Tanzmusik. Das hat stellenweise sogar noch etwas mit Jazz zu tun. So wie damals als sich ein Haufen Bands aufmachte, den Jazz mit HipHop zusammenzuschweißen. So wie noJazz müssten diese Bands heute klingen, wären sie nicht schon lange in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
NoJazz, die unvermutete Rückkehr des AcidJazz? Vielleicht. Wünschenswert wäre es für die Fünf und uns Cocktailtrinker. Erstrecht, wenn das nächste Mal Zeugs wie „Come on, clap your hands" verschwunden ist und sich die Discokugel ein wenig langsamer dreht.


The Ragpicker's Dream
The Ragpicker's Dream
Preis: EUR 5,99

14 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alte Männer, ganz o.k., 15. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: The Ragpicker's Dream (Audio CD)
So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass 2002 zum Jahr der irgendwie schon abgeschriebenen Helden werden wird. Neil Young war gut, Springsteen erfolgreich, Tom Petty nicht schlecht und Peter Gabriel mehr als anständig. Jetzt ist also Mark Knopfler an der Reihe und auch er gewinnt. Was ist nur mit den alten Männern los? Die machen plötzlich wieder, wofür wir sie früher gerne bezahlt haben: Die Musik, die sie können, ohne viel Sound-Tamtam und ohne lästige 80er Produzenten-Altlasten.
Mark Knopfler hat sich endlich auch klangtechnisch von den Dire Straits gelöst und spielt das, was er wohl schon immer spielen wollte, eine relaxte Mischung aus amerikanischem Blues mit englischen Folkeinflüssen und ein wenig Popeinschlag. Pop allerdings wird diesmal zum Glück kleingeschrieben, die akustischen Gitarren dominieren, ein Klavier perlt und Knopfler groont dazu.
Der Opener „Why Aye man" ist die Liebeserklärung eines englischen Bauarbeiters an Deutschland, wo alle neuen Gebäude "british-made" sind und das Bier "chemical free". Da hat er bei den Krauts schon mal einen Stein im Brett. Überhaupt geht es in den Songs viel um die Nomaden der Globalisierung, um Heimat und den Verlust der selben. „It's hard to find love anywhere" singt Knopfler in "Devil baby" und behält damit uneingeschränkt recht.
Das ist alles kein Grund, euphorisch zu werden, aber freuen darf man sich schon, dass die Begleiter von einst zu sich selbst finden. Auch wenn sich das Ganze manchmal und immer noch in gefährlicher Nähe zu Chris Rea und dem späten JJ Cale bewegt.


Leaving Songs
Leaving Songs
Preis: EUR 13,56

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlaflos in Schweden, 1. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Leaving Songs (Audio CD)
„The Lord won't give me slumber and I can't forget you wondered." Gewundert habe ich mich tatsächlich, dass jetzt schon der Nachfolger zum sehr gelungenen "Northern Blues" erscheint. Erst im Frühjahr hat uns Herr Aström aus Schweden mit seinen tief melancholischen Balladen beglückt. „The Lord won't give me slumber." Dieser Mann scheint tatsächlich wenig zu schlafen. Gleich nach Abschluß der Aufnahmen zu „Northern Blues" zogen Aström und Gitarrist Jari Haapalainen los und kauften sich eine Kiste Bier. Die tranken sie in einer Nacht aus und als die Sonne aufging, waren 17 neue Songs geboren. 4 davon finden sich in den original 4-Spur-Versionen auf „Leaving Songs". Der Rest wurde mit Band im April 2001 in nur zwei Studiotagen live aufgenommen.
Herausgekommen ist ein Album voller schwermütiger Lieder, die in gewohnter Manier vorgetragen werden. Weniger Geigenarrangements finden sich auf „Leaving Songs", aber auch weniger Verbitterung. Die ist einem traurigem Realismus gewichen: "You say that it will never be the same, but that's ok."
Über allem schwebt Aströms wunderbare Stimme. Über deren Gebrochenheit müsste man lachen, würde sie nicht derart direkt ans Herz gehen. Gleiches gilt freilich für Sangeskollegen wie Cave, Waits und Isaak: Einzigartige Stimmen für die lichtabgewandte Seite eines Tages. Aström ist dabei, sich in diese Liga zu spielen. Dass er den Vergleich mit Klassikern nicht zu scheuen braucht, beweist er mit der herausragenden Version des 60er Jahre Oldies „Mr. Bo Jangles". Selbst Dylan hat dieses Lied nicht besser hinbekommen.
Ach ja! Und, Kristofer, falls Du vorhast, in den nächsten Monaten wieder eine neue Platte aufzunehmen, vergiss einfach, dass ich mich gewundert habe und leg los!


Lifted or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground
Lifted or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 14,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaufen!, 24. September 2002
Unwissen tut manchmal richtig weh. Im Fall von Bright Eyes ganz besonders. Wie kann es nur sein, dass ich noch nichts über diese fantastische Band gehört hatte? Bisher dachte ich bei „Bright Eyes" nur an Art Garfunkel. I feel ashamed.
Bright Eyes ist in erster Linie ein Mann Anfang zwanzig mit dem seltsamen Namen Conor Oberst. Oberst hat alles, womit Ryan Adams im vergangenen Jahr die Musikwelt euphorisierte. Und noch viel, viel mehr. Fast möchte ich meine Hymnen auf Adams umschreiben. Denn möglicherweise liegt jetzt erst vor uns, was wir uns seinerzeit sehnlichst gewünscht hatten. Da ist endlich wieder einer, der schmerzliche Seelenzustände besingt, ein begnadetes Händchen für klassische Songs hat und eine Stimme, die problemlos alles zwischen Robert Smith, E und dem mittleren Bob Dylan abdeckt. Diese Stimme zwingt geradezu zum Hinhören, so eindringlich kommt es aus den Lautsprechern.
Oberst kennt auch die Musik seiner Generation. „Lover, I don't have to love" zum Beispiel klingt nach Radiohead und so wie die Engländer verzichtet der junge Mann aus Omaha/Nebraska weitgehend auf Refrains. „Bowl of oranges" könnte von den Eels stammen. „Make war" galoppiert als Country-Nummer durchs Wohnzimmer.
Besonders gelungen sind aber die Stücke, die Oberst zur Gitarre vorträgt. Da singt dann ein Kind der Clinton-Ära Folk-Songs, wie sie schon vor 40 und mehr Jahren geschrieben wurden.
Einziges Makel der Platte sind die zu häufig eingesetzten Trommelwirbel-Rhythmen, die dort an New Model Army denken lassen, wo man es bestimmt nicht will. Bright Eyes sollten sich vielleicht mal nach einem neuen Schlagzeuger umsehen.
Zeiten der Krise bringen außergewöhnliche Künstler hervor. Die Zeiten sind schwierig, es ist die Stunde des Conor Oberst!


Mojo Club Vol. 11 (Right Now)
Mojo Club Vol. 11 (Right Now)
Preis: EUR 7,99

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlussverkauf bei Mojo, 16. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Mojo Club Vol. 11 (Right Now) (Audio CD)
"The Saga continues" steht auf der neuen CD des Mojo Clubs aus Hamburg. Das bezieht sich nicht ausschließlich darauf, dass wir es mit der mittlerweile elften Folge der beliebten Dancefloor Jazz Sampler Reihe zu tun haben.
Dancefloor Jazz vol. 11 bringt das, was alle anderen CDs aus der Mojo-Reihe auch bieten. Freunde tanzbarer Jazz-Soul-Bossa-Fusion der 60er und 70er Jahre finden hier, was das cocktail-geschwängerte Herz wünscht, nämlich exquisit ausgewählte Stücke von mehr oder minder bekannten Größen der vorrangig schwarzen Musikszene jener Tage.
Der normale Musikhörer kann für solch treffliche Zusammenstellungen dankbar sein, schlagen sie doch eine Schneise in einen ansonsten unübersichtlichen Wald an musikalischen Gewächsen aus längst vergangenen Zeiten. Walk on, Mojo!


A Hundred Days Off
A Hundred Days Off
Wird angeboten von docu-films
Preis: EUR 12,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Underworld sind auch im Studio richtig gut!, 19. August 2002
Rezension bezieht sich auf: A Hundred Days Off (Audio CD)
Spätestens seit ihr Hit „Born Slippy" im Soundtrack von Trainspotting auftauchte, sind Underworld auch dem deutschen Pophörer ein Begriff. Zurecht, wie das elektrisierende Live-Album „Everything, everthing" bewies.
Underworld sind im Irrgarten der elektronischen Subgenres schwer zu verorten. Natürlich könnte man das Ganze als Party-Techno abstempeln. Man kann aber auch von einer tanzbaren Variante dessen sprechen, was Projekte wie The Orb oder Future Sound of London vor zehn Jahren begonnen hatten.
Die ersten fünf und die drei letzten Tracks auf „A hundred days off" bringen glücklicherweise genau das, womit Underworld auf ihrem letzten Album aufgehört hatten. Hypnotische, aber nicht zu einfach gestrickte Beats, die als Grundlage für die melancholische Stimme von Karl Hyde dienen. Einzig „Dinosaur Adventure 3 D" klingt altbacken und kommt mit zu vielen Klischees daher. Die CD birgt mit dem Song (!) „Trim" jedoch auch noch eine wirkliche Überraschung. Dieses leichte, entspannte Lied könnte auch auf der neuen Beck CD Platz finden, die Komposition könnte von J.J. Cale sein.
Wer elektronische Musik völlig ablehnt, wird natürlich auch Underworld nicht mögen. Für alle anderen ist „A hundred days off" eine wunderschöne Platte zum Chillen.


Since We've Become Translucent
Since We've Become Translucent
Preis: EUR 11,61

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen There's life after Kurt, 16. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Since We've Become Translucent (Audio CD)
Als sich am 07. April 1994 der ebenso begabte wie charismatische Sänger Kurt Cobain eine Ladung Schrot in den hübschen und wahrscheinlich zugedröhnten Kopf jagte, starb mehr als nur das Aushängeschild des Popphänomens namens Grunge.
Grunge stellte die notwendige Weiterentwicklung einer Tradition dar, die mit Garagenband wie den Seeds begann und sich über die Stooges und die Pixies fortsetzte. Ende der achtziger Jahre schienen sich alle Freunde ehrlichen Rocks an der amerikanischen Westküste, genauer in Seattle versammelt zu haben. Das lokale Sub Pop Label veröffentlichte wie aus heiterem Himmel Aufsehen erregende Platten von Bands wie den Melvins, Soundgarden, Mother Lovebone und eben Mudhoney. Letzteren kam dabei die Ehre zu Teil, mit dem Song „Touch me I'm sick" den Prototyp des Grungesongs geliefert zu haben. Angeblich soll dieses Lied einer Stripperin und der späteren Frau Cobains einmal das Leben gerettet haben, sie gründete völlig beeindruckt ihre Kapelle Hole. 1994 war das alles mir einem Schuss vorüber.
„Wir sind die einzige Grunge-Band, die 1995 noch übriggeblieben ist," gaben Mudhoney anlässlich der Veröffentlichung von „My brother the cow" zu Protokoll. „Das ist auch 2002 so", möchte man beim Hören der aktuellen Scheibe hinzufügen und natürlich noch auf die ebenfalls überlebenden Pearl Jam verweisen.
Wie schon den Vorgänger, das in Deutschland nur als US-Import verfügbare „Tomorrow hit today", hat Ex-Stones Pianist („Wild horses") und Replacements Entdecker Jim Dickinson auch „Since we've become translucent" produziert. Zum Glück, denn an den Kompositionen der Vier aus Seattle hat sich wenig geändert. Auf der einen Seite erinnert vieles an den wirklichen „Godfather of Grunge" Iggy Pop, auf der anderen an Black Sabbath Gitarrenriffs auf 45 Umdrehungen. Auffällig und ein wenig überflüssig ist nur, dass diesmal noch eine kräftige Portion 70er Spacerock dazukommt.
Jim Dickinson nun ist es gelungen, das Klanguniversum von Mudhoney beachtlich zu erweitern. Allein die Bläsersätze und Chöre bei einigen Liedern tun dem Ganzen richtig gut. Dabei geht nichts von der ursprünglichen Härte verloren, ganz im Gegenteil. Mudhoney gelingt es so, sich von gängigen Punk- oder Neo-Rock Klischees abzuheben und die immer noch glühende Wut und Frustration auf eine Weise zu transportieren, die den Hörer nicht gleich langweilt oder an bessere Zeiten denken lässt. Man höre sich nur einmal das treibende „Sonic infusion" an. Da werden selbst „Primal Scream" neidisch.
Mudhoney sind im Jahr 2002 zwar nicht die letzte übriggebliebene Grunge-Band, aber auf jeden Fall die, die am wenigsten nach Verwesung riecht.


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