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Beiträge von Peter Samol
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Rezensionen verfasst von
Peter Samol "sympathietraeger" (Herford, Nordrhein-Westfalen Deutschland)
(REAL NAME)   

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Euphoria: Roman
Euphoria: Roman
von Lily King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu sehr ins klassische Erzählschema gepresst, 31. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Euphoria: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dem Buch liegt eine reale historische Begebenheit zugrunde. Bei dieser handelt es sich um die Begegnung der Ethnologin Margaret Mead und ihres damaligen Ehemannes (ebenfalls Ethnologe) mit einem weiteren Ethnologen, der später Meads zweiter Ehemann werden sollte.

Ort der Romanhandlung ist der Dschungel von Neuguinea und hier vor allem ein ganz bestimmter Stamm, der von Meads alter Ego "Nell" und deren Ehemann "Fen" beforscht wird. Zunächst ist das Setting interessant. Die drei völlig verschiedenen Charaktere haben bei ihren Forschungen ganz verschiedene Herangehensweisen, was für die jeweils anderen teils anregend wirkt, aber auch für eine Menge Konfliktstoff sorgt.

Natürlich spielt die Konstellation zwei Männer - eine Frau eine ganz zentrale Rolle. Meines Erachtens leider eine zu zentrale. Während der Urwaldstamm - hierunter durchaus auch einige interessante Individuen - zunächst noch sehr lebendig geschildert wird, mitsamt den Verständnis- und Forschungsproblemen, die die Kollision mit ihrer Kultur selbstverständlich mit sich bringt, so tritt er mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund.

Gegen Ende wird er leider vollends ausgeblendet und muss den klassischen Motiven von Abenteurertum, westlichem Männlichkeitswahn, Gewalt, Verrat, Liebe und Tod weichen. Damit obsiegt das klassische Erzählschema, das zwar gekonnt abgespult wird, aber doch ein tiefes Gefühl der Enttäuschung hinterlässt. Die Sorgen und Nöte der Ethnologen im Dschungel, das Gefühl nie wirklich Teil ihres Forschungs-"Gegenstands" zu sein, ihre Hochs und Tiefs, die Zweifel und Selbstzweifel - all das wird zwar angerissen und dabei auch glaubwürdig dargestellt, kommt aber am Ende einfach viel zu kurz.

Wer sich der Ethnologie von der unterhaltsamen Seite nähern möchte, dem seien hier abschließend noch die Bücher von Nigel Barley (insbesondere "Traumatische Tropen") empfohlen.


Die Geburt des Monotheismus im alten Iran. Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra
Die Geburt des Monotheismus im alten Iran. Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra
von Harald Strohm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,90

5.0 von 5 Sternen Tiefe Einsichten in die Ursprünge Monotheistischer Religionen, 26. August 2015
Strohm verbindet seine Kenntnisse der alten Religionen mit den Einsichten moderner Psychoanalytiker und Kindheitsforscher. Das führt ihn zu der These, dass all die alten Götter verschiedene Phasen der Menschwerdung darstellen. Ohne es bewusst zu planen, haben die alten Kulturen bestimmte frühkindliche Entwicklungsschritte jeweils durch bestimmte göttliche Figuren symbolisiert. Insgesamt zeichneten die alten Mythen auf diese Weise die individuelle Menschwerdung nach und halfen den Leuten so, bestimmte Probleme zu bewältigen.

Die vielen Götter der alten "heidnischen" Religionen waren mit anderen Worten ein wichtiger Beitrag zur seelischen Gesundheit, indem sie bestimmte innerpsychische Dramen immer wieder und äußerst variantenreich dargestellt haben. Sigmund Freud hatte das bereits im Hinblick auf die alten griechischen Mythen entdeckt; man denke in diesem Zusammenhang nur an die Ödipus-Sage. Noch reichere Schätze, so ist Strohm überzeugt, hätte Freud wohl bei den alten Indern heben können, hätte er sie denn besser gekannt.

Nicht alle Götterfiguren waren positiv besetzt. Der indische Gott Varuna stand beispielsweise für eine verhängnisvolle Fehlentwicklung. Wenn Kinder im Zuge ihres Spracherwerbs mit ca. 1,5 Jahren mit zu großen Moralvorstellungen oder beispielsweise auch Reinlichkeitsgeboten konfrontiert werden, dann kann dadurch ihre bisherige kindliche Erfahrungswelt drastisch entwertet werden und "in Scherben fallen", wie es der Autor ausdrückt. Das weitere Leben wird dann von den äußerlich herangetragenen Moralvorstellungen überformt, während die kindliche Identität mit all ihrer ursprünglichen Lebensfreude beiseite gedrängt und geradezu erdrückt wird. Auf diese Weise entsteht ein verdrossener, nicht selten zwanghafter Mensch, der zu Depressionen, Aggressionen, Rachegefühlen, Hass, Eifersucht etc. neigt. All die moralischen Konventionen sollen diese Gefühle unterdrücken, machen es am Ende aber nur noch schlimmer. Im alten indischen Götterkosmos wurde Varunas Deformation jedoch durch die Mitgötter aufgefangen und Varuna selbst gewissermaßen einer "Therapie" unterzogen, indem er seine eigene Kindheit noch einmal durchlaufen durfte.

Für das Folgende muss man Wissen, dass die Iranische und die Indische Kultur eng miteinander verwandt sind und aus einer gemeinsamen Vorläuferkultur hervorgingen. Im altiranischen Zarathushtraglauben - eine der ersten Erscheinungsformen des Monotheismus und seinerzeit gewiss die entwickeltste - war es nun ausgerechnet jener Varuna, der unter dem abgewandelten Namen "Ahura Mazda" als einziger Gott übrigblieb. Plötzlich fehlte sein besänftigendes und therapeutisch wirkendes Umfeld. Übrig blieb ausgerechnet der zornige, eifersüchtige und rächende Gott, der mit seiner sauertöpfischen Moral nach und nach in die Köpfe der Menschen eindrang und sich bis heute als Jehova, "Gott" bzw. Allah im Rahmen der drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) fortsetzt. Damit nicht genug, hat der Glaube an Ahura Mazda selbst so große Philosophien wie etwa den Platonismus entscheidend mitgeprägt.

All das stellt Strohm sehr überzeugend dar. Es bleibt nur die wichtige Frage: Warum ausgerechnet Varuna? Warum ausgerechnet der deformierteste und problematischste all der alten indo-iranischen Götter? Strohm gibt noch einen Hinweis: All die anderen Götter waren
vergleichsweise leicht zu verstehen, Varuna aber macht mit seiner verdrehten Art alles kompliziert. Um richtig mit ihm zu kommunizieren, braucht es Experten, sprich Propheten und Priester. Es war in deren Interesse, eine möglichst komplizierte Religion zu etablieren, um sich selbst nicht überflüssig zu machen. Aber reicht diese Erklärung wirklich aus? Warum hatten Zaratushtra und seine Nachfolger überhaupt Erfolg damit, ihre verqueren Gottesvorstellung an die Laien herantragen? Hier ist noch eine Erklärungslücke zu schließen.

Dennoch: Strohm stellt seine Thesen nachvollziehbar dar. Das Buch ist zwar nicht immer leicht zu lesen, stellt aber eine äußerst kenntnisfördernde und nicht selten vergnügliche Lektüre dar. Allen, die sich für die tieferen Schichten der Entstehung der heutigen Religionen interessieren, kann hier eine uneingeschränkte Leseempfehlung gegeben werden.


Falling Skies - Die komplette vierte Staffel [3 DVDs]
Falling Skies - Die komplette vierte Staffel [3 DVDs]
DVD ~ Noah Wyle
Preis: EUR 28,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Volm mussten mal eben weg ..., 25. August 2015
Eine Warnung vorweg: Wer die Staffeln eines bis drei noch nicht gesehen hat, sollte hier mit dem Lesen aufhören, denn es wird in dieser Rezension viel über die vorangehenden Ereignisse verraten.

Es ist der Fluch dieser Serie, dass die Macher kurz vor dem Ende jeder Staffel noch nicht wissen, ob es weitergeht. Eigentlich war ja nach dem Ende von Staffel drei alles in Butter: Das Espheni-Netz war zerstört und die schlagkräftigen Alien-Verbündeten der Menschen (die Volm) konnten endlich auf der Erde landen und die Espheni wirkungsvoll bekämpfen. Damit hätte die ganze Serie am Ende der dritten Staffel ihr Happy-End gefunden.

Jetzt geht es aber doch weiter. Damit die Menschen nicht als unbedeutende Zaungäste einem Kampf der Giganten beizuwohnen haben, mussten die Volm wieder verschwinden. Das wird immerhin einigermaßen plausibel erklärt: Die Espheni haben angeblich einen sehr wichtigen Planeten der Volm angegriffen, die sich daraufhin von der Erde zurückziehen müssen, um diesen zu verteidigen. Und den Menschen ergeht es schlimmer als zu Ende der zweiten staffel. Von allen verlassen sind sie wieder den Espheni ausgesetzt, die raffinierter und skrupelloser vorgehen als je zuvor.

Es ist ja einerseits reizvoll, dass die Serie wieder zur Stärke der ersten beiden Staffeln zurückgefunden hat: Die Menschen kämpfen mit dem Rücken zur Wand gegen einen übermächtigen Gegner, der außerdem noch listiger, schlagkräftiger und undurchsichtiger handelt als je zuvor. Andererseits hat man das Gefühl, dass die Volm jederzeit zurückkehren können, um den Menschen im Bedarfsfall die Kastanien aus dem Feuer zu holen ... Das trübt natürlich die Spannung. Insgesamt wird die Serie durch die geschilderte Entwicklung wieder besser, das Format der bisher besten Staffel - nämlich Nummer zwei - wird sie aber wohl nicht wieder erreichen.


Layers
Layers
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Poznanskis bestes Buch, 25. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Layers (Broschiert)
Ursula Poznanski hat viele spannende Bücher geschrieben. Bisher hat sie mich noch nicht enttäuscht, und daher habe ich diese Buch sogleich aus meinem Stammbuchladen gekauft. Leider ist es alles andere als ihr bestes Buch. Man kann allen Menschen, die diese Autorin noch nicht kennen, nur raten, zuerst ein anderes Buch von ihr zu lesen. Fast ist es egal welches, obwohl "Erebos" (für Jugendliche) oder "Fünf" (für erwachsene Thriller-Fans) meines Erachtens ihre besten sind.

Was mich am vorliegenden Buch am meisten stört, ist die enorme Disproportionalität im Handlungsablauf. Ein knappes Kapitel von nicht ganz 20 Seiten schildert Dorians Leben auf der Straße, dann folgen ca. 100 Seiten, die Dorian in der seltsamen Organisation verbringt, welche die jungen Obdachlosen einsammelt, dann folgen fast 300 Seiten wieder auf der Straße bzw. auf der Flucht, in denen sehr wenig passiert, um schließlich in ein ca. 40-seitiges Finale einzumünden. - Jene ca. 300 Seiten auf der Flucht sind eindeutig zu lang geraten.

Ein weiterer Minuspunkt besteht darin, dass die Pointe dieses Mal sehr dürftig ausfällt. Soviel darf wohl verraten werden: Dorian ist getäuscht worden und hat sich in manchen Dingen geirrt. Aber das Ergebnis ist für ein Buch von rund 450 Seiten einfach zu dürftig.

Ich gebe drei laue Sterne. Klar, wer die Autorin kennt, wird auch dieses Buch lesen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber bisher definitiv ihr schwächstes. Immerhin: Viele Autoren (oder beispielsweise auch Musiker) brauchen weitaus weniger als bisher insgesamt acht Werke, um dann im neunten mal ein wenig zu schwächeln.


Europa Report
Europa Report
DVD ~ Sharlto Copley
Preis: EUR 4,99

4.0 von 5 Sternen Pannenparade der zehn kleinen (Schwarzafrikaner), 25. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Europa Report (DVD)
Zunächst einmal ist es ein großes Plus für den Film, dass er weitgehend realistisch geraten ist. Die Zeiträume für den Flug sind recht plausibel (auch wenn es wohl stärkerer Triebwerke als der heute verfügbaren bedürfte), die Ereignisse im Weltraum sind realistisch, und sogar Schwerelosigkeit wird gelegentlich simuliert. Dass die geringe Gravitation auf dem Jupitermond Europa (sie dürfte ca. 12 Prozent der irdischen betragen) nicht filmisch umgesetzt werden werden konnte, muss man in Kauf nehmen, wenn der Film noch umsetzbar sein soll.

Der Film ist alles andere als ein Action-Feuerwerk. Das Gefühl, sich auf einem Raumflug zu befinden, kommt halbwegs herüber, aber vor allem handelt es sich eine Art Kammerspiel. Der vorherrschende Eindruck ist die Enge im Raumschiff und die ständige Gefahr, der man in solch einer Blechbüchse im All ausgesetzt ist.

Die Handlung wird leider nicht linear erzählt, sondern besteht aus Vor- und Rückblenden. Es fällt zwar nicht allzu schwer, sich innerhalb relativ kurzer Zeit mit diesen Sprüngen zurechtzufinden, aber eine schlichte Zeitlinie wäre angenehmer gewesen. Inhaltlich besteht die Handlung aus einer Reihe von Pannen (insgesamt sieben an der Zahl), von der gut die Hälfte mindestens einem der sechs Besatzungsmitglieder das Leben kostet. Schwer zu beurteilen, wie realistisch das ist, aber es kommt einem alles in allem doch so vor, als wäre es ein wenig zuviel des Schlechten.

+++ Spoilerwarnung: +++

Mindesten ein Unfall ist sehr ärgerlich, weil absolut vermeidbar. Hier der Soundtrack dazu: "Das Eis ist dünn, aber es hält. Ich gehe weiter" - "Sei vorsichtig" - "Ich breche ein" - Funkstille. Kommt hinzu: Die betreffende Person hätte sowieso schon längst aufgrund einer hohen eingefangenen Strahlungsdosis umkehren müssen. Wer sich in einer absolut lebensfeindlichen Umgebung derart fahrlässig verhält, dem ist wirklich nicht zu helfen. Dieser Unfall wäre vermeidbar gewesen.

+++ Spoilerwarnung Ende +++

Am Ende ist es so wie in dem (politisch heute nicht mehr korrektem Lied) von den "Zehn kleinen (Schwarzafrikanern)": Eine(r) nach dem anderen stirbt, größtenteils heldenhaft, teils aus Dummheit. Ob es Überlebende gibt, lasse ich hier offen. Die Botschaft am Ende: "Alles für den Erkenntnisfortschritt" ist zumindest sehr diskussionswürdig.

Ich gebe vier sehr großzügige Sterne. Wie gesagt: technisch und wissenschaftlich ist alles soweit korrekt, die Spannung hält sich zwar in Grenzen, trägt aber immerhin - eine gewisse Begeisterung für Weltraumthemen vorausgesetzt - bis zum Ende des Films. Um einen Action-Film handelt es sich hier aber ganz gewiss nicht.


In die Dunkelheit: Odyssey 1
In die Dunkelheit: Odyssey 1
von Evan Currie
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

1.0 von 5 Sternen Der schönste Moment ..., 27. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: In die Dunkelheit: Odyssey 1 (Taschenbuch)
... den ich mit diesem Buch verbracht habe war jener, als ich mich entschloss dieses Machwerk beiseite zu legen und nie wieder eine Seite darin zu lesen.

Es ist schon viel Kritik über dieses Werk geäußert worden: Physikalisch Fragwürdiges (stimmt!); seltsame Zufälle, davon der größte, dass die Menschheit gleich beim ersten Verlassen des Sonnensystems in einen Krieg verwickelt wird (stimmt !!!); flache Charaktere (stimmt !!!!!); ein pennälerhafter Schreibstil, der von jedem guten Jugendbuch mit Leichtigkeit übertroffen wird (stimmt !!!), abgründige militaristische Auffassungen - Zitat: "Ich kämpfe für den Sieg." (Echt jetzt ???) - kurzum, es gibt ohnehin genug Gründe, dieses Buch gar nicht erst zu lesen.

Blieben noch die Action und die Spannung. Da diese in vielen Rezensionen positiv hervorgehoben wurden, habe ich bis zur ersten Raumschlacht durchgehalten. Dann stellte sich aber heraus, dass selbst die Kampfszenen einfach nur klischiert ablaufen.

*** SPOILERWARNUNG ***

Erwähnt sei nur die Selbstaufopferung einer Kampfpilotin. Solche Heldenopfer werden immer wieder gern genommen, sind aber wirklich nicht gerade originell; schon gar nicht, wenn die Heldin nur wenige Seiten vor ihrem Opfergang mal eben schnell eingeführt wird, um sie dann prompt zu verheizen. Da hilft auch ein anschließendes Helden-"Begräbnis" mit allen militärischen Ehren nicht, um noch mehr aus diesem "Einfall" zu machen.

*** SPOILERWARNUNG ENDE ***

Kurz: Selbst die angebliche Stärke des Buches ist in Wirklichkeit von gähnender Langweile und ausgelutschten Motiven geprägt. Der Schinken ist schlicht und ergreifend in JEDER Hinsicht miserabel.

Das Leben ist zu kurz für derart schlechte Bücher. Normalerweise lese ich angefangene Bücher auch zu Ende, aber hier habe ich die Ausnahme gefunden, welche die Regel bestätigt. Der selige Wolfgang Jeschke wird sich um Grab herumdrehen. Zu Zeiten seines Cheflektorats hätte ein solches Buch beim Heyne-Verlag nie und nimmer auch nur den leisesten Hauch einer Chance gehabt.


Donjon 111 - Das Ende des Donjon: Donjon - Abenddämmerung
Donjon 111 - Das Ende des Donjon: Donjon - Abenddämmerung
von Joann Sfar
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lustloser Abschluss einer Serie, die besseres verdient hätte, 9. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Trondheim und Co. hatten offensichtlich überhaupt keine Lust mehr auf die Serie und wollten sie schlicht und einfach zu einem schnellen Abschluss bringen.

Herbert, Marvin und ihre Verbündeten nehmen den Kampf gegen die Dunkelheit auf. Dabei folgt die Handlung keiner besonderen Logik, sondern stolpert mehr schlecht als Recht auf ihr Ende zu. Fast jeder Charakter, der im Donjon-Universum mal eine etwas größere Rolle gepielt hat, bekommt noch einmal einen kurzen Auftritt. Selbst die Verstorbenen, da Herbert auch eine Reise durch das Reich der Toten vollziehen muss. Diese Kurzauftritte scheinen, neben dem Wunsch irgendwie zu einem Ende zu kommen, der eigentliche Inhalt dieses Bandes zu sein.

Fast noch ärgerlicher als die fahrig dahingeschriebenen und -gezeichneten beiden Abschlussbände sind die zahlreichene Lücken in der Gesamtserie. So bleiben (mindestens) noch diese Fragen offen:

- Was wurde aus Hyazinths Geliebter Alexandra (der "schönen Mörderin")?
- Wann und wie genau wurde Hyazinth zum Donjon-Meister?
- Wann und warum wurde Horus zum Geist?
- Wie verlief das weitere Schicksal Hyazinths? Wie starb er?
- Was war das Schicksal Zongos?
- Was ist aus Nubbel geworden?
- Was ist eigentlich mit Herberts Frau passiert?
- Wann und wie genau wurde Herbert von der Dunkelheit ereilt?
- Wie verlief die Rache Marvins an Lispelam (dem Dorf mit den fremdenfeindlichen Hasen)?

Das sind Fragen, die wahrscheinlich nie beantwortet werden. Es besteht zwar die geringe Hoffnung auf ein paar weitere Donjon-Monster-Bände, in denen sie vielleicht beantwortet werden, aber wetten würde ich darauf nicht.

Am Ende bleibt eine enttäuschte Leserschaar zurück, die besseres verdient hätte.


Valis-Trilogie. Valis, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer: Drei Romane (Fischer Klassik)
Valis-Trilogie. Valis, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer: Drei Romane (Fischer Klassik)
von Philip K. Dick
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch für den Fall, dass die eigene Welt aus den Fugen geraten ist, 14. Mai 2015
Der Band umfasst die gesamte Valis-Trilogie: 1) "Valis", 2) "Die göttliche Invasion" und 3) "Die Wiedergeburt des Timothy Archer". Jeder Teil ist in sich abgeschlossen. Es gibt auch keinerlei Übereinstimmung bei den Handelnden Personen. So gesehen steht jedes Teilbuch für sich allein. Der einzige Zusammenhang zwischen den Teilen besteht in dem übergreifenden Thema: Der Suche nach Gott und Erlösung bzw. nach Sinn und Orientierung in einer Welt, die nicht besonders schön ist.

Zu 1) "Valis":
Es gibt Bücher, die kann man am besten lesen, wenn man in einer ganz bestimmten Lebenssituation steckt. Liest man sie zu anderen Zeiten, kann man nichts mit ihnen anfangen. Solche Bücher sind z.B. Salingers "Der Fänger im Roggen", Hesses "Steppenwolf", Doris Lessings "Das goldene Notizbuch" und eben Valis.

Es geht bei Valis nicht in erster Linie um Philosophie und auch nur in zweiter Linie um Gott. Es geht darum, wie man weiterhin in der Welt zurecht kommen soll, wenn einem das schlimmstmögliche widerfahren ist: Der Tod von nahestehenden Menschen. Der Ausgangspunkt ist der Selbstmord einer Frau und der psychische Absturz der Hauptperson "Horselover Fat". "Horselover" lautet auf Griechisch "Philip", "Fat" auf Deutsch "Dick". Horselover hadert mit Gott und entwickelt abstruse Theorien, in denen es immer wieder darum geht, wie die Menschen vom Leiden auf der Erde erlöst werden können. Dabei ist er nicht immer allein. Eine sehr interessante Nebenfigur ist z.B. ein Freund, der stets eine tote Katze mit sich führt. diese will er Gott beim jüngsten Gericht unter die Nase halten, um ihm den Tod der Katze vorzuwerfen.

Zugegeben: Wer gern herumspekuliert und dabei auch gern religiöse Fragen hin- und herwälzt ist mit diesem Buch besser bedient als andere. Aber es geht vor allem um das tiefe Gefühl der Verzweiflung nach einem harten Schicksalsschlag und wie man damit fertig wird. Wer gerade kraftstrotzend und mit beiden Beinen fest im Leben steht, wird mit Valis wenig anfangen können.

Zu 2): "Die göttliche Invasion":
Auch hier geht es um die Suche nach Gott und Erlösung. Es beginnt in einer Ein-Mann-Station auf einem fernen Planeten und einer seltsamen Begegnung mit Gott. Später ereignet sich für Dick so typische Motiv: Das totale Umkippen der Realität. Von allen drei Teilen der Valis-Trilogie liegt hier noch die größte Ähnlichkeit mit Dicks früheren Werken vor. Es ist der Teil mit der positivsten Grundstimmung.

Zu 3): "Die Wiedergeburt des Timothy Archer":
Dieser Roman ist ein Mainstreamroman. Es ereignet sich im Grunde nichts phantastisches, oder jedenfalls nichts, das nicht rational erklärbar wäre. Dieser Teil könnte als ganz gewöhnliche Literatur durchgehen. Allerdings hallt die Grundthematik von Valis noch spürbar nach.

Alles in allem haben wir es in allen drei Bänden nicht mit Science Fiction zu tun (allenfalls im zweiten Band,aber auch dort ist sie nicht wirklich thematisch relevant). Auch geht es nicht wirklich um Philosophie im engeren (und schon gar nicht im akademischen) Sinne. Es geht schlicht und ergreifend um den Menschen und darum, wie er sich in einer Welt, die keineswegs immer nett zu ihm ist, zurechtfinden soll. Und genau in dieser Hinsicht spielt dann auch Religion eine Rolle. Nämlich als verbissene Auseinandersetzung mit einem Gott und seiner ziemlich verkorksten Schöpfung.

Es gibt übrigens noch einen vierten Band mit der Valis-Thematik. Er lautet "Radio freies Albemut" und ist 1987 im Moewig-Verlag erschienen. Dort begegnen wir nicht nur Horselover Fat und Valis wieder, sondern sogar Philip K. Dick selbst taucht darin als handelnde Person auf. Ein anderer ähnlich gelagerter Roman von Dick ist auch "Der dunkle Schirm". Dieses Vorgänger-Buch von Valis hat bereits eine ähnlich düstere Grundstimmung. Darin geht es in erster Linie um Drogen - ein Thema das zwangsläufig auch mit Fragen um Tod und psychischen Absturz zusammenhängt.

Wer das Leben nicht nur in rosigen Farben malt, sondern sich mit seinen sowohl inneren wie äußeren düsteren Seiten beschäftigen will oder muss, dem seien die genannten Bücher von Dick empfohlen. Wer dagegen Dick nur als SF-Autor mag, sollte um diese Bücher einen großen Bogen machen.


Firefly - Der Aufbruch der Serenity, Die komplette Serie [4 DVDs]
Firefly - Der Aufbruch der Serenity, Die komplette Serie [4 DVDs]
DVD ~ Nathan Fillion
Preis: EUR 8,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist unendlich traurig, dass diese geniale Serie abgesetzt wurde, 20. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Man nehme alles Gute aus Star Wars: Han Solo und sein Schiff, ersetze den Wookie durch acht überzeugende Charaktere und lasse den ganzen anderen pseudo-mythischen Quatsch sowie die dämlichen Lichtsäbel weg. Dann schaffe man eine plausible Hintergrund-Story und lässt das ganze auf Planeten mit einer stimmigen Wild-West-Atmosphäre spielen. Dazu noch ein gefühlvoller Sound und fertig ist eine der genialsten Fernseh-Serien der Welt.

Und dann verhindere man unbedingt das Unheil, dass ein dämliches Sender-Management das alles wieder kaputt macht !!!

Sorry Mr. Leibniz, diese Welt kann einfach nicht die beste sein, wie sie zu behaupten pflegten. In der besten aller Welten hätte diese Serie mindestens sieben Staffeln bekommen. Wenn irgend jemand da draußen den Weg in das Universum kennt, wo das der Fall ist, dann bitte umgehend hier melden!


Die Geburt des Monotheismus im alten Iran. Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra
Die Geburt des Monotheismus im alten Iran. Ahura Mazda und sein Prophet Zarathushtra
von Harald Strohm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefe Einsichten in die Ursprünge Monotheistischer Religionen, 20. November 2014
Strohm verbindet seine Kenntnisse der alten Religionen mit den Einsichten moderner Psychoanalytiker und Kindheitsforscher. Das führt ihn zu der These, dass all die alten Götter verschiedene Phasen der Menschwerdung darstellen. Ohne es bewusst zu planen, haben die alten Kulturen bestimmte frühkindliche Entwicklungsschritte jeweils durch bestimmte göttliche Figuren symbolisiert. Insgesamt zeichneten die alten Mythen auf diese Weise die individuelle Menschwerdung nach und halfen den Leuten so, bestimmte Probleme zu bewältigen.

Die vielen Götter der alten "heidnischen" Religionen waren mit anderen Worten ein wichtiger Beitrag zur seelischen Gesundheit, indem sie bestimmte innerpsychische Dramen immer wieder und äußerst variantenreich dargestellt haben. Sigmund Freud hatte das bereits im Hinblick auf die alten griechischen Mythen entdeckt; man denke in diesem Zusammenhang nur an die Ödipus-Sage. Noch reichere Schätze, so ist Strohm überzeugt, hätte Freud wohl bei den alten Indern heben können, hätte er sie denn besser gekannt.

Nicht alle Götterfiguren waren positiv besetzt. Der indische Gott Varuna stand beispielsweise für eine verhängnisvolle Fehlentwicklung. Wenn Kinder im Zuge ihres Spracherwerbs mit ca. 1,5 Jahren mit zu großen Moralvorstellungen oder beispielsweise auch Reinlichkeitsgeboten konfrontiert werden, dann kann dadurch ihre bisherige kindliche Erfahrungswelt drastisch entwertet werden und "in Scherben fallen", wie es der Autor ausdrückt. Das weitere Leben wird dann von den äußerlich herangetragenen Moralvorstellungen überformt, während die kindliche Identität mit all ihrer ursprünglichen Lebensfreude beiseite gedrängt und geradezu erdrückt wird. Auf diese Weise entsteht ein verdrossener, nicht selten zwanghafter Mensch, der zu Depressionen, Aggressionen, Rachegefühlen, Hass, Eifersucht etc. neigt. All die moralischen Konventionen sollen diese Gefühle unterdrücken, machen es am Ende aber nur noch schlimmer. Im alten indischen Götterkosmos wurde Varunas Deformation jedoch durch die Mitgötter aufgefangen und Varuna selbst gewissermaßen einer "Therapie" unterzogen, indem er seine eigene Kindheit noch einmal durchlaufen durfte.

Für das Folgende muss man Wissen, dass die Iranische und die Indische Kultur eng miteinander verwandt sind und aus einer gemeinsamen Vorläuferkultur hervorgingen. Im altiranischen Zarathushtraglauben - eine der ersten Erscheinungsformen des Monotheismus und seinerzeit gewiss die entwickeltste - war es nun ausgerechnet jener Varuna, der unter dem abgewandelten Namen "Ahura Mazda" als einziger Gott übrigblieb. Plötzlich fehlte sein besänftigendes und therapeutisch wirkendes Umfeld. Übrig blieb ausgerechnet der zornige, eifersüchtige und rächende Gott, der mit seiner sauertöpfischen Moral nach und nach in die Köpfe der Menschen eindrang und sich bis heute als Jehova, "Gott" bzw. Allah im Rahmen der drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) fortsetzt. Damit nicht genug, hat der Glaube an Ahura Mazda selbst so große Philosophien wie etwa den Platonismus entscheidend mitgeprägt.

All das stellt Strohm sehr überzeugend dar. Es bleibt nur die wichtige Frage: Warum ausgerechnet Varuna? Warum ausgerechnet der deformierteste und problematischste all der alten indo-iranischen Götter? Strohm gibt noch einen Hinweis: All die anderen Götter waren
vergleichsweise leicht zu verstehen, Varuna aber macht mit seiner verdrehten Art alles kompliziert. Um richtig mit ihm zu kommunizieren, braucht es Experten, sprich Propheten und Priester. Es war in deren Interesse, eine möglichst komplizierte Religion zu etablieren, um sich selbst nicht überflüssig zu machen. Aber reicht diese Erklärung wirklich aus? Warum hatten Zaratushtra und seine Nachfolger überhaupt Erfolg damit, ihre verqueren Gottesvorstellung an die Laien herantragen? Hier ist noch eine Erklärungslücke zu schließen.

Dennoch: Strohm stellt seine Thesen nachvollziehbar dar. Das Buch ist zwar nicht immer leicht zu lesen, stellt aber eine äußerst kenntnisfördernde und nicht selten vergnügliche Lektüre dar. Allen, die sich für die tieferen Schichten der Entstehung der heutigen Religionen interessieren, kann hier eine uneingeschränkte Leseempfehlung gegeben werden.


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