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Rezensionen verfasst von
Peter Samol "sympathietraeger" (Herford, Nordrhein-Westfalen Deutschland)
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Die biologische Invasion
Die biologische Invasion
von David Gerrold
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Doppeltes Fragment, 23. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Die biologische Invasion (Broschiert)
Die Idee, welche dieser Serie zugrunde liegt, ist brillant. Demnach wird die Erde nicht einfach von irgendwelchen Aliens in Raumschiffen angegriffen, vielmehr ist es ein komplette Ökologie, die sich auf einmal auf unserem Planeten breit macht. Diese reicht von kleinsten Mikroorganismen (die sich Form eines dichten rosa Staubes bemerkbar machen) über halluzinogene Pflanzen und etliche andere diverse Zwischenorganismen bis hin zu riesigen Würmern, die einen Menschen mit einem Haps verschlingen können.

Niemand weiß, woher diese breite Organismenpalette stammt. Raumschiffe oder ähnliche kosmische Phänomene wurden nicht gesichtet. Klar ist nur: Die völlig fremden Organismen sind leistungsfähiger als die heimischen und beginnen, diese nach und nach von unserem Planeten zu verdrängen. Auch für Menschen wird bald kein Platz mehr auf der Erde sein. Die groben militärischen Gegenmaßnahmen der Menschen wirken viel zu plump, und die unbedeutenden Lücken, die sie in der fremden Biosphäre reißen, werden nur allzu rasch wieder geschlossen.

Die Idee ist wie gesagt brillant. Allerdings hat die Reihe zwei Schönheitsfehler.

Die erste besteht darin, dass sich unter den Menschen eine Art Psycho-Bewegung bildet, der sich auch viele Soldaten anschließen. Das entsprechende Bewusstseinstraining soll die Menschheit angesichts der Katastrophe kampfbereit und widerstandsfähig machen. Der Autor beschreibt diese Bewegung selbst durchweg positiv. Dumm nur, dass sie stark an die Scientology-Sekte erinnert. David Gerrold ärgert sich selbst im Nachwort eines der Bücher sehr darüber, dass er immer wieder Anfragen von Lesern bekommt, die seiner fiktiven Psycho-Bewegung gern beitreten würden und verweist ausdrücklich darauf, dass es sie ja gar nicht wirklich gibt. Dennoch hätte er meines Erachtens viel kritischer über diese Bewegung schreiben und seinen fiktiven Scientology-Klon nicht so positiv darstellen sollen.

Der zweite Schönheitsfehler besteht darin, dass die Reihe in doppelter Hinsicht ein Fragment geblieben ist. Erstens ist der deutsche Heyne-Verlag nach dem zweiten Band ausgestiegen und hat seinerzeit ausdrücklich angekündigt, die Reihe nicht mehr weiterzuführen. Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden. Vermutlich haben die Sekten-Elemente bei der Entscheidung eine zentrale Rolle gespielt. Zweitens geht die Reihe auch im Englischen nur bis zum vierten Band. Der fünfte ("A method for madness") wird seit Jahren angekündigt, aber sein Erscheinungsdatum wird laufend mit schöner Regelmäßigkeit nach hinten verschoben.

Empfehlen kann man die Reihe daher nur solchen Lesern, die über den fragwürdigen Sekten-Strang hinwegzulesen vermögen und die kein Problem mit dem fragmentartischen Charakter haben. Immerhin enden die Bände jeweils in sich abgeschlossen; Kliffhänger gibt es nicht. Allerdings erfährt man auch nicht viel über die Hintergründe bzw. die Auflösung des ganzen.


Memoiren, gefunden in der Badewanne (suhrkamp taschenbuch)
Memoiren, gefunden in der Badewanne (suhrkamp taschenbuch)
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,50

3.0 von 5 Sternen Wenn es Kafkas Landvermesser "K" jemals ins Schloss geschafft hätte ..., 11. April 2014
... dann wäre die Geschichte wohl so ähnlich wie in diesem Buch weitergegangen. Allerding war Kafkas "K" etwas gewitzter, dafür hatte es Kafka aber nicht so mit irrwitzigen Wortspielen, wie man sie bei Lem zuhauf findet.

Insgesamt sind die "Memoiren" äußerst mühsam zu lesen. Die Langeweile überwiegt deutlich. Es gibt keinen Spannungsbogen, geschweige denn einen Höhepunkt. Auch inhaltlich bewegt sich nichts weiter. Es ereignet sich viel, aber es passiert nichts in diesem Buch. Jedes Ereignis kann todernst oder auch nur vorgetäuscht sein. Jedes ist voller Hinweise, die in Leere laufen. Auch ihre Reihenfolge spielt praktisch keine Rolle. Man kann ganze Passagen auslassen oder alles wild durcheinander lesen - es macht überhaupt keinen Unterschied. Und alles kann das Gegenteil oder aber auch gar nichts bedeuten. Sind die Dinge, die dem Ich-Erzähler zustoßen nur ein Test oder hat sich hier eine todernste Institution in sich selbst verwickelt und niemand in ihr findet mehr einen Ausweg daraus?

Der Text gibt die "Antwort" vor: ES WIRD KEINE ANTWORT GEBEN !!!

Auch die "Einleitung" ist keine wirkliche Hilfe. Irgendwie will sie nicht zum restlichen Text passen. Könnte es nicht einfach sein, dass Lem der realsozialistischen Vorgabe Folge leisten musste, "den Klassenstandpunkt zu vertreten", wie es damals hieß? So musste denn pflichtschuldig Kapitalismuskritik hinein, garniert mit ein wenig Antiamerikanismus. Wenn es so war (und ich neige stark zu dieser Vermutung), dann hat Lem der Befolgung dieser Vorgabe ein hübsche satirische Wendung gegeben. Man könnte sogar noch weiter gehen und die Einleitung als Teil der eigentlichen "Memoiren" in dem Sinne verstehen, dass sie bloß eine der vielen Akten und damit Chiffren darstellt, die im Gebäude zirkulieren. Dann wäre sie nur ein weiteres Stück Desinformation und gäbe gar keine hilfreichen Hinweise.

Dieses Buch ist jedenfalls definitiv nichts für Lem-Anfänger. Ähnlich wie bereits ein anderer Rezensent ausführte: Es ist das definitiv das schwierigste Buch in meiner nahezu vollständigen Lem-Sammlung.


Martin Heidegger
Martin Heidegger
von Walter Biemel
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Musterbeispiel für gute Sekundärliteratur, 1. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Martin Heidegger (Taschenbuch)
So muss Sekundärliteratur sein! Wie schon bei seiner Sartre-Monografie schafft es Walter Biemel auch hier, wesentliche Momente des behandelten Philosophen haargenau auf den Punkt zu bringen. Eine bessere Einführung in das betreffende Lebenswerk ist schlichtweg nicht möglich.

Da ist es durchaus verzeihlich, wenn die biographischen Momente nahezu vollständig unter den Tisch fallen. Eine eingehendere Beschäftigung mit Heideggers Umgang mit den Nazis hätte freilich schon Not getan (ergänzend sei hier auf Jean-Francois Lyotards Werk "Heidegger und die Juden" verwiesen), aber andererseits ist nach der Lektüre von Biemel auch klar, dass es ein großer Fehler wäre, Heidegger allein auf dieses Moment zu reduzieren.

Das größte Problem mit Biemels Darstellung besteht am Ende darin, dass man nach seiner Lektüre leicht Eindruck haben kann, das Original nicht mehr lesen zu müssen. Das sollte man schon noch, aber mit dem Wichtigsten davon ist man durch Walter Biemel bereits bekannt gemacht worden.


Heidelberger Spieleverlag HE007 - Tschach
Heidelberger Spieleverlag HE007 - Tschach
Preis: EUR 7,98

4.0 von 5 Sternen Kann man mit einem König und einem Kamel einen Springer mattsetzen?, 22. August 2013
= Haltbarkeit:5.0 von 5 Sternen  = Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen  = Pädagogisch wertvoll:4.0 von 5 Sternen 
Für Schachspieler mag die Titelfrage absurd erscheinen: Einen SPRINGER mattsetzen? Und was zum Henker hat ein Kamel im Spiel der Könige zu suchen?

Für Tschach-Spieler dagegen ist diese Frage völlig normal: Ganz klar, der Springer hat einen Putsch durchgeführt, seinen König abgesetzt und ist jetzt selber die herrschende Spielfigur seiner Farbe. Und das Kamel auf der Gegenseite ist nicht anderes als ein anderer (ehemaliger) Springer, der jetzt statt nur eins eben ZWEI Felder schräg (und wie zuvor eines gerade) setzt.

Die obige Frage ist übrigens mit nein zu beantworten und die Partie endete daher remis. Das passiert beim Tschach durchaus öfter - aber was zählt, ist sowieso viel mehr der Spaß als das Gewinnen.

Alles in allem ist Tschach eine witzige Ergänzung, mit der sich auch zwei Spieler, die sich eigentlich auf völlig verschiedenen Niveaus befinden, wieder auf Augenhöhe begegnen können.


Shadows in Flight (Shadow Saga)
Shadows in Flight (Shadow Saga)
von Orson Scott Card
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,50

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stimmiger Abschluss der Shadow-Reihe, 8. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Shadows in Flight (Shadow Saga) (Taschenbuch)
Vorab: Hier soll es um die Print-Version gehen. Über die Ärgernisse der Kindle-Ausgabe haben sich ja an dieser Stelle schon andere Rezensenten geäußert.

Das Raumschiff Herodotus hat die Erde im Jahr 2210 verlassen. An Bord befinden sich Bean (Enders "Schatten") und seine drei Kinder, die ebenfalls Beans Gen-Defekt in sich tragen. Dieser Defekt mach die von ihm Betroffenen zwar unglaublich intelligent, reduziert aber zugleich die Lebenserwartung auf max. 20 Jahre, da das betreffende Gen auch für den Stop des Größenwachstums eines Menschen zuständig ist. Ist es defekt, hört man nicht mehr auf zu wachsen und stirbt schließlich an einer überbordenden Körpergröße, die das Herz am Ende nicht mehr zu stemmen vermag.

Da die Herodotus mit annähernder Lichtgeschwindigkeit fliegt, sind auf der Erde beim Einsetzen der Romanhandlung bereits über 400 Jahre seit dem Abflug vergangen, während auf dem Raumschiff gerade einmal fünf Jahre verstrichen sind. Eine Lösung für den Gen-Defekt wurde auf der Erde bzw. ihren mittlerweile fast 100 Weltraumkolonien nicht gefunden - die Menscheit hatte meist andere Sorgen, als sich gerade diesem Spezialproblem zu widmen. Beans Kinder sind mittlerweile sechs Jahre alt, verfügen jedoch bereits über die geistigen Fähigkeiten von ausgewachsenen Nobelpreisträgern. Natürlich kommt es an Bord auch zu massiven Geschwister- und Vater-Kind-Konflikten, die sich aufgrund der besonderen Situation gewaschen haben. Besonders dramatisch wird es aber, als die Herodotus in der Nähe eines bewohnbaren Planeten einem Raumschiff begegnet, das definitiv nicht von Menschen gebaut wurde ...

Das Buch lässt sich gut lesen und ein gewisses Spannungsniveau wird an keiner Stelle unterschritten. Dass die drei Kinder entfernt an Ender und seine Geschwister erinnern, hat durchaus seinen Reiz. Eins von ihnen hat sogar den Namen "Ender" angenommen, ferner gibt es das Mädchen Carlotta (die mit ihrer Vorliebe für Technik allerdings nicht allzu sehr an Enders Schwester Valentine erinnert) und nicht zuletzt den militärisch orientierten Cincinatus, der durchaus gewisse Machtambitionen an den Tag legt und daher eine hohe Ähnlichkeit mit Peter Wiggin aufweist. Auch wenn man natürlich nicht im einzelnen weiß, wie es jeweils weiter geht, verläuft die Handlung doch im typisch "Card'schen Sinne" relativ absehbar. Dafür einen Stern Abzug. Dennoch empfehlenswert für alle, die wissen möchten, welchen Abschluss der Handlungsstrang um Bean im Enderverse findet.


Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology
Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology
von Gerald Willms
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hat das Zeug zum Standardwerk, 23. Januar 2013
Vorweg: Das Buch ist nicht geeignet für Leute, die nur eine Bestätigung ihrer vorgefertigten Meinung von der Gefährlichkeit aller oder auch nur bestimmter Sekten suchen. Der Autor hat vielmehr den Anspruch, jenseits von Ängsten, Schreckensberichten und Verunglimpfungen einen nüchternen Blick auf die Realität der vielen in Deutschland und in anderen westlichen Ländern anzutreffenden religiösen Gruppierungen zu werfen.

Auf 300 Seiten liefert der Religionssoziologe Gerald Wilms einen Überblick, in welchem er sich äußerst nüchtern mit der Realität der Sekten auseinandersetzt. Bei allem Anspruch auf Vollständigkeit fokussiert er dabei auf die westliche Hemisphäre, weswegen er leider auch das jüngste Phänomen des Salafismus und überhaupt den Islam weitgehend außen vor lässt. Zum Ausgleich holt er geschichtlich sehr weit aus. Unter anderem macht er dabei klar, dass auch das Christentum mitsamt seinen beiden auch in Deutschland vertreten Großkirchen einmal aus einer kleinen jüdischen Sekte hervorgegangen ist.

Wilms pflegt einen wissenschaftlich korrekten Agnostizismus, den er vollkommen unaufgeregt über die Gesamtlänge des Buches hindurch aufrecht erhält: "Einerseits ist es offensichtlich, dass alle Religionen (...) von Menschen gemacht sind. Andererseits kann man daraus aber nicht folgern, dass auch der tiefere Grund dieser (der religiösen) Artefakte - also beispielsweise Gott - von Menschen erfunden ist. Mithin ist genau die wissenschaftlich korrekte, weil 'wahrheitsneutrale' Position ein gemeinsames Ärgernis sowohl für Gläubige als auch für chronisch Ungläubige" (S. 228). Der Autor will weder schönreden und gutheißen noch verdammen oder verunglimpfen. Jede religiöse Spielart gibt zunächst einmal nur die grundlegenden weltanschaulichen Ansichten ihrer Anhänger wieder. Und nur um diese geht es in der Vielzahl der Beiträge. Aus Wilms' neutraler Perspektive sind sie dabei weder realitätsfremd und schon gar nicht verblendet, sondern einfach nur ihrer jeweils ganz spezifischen Weltwahrnehmungsperspektive verpflichtet. "Sekte" ist dabei übrigens ein Label, das sich niemand freiwillig anheftet.

Die Vielfalt der geschilderten Bekenntnisse ist schwindelerregend, und das, obwohl im Buch ständig betont wird, dass es sich nur um eine kleine Auswahl handelt, deren jeweilige inhaltliche Position noch dazu nur auf das Allerwesentlichste beschränkt wiedergegeben wird. Noch dazu betont der Autor wiederholt, wie sehr er sich zurückhalten musste, um nur nicht zu ausführlich zu werden und damit womöglich den Rahmen des Buches zu sprechen. Angesichts der Tatsache, dass allein die Anzahl der Bekenntnisse, die sich innerhalb des christlichen Protestantismus gebildet haben, circa 40.000 beträgt, ist das allerdings auch kein Wunder. Wilms gebührt das Verdienst, eine begehbare Schneise durch diesen ungeheuren Dschungel geschlagen zu haben und dennoch ein vergnügliches Lesen zu ermöglichen. Dennoch hat man den Eindruck, dass - abgesehen vom schon erwähntem Islam - nichts wesentliches Fehlt: Protestantische Sekten, von Buddhismus und Hinduismus Inspiriertes, Scientologie und sogar die Religion des "Fliegenden Spaghettimonsters" - alle (und viele mehr) sind sie da und werden erwähnt.

Am Ende wartet Wilms schließlich noch mit einer - wenn auch sehr groben - Typologie der Sekten auf, die immerhin eine erst Grundorientierung ermöglicht: Er unterscheidet zwischen "Adorno-Religionen" (Nach Adornos Zitat, wonach "kein wahres Leben im Falschen existiert"), "Feierabendreligionen" und "Ellbogenreligionen". Erstere warten auf die Apokalypse, um endlich das wahre Leben führen zu können, zweitere entsprechen den großen Konfessionen mitsamt ihren Sonntagsreden und letztere geben konkrete Anweisungen für den Erfolg im Diesseits (was auch immer sie jeweils darunter verstehen).

Wer mit der konsequenten Wertfreiheit umgehen kann, für den wird Wilms' Buch im Hinblick auf Fragen zu religiösen Sondergruppen sicherlich bald zum Standardwerk werden. Fehlt eigentlich nur noch ein Ergänzungsband zum Islam.


Farnschiffe
Farnschiffe
Preis: EUR 16,74

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Texte wie PeterLicht, aber mit gegenteiliger Grundstimmung, 20. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Farnschiffe (Audio CD)
"Buddha lehrt sie leise Hoffen,
Buddha lässt die Fragen offen
(...)
Buddha senkt die Nebenkosten,
Buddha fliegt mit ihr nach Osten"

(so einige Zeilen aus dem ersten Stück der CD "Buddhistin mit Zeitjob"), kann man entweder lustig und heiter oder aber sehr traurig und düster vortragen. Die Band "The Schwarzenbach" bevorzugt die zweite Variante und erzeugt damit eine tief beeindruckende, aber eben auch gedrückte Stimmung. Das Grundthema der Scheibe ist der krisengebeutelte Zeitgeist, in welchem die meisten Menschen immer noch dazu angehalten werden, verbissen an einem maroden Wirtschaftssystem mitsamt seinen fragwürdigen Wachstumshoffnungen festzuhalten. Und das, obwohl es fast nur noch Verlierer und traurige Existenzen hervorbringt.

Während PeterLicht ganz ähnliche Texte und Inhalte produziert, dabei aber die heitere Variante bevorzugt und sich damit über die Gesamtsituation eher lustig macht (wobei das Lachen dort - und das ist durchaus gewollt - die Tendenz hat, im Halse stecken zu bleiben), bevorzugt "The Schwarzenbach" die eher düstere Variante, die nach Veränderung schreit. Hier wie dort ist Nomen Omen. Die Vorgehensweise von "The Schwarzenbach" ist durchaus überzeugend und beeindruckend.

Die CD ist definitiv hörenswert für alle, die Angesichts unserer gesellschaftlichen Realität eine gute Stunde Schwermut durchzuhalten vermögen.


Unfall im Weltraum - Inspiration für die TV-Serie U.F.O
Unfall im Weltraum - Inspiration für die TV-Serie U.F.O
DVD ~ Patrick Wymark
Preis: EUR 14,67

4 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was will der Film eigentlich?, 14. Dezember 2012
Ich habe den Film irgendwann in den 1970er Jahren als Grundschüler gesehen. Damals hat er mich seltsam verstört und ich wollte ihn schon seit langem einmal wieder betrachten. Jetzt ist es endlich so weit. Das Ergebnis ist eher enttäuschend.

Zunächst ist bei diesem Film schwer zu entscheiden, welchem Genre er eigentlich zugeordnet werden soll. Zuerst scheint man es mit einem Spionage-Streifen zu tun zu haben. Ein Forscher erhält Einsicht in streng geheime Weltraumakten, führt aber in seinem Auge versteckt eine Kamera mit sich und macht damit heimlich Aufnahmen. Gefühlte zehn bis 15 Minuten später wird dieser Plot, in den man sich gerade eingesehen hat, durch einen beiläufigen Exekutionsbefehl abgeräumt. Offenbar war der Spion den wichtigen Entscheidungsträgern bereits länger bekannt.

Der nächste Plot ist eine Mischung aus Science Fiction und "Produktionsroman": Aus den besagten Geheimakten ist zu entnehmen, dass sich auf der anderen Seite der Sonne ein unbekannter Planet befindet. Er umkreist die Sonne auf der gleichen Bahn wie die Erde, so dass er von dieser selbst aus niemals gesehen werden kann, weil die Sonne stets den Blick verstellt. Erst eine Raumsonde hat ihn entdeckt, konnte aber außer der Position und der ungefähren Größe keine weiteren Daten zur Erde senden. Um Näheres über den unbekannten Planeten zu erfahren, wird eine bemannte Raumexpedition vorbereitet. Der Film lässt sich viel Zeit mit mit der Schilderung dieser Vorbereitungen - dennoch ist dieser Part der wohl spannendste des ganzen Streifens.

Der Flug selbst nimmt nicht allzu viel Filmzeit in Anspruch. Aber dann ereignet sich bei dem Versuch, auf dem Planeten zu landen, ein schlimmer Unfall. Kurz darauf tauchen beide Astronauten schwer verletzt auf der Erde auf - jedoch ohne dass auch nur annähernd genügend Zeit für den Rückflug vergangen wäre. Von diesem Moment an an kippt der Film in das um, was man heute "Mystery" nennen würde. Science Fiction ist es jedenfalls nicht mehr. Die Auflösung soll hier nicht verraten werden. Es ist eine ganz nette und seinerzeit sicherlich originelle Idee, die aber mehr für eine Kurzgeschichte als für einen abendfüllenden Film taugt. Verschlimmernd kommt hinzu, dass gegen Ende immer mehr der moralische Zeigefinger gehoben wird, was wiederum eng mit dem furiosen, aber letztlich unsinnigen und eher enttäuschendem Finale des Filmes zusammenhängt.

Die filmischen Tricks reißen nicht besonders von Hocker. Insbesondere der Raumflug ist reichlich enttäuschend (das war Odyssee 2001 um Längen bessser). Alles in allem handelt es sich eher um einen B-Film: Schwaches und unentschiedenes Drehbuch, keine Message (oder wenn, dann eine reichlich dumme), schwache Tricks, unbekannte Schauspieler, reichlich Klischees. Ich hatte mir den Film eigentlich in der Hoffnung besorgt, dass sich mir als Erwachsenem mehr Sinn erschließen würde als dem Grundschüler, der ich seinerzeit war. Ich musste aber leider feststellen, dass ich mit meinem damaligen eher enttäuschtem Eindruck richtig gelegen habe. Schade eigentlich.


Kirchenväter - Die ersten Lehrer des Christentums
Kirchenväter - Die ersten Lehrer des Christentums
von Heinrich Kraft
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kann man auch gut gegen den Strich lesen, 4. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch stammt ursprünglich aus dem Jahr 1966. Sein Verfasser ist selbst Apologet, sprich Anhänger der katholischen Lehre und vermutlich Theologe.

Dennoch kann man das Buch auch gut als Religionskritiker lesen. Was sich natürlich sowieso empfiehlt, um neben Deschner, Buggle, Drewermann etc. auch die Gegenperspektive kennen zu lernen. Die Zeit der Kirchenväter - also in etwa das zweite und dritte Jahrhundert u.Z. - ist jene Zeit, in welcher die Grundlagen dessen gelgt wurden, was heute noch das Wesentliche der Kirche bzw. der christlichen Religion ausmacht. Alles Frühere, vor allem das Neue Testament, darf man getrost als Rückprojektion und Konstrukt dieser Zeit betrachten. Heinrich Kraft verschafft dem Leser nicht nur interessante Einblicke in diese Zeit, sondern vermittelt auch Entscheidendes über die vorherrschende Geisteshaltung. Letztere war vor allem durch die platonische Philosophie geprägt. Die wiederum wurde zuvor durch Alexander den Großen bis zum Hindukusch im Osten und durch die Römer bis an den Atlantik im Westen ausgebreitet. Sie reichte von England bis tief ins nördliche Afrika hinein; kurz: sie umspannte die gesamte abendländische Welt. Vor dieser Philosophie mit ihrem zentralen Ideal des absoluten, reinen Geistigen konnten die polytheistischen Religionen nicht mehr bestehen. Bestanden diese doch aus leicht erkennbaren Projektionen unvollkommener Menschen oder gar von Tiergestalten mit ihren kleinlichen Marotten in eine jenseitige Welt. Diese wirkten vor dem stechenden Blick jener wuchtigen Philosophie schlichtweg unglaubwürdig. Viele Menschen, darunter insbesondere auch Gelehrte, warteten auf eine Offenbaung aus jener vergeistigten, idealen Welt jenseits aller Materie. Es war die Zeit der Mysterienreligionen: Mithras, Dionysos, Appollon sowie etliche andere und nicht zuletzt "der Christus" waren die Gestalten dieser Mysterienreligionen.

Bekanntlich hat letzterer das Rennen gemacht. Und das wiederum hat "er" jenen Kirchenvätern zu verdanken, um die es in diesem Buch geht. Für seinen Verfasser war alles Teil der göttlichen Vorsehung. Sprich: Die griechischen Philosophen, die Schriften des Alten Testaments, der Umstand, dass das römische Reich gerade den Zenit seiner Macht überschritten hatte und dadurch nicht nur Platz für Neues hinterließ, sondern später sogar die Infrastruktur der werdenden Kirche freudig begrüßte und als eigene Verwaltung nutzte waren für Kraft Teil eines göttlichen Plans. Das kann man natürlich alles viel nüchterner sehen und vielmehr sagen: In dieser Situation musste irgendeine elaborierte Form der Religion in die Lücke springen. Sei es eine der anderen Mysterienreligionen, sei es der Gnostizismus oder eine Mischform. Und dann würden wir eben diese Spielart anbeten und irgend jemand würde auch in diesem Fall behaupten, dass die Vorsehung dieser zur Durchsetzung verholfen habe.

Interessant ist es allemal, sich die Entstehungszeit der dominantesten Weltreligionen einmal genau anzuschauen. Dabei hilft das Buch. Nur ist manchmal etwas langatmig geraten. Und wenn es etwas nüchterner ausgefallen wäre, dann hätte es sogar fünf Sterne verdient.
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Hüter der Pforten: Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos
Hüter der Pforten: Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos
von Howard Ph. Lovecraft
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen (Fast) immer der selbe Ablauf der Geschichten, 31. Oktober 2012
Sämtliche Geschichten des vorliegenden Buches beziehen sich auf das Lovecraft-Universum mit seinem kosmischen Schrecken. In diesem Universum leben die Menschen auf ihrer Erde wie in einem kleinen Reservat des relativen Friedens mitten in einem furchtbarem Universum, das voller widerwärtiger, bösartiger und abgründiger Schrecken ist. Die Menschen in diesem Kosmos täten gut daran, einfach nur ihren alltäglichen Geschäften zu folgen und den Dingen nicht weiter auf den Grund zu gehen.

Genau diesen Rat befolgen die Protagonisten in den Geschichten dieses Buches aber nicht. Freiwillig oder unfreiwillig (in der Regel ersteres) versuchen sie, die Ursachen seltsamer Begebenheiten zu erkunden, begeben sich an entlegene oder zumindest verborgene Orte, die von allen gewöhnlichen Zeitgenossen gemieden werden und werden jeweils gegen Ende der jeweiligen Geschichte mit schrecklichen Tatsachen konfontiert, die sie im besten Fall psychisch und seelisch schwer geschädigt davonkommen lassen oder im schlimmeren Fall das Leben (und noch mehr) kosten. Das ist zwar nicht uninteressant, aber wenn 21 von 22 Storys genau diesem Strickmuster folgen, dann wird es irgendwann doch ziemlich öde.

Nur die Geschichte "Das Erstsemester" von Philip José Farmer hebt sich wohltuend ab. Hier schlägt das Handlung ins satirische um, was eine mehr als willkommene Abwechslung darstellt. An der Miscatonik-Universität kann man die dunkeln Künste studieren, ansonsten entspricht sie dem Klischee eines typischen Universitäts-Campus: Schlecht gepflegte Typen, Alkohol- und Drogenexzesse, Studentenverbindungen mit komischen Ritualen etc. Die Gaffitis sind allerdings schon bemerkenswert ("Yog-Sothoth ist Scheiße") und zu Halloween kommt es immer wieder zu bedauerlichen Todesfällen, weil niedrige Semester ihre Fähigkeiten überschätzen ... Es ist ein bisschen wie bei Harry Potter, aber witziger, exzessiver und schwärzer.

Erwähnenswert ist auch das Vorwort von James Turner. Demnach hat Lovecraft Aufklärung und Wissenschaft sehr sketisch betrachtet und gewissermaßen auf die dunkle Seite der Aufklärung verwiesen. Demnach könnte die Menscheit in ihrem Forscherdrang auf etwas stoßen, womit sie anschließend nicht klarkommt. Inspiriert wurde Lovecraft dabei sicherlich von den Entdeckungen der Quantentheorie sowie von den Kunstrichtungen des Expressionismus und des Surrealismus. Daraus muss man dann zwar nicht unbedingt so regressive Schlüsse ziehen wie Lovecraft ("Wie leben auf einem friedlichen Eiland des Uniwssens inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es ist uns nicht bestimmt, diese weit zu bereisen (...) eines Tages wird das Zusammenfügen der einzelnen Erkenntnisse so erschreckende Aspekte der Wirklichkeit eröffnen, dass wir durch diese Enthüllung entweder dem Wahnsinn verfallen oder aus dem tödlichen Licht in den Frieden und die Sicherheit eines neuen dunklen Zeitalter fliehen werden."), aber inspierend ist es allemal. Die Hinweise von Turner stellen hier eine willkommene Interpretationshilfe dar.

Wegen des Vorworts und der netten Story von Farmer gebe ich gerade noch drei Sterne. Insgesamt ist das Buch jedoch angesichts seiner Variantenarmut viel zu dick geraten.


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