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The-One-who-is-concerned (Raum Bonn)

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Golden Tears
Golden Tears
von Oliver Walbach
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das war wohl nichts..., 12. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Golden Tears (Taschenbuch)
Bekanntlich ist es nicht möglich, bei Amazon 0 Sterne zu vergeben. Daher überlegte ich mir, wofür der eine Stern, der zwangsläufig stehen bleiben muss, in diesem Fall gewährt werden könnte und wurde auch schnell fündig: Ganz ohne Zweifel muss man Oliver Walbachs großen Mut anerkennen, ein solches Buch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch hat er mich in an manchen Stellen unversehens zum Lachen gebracht. Da diese Komik hier aber wohl eher unfreiwillig war, kann man diesen Punkt bei der Sternevergabe auch nicht berücksichtigen.

Die - nennen wir es eigenwillige - Ausdrucksweise und der katastrophale Satzbau in diesem Werk sind nicht mit einem authentischen oder gar progressiven Stil des Autors zu rechtfertigen. Was sich hier offenbart, ist vielmehr mangelndes Können. So kommt dann z. B. der Protagonist in einen Pub, wo die Leute "gutgelaunt am scherzen waren". Überhaupt sind die Figuren in diesem Buch oft etwas "am tun", am arbeiten, am schreiben, am trinken.... Warum hat niemand Herrn Walbach erzählt, dass die Verwendung dieser regional verbreiteten, umgangssprachlichen "Verlaufsform" in der Schriftsprache geradezu ein Sakrileg darstellt, wenn er schon selbst das nötige Sprachgefühl dafür nicht zu haben scheint?

Ständige Wiederholungen der immer gleichen Metaphern - ich habe z. B. aufgehört zu zählen, wie oft der Erzähler "wie ein Tiger im Käfig" durch seine Wohnung lief - haben auf den Leser unausweichlich einen ermüdenden Effekt.

Da wir gerade beim Thema sprachliche Gestaltung sind, möchte ich dem geneigten Leser an dieser Stelle meine Lieblingsstilblüte des Buches nicht vorenthalten:
"Sie hatte wirklich eine Brust wie aus dem Katalog geformt". Danke, Olli, ich habe wirklich Tränen gelacht! (Kleine Exkursion: Wie formt man eigentlich aus einem Katalog eine Brust? Man nehme wahlweise einen Quelle- oder Otto-Katalog, zerfetze ihn in kleine Schnipsel, rühre diese mit Wasser und Kleister an und bilde daraus die perfekte Brust... - et voilà).

Sachliche Fehler (seit wann finden in Irland, wo die Handlung den Ortsnamen nach offenbar spielen soll, Faschingsumzüge statt?) will ich an dieser Stelle nicht vertiefen, sondern zum Wesentlichen kommen.

Inhaltlich zieht sich im Grunde eine sich in leichten Variationen ständig wiederholende Situation wie ein roter Faden durch das gesamte Werk. Der Ich-Erzähler lernt eine Frau kennen. Diese Frau, so wird der Leser zusammen mit Robert Powell bald lernen, verfügt über eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften: "arrogant, unreif, manipulierend, triebhaft, aggressiv, niveaulos". Robert Powell verliebt sich wider Willen, wird verlassen, ist infolgedessen stets aufs Neue "gedemütigt, fertig, am Boden zerstört" und veranstaltet einen grandiosen Tanz des Selbstmitleids um das goldende Kalb seines gekränkten Egos. Seine Verletzung sucht er mit Affären und der nächsten Beziehung zu kompensieren - und es geht weiter wie gehabt. Je weiter man sich durch das Buch vorwärts kämpft, desto schwieriger wird es, die verschiedenen Frauen auseinander zu halten, verkörpern sie doch alle aus der Sicht des Ich-Erzählers Oliver Walbach- sorry, Robert Powell- in gleicher Weise das unbarmherzige Zuschlagen eines grausamen Schicksals, das ihn prüfen und abstrafen will. So bleiben Roberts Frauen (mit Ausnahme der raubtierhaften Deborah, bei der der Ärmste in seiner großen Panik, beim Sex vampirgleich ausgesogen zu werden, ständig seinen Hals verdrehen muss) Figuren ohne Individualität und Tiefgang, austauschbar und leicht zu verwechseln in ihrer stets wiederkehrenden Bösartigkeit. Alles Schlampen außer Mutti.

Die meisten Sterne aber verliert "Golden Tears" für mich, weil es mir beim besten Willen nicht gelingen konnte, für den Protagonisten Sympathien aufzubringen, mich mit ihm zu freuen, mit ihm zu leiden. Mit seiner Arroganz, seiner Unreife und seinem Narzissmus stellt er keine geeignete Identifikationsfigur dar. Sehr interessant und bezeichnend auch, dass er genau diese Attribute immer wieder den vielen Frauen zuordnet, die im Verlauf der Story das Pech haben, seinen Weg zu kreuzen.

Irritierend auf den Versuch, Robert doch noch zu verstehen, wirkt sich auch die Widersprüchlichkeit aus, mit der Walbach diesen ungewollten Antihelden selbst seine Persönlichkeit dem Leser schildern lässt. Das folgende Zitat entlarvt z. B. nicht nur ein fragwürdiges und anachronistisches Frauenbild, sondern ebenso deutlich den projizierenden Charakter des Robert P., wenn er nach einem kurzen sexuellen Abenteuer äußert :"Was kann man schon erwarten von einer .... Frau, die mit einem ins Bett geht, nachdem man sich gerade mal 3 Stunden kennt". (Nur am Rande: Er seinerseits kannte sie vorher auch nicht länger...). Und weiter: "Ich bin kein Mann für One-Night-Stands, und dementsprechend ging es mir schlecht". 3 Seiten später jedoch erfährt der erstaunte Leser dann von "Moralapostel" Robert: "Es ist nicht meine Art, jemanden direkt mit nach Hause zu nehmen, es sei denn, es handelt sich um einen One-Night-Stand". Aha.

Noch eine Kostprobe gefällig? Auf S. 84 denkt Robert über ein "unmoralisches Angebot" nach, unterbreitet von der Mutter einer seiner Affären - sie bietet ihm die Hälfte ihrer Firmenanteile, wenn er im Gegenzug ihre Tochter heiratet - und er kommt zu folgendem Schluss: "Natürlich lasse ich mich nicht kaufen, aber wer kann schon von sich behaupten, dass er nicht käuflich wäre. Es kommt immer auf den Preis an". Ach so ist das - na dann...

Ich habe dennoch weiter gelesen und auf die große Erleuchtung und Wandlung des Robert P. gewartet, die auf dem Klappentext suggeriert wird. Vielleicht wäre er ja danach ein ganz annehmbarer Kerl, dachte ich - oder wenigstens endlich ein konsequentes A....loch. Ich sollte vergebens warten - nichts dergleichen geschah. Keine tiefgreifende (Selbst-)Erkenntnis, keine Änderung in Roberts Attitüden bis zum Ende. Stattdessen schwingen sich zum Ende hin lediglich die falsch gesetzten Kommata in kosmische Höhen.

Dennoch atmet der Leser zum Schluss endlich einmal mit Robert zusammen glücklich auf. Zwar passiert nichts wirklich Neues, sondern er lernt, wie könnte es anders sein, wieder einmal eine Frau kennen, eine Türkin dieses Mal (und gewährt dabei erneut tiefe Einblicke in seinen schizoid geprägten und unsteten Charakter, indem er sie als "Vertreterin eines Volkes, das er verachtet und deren Landsleute er am liebsten alle nach Hause schicken würde" bezeichnet, um gleich im nächsten Satz von sich behaupten, er "akzeptiere jeden"). Sei's drum - die wenigen Seiten, die an dieser Stelle noch bis zum Schluss bleiben, lassen hoffen, dass das Buch mit einem grandiosen Happy End vorbei sein wird, bevor sich auch Roberts große Liebe Ilayda als manipulierende, berechnende und triebgesteuerte Schlange vor des Lesers Auge entpuppen kann, die den armen Robert erneut zum Opfer des Schicksals macht und in ein Tal der Tränen stürzt. Und wenigstens diese letzte Hoffnung hegt der Leser dann auch nicht umsonst...

P.S.:
Nun ist mir doch noch ein Aspekt eingefallen, der die Vergabe von 2 Punkten rechtfertigt. O. Walbach hat mich inspiriert und mein Selbstbewusstsein mindestens ums Doppelte gestärkt. Ich werde ein Manuskript über mein Leben verfassen und an seinen Verlag schicken. Dass es abgelehnt werden könnte, scheint mir angesichts der Veröffentlichung von "Golden Tears" völlig ausgeschlossen...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 8, 2010 4:03 PM MEST


iss.dich.schlank: mit Trennkost
iss.dich.schlank: mit Trennkost
von Ursula Summ
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wellness für Körper und Seele..., 8. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: iss.dich.schlank: mit Trennkost (Taschenbuch)
Rezensionen können gar nicht anders, als auf höchst subjektiven Erfahrungen zu beruhen, und bei Sachbüchern und Ratgebern, speziell denen, mit Ernährung und Gewichtsverlust zu tun haben, trifft das natürlich noch einmal ganz besonders zu. Gern möchte ich daher von meinen persönlichen, höchst subjektiven Erfahrungen mit Ursula Summs "Iss.dich.schlank"-Konzept berichten. Kurz gesagt, bin ich begeistert.

Die versprochenen 4-5 kg in der Startwoche habe ich zwar nicht verloren (ich benötigte etwa 3-4 Wochen dazu). Aber dafür hielt dieses Konzept einige andere positive Entdeckungen für und über mich selbst bereit, vor allem, wenn man das zweite Buch aus dieser Reihe "Iss.dich.schlank. Das Kochbuch" (das meiner Meinung nach sogar noch bessere Rezepte bereithält) zur Erweiterung des Ernährungsplans mit einbezieht.

Frau Summ und ich scheinen einen ähnlichen Geschmack zu haben. Wer wie ich die mediterrane Küche liebt, wird mit ihren Rezepten sehr glücklich sein, denn ein starker Touch davon "durchzieht" im wahrsten Sinnen des Wortes ihre Menüvorschläge durch Verwendung von Zutaten wie Olivenöl, Thymian, Rosmarin, Schafskäse usw. Obwohl ich trotz meiner Mittelmeervorliebe nicht so gerne Fisch mag und sie für mein Empfinden doch recht viele Fischrezepte vorstellt, empfinde ich ihre Wochenpläne als vielseitig und abwechslungsreich.

Nach der Startwoche stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass ich richtig Spaß daran fand, mir ein neues, bisher unbekanntes Rezept für den nächsten Tag herauszusuchen, die Zutaten zu besorgen und zuzubereiten (Kochen war mir bis dato eher eine lästige Notwendigkeit). Mag ja sein, dass es eine Art "Placebo"-Effekt ist, aber Tatsache ist: Ich fühlte mich von Tag zu Tag besser und fitter mit dieser Ernährungsform. Heißhungerattacken kamen dann und wann vor, blieben dann aber nach ein paar Wochen ganz aus. Erstaunlicherweise hatte ich nie das Gefühl des Verzichts, und auch ein Sättigungsgefühl stellte sich oft schon ein, bevor der Teller leer war. Noch ein interessanter Aspekt: Fastfood und Fertiggerichte können mich inzwischen kaum mehr hinterm Sofa hervorlocken. Der Körper scheint sich wirklich viel rascher und konsequenter umzustellen als man vermuten würde...

Man mag von der wissenschaftlich ja nicht unumstrittenen Theorie, dass ein Trennen eiweiß- und KH-haltiger Lebensmittel die dem Körper bekömmlichste Ernährungsform ist, halten was man will. Dass aber das Konzept à la Summ gesund und ausgewogen ist durch den reichen Anteil an Gemüse, Salaten, "guten Kohlehydraten" (Vollkornprodukte) und "guten Fetten" (zwei- und mehrfach ungesättigte Fettsäuren) kann jedoch wohl auch ein ökotrophologischer Laie wie ich erkennen...

Gibt es auch Kritikpunkte? Ja, für Vegetarier ist dieses Konzept m. E. nicht sehr geeignet, da die meisten Speisen - zumindest in den ersten beiden Wochen - doch eher auf "Fleischeslüsterne" abzielen. Zusammen genommen mit der Tatsache, dass wohl nur einige Leute gleich in der ersten Woche mindestens 4 kg verlieren wie versprochen, würde ich dafür einen halben Punkt abziehen. Da das aber nicht möglich ist, erhält dieses Buch von mir die volle Punktzahl, weil die positiven Aspekte für mein höchst subjektives Empfinden so klar überwiegen.


Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit
Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit
von Michael Winterhoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

913 von 1.000 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffentlich der Anstoß zu einer längst überfälligen Diskussion, 1. Februar 2008
Achtung: Dieses Buch ist kein weiterer Erziehungsratgeber, aber es zeigt die Hintergründe auf, warum der Bedarf an Sachbüchern dieser Art in den letzten Jahren so stark gestiegen ist und weshalb ein Showformat wie "Die Super-Nanny" ein Quotenrenner bei RTL werden konnte.
M. Winterhoff stellt auch kein neues erziehungswissenschaftliches Konzept vor. Vielmehr handelt es sich um eine schonungslose Analyse der Auslöser für die gestörten Beziehungen zwischen Eltern (und sonstigen pädagogisch Tätigen) und Kindern, die mehr die gesamtgesellschaftlichen Hintergründe für das immer stärker auftretende Phänomen der kleinen Tyrannen" beleuchtet als die einzelne Familie mit ihren individuellen Problemen und sich dabei hauptsächlicher soziologischer Kriterien bedient, ohne die psychologischen außer Acht zu lassen.

Das Lesen dieses Buches tut weh - weil es in gewisser Weise unser pädagogisches Weltbild, das sich seit den 70'er Jahren entwickelt und in den Elternhäusern und Institutionen immer stärker verbreitet und verfestigt hat, in den Grundfesten erschüttert. So wird die uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangene Maxime, Kinder seien in allen erzieherischen Belangen, partnerschaftlich", sprich als kleine Erwachsene" zu behandeln, als Ursache für die immer stärker auftretenden Beziehungsstörungen zwischen Kindern und Erwachsenen entlarvt. Das Ergebnis des wohlmeinenden Konzepts von einem nahezu gleichartigen Umgang auf Augenhöhe zwischen heranwachsenden und erwachsenen Menschen sind nicht etwa glücklichere" Kinder, sondern psychisch Unreife, die durch eine viel zu frühe, partnerschaftlich orientierte" Teilnahme am Erwachsenenleben den Schutz, den eine sorgfältige Abgrenzung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt früher ganz natürlich bot, verloren haben. Die Überfrachtung der Kinder mit Erwachsenenthemen, die deren im Wachstum befindliche Psyche noch gar nicht verkraften kann, führt dazu, dass sich narzisstische Verhaltensweisen entwickeln und verstärken, so dass die Kinder ihr Gegenüber in der Folge nicht mehr als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wahrnehmen können, sondern vielmehr als einen Gegenstand, den es den eigenen Wünschen gemäß zu steuern gilt.

In klaren Worten, untermalt von vielen Beispielen aus seinem Praxisalltag als Kinderpsychiater, haut uns M. Winterhoff die schmerzliche Wahrheit um die Ohren, ohne jedoch dabei die sonst oft üblichen Schuldzuweisungen (an Eltern, Lehrer oder die Politik..) vorzunehmen. Vielmehr sieht er die Ursache für die beziehungsunfähigen Kinder und Jugendlichen in der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Erkenntnisse dieses Buches sollte Aufnahme in die Ausbildung aller pädagogisch Tätigen finden, ob Lehrer, Erzieher, Kindertherapeuten oder Eltern und Anstoß zu einer gesellschaftlichen Diskussion sein für jene, die im engeren oder weiteren Umfeld mit Kindern zu tun haben - letztendlich also für uns alle...
Kommentar Kommentare (73) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2013 2:07 PM MEST


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