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Beiträge von Gabriele Godenir
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Rezensionen verfasst von
Gabriele Godenir

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Seite: 1
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Stoner: Roman
Stoner: Roman
von John Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte die einen beim Lesen verändert, 17. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
“Stoner” von John Williams Okt
9
Stoner ist Sohn von Landarbeitern. Er kennt den alltäglichen Kampf, dem Boden Nahrung abzutrotzen, das Vieh zu versorgen, Wind und Wetter zu widerstehen.
Vermutlich hat er in diesen Jahren die Fähigkeit erworben, das Leben zu nehmen, wie es ist, ohne darin verloren zu gehen.
Seine Eltern möchten, dass er Agrarwissenschaft studiert.Die Böden sind ausgelaugt, traditionelle Methoden scheinen nicht mehr den gewünschten Ertrag zu bringen. Sie erhoffen sich viel von ihrem Sohn.
Es ist das Jahr 1910.Der junge Erwachsene fügt sich diesem Wunsch, wenn auch nicht voller Freude. An der Universität in der kleinen, abgelegenen Stadt Missouri besucht er einen Literaturkurs. Er versteht kein Wort von dem was gesagt wird und als der kauzige Dozent Stoner auffordert etwas zum 73. Sonett von Shakespeare zu sagen, versinkt er in Schweigen. Stoner aber fühlt sich von Shakespeare so angesprochen , dass hier seine Begeisterung für Literatur seinen Anfang nimmt.
Er bricht aus seinem bisherigen Leben aus und studiert Literaturwissenschaft.
Er wird Dozent , lehrt mit Leidenschaft. In seiner ehe ist er nicht glücklich. Seine Frau liebt ihn nicht und ist fast grausam zu nennen. Ihr gemeinsames Kind erzieht er zunächst allein, weil auch hier seine Frau keine Liebe zeigen kann. Später wird die Ehefrau ihm die Tochter wieder entreissen.
Eine Liebschaft an der Uni endet durch Intrige, auch beruflich wird es zunehmend schwieriger. Stoner stirbt mit 63 Jahren an Krebs. Er sieht sein Leben noch einmal vor sich ablaufen so wie es war und so wie es hätte sein können.
Die Geschichte beginnt fast langweilig.
Es ist die ganz eigene Persönlichkeit ­Stoners, die den Leser langsam und unmerklich in ihren Bann zieht. (Ich habe eine Nacht durchgelesen, trotz 3 zu versorgender Kinder am nächsten Morgen).Das Besondere ist die Einstellung die ­Stoner dem Leben gegenüber einnimmt. Ähnlich wie dem Kommen und Gehen der Jahreszeiten, begegnet er Höhen und Tiefen des Alltages.
Er folgt seiner inneren Stimme, beurteilt Situationen und Menschen, verurteilt nicht und ist bereit für seine Überzeugungen einzustehen.
Es ist eines dieser Bücher, dass ich am liebsten nach dem Lesen sofort von vorn begonnen hätte. Kein Wunder, dass Anna Gavalda , nach der Übersetzung dieses Buches ins Französische, sich in den Protagonisten verliebt hat. Man kommt nicht umhin, es verändert einen beim Lesen.
Das Buch wurde erst nach dem Tode Williams, selbst Literaturprofessor, wiederentdeckt. Erschienen ist es erstmals 1965 in den Vereinigten Staaten, wiederentdeckt von Edwin Frank 1994.
Erschienen ist “Stoner” in Deutschland 2013 im dtv, durch dessen Leserunde zum Buch ich aufmerksam geworden bin.
Unbedingt empfehlenswert!!!


Das Ungeheuer: Roman
Das Ungeheuer: Roman
von Terézia Mora
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Moment mein Lieblingsbuch, 16. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Er glaubte zu wissen, mit wem er verheiratet war, glücklich verheiratet ...
Nun nach dem Selbstmord seiner Frau (38) erfährt Darius Kopp , dass es wohl eher die Vorstellung von der Person, als die Person selbst war, mit der er zusammenlebte.
Darius Kopp nach einer zehnmonatigen Depressionsphase, die er Traurigkeit nennt, begibt sich auf die Reise durch das östliche Europa um die Asche seiner Frau im Herkunftsland der Toten, es ist Ungarn, zu beerdigen.
Die Urne und den Laptop mit Floras übersetztem Tagebuch immer bei sich, wird es eine Reise im Außen wie im Innen.

Vor ihm entfaltet sich, beim Lesen des Tagebuches ein Paralleluniversum.
Gedanken und Gefühle seiner Frau schienen wenig kongruent mit dem zu sein, was sich im Sichtbaren als ihre Persönlichkeit wahrnehmen ließ. Vielleicht war auch Darius, der der nicht in der Lage war mehr wahrzunehmen, als das Sichtbare und eventuell nicht genau hinschaute.
Flora, ein "Niemandskind" am Leben gescheitert und Darius durch den doppelten Verlust (erst der Job, dann die Frau) in seinem Sein tief erschüttert.

Auf seiner Reise, die auch dazu dienen soll, ihn dem Leben zurückzugeben, erlebt er viel. So begegnet Darius der jungen Oda, die ihn irgendwie an seine Frau erinnert, nur um sie später wieder zu verlieren. Letztendlich endet die Reise in einem Fiasko. Weder ist die Asche begraben, noch Darius dem Reich zwischen Leben und Tod
entronnen.
Müder und desillusionierter, maroder und hoffnungsloser erscheint Darius Kopp am Ende des Romans, der vermutlich nicht das Ende seiner Reise ist.
Zunächst war ich irritiert von der Zweiteilung des Textes. Beide Erzählstränge sind durch eine horizontale Linie voneinander getrennt.
Ich habe experimentiert und mich dafür entschieden Kapitel für Kapitel, erst Darius Text und dann Floras zu lesen. Der Text innerhalb der Seite hatte (jedenfalls für mich nicht ersichtlich) keinen Bezug zueinander. Die Erzählstränge unterscheiden sich sprachlich auf beeindruckende Weise.
Während der Text von Darius Kopp einheitlich fließt, zersplittert Floras Sicht der Dinge wie in einem Kaleidoskop. Trotz des Fragmentarischen, das sicher dem Tagebuchschreiben zuzuschreiben ist, bleibt der Text gut lesbar. Floras Innenwelt ist beklemmend klar und hoffnungslos.
Darius Roadmovie dagegen ist eher eine Beschreibung des Erlebten von außen.
Flora lotet die Tiefe aus. Obwohl sie die Sinnfrage nicht stellt, ist sie doch überall zwischen den Zeilen zu finden.
Erholen konnte ich mich bei Darius, aber gegen Ende des Buches, begann man zu ahnen, dass die Leere und Hoffnungslosigkeit (die Bakterien der Schwermut, wie sie Floras Psychologin bezeichnete) einen neuen Ort gefunden hatten. Es war der Moment, in dem ich sagte: "genug."
Ein Buch das keine Hoffnung macht und dabei sprachlich messerscharf seziert.

Ein Buch, dass ich schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern zähle.

Der Roman erschien im Luchterhand Literaturverlag und erhielt 2013 den Deutschen Buchpreis.

[...]


Gottes blutiger Himmel: Roman
Gottes blutiger Himmel: Roman
von Fawwaz Haddad
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Gott auf der Seite von al -Quaida steht, bin ich bereit, mit dem Teufel zu paktieren....., 29. September 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
” Als Samers Vater erfährt, dass sein Sohn sich dem Dschihad angeschlossen hat, ist er zunächst fassungslos….Dann lässt er sich aus syrien in den Irak einschleusen: er ist sicher, wenn es ihm nur gelingt, mit Samer zu sprechen, wird er ihn umstimmen können. doch als er nach mehrwöchiger Reise durch die Hölle das Camp der Aufständischen erreicht, muss er feststellen, dass sein sohn weit mehr als nur die verblendete Spielfigur in den Händen eines emirs ist.”Einfühlsam und genau schildert Haddad ein persönliches Drama vor dem Hintergrund der vielleicht größten politischen Tragödie unserer Zeit.Und er zeigt, dass, wo immer Gewalt herrscht, die Linie zwischen Opfern und Tätern quer durch alle Lager- und alle Konfessionen-verläuft” (Klappentext)

“Sehen und Verstehen, darauf beruht Erinnerung. Doch der Wunsch etwas zu sehen, ist mir vergangen, und an die Stelle von Verstehen ist bei mir Blindheit, wenn nicht Schlimmeres getreten.”

Mit diesen Worten beginnt der Roman des syrischen Schriftstellers Fawwaz Haddad, dessen Roman in Syrien und im Irak im Jahr 2006

spielt.

Traumatisiert und zunächst ohne Gedächtnis findet sich der Erzähler in einer Gegenwart vor, die nicht seine zu sein scheint. Vertrautes erscheint ihm fremd und Freunde ermahnen ihn die Erinnerungen nicht herbeizuzwingen. Erst anhand einiger Mails, von ihm selbst geschrieben, wird der Protagonist seiner eigenen Vergangenheit wieder gewahr und von Bildern und Erinnerungen überflutet und mitgerissen.

Haddads Erzähler, der in den Siebzigerjahren der Linken Opposition in Syrien angehörte, erfährt, dass sein Sohn sich vermutlich Dschihadisten angeschlossen hat, um im Irak zu kämpfen. Der Vater befürchtet das Schlimmste und macht sich auf die Reise um seinen Sohn Samer ausfindig zu machen und “zurückzuholen.” Es wird eine Reise in die Hölle des Irakkrieges und auch eine Reise zu sich selbst.

Er erinnert sich zurück an eine Zeit, in der er selbst jung und voller Ideale, so alt gewesen war, wie sein Sohn zu diesem Zeitpunkt. Er (der Vater), protestierte gegen die Besetzung der Golanhöhen, träumte vom Kommunismus und einem Leben in einer gerechteren Welt.

“Die Schriften, die wir lasen, handelten vom Ende des Kapitalismus, der unweigerlichen Abschaffung des Privateigentums und von der Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Klassen. Wir Schüler glaubten, wir seien die revolutionäre Avantgarde, der es aufgegeben war, die Veränderrung herbeizuführen. …Wer hätte damals geglaubt, dass nach uns junge Gläubige kommen würden, die ihre Bildung in Moscheen und religiösen Zirkeln bezogen hätten, die mutiger sein würden als wir, aber in deren Herzen nicht ein funke Gnade Platz hätte?”

Haddads Erzähler sagt von sich selbst, dass seine Ideale nicht tiefgründig waren, er im Zeitenstrom mitschwamm, ohne ernsthaft für eine Idee zu kämpfen. Ihm genügten lange Disskussionsrunden in Cafes, Besuche politischer Veranstaltungen und Verteilung von Flugblättern.

“Schließlich blieb von all unseren gescheiterten Ideen nur noch eine ungefährliche Begeisterrung für Kultur übrig.” Wo hatte er Ideen, Ideale nicht konsequent weitergereicht, weitergelebt?

(“Ideen bleiben nur bestehen, solange jemand für sie eintritt.” Sagt Narwal im Film “Die Frau die singt”)

Wo hatte er seinen Sohn den Anderen überlassen? Diese Fragen quälen den Vater von Samer, der sich und seine Ex Frau in der Verantwortung sieht. Er hatte für ertwas gekämpft, ohne wirklich bereit zu sein, etwas dafür zu riskieren. Mit der Geburt des erstren Kindes verlieren die politischen Ideale an Brisanz. Ist Samer dieser Leereb zum Opfer gefallen?

Samers Vater wird nach dem Abitur Journalist und befasst sich mit Tagespolitik. Sein besonderes Interessse gilt den Islamisten. “…die unseren politischen Platz eingenommen hatten… Auch Fragen wie die, ob man den Gläubigen nicht tatsächlich einmal eine Chance geben sollte, sparte ich nicht aus… Ich fand es interessant und verstörend zugleich, dass es Leute gab, die für große Ideen ihr Leben opferten.”

Das Undenkbare ist geschehen: sein Sohn Samer gehört nun zu diesen Leuten, hält sich versteckt um vielleicht in schon wenigen Tagen einen Selbstmordanschlag zu verüben.

Der Vater reist ihm nach, Richtung Euphrat über Palmyra, macht Station in Dawwasa an der syrisch-irakischen Grenze, einem Dorf das heimlicher Treffpunkt von Dschihadisten ist . Hier in Dawwasa hatte er gehofft Samer zu finden, der aber ist bereits im Irak. Mit Hilfe der Amerikaner und des syrischen Geheimdienstes lässt der Vater sich in den Irak einschleusen, in einen Krieg der damals seine schlimmste Phase durchläuft.

Der Widerstand gegen die Besatzungstruppen war blutigen Kämpfen untereinander gewichen. Sunniten kämpften gegen Schiiten, die Araber gegen die Kurden, die wieder gegen die Turkmenen kämpften. “In diese Konflikte griffen Amerikaner und Engländer, Iraner, Türken und arabische Nachbarstaaten ebenso ein ….”

Nach einer Zeit in der “grünen Zone” und äußerst begrenzten Ausgängen aus derselbigen, beschließt er, sich von al-Quaida entführen zu lassen. “Wenn Gott auf der Seite von al-Quaida steht, bin ich bereit, mit dem Teufel zu paktieren.” Lässt Haddad seinen Erzähler sagen .”

Hier nimmt die Handlung einen rasanten Verlauf und führt ihn letztendlich zu seinem Sohn, der als Emir in einem Terrorcamp Selbstmordattentäter ausbildet, aussucht und ins Jenseits schickt.

Beklemmend, dieser Roman, der nicht lange vor Ausbruch des Krieges in Syrien geschrieben und veröffentlicht wurde.

Haddad stellt die Frage später in einem Interview. Wie es sein könne, dass aus einer Bewegung der 70er die vorwärtsgerichtet war, nun junge Gläubige nachfolgen die zurückwollen, weit zurück, in eine Zeit vor 1400 Jahren.

Die Brutalität und Grausamkeit dieses Krieges war für mich allein beim Lesen kaum auszuhalten. Ohne Gnade, wird in diesem Roman deutlich, was man in Friedenszeiten verdrängt: Das der Mensch die Möglichkeit zum Bestialischen in sich trägt. Menschlichkeit fällt Dogmen zum Opfer, lässt Menschen zu Schlächtern werden.

Woher kommt diese unglaubliche Brutalität zu der der Mensch offensichtlich die Möglichkeit hat und die sich bevorzugt in Kriegen Bahn bricht? Diese Frage bewegt Haddad .(siehe Interview)

Es ist ein Buch an dessen Ende ich benommen, geschockt und eigentlich wortlos war.

Erschienen ist der neunte Roman Fawwaz Haddad im März 2013 in einer Übersetzung von Günther Ort im “Aufbau Verlag”. Fawwaz Hadda 1947 in Damaskus geboren, schreibt nun seinen zehnten Roman im Exil in Katar.

Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich durch “Das blaue Sofa.”


Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf
Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf
von Patricio Pron
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Väter uns Söhne /Argentiniens Schatten, 29. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf von Patricio Pron/Rezension Jun
27
von Xeniana

Ich weiß nicht, wie ich
vom heutigen Ufer
ans Ufer von morgen gelangen soll.Der Fluß entführt inzwischen
die Wirklichkeit dieses Abends
in Meere ohne Hoffnung.Ich blicke nach Osten, nach Westen.
Ich blicke nach Süden und nach Norden…
Die ganze goldene Wahrheit,
die meine Seele umgab –
gleich einem vollendeten Himmel –
fällt, zerbrochen und falsch…. Ich weiß nicht, wie ich
vom heutigen Ufer
ans Ufer von morgen gelangen soll.Juan Ramón Jiménez
“Wer war mein Vater gewesen?Was hatte er gewollt? Was war dieser Bodensatz des Schreckens, den ich gern völlig vergessen hätte und der wieder hochgekommen war , als mir die Tabletten ausgingen und ich unter seinen Papieren die Geschichte der Verschwundenen entdeckte.”

Und Pron beschließt darüber zu schreiben.

“Eines Tages erhielt ich einen Anruf von der deutschen Universität, an der ich arbeitete. Eine weibliche Stimme….teilte mir mit, ich müsse die Arbeit wieder aufnehmen oder man sähe sich gezwungen, den Vertrag mit mir zu lösen.Ich bat sie um ein paar Tage Bedenkzeit…und ich dachte, dass mir zwei Tage blieben, mich zu entscheiden, dachte aber auch, dass es des Nachdenkens kaum bedurfte: Ich saß hier und hatte eine Geschichte zu schreiben, und es war eine von denen ein gutes Buch werden kann…”

Der Protagonist, es ist anzunehmen das es Pron selbst ist, kehrt nach 8 Jahren in Deutschland nach Argentinien zurück.Während er seinem sterbenden Vater entgegenfliegt versucht er sich mit seinem vom Tabletten vergifteten Gedächtnis zu erinnern. Viel Erinnerbares ist es nicht, scheint ihm: ein Schlüsselklirren, ein Geruch nach Tabak, lange Autofahrten durch die Provinzen Santa Fe, Cordoba, La Rioja bei denen der Vater den Kindern die Schönheiten des Landes zeigt. Er erinnert sich an Kinderkrankheiten, Plattfüße, vegetarische Ernährung und an das Lesen lernen auf eigene Faust im Alter von 5 Jahren. Er erinnert sich nicht an das Umrunden von Gegenständen auf dem Gehweg, Überlebenstraining im Wald und Verhaltensregeln bei Entführung.

Er erinnert sich an den Tod des Großvaters und das es der Zeitpunkt gewesen ist, ab dem er nicht mehr weinte.

“…vermutlich weinte ich seither nicht mehr, weil meine Medikamente das verhindern, vielleicht besteht die einzige echte Wirkung der Medikamente darin, zu verhindern, dass einer sich vollkommen glücklich oder traurig fühlt.”

Der Protagonist fühlt sich als Gespenst...” denn ein Gespenst zu sein, ist nichts anderes als man selbst zu sein als ein anderer.”

Er scheint nicht zu wissen, wer er selbst ist, aber

er erkennt sich in einem der im Geschäft einen Pullover anprobiert, erkennt sich in jemanden der in einer Küche ganz allein ein Abendessen kocht, erkennt sich in den letzten Besuchern einer Bibliothek.” und erinnere mich daran, dass ich so einer war ud das ich manchmal, wenn ich las oder schrieb oder kochte, in meinem Kopf eine Stimme gehört hatte, die zu mir sagte alles werde gut werden und ich würde die Bücher, die ich immer hatte schreiben oder Ihnen zumindest so nahe kommen, wie es mir möglich war…”

Vorerst aber sitzt er , nachdem ihn das Flugzeug in Argentinien ausgespuckt hat und er seinen in Kabeln versponnenen sprachlosen Vater im Krankenhaus besucht hat, im Haus seiner Kindheit, im Büro seines Vaters.Dort entdeckt er eine Akte mit Recherchen über den Fall Alfredo Burdisso ,der einem kleinkriminellen Komplott zum Opfer fiel. Der Protagonist versteht zunächst nicht was den Vater bewog sich an diesem Fall festzubeißen, bis ihn die Spuren zu Alfredos Schwester Alicia führen.

“Alicia Raquel Burdisso, Journalistin, Studentin der Literaturwissenschaft(25 Jahre ). Von Sicherheitskräften am. 21.6.1977 in der Stadt Tucuman verhaftet und seither verschwunden.

“Der Vater war es, der Alicia Burdisso für die Mitarbeit in jener peronistischen Organisation gewann, in der er eine leitende Rolle spielte; und der sich deshalb noch dreißig Jahre danach für ihr Verschwinden und ihren Tod verantwortlich fühlt.” Alexander Wittwer/Rezension lesarten

Pron begreift das die Aufgabe seiner Generation vielleicht darin besteht die Geschichte der Eltern aufzuklären um die eigene Vergangenheit verstehen zu können. und erlebt die Eigenwilligkeit traumatisch erlebter Eindrücke, die sorgfältig in den Windungen der Seele versteckt , sich beim Aufsteigen weder einer linearen Abfolge bedienen noch steuerbar sind und das Leben in der Gegenwart manchmal schwierig gestalten.Immer wieder gelingt es dem Autor den Leser auf seine Reise nach innen mitzunehmen. Gerade die nüchterne Erzählweise verschlägt einem manchmal die Sprache, weil das Trauma umso sichtbarer wird. Die letzten Zeilen des Buches sind ermutigend und zeigen einen Schimmer Hoffnung.

“Manchmal erinnere ich mich an uns, meinem Vater und mich , beim Spaziergang durch einen Wald niedriger Bäume, und denke, dass dieser Wald der Wald der Angst ist und dass wir den Weg fortsetzen und er mich weiter geleitet und dass wir vielleicht eines Tages aus diesen Wald herauskommen.”

Leseeindruck:

Das Buch hat mich gepackt. Trotz der fragmentarischen Aneinanderreihung von Erinnerungen ging die Spannung nicht verloren. Der Fall des Alfredo Burdisso ist der Aufhänger der Geschichte, der schließlich zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien führt in der ca 30 000 Menschen verschwanden. Das Grauen, die Gewalt, der Terror hatten Pron als Kind gestreift und er begreift erst später das seine Eltern ihn das Überleben lehrten in dem sie ihn zum Beispiel beibrachten, seinen Namen 3 mal laut zu rufen, falls er in ein Auto gezerrt würde und einen Zettel mit seiner Anschrift au den Boden fallen zu lassen.

Es ist ein Roman der mich beschäftigt und weitere Fragen aufgeworfen hat und der mich nicht einfach so zum nächsten Buch übergehen lässt.

Aufmerksam auf “Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf” bin ich durch eine sehr gute Rezension bei lesarten geworden.

Erschienen ist das Buch von Patricio Pron im Rowohlt Verlag

[...]


Schneckenmühle: Langsame Runde
Schneckenmühle: Langsame Runde
von Jochen Schmidt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schneckenmühle, 29. Juni 2013
“Schneckenmühle”/nicht wirklich eine Rezension Jun
29
von Xeniana
Jochen Schmidt betrachtet in “Schneckenmühle” 89, das letzte Jahr der DDR, aus dem Blickwinkel eines Vierzehnjährigen.

Jens, fast 14 Jahre alt, darf zum letzten Mal in das sächsische Ferienlager “Schneckenmühle” fahren. Scheinbar zufällig angeordnet, reiht sich fragmentarisch Erinnerungssplitter an Erinnerungssplitter eines unbeschwerten Sommers.

Ein unbeschwerter Sommer in dem der Lebensweg von Jens sicher und vorhergezeichnet scheint.”…4 Jahre an der neuen Schule, und danach kommt die Armee. Und wenn man die überlebt hat, ohne von den anderen mit Zigarettenqualm im Spind erstickt worden zu sein, muß man studieren” Er sinniert darüber wie er später vermutlich mal in einem Betrieb hinter hohen Mauern arbeiten wird, den man nur betreten darf , wenn man vorher durch eine Desinfektionspfütze gewatet war. Und würde es ihm nicht gefallen, könne er immer noch in den Westen abhauen, zu den Verwandten nach Rendsburg die leder nicht in Ravensburg wohnen.

Die Geschichte die ihre Besonderheit(für mich) daraus bezieht , dass Sulfoderm, Summavit, SU, Intershop und Ruhla Uhren bald schon zu Erinnerungen eines versunkenen Landes gehören werden, plätschert der Alltag vor sich hin. Das Ungarns grenzen durchlässig werden und immer wieder mal Bürger der deutschen Demokratischen Republik verloren gehen, streift die Erlebniswelt von Jens nur am Rand Der Protagonist befindet sich biografisch im Umbruch vom Kind zum jungen Mann, demzufolge sind seine Themen: Sexualität, die zart aufkeimende Zuneigung zu Peggy und sein Sein zwischen eigenen Regeln und denen der anderen.
Es ist ein Stück geschichte, mit feinem humor versetzt. Eigentlich muss man auch hören , wie Jochen schmidt es liest. Ich habe Tränen gelacht, als er über die Konsistenz des Joghurts referierte.
Es geht auch um ausgrenzung(Peggy), Anderssein, Dazugehörenwollen. Ein sehr lesenswertes Buch!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 31, 2013 1:09 PM CET


Die Lieben meiner Mutter
Die Lieben meiner Mutter
von Peter Schneider
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Lieben meiner Mutter, 19. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Lieben meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Die Lieben meiner Mutter von Peter Schneider/Rezension Jun
19
” Jahrzehntelang haben ihre Briefe aus der Kriegs-und Nachkriegszeit ungelesen im Schrank gelegen. Als Peter Schneider sich endlich entschließt, die in Sütterlin geschriebenen Briefe seiner Mutter transkribieren zu lassen, stößt er auf eine unglaubliche Geschichte.”-Klappentext.

Und auf eine Seite seiner Mutter , die er bis dahin nicht kennengelernt hatte. ” Vor allem aber lernte ich eine Schreibende kennen, die ihren Schwankungen zwischen Lebenslust und Schwermut fast hilflos ausgeliefert war.”

Peter Schneider, geboren 1940 in Lübeck, lässt aus Erinnerungen und Briefen das Bild einer Frau erstehen die in den Wirren der Kriegsjahre versucht ihren Weg zwischen Pflicht und eigenen Ausdruck zu finden. Bis zur Selbstaufgabe verbrennt sie in der abhängigen Liebe zum Regisseur Andreas, der sich später mit der besten Freundin der Mutter liieren wird.

Die Liebe zu Andreas besteht neben der Liebe zu ihrem Ehemann Heinrich der sie wiederum bedingungslos liebt. Liebe die in beiden Fällen auf Überhöhung, Idealisierung, Abhängigkeit gegründet zu sein scheint.

Die 4 fache Mutter , künstlerisch ambitioniert und wohl die meiste Zeit auf sich selbst gestellt, findet ihren Selbstausdruck in der atemlosen Liebe und im Schreiben der Briefe. Immer ist es auch ein Ringen um die Frau die sie neben dem Mutterdasein auch noch ist.

Andreas schätzt ihre Lage so ein: “daß vier Kinder eben zu viel für mich seien. Weniger, weil ich daß nicht schaffe,sondern weil in mir Dinge entfaltet werden könnten, die bei anderen nicht möglich wären-Dinge geistiger Natur.Er meint Kinder haben und aufziehen können viele.Das, wozu meine Befähigung vielleicht reichen würde, können ganz wenige”

Andreas der von dieser großen Liebe überschwemmt wird, erwidert die Gefühle allenfalls halb.Wie aber ging es Heinrich, Ehemann, ebenfalls an der Oper tätig in dieser Dreiecksgeschichte, fragt sich Peter Schneider.

” Hat er die Untreue seiner Frau gar nicht als Verrat empfunden? Sie als Überlebensmittel einer Frau toleriert , die immer am Rand ihrer Möglichkeiten lebte und sich durch ihre Amouren vor dem Absturz in die Depression zu retten suchte?”

“…das schreiben ist für die Mutter offenbar ein Überlebensmittel gewesen, eine Waffe mit dem die zerstörererischen Kräfte, die von außen und von innen auf sie einstürmen, in Schach zu halten versuchte.”

Peter Schneider verwebt eigene Erinnerungen, mit Gelesenen und Interpretationen , webt draus eine Geschichte aus Fiktion und Recherchierten.

Das Fragmentarische machte mir das Eintauchen in die Geschichte nicht leicht. Trotzdem mochte ich den Sprachgestus, das feingeschliffene und das Bild das Peter Schneider von seiner Mutter , einer faszinierenden Frau entwirft. Mich erstaunte beim Lesen immer wieder, das so eine Geschichte in einer Zeit in der Not , Mangel, Gefahr und pures Überleben vermutlich zentrales Thema waren, lebbar und erfahrbar war.

Aufmerksam geworden bin ich durch “Das blaue Sofa”. Gekauft habe ich es mir hier.

Erschienen ist es 2013 bei Kiepenheuer

[...]


Heißhunger: Wie ich meine Bikinifigur suchte und mich selbst dabei fand
Heißhunger: Wie ich meine Bikinifigur suchte und mich selbst dabei fand
von Joanne Fedler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Hunger nach Leben, 17. Juni 2013
“Heißhunger”/Joanne Fedler/Rezension Jun
17
Joanne Fedler 36,Südafrikanerin, Exilaustralierin,Ehefrau,Mutter, übergewichtig, sieht ein Urlaubsfoto von sich (im Bikini) und erstarrt. Das aber nur kurz , denn die Sichtung dieses Fotos ist Startschuß in eine kalorienärmere Zukunft und nicht nur das.

Sie will ihre Bikinifigur wiederhaben und wendet sich zur Unterstützung an die “Diätdomina” eine Stabheuschrecke im Minirock, die ihr zukünftiges Opfer kurzerhand als partiell adipös bezeichnet. Fedler beschämt über ihr molliges Dasein, “kann sich kaum noch an die Kriegerin erinnern , die sie mal war.”

“Ich hab es ziemlich schwer gehabt, seit wir aus Südafrika ausgewandert sind”,wimmert sie.”Ist das die Ausrede, die sie den Rest des Lebens vorschieben wollen?Ich bin dick,weil ich ausgewandert bin?, gibt die Stabheuschrecke gnadenlos zurück.

Jonne Fedleer unterwirft sich ihrem strengen Regiment, zählt fortan Nudeln(14 zu Mittag sind erlaubt) und darf fortan nur essen , wenn sie wirklich hungrig ist.

Allerdings gibt es ein kleines Problem. Sie hat vergessen wie sich Hunger anfühlt und begibt sich nach ihm auf die Suche. Sie findet auf dieser Suche nicht nur ihren Hunger wieder , sondern sich, und versteht erst spät den Ausspruch der Ernährungsberaterin “freunden sie sich mit ihrem Hunger an.

Den Kampf um ein schlankeres Ich, schreibt sie sich von der Seele. Trotzdem ist es kein Diättagebuch, sondern vorderhand ein Buch über das Leben und seine Herausforderungen.Es handelt von Heimweh, von Südafrika, von Gewalt, von Entwurzelung und dem Ringen um Verbindung.

Der Hunger ihrer Seele dient ihr als Wegweiser auf einem Weg den sie zunächst behäbig Schritt für Schritt geht. Im Kokon des Wartens aber hat sich unterdes unbemerkt ein Schmetterling entwickelt.

Leicht, humorvoll und gewichtig so empfand ich dieses Buch. Ich habe es kaum aus der Hand legen wollen.

Joanne Fedler ist Autorin des Bestsellers “Weiberabend” . Erschienen ist das Buch “ Heißhunger”” bei Knaur.

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Cabo de Gata
Cabo de Gata
von Eugen Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Cap der Katzen ist es zeitlos, 14. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Cabo de Gata (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann nimmt den Zug von Berlin nach Barcelona um von dort aus in's” Paradies mit einem Hauch von Afrika ” zu gelangen. Schon der Weg dahin ist steinig und beginnt mit einem mürrischen Busfahrer und rosa Plattenbauten die den Wegrand säumen. Der Protagonist hofft auf eine lange Busfahrt , denn nichts zeigt erste Anzeichen paradisischer Zustände. Cabo de Gata erweist sich als kleiner Ort mitten in Andalusien, scheinbar nur von Hunden bevölkert die zu jeder Tageszeit an der Promenade promenieren. /( hier erschliesst sich der Begriff Promenadenmischung) . Er findet eine Unterkunft und mietet sich ein um fortan das Dorfleben, 3 Fischer-eine Lahmende, eine Dickärschige, eine Witwe 2 Touristen zu beobachten und zu schreiben. Noch nicht mal warm ist es, denn der Hauch Afrikas weht kühl an der Küste und die Palmen sind zu mickrig um Hängematte mit Mensch zu tragen.

Das es außer den Hunden auch noch Katzen gibt, entdeckt er, als er eines Abends eine Postkarte zum Briefkasten bringt -nach Berlin-Prenzlauer Berg in sein erstes Leben.

Hier aber ist nicht Berlin sondern ein fast trist zu nennendes Dorf in Andalusien, das irgendjemand fälschlichweise zum Paradies deklariert hat. Oder vielleicht ist es doch nicht so falsch, denn die Zeitlosigkeit zeigt sich durchaus als ein Stück vom Himmel.

Außer den Hunden gibt es noch Flamingos und eine rotgestreifte Katze die sich an die Fersen des Protagonisten hängt. Er trifft sie jeden Abend und vermisst sie wenn sie einmal unzuverlässig ist.

Zu spät, da hat sie sich bereits bei iihm einquartiert, bemerkt er das sie trächtig ist und nach einer krallenfesten Auseinandersetzung verlässt sie ihn.

Nur wenig später bricht auch der Protagonist auf.

Die etwas schwermütige langsame Stimmung erinnert an die Atmosphäre in manchen argentinischen Filmen. Der geschichte haftet etwas mystisches an und scheint sich in zeitlupe zu entwickeln. Trotzdem oder gerade deshalb habe ich dieses Buch in einer Nacht durchgelesen. Das ist hohe Erzählkunst und ich würde mir dieses Buch von Eugen Ruge jederzeit noch einmal kaufen.

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Die halbe Sonne: Ein Buch über einen Vater
Die halbe Sonne: Ein Buch über einen Vater
von Aris Fioretos
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Hommage an einen Vater, 29. April 2013
” Die halbe Sonne” von Aris Fioretos/ Versuch einer Rezension Apr
29
ARIS FIORETOS

Die halbe Sonne

Ein Buch über einen Vater – übersetzt aus dem Schwedischen von Paul Berf
Erscheinungsdatum: 25.02.2013

ISBN 978-3-446-24264-7
Hanser Verlag

Versuch einer Rezension:

“So entzündet man Erinnerungen”, schreibt die FAZ fast euphorisch im Feuilleton am 28.03.2013

Aris Fioretos wurde 1960 in Schweden als Sohn eines griechischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren. Er studierte in Stockholm vergleichende Literaturwissenschaften und promovierte 1991 und 2001.Im Jahr 1991 veröffentlichte er sein erstes Buch.”Den deutschen Lesern wurde er 1995 in der Literaturzeitschrift Akzente vorgestellt”.(Wikipedia)

Seit 1997 lebt Aris Fioretos als freier Schriftsteller in Berlin und Stockholm.

Werke: (Quelle Wikipedia)

Belletristik [Bearbeiten]

1991: Delandets bok
1998: Vanitasrutinerna
2000: Stockholm noir (deutsch als Die Seelensucherin, Übersetzung Paul Berf; Dumont Verlag, Köln 2000, ISBN 3-7701-5352-9)
2002: Sanningen om Sascha Knisch (deutsch als Die Wahrheit über Sascha Knisch, Übersetzung Paul Berf; Dumont Verlag, Köln 2003, ISBN 3-8321-7828-7)
2009: Den siste greken (deutsch als Der letzte Grieche, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2011, ISBN 978-3-446-23633-2)
2012: Halva solen (deutsch als Die halbe Sonne, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-24121-3)
Essays [Bearbeiten]

1994: Den grå boken (englisch als The Gray Book, 1999)
1996: En bok om fantomer
2001: Skallarna (deutsch als Mein schwarzer Schädel, Übersetzung Paul Berf; DAAD Künstlerprogramm, Berlin 2003, ISBN 3-89357-108-6)
2008: Vidden av en fot (deutsch als Das Maß eines Fußes, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23056-9)
2012: Avtalad tid, Gespräche mit Durs Grünbein
Die Geschichte:

beginnt mit dem Ende , entwickelt sich rückläufig bis zur Kindheit des Protagonisten. Der Vater in den letzten Jahren von von Krankheit gezeichnet ( Parkinson, Demenz, Querschnittslähmung nach Unfall)wird vom Sohn neu zusammengesetzt. Schreibend will er “Paparat” sein , fügt Fragment um Fragment zu einem kraftvollen, zärtlichen Bild zusammen.

“Der Vater aus politischen Gründen im Exil, studiert zunächst in Wien Medizin , tritt später in Schweden eine Stelle als Arzt an und macht Karriere. Verheiratet mit einer österreichischen Kunststudentin, gründet er in Schweden eine Familie und fühlt sich doch zunehmend in der Verbannung.

“…für den Sohn und Erzähler ist ist der Vater deshalb stets der “ausländische Vater”, über den er Thesen aufstellt wie diese: ” Der Handteller eines ausländischen Vaters ist größer als der Himmel über euch.”“( Zitat Lesarten/Literaturmagazin)

In den sprachlich ausgefeilten Miniaturen ersteht er wieder , als ein nicht Maß halten wollender,empfindsamer, zuweilen diktatorischer, aber auch zärtlicher, zugewandter Vater.

Fioretis schreibt in der 3. Person um dem Leser Platz zu lassen , wie an einem gut gedeckten Tisch(Interview 3sat)

Meine Meinung:

Mich hat dieses Buch vom ersten Moment an eingehüllt, bezaubert mit der prosaischen Sprache und der Fähigkeit, Sinneseindrücke durch Worte erlebbar zu machen.

Ich habe die flirrende Hitze Athens gespürt, den herben Geschmack der Oliven auf der Zunge gehabt und die Stille gehört, wenn der Vater sich zur täglichen Mittagsschlaf hinlegte.

Ich stand neben dem Vater , als er verstohlen, ein Glas in Cognac eingelegter Früchte aus dem Kühlschrank holte, um sie gleich aus dem Glas in den Mund zu schütten. . Der Vater war ganz nah, sichtbar, fühlbar, hörbar, wahrnehmbar. Ich identifizierte mich mit den ihn immer wieder überrollenden Unruhigkeiten, die die Familie veranlassten alle 2 Jahre umzuziehen. “…umgeben von Nadelwäldern leidet er an Atemnot.Um Dampf abzulassen, scheucht er die Familie insAutoMindestenseinmal im Monat verbringt man das Wochende auf der Landstraße”

Was für ein Buch! Ich mochte es gar nicht aus der Hand legen. Ein sehr empfehlenswertes Buch, etwas Besonderes, Schönes, Zärtliches. Ein gelungener Paparat (dieses Wort ist viel zu hart.


Der Laden Roman; 1. Teil
Der Laden Roman; 1. Teil
von Erwin Strittmatter
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Eintauchen in eine versunkene Welt, 17. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Laden Roman; 1. Teil (Taschenbuch)
„O es geht hart zu bei uns in der Heide.Wenn man als Säugling zwischen die Leute dort geworfen wird, merkt man es nicht sogleich, aber später wird’s man gewahr, und man merkt es, wieviel Härte dieser sandige Boden mit dem so sanft blühenden Heidekraut den Menschen abfordert!

Erwin Strittmatters stark autobiographisch geprägte Romantriologie spielt in Bossdom(Bohsdorf) in der Niederlausitz.Teil 1 umfasst den Zeitraum von 1919 bis 1923.

Aus der Sicht des kleinen Jungen Esau Matt, empfindsam und etwas sonderbar , ersteht eine (wie im Klappentext des Buches beschrieben) versunkene Welt wieder.

Da ist die Anderthalbgroßmutter, die die Kundschaft im Laden durch einen eigens gesägten Spion beobachtet oder die Amerikanische. Die 2. Großmutter die nach einer Zeit in Amerika nun gelähmt in der Hinterstube sitzt und Geldbörse,Sparbuch, Spielkarten und Bonbons(Bonse) bei 37 grad bebrütet.

Die Ereignisse der Zeit, dass erste Auto, Elektrizität oder die Inflation spiegeln sich im Alltagder kleinen Leute wieder.

Strittmatter beschreibt die Charaktere detailliert Lehrer Rumposch der prügelt und säuft, muss morgens seinen Kater vertreiben und hält so manche Erzählstunde ab, in der nicht er , sondern die Kinder erzählen was es Neues(Neies )gibt, während Lehrer Rumposch schläft.

Die Mutter mit einer Schwäche für Liebesromane , die vom Vater mit dem Dienstmädchen Hanka betrogen wird und daraufhin wieder einmal tot umfällt. Immer wieder wird vom Großvater, dem Tausendsassa berichtet und von der alten Majke ,die heilen kann.

. Der immer wieder verwendete Dialekt , mal halbsorbisch, mal sächsisch ebenso wie die das Präsens in der Geschichte gehalten ist, bewirkt das Lebendige .

Mich hat das buch in eine fremde Zeit entführt. Langsamkeit und Authenzität machten für mich den Reiz der Geschichte aus. Ich bin neugierig geworden und freue mich auf den 2. Teil.


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