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Rezensionen verfasst von
Sommerwind
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Eine große Zeit: Roman
Eine große Zeit: Roman
von William Boyd
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Spion, der aus … Österreich kam, 13. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
William Boyds Roman „Eine große Zeit“ (engl. Orig. "Waiting for Sunrise", 2012) ist eine gekonnte Mischung aus Liebes-, Kriminal- und Gesellschaftsroman. Wie nahezu alle Romane des 1952 in Ghana geborenen Schriftstellers.

Im Mittelpunkt steht der englische Schauspieler Lysander Rief, der sich für eine Psychoanalyse nach Wien begibt und dort einer ruchlosen Kindfrau verfällt. Deren Intrigen machen die Flucht aus Wien mit Hilfe englischer Diplomaten notwendig. Die wiederum lassen sich ihre Unterstützung einiges kosten. Lysander Rief wird zwangsverpflichtet und dient der Krone fortan als Geheimagent. Diesseits und jenseits des Kanals. Gefahren, erotische Verwicklungen und schmerzhafte Verluste säumen seinen Lebensweg. Am Ende steht ein verhaltenes „Happy End“.

All das wird von Boyd mit viel Verve und Lust am Fabulieren, mit viel Gespür für Atmosphären und Atmosphärisches erzählt – einzig die Glaubwürdigkeit erleidet den einen oder anderen Lackschaden, vor allem gegen Ende der Erzählung. Das schmälert das Lesevergnügen aber nicht im Geringsten: "Eine große Zeit" ist unglaublich spannend, farbenfroh, abwechslungsreich, niveauvoll und elegant. Ein echter Boyd und ein absolut lesenswerter "europäischer" Unterhaltungsroman.


Dame, König, As, Spion (Ein George-Smiley-Roman)
Dame, König, As, Spion (Ein George-Smiley-Roman)
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Der souveräne Leser, 3. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit Tomas Alfredsons kongenialer Verfilmung und einem herausragenden Gary Oldman in der Hauptrolle ist John Le Carrés Meisterwerk "Dame König As Spion" (1974) neu entdeckt worden. Und dass es sich bei diesem Spionageroman um ein veritables Meisterwerk handelt, gerade auch in literarischer Hinsicht, darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen. Der pointierte Witz Le Carrès, seine Lust an der präzisen Formulierung und die Konsequenz in der Gestaltung einer "bleiernen" Geheimdienst-Atmosphäre machen diesen Roman zu einem Lesevergnügen ersten Ranges.

Freilich, "Dame König As Spion" ist kein Stoff für "Einsteiger". Es bedarf einer erheblichen und ausdauernden Aufmerksamkeit, um George Smileys Suche nach dem Maulwurf im britischen Geheimdienst ("Circus") nachvollziehen zu können. Zumal Le Carré stilecht und genregerecht sehr diskret vorgeht und sich allzu expliziter Hinweise enthält.

Schade nur, dass der List-Verlag sich ausschließlich älteren Materials bedient und die Übersetzung nicht noch einmal durchgesehen hat. So enthält diese Ausgabe nicht nur echte Fehler, sondern auch manch antiquierte Wendung in der Übersetzung. Diese Patina steht dem Stoff nicht an, wie die eingangs genannte Neuverfilmung eindrucksvoll gezeigt hat. Aber das sind Marginalien. John Le Carrés "Dame König As Spion" ist ein Klassiker der neueren Literatur – und keineswegs nur Lesestoff für eingefleischte Krimifans.


Die Unermesslichkeit (suhrkamp taschenbuch)
Die Unermesslichkeit (suhrkamp taschenbuch)
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Zeiten des Aufruhrs, 2. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
David Vann (Jahrgang 1966) ist bei Richard Yates (1926-1992) in die Schule gegangen. Bewusst oder unbewusst. So oder so. Denn wie Yates versteht es Vann den "amerikanischen Traum" zu entzaubern, nein, eigentlich zu demontieren. Gnadenlos, unerbittlich, mit fast schon zynischer Konsequenz. Dazu passt es, dass Vann die Selbstzerfleischung einer ganzen Familie in die Abgeschiedenheit Alaskas (in der der Verfasser selbst aufgewachsen ist) verlegt.

Die Beschränkung aufs Fundamentale macht die "pursuit of happiness" zu einer kruden Illusion. Und Vann schlägt dieselbe Tonlage wie Yates an: wortkarg und lakonisch. Es liegt eine seltene Meisterschaft darin, mit wenig Worten so viel (vergiftete) Atmosphäre, soviel Enttäuschung und Erniedrigung spürbar zu machen.

Doch wo Yates gleichsam noch immer in den Pastellfarben eines ermattenden Hochsommers zeichnet, um hinter die abgedunkelten Fassaden zu blicken - wie Edward Hopper -, da wird Vann schroffer, grausamer und vor allem dunkler. Seine Unermesslichkeit ist keine der trügerisch gepflegten Vorgärten, sondern eine der steinernen Natur, der frostigen Finsternis.

"Caribou Island", so der englische Titel dieses Romans aus dem Jahre 2011, ist ein erstes, kleines Meisterwerk des US-amerikanischen Schriftstellers. Einzig seine Neigung, Sätze (impressionistisch?) zu verkürzen - durch den Verzicht auf Kopula oder Verb - wirkt ein wenig manieriert. Aber das stört den fulminanten Gesamteindruck kaum. Ein eindrucksvolles literarisches Statement aus dem äußersten Norden der Vereinigten Staaten.


Die neuen Bekenntnisse: Roman
Die neuen Bekenntnisse: Roman
von William Boyd
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Moderne Zeiten, 2. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die neuen Bekenntnisse: Roman (Taschenbuch)
William Boyds Romane sind intelligente, kurzweilige, stets mit ein wenig Bildung angereicherte Unterhaltungsliteratur. Nicht das Schlechteste, was man über Literatur sagen kann. In seiner ganz unprätentiösen Selbstverpflichtung auf kluge und abwechslungsreiche, keineswegs triviale Erzählkunst gleicht Boyd (Jahrgang 1952) dem großen Romancier William Somerset Maugham (1874-1965).

"Die neuen Bekenntnisse" (engl. Orig. 1987) machen da keine Ausnahme. Im Rahmen seiner "Trilogie der Täuschungen" schildert Boyd das Leben des fiktiven Filmemachers John James Todd vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre. Dessen Lebenswerk, die Verfilmung von Jean Jacques Rousseaus Bekenntnissen von 1782, steht im Zentrum des Romans. Ob die Beschreibung der Dreharbeiten, wie das Time Magazine in seiner Buchbesprechung vermeldet, tatsächlich so realistisch ausgefallen ist, dass man sich einbildet, diesen nicht-existenten Film gesehen zu haben - das sei einmal dahin gestellt.

Fest steht aber, dass Rousseaus Bekenntnisse das literarisches Leitmotiv dieses gut 700 Seiten umfassenden Romans darstellen. Das funktioniert zwar nicht durchgehend, stört den eigentlichen Erzählstrang und Lesefluss aber kaum. Viel wesentlicher sind die einzelnen biographischen Etappen, die Boyd bisweilen mit dramatischer Eindringlichkeit gestaltet. Das gilt insbesondere für die Darstellung des Ersten Weltkriegs, zu dessen Spielball der junge Protagonist wird. Boyd beweist ein besonderes Geschick für quasi-dokumentarische Darstellungen, ohne dabei voyeuristisch zu wirken. Boyd ist kein literarischer Katastrophentourist, eher ein Autor, dem daran gelegen ist, die vielen Verwerfungen des 20. Jahrhundert mit literarischen Mitteln nachzubilden.

Seine Perspektive ist das Individuum, nicht die "Weltgeschichte". Das macht "Die neuen Bekenntnisse" anschaulich und glaubwürdig, auch wenn es sich um eine fiktive Biographie handelt. Darin äußert sich nicht zuletzt ein humanistisches Anliegen. Aber Boyd versteht es gerade auch in diesem Roman, sein Anliegen literarisch zu gestalten, mit viel Lust am Fabulieren, humorvoll und ein wenig philosophisch. Wenn man dem Roman noch ein wenig mehr hätte wünschen können, so wäre das m.E. eine etwas präzisere "Charakterbildung" und Atmosphäre gewesen - in dieser Beziehung reicht er nicht ganz an das Meisterwerk "Ruhelos" (engl. Orig. 2006) heran. Sei's drum; alles in allem sind "Die neuen Bekenntnisse" ein äußerst gelungenes Stück Unterhaltungsliteratur: spannend, kultiviert und lehrreich.


Eine gute Schule. Roman
Eine gute Schule. Roman
von Richard Yates
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Feuerzangenbowle“ auf Amerikanisch, 29. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Eine gute Schule. Roman (Gebundene Ausgabe)
„Eine gute Schule“ (amer. Original 1978) ist sicher einer der besten Romane von Richard Yates (1926-1992). Und möglicherweise das Werk aus der Feder des großen Skeptikers mit der größten Zuversicht und Herzenswärme. Zwar zeigt Yates auch in diesem Roman, was er vom „amerikanischen Traum“ hält – wenig bis gar nichts –, aber diesmal wirkt die Tonlage versöhnlicher, zuversichtlicher. Dabei bleibt Yates ein Meister der leisen Töne, der ungelenken Gesten, der lakonischen Schilderung – kein anderer amerikanischer Autor ist den Gemälden von Edward Hopper jemals so nahe gekommen. Ein Existentialist, der stets in feinen Strichen und Pastelltönen gearbeitet hat.

Dabei spielt in diesem „Roman ohne Held“ (Thackeray) auch die Musik eine Rolle, aber eine ganz leise, vorsichtige und subtile Rolle – gelegentlich vermutet man, dass sich auch Richard Powers mit seinem Meisterwerk „Der Klang der Zeit“ (2003) bei Yates bedient haben mag.

Was in all der Aufgeräumtheit und Unaufgeregtheit des Romans vielleicht übersehen wird, ist die Tatsache, dass er perfekt durchkomponiert ist. Wie Glieder einer Kette (einer Schicksalsgemeinschaft) fügen sich die einzelnen Erzählungen über Lehrer und Schüler an der Dorset Academy zu einem Ganzen. Und diesmal kommt Yates seinen Figuren näher als in seinen anderen Romanen. Die Sympathie, die er den schrulligen Lehrern und pubertären Schülern entgegenbringt, erinnert tatsächlich – bis zum Ende – an den berühmten Roman von Heinrich Spoerl, „Die Feuerzangenbowle“.

Ein schöner, ungemein humaner, fast stiller Roman von einem Schriftsteller, der uns erst in den letzten Jahren nahegebracht wurde – uneingeschränkt empfehlenswert.


Bel Raggio
Bel Raggio
Preis: EUR 16,05

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Polnische Belcanto-Produktion – musikalisch gut, Null-Repertoire-Wert, belangloses Beiheft, 9. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bel Raggio (Audio CD)
Auf ihrem Debüt-Album "Gioia" von 2011 (Decca) wusste die Polin (Jahrgang 1977) mit den markanten Wangen durchaus zu überzeugen (s. meine Rezension). Ganz gegen meine Vermutung hat sich ihr eher dunkler, aber klangschöner, weiblicher Sopran durchaus stabilisiert und klingt insgesamt fester, souveräner und sicherer. Eine erfreuliche Entwicklung. Ihr Legato ist überdurchschnittlich, und auch die Höhen meistert sie ohne Auffälligkeiten. Da stimmt das auf dem rückwärtigen Cover abgedruckte Times-Zitat ausnahmsweise einmal. (Lediglich in den Mittellagen vernimmt man die eine oder andere Sprödigkeit.)

Stimmlich also wieder einmal überzeugend, insgesamt noch etwas dunkler als auf dem Debüt-Album, aber auch reifer und solider. Der zur Begleitung engagierte Bariton Artur Rucinski kann da nicht mithalten. Ihm würde ich eher gute Stadttheater-Klasse bescheinigen. Die Sinfoniker aus Warschau unter Pier Giorgio Morandi sekundieren stilsicher, akkurat, aber auch sehr unauffällig: ordentliche Belcanto-Dienstleister.

Stichwort "Belcanto". Abweichend vom populären Sprachgebrauch gehören nur relativ wenige Komponisten tatsächlich dieser Gattung an; und Rossini (1792-1868) ist neben Bellini und Donizetti der wichtigste Vertreter dieses "Fachs". Damit wären wir beim Repertoirewert dieser Produktion. Und die tendiert – wieder einmal – gegen Null. Das sei allerdings nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Nicht ganz so marginal vielleicht die Anspielempfehlungen. Das wären aus meiner Sicht, gerade mit Blick auf den wirklich bemerkenswerten Legato, die Nummern 2, 5 und 8. Auf Nummer 5 klingt die Kurzak, das muss ich noch loswerden, so ähnlich wie Angela Gheorghiu. Könnte das damit zu tun haben, dass sich die polnische Mezzosopranistin kurz nach der Trennung Gheorghiu-Alagna mit dem einstigen, inzwischen etwas abgehalfterten Startenor zusammen getan hat? Man weiß es nicht. Tut auch nichts zur Sache.

Etwas wesentlicher ist die Gestaltung des Beiheftes. Und die fällt Decca-typisch wieder einmal lieb- und belanglos aus. Neben einigen Bildern, die die optischen Reize von Aleksandra Kurzak ins rechte Licht rücken, enthält das Beiheft die Texte der dargebotenen Partien und eine Kurzbiographie der Künstlerin. Nichtssagend wie alle im Universal-Konzern entstehenden Beilagen.

Unterm Strich also ein ordentliches Belcanto-Album mit einer gut aufgelegten Aleksandra Kurzak und einem versierten Hintergrund-Orchester. Der Klang – das noch zum Schluss – geht absolut in Ordnung, erfüllt aber keine audiophilen Ansprüche (was mich bei solchen Produktionen immer ein wenig wundert!) Insgesamt eine glatte Zwei, aber keine Eins – das gibt im Amazon-Universum vier Punkte.


Sinfonie 7
Sinfonie 7
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weltkriegs-Bolero, 9. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 7 (Audio CD)
Die 7. Sinfonie ("Leningrad") von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) ist 1941 veröffentlicht und uraufgeführt worden. Kurz zuvor hatte das nationalsozialistische Terror-Regime die UdSSR überfallen. Leningrad, die Geburtsstadt des Komponisten, wurde ein frühes Opfer der Invasoren; Schostakowitsch musste fliehen und widmete die 7. Sinfonie der heimgesuchten Metropole.

Über die politischen Motive von Schostakowitsch bei der Komposition seiner 7. Sinfonie ist viel diskutiert und gestritten worden. Manches wird wohl im Verborgenen bleiben müssen. Niemandem verborgen blieb allerdings die bis heute spektakulär anmutende, im ersten Satz enthaltene Anleihe bei Ravels "Bolero". Sie dominiert den ganzen Satz. Darauf angesprochen, soll der Komponist, halb verzweifelt, halb abweisend, erwidert haben: "Was soll’s, so hört sich eben Krieg für mich an."

Noch der zweite Satz kann sich anfänglich vom "Bolero" nicht ganz lösen. Er wirkt recht ambivalent und deutet erst gegen Ende etwas musikalische Versöhnung an. Insofern annonciert aber der zweite Satz die folgenden beiden Sätze. Der dritte Satz arbeitet mit starken tonalen Gegensätzen. Ein wenig erinnert er an die starken Ambivalenzen in Mahlers Tonkunst. Der vierte Satz schließlich ist dramatischer, dynamischer – reflektiert er das Kriegsgeschehen? – und gipfelt in einem wiederum an Mahler erinnernden Triumph.

Trotz der "Amplituden" ist Schostakowitschs 7. Sinfonie relativ zugänglich. Zu den Referenzaufnahmen darf man die Einspielungen unter Bernstein und Jansons zählen. Auch der junge Dirigent Vasily Petrenko macht sich seit einigen Jahren um Schostakowitschs sinfonisches Werk verdient. Beim vorliegenden Album handelt es sich, wenn ich richtig mitgezählt habe, um die mittlerweile achte CD-Veröffentlichung im Rahmen von Petrenkos Schostakowitsch-Zyklus bei Naxos.

Petrenkos Interpretation ist selbstbewusst, zupackend und klar. Wenn es sein Anspruch gewesen ist, diese Sinfonie zeitgemäß und modern aufzuführen, dann darf dieser Anspruch als eingelöst bezeichnet werden. Das mag man als Stärke auffassen, kann aber auch anders gesehen werden. Für meine Begriffe hat man bei der "Grundreinigung" ein wenig übertrieben: Das Harsche, Widerspenstige und Gegensätzliche in Schostakowitschs Sinfonik ist m.E. zu stark nivelliert worden: Petrenko liefert einen auf Hochglanz polierten Schostakowitsch ab. Mehr als in seinen vorigen Aufnahmen.

Das heißt nicht, dass dies eine ungenügende Aufführung wäre. Dazu harmonieren Petrenko und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra inzwischen viel zu sehr - gerade in den Zwischentönen, in den leisen Tönen, den Nuancen. Trotzdem wirkt das Ganze etwas anämisch. So als käme diese Sinfonie aus einer sterilen Zwischenzeit.


Debussy / Ravel
Debussy / Ravel
Preis: EUR 9,60

4.0 von 5 Sternen Orchester-Klassiker aus Frankreich in sehr guter Qualität … und das zum Freundschaftspreis, 21. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Debussy / Ravel (Audio CD)
Das vorliegende Album enthält populäre Preziosen der französischen Orchesterliteratur, Debussys "Prélude à l’après-midi d’une faune", "La Mer" und seine Rhapsodie für Orchester und Saxophon sowie Ravels "La Valse" und den "Bolero". Es musiziert das New York Philharmonic unter seinem seinerzeitigen Chefdirigenten Kurt Masur (Jahrgang 1927). Die hier versammelten Aufnahmen sind 1993 und 1996 in New York entstanden.

Die Produkte des Apex-Labels haben zwar immer eine gewisse Reste-Rampe-Anmutung, aber wenn man darüber hinweg sieht, wird man rasch erkennen, dass die meisten Aufnahmen dieses Labels durchweg von hoher bis sehr hoher Qualität sind. Das gilt auch für die vorliegende Wiederverwertung einer Teldec-Veröffentlichung.

Um es kurz zu machen: "La Mer" und der "Bolero" sind sehr ordentlich interpretiert, gehören aber in der unüberschaubaren Vielzahl der Aufnahmen dieser beiden Stücke sicher nicht zu den Ausnahme-Fassungen. Sehr viel überzeugender wirken Debussys "Prélude à l’après-midi d’une faune": offen, behutsam, luftig und mit viel Gespür für die kleine Geste, sowie Ravels "La Valse": atmosphärisch, räumlich und ein wenig ironisch.

Auch die nicht so häufig aufgenommene Rhapsodie geben die New Yorker mit viel Elan und Dynamik und dem rechten Gefühl für musikalische Dramatik wieder. Insgesamt – über alle Titel hinweg – eine höchst respektable Arbeit, so dass der Einsteiger hier ebenso bedenkenlos zugreifen kann wie der Kenner und Komplettist. Wem das noch nicht reicht, den wird vielleicht die budgetschonende Preisgestaltung überzeugen.


Concerti Grossi Op.3
Concerti Grossi Op.3
Preis: EUR 8,36

3.0 von 5 Sternen Diesmal nur Mittelmaß, 16. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Concerti Grossi Op.3 (Audio CD)
Marc Minkowski (Jahrgang 1962) und das Orchester "Les Musiciens du Louvre" sind ein Garant für anspruchsvolle und erstklassige Barock-Einspielungen. Zahlreiche Produktionen legen eindrucksvoll Zeugnis davon ab.

Im Falle von Händels "Concerti Grossi Op.3" (1734) ergibt sich allerdings ein etwas ambivalentes, heterogenes Bild. Einerseits musiziert das Ensemble hier sehr präsent, unmittelbar und dynamisch (Empfehlung in dieser Beziehung Titel Nr. 5), andererseits legen die Franzosen bisweilen eine auffallend verhaltene Gangart an den Tag. Die allerdings ist nicht recht nachvollziehbar. Besonders deutlich wird das an dem berühmten Part mit Orgelbeteiligung (Titel Nr. 7). Das hat man schon deutlich kerniger und bewegter gehört.

Nicht durchgehend, aber doch in Teilen wirkt diese Einspielung buchstäblich etwas unmotiviert. Obwohl die Gemächlichkeit der Interpretation Raum schafft und für luftigen Klang sorgen müsste, wirken einzelne Passagen eher schwerfällig. Andere Teile klingen plastisch, direkt und offen; allerdings tritt dann gelegentlich eine gewisse Vordergründigkeit ein.

Am Klang (mithin an der Aufnahmetechnik) gibt es nichts auszusetzen; der ist körperlich, direkt und atmosphärisch; aber an die frische, kraftvolle und farbige Interpretation des Kammerorchesters Basel aus dem Jahre 2009 reicht diese Aufnahme in vielerlei Hinsicht nicht heran. Immerhin zeichnet sich die Produktion durch eine mehr als faire Preisgestaltung aus.


The Art of Magdalena Kozena
The Art of Magdalena Kozena
Preis: EUR 10,97

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Ehrenpreis für das Lebenswerk geht an ..., 12. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Art of Magdalena Kozena (Audio CD)
... Magdalena Kozena!

Die wird dieses Jahr zwar erst vierzig, aber das macht ja nichts. Oder doch? Immerhin existieren bereits drei Kompilationen zum Werk der schönen Tschechin: "Enchantment" (2006), "Les Stars du Classique" (2010) und "Magdalena Bach singt Bach" (2010) - alle im Verlag der Deutschen Grammophon. Und auch die vorliegende Zusammenstellung enthält auf zwei CDs nur einen Querschnitt aus Kozenas bisheriger Arbeit.

Das wirft Fragen auf. Sicher, 2013 war für die Belcanto-Liebhaber bislang eine Saure-Gurken-Zeit. Abgesehen von wenigen Ausnahmen. Aber rechtfertigt das solch lieblose Zusammenstellungen von bekanntem Material?

Davon einmal abgesehen bietet "The Art of Magdalena Kozena" rund 140 Minuten Magdalena Kozena: Bach, Dvorak, Händel, Mozart, Vivaldi u.a. - allerdings nicht in chronologischer Anordnung, sondern verteilt nach Arien (CD 1) einerseits sowie Liedern und Duetten (CD 2) andererseits. Diese Aufteilung wirkt nicht nur ein wenig willkürlich; sie lässt auch die gesangliche und klangliche Entwicklung von Magdalena Kozena nicht deutlich werden.

Daher an dieser Stelle vielleicht noch ein paar (persönliche) Worte dazu: Als junge Mezzosopranistin hat es Magdalena Kozena wunderbar verstanden, die stoische Affektenlehre des Barock und die emotionale Innigkeit von Mozart-Arien zum Ausdruck zu bringen: Klar, offen, feminin, stets ein wenig zurückgenommen, mit dezentem Glanz und wunderschönen Höhen - ihr erstes Bach-Album ist m.E. ihr bestes, dicht gefolgt vom Mozart-Album. Anspieltipps auf CD 1 daher Nr. 4, 6 und 8.

Mit zunehmender stimmlicher Reife und Festigkeit wurde Magdalena Kozena selbstbewusster und mutiger, hat für meine Begriffe aber oft übersteuert. Das gilt vor allem für die jüngeren Händel- und Vivaldi-Aufnahmen. Gegen ihre eigene Natur hat sie es in diesen Aufnahmen der Affektiertheit und Manieriertheit von Cecilia Bartoli gleichgetan und den Geist barocker Vokalkunst verfehlt. Das ließ für die Interpretation von Orchester-Liedern jüngeren Datums Schlimmes befürchten. Doch siehe da, ausgerechnet bei Mahler legt die Tschechin einen Gang zurück und empfiehlt sich (mit Einschränkungen) auch als Mahler-Exegetin. Anspieltipp auf CD 2 also Nr. 18.

Ein etwas heterogenes Bild also. Trotzdem, Magdalena Kozena ist eine der besten Mezzosopranistinnen unserer Tage, immer wieder zu gesanglichen und künstlerischen Höchstleistungen in der Lage. Mit einer ungewöhnlich natürlichen, sehr weiblichen und warmen Stimme, die auch in den höheren Lagen glänzen kann. Das gilt umso mehr, wenn sie mit hervorragenden Orchestern und Dirigenten wie Mark Minkowski oder Simon Rattle, ihrem Ehemann, zusammenarbeitet. All das kann man auf diesem Album bewundern. Und sich doch ein wenig fragen, ob es dieser neuerlichen Kompilation bedurft hat. Und wie oft das Lebenswerk von Magdalena Kozena noch gewürdigt werden soll.


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