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Rezensionen verfasst von
Mr. Beaker (Duisburg)

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I Awake
I Awake
Preis: EUR 11,06

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Wurf, 3. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: I Awake (Audio CD)
Mit ihrem vierten Studioalbum hat Sarah Blasko für meinen Geschmack ihr (bisheriges) Meisterwerk abgeliefert. Es ist ein gewaltiges, intensives, mitreißendes, episches Stück Musik, in das man als Neuling vielleicht nicht ganz leicht reinfindet, das den Hörer aber immer tiefer in seinen Bann zieht, je öfter er es hört. Zumindest mir ist es so ergangen, wobei ich dieses Album allerdings zugänglicher fand als "What The Sea Wants..." oder die Debut-EP "Prelusive". Und die ganze reiche Textur der Musik erschließt sich in der Tat am besten bei intensivem Zuhören per Kopfhörer. Das gilt übrigens auch für Sarah Blaskos andere Alben.
War das Vorgängeralbum eher noch der "kleinen Form" mit überschaubarer Instrumentierung zuzuordnen, hat Sarah Blasko sich für dieses Album die Mitwirkung eines kompletten Symphonieorchesters gesichert. Dabei hat sie sich ihren von den früheren Alben bekannten Sinn für erlesene Arrangements bewahrt, der von den Möglichkeiten eines kompletten Orchesters natürlich ganz anders herausgefordert wird. Eine Herausforderung, die sie mit Bravour bestanden hat. Die Singstimme, die ein wenig an Norah Jones erinnert (aber damit endet die Gemeinsamkeit - Blaskos Musik ist unvergleichlich reichhaltiger), steht immer im Vordergrund und wird nie von übertriebenen Orchesterklängen zugekleistert. Ein Beispiel ist etwa "Illusory Light", das mit einem Klaviermotiv beginnt. Wie sich dann das Orchester passend zum Text rein- und wieder rausschleicht, ist einfach nur grandios. Es gibt aber auch Stücke mit reduzierter Instrumentierung (Klavier, Streicher und Schlagzeug, alles sehr dezent), im vorletzten Track ("An Oyster, A Pearl") sind sogar nur Gesangsstimme und Klavier zu hören.
In der Melodik, mit diversen Anklängen an osteuropäische Folklore, dominieren die Molltöne, vielleicht ist das der Grund, warum das Album als "düster und verstörend" bezeichnet wurde. Letzteres würde ich aber nicht unterschreiben, im Gegenteil, "I Awake" ist alles andere als deprimierend. Womit wir bei den Songtexten wären. Inhaltlich führt uns das Album in die Gedankenwelt eines Menschen, der sich nach einem tiefen Einschnitt ins Leben, offenbar nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung, wieder in eben dieses Leben zurückkämpft, einen Neuanfang wagt, durchaus mit einer gehörigen Portion Wut in der Tasche ("God-fearing", "Fool"), eben "erwacht". Die Texte sind ehrlich, schnörkellos und direkt. Es wird keine weinerliche Introspektion geboten, sondern ungeheuer positive, lebensbejahende Gedanken einer starken Frau, umgesetzt in entsprechend kraftvolle Musik, vielleicht nirgends deutlicher als in dem trotzigen Schlussstück "Not Yet".
Stimmlich zeigt sich Sarah Blasko auf der Höhe ihrer Gesangskunst, "I Awake" ist wahrscheinlich ihre beste und gesangstechnisch anspruchsvollste Aufnahme. Auch hier mit der Einschränkung "bisher", so wie sie sich von Album zu Album gesteigert hat.
Favoriten oder Anspieltipps kann ich nicht nennen, für mich hat das Album vom ersten bis zum letzten Stück durchgehend hohe Qualität.
Sarah Blasko ist vielleicht nichts für jeden - aber wer sie für sich entdeckt hat, wird schnell süchtig. Und das gilt besonders auch für dieses Album.


Telegram [Oz Only]
Telegram [Oz Only]
Preis: EUR 22,58

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungenes Frühwerk, 24. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Telegram [Oz Only] (Audio CD)
Auf dieser frühen EP ist schon viel von dem zu finden, was Kate Miller-Heidke zu einer herausragenden Singer-Songwriterin macht. Vor allem ist es ihre hohe, im Normalfall sanfte und weiche, ungemein ausdrucksstarke Stimme, diese spielerische Leichtigkeit, mit der KMH ihre eingängigen, mit Gitarre, Klavier und ganz dezentem Schlagzeugeinsatz angenehm zurückhaltend instrumentierten Lieder vorträgt, sich aber auch mal in den "opera mode" vorwagt oder regelrecht funkig klingt ("Blah Blah"). Und KMH wäre nicht KMH, wenn in dieser Zusammenstellung nicht sensible Balladen ("Space They Cannot Touch", ihr erster Singleerfolg) neben mit ihrem charakteristischen Humor angereicherten Popsongs stehen würden ("My Photo in the Newspaper"). Das absolute Glanzstück, für das ich der EP 5 Sterne geben würde, egal was da sonst drauf wäre, ist aber der Schlusstrack "Day after Christmas", eine Klavierballade über (nach ihren eigenen Worten) "the relentless passage of time", von einer Schönheit, die nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint. Textlich offenbart das Lied eine nachdenkliche, tiefgründige Facette der Sängerin, die sich bei allem teils deftigem Humor quer durch ihr Gesamtwerk verfolgen lässt.


The Second Gleam
The Second Gleam
Preis: EUR 18,18

5.0 von 5 Sternen Auf die ruhige Tour Teil 2, 24. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Second Gleam (Audio CD)
Genauso wie die Vorläufer-EP "The Gleam" enthält diese CD eine Sammlung ruhiger, fast besinnlicher, überwiegend gitarrendominierter Lieder mit ausgesucht schönen Melodien und tollen Texten, die Sorte Stücke, die in den Mittelteil eines Konzerts gehören, nach dem furiosen Auftakt und vor dem Abschlussfeuerwerk. Bei der dezenten Instrumentierung kommen die klare, manchmal etwas kratzige Stimme von Scott und die weichere, wärmere von Seth sowohl allein als auch im Duett zu voller Geltung. "Murder in the City" ist eines der Lieder, die in jede Best-of-Sammlung der Avetts gehören. Unbedingte Kaufempfehlung für alle, die diese Art Musik grundsätzlich mögen, und zwar für beide Teile.


The Gleam
The Gleam
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf die ruhige Tour Teil 1, 24. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Gleam (Audio CD)
Genauso wie die Folge-EP "The Gleam II" enthält diese CD eine Sammlung ruhiger, fast besinnlicher, überwiegend gitarrendominierter Lieder mit ausgesucht schönen Melodien und tollen Texten, die Sorte Stücke, die in den Mittelteil eines Konzerts gehören, nach dem furiosen Auftakt und vor dem Abschlussfeuerwerk. Bei der dezenten Instrumentierung kommen die klare, manchmal etwas kratzige Stimme des jüngeren Bruders Scott und die weichere, wärmere von Seth sowohl allein als auch im Duett zu voller Geltung. "If It's the Beaches" ist eines der Lieder, die in jede Best-of-Sammlung der Avetts gehören. Unbedingte Kaufempfehlung für alle, die diese Art Musik grundsätzlich mögen, und zwar für beide Teile.


Lindsey Stirling (Deluxe Edition)
Lindsey Stirling (Deluxe Edition)
Preis: EUR 6,49

5.0 von 5 Sternen Phänomen Lindsey, 6. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lindsey Stirling (Deluxe Edition) (Audio CD)
Ok, sie haben ja nicht ganz Unrecht, die Haar-in-der-Suppe-Sucher. Eine gewisse Selbstähnlichkeit der Stücke ist nicht zu bestreiten, und wer drei davon gehört hat, kennt mehr oder weniger das Album. Mag sein, dass Lindsey Stirlings Art zu fiedeln nicht ganz so originell ist, wie sie manchmal dargestellt wird. Und der unterlegten Elektro-Bassline aus der Firma Immergleich & Co hätte ein bisschen Abwechslung gut getan.

Ehrlich gesagt: All das ist mir egal, aber sowas von.

Selten habe ich eine Musik gehört, die schon bei den ersten Tönen so elektrisiert, so mitreißend, packend, kraftvoll, lebendig, feurig ist, die dem Hörer eine traumhaft schöne Melodie in (vielleicht zu) schneller Folge nach der anderen um oder besser in die Ohren haut.

Ein viel versprechendes Debütalbum einer hoch talentierten jungen Künstlerin, Violinistin, Komponistin (und, an Hand der CD nicht zu bewerten, Choreographin/Tänzerin) mit enormem Suchtpotenzial. Wenn sie ihren musikalischen Kosmos noch erweitert, z.B. entdeckt (wofür es jenseits dieser CD ja durchaus Anzeichen gibt), dass es in der Musik noch mehr Rhythmen gibt als 130 bpm, könnte sie mit diesem Album den Grundstein zu einer großen Karriere gelegt haben.

Normalerweise würde ich für ein gutes Debüt mit Aussicht auf Steigerung 4 Sternchen vergeben, aber dank der Urgewalt, mit der Lindsey Stirling für frischen Wind im täglichen banalen Musikeinerlei sorgt, fällt die Aufwertung auf 5 Sterne leicht.

Update vom 17.12.2013: In der Zwischenzeit ist eine Menge passiert. Lindsey Stirling steht mittlerweile kurz vor der halben Milliarde Videoklicks, zu der ich sicher nicht wenige beigetragen habe. Für mich war sie die herausragende Erscheinung in der Musikszene des Jahres. Kein Album in 2013 öfter gehört als die 12-Track-Version, ihre Videos gesehen, bis die Augen viereckig waren, drei Livekonzerte, sogar auf einem Meet&Greet mit ihr geplaudert... Aber vor allem ist in den letzten Monaten immer klarer geworden, dass man dem Phänomen Lindsey nicht gerecht wird, wenn man sie auf die Geigerin reduziert, die nebenbei noch tanzt, oder die Tänzerin, die nebenbei noch geigt, womöglich mit dem hämischen Nachsatz, dass sie beides kombiniert, weil sie weder das eine noch das andere richtig könne. Tatsache ist, dass sie sehr hart an sich arbeitet, und gerade an der 17-Track-Deluxe-Version des Albums wird das deutlich, zumindest was die musikalische Seite betrifft.

Was ist neu? Zunächst hat Track 12 eine ganz neu aufgenommene Geigenspur bekommen, die nicht so elektronisch verzerrt klingt wie die ursprüngliche Fassung, sondern sich wie ein "richtiges" Lindsey-Stück anhört und nebenbei eine entschieden keltische Klangfarbe ins Album bringt. Dann drei ihrer selbst komponierten Klassiker in großen orchestralen Arrangements, wo man sofort denkt, das ist doch Filmmusik, - Musik, die den großen Film-Scores eines John Williams oder eines Howard Shore an epischer Wucht in rein gar nichts nachsteht; "Transcendence" dazu mit einem hoch virtuosen Geigenpart, der zeigt, dass Lindsey auf dem Weg zu einer technisch wirklich guten Geigerin ist. Es folgt ein witziger Dance-Remix von "Crystallize", bei dem auch ein bisschen von ihrer Gesangsstimme zu hören ist, und zum Schluss ein traumhaftes Cover von "My Immortal".

Das Deluxe-Album zeigt für mich vor allem, dass es Lindsey - selbst für ein ungeschultes Ohr wie meins - zunehmend besser gelingt, jedenfalls besser als zu Anfang ihrer Karriere, so etwas wie Ausdruck, Seele, Tiefe in ihrem Spiel unterzubringen. Insofern ist das Deluxe-Album noch mehr als das Original-Album Musik für wirklich alle Altersklassen. Wer das Original-Album hat, sollte in die neuen Tracks zumindest reinhören und sie sich dann vielleicht downloaden, wer noch gar keine CD von ihr hat, dem rate ich zu der Deluxe-Ausgabe.


I and Love and You
I and Love and You

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brooklyn, Brooklyn, take me in..., 8. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: I and Love and You (Audio CD)
... gut möglich, dass Ihnen diese Melodie und diese Worte so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen, sobald Sie den Titelsong des Albums nur ein einziges Mal gehört haben. Und das ist nicht das einzige Stück dieses Kalibers auf der CD. Ja, die Brüder können Melodien für die Ewigkeit schreiben, die sich tief in die Gehörgänge bohren, und singen können die beiden auch, klar, kraftvoll, alleine oder im Duett.

Ich habe die Avetts auf Amazon-Empfehlung bei der Suche nach ähnlicher Musik wie Mumford&Sons entdeckt und dieses als erstes Album bestellt, das sofort den Appetit auf mehr von dieser Gruppe (...und auf ihren weithin in höchsten Tönen gelobten Live-Act!) geweckt hat. Im Vergleich zu meiner rasch wachsenden Avett-Sammlung hat sich herausgestellt, dass gerade dieses Werk mit am wenigsten mit dem Mumford-Sound zu tun hat. Neben Gitarren und Cello ist v. a. in der ersten Hälfte viel Klavier zu hören, das dieses Album ein Stück weg vom "Newgrass", wo die Avett Bros. am häufigsten einsortiert werden, in Richtung Singer-Songwriter-Musik rückt. Die Aufnahmequalität ist erlesen und bringt die Harmonien in Gesang und Instrumentierung zu voller Geltung. Teilweise tragen die Instrumente die Melodie und ergänzen den gesungenen Part, der dadurch fragmentarisch wirken kann und z.B. in "Ten Thousand Words" mit einer einzigen wiederholten Melodiezeile auskommt, ohne dass das Lied dadurch im Geringsten langweilig wird.

Und bei intensiverer Beschäftigung erweist sich auch das Songwriting - leider liegt kein Textheft bei, aber das Meiste kann man auch ohne verstehen - als sehr gelungen. Herausragend sind hier der Titelsong und "Laundry Room". Wie hier in den ersten Strophen anscheinend von einem jungen Pärchen erzählt wird, das sich im Waschkeller mit äußerster Vorsicht näher kommt, so dass die Eltern nur ja nichts merken; wie dann die Perspektive wechselt und sich herausstellt, dass der Erzähler nicht mehr ganz jung ist und seine schon eingeschlafene Liebe durch das Heraufbeschwören dieser ersten Begegnung wiederzubeleben versucht ("Break this tired old routine..."); und wie der Ausgang der Geschichte dann ganz ohne Worte in einem prächtigen Countryjam erzählt wird - das ist musikalisches Storytelling, besser geht's nicht.

Neben den eher getragenen, melodieseligen, klavierbetonten Liedern, die durchaus Vorläufer etwa auf den Gleam-EPs haben, findet sich aber auch klassischer Bluegrass-Country-Folk-Rock auf dem Album, die Sorte Hochenergiemusik, durch die Avetts hauptsächlich bekannt geworden sind (in "Perfect Space" beide Stile in einem Song), garniert mit einem guten Schuss Beatles-Harmonien und einem vereinzelten Spritzer Punk. Track 2 "January Wedding" verbreitet mit Banjo-Klängen am ehesten Country-Feeling. Es fällt schwer, Favoriten herauszupicken - am ehesten der Titelsong, das grandiose "Head Full of Doubt, Road Full of Promise", natürlich "Laundry Room" oder last not least das mitreißende "Kick Drum Heart".

Fazit: Wer die (Mumford-)Söhne mochte, sollte den (Avett-)Brüdern eine Chance geben. (Überarbeitet am 21.2.2013)


Stardust
Stardust
Wird angeboten von CD-DVD-Tonträger Berlin
Preis: EUR 13,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Positiv überrascht, 20. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Stardust (Audio CD)
Dass ich nach dem Hype um Lena noch mal etwas Positives über sie zu sagen haben würde, hätte ich nicht erwartet, aber mit "Stardust" hat sie tatsächlich ein solides, gut hörbares Popalbum vorgelegt. Randvoll mit schönen, teils sehr eingängigen Melodien und Rhythmen, in abwechslungsreichen, wenngleich konventionellen Arrangements, und ordentlich produziert. Ein Schwachpunkt des Albums sind, bis auf ein, zwei Ausnahmen ("Day to stay"), die Songtexte ... naja, wenigstens lenken sie nicht von der Musik ab. Gesangstechnisch hat Lena sich gegenüber den Anfangszeiten ihrer Karriere deutlich gesteigert und sich dabei hörbar vor allem an britischen Vorbildern von Macdonald bis Melua orientiert. Meine Favoriten sind die Tracks 1, 2, 4 und 11. Fazit: gut zum Nebenbeihören geeignet, komplett vom ersten bis zum letzten (Hidden-)Track. Sollte sie im Geschäft bleiben, müsste sie allerdings wieder stärker an der Entwicklung des eigenen Stils arbeiten. 3,5, wohlwollend gerundet 4 Sterne.


Nightflight [Deluxe Edition]
Nightflight [Deluxe Edition]

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiges Singer-Songwriter-Album!, 20. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nightflight [Deluxe Edition] (Audio CD)
Kate Miller-Heidke habe ich Ende Oktober 2012 als Support Act bei einem Konzert von Katie Melua kennengelernt. Sie hat mich so begeistert, dass ich noch in der Umbaupause am Merch-Stand ihr "Nightflight"-Album erwarb, von dem der größte Teil ihres Sets stammte. Inzwischen habe ich via Amazon fast alles von ihr und bin nach wie vor begeistert von dieser vielseitigen und virtuosen Künstlerin.
KMH pendelt irgendwo zwischen Opernsängerin (das hat sie schließlich studiert), frecher Popgöre mit oft sehr witzigen, sarkastischen oder selbstironischen Texten und sensibler Singer-Songwriterin mit Balladen, die fast zu schön sind für diese Welt. Auf "Nightflight" offenbart sie vor allem diese letztere Facette, was dieses Werk zu ihrem vielleicht schönsten, mit Sicherheit reifsten ihrer 4 Studioalben macht.
Zwei Dinge gefallen mir ganz besonders an ihr. Zum einen die Stimme, die in ihrer hohen Tonlage an Kate Bush, in ihrer differenzierten Ausdrucksfähigkeit an Katie Melua erinnert und, wenn KMH "normal" singt, durch ein warme, mädchenhafte Klangfarbe gekennzeichnet ist. Zwischendurch schaltet KMH gerne mal in den Opernmodus um, auf den Studioalben nur für ein paar Augenblicke, live etwas ausgedehnter. Eine Vorstellung, was sie stimmlich drauf hat, liefert besonders Track 7 der Deluxe-Ausgabe dieses Albums, "Starlings", 3 Minuten Koloratur pur. Dank ihrer meist sehr deutlichen Aussprache kann auch der Nicht-Muttersprachler, der des Englischen halbwegs mächtig ist, ihre Texte weitgehend ohne Begleitheft verstehen.
Und dann ist da natürlich KMH's ausgeprägter Sinn für Humor, der auf "Nightflight" subtiler und dunkler herauskommt als auf ihren früheren Alben.
Das Album beginnt mit "Ride This Feeling", einem optimistischen Popsong, der eine ihrer gelungensten Textzeilen enthält ("And for some reason I decided to take off my clothes - then I jumped off a cliff, just spread my arms and flew all the way across Canada - to see you"). In "Sarah" erzählt sie etwas theatralisch die wahre Geschichte eines Mädchens, das auf einem Popfestival verschwand und 14 Tage später ohne Erinnerung an das zwischenzeitlich Geschehene wieder auftauchte. Im folgenden Titeltrack "Nightflight" setzt sie mit dezentem Humor ("I'm 35 hours and three bad movies away") den tranceartigen Zustand während ihrer regelmäßigen, endlos langen Pendelreisen zwischen ihrem Heimatland Australien und London in Musik um. Die zauberhafte Gitarrennummer "The Tiger Inside..." ist eine fast philosophische Reflexion über den Lauf der Zeit und eine persönliche Standortbestimmung, die mit einem carpe diem- Fazit endet; besonders beeindruckend die Stelle, wo sie ihre Stimme zum Flüstern senkt. Mit "Let Me Fade" folgt eine wunderbar gesungene Keyboard-Ballade. Das auch als Single veröffentlichte "I'll Change Your Mind" bezieht seinen schwarzen Humor aus dem Kontrast zwischen dem düsteren Text, der uns in die verdrehte Gedankenwelt einer Stalkerin entführt, und der fröhlichen Musik. "Humiliation" ist eine interessante Elektropop-Nummer, die ein wenig an die Eurythmics erinnert und in der KMH relativ ausgedehnt vom Opernmodus ihrer Stimme Gebrauch macht. Die obige Bemerkung "fast zu schön für diese Welt" bezieht sich besonders auf "In The Dark", ein ganz zartes, duftiges Gitarrenlied, das von der liebevollen Erinnerung an einen Verstorbenen handelt. "Beautiful Darling" ist etwa auf derselben Wellenlänge wie Track 1. Wie es sich gehört, kommen die Höhepunkte zum Schluss. "The Devil Wears A Suit" ist musikalisch ein Stück irischer Folk; Gänsehaut gibt es spätestens an der Stelle, an der die E-Gitarre krachend einfällt. Das Lied erinnert daran, dass das Böse nicht mit Vampirflügeln und spitzen Fangzähnen auf einen zukommt, sondern manchmal in der eigenen Straße, im eigenen Bett wohnt, und erinnert thematisch damit ein wenig an "I'll Change Your Mind". KMH hat mehrere Lieder über die Schulzeit und das Erwachsenwerden geschrieben. Das neben "Day after Christmas" von der "Telegram"-EP wohl beste davon ist der Schlusstrack "Fire and Iron", ein leises Gitarrenstück, in dem sie sich als großartige Geschichtenerzählerin erweist. Sie erzählt darin voller Wärme und Humor von einer Sandkistenliebe, vom gemeinsam erlebten "coming of age", bis auf einmal das Schicksal zuschlägt - die besondere Pointe wird hier nicht verraten.
Die zweite CD der Deluxe-Version umfasst neben den schon genannten "Starlings" zwei weitere Originallieder , die bittersüße Gitarrenballade "Mother and Sun" und das witzige "Your Friends Will Tell You"; ein mit E-Gitarre und viel Hall operierendes, sehr gelungenes Cover von "Hey Little Girl"; sowie Akustikversionen von drei Titeln der Haupt-CD. Herausragend ist hier "The Devil Wears A Suit", das durch die Reduktion auf Gesangsstimme und Akustikgitarre nochmals an Intensität zulegt.
Das Album sei nachdrücklich allen Freunden gehobener Singer-Songwriter-Musik ans Herz gelegt, die etwa Tori Amos, Regina Spektor, Vienna Teng oder die schon genannte Kate Bush schätzen. Besonders zu empfehlen ist die Deluxe-Ausgabe.


Babel (Deluxe Version)
Babel (Deluxe Version)
Preis: EUR 6,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mumfords können nur eine Art Musik - die aber richtig gut, 23. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Babel (Deluxe Version) (Audio CD)
Zuerst die gute Nachricht: "Babel" ist "Sigh No More" Teil 2. Es ist alles wieder da - Marcus Mumfords außergewöhnliche Stimme, Winston Marshalls geniales Banjospiel, die tollen Melodien, der dynamische Songaufbau, Energie und Emotion, der unbändige Spaß am gemeinsamen Musizieren. Mumford-Süchtige, zu denen sich der Verfasser zählt, und die, die es werden wollen, können sich auf 12, auf der Deluxe-Version 15 neue Ampullen freuen. Ich kann keine einzelnen Stücke als Anspieltipps hervorheben, sie haben alle ihren eigenen Reiz.

Jetzt die schlechte Nachricht: "Babel" ist "Sigh No More" Teil 2. Eine musikalische Weiterentwicklung ist bestenfalls in Ansätzen erkennbar, vielleicht auch weil die jetzt auf "Babel" zusammengestellten Lieder in ihrer Entstehungszeit teilweise nahe an "Sigh No More" liegen. Dazu kommt, dass vieles irgendwie ähnlich klingt, sowohl innerhalb dieses Albums als auch im Vergleich zu Teil 1, und man häufig das Gefühl hat, diese Harmonie da gerade hast du doch schon mal woanders bei M&S gehört. Niemand erwartet, dass sich die Band mit jedem Album neu erfindet, aber ein paar zusätzliche Klangfarben, wie sie Jerry Douglas zum von manchen Rezensenten geschmähten "The Boxer"-Cover auf der Deluxe-Version beisteuert, täten den Mumfords nicht schlecht. Sonst besteht die Gefahr, dass sie wie Enya irgendwann in ihrer eigenen Schönheit erstarren.

Fazit: Wer mit "Sigh No More" nichts anfangen konnte, wird auch mit diesem Album nicht glücklich werden. Für alle anderen, denen diese Musikrichtung grundsätzlich zusagt, ist "Babel" eine unbedingte Kaufempfehlung - trotz eines gewissen Mangels an Mut zum Neuen, wofür ich ein Sternchen abziehe.

Nachtrag vom 20.11.12: Bei der ursprünglichen 4-Sternchen-Bewertung hatte ich leider übersehen, dass ich "Sigh No More" eigentlich 7 Sternchen gegeben hatte, so dass nach einem Sternchen Abzug 6 für "Babel" übrig bleiben, wovon Amazon aber nur 5 anzeigen kann... Jetzt aber ehrlich: Es wächst einem tatsächlich ans Herz, so wie es auch viele andere Rezensenten berichten. Seit der ersten Rezension habe ich "Babel Deluxe" im Durchschnitt bestimmt ca. 1x pro Tag komplett gehört und habe es noch lange nicht über. Mag SNM einzelne für sich genommen bessere Titel aufweisen, dieses hier funktioniert als Gesamtalbum, vom Flow her einfach besser. Für mich definitiv das Album des Jahres, Punkt. Nächstes Jahr endlich live!!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2012 7:26 PM MEST


Lost in Space
Lost in Space
Preis: EUR 5,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herbstklänge, 21. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Lost in Space (Audio CD)
Es gibt viele Gründe, Aimee Mann für eine der größten amerikanischen Singer/Songwriterinnen zu halten, aber was mich an ihrer Musik vor allem fasziniert, ist diese einzigartig schöne Stimme - kraftvoll und doch sanft, kühl und doch ausdrucksstark. Wenn dann noch traumhafte Melodien dazukommen, eingebettet in eine wie bei Aimee Mann üblich erlesene, detailreiche, nie über die Stimme dominierende Instrumentierung, hier in eher melancholischen Klangfarben, ist das Ergebnis die perfekte Begleitmusik zum Beispiel für lange Herbstabende bei einem guten Rotwein. Es ist Musik der eher ruhigen, entspannten Gangart, die Aimee Mann hier präsentiert. Große Wechsel von Klangfarbe oder Tempo gibt es nicht, was mancher Hörer vielleicht als langweilig empfinden mag, andererseits aber dazu führt, dass das Album sehr homogen, aus einem Guss wirkt und den Hörer in eine wohlige, kuschelige, träumerische Stimmung versetzt - und oft genug wird er nach den letzten Tönen von "It's Not" auf den Wiederholknopf drücken.


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