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Rezensionen verfasst von
Jochen Gruber
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The Thirty Years War (New York Review Books Classics)
The Thirty Years War (New York Review Books Classics)
von C.V. Wedgwood
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Detaillierte Beschreibung der politischen Zusammenhänge des 30-jährigen Krieges, 17. März 2010
C.V: Wedgwood beschreibt die politischen und militärischen Vorgänge unmittelbar vor und während des 30-jährigen Krieges detailliert. Dabei wird besondere Betonung auf die einzelnen Protagonisten in Politik und Miltitär, d.h. Monarchen und Kriegherren gelegt. Dies ist angesichts der Bedeutung, welche persönliche Schwächen, Antriebe und blose Zufälle einzelner zentraler Persönlichkeiten im Verlauf des Krieges spielten, auch angemessen.
Des weiteren wird deutlich, dass man weder von einem Religionskrieg sprechen kann, noch von der Religion als blosem Vorwand für rein machtpolitische Kalküle: Vielmehr wird sehr deutlich, dass Religion als selbstverständlicher Bestandteil der Politik einerseits für viele Teilnehmer des Krieges durchaus von großer Bedeutung war, für andere wiederum allenfalls ein untergeordneter Antrieb ihres Handelns.

Die Auswirkungen des Krieges auf die gewöhnlichen Menschen, die Gräuel, die wirtschaftlichen Umbrüche, hervorgerufen durch Entvölkerung ganzer Landstriche wird dagegen leider nur nebenbei beschrieben. Oft bleibt die Beschreibung der Handelnden auch sehr oberflächlich, dies kann natürlich auch an fehlenden weitergehenden Quellen liegen, was tiefergenehenden Analysen zur Spekulation und somit für ein wissenschaftliches Werk inakzeptabel machen würde.


SuperFreakonomics
SuperFreakonomics
von Steven Levitt and Stephen Dubner
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschende, z.T. kuriose Fakten, ironisch verpackt, 17. März 2010
Rezension bezieht sich auf: SuperFreakonomics (Taschenbuch)
Levitt und Dubner geben auch in ihrem zweiten Buch wieder eine Reihe sehr überrschender, oftmals kurioser, Fakten zum besten. Dabei zeigt schon das Spektrum von der Preisbildung im Sexgewerbe bis zur Klimakatastrophe, dass es sich hier nicht um ein tiefschürfendes, gar mit politischem oder ethischem Anspruch überladenes Buch handelt: Vielmehr beschreiben sie in angenehm (selbst-) ironischem Stil Phänomene und Statistiken, die häufig dem 'gesunden Menschenverstand', öfters noch der vorherrschenden Mainstream Meinung widersprechen!
Dabei ist es gerade der lockere, wertneutrale Schreibstil, der zumindest bei wichtigen Fragen, etwa 'was ist gegen die Klimaerwärmung zu tun?' der den Einen oder Anderen angesichts der Fakten zum Überdenken der eigenen Meinung veranlassen kann.

Superfreakonomics ist auf jeden Fall tolles Edutainement, durchaus geeignet als Ferienlektüre. Natürlich wünscht man sich an der einen oder anderen Stelle, insbesondere bei den wichtigeren Themen, vielleicht doch etwas weitergehende Recherche - andererseits kann man diesen Wunsch auch als Anstoß verstehen, im Internetzeitalter selbst diese Recherche weiterzutreiben.


Making Globalization Work
Making Globalization Work
von Joseph E. Stiglitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Persönlich gefärbte Globalisierungskritik, 22. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Making Globalization Work (Taschenbuch)
Der Nobelpreisträger und Amtsträger in Regierungsbehörden und internationalen Organisationen, Stieglitz, gibt dem Laien einen Einblick in deren Tun wie dies sonst kaum jemand vermag. Im Gegensatz zu vielen anderen begnügt er sich dabei nicht mit der Kritik, sondern macht fundiert begründete Vorschläge, wie man es besser machen kann.
Natürlich muss man wie immer Vorsicht walten lassen, da jeder die Welt aus einer ganz persönlichen Perspektive sieht, was bei Stieglitz auch nicht anders ist. Aufgrund seiner unvergleichlichen Erfahrungen und Kenntnisse ist es für den Laien jedoch besonders schwer zu erkennen, wo seine persönlichen Ansichten die Inhalte besonders verzerren.
Negativ stößt vor allem seine vergleichsweise geringe Kritik von Regimen in den sich entwickelnden Ländern auf: zwar streut er immer wieder entsprechende pauschale Mahnungen und Bemerkungen ein, konkret werden jedoch praktisch ausschließlich Forderungen an westliche Regierungen gestellt. Als Beispiel dieser fehlenden Distanz sei hier sein Lob für das Vorgehen der Regierung Putin zu nennen.
Vor allem jedoch seine weitgehenden Forderungen nach Demokratisierung internationaler Organisationen (DAS zentrale Anliegen des Buches), d.h. Übertrag von Entscheidungsbefugnissen, Sanktionsmöglichkeiten und Ressourcenallokation, verbunden mit entsprechenden Gewichtsverlagerungen hin zu Entwicklungsländern, ohne das entstehende Demokratiedefizit zu thematisieren, wenn dies unter der Prämisse der Gleichbehandlung von demokratisch gewählten Regierungen und Despoten erfolgt, muß als großes Minus genannt werden. Insbesondere, da einem derart international erfahrenen, analytischen Denker wie Stieglitz dieses Defizit bewußt sein muß!

Fazit: wer sich der angesprochenen Defizite bewußt ist, kann hier mehr über Globalisierung, ihre Mechanismen und Probleme lernen, als in sonst einem Buch.


Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon
Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon
von Daniel C. Dennett
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rationaler Versuch, sich einem fremden Phänomen zu nähern, 22. Februar 2010
Die Lektüre des Buches hinterläßt beim deutschen Leser ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits ist es eine gründliche, sehr gut verständliche Analyse der Phänomens 'Religion' aus der Sicht des rationalen Philosophen (unter denen Dennett zu den besten gehört, was die Darstellung philosophischer Themen anbelangt). Andererseits befremdet die immer wiederkehrende Rechtfertigung, warum diese Analyse überhaupt erfolgt, bzw. erlaubt ist. Natürlich ist dies dem aktuellen amerikanischen Zeitgeist (in der hoch-Zeit der konservativen 'Revolution') geschuldet, worauf Dennett insbesondere nicht-amerikanische Leser aufmerksam macht. Insofern kann man als Europäer ganz nebenbei auch noch ein wenig das Lebensgefühl derjenigen erahnen, die sich als amerikanische Wissenschaftler einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen, rationales Denken ohne gesellschaftliche, tabuisierende Grenzen zu betreiben.

Allerdings wäre dem Leser wohl mit einer klareren Trennung des zentralen Gegenstandes vom gesellschaftlichen Anliegen besser gedient. Die Analyse an sich stellt eine hervorragende Beschreibung des Phänomens 'Religion' dar, mit einer klaren Begründung welche Funktionen das Phänomen erfüllte und bis heute erfüllt - und wie es sich selbst erhält und fortentwickelt!
Damit gibt es dem Atheisten ein rationales Verständnis dieses Phänomens, welches wesentlich befriedigender das 'Warum' von Religion beantwortet als die oft radikalen Religionsgegner mit ihrer zu einfachen Schwarz-Weiß Sicht der Religion (aber natürlich auch befriedigender als die rationalisierenden Religionsanhänger mit ihrer naiven Weiß-Schwarz Sicht).
Denn eines ist klar: das Buch des Atheisten Dennett, auch wenn es sich explizit auch an weltoffene Religionsanhänger wendet, wird in erster Linie Atheisten ansprechen. Vielleicht den einen oder anderen religiösen Menschen über einzelne Aspekte seiner persönlichen Religion nachdenken lassen, jedoch kaum tiefer gehende Zweifel sähen, so sie nicht schon da sind - zu empfehlen somit vor allem dem unbewussten Atheisten, der sich aufgrund von Erziehung und gesellschaftlichem Kontext noch als religionsverhaftet sieht, tatsächlich aber die genannten Zweifel schon mit sich herumträgt.


Depression voraus!: So kommen Sie sicher durch die Börsenflaute
Depression voraus!: So kommen Sie sicher durch die Börsenflaute
von Harry S. Dent
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtige Einsichten in die Wirtschaft, jedoch mit viel Vorsicht zu geniesen, 13. August 2009
H.S. Dent ist ein erfolgreicher Investor, der als einer der wenigen die aktuelle Krise sehr genau voraussagte. In diesem Buch, geschrieben vor dem ersten Höhepunkt der aktuellen Krise im letzten Herbst (in einigen Teilen offensichtlich nachredigiert um diese wichtigen Ereignisse noch zu berücksichtigen) beschreibt er den, aus seiner Sicht zu erwartenden, weiteren Verlauf der Krise.
Wie der Titel schon andeutet, erwartet Dent eine echte Depression, die bis weit ins nächste Jahrzehnt hineinreichen wird, und erst Anfang der 20er Jahre wirklich überwunden werden wird. Im Gegensatz zu den meisten Tageskommentatoren nimmt er dabei einen weiteren historischen, Standpunkt ein: die zentrale Aussage ist, dass wirtschaftliche Abläufe wesentlich von unterschiedlichen Zyklen bestimmt werden, in der aktuellen Krise ist dies vor allem der zu Ende gehende demographische Zyklus der Nachkriegsgeneration, die überall in den Industrieländern sich der Rente nähert und damit das Ende des größten, 20 jährigen, Booms der Nachkriegsgeschichte (den er im Gegensatz zu den meisten Ökonomen ebenfalls schon vor dessen Beginn voraussagte), einläutet. Das Ende dieses Zyklus fällt mit anderen wichtigen Zyklen zusammen, etwa des Rohstoffzyklus als des nächst wichtigen, welcher als Kontratieff Zyklus schon seit einigen Jahrzehnten in der Ökonomie diskutiert wird. Die Kombination dieser Zyklen ergibt den seit 80 Jahren schwersten Abschwung, der noch weit über das aktuelle Maß hinausgehen wird.

Dents Analyse vor allem des Demographiezyklus verdient auf jeden Fall Berücksichtigung bei jedem, der über seine privaten Investitionen langfristig nachdenkt. Wie der Kontratieff Zyklus ist er historisch belegbar, vor allem jedoch unterliegt ihm eine rationale, auf EMPIRISCH BELEGBAREN Beobachtungen beruhende Erklärung, aus der sich handfeste Folgerungen ableiten lassen... was man von vielen Analysemethoden der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften bis heute nicht sagen kann.

Allerdings schießt der Autor weit über sein Ziel hinaus, wenn er von weiteren Zyklen über 500 und gar 5000 Jahren zu reden beginnt, denen genau diese empirisch belegbare Grundlage naturgemäß fehlen muß. Dies ist umso wesentlicher, als dass er selbst auf der Wissenschaftlichkeit seiner Methoden pocht. Ähnlich werden sehr kurzfristige Zyklen beschrieben, zum Teil lediglich aufgrund statistischer Beobachtungen definiert, jedoch ohne erklärendes Modell.
Hier ist wohl das Phänomen zu beobachten, dass ein erfolgreiches Vorgehen (die Erklärung öknomomischer Entwicklungen mit Hilfe wohl defnierter Zyklen) weit über seine Anwendbarkeit hinaus verwendet wird, einerseits in den Bereich empirisch nicht mehr überprüfbarer Zeitspannen oder der rational nicht erklärbaren statistischen Beobachtungen.

Liest man das Buch mit einer entsprechend großen Dosis Skepsis, so enthält es sehr wertvolle Einsichten, die unbedingt in die persönliche Finanz- und Lebensplanung einfließen sollten! Für die nächste Zukunft ist dabei besonders interessant, dass Dent schon Mitte 2008 die aktuelle Situation der sich bessernden Aussichten voraussah, die viele Ökonomen und Politiker das Ende der Rezession voraussagen lassen, Aktienkurse steigen lassen, die seiner Meinung nach jedoch vom eigentlichen, noch viel deutlicheren Abschwung gefolgt werden.


The Great Depression Ahead: How to Prosper in the Crash Following the Greatest Boom in History
The Great Depression Ahead: How to Prosper in the Crash Following the Greatest Boom in History
von Harry S. Dent
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtige Einsichten in die Wirtschaft, jedoch mit viel Vorsicht zu geniesen, 7. August 2009
H.S. Dent ist ein erfolgreicher Investor, der als einer der wenigen die aktuelle Krise sehr genau voraussagte. In diesem Buch, geschrieben vor dem ersten Höhepunkt der aktuellen Krise im letzten Herbst (in einigen Teilen offensichtlich nachredigiert um diese wichtigen Ereignisse noch zu berücksichtigen) beschreibt er den, aus seiner Sicht zu erwartenden, weiteren Verlauf der Krise.
Wie der Titel schon andeutet, erwartet Dent eine echte Depression, die bis weit ins nächste Jahrzehnt hineinreichen wird, und erst Anfang der 20er Jahre wirklich überwunden werden wird. Im Gegensatz zu den meisten Tageskommentatoren nimmt er dabei einen größeren historischen, soziologisch untermauerten, Standpunkt ein: die zentrale Aussage ist, dass wirtschaftliche Abläufe wesentlich von unterschiedlichen Zyklen bestimmt werden, in der aktuellen Krise ist dies vor allem der zu Ende gehende demographische Zyklus der Nachkriegsgeneration, die überall in den Industrieländern sich der Rente nähert und damit das Ende des größten Booms der Nachkriegsgeschichte (den er im Gegensatz zu den meisten Ökonomen ebenfalls schon vor dessen Beginn voraussagte), von Mitte der 1980er Jahre bis vor 3 Jahre, einläutet. Das Ende dieses Zyklus fällt mit anderen wichtigen Zyklen zusammen, etwa des Rohstoffzyklus als des nächst wichtigen, welcher als Kontratieff Zyklus schon seit einigen Jahrzehnten in der Ökonomie diskutiert wird. Die Kombination dieser Zyklen ergibt den seit 80 Jahren schwersten Abschwung, der noch weit über das aktuelle Maß hinausgehen wird.

Dents Analyse vor allem des Demographiezyklus verdient auf jeden Fall Berücksichtigung bei jedem, der über seine privaten Investitionen langfristig nachdenkt. Wie der Kontratieff Zyklus ist er historisch belegbar, vor allem jedoch unterliegt ihm eine rationale, auf EMPIRISCH BELEGBAREN Beobachtungen beruhende Erklärung, aus der sich handfeste Folgerungen ableiten lassen... was man von vielen Analysemethoden der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften bis heute nicht sagen kann.

Allerdings schießt der Autor weit über sein Ziel hinaus, wenn er von weiteren Zyklen über 500 und gar 5000 Jahren zu reden beginnt, denen genau diese empirisch belegbare Grundlage naturgemäß fehlen muß. Dies ist umso wesentlicher, als dass er selbst auf der Wissenschaftlichkeit seiner Methoden pocht. Ähnlich werden sehr kurzfristige Zyklen beschrieben, zum Teil lediglich aufgrund statistischer Beobachtungen definiert, jedoch ohne erklärendes Modell.
Hier ist wohl das Phänomen zu beobachten, dass ein erfolgreiches Vorgehen (die Erklärung öknomomischer Entwicklungen mit Hilfe wohl defnierter Zyklen) weit über seine Anwendbarkeit hinaus verwendet wird, einerseits in den Bereich empirisch nicht mehr überprüfbarer Zeitspannen oder der rational nicht erklärbaren statistischen Beobachtungen.

Liest man das Buch mit einer entsprechend großen Dosis Skepsis, so enthält es sehr wertvolle Einsichten, die unbedingt in die persönliche Finanz- und Lebensplanung einfließen sollten! Für die nächste Zukunft ist dabei besonders interessant, dass Dent schon Mitte 2008 die aktuelle Situation der sich bessernden Aussichten voraussah, die viele Ökonomen und Politiker das Ende der Rezession voraussagen lassen, Aktienkurse steigen lassen, die seiner Meinung nach jedoch vom eigentlichen, noch viel deutlicheren Abschwung gefolgt werden.


Postdemokratie (edition suhrkamp)
Postdemokratie (edition suhrkamp)
von Colin Crouch
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

13 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Postdemokratische Analyse mit anachronistischem Ansatz, 11. Juli 2009
Colin Crouch gelang zum einen eine scharfsinnige Analyse der Probleme westlicher Demokratien, zum anderen muten einige seiner analytischen Ansätze, vor allem aber seine Lösungsansätze, seltsam anachronistisch an.

Crouch beschreibt, wie die gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen der letzten 30 Jahre zu einer Krise westlicher Demokratien führten:
- Politikverdrossenheit und Desinteresse auf Seiten der Bürger,
- inhaltliche Verflachung der politischen Diskussion, sowohl in den Medien, als auch von Seiten der Parteien
- Bürgerferne und unangemessene Verflechtung der politischen Entscheidungsträger mit Lobbies und wirtschaftlichen Eliten

Bei seiner Analyse bleibt der Autor jedoch einem Partei- und Demokratieverständnis der Zwischen- und Nachkriegszeit verhaftet, welches untrennbar mit den damals noch intakten und gelebten Milieuverwurzelungen von Parteien und anderen gesellschaftlichen Organisationen verbunden ist. Er erkennt, dass der Bedeutungsverlust der entsprechenden Bevölkerungsgruppen ein wesentlicher Grund für die beschriebenen Probleme darstellt. Jedoch sucht er die Lösung (oder zumindest Milderung) der Probleme in der Neuerschaffung analog organisierter Gruppen.

Er thematisiert zwar die grundätzlichen Unterschiede der gesellschaftlichen Verhältnisse; macht auch die Irreversibilität gesellschaftlicher Entwicklungen in der Metapher ihres parabelförmigen (anstatt kreisförmigen) Verlaufs zu einer zentralen Aussage seines Buches. Trotzdem sind die einzigen Vorschläge zur Wiederbelebung der Demokratie stark verhaftet im Politikverständnis der Zwischen- und Nachkriegszeit, was jegliche Innovation als Antwort der unabweislichen gesellschaftlichen Veränderungen vermissen lässt.

Eng verbunden mit Crouchs rückwärtsgewandter Sicht von Demokratie ist die Gleichsetzung von Mitte-Links positionierten, sozialdemokratischen politischen Ansichten mit progressiver Demokratie. Dass die Verhaftung in entsprechendem Lagerdenken und Ideen ein wesentlicher Grund für die analysierten Probleme ist, übersieht es dabei natürlich, was bei seiner sehr einseitigen Schuldzuweisung an Kapitalismus und Wirtschaftseliten natürlich wenig verwunderlich ist.


Kernschmelze im Finanzsystem
Kernschmelze im Finanzsystem
von Wolfgang Münchau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare, verständliche Beschreibung des Finanzmarktes und seiner Probleme, 7. Juni 2009
Wolfgang Münchau gibt eine auch für Laien verständliche Beschreibung des Kreditmarktes und was dort schief lief. Die Instrumente, Akteure und deren Handlungsweisen werden leicht lesbar erklärt, ohne dabei unangemessen zu vereinfachen. Wer sich über die aus den Medien bekannten Schlagworte hinaus näher informieren möchte, was genau geschah bzw. wo genau die Probleme liegen, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.

Wie in allen guten Büchern zur Krise gibt der Autor lediglich Ratschläge, wie man seine eigene Situation vernünftig beurteilen kann, um angemessen in der aktuellen Situation zu agieren, keine konkrete Anleitung, wie man etwa investieren soll, denn jeder solche Ratschlag wäre unseriös. Genauso wenig gibt er eine exakte Beschreibung, wie die Krise weiter gehen wird, denn auch dies kann niemand wirklich leisten.
Innerhalb dieser Grenzen jedoch kann man nur ein durchweg positives Fazit ziehen: Klare Sprache und eine detaillierte Analyse der Situation.


Nach Bush: Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten
Nach Bush: Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten
von Paul Krugman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,37

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politische Ökonomie von Links, 31. Mai 2009
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Krugman macht keinen Hehl aus seiner politischen Positionierung. Dies macht das Buch auch für einen überzeugten Anhänger des freien Marktes (allerdings nicht des fundamental-konservativen Weltbildes Bushs) zu einem hervorragenden Buch, weil es damit als tiefgehende Argumentation von Positionen gelesen werden kann, denen er zum erheblichen Teil skeptisch gegenüber steht.
Krugman liefert eine Analyse der beiden Umschwünge in der 30er Jahren (dem new Deal) und den 80er Jahren (der konservativen Revolution), die vor allem für letzteren den vorherrschenden Auffassungen zuwiderläuft. Seine Argumentation ist mit überzeugenden Fakten untermauert, und wirft ein sehr negatives Bild auf die Ziele und Beweggründe der US-Konservativen. Er bringt auch sehr gute Argumente für seine weitgehenden Forderungen zur Erneuerung und Weiterentwicklung des Wohlfahrtstaates. Vor allem dieser Teil ist auch für die deutsche Politik höchst interessant, da im bürgerlichen Lager oft mit den selben Argumenten der US-Konservativen in Bezug auf Krankenversicherung und Steuerpolitik argumentiert wird.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist Krugmans Fixierung auf die Geschichte. Nicht nur, dass er erst gegen Ende des Buches tatsächlich zu seinen Vorstellungen über die Zeit nach Bush kommt. Vor allem blendet er in seiner Argumentation die fortschreitende Globalisierung, die zweifelsohne zu einem in weiten Teilen globalisierten Arbeitsmarkt führte, weitgehend aus, bzw. wischt ihre Auswirkungen ohne wirkliche Argumentation einfach beseite, ein Vorgehen, welches einer Analyse über die Zukunft Amerikas unangemessen ist.


Die Demokratie und ihre Feinde: Wer gestaltet die neue Weltordnung?
Die Demokratie und ihre Feinde: Wer gestaltet die neue Weltordnung?
von Robert Kagan
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politik muss Realitäten anerkennen, 27. Mai 2009
Robert Kagan, konservativ und außenpolitisch sehr erfahren, plädiert für die Anerkennung der Realität als Grundlage westlicher Politik: um die eigenen Interessen wirksam zu verfolgen, muß vor allem Europa akzeptieren, dass die Vorstellungen nach dem Fall der Mauer von einer neuen, auf Frieden und Freiheit beruhende Weltordnung so nicht aufrechterhalten werden kann.
Vor allem China und das Rußland Putins teilen nicht die westlichen politischen Grundwerte. Vielmehr verfolgen sie als autoritäre Regime eine Politik der systematischen Machterweiterung, in deren Zuge sie andere Staaten, welche die liberalen und demokratischen Werte westlicher Prägung ablehnen (etwa Iran, Nord-Korea, Sudan, Simbabwe...) stützen und als Verbündete anwerben. Zugleich versucht z.B. Rußland die westlichen Organisationen NATO und EU aus seinem beanspruchten Einflußbereich hinauszudrängen und soweit möglich zu spalten und damit zu schwächen.
Der Westen hat dabei mit Indien einen neuen und gewichtigen Verbündeten, welches sich von seiner ehemals Sowjet-freundlichen Politik abgewendet hat, und nun als Demokratie die westlichen Demokratien, vor allem die USA und Japan, als natürliche Verbündete betrachtet.

Kagan beschreibt sehr genau, dass der Westen mit der anachronistisch wirkende Machtpolitik autoritärer Regime adäquat umgehen muss, will er sein Verständnis einer freien, demokratischen Gesellschaft, effektiv verteidigen. Er muss die Bindungskraft gemeinsamer Grundwerte nutzen, um gemeinsam mit anderen Demokratien dem Wiedererstarken autoritärer Strukturen zu begegnen. Die liberale Demokratie hat hierbei einen einzigartigen Vorteil gegenüber ihren Feinden: die Legitimität, derer heutige Autokraten verlustig gegangen sind, und die sie z.B. aus sekundären Quellen wie Wirtschaftswachstum zu ziehen suchen.

Fazit: Kagan gibt ein durchdachtes Plädoyer für eine selbstbewußte Verteidigung westlicher Werte. Liberale Demokratie ist kein Selbstläufer, wie viele nach 1989 dachten, ihre Gegner können jedoch in die Defensive gedrängt werden.
Negativ zu werten ist, dass das Legitimitätsproblem der neuen autoritären Großmächte nur oberflächlich analysiert wird, liegt doch hier eine der zentralen Schwächen dieser Regime.


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