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Rezensionen verfasst von
Claudia Bätcke "cbaetcke"

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Gegen die Welt
Gegen die Welt
von Jan Brandt
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur Daniel Kupers Kampf gegen die Welt, 28. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Gegen die Welt (Broschiert)
"Gegen die Welt" verlangt dem Leser einiges ab - sowohl sprachlich (lateinische und griechische unkommentierte Zitate), mit Gedanke an die Perspektivwechsel (wir befinden uns ohne Vorwarnung in den Köpfen verschiedener Bewohner Jerichos), an das Layout (die kapitellange Fußnote aus der Sicht des Lokführers) und an seine Intertextualität (die vorherige Lektüre von Johnsons "Jahrestage"/"Mutmaßungen über Jakob", Goethes, der Bibel verleihen dem Text mehr Witz und Tiefe -> man kann sich z.B. kaum ein Lächeln verkneifen, wenn Bauunternehmer Rosing nach der Wende in Uwe Johnsons fiktivem Jerichow expandieren will).
Gut, man kann den Roman auch "nur" als ein Werk der Popliteratur lesen, über Wiedererkennungsmomente lächeln (gerade, wenn man in den 70er Jahren geboren wurde oder aus Norddeutschland stammt) und über Längen seufzen.

Geschildert wird - aus meiner Sicht - nicht nur der Kampf des im ostfriesischen Jericho aufwachsenden Außenseiters Daniel Kuper mit der/gegen die Welt, die ihn nicht zu verstehen scheint, sondern das Verzweifeln einer ganzen lokalen Gesellschaft. Mag sein, dass das mit dem Provinzdasein zusammenhängt, aber das Leben in der Großstadt wird selten als erstrebenswert dargestellt. Überhaupt scheint alles außerhalb von Ostfriesland seltsam fern zu sein - Orte, über die man in der Zeitung liest oder die man im Urlaub besucht, aber nichts, was im Alltag eine wichtige Rolle spielen würde. Insofern kann man das Buch als eine Art Heimatroman lesen, wobei diese Heimat zwar vertraut, aber alles andere als heiter ist. Nach der Romanlektüre assosziere ich wettermäßig eher Nebel und Schnee mit Brandts Ostfriesland als ausgerechnet Sonnenschein.

Da ist Daniels Freund Volker, der nicht weiß, wie er mit seiner Homosexualität umgehen soll, Daniels Vater Hard, der seine Drogerie gegen die Schlecker-Kette verteidigen muss und mit seinem "nichtsnutzigen" Sohn zurechtkommen muss, Pastor Meinders, der an seiner ungewollten Kinderlosigkeit leidet, Daniels Mutter Biggi, die ihre Unabhängigkeit anstrebt und doch nur in der Drogerie ihres Mannes endet, Daniels Mitschülerin Simone, die es nicht ertragen kann, auf dem Gymnasium nicht die Beste zu sein und wahrscheinlich an Magersucht leidet, Eiske Ahlers, die in ihrer Ehe wenig Befriedigung findet und sich mehrere Liebhaber nimmt, Daniels Freunde Stefan, Onno und Rainer, die alle ziemlich unglückliche Tode sterben, Peter Petersen, der gemobbt wird und ebenfalls stirbt, der Lokführer Walter Baalmann, der die Selbstmorde auf den Gleisen nicht verwindet, usw. Ich könnte diese Liste beliebig mit weiteren Beispiele erweitern, denn wer geduldig mitliest, wird über so manchen menschlichen Abgrund stolpern, auch wenn dieser bei manchen Figuren nur angedeutet wird.

Und so tragen die Figuren aufgestaute Gefühle in sich wie Zorn (bei Daniel oft in Form endloser Wortketten als stream of consciousness), sexuelles Verlangen (Hard, Theda, Eiske) oder Trauer (Walter), die ihnen selbst das Leben schwer machen, sie sogar in den Tod treiben bzw. die sie an anderen abreagieren - Daniels Vater Hard begegnet z.B. seinem Sohn meist nicht mit Verständnis, sondern mit Schlägen.

Am Ende - nach 30 Jahren erzählter Zeit - ist das alte Jericho mit seinen Einzelhändlern untergegangen und hat einem neuen Jericho mit seinen Aldis, Lidls, Kiks und Edekas Platz gemacht. Diverse Ehen sind gescheitert, zahlreiche Romanfiguren mussten unterwegs ihr Leben lassen. Wem es Spaß macht, diesen Untergang zu verfolgen, und wer sich mit langem Atem auf den Detailreichtum von Brandts Welt einlassen will, dem sei dieses Buch dringend ans Herz gelegt. Persönlich halte ich viele der Details (z.B. in den Fußballgesprächen Hards und seiner Kumpels) für angebracht, um die Enge des ostfriesischen Mikrokosmos' zu verstehen, aber das mag Geschmackssache sein. 927 Seiten hätten es vielleicht dennoch nicht sein brauchen.

Für vieles in diesem Buch - z.B. die vor Außerirdischen warnenden Briefe, die mehrmals zwischendurch auftauchen - wird man erst im Nachhinein Verständnis haben, und man sollte sich auch über einige lose Fäden (Wieso sind z.B. Simone und Michael plötzlich ein Paar?) nicht aufregen. Meine Vermutung ist, dass manches bei einer 2. Lektüre doch noch klarer wird.


The Dark Room: World War 2 Fiction
The Dark Room: World War 2 Fiction
von Rachel Seiffert
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,47

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interesting debut, 24. Januar 2003
I stumbled over "The Dark Room" and bought a copy as it was shortlisted for the Booker Prize 2001.
The book consists of three independent stories who share the subjects of guilt and innocence, people adapting to new situations and the individual subject in the course of history. Personally, I disliked the missing of any links on the content level, but you might not be disappointed if you don't expect any connection.

Rachel Seiffert (born in 1971), half German, half Australian, is very good in capturing the atmosphere in Germany, both past and present. The stories are told in a very plain and visual way, and you get easily captured by them - if you want to see it from a negative point of view, her style lacks elegance and elaboration, especially when it comes to linking the dialogues into the rest of the text.
The three stories are believable and so are the characters, even though they are just roughly sketched. The only problem I had was with Micha in the third story, who is trying to find out what his grandfather did. It's difficult to understand why he is so obsessed with it, especially as his sister isn't.
I would recommend "The Dark Room" to anyone who is interested in this particular part of German/European history. As it's relatively easy to read, it could also be read by younger readers or anyone who doesn't put his nose too often in a book.


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