Profil für Dalek "The Abomination" Caan > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Dalek "Th...
Top-Rezensenten Rang: 1.494
Hilfreiche Bewertungen: 341

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Dalek "The Abomination" Caan

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
pixel
Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen [Blu-ray]
Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen [Blu-ray]
DVD ~ Simon Pegg
Preis: EUR 7,80

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ich jonn so unwahrscheinlich jern mit dir in der Waschsalon..., 2. Juni 2013
...sang Wolfgang Niedecken einst im Mai.

Was das mit dem Film zu tun hat? Leider nicht viel, denn der BAP-Waschsalon war ein kurzes, handwerklich kompetentes Stück Musik mit hohem Unterhaltungswert - und hier haben wir einen gefühlt nicht enden wollenden, mies gemachten Film, der zumindest mich über die gesamte Distanz langweilt.

Dabei hätte alles so schön sein können, Simon Pegg und Amara Karan sind klasse Schauspieler, und auch die Idee für den Plot bietet jede Menge Potenzial für eine richtig schön schräge UK-Charakter-Kömodie.

Aber, leider will dieser Film mehr. Genau genommen will er ein echter Terry Gilliam sein. Denn dessen stilistische Handschrift wird hier ohne Rücksicht auf Verluste kopiert. Die verstörende, aber überwältigende Bildgewalt, die schrägen Charaktere, der schwarze Humor, der gerne auch mal im Halse stecken bleibt, die surreale Atmosphäre, das Spiel mit psychologischen Motiven - und die bizarren Traumsequenzen, das erinnert alles schwer an "Tideland", "Fear and Loathing in Las Vegas" oder "Brazil".

Allerdings, und hier liegt das Problem, die Macher dieses Filmes hatten offensichtlich weder die Ahnung noch das Talent, um dies zu erreichen. Die Gags zünden nicht, die surrealen Bilder und Kunstgriffe betören und verstören nicht, sie wirken nur wie Ausschmückung ("style over substance") und selbst die klasse Darsteller reißen da - natürlich - nix mehr raus. Tempo ist Fehlanzeige, alles wird ganadenlos ausgewalzt und langgezogen, so daß denn auch der Humor ins Gras beißen muss - weil man die Gags nicht nur schon mehrfach vorher gehört hat, sondern sie auch noch aus meilenweiter Entfernung kommen hört.

Erschwerend kommt hinzu, daß die Struktur des Filmes es zusätzlich schwer macht. Aufgebaut als ein Dreiakter haben wir da im ersten Akt die wohl Kafkaesk gemeinte Tretmühle der Paranoia, in der Peggs Charakter gefangen ist, im zweiten Part dann die Aufarbeitung des Hintergrundes der Paranoia - ja, und leider war da erst eine Stunde Film rum, also wurde noch ein dritter Akt angehängt - der "Twist" des Streifens, der leider mit so gut wie gar nix mehr irgendwas zu tun hat.

"Ist euch eigentlich klar, daß wir die letzten anderthalb Stunden damit verbracht haben, einen Film über die Schrecken eines Waschsalons zu gucken?" Mit diesen weisen Worten meines Schwagers will ich denn auch diese Rezi abschließen. Nee, da trink ich doch lieber Tee und kram' mal wieder meine alten BAP-Scheiben raus.


All Hell Breaks Loose
All Hell Breaks Loose
Preis: EUR 6,18

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Still cruising in the Lizzymobile..., 30. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: All Hell Breaks Loose (Audio CD)
Ich will ganz ehrlich sein: es wurde ja auch mal Zeit, daß Gorham seiner Combo einen anderen Namen verpasste. Das Touren unterm Thin Lizzy-Banner mit nur noch einem echten Lizzy-Mitglied im Line-Up stank schon gewaltig nach Oldie-Revival-Combo (a la Sweet, T.Rex usw.) - und wurde dem Talent der Truppe in keinster Weise gerecht.

Nun also das "Debüt" der Black Star Riders, die man ohne Frage als Allstar-Truppe bezeichnen kann. Und, wie die Vorab-Veröffentlichungen klar machen, hier gibt's jede Menge Lizzy-Sound. Also, unterm Strich: coolen, abgehangen Hard Rock der alten Schule mit viel Spielfreude, geilsten Gitarren (natürlich gerne auch zweistimmig), rauen, charismatischen Vocals, viel Groove (auch wenn mir der Einfallsreichtum von Brian Downey schon ein wenig fehlt) und gelegentlichen Folk-Anleihen. Daß das Ganze dabei auch noch frisch und modern klingt, ist die größte Überraschung der Scheibe, hier läßt nix aufs Alter der Beteiligten schließen, das klingt kraftvoll, spielfreudig, jugendlich und schlicht mitreißend, mit "Jungspunden" wie The Answer kann man diesbezüglich locker mithalten. Auch Verdienst der tollen Produktion von Kevin Shirley (!), der den Glattmacher diesmal im Schrank gelassen hat und stattdessen einen schön organischen, trockenen und dennoch ordentlich rumpelnden Sound hingebogen hat.

Kritik fällt mir da echt schwer, vor allem, weil die Songs auch noch fast durchgehend mit einer hohen Ohrwurmdichte gesegnet sind. Höhepunkte sind u.a. der Opener "All Hell Breaks Loose", der genau wie eine Mischung aus TL und The Almighty klingt, das urtypische Lizzy-Stück "Bound For Glory", das zwar gitarrentechnisch fast schon als "Waiting for an Alibi"-Klon durchgeht, aber einfach ein unwiedestehlicher Ohrwurm ist, das schunkelige Folkrock-Teil "Kingdom of the Lost", das genauso stark nach tempomäßig gebremsten Flogging Molly wie nach "Black Rose" oder Gary Moores "Wild Frontier"-Phase klingt, das leicht country-lastige "Someday Salvation", das völlig geniale getragenere "Blues Ain't So Bad", welches ausnahmsweise fast gar nicht nach Thin Lizzy klingt und wieder eher die ruhigeren Almighty aufleben lässt und genau wie der breitbeinig rockende Bad-Ass-Rausschmeißer "Right to be Wrong".

Ob als neue Band oder als Nachlassverwalter - die Black Star Riders haben hier alles dermaßen richtig gemacht, daß es eine wahre Freude ist. Wie schon geschrieben, Phil - und wohl auch Gary - dürften mächtig Stolz auf ihre Erben empfinden.


Nothing But the Truth
Nothing But the Truth

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Glam'n'Thrash" - wirklich, Jungs?, 24. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Nothing But the Truth (Audio CD)
Eine der vergessenen Perlen der späten Achtziger ist definitiv das Debüt der Dortmunder Liar - bitte weder mit der Metalcore-Truppe noch mit der vom anderen, übersetzungsprogrammverwendenden Rezensenten erwarteten UK-Band verwechseln.

Dabei hatte die Band vieles scheinbar richtig gemacht. Die Songs waren klasse, das musikalische Konzept (Thrash-Riffs mit Keyboards) war originell, das Image hatte einen cleveren Aufhänger (den Baron von Münchhausen), Sänger "The Duke" war ein schwer zu ignorierender Bär von Kerl, dazu noch ein sympathischer Schwafelkopp und gesegnet mit einer absolut eigenständigen Stimme (wenn man sich das vorstellen kann, genau zwischen Fury-Frontmann Kai Wiesinger und Tankards Gerre, mit einer Prise Jon Oliva-Wahnsinn abgeschmeckt) - und nicht zuletzt hatte die Band aufgrund ihrer Dortmunder Herkunft einen dicken Stein im Brett der Rock Hard-Redaktion - die damals auch fast alle gleichzeitig noch für die "Konkurrenz", den Metal Hammer schrieben und auch dort ordentlich Hype für Liar betrieben.

Die klasse Songs hatte ich ja bereits erwähnt, und hier liegt tatsächlich die wahre Stärke der Scheibe. Der Opener "D.C.W." gibt dabei die Richtung vor, coole Thrash-Riffs im anspruchsvolleren Bay Area-Stil (Testament, mittlere Death Angel, aber ohne die Funk-Elemente), melodische, absolut Thrash-untypische Gesangsmelodien mit starkem Rotzrock-Einschlag, originelle, aber sofort eingängige Hooklines, absolut flüssige Rhythmus- und Stimmungswechsel, geile, melodische Soli - und bei Bedarf ordentlich Speed vom Fass. Soundtechnisch ist die Scheibe für eine, sagen wir es ruhig, Achtziger-Low Budget-Eigen-Produktion auch durchaus anhörbar ausgefallen. Ausgerechnet die Keyboards integrieren sich jedoch nicht besonders ins Soundgefüge, werden meist eher Background-Teppich degradiert - schade, denn mit einer besseren Abmischung hätte sich da durchaus der Gänsehauteffekt der "Introduce Yourself"/"Real Thing"-Ära-Faith No More eingestellt - und so war's wohl auch gemeint. Da war dann wohl die Band mit der - ansonsten wirklich vernünftigen! - Produktion einfach etwas überfordert. Aber dennoch, Songs wie "Dance on Fire" - warum nicht "Pants on Fire", hätte doch zum Konzept gepaßt!, "Batman", das keyboard-lastige, mit waschechten Prog-Breaks ausgestattete Midtempostück "See You Again", das spaßige Sex Pistols-Cover "Lonely Boy" mit "Detroit Rock City"-Zitat, der düster-vertrackte Thrasher "War" (No Solution)" und der Überhit der Scheibe, "It hurts" (Ohrwurmgefahr) gehören musikalisch einfach zum Besten, was in Deutschland Ende der Achtziger veröffentlicht wurde.

Daß es damals doch nicht mit der Rockstar-Karriere funktioniert hat, liegt also wohl woanders. In diesem Fall wohl daran, daß "Nothing but the Truth" eine der ersten Handvoll Veröffentlichungen des Century Media-Labels war. Sprich, die Scheibe war eben damals nur in wirklich gut sortierten Läden erhältlich - und sonderlich professionell kam die Scheibe denn auch vordergründig nicht rüber. Wenn das von Axel Herrmann (!) gestaltete, detaillierte, offensichtlich mit viel Liebe und Enthusiasmus gezeichnete, aber leider im Gesamteindruck einfach etwas billig wirkende und selbst im LP-Format hoffnungslos überladene Cover im Karikaturenstil noch nicht abschreckte, wurde man auf dem Backcover davon überrascht, daß die Songtitel scheinbar mit Filzstift aufgepinselt worden waren - und die radebrechenden Lyrics sprachen auch nicht gerade für ein professionelles Produkt, für das man sein sauer erschleimtes Taschengeld raushauen wollte. Auch das "Glam'n'Thrash"-Label, mit dem damals Werbung gemacht wurde, schadete mit Sicherheit mehr als es nutzte, denn Glam-Freunde fanden hier leider nicht viel, was ihnen gefallen konnte, und die Thrasher fühlten sich von den Worten "Glam" und "Keyboards" in ihrere Maskulinität bedroht und ließen die Scheibe auch links liegen.

Mit Sicherheit hätte ein Label mit mehr Erfahrung und schlicht auch Finanzkraft Liar einen besseren Start verschaffen können, und ein (eben auch teurerer) Produzent wie Alex Perialas oder Harris Johns hätte es vermutlich auch geschafft, den originellen Sound der Band lebendiger aufzunehmen und die Keys organischer in den Gesamtsound zu integrieren (und ihnen für die in übelstem Sitzenbleiber-Englisch verfassten Texte ein paar an die Rüben geklatscht). Aber so waren Liar ihrere Zeit einfach ein paar Jahre voraus - und die Vision der Band hätte halt einfach ein größeres Budget gebraucht. Das sollte aber keinen Freund origineller 80er-Metal-Mucke vom Anchecken dieser Scheibe fernhalten.

PS: Es gibt auch noch einen 1991er Nachfolger namens "Cheatin' Games", allerdings waren die Songs darauf bei weitem nicht mehr so gut wie hier...


Lion the Beast the Beat
Lion the Beast the Beat
Preis: EUR 20,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schielen nach den Charts, 27. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Lion the Beast the Beat (Audio CD)
Ich habe es mir lange aufgespart, meinen Senf zu diesem Album abzugeben. Denn, eigentlich mag ich über diese absolut fantastische Band nicht schlecht reden. Aber, und da liegt das Problem, so richtig gutheißen kann ich die hier eingeschlagene Richtung nicht.

Schon als im Vorfeld Werbung damit gemacht wurde, daß einige Songs in Zusammenarbeit mit Hipster Dan Auerbach entstanden seien, konnte man einigermaßen mißtrauisch werden. Nun, wenn schon nichts anderes, beweist dieses Album zumindest, daß die Kritik der Black Keys-Fans an Produzent Danger Mouse völlig den Falschen trifft. Denn Auerbach bringt exakt die selben campigen Disco-Plastik-Radio-Sounds der letzten beiden BK-Alben nun auch bei GPTN an. Und so klingen denn "Never Go Back" und "Runaway" eher nach Formatradio als nach der coolsten Rock'n'Roll-Band der letzten Jahre, und auf "Loneliest Soul" fühlt man sich gar an Bollywood-Soundtracks erinnert.

Weshalb es dennoch vier Sternchen gibt, erklärt sich aus der Qualität des Restmaterials. Zwar ist auch hier manches überproduziert und loop-verseucht, aber das ändert z.B. nichts am Unterhaltungswert des Titelstücks, und im Ohrwurm "Parachute Heart" passt der Crossover von radiotauglichen Synthie-Sounds und der Bandidentität deutlich besser zusammen. Die Balladen "Stars" und "Timekeeper" sind ebenfalls ganz großes Kino, und gegen Ende gibt's dann mit den fantastischen "One Heart Missing" und dem episch angehauchten "The Divide" nochmal zwei echte Repertoire-Höhepunkte.

Die Deluxe-Edition bringt denn nochmal vier Bonusstücke, von denen aber nur zwei Band-Tracks sind ("Roulette" und "All Over You" - letzteres ein echtes Highlight), bei den anderen beiden handelt es sich um Grace-Soloarbeiten im Duett mit Kenny Chesney ("Stars") und Willie Nelson (der Debutklassiker "Ragged Company"). Aber das Highlight ist natürlich die Bonus-DVD mit einem einstündigen Live-Mitschnitt vom Lollapalooza-Festival, bei dem ganz deutlich wird, daß die Zukunft von GPTN besser auf der Bühne läge als im Versuch, das Radio zu erobern. Denn, und das muss man einfach betonen, live kann GPTN derzeit lediglich Altmeister Springsteen noch was vormachen.


Venomous Rat Regeneration Vendor
Venomous Rat Regeneration Vendor
Preis: EUR 5,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Back with a Bang!, 24. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Venomous Rat Regeneration Vendor (Audio CD)
Es ist ja kein Geheimnis, daß die letzten beiden offiziellen Zombie-Scheiben (die "Live"- und die "Mondo Sex Head"-Remixscheibe nicht mitgezählt) im Vergleich zu den Vorgängern ein wenig schwächelten. "Educated Horses" hatte klasse Hooklines, aber etwas wenig Gitarrenpower, bei "Hellbilly Deluxe 2" stimmte zwar das Power-Level, aber dafür blieb auf Dauer einfach wenig hängen.

Nun, solche Kritik kann man bei "VRRV" definitiv nicht anbringen. Es knallt an allen Ecken und Enden, die Produktion hat tatsächlich wieder einen stärkeren Industrialeinschlag, dennoch gibt's durchweg hammergeile Refrains - und auch durchaus abwechslungsreiche Arrangements. Vor allem der auffallend starke Einsatz der guten, alten Hammond-Orgel gibt dem Ganzen dann ordentlich Schmackes und genügend Bodenhaftung, so daß Zombies geliebte Siebziger-Roots nicht unter den Tisch fallen müssen. Und auch John 5 darf ein paar schöne Sololicks abfeuern, die die jeweiligen Songs mit schönen Akzenten bereichern.

Lediglich der Opener "Teenage Nosferatu Pussy" fällt leider ein wenig ab, denn trotz schönem Schlepper-Groove und cooler Hammond-Licks: den Song haben wir in dieser Art mindestens schon vier-, fünfmal vorher gehört, mindestens einmal (in doppeltem Tempo) als "Demonoid Phenomenon" - weshalb er den auch gleich noch ein paar Textzeilen daraus stiebitzt. Nicht schlecht, aber halt eben weit weniger originell als der Rest der Scheibe.

Ansonsten gibt es aber jede Menge Spaß für die nächste Grillparty - ob man nun den groovigen Ohrwurm "Dead City Radio" bevorzugt, das zwischen Kraftwerk-igem Oldschool-Elektrosound und späten White Zombie schwankende "Rock and Roll (In A Black Hole)", das ultratypische "Behold the Pretty Filthy Creatures", das Glam-ige "Revelation Revolution" oder den sleazigen Old-School-Hardrocker "Trade in your Guns for a Coffin" bevorzugt. Und "We're An American Band" reiht sich in die Riege von Zombies coolen Covers ein, auch wenn er diesmal recht nah am Original geblieben ist.

Fazit: Zombie ist und bleibt einfach eine der coolsten Säue des Rockzirkus. Kaufen!


Live in Skowhegan
Live in Skowhegan

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hinter den Möglichkeiten zurückgeblieben, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Live in Skowhegan (Audio CD)
Schade, aber dieses Live-Album (zwar nur sieben Songs lang, aber mit 40 Min. Spielzeit genau in der Länge einer klassischen Einfach-Live-LP) kann leider nicht halten, was die Wort "GPTN" und "Live" zusammen an Erwartungen wecken.

Wie ein anderer Rezensent schon geschrieben hat, wird hier hauptsächlich das balladeske und slow-bluesige Repertoire der Band präsentiert, so richtig zur Sache geht es eigentlich nur bei "Ah Mary" und "Stop the Bus". Das soll die restlichen Songs nicht abwerten, deshalb auch trotzdem vier Punkte, aber die Zusammenstellung ist mir eindeutig zu behäbig und kuschelig - und auch insgesamt einfach keinesfalls ein repräsentativer Querschnitt. Für Fans only.


Grace Potter & the Nocturnals
Grace Potter & the Nocturnals
Preis: EUR 16,54

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sexy., 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Grace Potter & the Nocturnals (Audio CD)
Früher hieß es ja, das dritte Album entscheide darüber, ob's eine Band "schafft" oder nicht.

Ich sag's mal so, es lag nicht an GPTN, daß der kommerzielle Durchbruch mit dieser Scheibe nicht erreicht wurde. Denn die Band macht alles richtig. Die Produktion klingt deutlich moderner (und ja, auch fraglos kommerzieller) als auf den Vorgängern, und die Ohrwurmdichte wurde nochmals erhöht. Erfreulicherweise geht dies hier aber keinesfalls zu Lasten der Eigenständigkeit - oder gar der Glaubwürdigkeit. Die Injektion eines deutlichen Schuß Soul (im Sinne von Groove, Schweiß, Sex und Stax/Atlantic, nicht Motown-Nettigkeit) sorgt dafür, daß das ganze Album sich schön irgendwo im Exil auf der Hauptstrasse breitmachte, in direkter Nachbarschaft der jungen Black Crowes, aber eben mit zeitgemäßer Pop-Schlagseite.

Überhaupt, das Thema Sex. Diese Album ist sexy. Sehr sogar. Potter präsentiert nicht nur im Artwork ihre beeindruckend langen Beine, klimpernde Wimpern und geschminkte Lippen (und auch die Männer der Band sind ebenso wie Bass-Lady Catherine Popper ja alles andere als unansehnlich), nein, noch mehr tropft der Sex hier aus der Musik. Und keinesfalls die "gestört, aber leidenschaftlich-aggressiv und schlampig-versaut"-Variante (ja, Miss Hart, ich sehe Sie an), sondern die andere Version, die, die man nicht aus Verzweiflung hat, weil alles im Leben - inklusive Sex, aber was will man machen - so mies ist, sondern weil man einfach Bock drauf hat, weil es einfach auch zum Leben - und zum Rock'n'Roll - gehört. Die (harmlosen) Anzüglichkeiten lassen schmunzeln und machen einfach richtig Spass, und wer bei Songs wie "Low Road" oder "Medicine" nicht auch schon ganz ohne die Texte auf der Drüsenebene erreicht wird, sollte mal zum Arzt gehen...

Oder, wie man früher sagte, ein "saturday night-album". Nicht für den Kopf, sondern für ein Stück tiefer. Und von denen gibt es im Rockbereich heutzutage vieeeel zu wenige.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 1, 2013 7:12 PM MEST


This Is Somewhere
This Is Somewhere
Preis: EUR 13,52

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...it's only Rock'n'Roll..., 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: This Is Somewhere (Audio CD)
Das zweite offizielle GPTN-Album (Grace' Solo-Debut "Original Soul" nicht mitgezählt) brachte schon von der Roots-Gemeinde die erste Schelte ein. Das lag vor allem am deutlich muskulöseren Soundgewand der Scheibe, mit dem sich die Band klar im Rock positionierte. Die Country- und Blues-Einflüsse sind natürlich immer noch da, aber statt an Wille Nelson und, sagen wir mal, JJ Cale orientierte man sich hier eindeutig an "Beggar's Banquet", "Damn The Torpedoes" und "The Southern Harmony & Musical Companion".

Das schöne daran ist, das man sich, ohne mit der getuschten Wimper zu zucken, auch anschickte, mit diesen Klassikern musikalisch gleichzuziehen. Das Dauertouren hatte seine Spuren hinterlassen, hier klang nichts mehr zaghaft oder jugendlich unerfahren, da spielte eine Band, die genau wußte, was sie konnte, wo die eigenen Stärken lagen - und wo sie hinwollte. Und das war nicht das (per Definition!) stagnierende Roots-Genre. "Ah Mary" und "Stop the Bus" rocken direkt auf den Punkt, sind noch dazu mit echten Ohrwurm-Hooklines gespickt, die auch im Notfall im Stadion funktionierten, "Apologies" dann die intime Ballade, wie geschrieben fürs 20:15-Krankenhaus-Drama für die moderne Frau. Zwischen den beiden Eckpunkten bewegt sich dann der Rest, ohne auch nur einmal zu schwächeln - oder unentschlossen zu wirken. Ja, ein Album aus einem Guss, wie es eben nur von einer ehrlichen, eingespielten, hart arbeitenden Band mit ordentlich Live-Erfahrung kommen kann. Und wie wir es heute viel zu selten bekommen.


Nothing But the Water
Nothing But the Water
Preis: EUR 16,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Da lauert irgendwo eine Rock'n'Roll-Band..., 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Nothing But the Water (Audio CD)
GPTN sind definitiv meine Entdeckung der letzten zehn Jahre. Klasse Songs, klasse Band, und eine klasse Sängerin/Songwriterin/Chefin, die auch noch an der Rhythmusgitarre und vor allem einer cool röhrenden, groovenden Hammond brilliert (und auch noch dem Auge sehr angenehm ist, ähem).

"Nothing But The Water", das Band-Debüt, ist dabei eindeutig die Scheibe, auf der noch Standortbestimmung betrieben wird. Rootsmucke, also viel Country und sumpfiger Südstaaten-Blues dominieren noch das Geschehen, staubtrocken und "live"-mäßig produziert. Wer die Songs in ihren späteren Live-Versionen kennt, kommt hingegen nicht umhin zu bemerken, daß hier vor lauter (oft etwas bemüht klingender) Authentizität offenbar mit angezogener Handbremse gespielt wurde - manchmal sehe ich Matt Burr (dr.) regelrecht vor mir, wie er sich zusammenreißen muss, das Kit nicht doch fachmännisch zu zerlegen.... ja, die ungezügelte, überschäumende Spielfreude, die die Band zum Live-Erlebnis macht, ist hier leider nur in ihren Grundzügen auszumachen. Da lauert ganz eindeutig eine echte Rock'n'Roll-Band unter der Oberfläche, die nur drauf wartet, herausgelassen zu werden.

Aber natürlich ist die Scheibe dennoch fraglos empfehlenswert, auch wenn Grace' stimmliches Charisma noch lange nicht vollständig entwickelt war, unter die Haut geht der Gesang auf jeden Fall, und die Songs sind natürlich auch allesamt klasse. Zum Einstieg empfehle ich aber eher die beiden Nachfolger.


The Next Day  (Deluxe Edition)
The Next Day (Deluxe Edition)
Preis: EUR 13,13

4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine schöne Überraschung, 8. März 2013
Rezension bezieht sich auf: The Next Day (Deluxe Edition) (Audio CD)
Ganz ehrlich: natürlich kratzt Bowie mit dem Comeback am Mythos. Wäre er einfach in der Versenkung verschwunden geblieben, wäre er zu Lebzeiten in den Kreis der mystisch verklärten Verstorbenen und Vermissten eingegangen.

Und nun der Clou: das Mythenbasteln hat er gar nicht nötig. "The Next Day" beweist ohne Frage, daß er nach wie vor was zu sagen hat. Stilistisch ist es keineswegs das depressive Alterswerk geworden, das man nach "Where are we now" erwartet hätte. Stattdessen geht es völlig unbeeindruckt von Modeerscheinungen und ähnlich Unwürdigem stilistisch in die selbe zeitlose Kante wie "Heathen" und "Reality". Sprich, irgendwo zwischen rumpeligem Rock'n'Roll, schrägem Humor und überraschend "nackten" und intimen Balladen. Und ehrlich, schon während der ersten Minuten des Titelsongs ertappt man sich bei der Frage, wie man denn in den letzten Jahren ohne Bowie ausgekommen ist.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, wer Bowie mag, bekommt ein schmackhaftes Menu kredenzt, mit allem, was man schon immer gern hatte (inklusive fantastischer Songs!), der Rest wird sich nach wie vor wundern, wie man mit solchen Klängen eine Weltkarriere haben konnte.... nein: eindeutig muss es hier im Präsens "kann" heißen. Denn vorbei scheint die Karriere entgegen aller Vermutungen der letzten Jahre wohl doch nicht zu sein, und auf diesem Niveau darf das auch gern weiterlaufen, bis Bowie wirklich keine Lust mehr hat.

Amen!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7