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Dalek "The Abomination" Caan

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Party On The Moor (The 40th Anniversary Concert) [2 DVDs]
Party On The Moor (The 40th Anniversary Concert) [2 DVDs]
DVD ~ Runrig
Preis: EUR 19,99

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Natürlich endgeil!, 2. April 2014
Meine Güte, mancher Rezensent scheint echt mit übertriebenen Erwartungen an diese DVD/BluRay heranzugehen. Ansonsten kann ich mir die massenweise schlechten Bewertungen nämlich nicht erklären.

Lassen wir mal persönliche Präferenzen außen vor - was haben wir dann hier? Die Jubiläumsfeier für 40 Jahre Runrig, also von vornherein eigentlich schon eine reine Nostalgieveranstaltung. Das ziehen die Jungs auch konsequent durch, selbst Donnie Munro und Peter Wishart schauen mal vorbei, und der Set besteht hauptsächlich aus den ganz großen Hits. Klar, natürlich hat jeder Fan seine Traumsetlist inklusive Rarem im Kopf, aber natürlich ist das schlicht nicht unzusetzen - selbst von den besagten Hits fehlen immer noch einige wie z.B. "Stamping Ground", "Proterra", "Sona" oder "Mighty Atlantic", aber da hätte man locker nochmal drei Stunden dranhängen können/müssen. Immerhin wird (außer der Frühphase :-( ) jeder Part der Bandhistory einigermaßen gleich berücksichtigt, wenn auch "The Cutter And The Clan" mit gleich sieben Songs deutlich bevorzugt behandelt wird. Ist halt aber auch DAS Album der Band (obwohl m.E. "Highland Connection", "Recovery" und "Stamping Ground" sogar noch besser sind). Die Band ist gut drauf, von der "Müdigkeit", die angesprochen wurde, kann ich nix entdecken, es rockt, groovt und kracht in ausreichendem Maße, ohne die Gänsehautmomente zu vernachlässigen.

Bezüglich des qualitativ gescholtenen Bild- und Tonmaterials: Wenn jemand natürlich Referenz-DVDs von Multimillionären wie Muse zum Vergleich ranzieht, dann können Runrig halt nur abstinken. Was Runrig mit einer ganzen Tour verdienen, machen Muse, Iron Maiden, Springsteen und Co. an einem Abend... was natürlich auch das Budget für eine DVD-Aufzeichnung bestimmt. Und für eine Band mit überschaubarem Budget liefern die Schotten hier ohne Frage ganze Arbeit ab. Der Schnitt ist unaufgeregt, die eingestreuten Publikumsvideos sorgen für jede Menge Atmosphäre, und der Sound ist auf der DVD und der CD zumindest absolut in Ordnung. Der vielfach gescholtene Hall gehört bei Runrig schon seit jeher zum Livesound - siehe "Once In A Livetime" - und der Bandsound klingt halt einfach so, wie er live immer klingt.

Fazit: wenn man mal die Kirche im Dorf lässt und hier kein State-of-the-Art-Mega-Pompös-Überwerk erwartet, bekommt man eine stimmungsvolle, astreine Live-DVD mit einer gnadenlos hitlastigen Setlist von einer der unschlagbarsten Livebands aller Zeiten, die in einigen Momenten das Zeug hat, dem Fan wiederholt Pipi in die Augen zutreiben... ja, und ganz offen gesagt, mir reicht das so.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 3, 2014 2:53 PM MEST


Wanderlust (Deluxe Version)
Wanderlust (Deluxe Version)
Preis: EUR 17,55

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oh no, where did the groove go? Lights out, Ibiza..., 27. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Wanderlust (Deluxe Version) (Audio CD)
Nix mehr mit Dance-Geballer? Piano, Bass, Gitarre und Drums..., oh, oh, wenn das mal gutgeht....

Natürlich tut es das. Auch wenn dieses Soundgewand für viele gewöhnungsbedürftig ist: Sophie Ellis-Bextor kehrt mit "Wanderlust" zu ihen Wurzeln zurück. Und die liegen halt mal, auch wenn das die Tanztempel-Fraktion nicht wahrhaben will (oder schlicht gar nicht weiß), im klassischen Indie-Pop, wie sie ihn erstmals Ende der 1990er als Frontfrau der fantastischen theaudience spielte. Trotz aller Dancefloor-Killer behielt sich SEB über ihre ersten drei Alben ja auch immer das ironische Augenzwinkern und eine leichte Schräglage ihrer Songs bei, ein Trademark, das sie immer deutlich von allen anderen Disco-Möchtegerns abhob. Somit sollte eigentlich niemand, der die History der Dame kennt, von diesem Album wirklich überrascht sein.

Allerdings, und das muß man auch einfach sagen, hat sich SEB mit dem letzten Album "Make A Scene" auch selbst in eine Sackgasse katapultiert. Zugunsten der ultimativen Tanzbarkeit wurden viele der obigen Trademarks vernachlässigt, ja, über weite Strecken komplett ausgemerzt. Außer der "posh voice" war da nicht mehr viel übrig, die Songs klangen mehr nach den jeweiligen Produzenten als nach der Künstlerin (in vielen Fällen war sie ja auch "nur" noch die Stimme für andere Projekte). Wer die Dame zu dieser Zeit live gesehen hat, dürfte sich gewundert haben, wie stark die Songs für Bandarrangements umarrangiert wurden, und dieses Konzept - raus mit Sequencer, Beats und Loops, rein mit Drums, Piano und Gitarre - verfolgt auch Wanderlust. Wer einigermaßen offene Ohren dafür hat, wird schnell merken, daß die Scheibe songwriting-technisch ganz direkt an "Tripping The Light Fantastic" anknüpft.

Wer die Floorfiller-Sophie vermisst, der wird mit Sicherheit auch in Zukunft weitere Kollaborationen mit einschlägigen Künstlern von ihr bekommen, ich würde mich freuen, wenn ihre Solo-Alben in Zukunft für das intime, herzbluterfüllte, persönliche Material wie auf "Wanderlust" reserviert bliebe.

PS: wer das Überschriften-Zitat erkennt, gewinnt 'ne Ananas!


The Michael Schenker Story/Live
The Michael Schenker Story/Live
Preis: EUR 13,89

2.0 von 5 Sternen Tolle Songs, toller Sound, schlechter Gesang, 12. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: The Michael Schenker Story/Live (Audio CD)
In meiner aktuellen "Wiederentdeckungsphase" der alten Schenker-Scheiben mußten dann ja auch mal die Lücken in der Sammlung geschlossen werden... und ganz vorne dann natürlich das hier vorliegende Livealbum von 1997. Die Songauswahl, soviel vorweg, ist absolute Sahne. Songs aus allen Phasen von Michaels Karriere, ob alte UFO-Hymnen (und sogar ein Song vom damals gerade aktuellen "Walk on Water"-Album), die frühen, kantigen ebenso wie die späteren, kommerziellen MSG-Hits, sogar die Scorpions, Contraband und das Thank You-Album werden berücksichtigt. Michaels Sound ist so schön sahnig-schneidig wie man das erwartet, und die Rhythm Section groovt ordentlich. Kann also gar nix schief gehen, oder?

Wie allerdings schon auf dem Studioalbum "Written in the Sand" singt hier Leif Sundin, und, sorry, der ist/war leider nur ein mäßig toller Axl Rose-Klon, der mit den gefühlvollen Gesangsmelodien der vorangegangenen Schenker-Sänger Meine, Barden (der ja auch schon viel Kritik einstecken musste), Bonnet, McAuley, Black und natürlich Mogg offensichtlich völlig überfordert ist und sich in unmelodisches und noch nicht mal sonderlich treffsicheres Geschreie zu retten versucht.

Wer mit Sundins Gesang was anfangen kann, mag dieses Album lieben, aber für mich braucht Michael eben einen charismatischen Konterpart an seiner Seite, damit die Musik zum Leben erwacht. Das Wort "Eleganz" wurde oft mit Schenkers Musik assoziiert, die fehlt hier aber gänzlich. Nee, gefällt mir nicht.


Life,Love & Hope (Digifile)
Life,Love & Hope (Digifile)
Preis: EUR 17,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unfaßbar mieser Sound, 6. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Life,Love & Hope (Digifile) (Audio CD)
Die ersten beiden Boston-Alben sind Götterwerke für die Ewigkeit, "Third Stage" trotz der, ähem, sehr 80ermäßigen Synthie-Produktion nah dran.

Die Folgealben krankten allesamt daran, daß das Ego des Herrn Scholz keinen externen Einfluss auf die Produktion zuließ. Die Billig-Synthie-Drums werteten schon das 1994er Album "Walk On" ab, das aber noch durchweg Klassesongs enthielt, und "Corporate America" brachte dann Schmalz statt Gefühl, wenig Boston-typische Songs und eine billige Produktion, die selbst nach Frühachtziger-Synthiepopstandards zu steril und eher amateurhaft klang.

Aber, das wird hier nochmal getoppt. Die komplette "Instrumentierung" wurde schon in weiser Voraussicht absichtlich in den Hintergrund gemischt, weshalb die "Drums" fast nicht zu vernehmen sind. Klar, Scholz hat wieder drölftausend Gitarren overdubbt, aber das Endergebnis klingt trotzdem so authentisch wie ne Iphone-App. Noch dazu wurde auch noch auf sämtliche hörbaren Bässe verzichtet, weshalb alles außer den Vocals - die tatsächlich in gut doppelter Lautstärke über allem stehen - dünn und nervtötend zischig klingt. Das vom Vorgänger übernommene "Didn't mean to fall in Love" klingt dagegen noch richtig fett... ja, drei Songs stammen tatsächlich noch von "Corporate America".

Sorry, aber wenn eine Anfängerband sowas als Demo rausbrächte, würde man sich drüber kaputtlachen und ihnen empfehlen, lieber ne ordentliche Lehre zu machen. Man fragt sich wirklich, was Tom Scholz so lange im Studio macht, wenn jede Amateurband mittlerweile mit Hilfe von ProTools innerhalb von Tagen eine amtliche Produktion auf die Beine stellen kann. Das hier ist klanglicher Schrott, auf miesestem Niveau, für mich unhörbar - und ich bin hart im Nehmen, 'ne Garagen-/Proberaumproduktion oder ein bißchen Loudness War schreckt mich noch lange nicht ab. Aber, das hier ist absolut unterstes Niveau, da kenne ich Bootlegs, die einen saubereren Sound haben. Die viel gescholtene letzte Geoff Tate-Queensryche-Scheibe ist dagegen echt eine HiEnd-Produktion...

Besonders schade, weil einige Songs echt ziemlich gelungen sind, der Opener "Heaven on Earth", das klassische Titelstück zum Beispiel, oder "Sail Away" - wenn der Song auch durch die peinlichen "Rap"-Parts versaut wird, es ist schön, noch einmal die Stimme von Brad Delp zu hören. Ein solch minderwertiges Produkt hat er aber nicht verdient.

Nee, das hier is' gar nix. Zwei Punkte - einer davon ist bereits für die Freude, Brad nochmal zu hören, aber insgesamt ist das hier des Bandnamens unwürdig und das Geld für die CD (den Download, wie's gefällt) nicht wert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 6, 2013 5:25 PM CET


Genesis Revisited: Live at Hammersmith
Genesis Revisited: Live at Hammersmith
Preis: EUR 23,99

6 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wo bleibt die Sau?, 10. November 2013
Also, ganz klar vorweg: die Songs sind natürlich heilig, und Hacketts Spiel sowieso. Trotzdem renne ich nach Genuß dieser DVD nicht vor Begeisterung nackt durch die Straßen und mache für alle den Slipperman. Warum?

Nun, es ist natürlich klar, daß die komplette Band inklusive der Gäste ihr Handwerk versteht und technisch möglicherweise sogar den Originalen überlegen ist. Nad Sylvan trifft die Töne sogar wesentlich sauberer als seinerzeit Peter oder auch der junge Phil "in concert", Lee Pomeroy steckt Rutherford technisch sowieso in den Sack und Roger King traut sich sogar ans Intro von "Firth of Fifth". Lediglich Gary O'Toole hat den lockeren, jazzigen Collins-Swing nicht so doll drauf, aber die Parts und Breaks sitzen natürlich trotzdem perfekt.

Und genau das ist mein Problem. Denn Genesis waren aufregend, dynamisch, bewegend, verrückt, überdreht, abgefahren, düster, kratzig, pompös, sakral, heavy, folkig - und das alles zur gleichen Zeit. Das hier ist natürlich "schön" gespielt, sauber auf den Punkt gebracht, aber auch nicht leidenschaftlicher als, sagen wir mal, "The Musical Box" (die wohl bekannteste Genesis-Coverband). Ausnahme natürlich Steve selber, der als einziger sichtlich Spaß und Spielfreude versprüht, der Rest macht seinen Job. Da wird nicht ein einziges Mal so richtig die Sau rausgelassen, die Dynamik der Klassiker verkommt größtenteils zu netter Begleitmucke. Und da liegt eben auch das Problem. Wie schon Genesis ohne Peter und Steve merkten, daß das einzig Richtige sein konnte, ihren Stil so zu verändern, daß sie ohne die beiden auskommen konnten, ist hier nix von der Magie und Besonderheit des Zusammenspiels der fünf Mitglieder des klassischen Line-Up zu spüren. Gar nix. Und, einfach nur die richtigen Noten bringen es im Falle Genesis halt nicht. Da muss einfach mehr Seele und Hingabe drinsein.

Ja, und Sänger Nad Sylvan... sorry, Steve, aber das geht für mich einfach gar nicht. Ja, die Stimmlage von Peter passt (wenn auch sehr gekünstelt), die Töne stimmen, aber solch eine blasse, völlig charismafreie Stimme tut den Songs nix Gutes. Da freut man sich, wenn Nik Kershaw und John Wetton - oder Gary O'Toole! - den Gesang übernehmen, denn gerade bei den ersten beiden wird's dann doch noch was mit der Gänsehaut, weil sie halt ihr eigenes Charisma und Können 100prozentig einbringen und damit der Musik mehr gerecht werden als das langweilige Nachträllern von "Partituren" (wie ein anderer Rezensent schrieb). Und das er dann auch noch optisch schwer an Bill Nighys Rolle im Kultstreifen "Still Crazy" erinnert, macht es mir auch nicht einfacher, diese "Grand Parade Of Lifeless Packaging" zu mögen.

Mit einem vernünftigen Sänger hätte ich trotz etwas lahmarschiger und keimfreier Performance gerne vier Sterne gegeben, denn, wie gesagt, die Songs sind klasse, der "Chef" natürlich auch, aber so tut es mir leid. Dann lieber die "Fire and Ice" (trotz berechtigter Kritik an deren Bildqualität) oder gleich die bei der ersten "Genesis Revisited"-Tour mitgeschnittene "Tokyo Tapes" - die hat zwar keine pure Genesis-Setlist, aber dafür neben John Wetton an Bass und Vocals noch King Crimson- und Foreigner-Mitgründer Ian McDonald, Genesis-Livedrummer Chester Thompson und den fantastischen Julian Colbeck an den Keys - und beide rocken im Gegensatz zu diesem Mitschnitt noch richtig ordentlich.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2014 12:43 AM CET


Earthquake - The A&M Years
Earthquake - The A&M Years
Preis: EUR 21,98

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hardrocker! Kaufen! Jetzt!, 2. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Earthquake - The A&M Years (Audio CD)
Wer sich Hardrock-Fan schimpft und die hier versammelten Alben noch nicht alle besitzt, hat eigentlich keine Entschuldigung, das Set nicht sofort in den Warenkorb zu packen. Für den Preis eines einzelnen Albums bekommt man hier die Hochphase der Band im Package auf den Tisch - darunter auch die "heilige Trilogie" "Earthshaker", "Black Tiger" und "Mean Streak", jedes davon ein Anwärter auf den Titel des besten Hardrockalbums ever.

Wer sie nicht kennt: musikalisch sind Y&T irgendwo zwischen Sammy Hagar in seiner Prä-Van Halen-Zeit, den frühachtziger Scorpions und einem Schuß melodischem Metal a la Judas Priest (in der Prä-Painkiller-Ära) angesiedelt, zur Verfeinerung noch mit einem guten Schuß Bluesrock a la Whitesnake versehen, der sich vor allem im gefühlvollen und nuancierten Gesang und Gitarrenspiel von Dave Meniketti bemerkbar macht, der mit dem typischen Achtziger-Shred-Gedudel und dem typischen Metal-Geshoute genauso wenig am Hut hat wie mit schwülstigen Poser-Klischees - die werden nur textlich verbraten.

Wie schon erwähnt, die Alben "In Rock We Trust" und "Down For The Count" fallen da ein klein wenig ab, ja, auch kommerzieller gestaltet, aber dennoch sind auch die beiden Scheiben dem Groß der Konkurrenz deutlich voraus. Und die Live-Mitschnitte zeigen die Band dann nochmal in ihrem Element. Wer bei der "Open Fire"-Version von "I Believe In You" nicht den Tränen nah ist, ist kein Mann!

Das alles zu einem Preis, den man bislang für ein einziges dieser Götteralben bezahlen musste. Wirklich, es gibt als Hardrocker keine Entschuldigung außer "ich hab' sie schon alle".


Live at Donington 1990 & 1992
Live at Donington 1990 & 1992
Preis: EUR 20,98

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nur für Alles-Sammler - wenn überhaupt!, 1. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Live at Donington 1990 & 1992 (Audio CD)
Natürlich ist die Musik von Thunder klasse, da gibt es keinen Zweifel. Aber selten habe ich eine unnötigere Veröffentlichung als die hier Vorliegende gesehen.

Der erste Donington-Gig von 1990 ist einer der größten Momente in der Bandgeschichte, ganz klar. Das rechtfertigt aber nicht, daß er schon wieder verwurstet werden muss, nachdem er bereits visuell auf dem "Backstreet Symphony - The Videos"-VHS-Tape, der "Flawed To Perfection"-DVD, der Japan-only "Monsters Of Rock"-CD und der "The Best Of Thunder"-Box verbraten wurde. Aber, diesmal wirbt man ja damit, daß die Show zumindest visuell zum ersten Mal komplett veröffentlicht wird. Ob nun drei unveröffentlichte Videotracks mit einer Spielzeit von ca. 18 Minuten auch 18 € wert sind, muss man natürlich selbst entscheiden, ich halte es für Abzocke.

Der zweite Donington-Gig ist ebenfalls, diesmal von der von der - sauteuren - BBC-Box bereits bekannt, also auch nix Neues. Dazu kommt, daß die Band bei dieser Show ehedem keinen allzu guten Tag erwischt hatte. Massenweise Spielfehler (vor allem Luke Morley scheint teilweise etwas neben sich zu stehen), verstimmte Gitarren, Soundprobleme und ein im Vergleich zur 90er Show eher mauer Sound sorgen dafür, daß keine richtige Begeisterung aufkommen will.

Schade, in den Thunder-Archiven schlummern noch so viele Schätze (wie wäre es zum Beispiel mal mit einer Sammlung der Nach-Reunion-B-Seiten?), aber da hat die EMI ja keine Rechte dran - und das altehrwürdige Label achtet ja bei ihren Archiv-Veröffentlichungen schon lange nicht mehr auf Qualität. Mein Tipp: Spart Euch das Geld und besucht die offizielle Seite der Band, dort könnt Ihr jede Menge wirklich lohnendes Live-Material bestellen, das Ihr vor allem noch nicht drölfzigfach in der Sammlung stehen habt.


Giving the Game Away
Giving the Game Away
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,27

5.0 von 5 Sternen Vergessener Geniestreich, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Giving the Game Away (Audio CD)
Thunder sind hierzulande eh nie die große Nummer geworden, warum auch immer. Aber dieses Album ist (wie der ebenso geniale Vorgänger) selbst manchem alten Thunder-Fan nicht geläufig. Mit Sicherheit auch ein "Verdienst" von Eagle Records, die damals auch bei Marillion einen genauso miesen Promo-Job machten. Die Folgen: Marillion machten sich zum eigenständigen, selbstfinanzierten Internetphänomen, und Thunder - lösten sich erstmal frustriert auf.

Der Frust ist denn auch "Giving The Game Away" durchaus anzuhören. Statt launigem Hardrock mit Blues-, Soul- und Funkelememten wie auf den Vorgängern regieren hier Akustikgitarren, getragene Songs und viel Atmosphäre, und auch textlich tönt Luke Morley vornehmlich desillusioniert und sarkastisch bis zynisch. Wenn man damit klarkommt, wird man aber hier einige der besten Thunder-Songs überhaupt entdecken. Der Akustikklampfe-getragene Rocker "Just Another Suicide" ist ein absoluter Ohrwurm, der Titelsong und "Numb" zitieren die Beatles (und ersterer winkt mit dem Zaunpfahl noch in Richtung der damals unglaublich gehypten Oasis), das kompetente Cover von "Play That Funky Music" bringt dann doch noch gute Laune, und mit den Balladen "You'll Still Need A Friend", "It Could Be Tonight" und dem atmosphärischen, leicht psychedelisch angehauchten "Til It Shines" gibt es die wahrscheinlich schönsten ruhigen Songs, die Morley je geschrieben hat, von Danny Bowes' umwerfender Gänsehautstimme perfekt in Szene gesetzt.

Lediglich die beiden Thunder-typischsten Stücke des Albums, die Hardrocker "Rolling The Dice" und "Time To Get Tough" schwächeln ein wenig und wirken wie Quotenerfüllung - als Abwechslung im Gesamtkonzept haben sie aber beide durchaus ihre Berechtigung.

Schade, daß danach erst mal Schluß war - wem diese Scheibe gefällt, der sollte sich aber auf jeden Fall direkt die Bowes/Morley-Scheibe "Moving Swiftly Along" besorgen, auf der die beiden Masterminds quasi die Entwicklung dieser Scheibe konsequent fortführten und vom Hardrock zum klassischen Bluesrock und Soul wechselten.


Behind Closed Doors
Behind Closed Doors
Preis: EUR 11,24

4.0 von 5 Sternen Selbst schwächelnd immer noch gut, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Behind Closed Doors (Audio CD)
Als 1995 Thunders Dritte erschien, war die Band für viele Fans die letzte Bastion des stinknormalen Rock'n'Roll. Zu einer Zeit, in der selbst Def Leppard mit modischen Düstersounds experimentierten und Bands wie Danger Danger, Warrant und Mötley Crüe plötzlich beschlossen, eigentlich noch nie auf Van Halen und Kiss, sondern schon immer auf Black Sabbath und die Pixies gestanden zu haben, sehnte sich meine Wenigkeit nach schönem, knackigen Blues-(Hard-)Rock wie auf den beiden Vorgängern.

Leider ging die Grunge-Ära auch nicht spurlos an Thunder vorbei. Keine Angst, nicht daß die Band sich wirklich verbogen hätte, aber "Behind Closed Doors" ist schon deutlich vom damaligen Zeigeist geprägt. Viel Ruhiges und Düsteres (was sich ja mit dem genialen "Empty City" vom Vorgänger schon angedeutet hatte), auch textlich zeigte man sich deutlich ernsthafter als zuvor. Am deutlichsten wird die Ära aber durch die Produktion verdeutlicht, die Drums klingen nicht mehr nach Dampframme, sondern betont akustisch, die Gitarren weniger verzerrt und auch weniger brachial gespielt - Bon Jovi hatten es mit "Keep the Faith" einige Jahre zuvor vorgemacht, und Thunder folgten gerne, weg vom Hardrock zum Normalo-Rocksound.

Das wäre ja im Prinzip noch kein Grund zur Besorgnis (das fünfte Album "Giving The Game Away" war nochmal deutlich ruhiger und melancholischer - und trotzdem besser), aber leider hakt es diesmal auch gelegentlich ein bißchen am Songwriting. Klar, Highlights wie das funkige "Fly on the Wall" mit Hammerrefrain, die Soul-Ballade "I'll Be Waiting", das sehr an Bon Jovi zu "KTF"-Zeiten erinnernde "River of Pain" und die klassische Power-Ballade "Castles in the Sand" sind Klasse, aber ein paar Songs wie "Preaching From A Chair" oder "Too Scared To Live" kommen einfach nicht in die Gänge, durchaus auch vom vergleichsweise dünnen Sound begünstigt. Und "Stand Up" ist erst in seiner akustischen Skiffle-Version so richtig klasse, nicht zuletzt, weil die etwas unnötige Bridge-Sektion dabei eiskalt rausgekürzt wurde. Einen so richtig miesen Song kann Luke Morley zwar wohl gar nicht schreiben, Fremdschämen ist hier keineswegs angesagt, aber für Thunder-Verhältnisse ist hier viel Mittelprächtiges vertreten.

Daß es trotzdem vier Sterne gibt, ist vor allem der exzellenten Bonus-Disc zu verdanken, denn da gibt es eine klasse Mischung aus Demos, Live- und Akustiktracks und exklusiven Tracks, die das Originalalbum teilweise mit links toppen.


And I'll Scratch Yours
And I'll Scratch Yours
Preis: EUR 8,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gabriel goes Indie..., 20. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: And I'll Scratch Yours (Audio CD)
Zuerst mal die Warnung: wer von Bands wie Bon Iver, Elbow oder Arcade Fire noch nichts gehört hat, sollte einfach die Finger von dieser Scheibe lassen. Denn Gabriel hat sich bei der Auswahl seiner Tribut-Zoller fast ausschließlich im Indie-Genre bedient. Wer auf klassischen Prog oder Pop steht, muss das Gebotene wohl auch einfach unerträglich finden, hier regiert weitgehend der Sound von 2013. Transatlantic, Steven Wilson, Opeth und andere 70er-Retro-Aktivisten sucht man hier vergeblich.

Wer aber etwas offenere Ohren besitzt und auch in den letzten Jahren noch neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen war, wird hier definitiv fündig. Die Bands nehmen allesamt den jeweiligen Song und pressen ihn in gnadenlos ihren ureigenen Stil - ob die Jungen oder die Alten, Gabriel hat vornehmlich Charakterköpfe eingeladen.

"I Don't Remember" klingt mehr nach den Talking Heads als jedes Byrne-Soloalbum, "Solsbury Hill" ist, typisch Lou Reed, eine lärmige Klangcollage mit drüber rezitiertem Text und wenig Melodie (fraglich, ob Lou das Original überhaupt vorher gehört hat) und Randy Newman macht eine typische swingend-zynische Newman-Nummer draus. Eno geht den selben noisigen Weg wie Reed, nur elektronischer, klingt fast wie eine besonders kaputte NIN-Nummer... Paul Simons "Biko" als klassischer Folksong schießt hierbei den Vogel ab - von allem Bombast befreit, bleibt nur die pure Anklage und die Trauer übrig - fehlt nur noch eine Harmoniestimme von Art, und das Ding wäre perfekt.

Die jüngeren Künstler lassen sich dann auch nicht lumpen, Bon Ivers folkiges "Come Talk To Me" und Elbows "Mercy Street" sind recht nahe am Feeling des Originals, bei Guy Garvey natürlich kein Wunder, der klingt ja schon auf seinen eigenen Songs mehr nach dem Mittachtziger-Gabriel als PG mittlerweile selbst...

"Don't Give Up" vertauscht die Geschlechterrollen des Originals, "Games without Frontiers" klingt schön düster, noch mehr als das Original, und "Not one of Us" ist typischer Magnetic Fields-Synthiesound. Ebenfalls im atmosphärischen Düsterfolkstil ist "Shock the Monkey" von Real World-Künstler Joseph Arthur gehalten, wer sich an die "Quiet Steam"-Alternativ-Version von PG erinnert, kriegt schon mal eine gute Vorstellung, wie das klingt. "Blood of Eden" von Regina Spektor wird zur unaufgeregten, entspannten Klavierballade - wie bei der Dame nicht anders zu erwarten.

Fazit: wenn das die Bands sind, die sich Peter derzeit privat reinpfeift, könnte ein zukünftiges neues Studioalbum einige Fans vergrätzen. Den einen Stern Abzug gibt's übrigens nicht wegen der vertretenen Musik, sondern weil so langsam mit der Nabelschau und Zweitverwertung aus dem Hause Gabriel echt mal genug wäre, Neues muss mal wieder her!


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