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suse9

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A Dance with Dragons: A Song of Ice and Fire: Book Five
A Dance with Dragons: A Song of Ice and Fire: Book Five
von George R.R. Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,99

2.0 von 5 Sternen Jetzt könnte der Winter kommen und die Bücher mit Schnee bedecken,, 10. Juli 2014
denn der 5. Teil der Saga zieht sich dann doch so sehr, dass ich letztendlich erleichtert war, das Ende erreicht zu haben. Sicher findet man in „A Dance with Dragons“ wieder jede Menge Intrigen, Geheimnisse, Schlachtgetümmel und Komplotte, aber dabei trifft man auf so viele Charaktere mit ähnlich klingenden Namen, dass ich zeitweise Gefahr lief, den Überblick zu verlieren. Ich vertrete zwar die Ansicht, dass der Leser sich schon selbst bemühen muss, alle Personen richtig zuordnen zu können, aber hier war es schlicht gar nicht nötig, da sie sich oft in unwichtigen Nebenhandlungen verloren.

Es ist nicht so, dass mir der 5. Band gar nicht gefiel, denn schließlich habe ich ihn ja zu Ende gelesen, aber ich hatte oft den Eindruck, dass George R.R. Martin selbst die Lust an seinen Helden verloren hat und es ihm egal ist, was aus ihnen wird. Natürlich gab es auch Lichtblicke während des Lesens. Einige Kapitel waren schon spannend geschrieben. Auch hatte ich Spaß daran, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und zu rätseln, worauf alles hinauslaufen würde. Die Lösungen für einige Geheimnisse habe ich mir schon zusammengesponnen und würde gerne wissen, wie richtig ich damit liege. Dennoch überwiegt die Enttäuschung über das Buch, da ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass hier Seite um Seite geschunden werden sollte. Vielleicht war es so, dass Teil 4 und 5 doch als ein Buch geplant waren, diese aber dann geteilt und mit Kapiteln aufgefüllt wurden. Anders kann ich mir das Auf und Ab an Spannung und Langeweile nicht erklären.

Das altbewährte Prinzip, einen Knaller ziemlich am Schluss des Buches zu zünden, wurde auch hier wieder eingehalten, allerdings hat mich dieser – wenn auch unvorbereitet – dann doch nicht bis ins Herz getroffen. Zwar muss wieder einer meiner Sympathieträger dran glauben, aber wer weiß, wer weiß, was da noch wieder für Zauberspuk geschehen wird, um der Handlung wieder eine überraschende Wendung zu geben, die dann für mich keine Überraschung mehr wäre. Manches wetzt sich eben ab.

Das Spiel mit den Charakteren übertreibt der Autor meiner Meinung nach in dem 5. Buch etwas. Mir gefiel es bislang eigentlich recht gut, dass oft nicht vorhersehbar war, wie sich ein Protagonist verhalten würde. Es gab kein Weiß und Schwarz sondern nur Grau. Das machte die Handelnden menschlich und sympathisch - vielleicht zu sympathisch. Ist Tyrion zu sehr von der Leserschaft geliebt worden? War das für ihn gar nicht vorgesehen oder langweilte den Autor diese Sympathiewelle, auf der Tyrion schwamm? Denn hier im 5. Band darf er sich nicht von seiner besten Seite zeigen. Er nörgelt, quengelt, verliert sich in Selbstmitleid. Wo ist der Charme geblieben, der Witz, die Gerissenheit? Schade, dass Tyrion nicht Tyrion bleiben durfte.

Als ich mit „A Dance with Dragons“ begonnen hatte, hoffte ich noch, dass George R.R. Martin sich mit dem Folgeband beeilen würde, damit die Wartezeit nicht so lang wäre. Nun, er kann sich ruhig noch ein wenig Zeit nehmen, vielleicht ein paar Kürzungen vornehmen, einige sich ständig wiederholende kursiv geschriebene Sätze streichen und mal wieder ein Buch wie "A Storm of Swords" vorlegen.


The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry
The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry
von Rachel Joyce
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,80

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne, nachdenklich stimmende Geschichte, 12. Juni 2014
Harold sitzt wie jeden Morgen am Frühstückstisch, neben seiner Frau, mit der er sich nicht mehr viel zu sagen hat. Ein Brief einer ehemaligen Kollegin bringt seine Routine ins Wanken. Ein paar Zeilen nur, die besagen, dass eben jene Kollegin, die er seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, im Sterben liegt und sich hiermit verabschiedet, veranlassen ihn, sich auf den Weg zu machen.

Im Vorfeld habe ich schon die verschiedensten Meinungen zu diesem Buch gelesen. Dort waren von Laaaaangeweile über emotionale Tiefe bis hin zu Kitsch alles vertreten, und sicher sind auch all diese Empfindungen beim Lesen des Buches möglich. Es kommt einfach darauf an, wann, wie und warum man die Geschichte liest, und was man in ihr zu finden hofft. Ich selbst ging ohne große Erwartungen heran, wollte einfach nur selbst wissen, was nun hinter diesem Cover steckt, das mich ständig in der Buchhandlung anlachte. Für mich war es ein Glücksgriff. Ich fühlte mich gut aufgehoben an der Seite Harold Frys und begleitete ihn sehr gerne. Die Blasen an seinen Füßen schmerzten auch mich, und die Freundlichkeit der Menschen überraschte mich eingangs ebenso wie den Helden selbst.

Während Harold wanderte und die unglaublichsten Begegnungen erlebte, blieb ihm viel Zeit zum Nachdenken, und auch der Leser wurde angehalten, sein eigenes Leben und Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Und das machte auch die große Stärke dieses Buches für mich aus. Die Autorin maßte sich nicht an, Lösungen für Probleme aufzuzeigen, ganz leicht nur tippte sie mit dem Finger eine Wunde an und diese zu ignorieren war dem Leser dann nicht mehr möglich. Neben all den positiven und negativen Dingen, auf die Rachel Joyce aufmerksam machen wollte, verlor die Geschichte aber nie die Bodenhaftung. Harold stand bis zum Schluss im Mittelpunkt, aber nicht nur er ist am Ende um ein paar Erkenntnisse reicher.


Jojo
Jojo
von Steinunn Sigurdardóttir
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Beeindruckend - sowohl der Stil als auch die Geschichte selbst, 30. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Jojo (Gebundene Ausgabe)
Nachdenklich, unglaublich traurig und doch tief beeindruckt schlug ich dieses Buch nach den letzten Sätzen zu.

Erzählt wird die Geschichte Martin Montags, einem Arzt aus Leidenschaft, der um seine Patienten und den größten Feind, den Krebs, mit all seiner Kraft kämpft. Dabei trägt er ein Geheimnis aus Kindertagen mit sich herum, an das er durch ein erstes Gespräch mit einem neuen Patienten erinnert wird. Die Begegnung trifft ihn unvorbereitet und wirft ihn aus seiner gut strukturierten Bahn.

Die Autorin hat eine unglaubliche Art zu schreiben. „Jojo“ war mein erstes Buch von ihr und sie hat mich bereits mit den ersten Sätzen gepackt. Sie schreibt schnörkellos, ehrlich und klar. Trotzdem findet man in ihren kurzen Sätzen so viel Aussagekraft, dass es fast schmerzt. Ein ungutes Gefühl war dann auch mein ständiger Begleiter beim Lesen. Obwohl die Handlung eher leise daherkommt, steckt dennoch so viel Dramatik in ihr, dass ich mich nicht in der Lage sah, mich gemütlich in meine Leseecke zu lümmeln. Angespannt verfolgte ich Martins innere Kämpfe, und seine Hilflosigkeit wurde die meinige.

Kann man sagen, dass mir dieses Buch Vergnügen bereitete? Wohl kaum, denn es ist ein traurige Geschichte, aus der ich aber mit einem guten Gefühl herausgehe. Sie wird mich noch lange bewegen und zum Nachdenken veranlassen. Vergessen kann ich sie wohl nie mehr ganz, auch nicht den Stil in dem sie erzählt wurde. Dieser war dann aber doch ein großes Vergnügen, und staunend, wie viel Kraft in Worten stecken kann, wenn man sie so zusammenfügt wie Steinunn Sigurdardóttir. es getan hat, bleibe ich zurück.

Von mir bekommt "Jojo" eine hundertprozentige Leseempfehlung.


Füchse lügen nicht: 2 CDs
Füchse lügen nicht: 2 CDs
von Ulrich Hub
  Audio CD
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen "Mein Reisepass! Wo ist mein Reisepass? Ich krieg noch die Krise!", 14. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Füchse lügen nicht: 2 CDs (Audio CD)
(Hörbuchrezension)

Schafe sind dumm, Tiger mutig, Füchse schlau und Hunde haben eine gute Spürnase – oder doch nicht? Die Tiere wollen verreisen und warten auf ihren Flieger. Doch kein Flugzeuglärm ist zu hören, die Abfertigungshalle verwaist und selbst im Duty Free Shop arbeitet niemand. Nachdem sie dies bemerkt haben und jeder auf die für ihn typische oder untypische Art darauf reagiert, versuchen die Tiere mehr oder weniger gemeinsam die Situation zu meistern.

Am liebsten lese ich Bücher selbst, da man bei Hörbüchern immer die Stimmen und Stimmungen vorgesetzt bekommt. Außerdem ist nicht jeder Autor, der hervorragende Bücher schreibt, auch gleichzeitig ein guter Vorleser. Hier jedoch stimmt einfach alles. Ulrich Hub versteht es, seinen Charakteren Leben einzuhauchen und dem Leser die verschiedensten Situationen passend zu vermitteln. Eigentlich richtet sich dieses Buch ja an die kleinen Zuhörer, aber ich als Erwachsene hatte dermaßen viel Spaß beim Hören, dass mir nicht nur einmal die Lachtränen in den Augen standen. Die vielen kleinen, feinen Anspielungen auf aktuelle Ereignisse sind einfach köstlich. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob diese auch für Kinder gut verständlich sein werden, aber das war für mich in dem Moment des Hörens auch nicht wichtig. Man findet sich einfach selbst in den Figuren wieder. Und wer nicht über die Gans, die ihren Reisepass sucht oder den Tiger mit den schwarzen Streifen lachen muss, kann dies vielleicht auch im richtigen Leben nicht über sich selbst.

Ich finde es schön, wie Ulrich Hub – es ist dies übrigens mein ersten Buch von ihm – seine kleinen Leser ernst nimmt. Die Handlung ist zwar lustig aber nicht aufgesetzt albern und könnte – wenn vielleicht auch nicht mit Tieren – doch so wirklich geschehen. Außerdem vermittelt er wie nebenbei ein paar wichtige Lebensweisheiten, wobei er auf den erhobenen Erwachsenenzeigefinger völlig verzichtet, was der Geschichte von mir noch einen weiteren Sympathiepunkt einbringt.

„Füchse lügen nicht“ ist ein Hörvergnügen für Jung und Alt und erhält von mir 5 dick gelb ausgemalte Sterne und ein Empfehlungsschreiben als Wurfpostsendung in jeden Briefkasten.


A Song of Ice and Fire 3. A Storm of Swords.
A Song of Ice and Fire 3. A Storm of Swords.
von George R.R. Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,78

5.0 von 5 Sternen Der Autor spielt ein grausames Spielchen mit mir, 3. April 2014
Über die Handlung werde ich bewusst nichts schreiben, denn wer das 3. Buch in die Hand nimmt, weiß, warum

Ich fange aber langsam an, George R.R. Martin nicht zu mögen. Er treibt mit mir ein böses Spiel. Auf meine Befindlichkeiten nimmt er überhaupt keine Rücksichten, lässt Sympathieträger unglaubliche Dinge tun, die ich verabscheue und meine Feinde wachsen mir ans Herz. Ich frage mich, ob ich überhaupt schon einmal ein Buch gelesen habe, in dem die Handlung derartig unvorhersehbar ist wie in diesem. Und das ist auch die absolute Stärke der Geschichte. Der Leser sollte sich nicht so sicher fühlen mit seinen Spekulationen und wer sich relaxt in die Sofaecke kuschelt, hat sowieso schon verloren.

Auch wenn der Beginn des 3. Buch nicht unbedingt mit großer Action aufwarten kann, ist die Handlung dennoch spannend und eine Intrige jagt die nächste. Die Aufmerksamkeit des Lesers ist nach wie vor gefragt, weil die vielen Charaktere schon einmal durcheinanderzugeraten scheinen. Ein kleines Detail hier und nebensächliches Wort da und schon werden Zusammenhänge klar, die vorher im Nebel lagen. Längst nicht alles wird geklärt, und es bleibt noch genug Raum für eigene Theorien. Ich fühlte mich wieder sehr gut unterhalten mit der Lektüre.

Leider muss ich in meine Lobesrede aber auch einen kleinen Kritikpunkt einbauen. Mir waren einige Passagen zu lang, und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor nach Seiten bezahlt wurde. Hier hätten ein paar Kürzungen gutgetan. Langeweile stellte sich zwar noch nicht ein, aber ein wenige ungeduldig wurde ich schon. Doch natürlich kam wieder alles anders als erwartet. George R.R. Martin hatte noch ein paar Überraschungen auf Lager, die ihresgleichen suchen. Rücksichtslos schwang der Autor das Schwert und mähte nieder, was nicht schnell genug auf seinem Pferd war. Fassungs- und hilflos musste ich mit ansehen, wie die Geschichte ihren Helden mitspielte. (Zum Glück hatte ich jemanden in meiner Nähe, dem ich meine Eindrücke und Gedanken unmittelbar mitteilen konnte.) Während ich noch den ein oder anderen Verlust zu verkraften hatte, ging die Achterbahnfahrt weiter, und wieder musste ich überrascht aufstöhnen. Selten las ich einen Roman, bei dem ich so viel laute Gefühlsausbrüche hatte .

Auch wenn der erste Teil des Buches ein paar Längen aufweist, hat es die zweite Hälfte dermaßen in sich, dass ich nicht genau sagen kann, ob mich eher die unvorhergesehenen Ereignisse oder die grausamen Cliffhanger mehr aus der Bahn geworfen haben. Auf jeden Fall ist für mich hier die Reise noch nicht zu Ende, obwohl ich mir langsam die panische Frage stelle, wer denn eher fertig sein wird – ich mit dem 6. oder George R.R. Martin mit dem 7. Buch?


Blinde Vögel
Blinde Vögel
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Platz 6 für "Blinde Vögel", 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Blinde Vögel (Broschiert)
„Blinde Vögel“ ist der zweite Fall, den wir gemeinsam mit Bea und Florin lösen dürfen. Während die Ermittler versuchen herauszufinden, ob es sich bei den beiden Toten auf dem Campingplatz um Selbstmörder handelt oder sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, geschieht ein weiteres Unglück, und eine Spur führt zur Facebook-Lyrik-Gruppe.

Der Krimi liest sich flüssig und ist leicht verständlich, wobei die Spannung allerdings auf sich warten lässt. Bringt man genug Geduld mit, wird man im letzten Drittel der Handlung belohnt. Die Auflösung kommt überraschend und ist gut in Szene gesetzt. Mir hätte es jedoch besser gefallen, wenn mich die Ermittlungen mehr mitgerissen und gefordert hätten. Ein ungeduldiges Kribbeln und Grübeln über Zusammenhänge und Verdächtige wollte sich nicht so richtig einstellen, und das macht für mich eigentlich einen guten Krimi aus. Zu den Charakteren fand ich keinen kompletten Kontakt, da sie teilweise zu oberflächlich dargestellt waren. Das könnte aber auch an der Oberflächlichkeit und Anonymität sozialer Netzwerke im Allgemeinen liegen. Florin – mein Sympathieträger – durfte sich in der Geschichte leider nicht richtig ausleben. Bea hingegen schwelgte voll in Selbstmitleid ob der ungerechten Behandlung durch ihren Ex-Ehemann.

Obwohl die Auflösung des Falles für mich überraschend kam und der letzte Abschnitt wirklich spannend war, so dass sich mein Lesetempo rasant beschleunigte, gehört „Blinde Vögel“ nicht an die Spitze der Poznanski-Bücher. Ich hoffe, dass das nächste Treffen mit Beatrice und Florin wieder ein wenig aufregender und interessanter wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 12, 2014 5:17 PM MEST


Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Krimieinerlei oder Überraschung? - Überraschung!, 19. Februar 2014
Der 13jährige Stanley wächst in einem wohlbehüteten Elternhaus im Texas der 50er Jahre auf. Während er sich noch von dem Schock, den er erlitten hat, als ihm eröffnet wurde, dass sich der Weihnachtsmann nicht wie gedacht durch den engen Kamin zwängt, sondern lediglich im Herzen der Menschen wohnt, erholt, findet er im Wald ein Kästchen mit alten Briefen, die auf eine Tragödie hindeuten. Gemeinsam mit Buster, dem alten Filmvorführer, der gegen einen starken Feind - den Alkohol - zu kämpfen hat, versucht er, das Geheimnis zu lüften.

Wenn man bei einem Krimi, in dem zwei Morde aufgeklärt werden sollen, häusliche Gewalt und Rassismus eine Rolle spielen, von Unterhaltung sprechen darf, dann fühle ich mich hier gut unterhalten. Sicherlich hat dieser Ausdruck einen bitteren Beigeschmack für mich, aber ich kann es nicht anders ausdrücken. Der Schreibstil Lansdales ist einnehmend und leicht verständlich, zu leicht manchmal. Großen Herausforderungen muss sich der Leser nicht stellen. Hinter das Geheimnis kommt er recht schnell, auch wenn sich noch nicht alle Ende auf Anhieb zusammenknoten lassen. Dennoch stört mich diese Vorhersehbarkeit der Handlung nicht allzu sehr, da die Charaktere wunderbar gezeichnet sind. Der Autor lässt eine fremde Welt neu entstehen, die so bildhaft geschildert ist, dass ich gemeinsam mit Stan durch die Kleinstadt radel und den Sommerstaub spüren kann. Es ist dann auch eher dieser Alltag, in den ich vollkommen eintauche, als in eine spannende Handlung. Natürlich will ich wissen, wer wem die Briefe und warum geschrieben hat, aber wie bereits erwähnt, fühle ich keine kribbelnde Spannung. Zwischenzeitlich denke ich gar, dass ich ein Jugendbuch denn einen Krimi für Erwachsene lese. Dies alles tut der Unterhaltung jedoch keinen Abbruch. „Ein kleiner dunkler Riss“ ist eine gut gelungene Geschichte über einen Jungen, der ein spannendes Sommerabenteuer in einer texanischen Kleinstadt erlebt und dabei erwachsen wird.

- Dies ist die Rezension, die während des Lesens so in etwa in meinem Kopf entstanden ist. bevor ich das Buch beendet hatte. Auf den letzten Seiten jedoch änderte sich die Stimmung abrupt. Jegliche Vorhersehbarkeit war verschwunden. Mein Tee wurde kalt, die Kerze brannte unbeachtet herunter. Gebannt las ich die letzten Seiten aufrecht sitzend, fassungslos erstarrt. Am Ende pochte mein Herz vor Traurigkeit und Mitgefühl. Ich fühlte mich an Buster erinnert, der einmal zu Stan meinte, dass das Leben nicht für alle und jeden Gerechtigkeit bereithält.

Aus gutgelaunten 3-4 werden nun auf jeden Fall 5 dicke Empfehlungssterne.


Gone Girl: A Novel
Gone Girl: A Novel
von Gillian Flynn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,10

5.0 von 5 Sternen "Marriage can be a real killer", 10. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Gone Girl: A Novel (Gebundene Ausgabe)
Nun ja, ein Krimi. Es gibt jede Menge von ihnen, und neue Ideen findet man selten. Auch dass "Gone Girl" auf der Bestseller-Liste der New York Times steht, muss nicht zwingend bedeuten, dass eine interessante Story erzählt wird. Aber so ist das nun einmal mit Buchempfehlungen, man bekommt sie und folgt ihnen. Also schlug ich den Roman auf und fand die Geschichte wenn auch noch nicht spannend so doch gut erzählt.

Amy verschwindet am Morgen ihres 5. Hochzeitstages spurlos. Die Indizien deuten auf ein Gewaltverbrechen hin, und ihr Ehemann Nick ist alles andere als eine sympathische Figur. Die Suche beginnt und wird aus Nicks Sicht erzählt. Während er versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, sich diese jedoch immer enger um seinen Hals legt, wird dem Leser ein Blick in Amys Tagebuch gewährt. Auch wenn sich dort nach und nach Motive und Abgründe aufzeichnen, erlahmt die Story allmählich und nicht nur einmal fragte ich mich, wie um alles in der Welt es die Autorin geschafft hat, mit diesem Roman einen Bestseller zu landen. Kurz bevor ich das Buch zur Seite legen wollte, nahm die Handlung eine unerwartete Wendung und plötzlich stellte sich die Frage des Abbrechens überhaupt nicht mehr. Begeistert nahm ich wahr, wie sich die Geschichte öffnete, ich in sie eintauchen konnte, lies mich fesseln und weitertreiben. Ich staunte über die überraschenden Ereignisse, die sich überschlugen und rätselte, worauf sie hinauslaufen, wie die Autorin die Geschichte enden lassen würde. Eine rasante, unglaublich spannende Story gipfelte dann auch in einem für mich unfassbaren aber schlüssigen Finale.

Es gibt sie also noch, die spannenden Krimis. Vielleicht sollte ich doch öfter wieder einen lesen.


Gesammelte Erzählungen
Gesammelte Erzählungen
von Astrid Erb
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

3.0 von 5 Sternen 10 Erzählungen, die zum Nachdenken anregen, 22. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Gesammelte Erzählungen (Taschenbuch)
Die 10 Erzählungen, die in diesem Buch zu finden sind, spielen in Selma Lagerlöfs Heimat und es bleibt dem Leser nicht verborgen, dass sie diese über alles liebt. So geht es in den Geschichten dann auch um Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit, Mut, aber auch Verrat, Egoismus und Tod. In den unterschiedlich langen Erzählungen finden die Protagonisten zu sich selbst, müssen sich Prüfungen stellen, bestehen diese oder versagen. Dabei versteht sie es hervorragend, die Landschaften, Tier- und Pflanzenwelt so plastisch vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen, dass man förmlich meint, unmittelbar dabeizusein.

Das alles ist in der für Selma Lagerlöf typischen einfach gehaltenen Sprache geschildert, für die sie bekannt ist und die sie auszeichnet. Allerdings hatte ich damit meine Schwierigkeiten, konnte mich mit ihrem Stil nicht anfreunden. Es fiel mir deshalb auch teilweise schwer, in die Geschichten selbst hineinzukommen. Erschwerend für mich kam noch hinzu, dass sämtliche Geschehnisse einen stark gottbezogenen Grundgedanken haben. Für mich als nichtgläubigen Menschen fiel es somit nicht leicht, mich damit auseinanderzusetzen und die Ereignisse im richtigen Kontext zu verstehen.

Eines jedoch bewirken die Erzählungen Selma Lagerlöfs. Sie gehen nicht so leicht aus dem Kopf. Die Autorin konfrontiert den Leser mit den verschiedensten Problemen der Menschheit und erwartet, dass sich dieser damit beschäftigt, sich einen Standpunkt erarbeitet. Dabei lernte ich Selma Lagerlöf als eine mutige Frau kennen, die sich für Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Liebe einsetzte. Sie muss ihrer Zeit weit voraus gewesen sein und dafür habe ich sie achten gelernt.


The Cuckoo's Calling (Cormoran Strike)
The Cuckoo's Calling (Cormoran Strike)
von Robert Galbraith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,70

5.0 von 5 Sternen Gut beobachteter und spannend erzählter Krimi, 8. Januar 2014
Ich sage es frei heraus, dass ich das Buch nur gelesen habe, weil ich weiß, dass es J.K. Rowling geschrieben hat. Zum Glück für mich ist bekanntgeworden, wer sich hinter dem Pseudonym Robert Galbraith verbirgt. Da ich eher wenig Krimis lese und es so extrem viele von ihnen auf dem Markt gibt, wäre mir das Buch durch die Lappen gegangen. So jedoch konnte ich wieder einmal ein paar wunderbar spannende und interessante Lesestunden genießen, denn es ist einfach genial, wie J.K. Rowling ihren Charakteren Leben einhaucht.

Über die Handlung ist nicht viel oder nichts Wichtiges zu erzählen. Ein berühmtes Modell stürzt sich in den Tod und der Detektiv Strike soll im Auftrag ihres Bruders der Frage nachgehen, ob es wirklich Selbst- oder doch Mord war. Nun, das klingt erst einmal nicht sonderlich spektakulär und die Ankündigung, dass sich die Handlung in der Welt der Reichen und Schönen abspielen würde, hätte mich eigentlich auch eher abgeschreckt, wenn denn nicht der Name Rowling gelockt hätte.

Die Geschichte liest sich so wie auf mich zugeschnitten. Verfolgungsjagden mit wilden Schießereien und blutrünstige Details grausamer Leichenfunde fehlen hier vollständig. Die Handlung entwickelt sich eher langsam und leise. Mühselige Büro- und Ermittlungsarbeit, bei der auch mal etwas schiefläuft, wird beschrieben. Die Protagonisten sind Menschen wie du und ich, haben Fehler, Schwächen, dürfen aber auch ihre Qualitäten zeigen, stolz sein, etwas erreicht zu haben, rumzicken, falsche Entscheidungen treffen. Und so fällt es mir nicht schwer, Robin und Cormoran in mein Herz zu lassen und ihnen begeistert bei ihrer Arbeit auf die Finger zu schauen. Relativ schnell konnte ich den Täter ermitteln. Doch bevor sich leichte Enttäuschung bei mir einschleichen konnte, kam ein nächster, ein weiterer und noch ein Verdächtiger in Betracht. Die Autorin eröffnete einen Handlungsstrang neben dem nächsten und ich hatte schon Bedenken, ob sie denn am Ende auch jeden davon auflösen könne. Motive, Beweise, nebensächliche Informationen ließen meinen Verstand auf Hochtouren arbeiten und mich das ein und andere Mal staunen, wohin mich die Handlung führt. Eine Pfütze hier, ein paar Handschuhe da - nur so wie nebenbei erwähnt - brachten mich zum Verzweifeln, weil die Lösung nicht greifbar schien. Nichts passte richtig zusammen. Ein wenig fühlte ich mich an Agatha Christi erinnert, die mich ebenfalls am Schluss immer in Erstaunen versetzen konnte.

Da die Geschichte nicht ganz ohne Klischees und Bekanntes auskommt (ein abgehalfterter Detektiv, dessen Privatleben in Scherben liegt, eine hübsche Assistentin, die den falschen Mann zu heiraten gedenkt), müsste ich einen Stern bei der Bewertung abziehen, wenn diese Schwäche nicht durch einen interessanten, spannenden Schreibstil ausgeglichen worden wäre. Auch wenn "The Cuckoo's Calling" nicht ganz an "The Casual Vacancy" heranreicht, bleibt es für mich dabei: J.K. Rowling kann schreiben und zwar auch Krimis.


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