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Rezensionen verfasst von
Ulrich Pallaske "Buchflüsterer"
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Alice Bhattis Himmelfahrt: Roman
Alice Bhattis Himmelfahrt: Roman
von Mohammed Hanif
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2.0 von 5 Sternen Übertrieben und zu brutal, 30. März 2014
Nachdem das vorherige Buch dieses Autors hochgelobt worden war, ich es jedoch nicht gelesen hatte, war ich neugierig auf das neue Werk von Mohammed Hanif. Das sein Stil von derber Komik geprägt und stark satirisch gefärbt ist war mir bewusst. Er stellt seine Heimat Pakistan als chaotische und brutale Welt dar, in der nichts wirklich funktioniert. Die Protagonistin Alice Bhatti gehört einer christlichen Minderheit an, die wenig Achtung genießt und meist einfache Arbeiten verrichtet. Alice arbeitet als Krankenschwester und lernt den Polizeispitzel Teddy Butt kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine wüste und tragische Liebesbeziehung, dessen Aspekte die Widersprüchlichkeiten dieses Landes spiegeln.

Natürlich ist dies sehr ambitionierte Literatur und kein leichtes Lesevergnügen. Trotzdem hat mich das Buch nicht überzeugt. Die teilweise sehr derben, ja brutalen Szenen eines gewalttägigen Alltags fand ich ziemlich abstoßend, auch sind die Figuren sehr klischeehaft gezeichnet. Die Männer sind harte Machos nach aussen aber eigentlich Schwächlinge. Die Frauen haben keine Rechte. Alice Bhatti ist eine starke Frau aber sie wirkt seltsam übermenschlich wie eine Comicfigur und ihre Gefühle zu Teddy Butt sind völlig unglaubwürdig.

Insgesamt eine enttäuschende Lektüre. Mehr Realitätssinn wäre vielleicht besser gewesen und hätte auch eine differenzierte Betrachtung Pakistans ermöglicht.


Sandberg: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Sandberg: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joanna Bator
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überwältigend, 13. Januar 2013
Dies ist einer jener Romane, auf die man zufällig beim Bücherstöbern im Internet stößt, von dessen Autor/in man noch nie gehört hat aber der Inhalt klingt so vielversprechend, dass man es spontan kauft und dannn... Whow! Was für ein brillianter Roman!

Schauplatz ist die Stadt Walbrzych in Niederschlesien, das früher Waldenburg hieß. Hier siedelten sich nach 1945 Polen aus ihren an die Sowjetunion verlorenen Giebiete an. Der titelgebende Sandberg ist ein Neubaugebiet im typisch sozialistischen Stil und in diesem Kosmos entfaltet Joanna Bator ihre Geschichte, die von drei Generationen polnischem Leben erzählt. Hauptfigur ist Jazia Chmura, die aus einen Dorf bei Warschau kommt und zum Arbeiten nach Walbrzych geschickt wird und bei ihrer Ankunft auf der eisglatten Bahnhofstreppe ihrem späteren Mann Stefan buchstäblich in die Arme fällt. Stefans Familie stammt aus dem heutigen Weissrussland und wurde in Walbrzych nach dem Krieg angesiedelt. Es ist eine graue triste Stadt, in der Arbeit und der sozialistische Alltag das Leben bestimmen. Die Ehe der Chmuras wird schnell von Stefans Alkoholismus belastet und Jazia muss die Tochter Dominika nach Stefans Tod schon bald alleine großziehen. Die Frauen sind die Starken in diesem Roman. Sie halten die Familien zusammen, träumen von einem Schwiegersohn aus "Castrop-Rauxel", während die Männer trinken und ihren Plänen nachhängen, die sie nie verwirklichen. Dieses negative Männerbild durchzieht den Roman mit wenigen Ausnahmen, wie der amerikanische Jude Ignatz Goldberg, mit dem die Jazia schicksalhaft verbunden ist, ohne es zu ahnen.

Über sechzig Jahre zieht sich die Geschichte. Frau Bator entfaltet sie nicht chronologisch sondern in Zeitsprüngen, die nach und nach die ganzen Details der Familiengeschichte offenlegen. Aber vor allem schildert sie breit und anschaulich das Leben und die Gefühlswelt ihre Figuren und geht auch auf die Nebenfiguren intensiv ein. Die Sprache ist phänomenal. Eine solche Mischung aus poetischen Sätzen und teilweise recht derber Alltagssprache habe ich so noch nie gelesen aber es sehr gelungen. Das polnische Leben ersteht sehr anschaulich vor den Augen des Lesers und Frau Bator geht auf viele Details ein, auch auf die Religiosität in Form der schmerzlich schön geschilderten Liebesaffäre zwischen Dominika Chmura und einem Priester am Ende des Romans.

Ein aussergewöhnlich starkes Buch! Ein toller Leseeinstieg in 2013. So kann es weitergehen.


Vom Schlafen und Verschwinden: Roman
Vom Schlafen und Verschwinden: Roman
von Katharina Hagena
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchaus lesenwert aber nicht so gut wie der Vorgänger, 2. Dezember 2012
Nachdem die 45 jährige Autorin Katharina Hagena mit ihren "Apfelkernen" ein Meisterwerk geschrieben hat, dass zu meinen unvergesslichen Leseerlebnissen zählt, ist es natürlich schwer, dieses hohe Niveau in ihrem neuen Roman zu halten. Es gelingt ihr auch nicht, obwohl es für sich gesehen ein überdurchschnittliches Werk ist. Großartig ist wieder ihre hochpoetische Sprache, mit der sie Stimmungen einfängt, die Natur beschreibt und die Gefühle der Protagonisten lebendig werden lässt. Das ist Hagenas große Stärke und da sieht man gerne über kleine Schwächen hinweg. Zum Beipiel sind Dialoge nicht ihre Stärke, auch wirkt das Buch teilweise zu bedeutungsschwer und enthält ein paar überflüssige Detais die zum Kern der Handlung nichts beitragen.

Ein interessantes Thema ist es auf jeden Fall. Hagena verknüpft die Themen Schlaflosigkeit und Demenz und fragt nach dem Zusammenhang von Tod und Schlafen. Die Protagonistin Ellen ist Schlafforscherin in Hamburg und erinnert sich in einer schlaflosen Nacht an ihre Jugend in ihrem Heimatdorf bei Karlsruhe, ihre erste Liebe zu Andreas an dessen Freund Lutz, von dem sie ihre Tochter Orla bekam und dann nach Irland floh. Als Orla Teenagerin ist, geht sie zurück in ihr Dorf, trifft dort im Chor ihres Vaters auf Benno, beginnt eine Affäre.... Ihre Mutter schließlich stirbt an Alzheimer.

Das alles wird in fließenden Übergängen erzählt und man kann den Roman als anspruchsvolle und sprachlich sehr schönes Werk empfehlen. Mit dem Debüt kann es zwar nicht mithalten, mir hat es aber dennoch gut gefallen. Ich mag einfach ihren poetischen Stil sehr gerne und wem diese Erzähltechnik gefällt, wird sicher Freude an dem Text haben.


Das vergessene Kind: Roman
Das vergessene Kind: Roman
von Kate Atkinson
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starker Krimi - und hochliterarisch, 25. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Das vergessene Kind: Roman (Taschenbuch)
Wenn es sowas wie "literarische Krimis" gibt, Kriminalromane also, die neben einer spannenden Handlung mit den typischen Ingredienzen Verbrechen, Ermittler etc. auch gesellschaftliche oder philosophische Inhalte haben und dies auch sprachlich anspruchsvoll darbieten, so ist dieses Buch zweifellos ein solcher.

Es sind ausnahmslos gebrochene Figuren, die hier vor dem Hintergrund der tristen Welt von Westyorshire, einst das industrielle Herz Englands und heute unter den Folgen des Thatcherismus leidend, auftreten. Die Expolizistin Trace Waterhouse, eine deprimierte und vom Leben enttäuschte Frau um die Fünfzig, kauft in einem spontanen Impuls einer Junkiemutter mitten in Leeds ihr offenbar lästiges Kind ab. Sie ist von da an auf der Flucht vor vermeintlichen Verfolgern, die das Kind zurückhaben wollen aber in Wirklichkeit interessiert sich niemand für die Kleine Courtney. (Ob das Mädchen wirklich die Tochter der Junkiemutter war, wird nie geklärt). Dann ist da ein heruntergekommener Privatdetektiv mit einem Border Terrier, den er kurzerhand einem brutalen Typen geklaut hat, der auf der Suche nach den leiblichen Eltern einer Neuseeländerin ist, Tracys Exkollegen, eine Sozialarbeiterin und eine demenzkranke Schauspielerin. Alle diese Typen sind innerlich einsame Menschen in einer Welt, in der die tradionellen sozialen Bindungen verlorengegangen sind. Im Kern der Geschichte geht es um einen dreissig Jahre zurückliegenden Fall einer toten Prostituierten, in deren Wohnung ein kleines Kind gefunden wurde und das kurz darauf spurlos verschwand. Bis zur Lösung des Falls inszeniert die Autorin ein raffiniertes Verwirrspiel, legt falsche Fährten und hält den Spannungsbogen souverän. Als Krimi funktioniert das Werk also prima. Und doch besticht es durch die meisterhafte Schilderung der Charaktere und der tristen Lebensumstände. Es gibt berührende Szenen, z.B. als Tracy Waterhouse auf der Flucht mit der kleinen Courtney ein Reh überfährt und feststellt, dass ihre Trauer um das Tier größer ist als die um die inzwischen ermordete vermeintliche Mutter des Kindes(Der Mord wird nie aufgeklärt).

Das Buch kann ich nur uneingeschränkt jedem empfehlen, dem es bei einem Krimi nicht allein auf reisserische Spannung ankommt, als vielmehr um die gesellschaftlichen Hintergründe des Geschehens. Und das alles auf sprachlich hohem Nieveau. Besser kann Kriminalliteratur kaum sein.


Der Traum des Kelten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der Traum des Kelten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Mario Vargas Llosa
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Funktioniert nicht als Roman, 17. November 2012
Das die Lektüre von Vargas Llosas Büchern kein entspannendes Feierabendvergnügen ist, sollte man wissen, wenn man sich an das Werk des peruanischen Nobelpreisträgers wagt. Zweifellos handelt es sich um ein sehr wichtiges und informatives Werk und prangert den unmenschlichen Kolonialismus der Europäer im neunzehnten Jahrhundert an. Leider ist dies kein Roman, bzw. es fehlt das, was einen Roman ausmacht, nämlich eine atmophärisch dichte Schilderung, assoziative Bilder und das heranzoomen an die Protagonisten. Es scheint, als ob Vargas Llosa sich nicht entscheiden konnte, ob seiner Domäne Roman treu bleiben wollte oder lieber ein Sachbuch vefasst hätte. So jedenfalls ist das Werk sehr trocken und befremdlich. Als Roman is es nicht zu gebrauchen.


Am Ende eines Sommers
Am Ende eines Sommers
von Isabel Ashdown
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Mysterium Familie, 3. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Am Ende eines Sommers (Taschenbuch)
Warum können wir ohne unsere Familie, insbesondere unsere Herkunftsfamilie kein glückliches Leben führen? Macht es uns zwangsläufig seelisch kaputt, den Kontakt zu Eltern und Geschwistern zu verlieren?

Die englische Autorin Isabel Ashdown geht in ihrem Debüt diesen Fragen nach und verknüpft zwei Lebensläufe, die sie paralel in der Ichform erzählt, zu einem gelungenen Roman. Es sind Mary und ihr Sohn Jake. Mary wächst glücklich in einer südenglischen Mittelschichtsfamilie auf. Mit ihrer Schwester Rachel ist sie ein Herz und eine Seele. Doch die Kindheit geht zuende und Mary verliebt sich, wird schwanger und will den Schreiner Billy heiraten. So gut so normal, nicht jedoch im England der späten sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Für diesen Fehltritt verstößt sie ihre spießige Familie für immer. Selbst zehn Jahre später noch schickt ihr ihre Mutter sämtliche Briefe ungeöffnet und kommentarlos zurück. Mary zerbricht daran, sie trinkt, die Ehe mit Billy kriselt. Die zweite Handlungsebene spielt 1985. Marys Sohn Jake ist vierzehn und erzählt in deftiger Sprache aus dem Leben der Familie. Den ganzen triste Alltag schildert er mit der Weisheit seines jungen Alters und es sind teilweise sehr starke Passagen, die der Autorin hier gelingen. Jakes Sehnsucht nach einer normalen Kinheit, seine Verwirrungen über erste erotische Erfahrungen, die positive Beziehung zu dem Ladenbesitzer Horrack,für den Jake arbeitet, seine Enttäuschung, wenn Mum mal wieder betrunken ist.... all das schildert Ashdown sehr überzeugend und mit hohem Einfühlungsvermögen. Hoffnung gibt es, als Mary und ihre Schwester Rachel sich wieder näher kommen und alles scheint gut zu werden wenn da nicht jenes tragische Geschehen um Jakes Geburt und die seines Cousins George wäre.

Insgesamt ein lesenswerter Roman über das Paradies und die Hölle namens Familie und den schmerzlichen aber notwendigen Abschied von der Kindheit. Auch wenn die Autorin stellenweise etwas dick aufträgt und manchmal zu sehr auf die Tränendrüse drückt, kann ich das Werk empfehlen. Die Sprache schwankt zwischen poetisch und derb, was mir ganz gut gefallen hat. Niveauvolle Unterhaltung für die Couch, so ein Roman ist das.


Denn ich bin krank vor Liebe: Das Leben der Hildegard von Bingen (insel taschenbuch)
Denn ich bin krank vor Liebe: Das Leben der Hildegard von Bingen (insel taschenbuch)
von Barbara Beuys
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr theoretisch - muss man mögen, 31. Oktober 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Kölner Historikerin Barbara Beuys legt hier eine sehr sachliche und wissenschaftlich fundierte Autobiographie über die berühmte Nonne Hildegard vor. Ausführlich schildert sie Hildegards Visionen und ihre theologischen und weltlichen Überzeugungen im Kontext der damaligen Zeit. Die historischen Hintergründe werden sehr gut im Zusammenhang mit der tiefen Religiosität des Mittelalters wiedergegeben.

Allerdings ist dieser sehr wissenschaftliche Text m.E. auch sehr trocken und hat so gut wie keine erzählerischen Elemente. Dem Menschen Hildegard nähert sich die Autorin nur über ihre theologische Arbeit aber was für ein Mensch aus Fleisch und Blut war die Ordensfrau? Was dachte sie wie verbrachte sie den Alltag? Raum für Alltagsschilderungen gibt es in dem Buch nicht, was ich schade finde aber natürlich hat auch diese Art von Biographie ihre Berechtigung und wissenschaftlich ist dies ein sehr gutes Werk. Man muss halt ein Freund solcher Texte sein.

Wer es lieber erzählerisch und süffiger mag, greift besser zu einer Romanbiographie.


Zeiten der Hoffnung: Roman (insel taschenbuch)
Zeiten der Hoffnung: Roman (insel taschenbuch)
von Karsten Flohr
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen Zu keinem Genre wirklich passend, 30. September 2012
Inspieriert von der Inhaltsbeschreibung kaufte ich diesen Roman und erwartete zwar kein hochliterarisches Werk aber dennoch eine gut recherchierte Gesellschafts- und Liebesgeschichte aus der Spätzeit des wilhelminischen Kaiserreiches.

Leider hat der Autor sich nicht entscheiden können, was er schreiben wollte. Eine Liebesgeschichte ist es nur sehr bedingt. Zwar fallen die beiden Protagonisten Wilhelm und Adele, er der Sohn eines hohen Kolonialbeamten aus Berlin und sie die Tochter eines elsässischen Weinbauern nicht gleich liebestrunken übereinander her, was realistisch ist. Aber sie finden eben auch nicht wirklich zueinander. Also ist das Buch eigentlich keine Liebesgeschichte. Ein Gesellschaftsroman? Die Ereignisse am Vorabend des ersten Weltkrieges werden in Teilaspekten aufgegriffen z.B. die Kolonialpolitik des Reiches, die sozialen Unruhen wegen schlechter Löhne, dem ungerechten Wahlsystem oder die Frauenfrage. Das alles wird jedoch eher oberflächlich abehandelt. Wilhelm ist im Prinzip ein symaphatischer Typ, aber er bleibt ebenso blässlich wie die anderen Figuren des Romans.

Ganz schlecht sind die inhaltlichen Fehler im Handlungsablauf. So ist z.B.die Rede von einem Opernbesuch der Familie Schwemer in Jahre 1913, bei dem die Kaiserinmutter Victoria ebenfalls anwesend ist. Diese verstarb aber bereits 1901. Auch fuhr die erste elektrische Straßenbahn in Berlin einige Jahre vor 1913.

Insgesamt eine enttäuschende Lektüre. Auch bei einem Unterhaltungsroman kann man zumindest eine ausreichende historische Genauigkeit und eine gewisse Handlungstiefe erwarten. Der Kauf des Buches lohnt nicht wirklich.


Während die Welt schlief: Roman
Während die Welt schlief: Roman
von Susan Abulhawa
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Roman ist etwas überfrachtet, 10. September 2012
Inspiriert von den sehr guten Rezensionen und dem wichtigen Thema kaufte ich dieses Buch. Zweifellos ist es eine sehr spannende Geschichte. Die Autorin schildert anhand einer palästinensischen Familie die Tragödie dieses Volkes sehr anschaulich und detailiert. Dabei erspart sie dem Leser nicht die grausamen Schicksale der von Krieg und Vertreibung betroffenen Menschen. Manchmal geht es ganz schön an die Nieren.

Problematisch finde ich jedoch, dass der Roman, gerade weil die Autorin die gesamte palästinensische Geschichte von 1948 bis 2001 abedecken will, streckenweise mehr einem Bericht denn einem Prosawerk gleicht. So werden die historischen Ereignisse einer Strichliste gleich oft viel zu schnell abgearbeitet. Dadurch erlangt das Buch nicht die Tiefe, die man ihm wünschen würde. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich auf einige Aspekte zu konzentrieren und diese ausführlicher zu schildern. Vielleicht ist das Buch auch etwas einseitig. Obwohl man verstehen kann, dass die Symphatien der Autorin auf Seiten der Palästinenser liegen, werden die Israelis zu sehr als böse Agressoren dargestellt. Aber positiv ist auf jeden Fall die Annäherung von Amal und ihrem unfreiwillig zum Israeli gewordenen Bruder.

Fazit: Wer näheres über die Tragödie im heiligen Land wissen will, ist das Buch durchaus zu empfehlen. Für richtige Romanfreunde ist es eher nichts, da das Werk leider wenig von einem poetischen Erzählwerk hat.


Das Glück der Zikaden: Roman
Das Glück der Zikaden: Roman
von Larissa Boehning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Sprache, 1. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Mit diesem Roman hat die Autorin ein vor allem sprachlich sehr schönes Werk über die Bedeutung von Heimat für den Einzelnen geschrieben. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen. Nadja ist die in Moskau geborene Tochter eines deutschen Ingenieurs, der um 1900 in das Land kam, um dort zu arbeiten. Nadja heiratet den Deutschen Anton und bekommt zwei Kinder, Senta und Peter. Sie ist Schauspielerin an einem Theater, das von einem Deutschen geleitet wird eine überzeugte Kommunistin. So trifft es sie hart, als die Familie Ende der dreissiger ins faschistische Deutschland ausgewiesen wird. Sie bleibt dort ewig fremd und bewahrt bis zum Lebensende ein Bild von Stalin auf, den sie bis zuletzt verehrt. Ihr Mann Anton arbeitet als Horoskopschreiber bei einer Zeitung und kommt für die Familie auf.

Senta verliebt sich später in Gregor der, überzeugt davon das die DDR das bessere Deutschland sei, nach Ost Berlin auswandert und Senta schwanger zurücklässt. Sie heiratet einen anderen Mann, zieht später mit ihm nach Spanien und erst nach seinem Tod und dem Mauerfall kommt es zu einem Wiedersehen mit Gregor doch die beiden haben keine gemeinsame Zukunft mehr.

Alle drei Frauen sind merkwürdig weltabgewandt, sie überlassen den Männern den Broterwerb so wie Senta ihre Bestimmung darin sieht Hausfrau und Mutter zu sein. Selbst die um 1967 geborene Katharina weiß nach der Schule nichts rechtes mit sich anzufangen aber sie spielt obsessiv Klavier und wird schließlich Pianistin. Trotzdem sind es keine schwachen Frauen, ganz im Gegenteil. Das Glück der weiblichen Zikaden besteht eben darin, den Männern die gefährlichen Seiten des Lebens - die Paarungsrufe locken auch Fressfeinde an - zu überlassen und mit einer gewissen Passivität länger zu leben. Kein zeitgemäßes Frauenbild vielleicht und es gibt durchaus noch ein paar Schwächen in diesem Roman. So verzettelt sich die Autorin etwas mit der zeitlichen Abfolge die nicht ganz stimmig ist in Bezug auf das Alter der Figuren. Sprachlich ist es jedoch ganz toll und die psychologische Figurenzeichnungen sind ebenfalls sehr gelungen und der Text hat Tiefe. Es lohnt sich, das Buch zu lesen.


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