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Rezensionen verfasst von
Oliver Völckers (Berlin, Deutschland)
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Warum fragt uns denn keiner?: Schüler sagen, was in der Schule falsch läuft
Warum fragt uns denn keiner?: Schüler sagen, was in der Schule falsch läuft
von Melda Akbas
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen Unreif, 12. Juni 2013
Die Autorin ist Jurastudentin und hat sich Gedanken zum Thema Schule gemacht, aber dabei ist nicht viel herausgekommen. Keine neuen Ideen, kein Standpunkt. Schade.

Ein paar Zitate verdeutlichen das am besten:
"Wir sollten aufhören mit dem Reformieren. Das, was wir bisher als Reform mitgemacht haben, war nicht gut. Wir müssen uns was Neues überlegen." (S. 207).
"Mir kam die Idee eines Richtlinienvorschlags. Vor Kurzem habe ich in einer Kanzlei ein Praktikum zum Europarecht gemacht... Es gäbe eine Richtlinie... nach der gesetzten Frist kann sich jeder ... auf diese Richtlinie berufen. Jeder kann einklagen, ein Mindestmaß an Bildung zu bekommen. Den Bildungsanspruch einklagbar machen. Eine traumhafte Vorstellung!" (S. 208/9)

"Ein zweigliedriges System ist richtig. Das Gymnasium soll aber auch nicht abgeschafft werden... Eine Gesamtschule ist aber genauso wichtig." (212)
"Der Weg von der Sekundarschule zum Gymnasium darf nicht zum unerreichbaren Traum werden, sondern muss realistisches Ziel bleiben!" (213)
Anscheinend hat Melda Akbas die Berliner Schulreform von 2010 nicht verstanden, die nach einer aktuellen Umfrage 80% der Schulleiter und 65% der Eltern positiv beurteilen: Die Berliner Sekundarschule ist kein zweitklassiger Ersatz, sondern für viele die Wunsch-Schule, weil dort grundsätzlich jeder dort Abitur in 13 Jahren machen kann.

Zum Thema Migranten: "Vielleicht müsste man, so blöd es klingen mag, einen Höchstprozentsatz von Migranten festlegen. Hat man diese Grenze einmal gesetzt, werden sich viele Probleme von alleine lösen." Das steht wirklich auf Seite 218.

Wer ein kompetentes Buch zum Thema Schule sucht, lese lieber Was wir unseren Kindern in der Schule antun: ... und wie wir das ändern können

The Believing Brain: From Ghosts and Gods to Politics and Conspiracies---How We Construct Beliefs and Reinforce Them as Truths
The Believing Brain: From Ghosts and Gods to Politics and Conspiracies---How We Construct Beliefs and Reinforce Them as Truths
von Michael Shermer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Warum das Gehirn glauben möchte, 11. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Der kalifornische Wissenschaftsjournalist Michael Shermer untersucht in diesem Buch, warum Menschen an Dinge glauben, die mal real existieren und manchmal auch nicht (Religion, Verschwörungstheorien). Er beschreibt psychologische Mechanismen und beschäftigt sich mit Erkenntnistheorie.

Das menschliche Gehirn versucht ständig, in einer chaotischen Welt Muster zu erkennen ("Patternicity"). Dies ist notwendig zum Überleben in einer unübersichtlichen und gefährlichen Welt. Diese Tendenz zur unzulässigen Verallgemeinerung führt zu Fehlern wie Vorurteilen und Aberglaube, aber diese sind immer noch besser als eine Orientierungslosigkeit, die ein Handeln unmöglich machen würde.

Von daher machen wir dauernd unsichere Annahmen über das Verhalten anderer Menschen und die Natur. Meistens geht das gut, wenn nicht, haben wir uns eben geirrt und wenn möglich korrigieren wir uns. Menschen fühlen sich aber sehr unwohl, wenn sie etwas nicht wissen, z.B. wie die Welt entstanden ist. Da hilft Religion, denn selbst wenn deren Antworten unbefriedigend sind, ist das immer noch besser als nichts. So erklärt es jedenfalls Michael Shermer.

Wenn wir uns einbilden, für unser Denken und Verhalten vernünftige Gründe zu haben, ist das eine Täuschung. Wir manipulieren unser eigenes Denken und unsere Erinnerungen, um sie konsistent und erträglich zu halten: "Smart people believe weird things because they are skilled at defending beliefs they arrived at for non smart reasons" (S. 43)

Shermers Erklärungen für Religion sind einleuchtend, aber nicht neu im Vergleich etwa zu Ludwig Feuerbach oder Bertrand Russell. Shermer geht weiter und erklärt auch politische Haltungen mit psychologischen Faktoren und Tradition. Das erklärt aber nicht plötzliche Änderungen bei Revolutionen wie 1918 oder 1989. Außerdem bringt es der Autor anschließend fertig, seine eigene konservative Weltsicht ("Libertarian") als die einzig vernünftige und wissenschaftliche darzustellen. Damit tappt er in genau die intellektuelle Falle, die er vorher beschrieben hat.

Ein weiterer Gehirn-Mechanismus ist die "Agenticity", d.h. die Zuschreibung von menschlichen Absichten zu unerklärbaren Prozessen. Das kann ein Regengott sein, oder eine Verschwörung zur Ermordung John F. Kennedys. Komplizierte Entwicklungen werden plausibel, wenn wir geheimnisvolle Strippenzieher vermuten können. Entsprechend rechnet der Autor mit den zahlreichen 9/11 Verschwörungstheorien ab. Dabei macht er jedoch den Fehler, die offizielle Darstellung der Ereignisse vom 11. September 2001 zu verteidigen. Seriöser wäre es m.E., wenn er gemäß seiner eigenen Philosophie offene Fragen als solche benennen würde. Es ist seriöser zu sagen "Ich weiß es nicht", als einfach der Regierungsversion zu folgen. Am Schluss erklärt der Autor überzeugend die wissenschaftliche Denkweise und erklärt deren historische Entwicklung.

Für mich verbraucht Michael Shermer zuviele Seiten mit dem Kampf gegen Religion und mit gehirnbiologischen Einzelheiten. Alle wesentlichen Aussagen hätten in ein halb so dickes Buch gepasst. Trotzdem ist das Buch ein Gewinn, um die Sichtweise sog. "Skeptiker" kennenzulernen, und um das eigene Denken zu reflektieren.

Die Billig-Macher: "Mit freundlichen Grüßen aus Brechen"
Die Billig-Macher: "Mit freundlichen Grüßen aus Brechen"
Preis: EUR 2,99

4.0 von 5 Sternen So läuft's hinter der Fassade der Discounter, 9. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Der Autor hat sich bereits mit seinen Büchern über Aldi wie Aldi - Einfach billig: Ein ehemaliger Manager packt aus einen Namen gemacht. Hier erweitert er seinen Horizont und bringt Geschichten von netto, Fressnapf, Edeka und anderen Einzelhändlern in Deutschland. Nicht so spannend wie Günter Wallraff, aber er bringt dennoch Licht ins Dunkel.

Wie sind die Arbeitsbedingungen im Handel, welchem Druck sind die Beschäftigten ausgesetzt und wie können sie ihre Rechte durchsetzen? Dies ist das Thema des elektronischen Büchleins. Es zeigt sich, dass viele Angestellte nicht wissen, welche Rechte sie haben und wie sie sich gegen Vorgesetzte behaupten können. Solange sie alleine kämpfen, haben sie kaum eine Chance. Deshalb ist es um so wichtiger, dass ein erfolgreicher Autor wie Andreas Straub die Methoden öffentlich macht.

Es zeigt sich, dass Aldi im Vergleich zu anderen Händlern keineswegs schlecht abschneidet. Niedriglöhne gibt es eher woanders. Politisch ist das Buch eher schwach, und es bringt auch keine Rechtsberatung und keine Lösungsvorschläge. Dies sind einfach nur Erfahrungsberichte, aus denen die Leser ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen können.

Mittelfristig wäre es gut, wenn die Qualität der Arbeitsbedingungen bei verschiedenen Firmen bekannt wäre. Ebenso wie viele andere würde ich eher dort einkaufen, wo Beschäftigte fair behandelt werden. Dieses Büchlein ist ein erster kleiner Schritt in diese Richtung.

Wer dieses Buch mag, interessiert sich vielleicht auch für »Emmely« und die Folgen: Über kleine »Siege« dank großer Solidarität

Inside Aldi. Rowohlt E-Book Only: Tricksen, Vertuschen, Weitermachen
Inside Aldi. Rowohlt E-Book Only: Tricksen, Vertuschen, Weitermachen
Preis: EUR 1,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Arbeitsbedingungen bei Aldi, 9. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Fortsetzung von Aldi - Einfach billig: Ein ehemaliger Manager packt aus ist wieder eine polemische Kritik an den Arbeitsverhältnissen bei Deutschlands größtem Discounter. Spannend zu lesen und aufschlussreich, aber natürlich völlig einseitig aus Sicht der Beschäftigten. Vom Umfang eher eine Broschüre als ein Buch.

Angesichts der Geheimnistuerei des Konzerns ist es großartig, dass sich ein ehemaliger Mitarbeiter daran macht, das Betriebsklima und die Arbeitsmethoden bei Aldi transparent zu machen. Natürlich ist dieses Buch eine Ansammlung von, sagen wir mal, Tratschgeschichten. Aber damit muss ein Konzern leben.

Viele vom Autor empört vorgebrachte Stories sind aus meiner Sicht wenig ehrenrührig für das Unternehmen. In einem Aldi-Lager hat es mal Ratten gegeben, die wurden totgemacht und dann waren sie weg, was soll's. Wenn ein Kritiker nichts Schlimmeres findet, dürften die Abläufe und die Produktqualität ganz okay sein.

Kritischer ist für mich als Kunden die Behinderung von Betriebsratswahlen. Arbeitszeitgesetze und Tarifverträge sollten heutzutage selbstverständlich sein. Aldi ist hier kein Vorbild, sollte und könnte es aber angesichts einer hervorragenden Organisation aber werden. Aldi könnte in Sachen Gewerkschaften von Firmen wie VW und BMW lernen.

Natürlich ist Aldi nur EIN Discounter. Die Verhältnisse im Einzelhandel insgesamt beleuchtet der Autor in seinem nachfolgenden Buch Die Billig-Macher: "Mit freundlichen Grüßen aus Brechen".

"Arschtritt": Mein Weg aus der Depression zurück ins Leben
"Arschtritt": Mein Weg aus der Depression zurück ins Leben
von Holger Senzel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bescheidene Erkenntnisse, 5. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ein großer Schritt für ihn, ein kleiner für die Menschheit: Holger Senzel hat sich als Selbst-Therapie ein Aktivitäts-Programm verordnet, das ihm mehr geholfen hat als diverse Therapien. Das ist schön für ihn und man kann ihm zu diesem Erfolg nur gratulieren.

Deswegen ist das aber noch lange kein interessantes Buch. Mir wurde mal erklärt, man könne Depressive daran erkennen, dass ihr Lieblingswort "ich" lautet. Nach diesem Kriterium ist der Autor noch nicht ganz geheilt: Das Buch ist eine permanente Selbst-Beschäftigung, die soziale Interaktion kommt zu kurz. Ob seine Erkenntnisse anderen Betroffenen helfen, kann ich nicht sagen. Ich hatte das Buch gekauft und gelesen, weil ich den Autor in einer Talkshow überzeugend fand; dagegen finde ich sein Buch eher schwach.

Auf der letzten Seite (224) fasst der Autor zusammen: "Den Schlüssel zu meinem Herzen ... finde ich nicht durch das Graben in der eigenen Seele. Sondern durch offene Augen und das Interesse an anderen Menschen." Schön gesagt. Andere Menschen kommen in früheren Jahren zu dieser Einsicht und sparen sich manche Umwege.

Fazit: Ein tolles Buch für den Autor, aber für die Leser weniger.

Panasonic EW-DS11 Elektrische Reisezahnbürste/Schallzahnbürste für unterwegs, rot
Panasonic EW-DS11 Elektrische Reisezahnbürste/Schallzahnbürste für unterwegs, rot
Preis: EUR 23,76

1.0 von 5 Sternen Schick, aber unbrauchbar, 5. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das Gerät sieht sehr elegant aus, vibriert aber nur schwach. Kein Vergleich zu echten Schallzahnbürsten etwa von Philips oder Braun Braun Oral-B Pulsonic Slim Elektrische Schallzahnbürste, die natürlich viel mehr kosten.

Handarbeit ist also erforderlich. Das wäre ja noch kein Problem, wenn die Bürste etwas taugen würde. Tut sie aber nicht, es handelt sich eher um ein Spielzeug für die Puppenstube. Im Ergebnis ist das Zähneputzen mühsamer als mit einer gewöhnlichen, nicht-elektrischen Zahnbürste.

Das Produkt ist also überflüssig. Rückgabe ist aus hygienischen Gründen nicht möglich. Schade, ein Fehlkauf. Von Panasonic hätte ich mehr erwartet.

Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft
Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft
von Gerd Gigerenzer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Statistik für Fortgeschrittene, 2. Juni 2013
In diesem Buch erklärt der Psychologie-Professor, wie wir Alltagsgefahren vorbeugen und statistische Aussagen verstehen können. Anders als der Titel es erwarten ließe, bietet er aber keine Hilfe für eine schwierige oder gefährliche Entscheidungsfindung.

Nach einem ersten Teil zur Psychologie des Risikos widmet sich der Autor Fragen der Partnerwahl, der Medizin und den Finanzen. Manche Erkenntnisse sind verblüffend, so etwa Gigerenzers Erklärung, warum Flugzeuge sicherer wären als Krankenhäuser: a) die hierarchische Struktur in Krankenhäusern ist kontraproduktiv, b) die Ärzte stürzen nicht mit ab wie die Flugpassagiere und c) Todesfälle verteilen sich und kommen daher nicht in die Nachrichten (S. 76). Gigerenzer erklärt, dass manche Ängste genetisch zwar nicht vorprogrammiert, aber vorbereitet sind, sodass Kinder eher Angst vor Spinnen haben als vor Steckdosen (107).

Weil das Buch des deutschen Autors aus dem Englischen übersetzt wurde, liest es sich mitunter etwas holperig, schade. Wissenschaftlich ist trotz der vielen Fußnoten manches schwach argumentiert. So zitiert er sich wie in Kapitel 6, Fußnote 1 mal eben selber oder es finden sich wie Quellen wie "FAZ vom 4. Juni 2011". Auch die verharmlosende Einschätzung von Rinderwahn (BSE) ab S. 300 finde ich fragwürdig.

Die Erklärungen zu Krebs-Vorsorgeuntersuchungen sind dagegen brillant und überzeugend. Auch Gigerenzers übrige Aussagen zu Gesundheitsthemen sind sehr nützlich. Jeder sollte verstehen, dass eine gestiegene Überlebenswahrscheinlichkeit durch Früherkennung zustande kommen kann, ohne dass irgend jemand geheilt worden wäre.

Manches ist mathematisch anspruchsvoll und setzt besonderes Interesse voraus. Wer davor nicht zurückschreckt, kann mit diesem Buch die eigene "Risikokompetenz", wie der Autor es nennt, deutlich erweitern.

Philips HX5350/02 Sonicare CleanCare Elektrische Schall-Zahnbürste, grün/weiß
Philips HX5350/02 Sonicare CleanCare Elektrische Schall-Zahnbürste, grün/weiß
Preis: EUR 34,89

4.0 von 5 Sternen Robust und gründlich, aber hohe Folgekosten, 2. Juni 2013
Die Philips Sonicare HX5350 unterscheidet sich von anderen Schallzahnbürsten durch die Mechanik des Bürstenkopfes: er wird nicht lose aufgesteckt, sondern zusammen mit einem Teil des Antriebs aufgeschraubt. Das erhöht die Folgekosten, weil u.a. ein Gestänge mit Permanentmagnet mit jeder Bürste erneuert werden muss. Andererseits ist die Zahnbürste dadurch mechanisch wesentlich stabiler, vibriert stärker als andere und putzt dadurch auch gründlicher.

Bei einer Lebensdauer von 2-5 Jahren und zwölf Ersatzbürsten (Wechsel alle drei Monate empfohlen) kostet dieses Modell daher insgesamt rund 35 + 12 x 10 = 155€. Andere Schallzahnbürsten wie Panasonic EW1031 Elektrische Schallzahnbürste kosten über den gleichen Zeitraum nur rund 50 + 12 x 3,5 = 92€. Somit gehört dieses Philips Modell langfristig eher zu den teuren Exemplaren.

Außerdem ist dieses Gerät familienuntauglich, weil der Bürstenkopfwechsel zu umständlich für den täglichen Gebrauch ist. Die Verarbeitung ist schlicht, aber in Ordnung. Es gibt keine Sonderfunktionen, nur einen einfachen Ein/Ausschalter und eine kräftige blinkende Ladeanzeige.

Wer die Zahnbürste alleine nutzt, ist damit gut bedient.

Enteignet: Warum uns der Medizinbetrieb krank macht
Enteignet: Warum uns der Medizinbetrieb krank macht
Preis: EUR 15,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 29. Mai 2013
Dieses Buch hält nicht, was es verspricht, aber die Vielfalt der darin vertretenen Meinungen von zahlreichen Autoren liefert dennoch wichtige Einblicke.

Zunächst einmal ist das Buch gar nicht von Sonia Mikich allein geschrieben. Von vierundzwanzig Kapiteln sind neunzehn namentlich von anderen gekennzeichnet. Die restlichen fünf Beiträge sind laut Inhaltsverzeichnis von Sonia Mikich geschrieben. Das ist ja okay, aber warum firmiert sie dann nicht als Herausgeberin?

Zumal ausgerechnet die schwächsten Kapitel von der Autorin auf dem Titel stammen. Gleich der erste Beitrag "Chronik eines Krankenhausaufenthalts" zeigt, wie man sich als Patientin nicht verhalten sollte. Gegen den Rat der Ärzte nach Hause wollen, dann doch wieder ins Krankenhaus und sich wundern, dass das Personal genervt ist? Immerhin hat diese Erfahrung Sonia Mikich dazu gebracht, sich gründlicher mit dem Thema Gesundheitssystem zu beschäftigen und dieses Buch zu schreiben. Ihre Kritik an Krankenhaus-Privatisierungen und an überteuerten privaten Kassen leuchtet ein.

Ansonsten scheint hier ein grundlegendes Missverständnis bezüglich der Arbeit von Medizinern vorzuliegen. Der Körper ist keine Maschine, die von Profis immer repariert werden kann, wenn sie keinen Fehler machen. Insofern gehen fehlgeschlagene Behandlungen nur selten auf Kunstfehler zurück. Glück ist, ob es uns gefällt oder nicht, auch beim heutigen hohen Stand der Medizin ein wesentlicher Faktor, die Psyche auch. Natürlich gibt es Schlamperereien mit entsetzlichen Folgen, aber gibt es davon in Deutschland heute mehr als früher, oder mehr als woanders? Die im Buch gelobten USA sind hier kein Vorbild, wie Michael Moore in Sicko [2 DVDs] zeigt. Im krampfhaften Bemühen um einen Skandal greift die Autorin in meinen Augen zu ungerechtfertigten Verallgemeinerungen.

Die kompetenten Beiträge von Autoren wie Jan Schmitt und Ursel Sieber gleichen solche Schwächen aus. Die Artikel von Friedhelm Hengsbach und Peter Sawicki sind großartig. Dann wiederum prahlt ein Dr. Martin Friedrichs mit dem Namen einer prominenten Patientin, in meinen Augen für einen Arzt eine Unmöglichkeit. Das hätte der Herausgeberin oder zumindest dem Lektorat auffallen müssen.

Insgesamt ein buntes Gemisch mit mehr oder weniger lesenswerten Erfahrungsberichten und Meinungen zur aktuellen Gesundheitspolitik und der Situation an Krankenhäusern.

Gather Together in My Name
Gather Together in My Name
Preis: EUR 6,18

5.0 von 5 Sternen Überleben unter unmöglichen Voraussetzungen, 29. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gather Together in My Name (Kindle Edition)
Dieser zweite Teil der Autobiografie liest sich genauso spannend wie der erste I Know Why the Caged Bird Sings. Das Buch beschreibt das Leben als junge Erwachsene mit einem Kleinkind, in einem Umfeld von Drogen und Prostitution und angesichts dessen erstaunlich wenig Gewalt.

Maya Angelou vollbringt die großartige literarische Leistung, die Naivität und Unwahrhaftigkeit ihrer damaligen Lebensphase ganz beiläufig und selbstverständlich erscheinen zu lassen. Das ständige Leben mit Lügen wirkt als Überlebensstrategie in einer gefährlichen und unsicheren Welt ohne planbare Perspektive.

Was Maya Angelou damals (Anfang der 1960er Jahre) erlebte, ist für sich nicht spektakulär. Es gab und gibt Millionen solcher Schicksale. Herausragend ist, wie sie es beschreibt und lebendig macht. So gibt sie Menschen eine Stimme, die normalerweise nicht zu hören ist.

Trotz der zum Teil schwierigen Sprache (Jargon, der nicht im Wörterbuch steht) lesenswert.

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