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Rezensionen verfasst von
Bjrn (Osnabrück Deutschland)

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Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott
Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott
von William Paul Young
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einladung zu Innerer Arbeit, 11. Februar 2013
Auch mir ist es beim Lesen (an einem Wochenende) so ergangen, dass sich vielfältige Ebenen in mir geöffnet haben; schmerzhafte und auch ergreifend schöne Emotionen mit vielen Tränen machten die Lektüre zu einer bewegenden inneren Reise.
Die Thematik eines Menschen, welcher sein Kind durch ein Gewaltverbrechen verloren hat, wird besonders Eltern bis ins Mark erschüttern - so ist es auch mir ergangen. Und das ist auch gut so : verhilft es uns doch, tiefer in uns selber zu schauen, näher an unseren Schmerz, an unseren Zweifel und an unsere Beziehung mit dem All-Einen zu gelangen. Also in unsere innere Hütte zu gehen, in welcher die Innere Arbeit getan werden kann - jenseits von innerlich festgefahrenen Gedankenmustern.
Als ursprünglich christlich geprägter Mensch ist mir die theologische Basis des Autors nicht fremd und ich begrüße dieses Buch als einen enormen Schritt in Richtung eines Christentums, welches die Erfahrung von Gott, unsere teilweise duch zwei Jahrtausende fest und steif gewordenen Auffassungen aufweicht, erweitert. Erweitert - um Gott - das große liebende Eine, im Herzen zu erfahren, wie es schon Goethe im Faust ausdrückte :"Erfüll dein Herz davon so groß es ist, und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist, dann nenn es, wie du willst..."
In diesem Zusammenhang möchte ich etwas erwähnen, worüber ich öfters beim Lesen gestolpert bin : Wir Menschen haben unsere Auffassung von Gott so häufig aus unserern begrenzten menschlichen Erfahrung heraus entwickelt : Räumt dieses gute Buch auch mit Vorstellungen vom strafenden, beleidigten, streng-Erwartungsvollen, auf Regeln pochenden Gott auf, so taucht doch regelmäßig trotz teils anders lautender einzelner Sätze die für mich schmerzhafte Haltung der TRENNUNG auf. Und zwar der Trennung von Gott, welcher laut Young zwar teilweise in uns selbst erfahren werden kann, wir aber nicht wirklich als ein TEIL von ihm/ihr dagestellt werden. Immer noch wird diese etwas unklare Vorstellung von : "Ich bin hier", "Gott und seine Gnade" ist dort - vermittelt.
Schade finde ich, dass die göttliche Präsenz, diese unendliche Liebe auch in der Dreifaltigkeit als etwas von mir Getrenntes, Begrenztes beschrieben wird. Ein Vater ist immer noch ein Vater, ein Sohn ist ein Sohn - ein Wort, von uns assoziiert mit menschlichen Attributen, aber keine universale Liebe, kein göttliches Sein, von dem wir Teil sind, wie die Finger an meiner Hand zu meinem Körper gehören.
Mehr noch - in verschiedenen religösen/spirituellen Traditionen wie dem Sufismus, dem Buddhismus oder auch der christlichen durch Kontemplation inspirierten Mystik wuchs eine nahezu empirisch gewonnene Erkenntnis, dass Gott, das All-Eine bzw. unser innerer Buddha uns näher ist, "als unsere eigene Halsschlagader".
Und es fällt es mir im übrigen auch schwer, die Ausschliesslichkeit, die Jesus (der mir durchaus als ein Mensch gilt, der eine unendlich nahe Beziehung zu Gott hat, besser ausgedrückt sich seiner Zugehörigkeit in Gott vollkommen bewußt ist)zugeschrieben wird, nachzuvollziehen. Zitat am Ende des Buches : " Und eines Tages, wenn alles offenbart wird, werden wir alle niederknien und mit der Kraft Srayus (der Heilige Geist) bekennen, dass Jesus der Herr der gesamten Schöpfung ist, zum Ruhme Papas.
Es irritiert mich wenn von einem "Herren" die Rede ist, dem exklusiven Sohn, und es braucht schon gar keinen "Ruhm". Ruhm - ein Attribut, dass eher einem menschlichen (Feld-) Herren ziemt, als dem unendlichen, göttlichen " Wesen das alles in sich und durch sich hervorbringt" . Solche Worte bschränken unsere Wahr-Nehmung des göttlichen Seins, welches alles liebevoll durchwebt, jenseits aller alltäglichen Begrifflichkeit!
Im Vergleich zu diesem Buch vermögen die "Gespräche mit Gott"-Bücher von Neal Donald Walsch,im Besonderen das letzte Werk "Zuhause in Gott", uns - mich zumindest, vollständig mit jeglicher Auffassung von Getrennt-Sein zu versöhnen.
Dieses Buch empfehle ich jedoch trotz aller Kritik weiter, es setzt so wertvolle Impulse, regt zum Denken und Fühlen an, bringt uns ein Stück Versöhnung und Gotteserfahrung in unsere Herzen. Es regt die innere Dialektik von Zweifeln, Demut, Selbstüberschätzung, Vorstellungen/Glaubenssätzen und spiritueller persönlicher Erfahrung auf äußerst fruchtbare Weise an.
Ein Geschenk!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2014 4:11 AM CET


Der schwedische Reiter: Roman
Der schwedische Reiter: Roman
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst dichter, mitreissender historischer Roman, 24. September 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der schwedische Reiter: Roman (Taschenbuch)
Der schwedische Reiter von Leo Perutz ist einer jener Romane, welche mich dermaßen gefesselt haben, dass es mir schwer fiel, die Lektüre auch nur kurz zu unterbrechen - zu dicht, zu gewaltig ist die Kraft dieser meisterhaften Erzählung.
Schon nach wenigen Zeilen wird der Leser wie durch einen magischen Strudel hinab in jene teils unheimliche, raue und dabei doch so sehr menschliche Welt hinab gesogen, eine Welt, welche uns ängstigt und fasziniert und zutiefst bewegt.

Die Anfang des 18. Jahrhunderts spielende Handlung wird nicht einfach chronologisch abgerollt, nein - Perutz versteht es, gezielt die verschiedenen Ebenen der Zeit einzusetzen wodurch dem Leser zum Bewusstsein gelangt, dass unsere Existenz ebenfalls keinen einfachen Ablauf der Zeit darstellt, sondern all unsere Taten, Gedanken und Gefühle, welche mit denen der anderen Menschen verquickt sind, im Grunde genommen ein Sein sind, alles in einem Augenblick geschieht . Wie die Protagonisten in diesem Buch, so erscheint dem Leser ebenfalls sein Leben eingebettet in ein gewaltiges Schicksal zu sein, dem wir uns sowohl hingeben können, als uns auch aufbegehrend entgegenstemmen können, mit fraglichem Erfolg...
Im Vordergrund steht das Leben eines Mannes, zunächst namenloser Dieb und zutiefst verzweifelt, welcher dann durch den glücklichen Tausch der Identität mit einem Adeligen ganz aus seiner alten Rolle hinaus steigt und sich alsdann listig und überlegen in der Rolle eines Meisterdiebes und späteren Gutsherren zurecht zu finden vermag.
Durch beherztes Handeln gelingt es ihm nun, viele Gefahren zu meistern, mit Dreistigkeit und Schläue seinen Feinden immer wieder ein Schnippchen zu schlagen ohne dabei das aus dem Auge zu verlieren, worauf es ihm letztlich ankommt : ein friedliches, gutes Leben zu führen, frei zu sein und - zu lieben.
Das Ganze spielt vor dem Hintergrund einer gnadenlosen und beängstigenden herrschaftlichen Macht, welche in Form des erbarmungslosen Krieges, als auch in den entsetzlichen Minen des grauenhaften Bischofs, gleich dem Vorhof zur Hölle, die Menschen verheizt, zermalmt. Die Existenz der Protagonisten ist ständig gefährdet, nicht viel zählt ein menschliches Leben, schon bald wird es wieder ohne Erbarmen im Staub zertreten. Auch Unwetter, Stürme, unwirtliche Winterkälte bilden eine Kulisse, vor der die menschliche Verletzlichkeit ergreifend zu Bewußtsein kommt.
Im Kontrast dazu erscheinen manche Handlungsstränge, welche uns unversehens in eine ländliche, bäuerliche Idylle oder eine menschliche (Liebes-)Beziehung versetzen, als geradezu paradiesisch, Insel eins fragilen Glückes. Die Vergangenheit ist jedoch beunruhigend zu spüren - wird sie unseren Helden eines Tages wieder einholen?
Die gefeilte, alt und geheimnisvoll klingende Sprache, welche so gar nicht ins 20. Jahrhundert passt, tut ihr Übriges um das bewegte Leben dieser tragischen Protagonisten, welche uns trotz ihrer ansich recht vagen Beschreibung lieb werden, plastisch und ergreifend vor uns auszubreiten.
Auch nach dem zweiten Lesen bleibe ich als Leser "mit bangem Herzen" zurück, frage mich, welchen Punkt Perutz in meiner Seele so dermaßen getroffen hat.
Ist's die Erfahrung bedingungsloser Liebe? Ist's der Funke Leben, der auch in widrigster Erfahrung weiterlebt, weiterbesteht über den Tod hinaus? Ist es die Traurigkeit, das Leiden an einer Welt, die (scheinbar) unserem Sehnen keine Erfüllung zu schenken vermag - der Schmerz der Vergänglichkeit, des Verlusts?
Oder ist es die Ahnung, dass alles seinen guten Gang geht, dass letztlich nichts, kein Mensch und keine Liebe - je verloren gehen kann?


Die Häfen der Levante: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Häfen der Levante: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Amin Maalouf
  Taschenbuch

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr berührende Lebensgeschichte - Literatur vom Feinsten!, 12. Mai 2007
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieser Roman von Amin Maalouf reiht sich hinsichtlich des hohen Niveaus (Sprache und Anspruch), des Tiefgangs und der Unvorhersehbarkeit der Handlung ein in die Reihe der überiegen Werke dieses so begnadeten Autors.

Auch nutzt Maalouf wieder so gekonnt die Ich-Erzählperspektive, die den Leser/die Leserin so unmittelbaren Anteil an dem so bewegendem Schicksal des Erzählers nehmen lässt.

Die Geschichte ansich ist wieder einzigartig : Ossyan Ketabtar erzählt einem weiteren Ich-Erzähler im Paris der 80er Jahre sein Leben, welches etwa Fünfzig Jahre vor seiner Geburt im türkischen Herrscherhaus begann. Er selbst kommt etwa 1920 in Beirut als Enkel der geistig verwirrten Iffet (Die Tochter des ehemaligen Sultans) auf die Welt. Hohe Bildung, Liebe zur Kunst und zum Freidenkertum zeichnen sein Zuhause aus. Er nimmt dadurch an teils konspirativ anmutenden Zusammenkünften teil, erfährt die Freundschaft seines türkischen Vaters mit dem armenischen Großvater (was ein typischer Zug von Maalouf ist : In seinen Büchern zelebriert er immer wieder die Überwindung erbitterter Feindschaften zwischen Völkern oder Religionen - durch Freundschaft und Liebe)und wächst zu einem hochintelligenten jungen Mann heran, der sich vor Beginn des zweiten Weltkrieges nach Frankreich aufmacht, um dort Medizin zu studieren. Doch die umwerfenden Ereignisse dieser Zeit treiben ihm einem anderen, unerwarteten Schicksal zu - was er als Aktivist der Rèsistance, später zwischen den Fronten des arabisch-israelischen Krieges 1948 und mit seiner geliebten Frau erlebt will ich Dir, werter zukünftiger Leser dieses so guten Romans nicht verraten. Es sei nur gesagt, dass sich vor uns ein wahrlich bewegtes Leben ausbreitet, mit wiederum unerwarteten, ja unerhörten Geschehnissen und Tragödien.

Dies mag sich nun sehr nach einem schon hundertmal gelesenem, nun langweilig erscheinendem Romanplot anzuhören - aber für Maalouf trifft dies auch hier nicht zu - die Erlebnisse Ossians sind im Prinzip gar nicht so spektakulär, nein - sie sind so menschlich, wir als Leser nehmen Anteil an ihm, an seinem Leiden und an seiner Fähigkeit, einen Kern Leben und Wachheit tief in seinem Herzen zu bewahren - auch in Zeiten, wo er seinen Verstand schon lange verloren zu haben scheint. Sie erahnen es vielleicht - das Sujet geistige Erkrankung nimmt einen nicht unerheblichen Teil dieses Romans ein - ein Thema welches der Autor gekonnt und mit viel Einfühlungsvermögen beleuchtet.

Geblieben ist nach dem Lesen dieses Buches neben den lebendigen Bildern einer bewegten Epoche, dem Wert tiefer menschlicher Beziehungen und Gefühle auch eine schwer in Worte zu fassende Botschaft, sie hat etwas mit dem Begreifen von der Schwere und von der Leichtigkeit unseres Seins zu tuen. Nahe am Ende des Romans schreibt er : "Viele, viele Jahre sind vergangen, aber die Zeit ist eine Illusion. Die Vergangenheit, Stunden und Tage und Wochen und Jahrzehnte, ihre Asche ist von immergleicher Dichte. Die kommende Zeit, und sei es in alle Ewigkeit, wird Sekunde um Sekunde gelebt."

Ich kann auch diesen Roman wieder jedem Liebhaber guter, berührender Literatur nur wärmstens ans Herz legen!


Die Häfen der Levante: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Häfen der Levante: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Amin Maalouf
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

5.0 von 5 Sternen Sehr berührende Lebensgeschichte - Literatur vom Feinsten!, 11. Mai 2007
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieser Roman von Amin Maalouf reiht sich hinsichtlich des hohen Niveaus (Sprache und Anspruch), des Tiefgangs und der Unvorhersehbarkeit der Handlung ein in die Reihe der überiegen Werke dieses so begnadeten Autors.

Auch nutzt Maalouf wieder so gekonnt die Ich-Erzählperspektive, die den Leser/die Leserin so unmittelbaren Anteil an dem so bewegendem Schicksal des Erzählers nehmen lässt.

Die Geschichte ansich ist jedoch wieder einzigartig : Ossyan Ketabtar erzählt einem weiteren Ich-Erzähler im Paris der 80er Jahre sein Leben, welches etwa Fünfzig Jahre vor seiner Geburt im türkischen Herrscherhaus begann. Er selbst kommt etwa 1920 in Beirut als Enkel der geistig verwirrten Iffet (Die Tochter des ehemaligen Sultans) auf die Welt. Hohe Bildung, Liebe zur Kunst und zum Freidenkertum zeichnen sein Zuhause aus. Er nimmt dadurch an teils konspirativ anmutenden Zusammenkünften teil, erfährt die Freundschaft seines türkischen Vaters mit dem armenischen Großvater (was ein typischer Zug von Maalouf ist : In seinen Büchern zelebriert er immer wieder die Überwindung erbitterter Feindschaften zwischen Völkern oder Religionen - durch Freundschaft und Liebe)und wächst zu einem hochintelligenten jungen Mann heran, der sich vor Beginn des zweiten Weltkrieges nach Frankreich aufmacht, um dort Medizin zu studieren. Doch die umwerfenden Ereignisse dieser Zeit treiben ihm einem anderen, unerwarteten Schicksal zu - was er als Aktivist der Rèsistance, später zwischen den Fronten des arabisch-israelischen Krieges 1948 und an der Seite seiner geliebten Frau erlebt will ich Dir, werter zukünftiger Leser dieses so guten Romans nicht verraten. Es sei nur gesagt, dass sich vor uns ein wahrlich bewegtes Leben ausbreitet, mit wiederum unerwarteten, ja unerhörten Geschehnissen und Tragödien.

Dies mag sich nun sehr nach einem schon hundertmal gelesenem, nun langweilig erscheinendem Romanplot anzuhören - aber für Maalouf trifft dies auch hier nicht zu - die Erlebnisse Ossians sind im Prinzip gar nicht so spektakulär, nein - sie sind so menschlich, wir als Leser nehmen Anteil an ihm, an seinem Leiden und an seiner Fähigkeit, einen Kern Leben und Wachheit tief in seinem Herzen zu bewahren - auch in Zeiten, wo er seinen Verstand schon lange verloren zu haben scheint. Sie erahnen es vielleicht - das Sujet geistige Erkrankung nimmt einen nicht unerheblichen Teil dieses Romans ein - ein Thema welches der Autor gekonnt und mit viel Einfühlungsvermögen beleuchtet.

Geblieben ist nach dem Lesen dieses Buches neben den lebendigen Bildern einer bewegten Epoche, dem Wert tiefer menschlicher Beziehungen und Gefühle auch eine schwer in Worte zu fassende Botschaft, sie hat etwas mit dem Begreifen von der Schwere und von der Leichtigkeit unseres Seins zu tuen. Nahe am Ende des Romans schreibt er : "Viele, viele Jahre sind vergangen, aber die Zeit ist eine Illusion. Die Vergangenheit, Stunden und Tage und Wochen und Jahrzehnte, ihre Asche ist von immergleicher Dichte. Die kommende Zeit, und sei es in alle Ewigkeit, wird Sekunde um Sekunde gelebt."

Ich kann auch diesen Roman wieder jedem Liebhaber guter, berührender Literatur nur wärmstens ans Herz legen!


Die Botschaft der Baumfrau
Die Botschaft der Baumfrau
von Julia Butterfly Hill
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegendes Zeugnis der Vereinigung von politischem Kampf und Spiritualität, 6. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Botschaft der Baumfrau (Taschenbuch)
Julia's Bericht iheres konsequenten Einsatzes für die Natur und ihrer engen Beziehung zu Luna, einer 60m hohen Redwoodkiefer, auf der sie über zwei Jahre bei Wind und Wetter lebte um sie vor dem Tod durch einen Holzkonzern zu schützen, ist für mich ein solch wichtiger und stark berührender Ausdruck dessen, was uns Menschen tief in unserer Seele mit der lebendigen Welt, in der wir leben und von der wir Teil sind, verbindet.

Viel zu wenig machen wir uns das klar, auch vermisse ich diese Haltung von der Liebe zu allen Geschöpfen und unserer spirituellen Verbundenheit meistens auf Seiten der Umweltbegegungen, während mir manchmal spirituell orientierte Autoren/Bewegungen uns zu wenig zu konkretem Handeln, auch gegen den Widerstand anderer Menschen, die meiner Meinung nach einfach "nicht wissen, was sie tuen", auffordern, bzw. diese Haltung auch leben.

In einem mitreißendem und gut zu lesenden Erzählstil berichtet uns Julia von ihrer persönliche Geschichte, ihrem Elternhaus, iherer spirituellen Lebenshaltung, von ihrem Lebensgefühl auf dem Baum, von ihrer Motivation, sich so leidenschaftlich einzusetzen, von ihren Erlebnissen mit Luna und den Tieren, die auf ihr leben und von den Menschen - von denen, die ihr ablehnend, feindlich und teilweise agressiv begegnen und von denen, die sie unterstützen, die ihr Liebe, Kraft und nicht zuletzt das Nötigste geben, damit ein Mensch in 60 m Höhe Schneetreiben und schwere Stürme überstehen kann.

Ein nicht unwesentlicher Teil des Buches beschäftigt sich zudem mit den politisch-wirtschaftlichen Hintergründen, die zu dem unertäglichem Raubbau an der Natur führen und mit den konkreten politischen und direkten Aktionen, die Julia und ihre Mitstreiter durchgeführt haben.

Bewegend und beispielhaft fand ich auch ihre Haltung z.B. den Holzfällern gegenüber : während sie mit Schmährufen, Beleidigungen, nächtlichen Störlichtern, Musik, etc. mürbe gemacht werden sollte, übte sie sich ihnen gegenüber in bedingungsloser Liebe.

Für mich war der berührenste Moment jene winterliche Sturmnacht, als Julia dem Tod ganz nahe war und sie aufhörte zu kämpfen gegen das scheinbar Unvermeidliche : sie öffnete im Moment höchster Not ihre Seele und konnte Luna's Stimme vernehmen : dass es jetzt Zeit sei, loszulassen, sich vollständig hinzugeben. Sie hat losgelassen und war bereit, zu sterben. Und sie ist gestorben - hat ihren Verstand, ihr Festhalten, ihre Angst und ihr Ego sterben lassen, in völliger Hingabe, hat sich fallenlassen und wurde in den Armen Gottes,in dem unendlichen Kreislauf des Lebens aufgefangen.

Neu geboren, wie wir das von Schamanen kennen, hatte sie nun die Kraft, immer weiterzugehen, sie konnte selbst-bewusst dem Konzern, den zahlreichen Medien verkünden, dass sie nicht eher den Baum verlassen würde, bis Luna geschützt sein würde.

Julia's Tat hat die Menschen weltweit in ihrem Bemühen, auf friedfertige, liebevolle und dabei sehr beherzte und tatkräftige Weise sich für das Leben, für Mutter Erde einzusetzen, sehr bestärkt. Sie selbst setzt sich zurzeit in Equador für den Erhalt des Regenwaldes ein, welcher durch den Bau einer (auch von der der deutschen WestLB finanzierten) Ölpipeline stark gefährdet ist.

Ich kann dieses lebendige Buch jedem ökologisch und spirituell offenem Menschen nur ans Herz legen!


Der Mann aus Mesopotamien: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der Mann aus Mesopotamien: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Amin Maalouf
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als nur ein guter historischer Roman, 2. Oktober 2006
Dieses ist bereits das vierte Buch, welches ich von Maalouf gelesen habe und auch hier fand ich diese hohe Qualität - die niveauvolle Sprache(wenn auch nicht ganz so geschliffen wie in "Leo Africanus"),die spannende Geschichte und die uns bewegende BOtschaft bescheren uns einen Lesegenuss höchster Güte.

Erzählt wird die Geschichte vom Mesopotanier Mani, welcher nach einer entbehrungsreichen Kindheit und Jugend in den engen Grenzen einer der zu diser Zeit (um 240 n. Chr.) häufigen fanatischen Sekten aufbricht um der Welt eine Botschaft mitzuteilen die ihm eine innere göttliche Stimme kontinuierlich mitteilt. Mani gelingt es zeitweise, die Gunst der Herrscher des mächtigsten Imperiums, des Sassaniedenreiches, zu erlangen und kann unter deren Schutz weite Teile des Orients bereisen um zu predigen, zu lehren und um Anhänger zu finden.

Was ist der Inhalt seiner Lehre? Maalouf beschreibt sie als eine Art spiritueller Universalreligion, die jedem Menschen seine eigenen religösen Riten lassen möchte, dabei aber den Kern der Religionen als das göttliche Licht erkennt, nach dessen innerer und äußerer Verwirklichung alle Menschen der Welt trachten sollten. Dabei ist ihm der Frieden bringende Aspekt seiner Botschaft sehr wichtig : Die Mauern, die die Menschen aus Rassismus, Kastenwesen und der Gier nach materiellem Reichtum und Macht zwischen sich ziehen, und das damit verbundene Leid möchte er überwinden um eine neue Gesellschaft ohne Krieg und Unterdrückung zu bauen. Dies zieht natürlich den Groll weiter Kreise der etablierten Eliten auf sich, Feindseligkeit und Heimtücke schlagen ihm entgegen. Mani erkennt, dass die Zeit für eine umfassende Veränderung der menschlichen Gesellschaft hin zur universellen Liebe und Toleranz noch Jahrtausende auf sich warten lassen wird, doch versucht er seine Botschaft in die Herzen derer zu sähen, die bereit sind, sich für diese spirituelle Weisheit zu öffnen, nach ihr zu leben und sie weiter zu geben. Seine Lehre wird allgemein als Manichäismus bezeichnet, sie verbreitete sich während der Spätantike von Spanien bis tief nach Zentralasien, war aber auch teilweise heftigen Verfolgungen ausgesetzt, wie z.B.im römischen Reich und in Persien .Tragische Ereignisse lassen nicht lange auf sich warten, ich will dem aber nicht vorgreifen um die Spannung zu erhalten.

Viel scheint nicht von seiner Lehre bis in unsere Zeit überlebt zu haben, doch ist es uns auch nicht fremd, andere weise Menschen haben uns Ähnliches auch gelehrt und tuen dies auch heute. Egreifend ist der warme Anteil den Maalouf am Leben Manis und an seinem Werk nimmt, somit wird er auch zu einem Botschafter, der weit mehr als einen bewegenden Roman geschrieben hat - ich kann das Buch nur wärmstens empfehelen!


Leo Africanus
Leo Africanus
von Amin Maalouf
  Taschenbuch

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlich und inhaltlich sehr beeindruckender historischer Roman, 17. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Leo Africanus (Taschenbuch)
Auch dieses Buch von Amin Maalouf sticht aus dem üblichen Genre des Historischen Unterhaltungsromans wieder sehr deutlich heraus.

Erzählt wird aus der vom Autor so meisterlich beherrschten Ich-Perspektive das Leben von Hassan al-Wazzan, der später, zumindest zwischenzeitlich, den Namen Leo Africanus angenommen hat.

In Granada/Andalusien 1490 geboren, erlebt er als kleiner Junge die grausame Vertreibung durch die Kastillianer, flieht mit seiner Familie in den Maghreb, wo er in Fes bis zum Alter von ca. 25 Jahren lebt. Er beschreibt seine bewegte Jugend in vielen Detaills, es werden dem Leser viele spannende Einblicke in sein durch den Islam geprägtes Familienleben gewährt, Freundschaften, persönliche Dramen und Abenteuer reissen den Leser in seinen Bann.

Hassan wird ein reicher Händler, erlebt sehr spannende Abenteuer auf seinen zahlreichen Reisen als Kaufmann und als Diplomat und erlfährt dabei immer wieder Erfolg und völligen Niedergang, er verliert alles, muss fliehen um dann wieder vom Glück, bzw. von Gott begünstigt zu werden. Es entstehen nahe und innige Freundschaften die teilweise sein ganzes Leben anhalten, was man von seinen eher tragischen Beziehungen zu Frauen nicht unbedingt sagen kann.

Seine Pilgerreise nach Mekka wird so differenziert beschrieben, seine Gotteserfahrung so bewegend dagestellt, dass für mich als Nicht-Moslem das Verständnis für diesen spirituellen Ausdruck des Islams deutlich gewachsen ist. Maalouf selber ist ebenfalls kein Moslem, sondern Christ, kann aber mit beeinduckendem Einfühlungsvermögen Hassan's religiöse Erfahrung beschreiben.

Dies alles geschieht vor dem geschichtlichen Hintergrund des Siegeszuges des überaus machtvollen Osmanischen Reiches, welches große Teile des Mittelmehrraums vierhundert Jahre bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein beherrschte.

Mit dreißig wird Hassan nach Rom verschleppt und erfährt dort im Vatikan in großer Nähe zu drei verschiedenen Päpsten verschiedene Seiten des damaligen päpstlichen Lebens mit all seiner Verschwendungssucht, Vetternwirtschaft (Kardinalstitel wurden z.B. für viel Geld an eigene Vettern und Günstlinge vergeben) Dekadenz und politischem Machtstreben. Auch hier bewegt er sich zwischen Begünstigung und Ungande. Leo Africanus wird zudem getauft, die für mich einzig nicht so gut nachvollziehbare Szene des Buches, das geht mir zu glatt, zu widerstandslos, da Hassan doch zuvor ein sehr gebildeter und gläubiger Moslem war.

Die durch Luther's Reformation hervorgerufenen politisch/militärischen Unruhen ergreifen schließlich ganz Europa, auch bis nach Rom breitet sich der Krieg aus, Leo muss wieder einmal (nun vor sächsischen (deutschen) Landsknechten) fliehen, wird ihm dies auch diesmal gelingen?

Neben der wirklich spannenden Handlung besticht das Werk zudem durch die hohe Differenziertheit, den großen Humor, die wirklich ergreifenden spirituellen Erfahrungen und Betrachtungen des Protagonisten und nicht zuletzt durch die geschliffene Sprache - so manchen Satz habe ich mir nochmal laut vorgelesen und ihn mir auf der Zunge zergehen lassen.

Nach der Lektüre dieses großartigen Romans hat man allerdings das Problem, dass der eigene Anspruch weiter gestiegen ist und man nicht leicht wieder einen so guten und niveauvollen historischen Roman finden wird. Empfohlen seien hier z.B. die übriegen Werke von Maalouf, Eco's "Baudolino", Pressfields "Königin der Amazonen" und "Sparta" oder Finney's "Glorianas Fackel".


Wissen, dass wir geliebt sind: Das Siegel des Derwischs
Wissen, dass wir geliebt sind: Das Siegel des Derwischs
von Reshad Feild
  Taschenbuch

28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles ist im göttlichen Atem enthalten wie der Tag im Morgengrauen, 1. August 2006
Nachdem ich mit großem Interesse "Ich ging den Weg des Derwisch" gelesen hatte, war ich nach einigen Seiten doch überrascht, wie sehr die Wärme, die Freundlichkeit und die Intensität von Reshads Bericht weiter zugenommen hat.

Kurz zur Handlung der Geschichte : Nach diversen Reisen, u.a. nach Mexiko, wo der Autor beunruhigende Kontakte mit schwarzer Magie hatte, kehrt er, immer noch suchend, in die Türkei zurück, wo er wieder mit seinem verehrtem Lehrer Hamid zusammentrifft. Er lernt, eine Frage zu stellen, eine Frage die äusserst wichtig für seinen weiteren Weg sein wird, die Frage nach dem Geliebt-werden.

Reshad wird von Hamid alsbald wieder zurück nach England geschickt, hier lernt er seine neue Lehrerin Elisabeth kennen, eine alte, weise Frau, voller Verständnis, voller altem, zeitlosem Wissen. Auch begegnet ihm Nur wieder und zwischen ihnen entsteht eine sehr intensive Beziehung, in gegenseitigerAchtsamkeit und dem gemeinsamen Verlangen, Wahrheit zu erfahren, voneinander zu lernen, miteinander zu wachsen.

Die beiden werden wiederum zu John geschickt, einem alten, schwer an Krebs erkrankten Mann, um von ihm zu lernen, um ihn in seinen letzten Tagen dieses Lebens zu begleiten.

Was nun Reschad und Nur von diesem unbeschreiblich liebevollen und klaren Menschen lernen werden, kann ich hier nicht so wiedergeben, es ist zu intensiv, entzieht sich meinen bescheidenen Worten. Elisabeth beschreibt ihn : "John könnte für euch beide ein spiritueller Beschützer sein. Aber ihr müßt zuhören, dienen und sehr viel Einfühlungsvermögen haben. Dann werdet ihr erfahren, wie groß seine Liebe ist. Manchmal liebt er so sehr, wißt ihr, das ich mich frage, ob überhaupt noch etwas anderes in ihm ist."

Die Gespräche der drei sind von solch schöner und reiner Weisheit geprägt, eine Weisheit, die uns zutieft zu berühren vermag, die das Feuer in unseren Herzen entfachen kann - wenn wir uns öffnen, wenn wir uns hingeben.

Vor dem Hintergrund der malerischen Natur - der Fluss schlängelt sich im frühen Morgengrauen durch die gerade erwachende Landschaft während Nur und Reshad durch das feuchte Gras andächtig und in vollstem Bewusstsein von Gottes Gegenwart ihres Weges ziehen - fällt es uns leichter, uns für das grosse Wissen zu öffnen : das Mysterium von Zeugung, Geburt und Tod. Reshad Feild ruft uns auf, aufzuwachen, unser Leben, das JETZT geschieht, mit vollstem Bewusstsein zu leben und dabei die göttliche Bestimmung zu erkennen, anstatt in schlafhaftem Zustand Trugbildern des Verstandes, des Egos nachzueifern und auf Liebe und Wahrhaftigkeit anstatt auf Ablehnung, Stolz und Neid zu setzen. Auch hier fühle ich mich sehr an die Arbeit von Ali Hamid Almaas erinnert, es ist wohltuend zu erfahren, dass sich die Wahrheit immer wieder ihren Weg bahnt und sich in unterschiedlichen, wunderschönen Blüten der Welt schenkt.

Es ist wirklich wichtig, immer wieder das Buch beiseite zu legen um nachzufühlen, was gerade in uns ausgelöst wird, es ist notwendig, zu erforschen wo wir als Leser/Leserin gerade stehen, wohin wir möchten, was uns treibt.

Als John stirb, wird der Augenblick so dermaßen dicht, es ist ein Begreifen möglich, welches unser Gefühl, unser Wissen vom Leben und vom Sterben erschüttern und bleibend verändern kann - es liegt an uns, ob wir dies wirklich wollen, ob wir bereit sind, loszulassen im Einverständnis von Gottes unendlicher Liebe und Schönheit.


Ich ging den Weg des Derwisch: Das Abenteuer der Selbstfindung
Ich ging den Weg des Derwisch: Das Abenteuer der Selbstfindung
von Reshad Feild
  Gebundene Ausgabe

41 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr inspirierender Bericht einer spirituellen Entwicklung, 25. Juli 2006
Dieses wertvolle Buch von Reshad Feild, welches mittlerweile schon zu den Klassikern der spirituellen Literatur gehört, habe ich mit großer innerer Bewegung gelesen.

Dabei war es sehr wichtig, immer wieder Pausen zu machen um das Gelesene wirken zu lassen, bzw. um selbst einige der beschriebenen Übungen zu praktizieren.

Der Bericht (wobei die Sprache und die romanhafte Umsetzung sehr ansprechend sind) beginnt in London : Reshad, ein 34 jähriger Antiquitätenhändler, der sich seit Jahren mit Meditation und Heilung beschäftigt, trifft in einem Antiquitättengeschaft Hamid, einen geheimnisvollen, weisen Türken mit dem ihn bald eine immer enger werdende Freundschaft verbindet.

Nach einigen Monaten fordert Hamid ihn auf, sein bisheriges Leben aufzugeben , alles in London loszulassen und Hamid in die Türkei nachzureisen um sich auf den WEG zu machen.

Reshad geht diesen mutigen Schritt mit der Motivation, mehr über Heilung und spirituelle Techniken zu erfahren, um mit dem gewonnenen Wissen seine Probleme zu lösen und ein erfolgreicher Lehrer der inneren Arbeit zu werden.

Doch schon bald muss er schmerzlich feststellen, dass er damit im Grunde genommen nur sein Ego "spirituell aufblähen" wollte.

In wirklich harten Übungen und Konfrontationen, die Rashid oftmals komplett überfordern, verwirren und zur Verzweifelung treiben, lernt er langsam, seine Ego- Motivationen zu erkennen und teilweise zu transformieren. Er erhält von Hamid neben den besagten Erfahrungen auch immer wieder enorm tiefes Wissen - diese zeitlose Wahrheit vermag auch den Leser zu erschüttern, zu berühren. Der Leser/die Leserin ist aufgefordert, mit sich selbst ebenfalls ins Gebet zu gehen, sich selbst zu prüfen : Was motiviert mich wirklich und wo eifere ich Zielen nach, die nur der Befriedigung, der Bequemlichkeit dienen, aber nicht der Wahrheit, nicht der Erfahrung Gottes und der Verwirklichung Seiner Liebe gewidmet sind?

Reshad beschreibt Erfahrungen von enormer Direktheit und Unmittelbarkeit; sie machen ihm unmissverständlich seine Kleinheit und sein Wissen, dass er nichts weiß, deutlich - er lernt Demut und Hingabe.

Neben den zumeist eher hart anmutenden Erfahrungen mit Hamid berichtet der Autor aber auch von anderen Begegnungen mit einigen Derwischen , welche ihn in einer unbeschreiblichen Intensität die Gegenwart Gottes fühlen lassen, auch in einer von grösster Liebe und Achtsamkeit geprägten zwischenmenschlichen Erfahrung. Erwähnt werden müssen auch die Reshad zutiefst berührenden Begegnungen mit längst verstorbenen Meistern, insbesondere mit dem weisen Mevlânâ. Reshad erlebt sufische Rituale, das Dhikr - die Erinnerung an Gott, er erlernt den Tanz der Derwische, welche in diesem Tanz die Harmonie, die immerwährende Liebe Gottes und Seine unendliche Nähe erfahren : "Gott ist dem Menschen näher als seine eigene Halsschlagader."

Wichtig ist für mich auch der wiederkehrende Hinweis darauf, dass wir mit unserem Verstand sehr begrenzt sind und das Leben ganz direkt unser Lehrmeister ist - wir also uns davor hüten sollten, dieses alte Wissen einfach nur zu konsumieren als geistig/spirituelle Erbauung. Denn dann befinden wir Menschen uns auf dem Holzweg, aber nicht auf dem WEG zu Gott, zu innerem und somit auch zu äußerem Frieden.

Am Ende des Buches spricht Reshad von seiner baldigen Rückkehr nach England - wie wird er mit diesen reichhaltigen Erfahrungen umgehen, wie wird er sie umsetzen ?

Fragen, die dazu anregen, die innere Arbeitbei in sich selbst weiterzuführen, als auch das Nachfolgebuch, "Das Siegel des Derwisch" zu lesen - auch dieses Werk kann ich jedem ans Herz legen, der an wirklicher innerer Wahrheitsfindung und spiritueller Entwicklung interessiert ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2011 8:07 AM CET


Winterspelt
Winterspelt
von Alfred Andersch
  Sondereinband

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnliche, literarisch-experimentelle Arbeit auf hohem Niveau, 9. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Winterspelt (Sondereinband)
Winterspelt - hinter diesem unbekannten Namen verbirgt sich ein unscheinbares Dorf in der Eiffel, ein Ort an dem sich im Oktober 44 - im sechstem Kriegsjahr - ungewöhliche Dinge ereignen. Alfred Andersch lässt in diesem Werk - seinem letzten Roman aus dem Jahre 1974 - seiner literarischen Experimentierfreude freien Lauf um eine Geschichte zu skizzieren, wie sie sich nie zugetragen hat, die er jedoch erfindet, um sich dichterisch verschiedene Möglichkeiten zu erschliessen, wie Geschichte vielleicht auch hätte stattfinden können.
Der Autor lässt den Leser direkt an seinen Überlegungen zum Aufbau dieser Fiktion teilhaben, verschiedenste Gedankengänge, Möglichkeiten und Hintergrundfragen werden offen durchdacht, dann geht die Erzählhandlung wieder weiter. Aber auch die Handlungsabfolge ist alles andere als fliessend : selten, dass der Erzählfluss länger als zwei Seiten anhält, schon schwenkt die Perspektive wieder ins Innenleben eines anderen Protagonisten um, alte Geschichten werden erzählt, bewegende, spannende Geschichten, dann kommt wieder eine eher nüchten verfasste Kurzbiographie um wiederum von einem Gedanken des Autors oder einem Original-Zitat eines Wehrmachtgenerals abgelöst zu werden.
Dennoch gibt es eine zentrale Geschichte : Major Dincklage trägt sich mit dem Gedanken, angesichts des verloren gehenden Krieges sein Bataillon kampflos den Amerikanern zu übergeben. In dieses Vorhaben mit eingewoben sind der amerikanische Captain Kimbrough, der als recht fies und bösartig beschriebene Obergefreite Reidel und drei sehr unterschiedliche Zivilisten - die 24 jährige lebensfrohe Käthe Lenk, der weltfremde, sympathisch-naive Kunstexperte Dr. Schefold, und der ältere Marxist und ehem. KZ-Häftling Wenzel Hainstock, welche miteinander durch recht verschiedene Beziehungen verbunden sind.
Sehr persönliche Themen, Liebesbeziehungen, marxistische Gedanken, künstlerische Betrachtungsweisen, Mut, Liebe und Angst - all diese Stoffe, aus denen menschliche Schicksale gesponnen sind, sind mit diesem gewagten Vorhaben verwoben, bzw. scheinen dieses erst möglich zu machen. Zudem erhält der Leser interessante Einblicke in militärische Struckturen und Umgangsweisen der Soldaten untereinander (Andersch selbst war bis zu seiner erfolgreichen Desertierung im Sommer 44 (siehe "Die Kirschen der Freiheit") Wehrmachtssoldat).
Manchmal klingt auch ein Thema an, welches Alfred Andersch von jeher sehr am Herzen lag : die Frage der Freiheit des Menschen. Was ist wirkliche Freiheit, wo zeigt sie sich? Wann, unter welchen Bedingungen, kann der Ausbruch aus dem Konformen, aus den Automatismen stattfinden?
Das durchaus schwierige Vorhaben der militärischen Übergabe, die verschiedenen Motivationen der Protagonisten werden von allen denkbaren Seiten beleuchtet, menschlilche Wiedersprüche und teils sehr verwinkelte Gedankengänge werden veranschaulicht, diskutiert. Dies gelingt Andersch sehr meisterlich, man kann sich direkt vorstellen, auf welche Weise dieser verschachtelte Roman im Kopf des Autors Gestalt angenommen hat und immer mehr Nebenschauplätze und Betrachtungsweisen in ihm entstanden sind.
Es war aber auch für mich ein Zuviel an Verschachtelung, an Nebenepisoden, an kleinen Geschichten - die Lektüre dehnte sich manchmal doch etwas unangenehm in die Länge; aus der Perspektive des "Unterhaltungswertes" könnte ich nur zwei bis drei Sterne geben.
Die Kerngeschichte ansich, die differenzierte Sprache, der darin mitunter versteckte (Sprach-)Witz, die politische Kritik und nicht zuletzt die tiefere Botschaft des Romans haben mich aber durchaus beeindruckt und ein gewisses Gefühl von "von-der-möglichen-Freiheit-des-Lebens-berührt-sein" in mir hinterlassen, ebenso eine schwer zu beschreibende Art von Traurigkeit,Ergriffenheit - dafür wären sicher fünf Sterne angebracht.
Alles in allem ein wertvolles und beeindruckendes Stück deutscher Literatur!


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