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VSP

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Das Maß der Gerechtigkeit: Bringt unser Land wieder ins Gleichgewicht!
Das Maß der Gerechtigkeit: Bringt unser Land wieder ins Gleichgewicht!
von Paul Kirchhof
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Da nutzt auch keine intellektuelle Leibwache..., 20. Februar 2011
Vorweg: Paul Kirchof ist ein kluger Kopf, der sich, wie er in zahlreichen Vorträgen und Interviews beweist, im gesprochenen Wort klar auszudrücken vermag. Dies gilt leider nicht für dieses Buch.

Gebe es Glückskekse speziell mit wirtschaftlich oder juristischen Botschaften, man könnte getrost beliebig "Das Maß der Gerechtigkeit" aufschlagen und würde rasch fündig werden. Exemplarisch: "Vor Tausenden von Jahren lernte der Mensch, Hütten zu bauen, Früchte zu ernten, das Feuer zu hüten. Er beginnt, im Herbst Äpfel für Winterbedarf aufzubewahren, also zu sparen." oder "Der Bürger träumt vom Gesetz, das wie die naturwissenschaftlichen Gesetze allein aus Erkennen und Wissen folgt"
So richtig diese Sätze in ihrer Aussage sein mögen - so belanglos sind sie, wenn sie nicht erläutert und in einem Kontext gesetzt werden. Dies geschieht im Buch leider nur sehr, sehr selten.

Der Anfang ist schon von daher Problematisch, als dass der Autor sehr schnell Recht mit Gerechtigkeit gleichsetzt, bzw. automatisch voraussetzt, dass Recht das beste Mittel zur Verwirklichung der Gerechtigkeit darstellt. Es erfolgt keinerlei kritisch-theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff und so wird Gerechtigkeit im Ergebnis nur auf die Verwirklichung von Freiheit kapriziert. Dies verwundert kaum, wenn man Kirchofs Auffassung von Freiheit und dem "starken, aber eben schlanken" Staat im Hinterkopf hat.
Im Folgenden wird also nur sehr mittelbar das Maß der Gerechtigkeit als vielmehr unmittelbar das Maß des Rechts in den Fokus genommen.

Nimmt man das Fehlen einer theoretischen Auseinandersetzung hin, werden treffend viele Missstände angeprangert: Das Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich, die Maßlosigkeit der Wirtschaft, Probleme im Steuerrecht, Probleme im wirtschaftlichen Wettbewerb usw. und so fort. Garniert wird das Ganze meist mit Einleitung historischer Rechts- und Gerechtigkeitsprobleme, deren Einweben in den Text zu den besseren Stellen des Buches zählt.

Allein Anprangern hilft wenig, wenn man nicht auch Vorschläge für eine Besserung hat. Leider bleibt es dann meist bei mehr als wagen Aufrufen. Das wirkt insgesamt etwa so, als ob jemand sich ein einem Dorf (laut dem Buch lebt jeder in einem solchen)auf ein Fass stellt, schreit "Lebt gesünder, ihr seid alle zu fett !", dann aber wieder vom Fass runtersteigt uns nichts mehr sagt.

Kommen dann Vorschläge, sind sie entweder von der Realität selbst wiederlegt, mangelnd belegt oder aber schlecht ausgeführt.
So plädiert Kirchof dafür, dass Parteien sich vor der Wahl auf den jeweiligen Koalitions-Partner verbindlich festlegen sollen, damit wieder ordentliche Mehrheiten entstehen können und der Wähler gestärkt wird, indem er nicht bekommt, was er "nicht bestellt" hat. Genau so ist es nun aber de facto geschehen und die derzeitige Bundesregierung hat eine gute Mehrheitsposition. Doch ob die Mehrzahl der Wähler sich nun gestärkt fühlt ? Man darf ernsthaft daran zweifeln, wenn man sich etwa die Laufzeitverlängerungdebatte ansieht.
Und ob die Querelen innerhalb der Regierung durch einen besser vorbereiteten, zeitlich vorverlagerten Koalitionsvertrag aus der Welt geschafft worden wäre ? Auch dies ist angesichts der unterschliedlichen Agenda der beteiligten Parteien wohl mehr als fraglich.
Auch wird stark die Eigenmacht des EuGH kritisiert, der mehr und mehr Kompetenzen an sich binde, obgleich dies u.a. bei Fehlurteilen zu "Ohnmacht" beim betroffenen Bürger führen, der EU vertragswidrig Kompetenzen zuschlagen und es mithin an einer verbindlichen Grundrechtecharta im EU-Vertrag fehlen würde. Dabei bleibt aber fraglich, warum dieses Ohnmachtsgefühl nur Bürger vor dem EuGH betreffen sollte und nicht vor jedem anderen Gericht. Kompetenzwidrige Zuweisung ist auch keine "Sünde", derer sich nur der EuGH schuldig gemacht hat und dem Argument der fehlenden Grundrechte könnte man die mittlerweile verlagerte Verweisung auf die Grundrechte-Charta ins Primärrecht entgegenhalten. Zu all' dem verliert das Buch leider kein Wort.

Selbst bei einem der noch am besten ausgeführtesten Themen, der Einführung eines Mindestgelds für alle, schleichen sich Zitierungsfehler ein, die einfach nicht passieren dürfen. So wird die Behauptung erhoben, dass Gebührenfreiheit für Krippenplätze im Endeffekt eher schädlich als nützlich für einkommensschwache Eltern wären, da sie die Kosten über indirekte Steuern am Ende härter treffen würden, als die Gebühr als solche. Dieser Gedanke mag nicht unplausibel sein, allein, evident ist er nicht und bedarf eines Belegs. Diesen wird man aber vergeblich suchen.

Auch der Stil des Buches trägt nur schwerlich zur Lesbarkeit bei. Oft wird sich eines fast poetischen Stils bemüht, aber Aussagen werden nicht dadurch klarer und wirksamer, wenn sie durch eine Vielzahl synomymer oder gar sich wiederholender Begriffe und Sätze (manchmal auf der selben Seite!)beschrieben werden. Dadurch kommt es auch bisweil zu unklaren Beziehungsverweisen.

Es gebe noch weitere Kritikpunkt, so etwa die teilweise wirklichkeitsfremden, konservativ-bürgerlichen Ansichten, die mancher Beschreibung zu Grunde gelegt werden (inklusive eines, vorsichtig formuliert, sehr konservativen Kulturbegriffes).

Am Ende wird klar: Das Buch tanzt auf zu vielen Hochzeiten, versucht, ein großes abstraktes Problem in zu vielen, konkreten Problemdarstellungen zu erfassen und zu beschreiben. Das kann auf 378 Seiten kaum gelingen, hier gelingt es gar nicht.

Wer sich über Gerechtigkeit informieren will, wird ein Haufen bessere Bücher finden, wer sich mit Kirchofs Standpunkten auseinandersetzen will, dem sei ein Besuch einer seiner Vorträge anempfohlen.


Sherlock Holmes
Sherlock Holmes
Preis: EUR 7,97

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der andere Hans Zimmer, 12. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Sherlock Holmes (Audio CD)
Hanz Zimmer ist ein Phänomen. Immer wenn er Dutzende von Zimmer-typischen, wummernd, donnernden Pompös-Scores, mal gut, mal schlecht, abgeliefert hat, folgt ab und ein ein völlig andersartiges Stück Musik, beispielsweise Muppets Treasure Island oder Black Hawk Down. Bei eben so einem Exemplar handelt es sich bei dem Soundtrack zu Sherlock Holmes.
Ursprünglich sollten gerüchteweise für den Film Stücke verwendet worden, die Zimmer für The Dark Knight komponiert hatte - und wenn dem so ist, kann man dankbar sein, dass Guy Ritchie Zimmer beautragte, was "Eigenständiges" zu komponieren.

Über die Eigenheiten der verwandte Instrumente haben schon andere Rezensenten genug würdigende Worte verloren, was Zimmers Arbeit aber hier gleich doppelt besonders macht, ist, dass sie nicht nur vom "typischen Zimmer" abweicht, sondern dass sie, und das ist wohl zentral bei einer Filmmusik, zu der Besonderheit des untermalten Films genau passt. Der Film zeigt eine andere Art von Sherlock Holmes, ohne aber gänzlich die Wurzeln zu vergessen oder zu verraten. Die Musik, (vermeintlich) passend zur dargestellten Zeit, aber eben genauso temporeich und aufgeladen gleich der modernen Interpretation, unterstreicht diesen Effekt.
Zu Recht war der Score mit dem Oscar nominiert.

Gleich mit "Discombobulate" erklingt das eigentliche Hauptthema, welches diese Wirkung erzeugt und was sich jedem, der den Film gesehen hat, spätestens beim Abspann ins Ohr eingenistet dürfte. Jeder Track lässt sich hören und in den letzten beiden Titeln, vor allem "Pychological recovery... 6 months" hat man quasi den Film in musikalischem Kleinformat, wo sich in einer tour-de-force alle Themen einander die Hand geben.

Es wäre geradezu ironisch, wenn Zimmer, erneut für "Inception" nominiert, mit einem seiner klassischen Kompositionen einen Oscar gewinnt (obgleich Inception auch gut gelungen ist), während diese "Anomalie" leer ausging.
Wer mal nicht den Blockbuster-Hans, sondern den "anderen" Zimmer kennen lernen will, der hat hier eine sehr gute Gelegenheit - und kriegt einen richtig guten Soundtrack dazu.


Alice In Wonderland
Alice In Wonderland
Preis: EUR 22,83

4.0 von 5 Sternen Die Kunst, mit einem Thema ein Album zu füllen..., 12. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alice In Wonderland (Audio CD)
Vom Stil unterscheidet sich der Alice-Soundtrack nicht von anderen Elfman-Kompositionen. Er hat aber insofern eine Besonderheit, dass er quasi nur mit einem einzigen Thema arbeitet, eben "Alice's Theme". Wer dieses bereits nicht mag, der sollte tunlichst die Finger von der Musik lassen.
Für alle anderen und insbesondere für Freunde von Variationen ist der Soundtrack ein ordentliches Stück Musik.
Das Hauptthema, insbesondere der dabei elfmantypisch verwendete Chor, hat dabei durchaus Ohrwurmcharakter.
Elfmann gelingt es dabei, trotz zahlreicher Wiederholungen und über eine Spieldauer von knapp 50 Minuten, nie Langeweile aufkommen zu lassen und das Thema in ruhigen ebenso wie temporeichen Passagen zu verarbeiten.
"Alice in Wonderland" ist sicher nicht seine stärkste oder innovativste Arbeit, aber wer Fan von Elfmans Stil ist, kann beherzt zugreifen.


Tales of Symphonia - Dawn of the New World
Tales of Symphonia - Dawn of the New World
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 24,98

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein interessantes Phänomen, 19. August 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Tales of Symphonia: Dawn of the new World ist schwierig zu rezensieren, da es sich um den Nachfolger des auf den GameCube gefeierten Spieles (ebenfalls mit dem Namen "Tales of Symphonia") handelt. Wer das erste Spiel kennt, wird naturgemäß den Nachfolger daran messen.

Für den Rezensenten indes gilt dies nicht und so bezieht sich diese Bewertung allein auf den Nachfolger als solches. Da Dawn of the New World für mich zudem das erste Spiel dieser Reihe war, vielleicht für ähnlich Unkundige eine kurze Einleitung:

Das Spiel ist Teil einer Franchise-Reihe, der "Tales of..."-Serie, die Rollenspiele für die unterschiedlichsten Plattformen produziert.
Das Spiel als solches ist ein klassisches RPG, vergleichbare Spiele auf der Wii sind Zelda und Fire Emblem.

Handlung: Das Grundgerüst der Geschichte ist nicht wirklich originell. Die Haupthelden, ein Mädchen und ein Junge (und ein panther-artig aussehender, formwandelnder "Geist" namens Tenebrae mit Alterskomplexen) suchen nach den sogenannten "Centurion-Kernen" um den Boss aller Monster aufzuwecken, damit der die in der Welt rumtobenden Monster wieder zu Ordnung ruft. Dabei entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen den Beiden und auf ihrem Weg treffen sie jede Menge Leute, Freunde wie Feinde, die zum großen Teil bereits aus dem Vorgänger bekannt sind.
Nach und nach stellt sich natürlich raus, dass nicht alles so ist, wie es scheint, es gibt mehrere, durchaus gefällige Wendungen in der Geschichte bis zu einem Finale, welches es wirklich in sich hat. Das Spiel bietet hier denn auch 3 verschiedene Enden.

Spielsteuerung: Man steuert die Charaktere - meist in Abwechslung - durch Dungeons, Städte und einer Weltkarte. In den Dungeons erwarten einen ab und zu rollenspieltypische Rätsel (finde Schlüssel, verschiebe Kisten), die aber fair und nicht wirklich schwierig sind.
Beim Kampf wird auf Echtzeit umgeschaltet und man steuert mit Remote und Nunchuk einen ausgewählten Charakter, die restlichen (bis zu 3 weiteren) Begleiter werden Fremdgesteuert. Durch Tastenkombinationen werden so genannte "Kombos" erzeugt, die, je häufiger und kombinierter, mehr Schaden erzeugen. Garniert wird das ganze durch Spezialangriffe, den sogenannten "Artes." Nach Kampfesende gibt es Erfahrung, wodurch man altbekannte Levelaufstiege erhält, mehr Fähigkeiten und weitere "Artes".

Wer diese Art von Kampfsystem nicht gewöhnt ist, kann am Anfang vielleicht Schwierigkeiten haben, aber dank verschiedener Kampfmodi (Manuell, Automatisch, Halbautomatisch) werden auch alte, überforderte Ex-Gamer gnädig unterstützt.

Eine weitere Besonderheit ist ein Monstersystem a la pokemon. Über 100 Monster harren darauf gefangen und weiterentwickelt zu werden. Man kann dann die Monster an Stelle von NPC, die zweitweise mit der Gruppe reisen, mit in die Party nehmen.

Bewertung: Schwierig. Viele Kritikpunkte stimmen einfach. Emil, der Hauptcharakter, reicht an Nervigkeit an Negativ-Vorbilder wie Squall und Tidus. Er tritt von Anfang an mutlos und verunsichert auf, und dies macht die Identifizierung mit diesem "Held" merklich schwer. Zwar wird im Laufe des Spiels zufriedenstellend erklärt, warum dies so ist, es ist sogar eine pfiffige Variante des Heldentypus, doch die ersten Stunden sind wirklich anstrengend.
Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Marta fiel - jedenfalls mir - eher positiv als negativ auf. Die Beiden geben ein süßes Pärchen ab, ihre Liebe ist naiv-kindlich. Das mag zwar weniger Erwachsene ansprechen, ist dafür aber rein und unschuldig.
Bisweilen versucht das Spiel ein wenig ZU clever zu sein, wenn es sich als Mix aus möglichst vielen anderen Spielen präsentiert: Pokemon, Monster Hunter, zahlreiche Anleihen bei anderen Rollenspielen. Zu viele Köche verderben den Brei.
Als Beispiel sei das Monstersystem genannt. Zwar haben die Monster den Vorteil, dass auch die Erfahrung erhalten. NPCs,die man trifft, haben eine feste, vom jeweiligen Kapitel abhängige Stufe, und werden alsbald von Fähigkeiten und Level her hinter den Monstern hinterher hinken. Aber dies ist immer noch ein ROLLENspiel, und wer schmeisst (bzw. setzt auf Reserve) schon die mit wesentlich mehr Charakter versehenen Begleiter aus der Gruppe, vor allem wen diese sich gerade erst in der vorangegangenen Szene angeschlossen haben ?
Weitere positive Aspekte sind die lange Spieldauer (40 Stunden, wenn man sich mittelmäßig engagiert, weitaus mehr, wenn man wirklich ALLES mitnehmen will) und die verschiedenen Wahlmöglichkeiten, die das Spiel bietet und die sich auf das Ende auswirken.
Schlecht wiederum sind Handbuch und auch teilweise Erklärungen im Spiel. So kann man im Kampf einen "Gruppenangriff" ausführen. Im Handbuch steht da im Wesentlichen nur: "Drücke Taste xy". Dass man den Gruppenangriffsschaden aber merklich steigern kann, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind (z.B. wenn man vorher eine Komboserie absolviert hat), muss man sich selbst beibringen.
Gleiches gilt für das Fangen von Monstern, welches über ein umständliches Elementar-Raster von statten geht. Oder um das so genannte "Synthetisieren", bei dem man sich selber Gegenstände zusammenbasteln kann. Es ist schon ärgerlich, wenn man den einzigen, regulär zu findenen "Stein der Weisen" bei ersten Durchspielen für was sinnloses verbrät. Sicher, in Zeiten von Google und YouTube ist dies kein Problem (auch wenn es immer noch nervig ist, an Steine der Weisen zu gelangen), allein für die Qualität des Spieles spricht dies nicht. Auch problematisch ist die Konzeption des "2. Durchspielens". So wird ein Dungeon, Galdesheim, erst beim 2. Durchspielen zugangbar. Bei einem Spiel, welches an sich schon 40 Spielstunden bietet, ist dies möglicherweise ein wenig des Guten zu viel.
Positiv wiederum: Die Charaktere agieren in "kleinen" Cutszenen miteinander - und die dabei zu Tage tretende Dialoge sind meist gelungen und oftmals sehr witzig. Vor allem Tenebrae ist hier der heimliche Star des Spiels. Kleiner Wermutstropfen: Manche Insider, die sich auf den 1. Teil beziehen (Sheenas Falltürenpech, Regals Fesselfetisch), gehen ein wenig verloren.
Das Voice-Acting, so man des Englischen mächtig ist, ist nicht minder gelungen.
Auch ist positiv anzumerken, dass sich das SPiel an manchen Stellen offenkundig nicht allzu ernst nimmt. So hat von allen Frauencharakteren genau eine deutlich erkennbare Brüste und dies wird genüsslich im Spiel selbst thematisiert. ÜBerhaupt hat man beim Handlungsverlauf das faszinierende Erlebnis, eine Frage zu stellen um diese prompt beantwortet zu bekommen. So erhält Emil recht früh im Spiel neue Klamotten und man fragt sich, woher die denn nun kommen, ehe Tenebrae sofort die Antwort liefert. Oder ein ander Mal versuchen die Helden mit einem offenkundig dämlichen Plan sich in ein Casino zu schleichen, bei dem man sich fragt, wer so dämlich ist, darauf hereinzufallen - um schnell zu erfahren, dass keiner so dämlich ist. Auch dies sorgt für gute Unterhaltung, die einem oftmals ein Schmunzeln entlockt.

Am Ende ist aber Dawn of the New World weitaus besser als sein Ruf. Manche Kritiken sind einfach nicht nachvollziehbar, wenn man das Spiel als Einzelspiel nimmt.
Hinzu kommt, dass es für die Wii (Gamecube-Spiele ausgeschlossen) nicht so viele Spiele gibt, die, was Dauer und Qualität angeht, mit Dawn mithalten können. Der Preis trägt sein Übriges dazu bei. Gleichwohl sei aber eingeräumt, dass manches sich im Vergleich und Lichte zum Vorgänger relativiert. In dieser Hinsicht bietet Dawn of the New World ein wirklich interessantes Phänomen: Die Empfehlung, den 2. vor dem 1. Teil zu spielen.


Der Kalte Krieg: Eine neue Geschichte
Der Kalte Krieg: Eine neue Geschichte
von John Lewis Gaddis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gelungener Überblick, 19. August 2010
Wenn ein Buch die von seinem Autor intendierte Zielsetzung erreicht, ist dies schon mal ein guter Anfang. Laut Vorwort entstand "Der Kalte Krieg" auf Drängen von Gaddis' Studenten, die eine geraffte und übersichtlichere Darstellung des Themas haben wollten. Der Autor liefert daher eine prägnant zusammengefasste Tour de Force durch die Geschichte des Kalten Krieges und pflegt dabei einen sehr angenehmen, weil gut lesbaren und unterhaltsamen Schreibstil. Gaddis bietet dabei keinen gesamtheitlichen Ansatz, sondern versucht stets das "big picture" zu zeichen. Schwerpunkt seiner Betrachtungen liegen dabei naturgemäß auf den beiden Antagonisten, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und einer in erster Linie politischen Geschichtsschreibung. Das Buch beginnt zeitlich nach dem zweiten Weltkrieg und endet mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er.

Sehr schön werden vom Autor die Anfänge und Ursachen des Beginns des Kalten Krieges entwickelt. Überzeugend wird dargestellt, wie nach dem zweiten Weltkrieg zunächst der Antagonismus der "Supermächte" entstand und wie die restliche Staatenwelt sich in dieser neuen Weltordnung einrichtete, wie das Werben um Verbündete begann, welche Implikationen dies besaß und wie Strategien entwickelt wurden, aufeinander zu reagieren. Alle bekannten Schauplätze und Themen sind dabei vertreten: Berlinblockade, Koreakrieg, Kubakrise, Vietnam, Afghanistan, Afrika, Südamerika, Blockstaatenbildung, Strategie der Abschreckung, Entspannung, Überwindung der Entspannung, Ende der Sowjetunion.

Seine dabei mehr oder weniger offen zur Schau gestellte Parteilichkeit und Perspektive wurde schon in anderen Rezensionen aufgegriffen. Dies hat auch zur Folge, dass Gaddis bisweilen Ereignisse oder Persönlichkeiten in sein Deutungsschema regelrecht zu pressen versucht. Wenn er etwa Thatcher in die Reihe der "Politik-Schauspieler" einzuordnen versucht und ihr dabei attestiert, dass trotz antisozialer Politik die "Leute ihr zujubelten", verschweigt er gnädig (und vermutlich in vollem Bewusstsein) die durchaus kontroverse Bewertung Thatchers damals wie heute.

Auch führt Aufmachung und komprimierter Stil zu Reibungsverlusten bei der Darstellung. Wer etwa ohne Vorkenntnisse Gaddis Schilderung der Kubakrise liest, kann schnell den Überblick verlieren. Gleiches gilt bei der Einbeziehung der diversen Bündnisse und Verträge. Oft werden deren Abkürzungen verwendet, meist im Zusammenhang mit historischen Geschehen, bevor es eine Erklärung gab, wofür die jeweilige Abkürzung steht und wie das zu Grunde legende Bündnis zustande gekommen ist.

Aufgefangen wird dieses darstellerische Manko teilweise von Gaddis' ausgezeichnetem Schreibstil, der für sich genommen ein Antrieb zum Weiterlesen bildet.

Ingesamt ist dem Autoren ein gutes Handbuch über den Kalten Krieg gelungen, der trotz seiner amerikanisch-zentrierten Betrachtungsweise einen soliden Überblick verschafft und eine gute Ausgangsbasis bietet, sich über einzelne Themen eingehender zu informieren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2011 1:36 PM CET


Cursed Mountain
Cursed Mountain
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 19,25

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Potential verschenkt, 30. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Cursed Mountain (Videospiel)
Es klingt bereit in vielen Rezensionen an: Cursed Mountain hätte ein sehr gutes Spiel werden können. Es ist aber nur ein durchschnittlich bis ordentliches Spiel geworden.

Wieder und wieder hat man im Spiel den Eindruck, dass man sehr viel mehr aus den verschiedenen Spielelelementen hätte rausholen können, um mehr 'Grusel' zu erzeugen (was ja doch Ziel eines solchen Spiels sein sollte).

Es fängt schon mit dem thematischen Hintergrund an. Die Spielemacher haben sich - augenscheinlich - sehr mit der mythologischen Welt Tibets auseinandergesetzt. Dies hat in der Tat was 'Neues', da kaum ein spiel hierzulande sich dieser Geistes- und Götterwelt bedient. Doch so richtig zieht das Spiel daraus keinen Nutzen. Während die Settings wie verlassene Bergdörfer und verfluchte Klöster mehrere Tausend Meter über dem Meeresspiegel zur Atmosphäre beitragen, dienen die auftauchenden, mythologischen Kreaturen, zwar durchaus interessant gestaltet, nur als Endgegner zum niederknüppeln. Ein paar pixelige Wandteppiche, die sie (und andere Kreaturen) zeigen, reichen da einfach nicht. Auch die zahllosen Reiseberichte sind zwar sehr stimmig, aber teilweise einfach deplatziert. So kann/muss man allen ernstes beim Endboss nochmal zum Buch greifen. Eine Cut-szene hätte hier eleganter gewirkt.

Oder als anderes Beispiel die Gruselideen: An einer einzigen Stelle tauchen überraschend Geisterhände aus er Felswand auf, die man geschickt umklettern muss. Das ganze dauert keine Minute - warum nicht mehr davon. Die stärksten Momente hat das Spiel, wenn es die Bergsteigerelemente mit Survivol-Horror verbindet, etwa im dem Level, in dem man in einen Gletscher gefallen ist. Positiv sei angemerkt, dass man durchaus den Eindruck einer 'Steigerung' hat, je weiter man höher steigt. Gegen Ende des Spieles wird lebhaft der Eindruck vermittelt, man kämpft gegen den Berg selbst. Das ist spannend, das ist Survival, aber eben leider nur wenig Horror. Die Geister haben eh nicht mehr viel zu melden, wenn man einmal gelernt hat, mit der Peitsche umzugehen und sie zu bannen.

Was zum Thema Spielsteuerung führt: Geister werden in einer bestimmten "Sicht", auf die man umschalten muss, bekämpft, indem man sie erst mit 'Geistesenergie' beschiesst und sie dann, wenn sie geschwächt sind, mittel bestimmter Bewegungen der Remote, 'bannt'. Diese ist gewöhnungsbedürftig, teilweise unsauber und wird manch einem womöglich (nicht allerdings dem Verfasser) gegen Ende des Spiels den einen oder anderen langweilen.
Aber auch hier haben die Entwickler einiges verschenkt. An zwei Stellen im Spiel muss man gewisse, meditative Rituale wie das Schlagen einer Glocke vornehmen, um einen Boss zu beschwören. Solche Elemente hätten auch öfter verwendet werden können, vielleicht gar um den jeweiligen Boss am Ende selbst zu besiegen. Der gelungste Boss, mitten im Spiel, ist dann auch derjenige, bei dem man seine Strategien stets ändern muss.

Lobend sei hier die Story erwähnt. Nun ist die Geschichte vom Bergsteiger, der seinen Bruder vom verfluchten Berg rettet, nicht übermäßig originell. Es gibt auch durchaus Löcher in der Handlung ("eh, der ist jetzt ein Monster weil... ?), aber das Ende ist stimmig und das Verhalten des Hauptcharakters mehr oder weniger schlüssig.

Die wichtigste Frage zur Beurteilung eines Spieles wie Cursed Mountain ist denn, ob es den Machern gelungen ist, eine gänsehaut zu erzeugen. Die Antwort ist ein halbherziges "Ein wenig". Eine Art von milder Grusel kommt auf, mehr eben auch nicht. So hat das Spiel denn auch seine Stärken im ungewöhnlich Setting, in vereinzelt wirklich guten Ideen, in packenden Bergsteiger-Sequenzen und in einer ordentlichen Spielzeit, da es nicht darauf angelegt ist, mehrfach durchgespielt zu werden. Ob das für jemanden reicht, der spielt um das Fürchten zu lernen, ist jedoch fraglich.


Kein Titel verfügbar

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Zauber, neubelebt, 17. Dezember 2009
Normalerweise schreibe ich keine Rezensionen zu DVD's, die noch nicht erschienen sind. Küss den Frosch hat mich derart begeistert, dass ich mir in dieser Hinsicht untreu werde. "Küss den Frosch" ist nicht mehr und nicht weniger als der beste, traditionell konzipierte Zeichentrickfilm seit Mulan.

Der Film wartet mit einer gelungenen Story, bezaubernden (und finsteren) Charakteren und mitreißender Musik auf. Das größte Kunststück, was den Machern bei Disney dabei gelungen ist, einerseits viele Reminiszenzen in den Film einzubauen und dabei doch einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. So erinnert die Szene, in der Tiana von ihrem eigenen Lokal schwärmt, doch stark an die Szene aus König der Löwen, wo Simba von seinem eigenen Königreich schwärmt. Die Reise mit Louis, dem Krokodil erinnert bisweilen an Balu den Bären und Moglis Reise durch den Dschungel. Es liessen sich weitere Beispiele finden. Die New-Orleans-Umgebung, die dementsprechend ausgestaltete Musik mit Jazz und Blues schaffen aber genügend Kontrast, um den Film nicht als bloße Kopie vorheriger Disneykonzepte zu begreifen, sondern vielmehr als eigenständiges Werk mit verständiger Würdigung seiner großen Vorgänger.

Eine weitere Stärke des Films ist das dramaturgische Spielen mit eigenen, Disney-typischen Zeichentrickklischees. Grad in den Nebenfiguren des unterdrückten Butlers Lawrence und vor allem in Charlotte La Bouff, der Tochter des reichen Eli 'Big Daddy' La Bouf, wird dies deutlich.

Auch der Zeichenstil vermag zu gefallen. Besonders positiv fällt auf, dass auf computer-animierte Szenen weitgehenst (ganz?) verzichtet wurde. Während bei Filmen wie "Alladin" (Einsturz der Wunderhöhle) oder "Mulan" (Lawineneinsturz) solche Schauwerte fast allein des Selbstzwecks wegen eingebaut wurden, spart sich Küss den Frosch solche Szenen und wohlweislich damit auch die Konkurrenz zu den digital animierten Filmen.

Wesentlich zum Erfolg trägt auch die Synchronisation bei. Während bei den klassischen Zeichentrickfilmen oftmals zwei Sprecher, einer für Gesangt und einer für den normalen Text, beschäftigt werden mussten, wird zumindest für die Hauptcharaktere durch die Verpflichtung von Roger Cicero und Cassandra Steen dieses Problem elegant umgangen. Zwischen beiden stimmt die Chemie und dass beide den Stilrichtungen der im Film verwendenten Musik nahe stehen, ist ein nicht zu unterschätzendes Plus.

Am aller wichtigsten aber: Der Film spricht das Herz an. Es ist eine Liebesgeschichte, inspiriert von einem klassischen Märchen. Ja, dazu gehört auch eine gewisse Menge Kitsch. Aber selbst Männer, die aus Liebe zu ihrer Partnerin sich den Film antun (müssen), werden vielleicht überrascht sein, wie gut sie mit Konzepten unterhalten werden, die, leicht modifiziert, so in ihrer Reinheit seit 5, wenn nicht gar 11 jahren nicht mehr verwendet wurden.

Ein amerikanischer Kritiker schrieb, dass "Küss den Frosch" ein guter Film sei, aber nicht eine erneute Ära der klassisch konzipierten Zeichentrickfilme einleite, wie es einst "Die Schöne und das Biest" und "Alladin" gelungen ist. Dies ist mehr als wahrscheinlich. Ebenso gut möglich aber ist, dass "Küss den Frosch" beweist, dass digital erstellter und handgezeichneter Animationsfilm keineswegs in sich gegenseitig ausschliessender Konkurrenz, sehr wohl aber in gegenseitig ansporndender Koexistens bestehen können.


Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute
Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute
von Martin L. Van Creveld
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brilliante Darstellung mit kontroversem Ende, 19. November 2009
Inhaltlich lässt sich das knapp 325-seitige Buch in zwei Teile unterteilen. In Kapitel 1 bis 4 wird die Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis zum Ende des ersten Weltkriegs beschrieben. In Kapitel 5 bis 7 die Zeit der "Bombe", des kalten Krieges und der aktuellen Konflikte.

Mustergültig beschreibt der Autor dabei die vor allem technisch bedingten Neuerungen im Kriegswesen, insbesondere die Folgen von Verbrennungsmotor und Flugzeug. Es wird schlüssig dargelegt, warum die Konflikte der Zwischenkriegszeit keine praktischen Rückschlüsse auf den zweiten Weltkrieg zuliessen. Die Darstellung zum Zweiten Weltkrieg erfasst so ziemlich jeden Aspekt des "Totalen Krieges". Dabei kommt Creveld zum Schluss, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Weltkriegen, trotz aller technischen und operativen Neuerungen, größer als die Unterschiede sind.
Es folgt mit der "größten Zensur der Militärgeschichte" die praktischen (Rüstungswettlauf) und theoretischen (unterschiedliche Doktrin) Folgen der Atmombombe. Auch die konventionellen Konflikte dieser Zeit werden beschrieben, gleichwohl erneut mit der Folgerung, dass aus ihnen keine wirklichen Rückschlüsse auf Konflikte der Größenordnung des zweiten Weltkriegs gezogen werden können. Das Buch schliesst mit einer Schilderung des (aus Sicht des Autors) Fehlschlags der neueren Militärreformen wie der RMA sowie dem Scheitern von 50 Jahren Aufstandsbekämpfung durch Besatzungsmächten.

Gleich vorweg: Das Buch stellt eine außerordentlich gelungene Zusammenfassung der Kriegsgeschichte des letzten Jahrhunderts dar. Van Crevelds Schlussfolgerungen sind allesamt nachvollziehbar und schlüssig, seine Darstellung wird durch seine offenkundige Erfahrung bereichert und gestützt. Eine weitere Stärke ist der Stil. Im Nachwort wurde dem Autor geraten, "es einfach zu sagen", frei von theoretischen Verklausulierungen. Dies hat er getan und Resultat ist eine Prägnanz, die seinesgleichen sucht und der auch die relative Kürze des Buches geschuldet ist.

Beide Aspekte, Erfahrung und Stil, haben jedoch auch Nachteile. Wenn der Autor über die "think tanks" geradezu abfällig herzieht, dann kann man sich beinahe bildlich ausmalen, wie oft van Creveld schon mit einem der "Eierköpfe" aus eben solchen aneinander geraten sein muss.
Auch lässt das Schreiben frei von der Leber weg bei ihm bisweilen die Gäule durchgehen. So wird seine (aufs Militär bezogene) latente Frauenfeindlichkeit sichtbar, wenn sinngemäß Sätze fallen wie: "Nun lernte auch der Feminismus, das Krieg führen kein Spaß ist". Gleiches gilt, wenn er den spanischen Conquistadores moralisch aber auch historisch fragwürdig einen "Abenteuergeist" und Wagemut attestiert.

Der letzte Teil des Buches besitzt geradezu die größte Sprengkraft. Wenn man dem Autoren folgt hat sich ein Paradigmenwechsel zwischen der Neuzeit und zweiter Weltkrieg ereignet. Im zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass bei Aufeinandertreffen von Gleichwertigen nicht Moral sondern Quantität und Qualität der eingesetzten Waffensysteme entscheidend ist. Heutige Konflikte seien geprägt vom Gegensatz des Stärkeren gegen den Schwächeren. Vor allem die der Aufstandsbekämpfung sind gemäß van Creveld keine Fragen von Politik und Technik, sondern der Konsequenz und Moral. Entweder ich bombardiere das Dorf und stehe dazu ODER ich baue von Anfang an nur Brunnen. Beides geht nicht.
Die von Creveld vorgeschlagenen Methoden wurden schon vom Rezensenten Serenus Zeitblom zusammengefasst, sie seien daher hier nicht wiederholt. Ohne Kassandra zu sein kann man jetzt schon festhalten, dass damit viel Schindluder getrieben werden wird, denn sowohl beide Methoden liefern "Argumente" für unterschiedlichste Auslegung von Einsätzen. Dies hat aber auch Creveld zu verschulden, denn gerade hier verlässt ihn die Deutlichkeit seines Stils. Nirgendwo schreibt er konkret, dass das dauernde Abschlachten von Frauen, Kindern, Kranken und Schwachen bei jedem halbwegs ethisch gefestigten Menschen zu mentalen Erosionsprozessen führt. Mit bekannten militärischen Disziplinproblemen als Folge. Van Creveld behilft sich mit Gleichnissen wie "in den Spiegel schauen". Auch ist seine Ausblendung von politischen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen, wie etwa der dem Militär übergeordneten Staatsstruktur, fragwürdig (stellt aber möglicherweise die Folge seiner bekannten theoretischen Ausrichtung dar). Für den Theoretiker freilich mag es keinen Unterschied für die Effektivität der beiden Methoden machen, ob sie von den Streitkräften einer Diktatur oder einer Demokratie vollzogen werden. Für die praktische Durchführung ist sie das allemal. Kaum vorstellbar, dass die Briten an Belfast die "Assad-Methode" hätten vollziehen können. Das alles macht van Crevelds Ausführungen nicht notgedrungen falsch, doch sind diese "Friktionen" doch von solcher Bedeutung, dass sie einer Erwähnung wert gewesen wären. Auch stellt sich " mal wieder " die Gretchenfrage, ob solche Betrachtungen von den damit verbundenen, ethischen Implikationen zu trennen sind. In jedem Fall darf man gespannt sein ob - und wenn ja welche - Auswirkungen van Crevelds Einwende für die Militärpraxis haben werden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 6, 2011 10:26 AM MEST


Kritik der reinen Toleranz
Kritik der reinen Toleranz
von Henryk M. Broder
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

36 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausgefranste Handtücher aus der Religionskiste der Hölle, 15. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Kritik der reinen Toleranz (Taschenbuch)
In Kritik der reinen Toleranz will der Autor laut Einleitung der Tugend der Toleranz das Wort reden und der Untugend der Toleranz den Kampf ansagen. Auf den folgenden Seiten folgt dann aber eine Kritik des reinen Islam(ismus). Alles ist dabei, von den Problemen, die gewalttätige Jugendliche mit Migrationshintergrund verursachen, über Terrorismus im Irak und in anderen islamischen Staaten, der islamisch rückständigen Kultur und Wissenschaft, dem ewigen Hick-Hack um Irans Atomprogramms, dem Mohammedkarikaturen bis hin zum Aufschrei bei Papst Benedikts Rede in Regensburg. Davor und dazwischen findet Broder noch passende Worte für Linke und Gutmenschen, welche den Islam als Friedenreligion verteidigen. Ein Kapitel ist Martin Hohmann und Arndt Krüger gewidmet, mehrere Abschnitte den Zuständen in Berlin. Die Quintessenz des Buches lässt sich wie folgt zusammenfassen:
1. Der Islam als Ganzes ist keine Religion des Friedens, Moslems insgesamt hingegen sind "humorlos, dünnhäutig, intolerant, rückständig und gewaltbereit"
2. Berlins steht am Abgrund zur Hölle
3. In der TAZ arbeiten nur Schwachsinnige
4. Die EU bzw. die UN sind Schlappschwänze, über die sich Teheran kaputt lacht
5. Die Berliner Polizei in ihren Deeskalationsoutfits muss unfassbar affig aussehen

Dabei ist Broder nicht zu beneiden, muss er doch gegen Gutmenschen, Liberale, intellektuelle Spinner, Jürgen Todenhöfer, Peter Ustinov und sogar Lessing anschreiben (gegen Letzteren aber nur kurz am Eingang des Buches und das auch eher verschämt ( wer schreibt schon gegen Lessing?)

Broders Stil und inhaltliche Aussagen sind dabei problematisch, weil fern jeder sachorientierten Auseinandersetzung und nicht widerspruchsfrei. Leute mit einer Gegenmeinung sind Idioten und Schwachköpfe, Broder selbst der einzige mit einem Fünkchen Vernunft. An einer Stelle wettert er gegen die bösen Ausdifferenzierer, welche den Islam in verschiedene Strömungen unterteilen wollen, ein Kapitel später unterscheidet er selbst in ähnlichen Kategorien. Dem Christentum als Referenzreligion spricht er radikale, noch heute bestehende Strömungen ab, nur um später doch einzuräumen, dass es doch so was wie einen Mainstream im Christentum gibt. Ja was denn nun ?
Er greift zwei Autorinnen scharf an, weil sie den Koran nicht im Original gelesen haben, lässt aber offen, ob er selbst diese Fähigkeit besitzt bzw. sie angewendet hat (was bei seiner Islamkritik ja durchaus seine Position stärken würde).
Aber bei dem Buch handelt es sich um eine Streitschrift, eine Polemik. Nachweisbarkeit geschweige denn Logik ist kein Muss, nur ein nettes Extra. Broders Buch ist schwach aus anderen Gründen.

Das Buch ist eine Mogelpackung. Versprochen wird eine Klageschrift gegen die Toleranz von prügelnden Jugendliche, religiöse Fundamentalisten, linken Terroristen. Der erste Punkt kommt wenig, der zweite im Übermaß und der letzte schließlich gar nicht vor, es sei denn man zählt die einmalige Erwähnung der Baader-Meinhof Gruppe/Bande hinzu. Eine scharfsinnige Gesellschaftsanalyse wird versprochen, dabei nehmen außenpolitische Themen gut und gerne 80% des Buches ein. Auch der Titel ist irreführend, suggeriert er doch eine philosophische Nähe zu Kant. Broders Bemerkungen sind nicht alle Blödsinn, jeder hat das Recht eine Islamkritik zu schreiben aber dann soll er sie doch bitte auch so nennen.
Dabei hätte man durchaus das eine mit dem anderen verbinden können. Auf das Thema Ehrenmorde geht er nur kurz ein, ebenso auf das Problem der U-Bahnschläger von München. Stattdessen verliert es sich seitenweise und endlos über Atomprogramm des Iran, statt mal zu fragen, warum deutsch-türkische Fußballverbände extra betonen, dass man das Schimpfwort Hurensohn gerade bei türkisch-stämmigen Mitspielern vermeiden sollte, da es sie besonders beleidigen würde oder warum Fittnes-Center Ausländerquoten einführen, um ihre weiblichen Kunden vor Belästigungen zu schützen.

Das Buch bietet auch keine Alternativen. Hat man sich durch die bisweilen sehr unterhaltsamen mehr als 200 Seiten gelesen kommt das Kapitel Jetzt schlägt's dreizehn!, wo der Titel doch die Hoffnung weckt, dass Boder nun Vorschläge nennt, was man gegen die falsche Toleranz, egal ob zu Hause oder gegen den Iran, bitte unternehmen soll. Stattdessen wird auf die englische, islamfreundliche Innenpolitik herumgeritten.

Am Ende lässt sich das Buch unter die Kategorie 'Hätte mehr draus werden können' einsortieren. Das Thema gebietet dies dringend genug.
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Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947
Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947
von Christopher Clark
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Manchmal bedarf es der Sicht eines Außenstehenden, 27. August 2009
Cristopher Clark hat ein fantastisches Buch geschrieben. Er schafft es, die Geschichte Preußens in einem hervorragend lesbarem Stil in seiner Gesamtheit darzustellen.

In seinem Dankwort schreibt er, er konnte sich auf eine der differenziertesten Historiografien stützen. Die schiere Detaillfülle, die er nennt, beweist, dass er davon reichlich gebrauch gemacht hat. Gleichzeit wird nie der Blick für das "große Ganze" aus den Augen verloren. Dadurch gelingt es einerseits, auch komplexere Zusammenhänge (wie z.B. die Heiratspolitik des Hauses Brandenburg um 1600) begreiflich gut darzustellen, andererseits mit Einzelheiten und Anekdoten den Erzählfluss aufzulockern.
Auch lässt Clark zwar keine Schlagworte ("Soldatenkönig" etc) aus, verwebt sie aber so geschickt innerhalb des Textes, dass sie bemerkt werden, ohne sich aufzudrängen.

Inhaltlich wird nahezu jedes Gebiet zumindest angerissen, dass sich zu Thema Preussen denken lässt. Dabei wechseln sich die Kapitel der Darstellung der Geschichte "grosser Männer" immer wieder mit Kapiteln über Religion, Aufklärung, Gesellschaft etc. ab.

Die absolut größte Stärke des Buches ist jedoch, wie der Autor in seinem Vorwort selbst bemerkt, die Perspektive. Clark kann aufgeschlossen an die Sache herangehen, ohne den Zwang, Preußen verteufeln oder auf Teufel komm' 'raus verteidigen zu müssen. Dabei geht nicht jede seiner Meinungen konform mit der herrschenden Lehre bzw. versucht er, differenzierte Aspekte bei Althergebrachtem aufzuzeigen (z.B. bei der Geschlechtergeschichte Preußens und dem Junktertum). Aber gerade letzter Punkt, macht das Buch auch für Preußenkenner interessant, da die oben genannte Denk- und Sichtweise in jedem Fall erfrischend wirkt.

Dieses Buch hat die Chance, zu einem Standardwerk der Gesamtdarstellung der Geschichte Preußens zu werden.
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