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"bernhard_j"

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Mother Earth (2 Bonus Tracks)
Mother Earth (2 Bonus Tracks)
Preis: EUR 5,99

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ...letztendlich zählt doch nur der Charakter..., 8. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Mother Earth (2 Bonus Tracks) (Audio CD)
Diese Aussage trifft den Nagel wirklich selten dermaßen genau auf den Kopf wie hier. Es gibt tatsächlich genug Indizien dafür, diese Band einfach nur schlecht zu finden. Da wären diese beiden Videos, bei denen man vor den Bandmitgliedern echt ganz große Angst haben muss. Das Albumcover ist optische Folter und die Songs tragen Titel wie "Ice Queen", "Never-ending Story", "Dark Wings" oder "The Dance". Als ob es nicht schon genug Gothic-Rock-Kitsch-Aufgüsse zur Zeit gibt...
Wer sich überwindet und den Fernseher ausschaltet, die CD ein- und deren Hülle, die Bandfotos und sämtliche Vorurteile beiseitelegt, stößt auf eine gänzlich neue Erkenntnis: Within Temptation können süchtig machen!
Zugegeben, die zum Teil episch langen Songs mit ihrer theatralisch ausgeprägten Instrumentierung aus Keyboards, Gitarren, komplettem Orchester und Sakral-Chören sowie die oft extrem hohe Stimmlage der Sängerin Sharon den Adel können einem schon gewisse Berührungsängste bereiten. Man muss sich darauf einlassen und diese Band HÖREN! Nicht unbedingt oft, aber INTENSIV! Irgendwann geht die Saat auf, man muss es nur wollen. Es lohnt sich, wirklich.
Symptomatisch für "Mother Earth" ist zum Beispiel der Titelsong. Die ersten 1,44 Minuten hört man nur nebenbei und denkt sich nicht viel, und dann ist sie plötzlich da: die Gänsehaut, die sich danach trotz heftigen Widerstands nicht mehr abschütteln lässt. Oder das vierte Stück "Caged", das zudem die stimmliche Variablität von Sharon unterstreicht. Ihre Art, sehr hoch zu singen und die Töne am Ende des öfteren nach unten zu ziehen, ist nicht jedermanns Sache, wer das 'unmusikalisch' findet, dem wünsche ich viel Vergnügen bei der Bombast-Metalband Nightwish mit Operngesang (was überhaupt nicht mein Fall ist).
Ein weiteres Prunkstück ist "Deceiver of Fools". Elfengesang und weiche Keyboards lassen einen vom Boden abheben, aber Within Temptation gehen noch einen Schritt weiter. Dieser symphonisch-orchestrale Sound, diese Stimme, diese Melodien, und dann wieder dieser Refrain. Das ist hymnisch, majestätisch, ganz groß. Und kein bisschen aufgesetzt. Ein Meisterwerk. "Never-ending Story" dagegen ist eingängig, leicht, nur mit Klavier begleitet und hätte vielleicht dem letzten, ziemlich sperrigen (nichtsdestotrotz gelungenem) Album von The Gathering gut getan.
Es ist der Band gelungen, einen vielschichtigen Sound zu kreieren, der trotzdem nicht überladen wirkt. Manchmal ist mehr eben doch mehr. Die dezent eingesetzten (und eher unmetallischen) E-Gitarren, das Piano, die verschiedenen Keyboards (in fast jedem Song), die Flöte im herzergreifend-wunderschönen "Bittersweet", das Cello in "Our Farewell" oder das signalgebende Horn in "Mother Earth" und "Deceiver of Fools" - es passt einfach. Wenn die Band tatsächlich nur mit Keyboards arbeiten sollte - die Instrumente klingen organisch, nicht synthetisch.
Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es dennoch. Das Album ist insgesamt zu lang geraten. Insbesondere die beiden Konzertmitschnitte "Enter" und "The Dance" sind entbehrlich und einem Schlusspunkt für ein solches Album nicht würdig. Die Ballade "In perfect harmony" ist beileibe kein schlechter Song, aber mit über sechs Minuten doch zu sehr in die Länge gezogen. Und schließlich die Reihenfolge einiger Songs: "Our Farewell" schon an dritter Stelle? Diese endgültige Ballade gehört an den Schluss. "This is not our farewell" - und Stille. Danach soll nichts mehr kommen.
Fazit: wer die Band vorverurteilt, verpasst etwas. Antesten!


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