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Alwin.K "Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: ich bin mit dem besten zufrieden!" (Sachsen)

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Teuflische Versprechen: Julia Durants 8. Fall (Knaur TB)
Teuflische Versprechen: Julia Durants 8. Fall (Knaur TB)
von Andreas Franz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen es kann einem angst und bange werden, 25. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine völlig verängstigte junge Frau aus Moldawien rennt, spärlich bekleidet, durch Frankfurt und sucht Zuflucht bei einer wildfremden Frau. Sie hat Glück, sie wird aufgenommen. Es handelt sich um eine 20-jährige unfreiwillige Sexsklavin aus einem der teuersten Bordelle in der Main-Metropole.
Bevor die junge Frau dazu kommt, ihrer Beschützerin ihre Vergangenheit zu schildern und ihre eigene neue Lage zu verstehen, sind auf der Suche nach ihr zwei Menschen gestorben.

Recht schnell erschließt die Handlung im weiteren Verlauf einen Sumpf des internationalen Verbrechens. Der Leser des Romans begibt sich in das Verbrecher-Milieu internationaler agierender Banden. Es geht um Menschenhandel (sei es zum Beispiel Mädchen- oder Organhandel), es geht um Waffen- und Drogenhandel, Geldwäsche und um Morde. Ein Menschenleben zählt nichts und mit dem Leid der "Gehandelten", Misshandelten und Missbrauchten werden Millionengewinne und Milliardenumsätze gemacht. Die neuen kriminellen Organisationen (zum Beispiel Russen-, Rumänen- und Jugoslawen-Mafia) sind höchst effektiv organisiert, agieren über Ländergrenzen hinweg und sind technisch top ausgerüstet. Außerdem agieren die neuen Mafias mit einer derartigen Brutalität, Grausamkeit und Skrupellosigkeit, dagegen hat sich die italienische Mafia mittlerweile zu einem seriösen Unternehmen entwickelt.

Die Fäden dieser Organisationen reichen bis in höchste politische und wirtschaftliche Ebenen in den jeweiligen Ländern, auch in Deutschland. Auch der Polizei- und Justizapparat bis hin zum Geheimdienst ist nicht frei vom Sumpf des Verbrechens. Nur nebenbei bemerkt: tatsächlich ist es so, daß die CIA der größte Drogendealer weltweit ist, ob man das nun als legal oder illegal hinstellt, ist egal. Und alle anderen Geheimdienste und weltweite Organisationen stehen dem und dem Mißbrauch ihrer Möglichkeiten in nichts nach. Seit zum Beispiel internationale Organisationen und Geheimdienste in Afghanistan agieren, ist die Opiumherstellung und der Opiumhandel um ein erschreckendes Maß angestiegen....

Dem Verbrechenssumpf bis in höchste Ämter steht ein chronisch unterbesetzter, technisch stets hinterher hinkender und arbeitsmoralisch am Boden befindlicher Polizeiapparat gegenüber. In Andreas Franz' Roman ist es eine kleine Gruppe verschworen handelnder Polizisten um Hauptkommissarin Julia Durant, die den Kampf aufnehmen. Einen Kampf, der - wie sie wissen und selbst feststellen - nicht zu gewinnen ist. Denn der Volksmund hat Recht mit der Theorie: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Wenn man überhaupt so weit an sie herankommt!

Im Jahr 2011 starb der Krimiautor Andreas Franz an Herzversagen. Was diese Diagnose für eine Wischiwaschi-Todesursache ist, weiß jeder. Andreas Franz wird sich nicht nur Freunde gemacht haben. Oder lese ich zu viele Krimis? Ich will den Faden aber nicht weiter spinnen, mit Rücksicht auch auf seine Familie. Es tut mir sehr leid und Spekulationen helfen nicht weiter!

Der Autor hatte gute Beziehungen zur Frankfurter Polizei und hat sich mit Rat und Tat unterstützen lassen. Andreas Franz' Personen sind zwar erfunden und eventuelle Namensgleichheiten rein zufällig, die Themen sind aber wahr und äußerst brisant (Pädophilen-Milieu, Mißbrauch in kath. Kinderheimen, Edelnutten-Milieu in aller höchsten gesellschaftlichen Schichten, organisierter und groß angelegter Menschen-,Organ- und Rauschgifthandel). Abgesehen von den Romanen im "normalen" Alltagsverbrecher-Milieu empfehle ich neben "Teuflische Versprechen" auch die Romane "Teufelsleib" und "Tod eines Lehrers".

Bei diesen Büchern kann einem angst und bange werden bezüglich unserer dekadenten Welt und ihrer degenerierenden Menschheit!


La Vie en Rose
La Vie en Rose
DVD ~ Marion Cotillard
Preis: EUR 5,97

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das tragische Leben des "Spatz von Paris", 23. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La Vie en Rose (DVD)
Ende der 1950er Jahre, Edith Piaf auf der Bühne: sie bricht zweimal zusammen. Auf dem Krankenlager beginnt sie, über ihr Leben, ihre Musik, ihre Exzesse und ihre Liebschaften nachzudenken.

Rückblick, Frankreich 1918: in den Armenvierteln von Paris spielen Straßenkinder. Eine Polizistin verjagt sie und fordert die Mutter einer beteiligten Dreijährigen auf, sich um ihr Kind zu kümmern. Die Mutter ist eine Straßen- und Kaffeehaussängerin. Die Kleine ist die später gefeierte und unter dem Künstlernamen Edith Piaf berühmt gewordene Edith Giovanna Gassion. Der Vater Louis Gassion ist zu diesem Zeitpunkt an der Front im I. Weltkrieg. Die Mutter Ediths will von der Kleinen nicht viel wissen, sie ist ihr regelrecht im Weg. Und so gibt sie das Mädchen in die Hände ihrer (Groß-)Mutter und verlässt selbst Frankreich. Viel mehr als eine grandiose Stimme bekommt Edith von ihrer Mutter nicht mit im Leben. Als der Vater aus dem Krieg wiederkommt, findet er bei seiner Schwiegermutter ein vernachlässigtes und unterernährtes Kind vor. Selbst in der "Künstlerszene" tätig, muß er nach dem Krieg erst einmal wieder beruflich Fuß fassen. Er gibt das Mädchen bei seiner Mutter, einer Bordellchefin, ab. Dort, im Hurenhaus, lernt sie erstmals Zuwendung und so etwas wie Liebe und Obhut kennen. Die selbst am Rande der Gesellschaft stehenden Damen des Hauses vergöttern Edith. Unglücklicherweise bekommt sie in dieser Zeit eine Entzündung der Augenhornhaut und erblindet für zwei Jahre. Ihre Heilung schreibt sie der Heiligen Therese zu. Edith bleibt daraufhin Zeit ihres Lebens eine tief gläubige Frau.

Als der Vater Edith wieder abholt, nimmt er das Kind mit auf Wanderschaft - erst mit einem Zirkus und dann allein. Er tritt im Zirkus und auf der Straße als Schlangenmensch auf. Edith muß sich am Geldverdienen beteiligen und beginnt zu singen. Sie lernt schnell das harte Leben auf der Straße kennen. Dem Dasein als Straßensängerin bleibt sie auch später treu, ohne ihren Vater. Sie wird vom Kabarettbesitzer Louis Leplee entdeckt, der ihr auch erstmals den Künstlernamen "la mome piaf" - der kleine Spatz gibt.
Edith Piafs Leben mit wechselnden Bezugspersonen, Liebhabern und Ehemännern sowie einer mit zwei Jahren an Hirnhautentzündung gestorbenen Tochter - aber auch mit Ausschweifungen und Alkoholexzessen setzt sich unaufhörlich fort. Der Film beleuchtet vor allem auch das Verhältnis zu Ediths wahrscheinlich größter Liebe, dem Boxer Marcel Cerdan. Dessen Unfalltod bricht ihr seelisch endgültig das Genick.

Von der Mutter verstoßen, bei zwei Großmüttern und unter anderem im Bordell sowie beim Vater im Zirkus und auf der Straße groß geworden, bleibt sie ein seelisch zerrütteter und stets zwiespältiger Mensch - eine eigentlich arme und verkrachte Existenz mit einer wunderbaren Stimme! In späteren Jahren kommt eine schmerzhafte entzündliche Rheumaerkrankung dazu. Edith entwickelt in deren Folge auch noch eine Schmerzmittelabhängigkeit. Sie begibt sich in mehrere Entziehungstherapien und muß zudem mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Zu allem Unglück erkrankt sie auch noch an Krebs.

Das alles beleuchtet der Film in mehreren Rückblenden aus der Sicht der bald sterbenden Edith Piaf. Der Tiefpunkt ihrer Karriere war sicher ihr Zusammenbruch auf der Bühne, mit dem der Film beginnt und der im Film die Rahmenhandlung der Gegenwart darstellt. Immer wieder schweifen ihre Gedanken zurück und ziehen die Bilder ihres Lebens an ihr vorbei. Und noch einmal gelingt es ihr, sich aufzurappeln. Sie will singen, immer nur singen. Sie weiß, daß sie nur das richtig kann und liebt. In diese Zeit fällt auch der extra für sie komponierte und später zu ihrem größten Hit werdende Chanson "Milord".
Und so tritt sie in der Schlußszene des Film noch einmal auf, gebeugt vom Rheuma, gezeichnet durch ihren Lebenswandel, schwach, zierlich, die Lippen knallrot geschminkt - eigentlich in diesem Zustand eine groteske und tragische Erscheinung. Sie singt "Non, je ne regrette rien."

1963, im Alter von 47 Jahren stirbt "la mome piaf."

Der Film ist schonungslos und tragisch - so wie das Leben der Edith Piaf war. Ein Märchen war ihre Karriere keinesfalls! Ein Film, der den Zuschauer am Ende erst einmal sprachlos zurück lässt ....


Der Tod ist mein Beruf: Roman
Der Tod ist mein Beruf: Roman
von Robert Merle
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ihnen allen fehlte es an Mitgefühl!, 19. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist mein Beruf: Roman (Taschenbuch)
"Rudolf Lang hat existiert. Er hieß in Wirklichkeit Rudolf Höß (Anm.: nicht mit Rudolf Heß verwechseln) und war Lagerkommandant von Auschwitz."
So beginnt der Klappentext des Romans "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle. Rudolf Höß tauchte nach dem Krieg bis zu seiner Hinrichtung unter dem Deckname Franz Lang unter. Mag sein, daß Robert Merle seine Romanfigur aus der Mischung der Namen Rudolf Höß und Franz Lang letztendlich Rudolf Lang nannte.

Rudolf Lang wächst als ältestes von drei Kindern mit zwei Schwestern auf. Der Roman beginnt 1913, Rudolf ist ein Schuljunge und das Buch ist in der erzählenden "Ich-Form" geschrieben. Der Vater ist ein despotisches Familienoberhaupt und ein Glaubenseiferer der schlimmsten Sorte. Mit Befehlsgewalt und drastischen Erziehungsmaßnahmen herrscht er über seine Familie - und nicht nur über die Kinder, sondern auch über die Ehefrau und das Hausmädchen. Früh lernt Rudolf, was einen guten Deutschen ausmacht: Befehle ausführen ohne Widerrede und Pflichterfüllung so gründlich wie möglich. Nur der (katholische) Glaube, der bleibt bei Rudolf nach einem nachhaltigen Erlebnis mit grenzenloser Enttäuschung auf der Strecke. Doch das ist nicht weiter schlimm. Nachdem der Vater verstorben war und in Deutschland eine neue Zeit anbricht, ist der Glauben eh nicht mehr die wichtigste Tugend. Rudolf Lang meldet sich mit knapp 16 Jahren freiwillig an die Fronten des Ersten Weltkrieges, er wird mehrfach ausgezeichnet und befördert. Er entwickelt sich zum gnadenlosen Befehlsgeber, vor allem aber wird er ein bedingungsloser Befehlsempfänger.
Nach der deutschen Kapitulation zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg und er findet keine Aufgabe mehr im entmilitarisierten Deutschland. In der zivilen Wirtschaftswelt der Weimarer Republik und der großen Armut nach dem verlorenen Krieg ist er mit seinen Ansichten über Pflichterfüllung und Geben und Nehmen von Befehlen fehl am Platz. Schon an Selbstmord denkend erfährt er von der Gründung der Partei NSDAP und der SA. Er begibt sich mit 22 Jahren in die örtliche Parteizentrale. Dort wird er sofort aufgenommen, seine Verdienste im Ersten Weltkrieg und in einem Freiwilligen-Corps lassen ihn endlich wieder einmal Anerkennung erfahren. Und endlich bekommt er wieder eine Uniform. Er ahnt, daß nur hier, über diese Partei und die SA, für ihn der Weg in eine Neue Zeit anbrechen kann und er hier sein System von Pflichterfüllung und Befehlsgewalt wiederfinden wird. Doch noch ist die Zeit nicht reif dafür...

Das Buch ist zwar in der "Ich-Form" geschrieben, trotzdem strahlt der ganze Roman eine solche Kälte, eine Unpersönlichkeit und seelische Grausamkeit aus - nicht nur bei Rudolf, sondern auch schon in seiner Kindheit in der Familie - daß man, betroffen und erschüttert, das Buch bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zur Seite legt! Und mit Grausen ahnt man, wie es weitergehen wird. Wäre Rudolf ein Kind unserer heutigen Zeit mit ihrer teilweise unverständlichen Rechtsprechung - als Täter angeklagt der schlimmsten Verbrechen - dann hieße es wohl: "Mildernde Umstände auf Grund einer schlimmen Kindheit und traumatischen Kindheitserlebnissen." Doch so leicht machen wir es Rudolf "Lang" Höß nicht. Und auch der Einwand "Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt. Ich hatte Befehle" kann man so nicht stehen lassen. Fast alle Naziverbrecher haben so oder so ähnlich argumentiert. Die Blindheit gegenüber diesem grausamen Regime ging aber schon viel früher los, als man sich noch hätte wehren können - und dann war es tatsächlich zu spät. Und so tat ein jeder nur noch seine Pflicht auf seinem Posten: grausam, psychisch und moralisch vergiftet, im Glauben nach besten Wissen und Gewissen dem Staat zu dienen.

Doch weiter zur Romanfigur Rudolf Lang: Bei der SA beteiligt sich Lang an Überfällen auf kommunistische Versammlungen und an Sabotageakten im französisch besetzten Saarland. Die schlechte wirtschaftliche Situation in Deutschland und die horrenden Kohleforderungen der Franzosen aus dem besetzten Saarland bescheren der NSDAP und der SA einen gewaltigen Zulauf. Rudolf Lang wird 1924 wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem "Verräter" bzw. an einem Denunzianten zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, kommt aber nach 5 Jahren auf Grund guter Führung wieder auf freien Fuß.
Rodolf Lang wird in die neugegründete SS aufgenommen. Er bekommt auf Grund seiner Kenntnisse den Auftrag, eine SS-Reiterabteilung aufzubauen. Später kommt er nach Dachau und hilft in der dortigen Verwaltung, eines der ersten KZ in Deutschland zu errichten. Später wird er nach Auschwitz befohlen, um das KZ Auschwitz aufzubauen. Nach dem Beschluß zur "Endlösung der Judenfrage" bekommt er von Himmler persönlich den Befehl, aus Auschwitz ein Vernichtungslager zu machen. Er sei auserkoren, weil er "von einer seltenen Gewissenhaftigkeit sei." In geradezu wahnwitziger und perfider Akribie entsteht in Auschwitz ein Lager zur Ausrottung der Juden, das seinesgleichen sucht und - wäre es nicht so makaber - mit einem Betrieb vergleichbar ist. In menschenverachtender Weise spricht man über die zu liquidierenden von "Patienten" oder von "(Menschen-)Einheiten pro Tag", die es "zu behandeln" gilt.
Befehlsausführung und Pflichterfüllung geht ihm über alles. "Unsere Ehre ist die Treue" - dieser Treue-Eid der SS bedeutet: unbedingter Gehorsam ohne Wenn und Aber! "Alles, was ich im Lager tue, tue ich auf Befehl. Ich bin nicht dafür verantwortlich! Ich bin ein Stück des Räderwerks, nichts weiter." Das sagt Rudolf Lang gegen Ende des Romans zu seiner Frau, die enttäuscht und aufgebracht hinter seine Betriebsgeheimnisse kommt. Tatsächlich übernimmt er dann auch für seine Untergebenen die volle Verantwortung bei dem ihm zu erwartenden Prozeß. Umso enttäuschter ist er, daß sich sein Befehlsgeber (Himmler) durch Selbstmord der Verantwortung entzieht.

In einem Film über den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozeß (Anm.: "Nürnberg - Im Namen der Menschlichkeit") möchte ein amerikanischer Psychologe herausfinden, was den völlig unterschiedlichen Naturen der Verbrecher-Elite gemeinsam ist. Und er kommt zu der Überzeugung, "Ihnen allen fehlt es an jeglichem Mitgefühl!" Und so schreibt auch Robert Merle in seinem Nachwort: "Alles, was er (R. Lang) tat, tat er als ein Mann der Pflicht. Und gerade darin war er ein Ungeheuer."


Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
von Thilo Sarrazin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr viel mehr als "Integrationspolitik" und "Juden-Gen", 17. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es wurde viel geredet und geschrieben über Thilo Sarrazins Buch im Vorfeld und auch nach Erscheinen. Und immer wieder hört man von "... umstrittenen Thesen zur Integrationspolitik ..." Ich möchte jedoch alle warnen, die dieses Buch NUR wegen der zu erwartenden Kritik an der Integrationspolitik lesen oder auf Grund zu erwartender Fremdenhetze insbesondere auf Muslime kaufen wollen. Wer seine niederen Instinkte bedient haben will oder von eigenem gesellschaftlichen Unvermögen abgelenkt werden möchte, erwirbt hier eindeutig die falsche Lektüre. Genau das suggeriert aber der immer wieder strapazierte Satz "... umstrittene Thesen zur Integrationspolitik ..."

Das Buch beinhaltet aber weitaus mehr als Integrationspolitik und "Juden-Gen"!

Ich möchte auch nicht verheimlichen, daß dieses Buch keine leichte Kost ist. Die eine Zielgruppe (die, die sich um unser Land, unsere Gesellschaft und unsere Zukunft sorgt) wird es lesen, verstehen und sich in ihren Beobachtungen dessen, was bei uns schief läuft, bestätigt fühlen. Die andere Zielgruppe (die, um die es auch in Sarrazins Buch geht und die notfalls aufgerüttelt werden soll), wird es entweder nicht oder aus falschen Beweggründen heraus lesen - oder nicht verstehen und vielleicht sogar enttäuscht sein.
Das Buch ist in einigen Kapiteln recht zahlenlastig. Das kann man überblättern, überfliegen oder gewissenhaft studieren. Für den, der es konkret wissen und mit Zahlen hinterlegt haben möchte ist es interessant. Für den, dem nur die Info' im Hintergrund reicht, für den reicht es auch die Tabellen nur zu überfliegen.

Ich bin nach über 200 Seiten zum ersten Mal beim Thema Integrationspolitik angekommen. Es kann also keine Rede davon sein, daß Herr Sarrazin nur über die Integrationspolitik zu Felde zieht. Und selbst wenn, dann wäre es an der Politik, über diese Problematik nachzudenken, und erst sekundär an den bei uns lebenden Ausländern. Daß diese (Integrationspolitik) in Deutschland (und in Europa!) kritisch untersucht und verändert werden muß, steht außer Frage. Aber auf meinen bisher gelesenen Seiten beleuchtet und erörtert Thilo Sarrazin mehr als das: es geht um die deutsche Schul- und Bildungspolitik, um die Bevölkerungs- und Bildungsschichtenproblematik in Deutschland, um vererbte Intelligenz und um Leistungs- und Bereitschaftswillen. Es geht darum, festzustellen, daß Unterschicht nicht gleichbedeutend ist mit dem Leben von staatlichen Stützen. Es geht um die Entwicklung der heutigen Arbeitswelt und um Globalisierung. Es geht um bildungsferne und bildungsnahe Bevölkerungsschichten und deren Verhalten beim Nachwuchs zeugen. Es geht darum, auf welchem Niveau diese oder jene dann auch ihren Nachwuchs großziehen. Es geht um Ernährung und um Bewegung (-mangel), es geht um gesellschaftliche Dekadenz im Allgemeinen und um private Verblödung im Besonderen. Es geht um den Einfluß der Medien, speziell um den Einfluß der elektronischen Medien. Es geht um den Teil der elektronischen Medien, der der Verdummung Futter liefert sowie um Leseschwächen und Leseunlust bei einem Großteil der Menschen im Lande. Es geht um Gutmenschenpalaver und um Weltfremdheit unsere Politiker. Und es geht AUCH um Integrationspolitik im Allgemeinen und um die Schwierigkeiten mit einem Großteil der muslimischen Migranten im Besonderen. Und überhaupt: was heißt hier "... umstrittene Thesen zur Integrationspolitik ..."? Für mich sind das keine umstrittenen Thesen, sondern knallharte und reale Tatsachen!! Aber wer Sarrazins Werk nur darauf reduziert oder reduziert haben möchte, hat den Sinn nicht verstanden.

Nachtrag März 2012:

In Sachsen lebt jedes fünfte Kind von Hartz IV, bundesweit jedes siebente Kind. Diese Tatsache ist beschämend für unser Land und bezeichnend für dieses Wirtschaftssystem. Doch trotz dieser prekären und persönlich oftmals unverschuldeten Situation möchte ich einen Aspekt herausgreifen, Zitat "Freie Presse Chemnitz" vom 01.03.12: "Nach Auffassung von Schneider geht der Staat bei der Hilfe für Alleinerziehende von dem falschen Bild hochqualifizierter Frauen aus, die vor allem gute Betreuungsangebote für ihre Kinder benötigen. Etwa die Hälfte aller Alleinerziehenden in Hartz IV sei jedoch ohne Berufsabschluß, fast 20 % ohne Schulabschluß." Wer das liest, fühlt sich in seinen Beobachtungen bestätigt: Haupteinnahmequelle Hartz IV und Wirtschaftsgeldaufbesserung durch Kindergeld, sprich: Kinder! Nachwachsende Hartz IV-Empfänger, denen die Laufbahn bereits vorgeschrieben ist. Aus bildungsfernen Schichten kommt überproportional viel Nachwuchs. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es die Lebensgrundlagen für diese Massen an einfachen Menschen noch gäbe, sprich: einfache Jobs und Berufe. Aber dem ist nicht so, leider. Und das wird auch nicht wieder anders. Zurück bleiben geborene Hartz IV-Empfänger. Der Zusammenhang zwischen Bildungsferne, Hartz IV und überproportional vielen Kindern wird leider wieder einmal bestätigt. Thilo Sarrazin lässt grüßen, auch wenn man ihn immer nur mit seinen (angeblich!) "umstrittenen Thesen zur Integrationspolitik" in Verbindung bringt. Den Rest seiner vielschichtigen Gesellschaftskritik hat man ja leider nie öffentlich debattiert oder zur Kenntnis genommen!


Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (Einzel-DVD)
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (Einzel-DVD)
DVD ~ Ben Whishaw
Preis: EUR 4,97

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ich hatte wohl einen "guten Riecher", damals nicht ins Kino gegangen zu sein, 15. Januar 2012
Ich habe das Buch nicht gelesen. Nach dem Film werde ich es auch nicht mehr tun. Vielleicht ist das ungerecht dem Buch gegenüber - aber meine Kritik bezieht sich ausschließlich auf den Film. Ich glaube auch, daß es fast unmöglich ist, einen Roman zu verfilmen und in "bewegte Bilder" setzen zu wollen - einen Roman der von Gedanken, Gefühlen und Düften lebt. Und der auch von dem unerfüllten Wunsch des Hauptdarstellers lebt, Liebe zu geben und zu empfangen.
Was fand ich interessant? Die Art und Weise, wie man Parfüm herstellt, wie man Düfte in Destillen konserviert und hochwertige Duftöle herstellt, welch hoher Aufwand dabei nötig ist, welches Grundwissen vorhanden sein muß, und wie viel wohlgehütete Erfahrung bei den Rezepturen (Formeln der Kopf-, Herz- und Basisnoten) nötig ist. Sehenswert fand ich die Milieu-Studien der Städte in Frankreich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: Die Lebens- und Arbeitsweise der weitgehend einfachen Menschen im Film, die Mode der einfachen und zumeist weiblichen Bevölkerung - die viel reizender ist, als die aufgepuderte Perückenmode der Obrigkeit - die filmische Kulisse mit Stadtansichten, Märkten und alten Steinbrücken. In puncto Kostümierung und Kulisse punktet der Film sehr.
An der Handlung, die schnell und über weite Strecken in Kitsch übergeht, kann ich mich nicht so recht erfreuen. Vielleicht hätte man es beim Buch belassen sollen. Wie auch will man gerade bei der Szene auf dem Richtplatz darstellen, wie und was der Duft des Parfüms bewirkt und mit welchen unerfüllten Wünschen sich der Serienmörder auf den Weg macht nach Paris, in seine alte Heimat? Und so ist das Ende des Filmes auch nur ein Gewinn: Endlich ist der Film aus. Gähn! Und so ist für mich die zauberhafteste Figur des ganzen Filmes die Person, die als erstes für ihren (Körper-)duft sterben mußte - ungewollt, wohlbemerkt. Das Mirabellenmädchen spielt nur eine kurze Episode im Film und im Leben des Hauptdarstellers. Aber an ihr macht er seine unerfüllten Wünsche und Träume fest: unerreichbare persönliche Wünsche.

Einen Monat später habe ich mich nun doch noch am Roman versucht. Trotz guten Willens habe ich das Buch nach der Hälfte entgültig und entnervt zugeklappt. Sorry, es geht nicht. Es ist nicht "mein Stoff"!


Bitte sterben zu dürfen : [Roman].
Bitte sterben zu dürfen : [Roman].

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch als Pendant zum wesentlich bekannteren "Im Westen nichts Neues", 22. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Deutschland im Dritten Reich, kurz vor dem II.WK.
Alex Jeremin, Sohn eines Arztes, leistet zwischen dem Ende seiner Schulzeit und dem Beginn des eigenen Medizinstudiums seinen Wehrdienst ab. Unteroffizier Machulke, von den Rekruten verächtlich "der Untermensch" oder "aufrechtgehende Freß-, Sauf- und Kackmaschine" betitelt, ist ein Schleifer vor dem Herrn. Er lässt die Rekruten, vor allem die aus besserem Hause, all seine Verachtung und auch die Wut und den Zorn auf die eigene Bildung und Herkunft spüren.
Im Ausgang lernt Jeremin die Halbjüdin Renate kennen, die bei ihrem Vater lebt. Die Mutter ist bereits vor Kriegsausbruch vor den abzusehenden Zuständen in Deutschland in die Schweiz geflohen. Mit Renate kommt es zu ersten Auseinandersetzungen über das Deutsche Reich, die Hitlerjugend, die Nazidiktatur und die Behandlung der Juden in Deutschland. Erste Erkenntnisse Jeremins über die wahren und angstmachenden Zustände in Deutschland sind eher noch harmloser Natur. Er will seinen Wehrdienst ableisten und studieren.

Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus...
Nach einem Einsatz in Frankreich und einer Verwundung nebst Genesungsurlaub kommt Jeremin nach Afrika. Erstmals wird ihm bewusst, daß die Deutsche Wehrmacht unzureichend ausgerüstet und auf Kriege in fremden Ländern bei extremen Wettersituationen (Hitze in Afrika, Sandstürme in der Wüste, später der Winter in Rußland) nicht vorbereitet ist. Langsam stellt er sich die Frage, was man eigentlich in diesen Ländern verloren hat. Dennoch funktioniert das Räderwerk der Armee als Kriegsmaschine. Eigene Zweifel werden immer noch unterdrückt. Ein erster riesiger Schock ist der Tod seines besten Freundes Rothenburg.

Jeremin, inzwischen mehrfach ausgezeichnet und befördert, erleidet wieder eine schwere Verletzung. Danach kommt er an die Ostfront. Die Sorgen um das eigene Überleben steigen, die Zweifel an der Sache nehmen zu und die Sorgen um seine Renate - die er inzwischen geheiratet hat und die ein Kind erwartet - bringen an beinah an den Rand der Verzweiflung. Hier an der Ostfront wird Jeremin auch mit der ganzen Wucht der Unmenschlichkeit der Kriegsführung konfrontiert. Man wird sich bewusst, Kanonenfutter zu sein. Außerdem wird Jeremin zunehmend mit den Begleiterscheinungen dieses Systems konfrontiert, die das Entstehen und Überleben dieser Diktatur ermöglichten: Fanatismus, Menschenverachtung, Größen- und Rassenwahn und vor allem Denunziation. Sein Versuch, sich so viel Menschlichkeit wie möglich zu bewahren, wird zunehmend auf harte Proben gestellt. Und ganz allmählich reift auch die Erkenntnis: dieser Krieg ist ein unmenschlicher und sinnloser Eroberungskrieg, angezettelt von einem unmenschlichen System.

Als letzte Station im Krieg im Osten kommt Jeremin als Lagerkommandant in ein russisches Strafgefangenlager. Was er dort an Behandlung der Kriegsgefangenen erlebt, stellt alles Vorstellbare in den Schatten. Alex Jeremin beschließt, diese Zustände zu ändern. Außerdem gerät er im Lager an den Menschen, der seinen Schwiegervater in Deutschland der Gestapo ans Messer geliefert und beinah seine schwangere Frau in Deutschland auf dem Gewissen gehabt hätte. Die persönliche Abrechnung mit diesem Denunzianten ist auch eine symbolisch zu verstehende Konsequenz: Jeremin wird diesem System nicht mehr dienen und Widerstand leisten, wo es nur geht.

Bei einem Überfall auf das Lager durch Partisanen wird Jeremin angeschossen, noch bevor sich die Gefangenen rechtzeitig für ihn einsetzen können. Schwerverletzt nehmen ihn die Partisanen in ihre Obhut. Es bleibt offen, ob er überlebt. Offen bleibt auch, ob seine hochschwangere Frau überlebt. Beim Bombenangriff wurde sie unter Trümmern begraben, der Vater Alex Jeremins konnte sich noch schützend auf sie werfen, bevor die Trümmer herabstürzten. Zumindest die Gestapo hat beim Anblick des eingestürzten Hauses die weitere Verfolgung Renate Herxheimers als unnötig eingestuft...


Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2 DVDs)
Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2 DVDs)
DVD ~ Scarlett Johansson
Preis: EUR 9,49

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Milieustudie aus den Niederlanden der Barockzeit. Ein Film in den Farben Joannis (Jan) Vermeers., 14. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die siebzehnjährige Griet aus bürgerlichen Verhältnissen muß als Magd in Stellung gehen, nachdem ihr Vater erblindet ist und er als Haupternährer der Familie nicht mehr in der Lage ist. Sie kommt in das Haus des Malers Jan Vermeer (zeitgenössisch Joannis ver Meer). Vermeer gehört zu den bekanntesten Malern des Barock im niederländischen Goldenen Zeitalter (17. Jahrhundert). Ort des Geschehens ist die blühende Handelsstadt Delft in Südholland.
Im Hause Vermeer bahnen sich sofort Konflikte an. Die alteingesessene Magd muß für die Neue ihren Schlafplatz räumen. Der Maler ist fasziniert von der wortkargen Sinnlichkeit Griets. Die Hausherrin ist eifersüchtig und hat zudem - obwohl es die Existenz der Familie absichert - kein Verständnis für die Malerei des Ehemannes. Umso mehr liebt sie den Luxus, den sie sich dafür leisten kann. Der Erfolg des Malers Vermeer ist wiederum abhängig von den Aufträgen des Gönners und Kunstmäzens Van Ruijven. Dieser gibt ein Gemälde in Auftrag - mit der neuen Magd im Hause Vermeer als Modell. Gleichzeitig steigt er Griet nach, bedrängt sie und macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Dafür sorgt auch schon die ältere Tochter Vermeers, die gegen Griet intrigiert, wo sie nur kann. Die Fäden zusammen hält die Mutter der Hausherrin, nicht immer mit fairen, aber immer mit notwendigen Mitteln.

Während es Griet anfangs nur gestattet ist, das Atelier zu putzen und tunlichst nichts zu berühren, entwickelt Griet schnell ein Verständnis für Farben und Licht sowie einen Sinn für Arrangements. Während Jan Vermeer das Interesse und das Verständnis der Magd fördert, nehmen die Konflikte mit der Hausherrin zu. Heimlichkeiten während der Erschaffung des Gemäldes sowie die endgültige Präsentation des Bildes - das der Maler Vermeer seiner Frau gern erspart hätte - lassen den Familienkonflikt eskalieren.

Der Film lebt von einer großartigen zeitgenössischen Kulisse, von wenigen Worten und vielen Gesten, vom emotionalen aufgewühlt sein aller Beteiligten. Obwohl sich Griet und Vermeer bis zum Schluß nichts Anstößiges vorwerfen lassen müssen, versprüht der Film Sinnlichkeit, Erotik und den inneren Kampf Vermeers. Das Spiel mit dem Feuer läßt auch Griet nicht kalt. Und so zeigen beide ihre innere Zerrissenheit hauptsächlich mit Gesten und in den Blicken. Und während der eigensinnige Vermeer und die (bis zu einem gewissen Punkt) zu gehorchende Magd eigentlich klare Fronten haben, gerät das Verhältnis Herr/Magd immer weiter in den Hintergrund. Da Griet die Ohrringe der Hausherrin als i-Tüpfelchen des Arrangements trägt, gerät die Fertigstellung des Gemäldes beinahe zur Katastrophe. Und so fällt auch das Urteil der Hausherrin aus: "Das Bild ist schamlos!"

Der Film "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" gehört für mich in die Kategorie "Der besondere Film". Scarlett Johansson als Griet und Colin Firth als Jan Vermeer sind die Seelen des Films. Mit Gesten und Blicken sowie mit sparsamen Dialogen und dezenter Filmmusik entsteht in diesem Film eine knisternde Erotik, die hart an den Moralvorstellungen der damaligen Zeit kratzt und wohl heute noch jede Ehefrau zur wütenden Furie werden lassen würde. Zusätzlich baut der der Film eine Spannung auf, die dieser Stoff nicht vermuten lassen würde.


Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren
Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren
von Katja Kessler
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spott aufs andere Geschlecht, Selbstironie, und auch die Kinder bekommen ihr Fett weg - ein Buch wie im richtigen Leben, 14. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nein, ich kannte Katja Kessler bisher nicht. Und auch ihr Mann war mir bis dato kein Begriff. Nun kommen aber abends nach meiner Spätschicht (wenn das Verblödungsprogramm, das seit Mittag läuft, beendet ist) mitunter richtig gute Sendungen ' auch anschaubare Talkshows. Und zu Gast in einer jener Talksendungen (war es Riverboat?) war Katja Kessler. Die studierte und promovierte Zahnärztin, Autorin und Klatschjournalistin, vom Leben auf den Boden der Tatsachen zurückgeholte vierfache Mama und Ehefrau eines (Chef-) Redakteurs plauderte ' genüßlich für die Zuschauer ' über Kinder, Familie und Alltag in der Familie Kessler-Dieckmann. Und sie plauderte über ihr Buch, in dem der zehnjährige und mit sehr überschaubaren Fortschritten verzeichnete Versuch, ihren Mann zu dressieren, zu Papier gebracht wurde. Und als Resümee steht immer wieder: Ich liebe doch meinen Mann eigentlich, so wie er ist.
Denn merke: Ich kann mich ändern (für wen auch immer), wenn ich es will. Du kannst Dich ändern (für wen auch immer), wenn Du es willst. Aber ich kann Dich nicht ändern und Du nicht mich!
Bücher zum Thema Mann-Frau gibt es genug, manche lesenswert und manche nicht. Auch Katja Kesslers Vorgängerbuch 'Frag mich Schatz, ich weiß es besser' legte ich früher oder später (eher früher) unausgelesen zur Seite. Vielleicht brauchte Katja K. dieses Werk noch zur abschließenden persönlichen Stilfindung, sozusagen als letzte Etappe vor dem großen Wurf (oder das Buch war schlicht nicht mein Fall). Das neuerliche Werk 'Der Tag, an dem ich beschloss' ' ist der Brüller!! Vieles in diesem Buch ist durchaus auch mit anderen Vorzeichen und vielleicht der einen oder anderen Beispielsituation auf Frauen ummünzbar. Aber darum geht es nicht. Und obwohl ich ein Mann bin, finde ich dieses Buch geradezu köstlich.
Es ist ja so, daß auch Frauen auf uns Männer sehr oft wie Wesen von einem anderen Stern wirken. Im Kindergartenalter mag es noch gehen, aber spätestens ab dem Schulalter sind sie uns mehr und mehr suspekt. Trotzdem kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo wir sie interessant, begehrenswert und reizend finden. Aber abgesehen davon bleiben sie ein Wesen vom anderen Stern. Dennoch muß nun nicht gleich zum Gegenangriff geblasen werden und die Gegenlektüre verfasst werden. Denn eins ist klar: Katjas Buch ist so leicht nicht zu toppen. Dann lassen wir es lieber unkommentiert im Raum stehen und schmunzeln herzhaft mit darüber.
Außerdem, und das ist Katja K. gutzuheißen, zieht sie auch selbstironisch ein Mutti-Resümee. Und bei der Gelegenheit interpretiert sie in sechzehn (!) Mutti-Dossiers auch gleich alle vorhandenen und verschiedenen Balla-Balla-Mama-Typen. Ich muß das direkt nochmal lesen. Auf die meisten Mütter treffen mit Sicherheit mehrere Dossiers zu. Zumindest gibt es da keine klaren Einstufungen, die Grenzen bei Mama-Macken-Kategorien sind fließend und übergreifend.
Darüber hinaus schwadroniert sie übers älter werden im Allgemeinen und bei Frauen im Besonderen. Witzig: Katja Kessler wird von einem Zweitklässler gefragt, ob ihre Ausführungen, als sie selbst klein war, 'im Krieg' stattfinden. Anmerkung: sie ist Baujahr 1969!! So wird man alt geschätzt. Meine eigene Tochter fragte mich mal: 'Papa, als Du klein warst, gab es da schon Strom?' Hallo, ich bin Baujahr 1962!!
Lustig ist auch die kleine Abhandlung über große und kleine (Möchtegern-) Charmeure und über bereitgestellte 'Fettnäpfchen' ' die man, je nach zu erreichender Pointe, nutzen sollte oder besser nicht.
Wir waren daheim auch vier Kinder. Meine arme Mutter!! Was dieses Buch außerdem so lesenswert macht? Die zeitgemäße Wortwahl und der häufig in jedem alltagsgestresstem Gehirn entstehende Jargon ' den man machmal für sich behält und manchmal nicht. Trotzdem erscheint der Stil des Schreibens keinesfalls plump, billig oder gewöhnlich. Nur eben sehr verständlich und für die Leserzielgruppe schmunzelnd oder laut lachend nachvollziehbar. Das Buch ist witzig illustriert und darüberhinaus mit -zig komischen Details aufgepeppt: abgedruckte gelbe Haftnotizen mit allerlei Sprichwörtern oder Zitaten, Kalendereintragungen aus dem Leben der Familie, Kindermund und so weiter.


Die Hexentrilogie. Sammelband (Die Hexe / Der Hexenanwalt / Das Kölner Tribunal)
Die Hexentrilogie. Sammelband (Die Hexe / Der Hexenanwalt / Das Kölner Tribunal)
von Wolfgang Lohmeyer
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch, das betroffen macht! Mit einem aktuellen Bezug zur Gegenwart?, 11. Dezember 2011
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Das Buch, das betroffen macht!

In einer Zeit, in der der größte Aberglaube eigentlich hätte vorbei sein sollen – nämlich der Aberglaube des Frühmittelalters – war der Hexenwahn in Deutschland im ausklingenden Spätmittelalter auf seinem traurigen Rekord angekommen. Im 16. und 17. Jahrhundert waren Pestepidemien und der 30-jährige Krieg als Religions- und Machtverteilungskrieg in Europa günstige Begleiter für die schlimmste Zeit des Hexenwahns im Mittelalter. Hexenverfolgung als Machtinstrument der Machtinstitution Kirche (der evangelischen und der katholischen); dazu Dummheit, Neid, Mißgunst und Denunziation.

Bei großen gesellschaftlichen Systemumbrüchen kann man solche zwischenmenschlichen Verfallserscheinungen immer wieder und immer noch beobachten. Auch die Gestapo, die Stasi oder andere Geheimdienste diktatorischer Staaten nutzen diese erbärmliche Schwäche des Menschen perfide aus. Dazu kamen im speziellen Fall der Hexenverfolgung Frauenhass (hunderttausende Mädchen und Frauen sowie ein geringer Prozentsatz Männer fielen dem zum Opfer), sexuelle Frustration und Angst vor Machtverlust. Bei den Helfern und Helfershelfern der Verhaftungen, der Folterungen und der Verbrennungen kommt noch eine gehörige Portion Sadismus dazu. Und der Pöbel – froh, nicht selbst betroffen zu sein – genießt und gutheißt diese Schauspiele.

Aus heutiger Sicht unvorstellbar: die Hexenverfolgung wurde sogar zur Wissenschaft erklärt. Und man bedient sich dabei eines Buches, das beinahe 200 Jahre alt ist: dem “Hexenhammer”. Und ich bin überzeugt, wenn die katholische Kirche heute walten könnte, wie sie wollte, wir hätten in vielerlei Hinsicht ganz schnell wieder mittelalterliche Zustände! Und die ersten Leidtragenden wären die Frauen!

Pater Friedrich Spee (Romanheld mit historischem Bezug) erkennt die unmenschliche Praxis des Hexenwahns und die Unschuldigkeit der Opfer. Pater Spee kommt zu folgendem Ergebnis: “Wenn man davon ausgehen kann, daß auch nur EINE unschuldig war, dann könnten auch mehrere unschuldig sein. Und man wagt kaum den Gedanke zu Ende zu führen: dann wären vielleicht alle unschuldig!” Er schreibt sein Buch, die “Cautio criminalis”, und prangert die Hexenverfolgung an. Solange, bis er selbst ins Visier der “Justiz” gerät.

Ein historischer Roman zu Zeiten des 30-jährigen Krieges, der Pest und der Hexenverfolgung. Pater Friedrich Spee und sein Werk “Cautio criminalis” sind historisch belegt. Orte des Schauplatzes sind Köln und die Region am Rhein, aber auch Paderborn und Orte entlang der Weser.

Tip: Besuch des Hexenkellers auf Burg Penzlin (Mecklenburg-Vorpommern). Erschütternde und unter die Haut gehende Zeitdokumente, die in ihrer Vollständigkeit und penibler Buchführung über die Opfer eine Gänsehaut verursachen! Der Unterschied zwischen persönlichem Glauben, einer Religion und der Machtinstitution Kirche wird dem Besucher hier grausam bewusst.


Reflections
Reflections
Preis: EUR 17,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich weiß eigentlich nicht, was ich sagen soll..., 8. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Reflections (Audio CD)
"Herausragend und überwältigend für mich (ohne den Rest der Band klein reden zu wollen) ist Candice Night. Ihr Stimme ist der Höhepunkt der gesamten Inszenierung. Was in der jungen, zarten Frau mit den langen blonden Haaren und dem Mittelalterkleid für eine Kraft steckt, das ahnt man nur, als der Abend beginnt. Mit einer unglaublich glasklaren Stimme beginnt sie zu singen. Im Laufe des Abends schöpft sie das gesamte Potential ihres Stimmumfanges aus. Manchmal wechselt sie von einer zarten Stimme bei den Balladen bis hin zu einem mächtigen Stimmeinsatz bei den druckvoll-rockigen Titeln. Andermal wechselt sie innerhalb eines Titels, beginnend bei einem zarten Sologesang zur Mandolinenbegleitung. Während man noch dabei ist, diese Frau und ihre Stimme einfach nur zu genießen und Gänsehaut aufkommen zu lassen, baut sich der Song allmählich im Einsatz aller Instrumente auf und Candice scheint stimmlich beinahe zu explodieren, um hernach das Lied mit ihrer zarten Stimme und Ritchies Mandoline wieder ausklingen zu lassen. Dazu dreht sie sich gekonnt und passend zu ihrem Outfit, rückt auch beiseite um andere Bandmitglieder im Mittelpunkt stehen zu lassen und hat dabei immer ihr Tamburin oder ein mittelalterliches Blasinstrument zur Hand.
Candice Night versprüht einen Charme durch ihre Bewegungen sowie ihre Gestik und Mimik, dagegen kann man jedes billige und sexuell-zweideutige Musikvideo bei MTV getrost in die Tonne kloppen. Sie redet und flirtet, sie witzelt und lacht mit dem Publikum und ihrer Band gleichermaßen, daß es eine Freude ist ihr zuzuschauen."

Soviel zu einem Teil eines von mir erstellten Konzertberichtes zu einem Blackmores Night-Konzertes.

Was das nun mit Candice Nights CD zu tun hat? Nichts, leider. Ich hatte mir das anders vorgestellt.
Sicher muß sich Candice nicht in eine Blackmores Night-Schublade stecken lassen, dafür ja auch eine Solo-CD. Aber ich tue mich mit dieser CD (sehr) schwer. Ich würde sie mir vorher ungehört auch nicht noch einmal kaufen. Und vorher gehört auch nicht. Ich will die Scheibe nicht schlecht reden. Gut reden kann ich sie aber auch nicht. Und so steht sie in meinem Schrank bei den BN-Scheiben, weil sie "irgendwie" dazu gehört. Aber vielleicht wollte Candice gerade das nicht? Es ist ihr gutes Recht. Aber ob sie damit eine Fan-Gemeinde aufbaut, in der der Zeit nach Blackmores Night? Ich glaube es nicht.


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