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Top-Rezensenten Rang: 908.490
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Rezensionen verfasst von
Eberhard von Goldammer (Witten (Ruhr))
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Neuromythologie: Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung: Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung (3., ... 2013) (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft)
Neuromythologie: Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung: Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung (3., ... 2013) (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft)
von Felix Hasler
  Broschiert
Preis: EUR 22,80

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine längst überfällige – sehr lesenswerte – "Streitschrift", 6. Januar 2013
Das Buch "Neuromythologie" mit dem Untertitel "Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung" wird vor allen Dingen diejenigen sehr interessieren, die sich noch an die "quälende" – teilweise intellektuell ziemlich platte – Diskussion über den "freien Willen" im Kontext der modernen experimentellen Hirnforschung und darüber hinaus auch an die Ankündigungen der zukünftigen Erfolge in dem "berühmten" Manifest[1] der elf Neurowissenschaftler aus dem Jahr 2004 erinnern können.
Die „Streitschrift“ ist ein wirklich spannend geschriebenes und sehr gut lesbares Buch, das eigentlich längst überfällig war. Dem Autor sei für seine Mühen gedankt, denn er hat sich die Arbeit gemacht und das Material aus ca. 400 Referenzen aus dem Bereich der (vorwiegend experimentellen) Hirnforschung in seinem Buch verarbeitet; – somit stellt das Buch auch eine wahre Fundgrube für alle diejenigen dar, die sich – aus welchen Gründen auch immer – weiter kritisch mit diesem Thema beschäftigen wollen, denn das Thema „Hirnforschung“ lässt sich natürlich von sehr vielen, sehr unterschiedlichen Standpunkten aus kritisch analysieren.

Das Buch mit seinen 260 Seiten ist in 10 kürzere Kapitel unterteilt:
1 Neuro-Enthusiasmus. Alle machen Hirnforschung.
2 Neuro-Evidenzmaschinen. Bildgebende Verfahren in der Kritik.
3 Neuro-Essenzialismus. Bin ich mein Gehirn?
4 Neuro-Philosophie. Jeder darf mitraten.
5 Neuro-Reduktionismus. Neuro-Manipulation und das Verkaufen von Krankheit.
6 Neuro-Doping. Ich, nur besser?
7 Neuro-Determinismus. Was will, wenn wir wollen?
8 Neuro-Forensik. Vom Umgang mit riskanten Gehirnen.
9 Neuro-Recht. Hirn-Scanner im Gerichtssaal.
10 Neuro-Skepsis statt Neuro-Spekulation.

Dabei ist das Kapitel 5 mit knapp ca. 95 Seiten das umfangreichste. Das ist auch kein Wunder denn der Autor ist promovierter Pharmakologe und hat – laut CV [2] – über die "Psychopharmakologie halluzinogener Pilze" an der Universität in Bern promoviert.

Eine Rezension aus der NZZ und einen kurzen Vortrag des Verfassers findet der interessierte Leser unter: [...]
Man kann sich eigentlich nur wünschen, dass möglichst viele – vor allen Dingen Studenten – sich dieses kritische (positiv-konstruktive) Buch als Lektüre einmal vornehmen, bevor ihnen an der Universität durch den Scientific Mainstream das Gehirn vollständig mit Nebel zugefüllt wird.

[1] [...]
[2] [...]
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 19, 2016 11:48 PM MEST


Auf dem Holzweg durchs Universum: Warum sich die Physik verlaufen hat
Auf dem Holzweg durchs Universum: Warum sich die Physik verlaufen hat
von Alexander Unzicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

21 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerte Holzweg(e), 4. September 2012
Wenn man den Titel des Buches "Auf dem Holzweg durchs Universum" hört und/oder liest, fragt sich der etwas philosophisch (vor)gebildete Hörer/Leser: "Hat das etwas mit Heidegger zu tun?" Man könnte diese Brücke schlagen, dann würde man aber viel in das Buch hinein interpretieren, was der Verfasser möglicherweise so gar nicht gemeint hat -- wir wissen es nicht. Philosophisch (vor)gebildete Leser wären aber gefragt, denn eigentlich würde man ein derartiges Buch aus diesen Kreisen erwarten -- schließlich schmücken sich viele Kollegen der Philosophie in ihrem CV mit dem Hinweis, dass sie Physik und eben auch Philosophie studiert haben. Aber aus diesen Kreisen kommt heute nicht sehr viel was die Physik in ihren Grenzbereichen des Mikro- und Makrokosmos anbelangt.

Kritisch deutlich ist der Autor Alexander Unzicker sowohl in dem 2010 erschienenen Buch "Vom Urknall zum Durchknall" und eben jetzt in "Auf dem Holzweg...".
Worin unterscheiden sich nun diese beiden Bücher? Um das herauszufinden musste ich mir "Vom Urknall..." erst einmal aus der Bibliothek holen und dabei fand ich schon im Katalog den Hinweis, dass es sich bei dem von mir ausgeliehenen Buch um einen (korrigierten) Nachdruck des Springer Verlags aus dem Jahr 2010 handelt.

Da die Thematik in "Auf dem Holzweg..." sich von der Thematik "Vom Urknall..." ja eigentlich kaum unterscheiden kann, ist zu vermuten, dass die Auflage von "Vom Urknall..." praktisch verkauft ist (daher der Nachdruck) und sich der Hanser Verlag entschieden hat, noch einmal eine neue Version des Themas aufzulegen. "Auf dem Holzweg..." ist anders strukturiert als die Vorgängerversion, d.h. es ist in sieben größere Kapitel -- mit jeweils physikalisch orientierten Überschriften -- unterteilt, was der gesamten Thematik nicht schadet -- im Gegenteil.

Da sich die Thematik in beiden Büchern nahezu vollständig überlappt, kann man sich auch an den Rezensionen von "Vom Urknall ..." durchaus orientieren. Wenn man dies tut, fällt auf, dass viele -- und vermutlich sind es häufig auch und gerade Naturwissenschaftler -- die "Karte mit dem Territorium verwechseln", also das Modell für die Realität halten. Im Bereich des Mikro- und Makrokosmos sollte man aber tunlichst Modell und Realität voneinander unterscheiden und alle physikalischen Theorien sind nun einmal Modelle und nicht die Realität. Es macht auch einen Unterschied, ob man physikalische Modelle im Bereich des Mesokosmos oder des Mikro- und Makrokosmos betrachtet. Ein simples Beispiel mag dies verdeutlichen:
Das Billard-Spiel ist aus Sicht der Physik nichts anderes als ein Austausch von Energie und Impuls zwischen den Kugeln im Rahmen von elastischen Stößen -- zugegeben ein etwas spartanisches Bild, aber mehr ist da nicht vom Standpunkt der Physik aus betrachtet. Man hat als Beobachter aber immerhin die rollenden sich wechselseitig stoßenden (Billard-)Kugeln (im Prinzip) noch vor dem Auge(!). Völlig anders sieht das im Mikrokosmos aus. Nehmen wir den so genannten Compton-Effekt, da handelt es sich ebenfalls um einen elastischen Stoß zweier "Kugeln" (in Anspielung auf den Prolog in "Auf dem Holzweg..."), nämlich zwischen einem Photon und beispielsweise einem Elektron und deshalb handelt es sich auch hier um den Austausch von Energie und Impuls. Aber im Gegensatz zum Billard-Spiel hat man hier die sich stoßenden Objekte nicht unmittelbar vor dem Auge, sondern immer nur vor dem "geistigen Auge". Man darf sich also nicht wundern, wenn die Theorie für diese Objekte etwas komplexer ausfällt als im Bereich des Mesokosmos -- und die Theorie ist ein Modell und nicht die Realität, auch beim Billard-Spiel. Die Frage ist dabei nicht, ob die jeweiligen Modelle "gut" oder "schlecht" sind, sondern ob sie brauchbar oder eben nicht brauchbar sind.

So ist das Raum-Zeit-Modell aus der Einsteinschen Relativitätstheorie mit Sicherheit völlig unbrauchbar für die Beschreibung der Prozesse in lebenden Systemen, denn dort kann und muss man auch Mehrzeitigkeit in Betracht ziehen. Ob diese Theorie brauchbar ist zur Beschreibung der "Entstehung des Kosmos" -- wenn es denn je einen Urknall gab -- das kann man mit Fug und Recht anzweifeln, denn aus logischer Sicht ist der Urknall nicht als eine Explosion in Raum und Zeit zu verstehen (wie beispielsweise bei der Knallgasexplosion), sondern als eine Explosion von Raum und Zeit; -- d.h. es explodiert nicht irgend etwas an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit (wie das Knallgasgemisch), sondern es explodiert die Raumzeit selbst -- jedenfalls nach dem Modellvorstellungen von Einstein -- was immer das bedeuten mag.

Wem solche Betrachtungen Spaß machen, der muss das Buch lesen -- da gibt es viele Anregungen auch zum Weiterlesen, denn in den etwa 270 Endnoten finden sich eine Reihe von Literaturangaben, denen man nachgehen kann, auch wenn dieses Verzeichnis sicher nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, was die Auflistung der kritischen Literatur auf dem Gebiet der Wissenschaft(stheorie) anbelangt, denn da gibt es noch viel mehr, vor allen Dingen auch aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum.

Die Lektüre dieses Buchs setzt allerdings voraus, dass man zumindest irgendwann einmal mit Physik in Berührung gekommen sein sollte und dies nicht als ein Martyrium erlebt hat. Das Buch ist -- wie schon die Vorgängerversion -- sehr flüssig geschrieben und daher angenehm zu lesen. Auch die im Text immer wieder auftauchenden historischen Rückblicke tragen zur Leichtigkeit des Textes bei, so dass die Lektüre auch niemals ermüdend ist.

Das Buch würde sich gut als eine Grundlage für ein interdisziplinäres Seminar eignen -- also beispielsweise im Rahmen einer Studium-Generale-Veranstaltung.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2012 10:55 AM CET


Freiheit: Ein Plädoyer
Freiheit: Ein Plädoyer
von Joachim Gauck
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

34 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "liberté, égalité, fraternité" das war einmal, jetzt: "Freiheit, Verantwortung und Toleranz", 4. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Freiheit: Ein Plädoyer (Gebundene Ausgabe)
Es ist merkwürdig, dass niemanden in diesem Blog bisher (wir schreiben den 04. März 2012) aufgefallen ist, dass in der Rede von Joachim Gauck der Begriff "Freiheit" sehr häufig auftaucht (etwa 40 bis 50 Mal), nicht jedoch die Begriffe "Gleichheit" und "Brüderlichkeit". -- Anstelle von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" (liberté, égalité, fraternité) sind es bei Gauck die Begriffe "Freiheit, Verantwortung und Toleranz"-- das jedenfalls sind die drei Schwerpunkte/Überschriften in der gedruckten Rede.

In einem Interview (derStandard vom 23.02.12) antwortet Heiner Geißler, der diese Rede kennt, auf die Frage, ob er sich auf den künftigen deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck freuen würde[1]:
"... Das Eintreten Gaucks für die Freiheit ist wichtig, aber es ist zurzeit nicht das wichtigste Thema unserer Gesellschaft. Ich finde es auch befremdlich, dass ausgerechnet ein Bürgerrechtler die Occupy-Bewegung in ihrem Kampf gegen Kapitalismus als albern bezeichnet. [...] Demokratische Politik beruht auf den Werten Freiheit, Gleichheit, Solidarität. Manchmal ist der eine Wert mehr bedroht als der andere. Im Moment sehe ich den Wert der Solidarität als am meisten geschwächt an--Solidarität zwischen Alt und Jung, Reich und Arm, Männern und Frauen, Deutschen und Ausländern."

Die Journalistin und Bürgerrechtlerin Daniela Dahn verweist in ihrem Artikel "Joachim Gauck--ein Präsident für die Eliten" (Cicero-online, 22.02.2012[2]) zu Recht auf die physische (Gaucks Mitgliedschaft des elitären Vereins Atlantik-Brücke) und geistige "Nähe [Gaucks] zu US-republikanischem Denken" hin--und hier genau beginnt ein Problem;--ein Problem, welches von dem französischen Soziologen Alain Ehrenberg in seinem Buch "Das Unbehagen in der Gesellschaft" (suhrkamp, 2011) auf ca. 500 Seiten brillant abgehandelt wird. Es ist der grundlegende kulturelle Unterschied--diesseits und jenseits des Atlantiks--im Gebrauch und Verständnis der Begriffe: Demokratie, Republik, Individualismus, Freiheit, Gleichheit, Autonomie, öffentlich, privat usw.[3] Darüber hat sich der ehemalige Pastor und angehende Präsident Joachim Gauck vermutlich keine Gedanken gemacht. Sein Beitrag bleibt an der Oberfläche und ist (leider!) mehr als dünn. Warum ist dieser Beitrag so extrem dünn? Das liegt nicht unbedingt nur am Umfang!

Man kann den Begriff "Freiheit" relativ leicht negativ bestimmen, nämlich keinem Zwang zu unterliegen. Aber schon der Begriff "Gleichheit" erfordert eine positive Antwort: Gleich im Hinblick auf wen? Gleich im Hinblick auf was? Gleich im Hinblick auf welche Eigenschaften? Ist das der Grund dafür, weshalb der Begriff "Gleichheit" in Gaucks Rede nicht vorkommt?

Bei dem Begriff "Toleranz" hätte Gauck ja nur einmal den großen "Vordenker" Goethe zitieren können, der in "Maximen und Reflexionen" geschrieben hat: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."

Gauck hätte sich dann allerdings Gedanken über den Unterschied von "tolerieren" und "anerkennen" machen müssen. "Ich toleriere oder dulde oder erdulde etwas" ist eine auf das ICH bezogene Handlung, also eine etwas egozentrische Angelegenheit. Während "anerkennen" sich immer auf einen Anderen--also auf ein DU--bezieht. Vielleicht hätte Joachim Gauck dann auch erkannt, dass es aus logischer(!) Sicht im Abendland kein Du gibt. Der Theologe John Cullberg--also ein "Berufskollege" von Joachim Gauck--hat diese Problematik in seinem Buch "Das Du und die Wirklichkeit" (Uppsala, 11933) brillant abgehandelt; und die logische Problematik der Ich-Du-Es-Beziehung wird in "Idee und Grundriss einer nicht-Aristotelischen Logik" (Meiner Verlag, 11959) von dem Logiker und Philosophen Gotthard Günther für jedermann verständlich thematisiert. Dieses--vielleicht auf den ersten Blick sehr theoretisch erscheinende--Problem ist eine der Hauptursachen für Heiner Geißlers--nach meiner Ansicht berechtigten--Kritik an Gaucks Rede, wenn er das Thema "Solidarität"--oder etwas altmodisch "Brüderlichkeit" (fraternité)--anmahnt.

Es ist nicht primär das Missbehagen darüber, dass Gauck den Unterschied der US-amerikanischen und europäischen Kultur nicht thematisiert, ja noch nicht einmal erkennt, sondern es ist die Begeisterung in der Bevölkerung und vor allen Dingen in den Reihen der so genannten "Eliten" in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Personenkult, der mit diesem Kandidaten im Voraus betrieben wird, die einem unangenehm aufstößt und zu Missbehagen führt. Es könnte nämlich durchaus sein, dass die junge Generation--die so genannte "Internet-Generation"--schon bald erkennt, dass es sich hier um eine Geschichte handelt, wie sie von Hans Christian Andersen in seinem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" so schön beschrieben wurde.

[1] URL des Interviews in "derStandard" vom 23.02.2012:
[...]

[2] URL des Artikels von Daniela Dahn in "Cicero" vom 22.02.2012:
[...]

[3] Zum besseren Verständnis der Arbeit von Alain Ehrenberg, hier einige Zitate:
a)"Amerikaner sind im Unterschied zu den Europäern als Freie geboren, was sie zugleich »der Traditionen der Reaktion und der Revolution« beraubt hat."
b)"Die Amerikaner arbeiten eine Unabhängigkeitserklärung aus, und die Franzosen eine Erklärung der Menschenrechte."
c)"»Das freie und gleiche Individuum, das eine moralische Verantwortung besitzt, ist die Grundlage der gemeinsamen Solidarität.« [ref.] Dieser Satz eines Politologen könnte jedem anderen amerikanischen Politologen, Philosophen oder Soziologen zugeschrieben werden, denn er stellt den großen Konsens dar. Das Individuum hat ihm zufolge zunächst Pflichten gegenüber der Gesellschaft wie zuvor gegenüber seinem Gott (das ist der moralische Charakter), während es in Frankreich die Gesellschaft ist, die, vermittelt durch den Staat, Pflichten zum Schutz des Individuums hat."
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 3, 2012 10:00 PM MEST


Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess
Das kooperative Gen: Evolution als kreativer Prozess
von Joachim Bauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

20 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Paradigmenwechsel stoßen erst einmal auf heftigen Widerstand des etablierten Scientific Mainstream, 19. Februar 2010
Sieht man sich die Statistik der Rezensionen von Joachim Bauers Buch "Das kooperative Gen" einmal genauer an (Stand: Mitte Februar 2010 / bezogen auf die Erstausgabe mit dem Untertitel "Abschied vom Darwinismus"), dann scheint es hier im Wesentlichen entweder nur "sehr gut" (fünf Sterne) oder nur "mangelhaft" (ein Stern) zu geben -- also eine Polarisierung in den Meinungen und Bewertungen dieses Buches.

Das ist insofern sehr überraschend, als das Thema und der Inhalt nun schon seit ca. 15 Jahren nachzulesen sind -- allerdings nicht von deutschen Autoren -- da scheint Joachim Bauer wohl einer der ersten zu sein, der dieses Thema mit seinem Buch "Das kooperative Gen" auf dem neuesten Stand der Forschung sehr verständlich und vor allen Dingen gut lesbar aufgearbeitet hat.

Wenn man an Bauers Buch eine Kritik anbringen will, dann ist es vielleicht die Wahl des Untertitels "Abschied vom Darwinismus" der Hardcover-Version. Hier wäre "Abschied vom Darwinismus wie er bis heute wissenschaftlich bearbeitet und immer noch gelehrt wird" ein zwar viel zu langer, aber aus inhaltlicher Sicht sicherlich zutreffenderer Untertitel gewesen. In der gerade erschienenen überarbeiteten Taschenbuch-Ausgabe ist der neue Untertitel "Evolution als kreativer Prozess" eine wesentlich bessere Wahl, ob das allerdings die Kritiker und Anhänger der eindimensionalen "Synthetischen Theorie" -- also die Neo-Darwinisten -- befriedigen wird, das ist nach der Lektüre der teilweise recht bizarren Kritiken zu bezweifeln.

Was die Kritiker ganz offensichtlich übersehen haben, ist beispielsweise das Buch von Eva Jablonka und Marion Lamb ("Evolution in Four Dimensions"), das 2005 im MIT-Verlag erschienen ist. Hier ist besonders interessant, dass die beiden Autorinnen bereits 1995 ein Buch mit dem -- für Neo-Darwinisten sicherlich provozierenden -- Titel "Epigenetic Inheritance and Evolution: The Lamarckian Dimension" veröffentlicht haben. Sieht man sich einmal die Rezensionen zu "Evolution in Four Dimensions" bei www.amazon.com an, dann findet man dort keine derartige Polarisierung der Meinungen wie dies bei dem Buch von Joachim Bauer in Deutschland der Fall ist. Wer beide Bücher gelesen hat -- und es gibt noch eine Reihe weiterer Titel, die man hier anführen könnte --, reibt sich verwundert die Augen und kann nur vermuten, dass wir es bei einigen Evolutionsbiologen in deutschen Landen mit einem merkwürdigen Hinterwäldlertum zu tun haben. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man sich einmal zu diesem Thema in anderen Kulturen umsieht -- also z.B. in Japan. Seit 2002 gibt es eine deutsche Übersetzung von "Seibutsu no Sekai" (deutscher Titel: "Die Welt der Lebewesen") des japanischen Anthropologen Kinji Imanishi (1902-1992). Die inhaltliche Verwandtschaft zu den Büchern von Joachim Bauer, Eva Jablonka & Marion Lamb und anderen Autoren wie Evelyn Fox Keller, Maximo Sandin, Lily E. Kay oder Mae-Wan Ho -- um nur solche Autor(inn)en zu nennen, deren Bücher ins Deutsche übersetzt wurden --, lässt sich hier förmlich mit den "Händen greifen".

Es lohnt sich in jedem Fall, Joachim Bauers Text zu lesen, da ihm ein tiefes (intuitives) Verständnis des Autors für die Komplexität lebender Prozesse, die sich vor allem durch ihre Selbstrückbezüglichkeit auszeichnen, zugrunde liegt. Wer das Thema nach der Lektüre dieses Buches noch weiter vertiefen möchte, dem kann man die Beschäftigung mit den Büchern einer der oben zitierten Autorinnen nur wärmstens empfehlen.

Ein Problem bleibt natürlich bestehen, nämlich die Frage nach der formalen Darstellung, nach der Modellierung kreativer evolutionärer Prozesse. Mit dem geistigen Werkzeug der klassischen (aristotelischen) Logik und der auf ihr basierenden Mathematik allein ist das nicht zu bewerkstelligen -- aber das ist bereits ein anderes Thema. Anstatt herumzugeifern sollten sich die Evolutionsbiologen einmal mit dem Problem, d.h. der Entwicklung einer standpunktabhängigen formalen (System-)Theorie als einer ersten Ausgangsbasis für ihre Wissenschaft auseinandersetzen. Das wäre dann ein wichtiger evolutionärer(!) Schritt auf dem Weg zu einem besseren Verständnis der Evolution des Lebens, anstatt sich mit dem schlichten eindimensionalen Denken von 'Zufall und Notwendigkeit' zu begnügen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 25, 2015 8:13 AM MEST


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