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Rezensionen verfasst von
Thomas Junker
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Das Gender-Paradoxon
Das Gender-Paradoxon
von Ulrich Kutschera
  Broschiert
Preis: EUR 24,90

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biologie als Chance: Wider die Gender-Ideologie, 20. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Das Gender-Paradoxon (Broschiert)
Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Geschlechterforschung und ihre Transformation in eine politische Heilslehre unter dem Label 'Gender-Mainstreaming' wurden in den letzten Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert und kritisiert. Von Frauen, die sich von den Gender-Aktivistinnen nicht vertreten fühlen, von politischen Bewegungen, die eine Zerstörung bewährter sozialer Strukturen befürchten, und von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die sich gegen die Übergriffigkeiten der Gender-Politkommissarinnen zur Wehr setzen.

Aus der Gruppe der Wissenschaftler hat sich nun der Kasseler Pflanzenphysiologe und Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera mit dem Buch 'Das Gender-Paradoxon' zu Wort gemeldet. Der 'Genderismus' sei 'eine universitäre Pseudowissenschaft', die sich 'wie ein Krebsgeschwür' an den Universitäten verbreite. Er sei 'geistesverwandt' mit dem religiösen Kreationismus und werde von 'Vertreterinnen des radikal-fundamentalistischen, sekten-artigen Feminismus' vorangetrieben (S. 332, 397, 399). Letztlich werde so die Autonomie der Biologie untergraben und die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Wissenschaft und Lehre ausgehöhlt.

Wie kommt Kutschera zu diesem vernichtenden Urteil? Ist es nur Polemik oder sachlich begründbar? Ich denke, dass beides der Fall ist. Kutscheras Buch ist an vielen Stellen pointiert, auch polemisch und oft drastisch in der Wortwahl. Aber es ist auch eine gehaltvolle inhaltliche Auseinandersetzung mit weit verbreiteten Grundannahmen der Gender-Theorie.

Vor allem zwei Punkte nimmt sich Kutschera in seinem Buch vor: 1) Die These, dass jeder Mensch als geschlechtsneutrales Unisex-Wesen geboren wird (S. 244). Detailliert erklärt er, warum kein vernünftiger Zweifel daran bestehen kann, dass diese Lehre falsch ist. Und er demonstriert am tragischen Schicksal von David Reimer (1965-2004), der vom Begründer der Unisex-Theorie (John Money) zum Vorzeige- und Versuchsobjekt degradiert wurde und der an diesem grausamen Menschenexperiment zerbrach, dass es sich keineswegs um einen harmlosen Irrtum handelt.
2) Woher kommen die Geschlechterrollen, wenn sie nicht biologisch angelegt sind? 'Minimalkonsens' der Gender-Studies sei es, dass es sich um 'soziale Konstruktionen' handelt (S. 363), d.h. um letztlich willkürliche und frei veränderbare Eigenschaften. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sollen gerade nicht biologisch vorgegeben sein, sondern sie sollen erlernt sein und können dementsprechend durch Umerziehung eliminiert werden. Für Kutschera ist die darauf beruhende Forderung nach Gleichstellung im Sinne von Gleichmacherei eine 'geistige Vergewaltigung' und blanker 'Staats-Terrorismus' (S. 48) durch selbsternannte Sozialingenieure.

Wie überzeugend ist Kutscheras Abrechnung mit den Gender-Studies? Zunächst ist sie eine Fundgrube an aufschlussreichen Fakten und neuen Aspekten: Zu den biologischen Unterschieden der Geschlechter, zur Entstehung der Homosexualität und Intersexualität, zur Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung der Sexualität und vieles mehr. Dann dokumentiert sie die Wege und Irrwege der Gender-Debatten in den Medien. Und schließlich ist sie der Versuch, das Verhältnis der Geschlechter aus biologischer Sicht zu verstehen.
An vielen Punkten kann ich ihm nur Recht geben. Über manches andere kann und muss man diskutieren: So halte ich die These, dass es sich bei der Polygynie (Vielweiberei) durch einzelne 'despotische Herrscher' um das ursprüngliche 'naturnahe' Paarungssystem der Menschen handelt, für wenig plausibel (S. 265). Wieder andere Fragen sind noch weitgehend ungeklärt. Das gilt auch für die in diesem Zusammenhang wichtigste Frage: Inwieweit sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Verhalten, im Charakter, in den Interessen und in den geistigen Talenten tatsächlich biologisch determiniert und inwieweit sind sie Ausdruck kultureller Traditionen?

Wenn sich die Geschlechterforschung mit dieser Frage ergebnisoffen befassen würde, anstatt die Antworten immer schon vorauszusetzen, dann hätte sie eine wissenschaftliche Existenzberechtigung und wäre mehr als eine politische Ideologie. Dann allerdings müsste sie auch die biologischen Fakten zur Kenntnis nehmen. Sie kann auch gerne versuchen, diese zu widerlegen. Aber mit sachlichen Argumenten und nicht mit dogmatischen Statements. Solange und insoweit wie sie sich dem verweigert, hat sie an den Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen tatsächlich nichts verloren. Da gebe ich Ulrich Kutschera Recht. Schade eigentlich. Denn das Zusammenleben der Geschlechter geht uns alle an. Nicht nur auf der persönlichen Ebene. Sondern letztlich entscheidet es auch über das biologische Schicksal unserer Gesellschaften.

In diesem Sinne ist Ulrich Kutscheras 'Gender-Paradoxon' ein Weckruf und ein Muss ' für Wissenschaftler, für politisch Interessierte und für alle, die die Zukunft unseres Landes nicht gedankenlos auf dem Altar realitätsfeindlicher politischer Utopien opfern wollen.


Evolutionsbiologie
Evolutionsbiologie
von Ulrich Kutschera
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gratulation!, 1. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Evolutionsbiologie (Gebundene Ausgabe)
Zur vierten Auflage der Evolutionsbiologie kann man Ulrich Kutschera nur beglückwünschen. Weil das Buch eine weitere Auflage erlebt, was in Zeiten, in denen viele Studierende Lehrbücher für überflüssig halten, keineswegs selbstverständlich ist. Und dafür, wie es gereift ist. Die neue Ausgabe knüpft in Stil und Inhalt an die früheren Versionen an. Insofern ist es ein typischer "Kutschera" – flott und engagiert geschrieben und sich wohltuend vom oftmals übertrieben professoralen Habitus mancher deutschsprachiger Autoren abhebend.

Wie schon in früheren Ausgaben finden sich nicht nur die wesentlichen Fakten zur Evolution, sondern auch eine Fülle von Informationen und Anregungen, die verstehen lassen, wie die Wissenschaft zu ihren Aussagen kommt. Erweitert wurden die Passagen zur Evolution des Menschen und auch sonst wurde der Text durchgängig auf den aktuellen Stand des Wissens gebracht.

In diesem Sinne ist es allen Leserinnen und Lesern empfohlen, die sich dafür interessieren, wie Evolution wirklich funktioniert. Die kompetent mitreden wollen und die sich mehr zutrauen als ein paar Infohappen.


Animal irrationale: Eine kurze (Natur-)Geschichte der Unvernunft (edition unseld)
Animal irrationale: Eine kurze (Natur-)Geschichte der Unvernunft (edition unseld)
von Franz M. Wuketits
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Schaden und Nutzen der Unvernunft, 11. September 2013
Wie keine biologische Art zuvor haben die Menschen ihre Lebensbedingungen verändert – um nun festzustellen, dass ihre angeborenen Verhaltensweisen und ihre Erkenntnisfähigkeit mit den technischen Entwicklungen nicht Schritt gehalten haben. Umweltzerstörungen globalen Ausmaßes, eine rapide Zunahme an Zivilisationskrankheiten und tiefgreifende soziale Konflikte sind die Folge. Und so lässt sich kaum leugnen, dass sich der Homo sapiens, der ‚weise Mensch‘, wie ein Animal irrationale, wie ein unvernünftiges Tier, verhält.

Warum dies so ist und welche konkreten Konsequenzen daraus erwachsen, erzählt Franz M. Wuketits in seinem kurzweiligen und informativen Buch. Er zeigt, wie die evolutionäre Erkenntnistheorie uns hilft, die individuelle und vor allem die kollektive Dummheit zu verstehen. Er nimmt die Unvernunft aber auch in Schutz, wenn sie sich als Kreativität, als Emotionalität oder als Intuition äußert, die oft verlässlich ist als die Vernunft.

Wuketits‘ Buch ist eine harsche Kritik an vielen Entwicklungen der Gegenwart, es rechnet so ungehalten mit den Artgenossen ab, dass man sich an manchen Stellen an Thomas Bernhard erinnert fühlt. Aber es ist auch ein Ausdruck der Hoffnung: Dass die Erkenntnis unserer Unvernunft eine Voraussetzung ist, um zu einem vernünftigeren Umgang mit uns selbst und mit der Natur zu kommen. Diese Hoffnung mag unvernünftig sein, aber sie ist nicht dumm, denn ohne sie würden wir uns noch der letzten Chancen auf Veränderung berauben. Und so sei das Buch allen Lesern empfohlen, die Argumente suchen, um angeblichen Sachzwängen etwas entgegen setzen zu können.


Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann
Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann
von Andreas Kilian
  Broschiert
Preis: EUR 17,00

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist Religion eine biologische Anpassung?, 8. November 2011
Religiöses Verhalten ist eines der interessantesten und rätselhaftesten Merkmale der Menschen. In der Vergangenheit wurde es bevorzugt mit den Methoden der Ethnologie, der Geschichtswissenschaft, der Soziologie oder der Psychologie untersucht. In den letzten Jahren kam die evolutionsbiologische Betrachtung hinzu. Dieser Ansatz erscheint insofern erfolgversprechend als religiöses Verhalten zwar nicht allgemein aber doch so weit verbreitet ist, dass man einen genetischen Anteil vermuten kann. Zudem scheint es biologische Vorteile mit sich zu bringen, denn religiöse Menschen haben mehr Kinder als ungläubige. Dies gilt nicht für alle Konfessionen, aber der statistische Zusammenhang ist doch recht eindeutig. Und so wurde vermutet, dass religiöses Verhalten eine biologische Anpassung ist.

Von evolutionsbiologischem Interesse sind weniger die nach Zeit und Ort unterschiedlichen Erscheinungsformen religiösen Verhaltens, sondern die allgemein menschliche, kulturübergreifende Tendenz, die natürliche und soziale Welt als durch übernatürliche Mächte bestimmt aufzufassen. Da die konkreten Erscheinungsformen der religiösen Denkweise höchst vielfältig und schillernd sind, fokussieren sich die evolutionsbiologischen Untersuchungen meist auf einen speziellen Aspekt. Dies gilt auch für das Buch von Andreas Kilian. Es bestimmt Religion als ein rhetorisches Mittel, das auf der evolutionär entstandenen Tendenz der Menschen beruht, komplexe Situation schnell bewerten zu müssen, und dabei auch notfalls Akteure und Ursachen zu erfinden. Im sozialen Kontext können die nicht überprüfbaren Aussagen dann dazu dienen, Eigeninteressen durchzusetzen und andere Gruppenmitglieder zu manipulieren. Religiöses Verhalten wird also aus den evolutionären Mechanismen der machiavellischen Gruppendynamik beim Menschen erklärt. Mit dieser Definition erfasst Kilian sicher ein wichtiges und verbreitetes Element von Religion, inwieweit er dem Phänomen damit umfassend gerecht wird, sei aber dahingestellt.

Die evolutionsbiologische Methode hat einen großen Vorteil, wenn es darum geht, menschliches Verhalten zu verstehen. Da sie die Besonderheiten unserer eigenen Spezies aus der Distanz betrachtet und auf allgemeine biologische Notwendigkeiten zurückführt, erleichtert sie es, diese wissenschaftlich zu verstehen, ohne sie vorschnell zu bewerten. Diesen Vorteil gibt Andreas Kilian aus der Hand. Es mag sein, dass Religion (auch) eine spezielle Ausdrucksform des allgemeinen biologischen 'Egoismus' ist, die ungerechtfertigte Vorteile verschafft, indem sie unüberprüfbare Aussagen macht. Die weitergehende evolutionsbiologische Fragestellung wäre nun aber zu untersuchen, unter welchen Umständen diese Strategie eingesetzt wird, worin ihr Nutzen und ihre Kosten bestehen und warum sie von den anderen (benachteiligten) Gruppenmitgliedern toleriert wird. Es ist ja nicht so, dass unüberprüfbare Aussagen generell akzeptiert werden. So wird beispielsweise Kindern, die eine Notlüge mit erfundenen Personen ausschmücken, in der Regel ja auch nicht geglaubt.

Das Buch bringt eine Fülle von interessanten Details und gibt einen guten Überblick über den Stand der evolutionsbiologischen Diskussionen zum Thema Religion. Das Geheimnis der weiten Verbreitung der religiösen Denkweise löst es meinem Eindruck nach aber nicht, da zentrale Fragen offen bleiben. Unter welchen Umweltbedingungen beispielsweise ist die Religion eine effektivere Strategie zur Durchsetzung individueller Interessen in einer Gemeinschaft als körperlicher Zwang und Uniformierung, oder gemeinsame Feiern, Phantasien und Kunst?
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Die Krankheit des Propheten: Ein pathographischer Essay
Die Krankheit des Propheten: Ein pathographischer Essay
von Armin Geus
  Gebundene Ausgabe

107 von 111 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein medizinischer Blick auf den Koran, 8. November 2011
Woher weiß ein gläubiger Moslem, dass er den richtigen Gott anbetet? Und woher nimmt er die Überzeugung, dass Allah nicht nur einer unter vielen Göttern sondern der einzige Gott ist? Weil dies im Koran behauptet wird. Der Koran wiederum soll nicht von Mohammed erdichtet worden sein, sondern von Allah, dem 'Herrn der Weltbewohner,' selbst stammen (Sure 10, 37). Und so beruht das Glaubenssystem der Moslems darauf, dass Mohammed die vom Erzengel Gabriel diktierten Texte wahrheitsgetreu wiedergeben hat. Was aber, wenn es Einflüsterungen des Satans waren? Und wie steht es mit dem Wahrheitsgehalt des Korans, wenn Mohammed ein Hochstapler oder geisteskrank war? Es wäre zwar möglich, dass sich Allah zur Überbringung seiner Nachrichten eines psychisch kranken Propheten bedient hat. Nichtsdestoweniger würde dies die Glaubwürdigkeit des Korans erschüttern und die Frage aufwerfen, inwiefern sich die Mohammed'schen Offenbarungen von den Eingebungen anderer Propheten und von den Halluzinationen der Psychiatriepatienten unterscheiden.

Der Islam beruht also ganz wesentlich auf der Glaubwürdigkeit seines Propheten, was einen Teil der hysterischen und mörderischen Reaktionen erklärt, die Salman Rushdies Satanische Verse und selbst harmlose Mohammed-Karikaturen auslösten. Und genau aus diesem Grund muss sich jede ernstzunehmende Kritik des Islam um diesen neuralgischen Punkt bemühen. In Anbetracht der weit verbreiteten Scheu, dies zu tun, kann es nicht hoch genug bewertet werden, dass Armin Geus die vielfältigen Hinweise auf eine schwere psychische Erkrankung des Propheten ohne falsche Rücksichtnahme und ideologische Scheuklappen gesichtet und bewertet hat.
Schon zur Zeit Mohammeds kursierten entsprechende Vermutungen, wie aus den im Koran selbst enthaltenen Dementis hervorgeht. So heißt es beispielsweise, der Prophet sei 'nicht besessen' (81, 22). Der byzantinische Historiker und Theologe Theophanes Confessor (765-815) deutete die Offenbarungen und Visionen Mohammeds dann als Krankheit und diagnostizierte sie als Epilepsie. Später wurde eine ganze Reihe weiterer Vermutungen über die Art der Krankheit des Propheten geäußert. Das Spektrum reicht von einem Tumor des Hypophysenvorderlappens (Akromegalie) über eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bis zu Vergiftungserscheinungen. Armin Geus selbst kommt aufgrund zahlreicher Indizien zu dem Schluss, dass Mohammed unter einer 'paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie mit definierten Wahnvorstellungen und charakteristischen Sinnestäuschungen' gelitten hat. Und so lässt sich der Koran auch als 'Chronik einer Krankengeschichte' lesen (S. 74-75). Die detaillierte Diskussion der verschiedenen Diagnosen ergänzt Armin Geus durch Hinweise auf den Charakter Mohammeds. Neben den Überlieferungen über dessen Leben sind vor allem die Allah, Mohammeds alter ego, zugeschriebenen Eigenschaften eine reiche Fundgrube. Das so entstehende Bild ist wenig schmeichelhaft. Das ständige Schachern zeuge von einer 'Krämerseele', die rücksichtslose Selbstbezogenheit, der Sadismus und die Pädophilie Mohammeds sind weitere Hinweise auf schwerwiegende charakterliche Mängel.

Die Krankheit des Propheten des Marburger Medizinhistorikers Armin Geus ist ein mutiges, interessantes und wichtiges Buch, das viel zu einer realistischen Einschätzung des Islam beiträgt. Es liefert entscheidende Hintergrundinformationen, indem es die Religion Mohammeds aus dem Charakter und Prophetenwahn ihres Stifters deutet. Damit erklärt es nicht alles am Islam, aber ohne diesen Aspekt bleibt vieles im Dunkel.

Das Buch ist erhältlich bei der BASILISKEN-PRESSE und direkt bei Prof. Dr. Armin Geus, Postfach 561, 35017 Marburg an der Lahn.
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Waffenstillstand
Waffenstillstand
DVD ~ Max von Pufendorf
Wird angeboten von wernernickl
Preis: EUR 4,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Willkommen im Irak, einmal anders, 16. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Waffenstillstand (DVD)
Um es gleich vorweg zu nehmen: Waffenstillstand ist ein absolut empfehlenswerter Film. Er erzählt von dem Versuch, dringend benötigte Medikamente ohne militärische Unterstützung ins umkämpfte Falludscha zu bringen. Wir sind im Jahr 2004, als der irakische Widerstand gegen die amerikanischer Besatzungstruppen auf seinem Höhepunkt war.

Initiiert wird der höchst riskante Medikamententransport von einer idealistischen Krankenschwester und einem ehrgeizigen Kriegsreporter. Gemeinsam mit einem morphinsüchtigen Arzt, einem abgebrühten Kameramann und dem einheimischen Fahrer versuchen sie ihre wertvolle Fracht während eines kurzen und brüchigen Waffenstillstandes mit einem klapprigen Kleinbus ans Ziel zu bringen. Von den amerikanischen Besatzungstruppen werden sie schikaniert und belächelt, von den Aufständischen beschossen und bedroht. Ein bisschen erinnert die Aktion an die deutsche Haltung zum Irakkrieg, als man erst eine große Schweiz sein wollte, um dann wenig später doch in den Krieg gegen den Terror glaubte ziehen zu müssen.

Die Rollen sind allesamt hervorragend besetzt; am besten hat mir Hannes Jaenicke als zynischer Kameramann gefallen, aber dies ist nur ein subjektiver Eindruck. Die Geschichte wird überzeugend erzählt und die Bilder machen trotz des vergleichsweise geringen Budgets einen ausgesprochen authentischen Eindruck. Man merkt dem Film an, wie intensiv und sorgfältig sich der Regisseur Lancelot von Naso auch um Details gekümmert hat. Der Erzählstil ist angenehm ruhig, humorvoll wenn es angebracht ist und ernsthaft ohne sozialpädagogische Belehrungen. Waffenstillstand ist ein eindrucksvoller, spannender und gut erzählter Film: Unbedingt ansehen.


The European Origins of Scientific Ecology (Histoire des sciences, des techniques et de la medicine)
The European Origins of Scientific Ecology (Histoire des sciences, des techniques et de la medicine)
von Pascal Acot
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Die Ursprünge der Ökologie in Quellen, 10. Dezember 2009
Die Geschichte der wissenschaftlichen Ökologie ist ein vergleichsweise junges Teilgebiet der Geschichte der Biologie. Mit dem Aufschwung der Ökologie in den letzten beiden Jahrzehnten rückte auch ihre Geschichte stärker in den Vordergrund. Es erschienen einige umfassende Studien zu ihrer Entstehung; die grundlegenden Quellentexte dieser Disziplin, vor allem solche, die vor 1900 in Europa erschienen, sind aber oft nur durch die Sekundärliteratur bekannt und in einigen Fällen schwer zu erhalten. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß Pascal Acot in Zusammenarbeit mit in Frankreich arbeitenden Wissenschaftshistorikern diese Sammlung von insgesamt 32 Fascimiletexten klassischer Schriften des 19. Jahrhunderts zur Ökologie herausgegeben hat.

Das zweibändige Werk ist in sechs thematisch geordnete Abschnitte unterteilt, die mit jeweils einer Einleitung versehen sind. Die bis in die Gegenwart umstrittene Frage, wie Gegenstandsbereich und Methoden der Ökologie zu bestimmen sind, macht es unausweichlich, daß man über die Auswahl der Texte unterschiedlicher Meinung sein kann. Dies vorausgesetzt kann man den Herausgeber zustimmen, daß die Bände einige der wichtigsten Gebiete abdecken, aus denen die moderne wissenschaftliche Ökologie entstanden ist.

In Abschnitt 1, Botanical Geography", werden Texte von A. v. Humboldt, A.-P. de Candolle, A. J. Dureau de la Malle, G. Bonnier und Ch. Flahault wiedergegeben; in Abschnitt 2, The Structuring of Communities", solche von E. Darwin, Ch. Lyell, Ch. Darwin, K. Moebius, P.-F. Verhulst, Ch. V. Riley, P. Marchal und F.-A. Forel; Abschnitt 3, Agrochemistry und Bacterial Autotrophy", enthält Texte von J. Liebig, J.-B. Boussingault und S. Winogradski; Abschnitt 4, The Taxomomy and Nomenclature of Plant Groups", von A. H. R. Grisebach, A. Kerner von Marilaun, A. de Candolle, Ch. Flahault; Abschnitt 5, The Geography of Human Societies", solche von K. Ritter, É. Reclus, F. Ratzel; in Abschnitt 6, The Birth of Scientific Ecology", kommen E. Haeckel und E. Warming zu Wort.

Jedem der Quellentexte, die durchschnittlich zwischen 15 und 30 Seiten umfassen, wurde eine kurze englische Zusammenfassung vorangestellt. Die Texte selbst werden in ihrer ursprünglichen französischen, englischen, deutschen oder dänischen Fassung wiedergegeben. Wenn immer möglich, wurden die deutschen Texte durch zeitgenössische englische oder französische Übersetzungen, der dänischen Text von Eugenius Warming durch die deutsche Übersetzung ergänzt.

Die umfangreiche Quellensammlung und die instruktiven Einführungen machen die Bände zu einer lohnenden und spannenden Lektüre, die sich auch sehr gut als Seminarreader eignet. Als einziger Nachteil ist der relativ hohe Preis zu nennen, der aber durch die meist gute Wiedergabequalität und den Umfang der Bände gerechtfertigt ist.


Darwinism's Struggle for Survival: Heredity and the Hypothesis of Natural Selection (Cambridge Studies in Philosophy and Biology)
Darwinism's Struggle for Survival: Heredity and the Hypothesis of Natural Selection (Cambridge Studies in Philosophy and Biology)
von Jean Gayon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 154,21

5.0 von 5 Sternen Genetik und Darwinismus: Die Geschichte einer konfliktreichen Beziehung, 10. Dezember 2009
Der Erfolg der Synthetischen Theorie der Evolution in den Jahrzehnten nach 1950 hat die Tatsache in den Hintergrund treten lassen, daß der moderne Darwinismus eine lange und intensive Krise erfuhr, bevor er zum kaum bestrittenen Lehrbuchwissen unserer Tage wurde. Obwohl diese Krise durch die Angriffe der Gegner (u.a. Lamarckisten und Orthogenetiker) verstärkt wurde, handelte es sich wesentlich auch um eine innere theoretische Krise. Hervorgerufen wurde die Krise dadurch, daß es trotz der intuitiven Gewissheit, daß die Selektionstheorie richtig ist, noch fast 80 Jahre dauerte, bis die natürliche Auslese als empirische Realität und theoretische Möglichkeit konkret nachgewiesen werden konnte.

Jean Gayon hat eine außergewöhnlich detailreiche und präzise Geschichte der oft widersprüchlichen und schwierigen Beziehungen zwischen natürlicher Auslese und den jeweiligen historischen Vererbungstheorien, die eine Ursache für die Krise des Darwinismus waren, von Darwin bis zur Synthetischen Theorie vorgelegt. Es handelt sich um eine Übersetzung seines 1992 auf französisch erschienenen Darwin et l'après-Darwin: Une histoire de l'hypothèse de sélection naturelle. Der Band gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird der Beginn der Krise des Darwinismus bei Darwin und Wallace dargestellt. Im zweiten Teil wird das Spannungsverhältnis zwischen den Theorien der Selektion und der Vererbung bis ins 20. Jahrhundert nachgezeichnet. Einführend stellt Gayon hier Galtons und Weismanns Theorien zur Selektion, Vererbung und Regression dar. In weiteren Abschnitten werden Strategien vorgestellt, das Selektionsprinzip am Beispiel der Mimikry zu bestätigen und verschiedene Versuche der englischen Biometriker, die Wirkung der Selektion nachzuweisen. Den Abschluß bildet eine Darstellung der Konfrontation zwischen Darwinisten und frühen Mendelisten in den Jahren nach 1900.

Im dritten Teil zeigt Gayon, wie das Selektionsprinzip in den Jahren nach 1920 durch die Berechnungen der mathematischen Populationsgenetik und empirische Untersuchungen bestätigt werden konnte. Dies hatte aber auch gravierende Folgen: aus Darwins umfassender Theorie der natürlichen Auslese wurde einer unter mehreren Parametern der Populationsgenetik und der Neo-Darwinismus der Synthetischen Theorie wurde wesentlich zu einem Neo-Mendelismus".
Viele der von Gayon beschriebenen Episoden sind aus den Schriften von William Provine, Ernst Mayr und anderer Autoren bekannt, aber noch nie so eingehend dargestellt worden. Wie seine Vorgänger beschränkt sich Gayon im wesentlichen auf die Rekonstruktion theoretischen Wissens und - abgesehen von wenigen Ausnahmen - auf die Geschichte der englischsprachigen Evolutionstheorie. In diesem Rahmen ist der vorliegende Band die bisher umfassendste und präziseste Darstellung der historischen Debatten um die Herausforderung des Darwinismus durch Theorien der Vererbung und uneingeschränkt zu empfehlen.


Briefwechsel - Carl Vogt, Jacob Moleschott, Ludwig Büchner, Ernst Haeckel (Acta Biohistorica)
Briefwechsel - Carl Vogt, Jacob Moleschott, Ludwig Büchner, Ernst Haeckel (Acta Biohistorica)
von Christoph Kockerbeck
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zur Entstehung des Weltbildes der modernen Biowissenschaften, 10. Dezember 2009
Die naturwissenschaftliche Biologie wie sie die Gegenwart prägt, nahm einige ihrer wichtigsten Ursprünge im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts - die experimentelle Methode, die Evolutionstheorie, die Zellentheorie und zahlreiche andere, bis heute unverzichtbare Konzepte wurden innerhalb weniger Jahrzehnte in ihrer modernen Form entwickelt und durchgesetzt. Begleitet wurden diese methodologischen und theoretischen Fortschritte von geistigen und organisatorischen Emanzipationsbestrebungen der Naturwissenschaftler. Im bewußter Abkehr von traditionellen Vorstellungen sollte das Bild der Welt, der Natur, der Menschen auf eine neue Basis gestellt werden. Dieser Umbruch wurde gegen teilweise erbitterten Widerstand der alten Eliten aus Philosophie und Theologie erkämpft, die - nicht zu Unrecht, wie die weitere Entwicklung zeigte - ihre Deutungsmacht gefährdet sahen.

Zu den wichtigsten Protagonisten dieser Entwicklung gehörten die Materialisten Carl Vogt, Jacob Moleschott und Ludwig Büchner (der Bruder des Dichters Georg Büchner) sowie der deutsche Darwin" Ernst Haeckel. Alle vier Autoren hatten eine medizinische bzw. biologische Universitätsausbildung absolviert und sich dann publizistischen Tätigkeiten zugewandt. Während Vogt und Moleschott in der Schweiz bzw. Italien ihre universitäre Laufbahn fortsetzen konnten, mußte sich Büchner, dem wegen seines Materialismus von der Universität Tübingen die Lehrerlaubnis entzogen wurde, mit publizistischen Arbeiten den Lebensunterhalt verdienen.

In seiner ausführlichen und sehr informativen Einleitung schildert Kockerbeck sowohl den biographischen Hintergrund seiner Autoren als auch ihr jeweiliges Verhältnis zueinander. Die gegenseitigen Hilfestellungen und Sympathien - schließlich war man sich weitgehend einig, was die gemeinsamen Gegner betraf - werden ebenso kenntnisreich dargestellt, wie die wissenschaftlichen und weltanschaulichen Bruchstellen. Persönliche Divergenzen erhielten auch dadurch Nahrung, daß der statische Materialismus der 1850er Jahre durch den Darwinismus in vielerlei Hinsicht schon bald überholt war. Obwohl sich beispielsweise Büchners populärer Bestseller Kraft und Stoff (1. Aufl. 1855) auf einem, wenn auch geringeren Niveau weiterverkaufte, ging die Meinungsführerschaft auf Haeckel über, der mit seiner Natürlichen Schöpfungsgeschichte (1. Aufl. 1868) dem neuen dynamischen Weltbild die prägende Form gab.

Den zweiten Teil des Buches nimmt die mit Anmerkungen versehen Transkription der insgesamt 63 Briefe ein. Porträtaufnahmen der Autoren und die faksimilierte Wiedergabe je eines ihrer Briefe illustrieren und ergänzen den Briefwechsel ebenso wie ein mit biographischen Informationen versehenes Personenregister. Inhaltlich sind die Briefe von unterschiedlichem Gewicht, es werden Komplimente und Informationen ausgetauscht, es finden sich aber auch interessante Stellungnahmen zur Evolution der Menschen, der Bedeutung des Kampf ums Dasein in der menschlichen Gesellschaft, politische Bewertungen und vielerlei mehr.

Es ist erstaunlich, wie frisch die von Vogt, Moleschott, Büchner und Haeckel diskutierten Probleme noch sind. So kam man beispielsweise im Disput zwischen Haeckel und Vogt über den Mono- bzw. Polygenismus unschwer einen historischen Vorläufer der aktuellen Debatte um die Multiregionale versus Out-of-Africa-Theorie erkennen.

Der von Kockerbeck herausgegebene Briefwechsel aus der Frühzeit der wissenschaftlichen Biologie sei deshalb allen historisch interessierten Biologen empfohlen, die einen Schritt von den aktuellen Debatten um Gentechnik, Klonen, Eugenik und Verantwortung der Wissenschaft zurücktreten möchten, und sich für die Ursprünge dieser Ideen und Konflikte interessieren.


Monismus um 1900: Wissenschaftskultur und Weltanschauung (Ernst-Haeckelhaus-Studien)
Monismus um 1900: Wissenschaftskultur und Weltanschauung (Ernst-Haeckelhaus-Studien)
von Paul Ziche
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Warum gibt es den 'Monismus' nicht mehr?, 10. Dezember 2009
Im 19. Jahrhundert kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern traditioneller philosophischer und vor allem religiöser Anschauungen auf der einen und Naturwissenschaftlern auf der anderen Seite. Der Jenenser Biologe Ernst Haeckel, einer der frühesten Anhänger Charles Darwins in Deutschland und erfolgreicher Wissenschaftspopularisator, gab der naturwissenschaftlichen Weltanschauung einen inhaltlichen und organisatorischen Rahmen, der unter dem Namen `Monismus' bekannt wurde.

Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der 1906 gegründete Deutsche Monistenbund" wegen materialistischer und pazifistischer Tendenzen aufgelöst. Die Überzeugung, dass eine wissenschaftliche Weltanschauung nicht nur möglich, sondern unerlässlich ist, lebt aber weiter.

Dies macht - leider nur indirekt - auch vorliegender Sammelband deutlich, der auf eine Vorlesungsreihe im Jenaer Ernst-Haeckel-Haus zurückgeht. Die Autoren kommen überwiegend aus der Philosophie (Paul Ziche, Olaf Breidbach, Gottfried Gabriel, Uwe Dathe) und sympathisieren deutlich mit den Gegnern des Monismus. Die Ansichten Haeckels und anderer Monisten werden abfällig kommentiert, die seiner Gegner niemals, und man ist bemüht, den Monismus ein weiteres Mal philosophisch zu widerlegen. Es ist dabei durchaus interessant zu beobachten, dass damit die Virulenz des Monismus im weiteren Sinne indirekt anerkannt wird. Vor allem in den angelsächsischen Ländern melden sich Vertreter der naturwissenschaftlichen Weltanschauung öffentlichkeitswirksam zu Wort - die Debatten um die Soziobiologie, Richard Dawkins' `egoistisches Gen', Klonen oder Gentechnik dokumentieren dies eindrucksvoll. In vorliegendem Sammelband sind sie nicht vertreten, man bleibt unter sich. In diesem Sinne ist der Band - zumindest in seiner ersten Hälfte - weniger ein Dokument des Monismus um 1900, als des deutschen Anti-Monismus um 2000.

Die zweite Hälfte des Sammelbandes ist historischen Beiträgen gewidmet. Heiko Weber zieht einen Vergleich zwischen den Vorstellungen von Ernst Haeckel und August Forel; ergänzt wird sein Beitrag durch eine Bibliographie von Werken von und über Forel. Hans-Detlef Mebes schließlich geht auf die Beziehungen zwischen Monismus und Reformbestrebungen innerhalb der Freimaurerbewegung ein.


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